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i» - ■! Mrgen-Veilage des Wiesbadener Lagblatts. >»—-='

Nr. 3. Dienstag, 5. Januar. 1915.

Copyright 1014 by Carl Dunker, Berlin.

vor Wagehals.

Nachdruck verboten.

Roman von Fritz Skvwronuek.

(14. Fortsetzung.)

11. Kapitel.

Die Gäste schienen es für einen Scherz zu halten. Len Erna angestiftet hatte. Die meisten kannten sie als einen Kobold, der keine Gelegenheit zu Neckereien vorübergehen ließ. . . . Das schien auch der Forst­meister zu glauben, denn er fragte jetzt über die Tafel hinüber: „Sagen Sie mal in allem Ernst. Herr Daum­lehner, würden Sie wirklich einen Fahrgast mit­nehmen?"

„Selbstverständlich, Herr Forstmeister, aber ohne jede Verantwortung."

„Gut, dann nehme ich Sie beim Wort. Ich bitte Sie, morgen früh mit Ihnen aufsteigen zu dürfen."

Die ganze Gesellschaft war starr vor Staunen. Der Starrischker rief laut zu ihm rüber: „Mensch, Forst­meister, plagt dich der Deuwel? In deinem After?"

„Was hat niein Alter damit zu tun? In gewissem Sinne ja. . . . Ich werde es wahrscheinlich nicht mehr erleben, daß jeder Mensch wie jetzt im Auto in seinem eigenen Flugzeug spazieren fährt. Da muß ich die Gelegenheit wahrnehmen. Ich habe nicht Kind noch Kegel."

„Der Forstmeister hat recht", rief der Hausherr lachend. „Aber weißt du was, Waller? Ich würde die Sache nicht umsonst machen. Das muß mindestens einen blauen Lappen kosten. . . . Ich vermiete dir meine Reinontekoppel als Flugplatz und du unter­nimmst täglich dreißig, vierzig Vergnügungsfahrten. Ich wette, die Weschkalene ist die zweite, die mit dir aufsteigt. Ich schicke ihr wirklich noch heute einen Boten." ....

„Das ist gar kein übler Vorschlag, Ohm Dietrich", rief Walter belustigt zu ihm hinüber. „Für Ernas Fahrt nehme ich dir natürlich nichts ab, weil sie den Anstoß dazu gegeben hat."

„Wird nicht angenommen . . das verrechnen wir

auf die Platzmiete."

Lisbeth von Grinnkow, die neben dem Oberleut­nant von Neichenbach saß, beugte sich zu ihm und flüsterte ihm zu: „Wissen Sie, weshalb der Forstmeister aufsteigen will? Weil er eine junge Witlve heiraten soll."

„Wie darf ich das verstehen, mein gnädiges Fräu­lein?"

„Na, >das ist doch sehr einfach. Er will sich vor ihr dicktun."

„Der Ausdruck ist mir nicht recht geläufig, ich fühle nur ungefähr, was Sie meinen. Aber da kann ich Ihnen nicht beipflichten. Das ist, soviel ich darüber urteilen kann, ein prächtiger, aller Herr, der sich eine erstaunliche Frische bewahrt hat. Ich kann es verstehen, daß er die Gelegenheit wahrnimmt, einen Flug durch di« Luft zu unternehmen."

„Dann finden Sie auch nichts dabei, daß meine Cousine Erna fliegen will?"

„Gar nichts, mein gnädiges Fräulein. . . . Das ist ein prächtiges, tapferes Mädelchen."

Lisbeth setzte eine abweisende Miene auf. Sie hatte die Abfuhr, die ihr der Leutnant erteilt hatte, wohl gefühlt. . . .

Mit lächelnder Miene fuhr er fort: „Darf ich Ihnen ganz gehorsamst den Vorschlag machen, mit mir aufzu­steigen? Daumlehner wird mir gern sein Flugzeug zur Verfügung stellen?"

„Sie können auch fliegen?"

„Aber selbstverständlich! Das ist doch kein Wunder mehr. . . „ Ich bin der dritte Militärflieger gewesen, der sein Pilotenexamen gemacht hat. Es ist allerdings erst drei Monate her."

„Und Sie fliegen nun öfter?"

„Nur soviel, um nicht außer Übung zu kommen.

. . . . Also nochmals, darf ich Sie morgen zu einem Flug einladen?"

„Ich danke... ich muß wirklich danken." Etwas leiser fügte sie hinzu: „Ich würde wohl soviel Energie aufbringen, aber meine Mutter würde sich zu Tode ängstigen. Sie haben sie ja vorhin gehört."

„So, das war Ihre Frau Mutter. . . . Na ja, ich verstehe, daß Sie Rücksicht auf Ihre Ellern nehmen müssen."

Lisbeth glaubte aus den, Ton Ironie herauszu­hören und ärgerte sich. „Ich habe noch einen anderen Grund, Herr von Reichcnbach, den ich Ihnen nicht ver­schweigen will. Ich halte es für unrichtig, wenn Männer, die auch sonst etwas bedeuten, ihr Leben aufs Spiel setzen, um solch eine neue Erfindung zu erproben. Dazu gibt es doch genug Schlosserjungen . . ,"

„Ja, Schlosserjungen gibt es genug in Deutschland", erwiderte Reichenbach mit Nachdruck, „aber ich halte es doch für richtig, wenn wir Männer die Ehre für uns in Anspruch nehmen, an der Eroberung der Luft für die Menschheit teilnehmen zu dürfen. Das ist eine so wichtige und so ernsthafte Sache, daß man sie nicht den Schlosserjungen allein überlassen darf."

Lisbeth fühlte aus dem Ton seiner Stimme, daß sie ihren Nachbar gekränkt hatte . . . und es gefiel ihr, daß er sich so entschieden, wenn auch in höflicher Fonn, gegen sie wehrte. Geschickt versuchte sie nach Frauen- ärt, den Streitpunkt auf ein anderes Gebiet hinüüer- znspielen. „Wenn das solch eine Ehre ist, dann müßte die äußere Anerkennung viel größer sein. Was haben Sie denn von.Ihrer Flugkunst?"

„Mein gnädiges Fräulein, es wäre fchr traurig, wenn die großen Fortschritte der Ntenschheit bloß von den Belohnungen abhängig wären, die sie einbringen könnten. ... Ick, lasse mir an dem Bewußtsein ge­nügen, daß ich meine Pflicht erfülle, ja noch etwas darüber hinaus geleistet habe und hoffentlich auch in der Zukunft leisten werde. Denn sobald mir die Mili« tävverwaltung ein Flugzeug zur Verfügung stellt, ge, denke ich ebenso wie Mein Kamerad Daumlehner. Werts Überlandflüge zu unternehmen."

Lisbeth hatte dem Blick zu Boden gesenkt. Sie fühlte, daß sie nicht gut abgeschnitten hatte. Der Mann