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VieMemr Wlatt

Verlag Langgaffe 21

„T»gbl«ti-Haus".

Echaltn-valle g-öffnet von 8 Udr morgen« bi? 8 Uhr «bett**.

wöchentlich

8. vierteljährlich durch den Berlog

e deulichen Poftanstalten, ausichliehlich ijiM. — Keruas-tieitellungen nemntn auBetDem entgegen^ in Wierdnden die Zweiaitelle Bi», mnrckrinn 18, iowie die Auzaabektellen in alten Teilen der slndt: ,n B-ebrich: d,e dortigen Lud- g-be!tell-n und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagdlart-Träger,

12 Ausgaben.

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„Tegblatt -Haus" Rr. 6850-53.

Bon 8 Uhr morgend bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

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Der Krieg.

Der Tagesbericht oem 5. Januar.

Bet arros ein Schützengraben gesprengt. — Französische angriffe in den argonnen und im Sundgau zurückgewiesen. — weiteres Vorrücken in Polen.

\Y- T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Jan., vor­mittags. (Amtlich.) ^

rvestlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich Arras sprengten unsere Truppen einen Schütten- graben von 200 Meter Länge und machten dabei einige A e - s a n g c n e. Spätere Gegenangriffe des Gegners scheiterten.

In den Argonnen wurden mehrere französische Vor­stöße zurückgewiesen.

bin französischer Angriff zwischen Steinbach und Ufsholz wurde im Bajonettkamps abgeschlagen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

In Ostpreußen und nördlich Polen ist die Lage u n - verändert.

Unsere Angriffe östlich der B z u r a bei Kozlow- Biskupi und südlich wachen Fortschritte. Auch nord­östlich Bolimow drangen unsere Truppen östlich der Rawka über Humin und Höhen nördlich davon vor. Weiter süv- lich bis zur Pilica, sowie auf dem rechten Pilica-Ufcr hat sich nichts verändert.

Zustand der Wege und ungünstiges Wetter Hinderten unsere Bewegungen. Oberste Heeresleitung.

Die Lage im westen.

Ein neuer Fliegerangriff aus Dünkirchen.

Berlin, 5. Jan. Über Dünkirchen erschienen am 2. Jan., nachmittags, deutsche Flieger, die Bomben abwarfcn auf die in den Vororten befindlichen Munitions- und Proviantlaacr der Franzosen und Engländer, welche bedeutenden Schaden erlitten. Es wurden nach dem „B. T." ungefähr hundert Personen getötet oder verwundet.

Die Kämpfe in den Morasten an der pser.

Berlin, 5. Ion. Eine Schilderung der Schlacht bei St. Georges, eines Dorfes, das auf beiden Seiten der Dser liegt, wird von der „Voss. Ztg." gebracht. Als die Deutschen ■ nach einem heftigen Gefecht von einer Seite der User, auf die andere übergingen, wurden die Verbündeten durch' ein hef­tiges Artilleriefeuer festgehalten. Es entspannen sich die Gefecht« vom 27. Dez., deren furchtbares Artillerie- f e u e r fünf Stunden andauerte. Es wurde dann ein An­griff mit Flößen versucht. Abends 10 Uhr gelang es end­lich einigen tausend Mann, über die Dser zu kommen. Mit gefälltem Bajonett, durch den Morast watend, versuchten die Franzosen und Engländer, die deutschen Laufgräben zu stürmen. Es gelang ihnen aber nicht.

Oie Lage in vethune und amiens.

Flüchtende Einwohner aus Bethnne teilen mit, wie dem „Bert. Lok.-Anz." zufolge aus D ü n k i r ch c n berichtet wird, daß die Stadt neuerdings stark bedroht ist und unter Luft­angriffen der Deutschen leidet. 3000 verWundete Eng­länder wurden in Bethnne untergebracht, doch zwei Tage nach dem Gefecht bei F e st u b e r t weiter befördert. Der Wacht- dienst in der Stadt wird jetzt von farbigen Soldaten ver­sehen. Das Elend in Bethnne und Umgegend ist sehr groß. Arbeit gibt es nicht mehr. Die Lebensmitteipreise werden für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich. — Auch aus Amiens kmnmen Flüchtlinge nach Le Havre. Ihren Mittei­lungen ist zu entnehmen, daß in Amiens Furcht vor einer zweiten Besetzung durch die Deutschen herrscht. Sol­datenangehörige berichten über den erschöpften Zustand der jungen Leute.

vie Starke der deutschen Verteidigung.

In einer Besprechung über das Kampfsystem in den Schützengräben schreibt das Pariser „Journal": Die wenigsten Leute haben einen Begriff von den Schwierigkeiten, mit denen unsere Truppen im Kampf gegen die deutschen Schützengräben zu ringen haben. So sahen sich die Unsrigen, zuverlässigen Informationen zufolge, beim Vor­dringen gegen einen deutschen Schützengraben bei P e r t,h e s außer einer Reihe von Maschinengewehren einem der neuen deutschen Minenwerfer von 2-1,5 Zentimeter, einer 5-Zentimeter-F eldkanone unter Pcmzerkuppel und einer 3 , 7 -Zentimeter-R e v o l v e r k a n o n e gegenüber. Diese Aufftellung genügt wohl zum Beweis, wie stark die Ver- teidigungsstellen von den Deutschen organisiert sind, denn der betreffende Schützengraben, dessen Besitz die Deutschen so hartnäckig behaupten, ist ohne jede strategische Be­deutung. Wie gewaltig müssen da die Kampfmittel sein, die die Deutschen bei wirklich wichtigen Punkten aufgestellt haben?

Ein neuer Kriegsrat der vreiverbandsmächte in Calais.

Berlin, 5. Jan. Für Mitte Januar ist verschiedenen Blättern zufolge ein neuer Kriegsrat der Dreiver­

bandsmächte in Calais geplant, an welchem Joffre, French, König Albert und Kitchener teilnehmen werden.

Zur Tagung des französischen Parlaments.

W. T.-B. Paris, 4. Ion. (Nichtamtlich) Der durch die Verfassung geforderte Zusammentritt des Parlaments zu einer fünfmonatigen Session veranlaßt den „T e m p » -fc' 2 Frage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, ^.er „Temps" erklärt, die Mobilisierung von IW Abgeordneten,

. also einem Drittel der Deputierten, schasse besondere Schwie­rigkeiten. Da die Kammer irr Abwesenheit so vieler Deputier­ter, wovon einige mit sehr wichtigen Berichten beauftragt seien, unmöglich tagen könne, schlägt das Blatt vor, die Kam­mern sollten die. ihnen notwendig scheinende Zeit tagen und sich dann für einige Wochen v e r t a g e n. so daß die Ausschüße ihre Arbeit erledigen und die mobilisierten Abgeordneten an die Front zürückkehren könnten. Sodann könnte man zu einem von der Kammer festgesetzten Zeitpunkt wieder tagen, um die von den Ausschüssen vorbereiteten Arbeiten zu prüfen.

Es gäbe so während der fünfmonatigen Session drei oder vier Tagungen, je nach dem Willen der Kammer mehr oder weniger lang, welche durch die für die Ausschußarbeit nötigen Zeit­räume getrennt werden. Der „Temps" fügt hinzu, dies sei nur ein Vorschlag, das letzte Wort gehöre de» Kammern.

Die Erschöpfung der belgischen Truppen

Dünkirchen, 4. Jan. (Ktr. Bin.) Dem „BM. Lok.-Attz. wird über Holland gemeldet: Von der Kanalfront treffen jehr ungünstige Meldungen über den Zustand d-er belgischen Truppen ein. 'Die 'Verluste sind ganz gewaltig ge» stiege ». Die Verstärkungen südlich Tixmuiden können nicht schnell genug nachgeschoben werden, so stark dichten sich die Reihen der Belgier. .ZMreichc L ffrzier«, darunter die Sohne dreier belgischer Minister, fielen m den Kämpfen am Kanal-- saum. Der König verbrachte zwei Tage inmitten seiner Truppen, verließ dann aber die Frontstellungen, weil fort­während deutsche Flieger entlang der Gefechtstinie operieren. Nach Blätiermeldungen müssen jetzt auch die erst vierzehn Tage ausgebildeten Belgier an die Front. Sie werden «nt den Legionen-Regimentern gemischt, zumeist Russen uno Italienern, und stehen unter französischer Führung. a.ieje neuen Regimenter machen, wie sich ein Berichterstatter de» „Nord Maritime" ausbrückt, einen buntscheckigen Eindruck. Freilassung von Geiseln in Belgien.

Von der holländischen Grenze, 3. Jan, Wie kürzlich ge meldet wurde, gehören zu den in Gent als Geiseln sur du.' Zahlung der örtlichen Kriegssteuer festgesetzten Bürgern auch die beiden in Deutschland bekannten P r o f e s s o r e r< der Geschichte, P i r e n n e und Paul Frederica. Der „Nieuwe Rolterdamschen Courant" wird jetzt gemeldet, daß sie aus freien Fuß gesetzt sind und nicht mehr als Geiseln dienen sollen. lK. Z.)

Ter neue Kommissar von Löwen.

Zuni Zivstkommissar für Löwen und den Kreis Löwen in Belgien ist der bayerische RegiermigSakzeffist Dr. Alexander K r e u t e r ernannt worden.

Rückzug der Franzosen im «berelsah.

. Berlin, 5. Jan. Dem „B. L.-A." wird ans B-nfol im Berner Jura gemeldet: Aus dem Jlltal und von dessen Anhöhen sind die Franzosen nunmehr völlig verdrängt. Sie haben ibr Hauptquartier in der Richtung auf B e l f o r t verlegt. Westlich Mülhausen wurden alle Versuche der Fran­zosen, aus Thann auszuschwarmcn, abgewicsen. Ihre An­griffe, die zum Teil sehr gut von der schweizerischen Grenze beobachtet werden konnten, endeten alle mit einem negativen Erfolg. Man glaubt, daß die Franzosen demnächst das Larg- tal rä'.lmen werden.

Keine feindlichen Fliegerbomben über Liesdorf.

W. T-B. Saarbrücken, 4. Jan. l Nichtamtlich.) Nach Mitteilung von zuständiger Stelle hat die Meldung von Bombenwürfen über L i e s d o r f bei Saarlouis keine Be­stätigung gefunden.

Eilte neue französische Lüge.

Der „Maiin" vom 22.. Oktober 1014 brachte folgende Schauergeschichte: Ein Veteran von 1870 und feine Frau durch die Deutschen -erschossen. Einer unserer Freunde teilt uns einen bejammernswerten Brief mit, den ein Korporal von der 41. Territorial-Jnfanterie von der Maas an ihn gerichtet hat und der eine schreckliche Szene schilderst Wir entnehmen ihm folgende Zeilen: „Ich weiß nicht. — sosehr bin ich durch das entsetzliche Drama erschüttert, — ob Sie die schreckliche Nachricht kennen, welche mir soeben versichert wird. Mein unglücklicher Vater und meine alte.Mutter sind durch die deutschen Mörder am 7. September, vormittags, in Thiau­court vor ihrem brennenden Hanse^ das der Feind vorher van Grund aus geplündert hatte, erschossen worden. L>ie haben meinen Puter von seinem Schmerzenslager, an das er seit drei Jahren gefesselt war. gerissen, trotz der flehentlichen Bitten meiner armen Mutter, und alle beide im Tod vereint, sind unter den preußischen Kugeln gefallen. Mein Vater hatte das Verbrechen begangen, ein alter Veteran von 1870/71 zu sein. Die Deutschen haben seine Denkmünze in seinem Schrank entdeckt, und dann wurde ihm der Prozeß gemacht. Das Todesurteil wurde ohne Aufruf vollstreckt. Andere alte Veteranen unseres Dorfes haben ebenfalls ihr Leben dafür bezahlt, daß sie gegen Preußen während des schrecklichen Jahres «fochten haben. Ich habe die gräßliche Nachricht er­

fahren, als ich in einem Schützengraben, 10 Kilometer von Thiaucourt, war. Ich erwarte mit fieberhafter Ungeduld den Tag, an dem es mir vergönnt fein wird, die Weinigen zu rächen, die feige hingemordet sind. Jeder Kommentar würde überflüssig sein . . ." — Es erübrigt sich eigentlich, zu sagen, daK. wie die amtliche Untersuchung ergeben hat. an der ganzest Geschichte kein wahres Wort ist. Uber die Vernehmung des Bürgermeisters S t e f von Thiaucourt liegt ein von diesem und zwei Offizieren nnterzeichnetes Protokoll vor, das in wörtlicher Übersetzung wie Zolgl lautet: „Herr Stef, Bürgermeister von Thiaucourt (Meurthe et Moselle) er­klärt, nachdem er Mitteilung von dem Zeitungsartikel im Mutin" vom 22. Oktober 1914 erhalten hat, welcher betitelt ist: „Ein Veteran von 1870 und seine Frau durch die Deut­schen erschossen", daß dieser Artikel absolut falsch ist, daß kein Haus in Thiaucourt durch die Deutschen verbrannt und auch keine Person erschossen worden ist. Herr L>tef würde bereit sein, seine Erklärung eidlich zu versichern. Thiaucourt,

11. Dezencber 1914."

Die Frage der allgemeinen Wehrpflicht in England.

Br. Christians«, 5. Jon. Mg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Aftenposten" melden aus London: Dr. Machamara, der

politische Sekretär in der Admiralität, hielt gestern eine auft sehenerregende Rede, in der er u. a. sagte: Es gibt noch

viele Tausende sunge. Engländer, die sich weigern, in das Heer einzutreten; wenn jie glauben, das Leben unter der britischerdHlagge jetzt genießen zu dürfen, während andere für sie in Belgien und Frankreich kämpfen, so irren sie sich. Diese Worte des einflußreichen Regierungsmiigliedes zeigen deutlich, so telegraphiert der Korrespondent der „Aftenposten", daß man in Londoner Regierungskreisen die/Frage der Ein« führüng der allgemeinen Wehrpflicht augenblicklich eingehend diskutiert. .

Line Resolution ver schottischen unabhängigen arbeiterpartei gegen vie engl. Rekrutierung.

Br. Amsterdam, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Am letzten Samstag fanden in Glasgow überall Jahresver­sammlungen des schottischen Ausschusses der unabhängigen Arbeiterpartei statt. Sir Hardh hielt eine Ansprache. Eine Resolution wurde angenommen, durch die die Mitglieder der unabhängigen Arbeiterpartei aufgefordert werden, der Regie­rung in ihrer Rekrutierungskampagne keine Unter­stützung zu gewähren.

Englische Neujahrsbeklemmungen.

Nr. Amsterdam, 5. Jan. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.j Die Neiljahrsbetrachtungen der Londoner Presse sind über­aus ernst. Jeder weiß genau, so .schreibt der Londoner Korrespondent des „Nieutoen Rotterdamschen Courant", über welch ungeheure Wehr- und Widerstandskraft die Deutschen verfügen, und daß selbst, wenn die Offensive der Verbündeten aufrecht erhalten werden soll, noch unend­lich Schweres bevorsteht. Der russische Feldzug ist er­folglos verlaufen. Man begreift vollkommen, daß eine maßlos schwere Aufgabe für die Verbündeten besteht. Die Hoffnungen auf einen schnellerest Fortgang im Westen klammern sich jetzt daran, daß neue englische Truppen, die viele Tausende betragen, ins Feuer kommen. — Hillaire B e l l o c, der bedeutendste inilitärische Kritiker, über den England verfügt, schreibt in der Zeitschrift „Land und Wasser", daß Joffre eine solch starke Reserve zurück- - gehalten habe, um bei dem endgültigen Schlage auf dem schwächsten Punkte der ganzen Linie die kräftigste Offen­sive einzuleiten. Solch eine Bewegung würde natürlich eine plötzliche und einschneidende Veränderung der gegenwärtigen Lage zustande bringen und es ist sehr leicht möglich, daß man mit diesem Angriff so lange wartet, bis die englischen Verstärkungen an Ort und Stelle angelangt sind.

Neue englische und deutsche Armeen.

Das Reutersche Bureau meldete deu Engländern zum neuen Jahre, daß Englands Streitmacht sich wieder vermehr» habe: sechs neue Armeen zu je drei Armeekorps seien gebildet worden. Aber gleichzeisig mit dieser Neuigkeit brachte die „Central News" eine andere, die den Wohlgeschmack der elfteren beträchtlich gemindert haben dürste. Diese Nachrichtenstelle übermittelte nämlich aus Amsterdam einen Artikel des „Hst Volk", worin dieses holländische Blatt be­hauptet, daß in Deutschland den Militärbehörden Anfang Dezember, abgesehen vom Landsturm, folgende Reserven zur Verfügung gestanden Hätten: Drei Armeekorps in Berlin, 00 900 Mann in Hamburg. 30 000 in Bremen, 40 060 i» Hannover, 30 000 in Düsseldorf, 60 000 in Köln, 30 009 in Koblenz, 15 000 in Wiesbaden. 25 000 in Mainz, 80 000 in Metz, 15 000 in Heidelberg, 60 000 in Karlsruhe, 80 000 in Straßburg, 25 000 in Freiburg, 60 000 in Stuttgart, 70 000 in Ulm und 30 000 in München. Kleinere Verbände würden in anderen Städten in den Provinzen versammelt und müßten den obigen Zahlen hinzugefügt werden, wodurch die GesmM> summe auf etwa eine Million Mann steige. „D<tzu kommt noch", sagt „Hei Volt", weiter, „der Jahrgang f ri s ch er Rekruten, der eine weitere Million beträgt. Wir können die Angaben des holländischen Blattes im einzelnen nicht nachprüfen; zu niedrig sind sie aber schwerlich ge» griffen.