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Samstag. 22. Dezember 1923.

Wiesbadener Tagblatt.

Nr. 284. Seite 17.

Untevßaftun

beö QDie66abemt 'Zagßfattd

Das gefährliche Spielzeug.

Don Detee Robinson (München).

Neulich war ich in einem Spielwarengeschäft, um als Weihnachtsgeschenk für einen Neffen das Modell eines Flug- zu kaufen. Das wäre, versicherte mir der Inhaber des

Miäits. ein sehr unterhaltendes, ungemein belehrendes und

Mi« gefahrloses Svielzeug für Knaben leden Alters. Als „mir das Ding vorfühien wollte, schwebte es elegant durch An Laden. riö einem Herrn den Knener von der Na^e und lichtete bedeutende Verheerungen auf dem Lut einer alteren

^Schrecklich!" Fast alles Svielzeug ist io lurchtbarae-

Mrüch. man weih gar nicht, was man seinem Kind schenken

Sntitu). »um ujciö bui iuuh. wus V" 'v »ö '-i

Sn“ jagte der junge Herr neben mir. der scbon längere Zeit iuiaestanden und sich unschlüssig die ausgestellten Lerrtlch- lellen angesehen batte. Jetzt fragte ihn eine Verkäuferin

^Er'seufzt^'zun'achst. dann erklärte er zögernd: Ich möchte ein passendes Svielzeug für ein Baby von 1^ Jabren. xtwas recht Nettes, das den Verstand weckt. bo.s Klnd^ amüsiert.

cht Io leicht zu ruinieren ist. vor allen Dingen aber etwas, memi lick das Kind auch wirklich keinen Schaden Stehen Sie. Fräulein? ff«™« «an» und aar

JIIUIUI ........ tun kann.

Etwas ganz und gar Ungefäbr-

llches.'.

Die Verkäuferin brachte ein Kästchen mit Bauklotzcken ieibei. „Vielleicht io etwas niein Herr. Das sind zwar nur ganz einfache, .unvolierte Klötzchen, aber die Kleinen ioielen

jebr^ern dannt^err ganz bleich. ..Lolzklöchchen? Um

bimmels willen, nein! Daran kaut das Kind vielleicht. e,n avlitter dringt ibm in die Livve. es bekommt Blutveraif- Wg Oder es schluckt am Ende, etwas davon bmunter. glommt es in die Luftröhre — die ist doch gewth bei einem Labv nur sehr eng —.und erstickt!

Wie wäre es mit einer Tromvete? fragte bie 23er- (öuferin gefällig. ..Dann ist aber freilich der Lärm für die Erwachsenen oft recht lästig.

Das schadet ja nichts, ganz und gar .nichts, wenn nur dem "Kind nichts,, dabei vassiert. Bitte, zeigen Sie mir ein

Abe^r°'"nachd"m ihm das Fräulein einige solcher Lärm- instrumente hingelegt batte, konnte er kaum eins davon rn die Hände nehmen. Er zitterte ordentlich vor Angst. .Nein. Fräulein, nein! Sehen Sie. doch: diese Tromvete ist ra aus Metall, das Mundstück womöglich aus Blei. Willen Sie. daß ein Erwachsener nur eine Zeit lang einen Soazierstock mit einem Bleiknoof »u tragen braucht, um Ickon eine schwere Bleivergiftung zu bekommen? Und io etwas sollte ein Kind in den Mund nehmen du^en! Diese andere hier ist aus Zelluloid. Fürchterlich! Damit braucht das Kind nur^ eln- mal einem offenen. Lickt nahe zu kommen, dann stellt e^ in Flammen. Und diese, aus. Solz, ist viel ,u lang und dünn. Stellen Sie sich das doch einmal vor .das Kind nimm ötcic lange Tromvete an den Mund ^d ^ust damit im ^imme umher — es rennt gegen ein Möbel, eine Tur. uns oann Itöhi es sich die Tromvete tief in den Rachen hinunter. wie en Schwertschlucker. Ein furchtbarer. Gedanke! „ .,,

Die Verkäuferin erlaubte still ein. Lackeln. --^^?tcht ein Ball^" Der junge Herr winkte mit seinen -utternden

bänden ab Niemals! Im Berliner Zoologischen Garten ist

einmal ein Niloierd gestorben, weil es einen Ball lllnunter- Wuckt hatte, den ein Kind in feinen Käfig, geworfen " Jetzt gestattete das Fräulein sich sogar ein Achselzucken. „Aber ein Nilpferd ist dock etwas ganz anderes als ein Bahn. Selbst einen ganz kleinen Ball kann das Kind dock nickt rn

i{n Dann drohen" andere Gefahren, die nickt geringer stnd überlegen Sie dock einmal. Fräulein! E n Ball bat die Eigentümlichkeit, zu rollen. Das Kind lauft ibm nach. Der « n TT rnfTt unter einen SÄrank. Das Kino it.ecrt Den unter den Schrank Der Schrank aber stellt etwas wacklig, vielleicht ist ein Fuh lose. Das Kind bat den Kovf unter dem Lchrani de/Setzni lenkt sich nach vorne, und dann wird dem Kind das.Kovtcken zeraueticht. ganz und aar zer-

. Er tivvte mit dem Finger darauf. Mrbe» Die kann giftig sein. Man sagt. Schiller lei an der «runen Taoere »eines Schlafzimmers gestorben. Das Baby leck: an

Augen, und dann-. lt _ Ä eine

Die Verkäuferin versicherte ibm es wäre wirklich eirn ganz ungefährliche Farbe. Er dachte lange nach. erklärte er. wenn auch sehr zögernd: ..Nun gut. ick nedme es.

das Richtige finde ich ia doch nickt. —: —

Mine Stunde später stieg ick in meinen Vorort,ua. Steve, da sah der junge Herr mir gegenüber: gerade batte er das Pelztierchen ausgeoackt und. untersuchte es noch einmal. Er erkannte mich und nickte mir su. Mir fiel e n. es konnten Eägesväne darin sein.die das Kind, einmal auflßt. Aber e ist durchweg Filz. Bitte, fühlen Sie einmal. . ,

Ich war ungeschickt, griff vorbei, und das Sr>lelzeua f>el zu Boden. Wir bückten uns gleichzeitig und stieben heftig mit den Kövfen zusammen. Da wurde er wieder auf einmal

Ab». Äöafen .ata««.

lettoefi^.n ^ abet mir ist etroos siurckitbarrs

eingefallen: dem Kind wird das Svielzeug dock iebr oft aus

Und im namiien AUgenona vane er vas nr»,,--.. und den netten kleinen Filzbaren binausaeworfen. Dann trocknete er sich den Anastschwelh von der Stirn. „Gott.lei Dank! Rein, es wäre doch zu leichtsinnig gewesen, das Sviel- zeug mit nach Sause zu nehmen. Ich werde dem Babr> bei- brinaen. wie es mit. feinen. Fmgerchen spielen kann das ist

der Daumen, der schüttelt die Bilaumen-Daher wird

ihm hoffentlich nichts vallieren."

Uindesleid.

"Das "ist' eben "Leichtsinn. Die meisten Leute haben eben nicht das geringste Verantwortlickkeitsgefuhl ihren Kindern

-egenuber/' ^ bos « e Tte ein Tierchen aus Fil».

^°E°s°war°w7rkl?ch ein N nettes Ästchen. Er untersuchte es wie ein Naturforscher, dann schüttelte er sorgenvoll d

ein iXatunor cyer. ounn

KorJ." ..Da stnd ia alsAuk!enKnovfedran.Fralilein. Und

wenn diese Knopfe auch noch so fest angenaht .sind, eines Tages reibt das Kind ste dock ab. es schluckt »e binunter und bekommt eine Blinddarmentzündung. Und m be,tg Itziährigen Kind uberbauot e,ne Blinddarmooeration nun ich?" Mit dieser Frage wandte er stck an mich, aber iw konnte ihm nur antworten, dah ich kern vmrura wäre.

drackte die Verkäuferin einen kleinen Varen. ..-r)les »V.L^erä?,i? stnd die Augen nur angemalt^

Die kleine Lotte batte ihre Mutter verloren. War dem frühen Kindcken auch das Weien des Todes noch nicht be- wuht so irah doch ein nameiilck.es Web an dem zarten, weichen Ceeläieii. Die Sehnsucht nach Ecmsne war es. nach Liebe, die ibm der Vater nicht wiedersegeben batte, als er die neue Frau ins Saus nabm.. Er liatte bei der Wall! nur an das eigene Serz gedacht, nicht aber an das Kinderherz. Ihm war die Eattin wieder geworden, aber dem Kind nickt die Mutier. Als Vater war er kurzsichtig. Vielleicht war die Frühe seiner Jabre schuld daran. Das Serz in der Brust schlug ibm noch zu immilstv. Er verstand,sich Nickt am den mit soviel sorgfältiger Ruhe waltenden feinen Taiuinn. mit dem die kostbaren Tiefen eines Kindes eriaht lein wollen.

Die neu« Tante, wie das Kindck>en ste nannte, behandelte die kleine Lotte nickt schlecht. Aber ihrer Pflege fehlte dl« innere Teilnahme. An dem. was die Sand für das Seelchen tat. war das Herz nickt beteiligt. Alles Tun und Denken entsprang einem Pflichtgefühl. Sie war die neue Eattin die neue Sausfrau, hielt am Ordnung und Reinlichkeit und suchte mit riet Sorgfalt das kleine Reich, worüber ste gcketzt war. zu erhallen und zu verschönern. Dah ein Kind in seiner ganzen Individualität erlebt sein will, um es erziehen zu können, das wußte st« nickt. .. ^ _

Kam Kleinloticken hübsch und scru.ber geikleidet, hatte ste Esten und Trinken, ein weick>es Bettchen und zum Soielen ein Püvvck>en. io glaubte der Vater sein Kind mit allem ver­sorgt. was es brauchte. , . ^„

Er nahm sich keine Zeit, einmal in die Augen seines Kindes zu schauen. Diese groben blauen Sterne waren heimatlos. Eie irrten umher zwischen dieser und einer an­deren Welt. Die feine, zart« Seele litt unendliche Qualen, doch der frühe Kindesgeist wuhte keinen Namen für das Leid.

Jedes Lächeln wurde zu einem erschütternden Sckmer- zenszug. jedes Licdcken auf den Kinderlivven zu einem

rührenden Gebet feiner Sehnsucht. , _

Erinnerte jemand noch so zart an die verstorbene Mutter, so schluchzte das ganze Körperchen auf. Die blauen Sterne erlo'chen im aukgebrock>enen Leid, und tief«, schwere Scharren verfinsterten die Umgebung.

Da konnten Herzen brocken, c Und hart« Manneraugen lernten weincn. Doch b ; c ihm Vater und Mutter sein sollten die Iahen es nicht Die waren blind.

Ach. da wollt« man schier den Glauben an das Leben verli-eren.

Da meinte man. die Sonne mußte schmerzlich ihr Ant­litz verbergen und das Vogellied müht« zur lauten Klage weiten

Aller Schmer» der Welt kckien in diesem Moment ver­eint zu lein. Das war Kindesleid!-

Herrgott, gsb Augen den Menschen und Liebe, viel Liebe, damit die wenigen Starken nickt müde werden an dieler härtesten aller Härten des Lebens!

Fritz Kaiser (Ilmenau).

Geflügelte vornanren.

Uns wird geschrieben: Trägt eine Frau oder ein Fräu­lein — über das Alter wollen wir nickt reden "den Namen Eleonore, für gewöhnlich zu Leonore oder 2enore abgekürzt, so wetten wir hundert gegen eins, dah sie von guten Freunden und Bekannten oft und oft anseredet wird. ..Lenore fuhr ums Atcrsenrot : denn dieser Aniangsver» von Gottfried August Bürgers Gedicht...Leonor« . der obm den folgenden ..empor aus sckiweren Traums,, ra eigentlich sinnlos ist. ist ein geflügeltes Wort nach Dachmanns Be­griffsbestimmung geworden, und darnach daben wir wom das Recht, den Namen auch gellugelt zu nennen. Einige andere Bornamen, cic dielelde Bezeichnung für sich in An spruch nehmen können, wollen wir ansubren., obne naturlich irgend ein« Bollständigke-it zu erstreben. Dr« Ritterlichfeit verlangt es. wie wir mit Leonore besonnen, auch weiterbtn der holden Weiblichkeit den Vortritt »u lasten. Wenn wir den Begriff ..geflügeltes Wort" etwas werter fasten, könn«,

wir auch ein« Anzahl Titel von Dichtwerken Harams

wir wollen uns aber mit Wilhelm Büschs Selene", der wir den schönen Svruch verdanken ..Es^ ist em Brauch von altersher. Wer Sorgen hat. bat auch L laue u,. mit seinem ..Julchen«. mit Schillers Laura und -seiner Minna begnügen, wobei wir d:e Erwähnung nickt .unterdnicken können, dah die Verse: .Meine Minna gebt oorrcker. Men« Minna kennt mich nicht?" ^ SSÄffg

stjtze. als die man ste gewöhnlich aufiaht. In Swiller» lyrisch-vatbetische Frühzeit gehört w'k stn, Emu» <m Minna feine wuchtig und doch aufgeregt dahinfchreitende..Schlackt. In ibr kören wir den ANchiedsgrun ..Eruße mein Lottcken. Freund!" Diesem ernsten Bild stebt Schillers ..Wallen- tteins Laaer" ein weiteres gegen-uber. Jeder w«ih sogleia

«.ft dererste r tat.

blick der Mar*etenderin erfreut aus. ..Was? Der Blitz, ua. ist ja die Gustol von Blwewitz!" Nachdem wir aus Goetbes Familien- und Narionalevos nvck den' Namen der &eMn Dorothea erinnert baden, der anck °^lLgest genannt wer­den kann, geben wir von den KlaMern »ur Bibel und treffen dort im Lukas-<?vanqeFNm. Kav. 10. B- 40/1- bie 1 g«s^n!iige Murtba" die Schwc-ster der stnsnaen Mama, welche sich zu Jesu Füßen letzt und fernen Reden laulckt. Roch ein zweitesmal ist der Name Martba oeAugelt gewor­den als Titel von Friedrich von Flotows O«r. aus der ftäusin von higen Leukin Sttvcrt toub. tftft. Marita, tu entschwandest / Und wem, Dlrtck nalMI du nM dir" Wir haben uns bei den geflügelten arauennainen auf die Zahl der Musen belchränlt und wollen auch bvi den Mänernamen über diese nickt hinaur-gehen. Denken wir an das schönste Band, das Männer iiinicklingt an die Frennd- ick-aft. so fallen uns aus der Bibel die Namen David und Jonathan aus den Büchern Samuelis ein. von den^r mr besonders den zwenen zu den seilugellen rechnen tonnen, ist er ja docki mit dem Vorsatz ..Bruder die sprichwörtliche Bezeichnung des NvrdamerUaners geworden. Die Bezeich­nung soll auf Washington zurnctgehen und sich aus seinen Freund, den Gouverneur oon Connecticut 2ona1La.il Trum­bull. beziehon. Dem treuen Freund Hellen, wir den treuen Helfer und Warner der deutschen Menschheit, besonders der Kinder zur Seite, den getreuen Eckart, der uns in der deut- schzen Heldensage als Erzieher der Sarlunge begegnet, d-.e er vor einem Überiall rettet: der vor,den Versuchungen im Venusberg warnt. Er erscheint in Tiecks ..getreuein Eckart und Tannenhä-ifcr". und als Kindevschutzer ist ", allen aus Goethes Ballade bekannt, lieb und vertraut. E.lnen ,ande­ren Notbe'fer der Akcnschheit. den heiligen Georg, können wir nur in undeutlicher Namensform: „Für Gorsenlstmlr gar nickt bange, der kommt getorh durch seine Dunnnorit fort" hier einreühen. Auch ein anderer Dummer Georg. Moliöres Georges Dandin. soll nickt übergangen werden. Sein ewiger Klageausioru-ch:; Vous lavez voulu, veorr»« Dandin“. hat das Schicksal, bei uns stets falsch. ..Dü I»- voulu" zitiert zu werden.. Zwei Duette von »efluselten Namen sollen folgen: die unaleicken Bruder Karl und Frau, Moor aus Schillers Räu'bcrn. der eine lebt weiter im Volksmund durch das Wort: „Franz beißt die Kanaille . an einen anderen Karl von Sckisters, Gnaden sind die oe- flügelten Worte gerichtet: „Wo alles liebt kann Karl allein nicht basten. / So lelstain widerspricht stck. Carlos nicht. Das zweite Paar aber stnd Mur und Montz. die unsterb­lichen Helden der Bubengeichichte in sieben Streichen von Wilhelm Busch. Be: der Frage, mit welchen Namen wir die Neunzahl ausfüllen sollen entschliehen, wir^ uns doch für Hermann, der in der Geschichte geflügelt ist durch Hermann der Eberusker. in der Literatur burck Kleists. Hermanns- schlackt — durch „Hermann, mein Robe in Schillers Räubern und nickt »um wenigsten Durch Goethes .Semnann und Dorothea". _ K - ”• _

Japanische Volksfeste.

Don Waltei v. Rummel.

L d" ÄML«. ."«ttzS.

^Man muß aber im javanischen Viertel wohnen.^wenn

IS»'’EÄrn" gf ä tS«S!.. w S

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wiüen ja selbst, nichts davon oder wollen 'n^etvw eia ^

Erhabenheit nickts wlst-n. -^otzt, kaum ie ein euro- ItSdicIcken o-er ländlichen Volksfesten kaum.^ie nb

saüch gekleideter 3ananct lstccken. w • . gerade so

Jubelt ..Altiavan". 'a^t nnd tollt da 3 ° r h Q r "8 en ba ff“ n °' i9e .

und lant wie vor Hunderten «»storbene Altjavan. hrbenvrächtige. das immer noch E gestorvene a.n ^ 3uier. Abschied nehmende bestere 2aoanrat ^ ^ Landes.

Jet itingcn und ganz klug m.- du gierte ihr Eioenstrs

du o»r Tautet Ra^hmung ourova'iwer Volkes.

feÄ ä - --

5 ÄÄ

S a Äi £ iSt nl, aßrii>e me ein brauner, strohgedeckter und

verwitterter Solztemvel. Einige geschweifte Föhren, die -hn beschatten Wind und Zikaden umstngen. Bambushainc iimraiiscken ihn. Kirchenstill ist es das ganze Jahr an der heil-gen Stlmtzstäite der Gc-ttbeit: eine träumende Jmel. liegt sie fern von allem Lännen und Hasten der Neuzeit Ab und zu ein altes Pilgervaar. das hier landet, oder irgend ein anderer, der etwas Sckwetes im Herzen feinem Gott zu sagen bat. Aber k.eute. wo sie das Fest des Tempels feiern will es hier lebendig werden. Schon kommt der Fcstzng aus der Vorstadt dem Dorfe, he^angezogen. Schwer geickmllckt !>bwa-:kt ein bochgetürmter Wagen daher. Be­kränzte Götterbilder stehen darauf, ein halbes hundert weißgekleideter Knaben lecktet freudigen Dorfvanuld-uenstt Andere Jungen haben kunstvoll gefugte und geschnitzte Ao- bildcr des Temnels auf ihre Sckultern genommen. Dor- u-ärts stürmen ste. rückwärts weickwn sie. schwanken zur Seile, drehen in lackender, tauchender Festesfreude, sich wie toll ^ Krecke umher, wollen durch ihre Rufe ihre Ge- lärden und Bewegungen uns glauben macken, dah das auf ihren Schultern ruhende leichte Solztempelbild eine zentner- ibwere drückende Steinlnst fei. kaum.zu tragen, durch ihr Gewickt sie wi chtig vorwärts, rückwärts und nach allen Se-ten tre'-bend.

Und hinter dem Wagen, hinter den Temvelbildern. kommen Scharen von freudig erregten und erwartungsoolt aefvannten Menicken im Festkleide gepilgert: Männer.

Frauen »"d Kinder. Hunderte. Tausende von Kindern. Bor dem Tempel staut sich die Menge. Ernste we.bge- kleilete Priester steigen langsam, feierlichen Schrittes. Mi,de und Anstand vereinend, die Stuken emvor. treten ehrfurcktsooll in das geheimnisumwobene .Halbdunkel des ötemoels ein tnien schweigend nieder, ilicktern felttame. kaum mrbr zu deutende Worte uralten Väterglaubens., nei-en "'ick t «f zur Erde pressen Stirne und Hauot au, den' o»"Äbtrn Boden. Scille. andachtvolle Debetsstille,, herrscht "im heiligen Sause des Gottes. ...

Mfitr drarchei'. dicht daneben und rings um den Temvel herum" teine Stufen hinan und bis »u ferner Schwelle

empor brandet ein breites Braunen i"belrck>er Lust, schäumt

«in rauschendes Meer wogender Freude. Cs ist. als ob tr Iler Leberstaumel das ganze Volk, in seinem ^Klnersten mächtig gepackt und mit sich fortgerlssen habe. Hat das die wecke, mild« schmeichelnde Luft ?avans getan, die wie stih-r Wein den ganzen M-aicken durchdrinat^ Hat ste heute alle frohen und bellen Saiten des Menschenherrens noch froher und Heller, noch hoher gestimmt? . . . Oder sts d.e Sonne, die glänzender strah-.t als lovst?.... Der tiefblaue Himmel, der ein wolkenloses Festgezelt über all den Jubel ge'vannt hat? . . . Ja. ein. .goldenes Lichtfest feiert die Nc.iur und die Menicken, Kinder der ^onnne, Kinder des Lick.tes sie feiern mit! . . . Strahlende. Lebenislust auf allen Gesichtern verklärt selbst das verhärmte Antlitz der Armen. Rmgs ein Laufen. Tanzen und S^ingem. alle Glieder sind leick-t und gelöst: rings ein Lachen. Singen «nb Jubilieren. Glockenhelle und Glanz -.n allen Stimmen. Be-: Anne zu Auge flutet es schwillt an zum klaren, flüst-gen S,rcm. der die frohe Botschaft der. Freude brau­send 'ns weite Land hineintragt. Jubel allüberall.

Dock am frohesten, am. lustigsten Ickauer, di «• ] au«« ber Kinder drein. Ein kleines, buntschillerndes Voltlein sind ste mit wichtigen Mienen, eiliy gekommen im All- tag-.-kleide. das ihnen die Mutter mit.ein paar farbigen Streifen liebreich verbrämt bat., und rm phantastisch ge­schmückten And anfgevutzten weihen oder bunten Festgc- wand: um die Stirne als Sonnenschutz ein breites Tuch aewuvdkii oder um die Sckultern den groben, mit lang wallenden Gräsern verzierten Strohbut gebangt: in der kleinen, geballten Faust 'ehr oft einen dem warnenden Nacktwäckiersiock nachgebildeten Ei>nstecken. der Mit klirrenden und klingenden Ringen verleben ist.

Wohin das Auge steht, ist glühende Farbenvracht. Guter E-eschmack angeboren.tr und vererbter Künstlersim, hier auf dem Feste der Dorstadt oder des Bauerndorfes, wo 'die Annen und Kleinen des Landes die Feier ihres beichkldencn Tempels begehen. Geschmack und Feingesübl bei Jungen und Alten, in Tracht und Kleidung, in Haltung