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Donnerstag, 13. Dezember 1923.

Währung und Reichsbank.

Eine Eoldmark gleich 1 Billion Papiermarl. Seit etwa 3 Wochen, seit der Stillegung der Notenpresse hcrüen wir in Deutschland diese feste Relation. Bestand sre zunächst auch nur offiziell auf Eirund der Berliner Einheitskurse mit all den Gebrechen, die einem Zwangrkurs bei scharfer Repartierung anhaften, so hat sich hierin in den letzten 8 bis 10 Tagen doch ein be­deutsamer Wandel vollzogen. Es ist das Verdienst des Reichswährungskommissars Dr. Schacht, daß er sich in klarer Erkenntnis der tatsächlichen marktcchnischen Situation durch die Phantasiemeldungen des Dollar­kurses in der 2. Hälfte November in seiner Stabilisie- rungspoutik nicht beeinflussen liest. Es ist gelungen, den spekulativen Kreisen, die an der Kölner Börse in erster Linie ihr Heim aufgeschlagen hatten, begreiflich zu machen, daß die Zeit der Jnflatjonsspekulatiou vor­über ist. Auch sie haben sich unter Verlusten, die ihnen aufrichtig gegönnt seien, in die vom Reichswährungs- kommissar geschaffene Lage einsügen müssen.

Die Erklärung für die Kursbesserung der Mark, die sich während eines Zeitraums vollzieht, in dem leider von einer Wendung der wirtschaftlichen und polirischcn Lage noch nicht gesprochen werden kann, dürfte wohl zum größten Teil in marktechnrschen Maßnahmen zu finden sein. Der 15. November brachte die Stillegung der seir Jahren in ununterbrochener Folge auf Rekord- arbeit eingerichteten Notenpresse. durch die der Noten­umlauf auf 92,8 Trillionen gebracht war. In der Zeit vom 10. bis 15. November ist die schwebende Schuld des Ne'ches von 63 auf 121 Trillionen erhöht worden. Der Vergleich zwischen dem Wert der schwebenden Schuld und dem ja nicht nur auf den Schützwechseln des Reiches. , sondern auch auf den Handelswechseln basierenden Notenumlauf zeigt, daß das Reich bei Siill- legung der Notenpresse über bedeutende Guthaben ver­fügte. Soweit man bis jetzt übersehen kann, dürften die 191 Trillionen der schwebenden Schuld bei der Reichsbank inzwischen durch Nentenmarkkredite vom Reich abgelost sein. Die Verringerung des Mark­umlaufs durch die Abftoppung der Papiermarkinflaiion und durch denErfatz der im Umlauf befindlichenPapier- mark durch'die Rentenmark bei gleichzeitiger Beibehal­tung der Paviermark als des gesetzlichen Zahlungs­mittels schafft nun eine Verknappung auf dem Geld­markt. die die Möglichkeit von Auslandsverkäufen an Mark völlig verhindert. Es ist hiermit also vorüber­gebend. rein geldwirtschaftlich gesehen, eine Situation geschaffen, die der Stabilität'des Kurses der Papier­mark außerordentlich dienlich ist. Die wichtigste Auf­gabe dürfte jetzt fein, diese Stabilisierung der Mark mit möglichst geringen Abweichunaen nach oben und unten zu halten. Gelingt es. den Markkurs etwa ^uf der heutigen Gleichung zu festigen, so würde sich die Fragen Papiermark oder Eoldmark? von selbst erledi­gen; denn eine stabile Währung erfüllt die Voraus­setzung der Goldwährung, und es bliebe nur noch übrig. alsdann der sanierten Reichsmark durch eine entsprechende Nullenabstreichung wieder gewissermaßen ein etwas handlicheres Format zu geben.

Gerade nach dieser Richtung hin wird es zur Siche­rung der bisher erreichten Erfolge unbedingt notwen­dig fein, daß die Politik des deutschen Zentvalnoteu- rnstituts. der Deutschen Reichsbank, vollkommen auf die Pläne ukrd Überlegungen des gegenwärtigen Re-chs- wa!)rungskommissars eingestellt wird. Man' darf wohl auch unter all den in Betracht kommoden Persönlich­keiten ihm allein Kenntnis und Fähigkeit und Ene'gie für die Aufgabe Zutrauen. nunmehr im Raln«n ein-r ruhigeren geldwirtschaftlichen Situation das große Problem zu lösen, wie die im deutschen Besitz hesiud- uchen, zum großen Teil volkswirtschaftlich ungenützten Devisenbestände nunmehr zu volkswirtschaftlich.-r Nutzung geführt werden können. Es handelt sich hier uni eine Aufgabe von ausschlaggebender Bedeutung für die künftige währungs- und w «schaftspolitische Ent­wicklung unseres Landes. Es ist geradezu grotesk, wie die Ziellosigkeit und Planlosigkeit der bis Mitte No­vember die deutsche Währungspolitik beherrschenden Strömungen dazu geführt hat. daß das verarmte deut­sche Volk durch Hamstern ausländischer Devisen dein Ausland zinslose Kredite zur Verfügung stellte.

Weiterhin wird es aber auch zu den Ausgaben der nächsten Wochen und Monate gehören müssen,' die Aus­gabe der Zahlungsmittel wjoder weitmöglichst zu zen­tralisieren, um den EeldmaM auch wirklich von einer Stelle aus beherrschen zu können. Es bleibt vorläufig noch ein ungelöstes Rätsel, warum während der Ruhr- 2cser;ung neben den unendlich großen Papiermark- >nassen, die vom unbesetzten Deutschland in das besetzte webiet geworfen wurden, im besetzten Gebiet selbst in ungeheuerlichstem Umfange Notgeld zur Ausgabe ge­

langen mutzte. Mehr als 180 Trillionen sollen nach privaten Schätzungen an Notgeld im besetzten Gebiet ausgegeben worden fein, wobei zu beachten ist, daß dieses Notgeld größtenteils völlig ungesichert blieb, auf der anderen Seite aber den Kommunen des besetzten Gebietes die Möglichkeit bot, durch Hergabe dieser wect- losen Papierfetzen bei der Reichsbank entsprechende Mengen Papiergeld oder vor allem entsprechende Bor­fügungsrechte auf Girokonto zu erhalten. Hier ist ja inzwischen eine grundsätzliche Wandlung dadurch ein- getreten, daß die Reichsbank kurzbefristet die Einlösung dieses Notgeldes abgelehnt hat!

Ne fgiaMale S anj'o ßes Beites.

Berlin. 13. Dez. Die Blätter beschäftigen M beute mit ocr katastrophalen Finanzlage des Reiches. Der Staat f t n ß n 31 e I I q nt Ende seiner Kraft. In

f e . r Rotoerirdnung ist deshalb bereits die erst im Januar milige Zotlung der Rhein- und Rubrabgabe neben den Vorauszahlungen auf die Umsatz- und Einkommensteuer ueiüugt winden damit dem Reich über die nächsten Schwie- rigkrUei' lnnweggeholsen wird. An eine wirkliche Ordnung der Re-chssmanzen sei jedoch ohne die Hilfe des c U ,?J nicht zu denken. Es lei ein Schritt der

deutschen Regierung in der Frage der ausländischen An­leihen geplant, und zwar werde in einem Appell an die am Versailler Vertrag beteiligten Mächte sowie an die neutralen Staaten herangetreten werden, in dem die kata- e «VJ?4r n 5 J a0 £, Reiches dargelegt wird. En-dgultsge Beschlüsse der Reichsregierung über den gx- plarten Schritt liegen jedoch noch nicht vor. Was d'e Krrditperhandlunken mit einzelnen ausländischen Mächten betrifft so ist bekannt, datz in den Verhandlungen eine Stockung eingetreten ist. -Die Regierung macht jedoch oste Austrenoiinaen. um diese Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnis ,u führen. Sie ist auf alle Fälle be­strebt. mit der Entente zu Verhandlungen zu kommen, an dt.nen Deutschland als gleichberechtigte Macht tetlnebmen kann.

., Berlin, 12. Dez Der Pressedienst der Ze'ntrumsvartci schreibt in e'nem Artikel über den Emst der deutschen Finanzlage, durch das Abstovven der Notenoreffe seien die Reichsfinnnzen in eine geradezu furchtbare Lage gekommen. Das Reich versuche seine Bediirfniffe dadurch in etwas zu befried,gen. daß es goldaufgewertete Steuern noch im Dezember hereinbringen wolle, wodurch jedoch das Resch aus dem gegenwärtigen Finanzelend nicht beraus- nebrach-. werden könne - Es bleibe daher nichts anderes ubrra als ffch um Hilfe von außen zu bemühen. Die Re>cksregieruna, werde sich darüber klar werden muffen in welcher Form ne öffentlich die Hilfe des Auslandes an­ruft Rach den Erfahrungen, die sie bisher bei der Reva- ratsonskommifflon oder bei der Botschafterkonferenz ge­mocht bc.be. bestehe nicht v el Neigung, diesen Weg erneut zu bestreiten.. So fei es erklärlich, daß sich - eine neue Strömung für einen Avoell an den Völkerbund gebend Mache, die also für Deutschland den gleichen Weg emrfeble den Österreich gegangen ist. Ein solcher Antrag wurde allerdings ohne erhebliche Einschränkung unserer Souveränität gerade auf finanziellem Gebiet nickt zu er­halten fern.

Die Einkommen- und Besitzbesterreruna ^ auf Golddasis.

r ., Berlin. 13. Dez. In den nächsten Tagen, wahrschein­lich schon morgen, wird wie wir hören. das Reichs- kabi nett über die wiederholt in der Öffentlichkeit er- wat-nte Notverordnung Beschluß fassen, die so ziemstch die ganze bisher gültige Einkommen- und B« fr tz b e st e ue r u n-g auf Goldbasis stellt lund auck materiell wesentlich anders gestalten soll. Die zu­nächst bevmstebende Steuerverordnung wird die Reurege- Einkommensteuer, der Vermögenssteuer und der Erbschaftssteuer e alb altem deren Grundzüge bei der vor Zeit erfolgten Beratung im Reichsrat und im Rk'chswlrtschakjsrat bekannt geworden find. Besonderem Interesse begGnet die dritte angekündigte Verordnung, weil ste den Gel den tw er tu ngs gewinn,

den die .Schuldner langfristiger Obligationsverhältnifle gehabt Laben, zugunsten des Reiches oder anderer öffent­licher Körperschaften steuerlich zu erfassen. Die Absicht des Entwurfes geht von dem Grundgedanken aus. daß die Reichsregierung im Gegensatz zu den bereits ergangenen ger'chtlicken Urteilen einen privaten Aufwertungsanfvruch grundialilich nicht zulaffen will.

Reue staatssteuerliche Notverordnungen.

Berlin. 12.. Dez. Nach privaten Informationen steht der Erlaß zweier neuer .staatssteuerlicher Not­verordnungen bevor. die beide einen stark einschnei­denden Charakter haben werden. Die eine dieser Verord- nui.gen soll bereits morgen vom Reichskabinett beraten werden Die andere ist im Entwurf fertiggestellt und geht zunächst dem Re-chsrat zu. Sie regelt besonders das Pro­blem V:.ner anderweitigen Verteilung der Lasten zwii.tzen dem Reich und den Landern.

Eine neue Ordonnanz der RheinlandkommWon,

Lvoblenz. 12 . Dez. (Savas.) Die Hobe Rhesula-id- kommifnon bar eine- Ord-onnan, herausgegeben, in welcher den Kauflenten der besetzten Gebiet-: verboten wird Gegenstände uick Waren des täglichen Bedarss zu üüer- trnbenen Pre»ev zu verkaufen. Es werden Strafen an- gedrobt b's b Monate Gefängnis und 10 006 Goldmark. Di cf? Ordonnanz richtet nch gegen die nugenbl-cklAie Prcis- ^'bkrel einer motzen Reihe von Geschäftsleuien. welche ibre Berkaufsoreife aui einer willkürlichen Goldmarkbasts ansetzen.

ÄMerjke 5 WsWM VSWM.

Dez. (Dvcchtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Der Pressedienst der Zentrumspariei wußte gestern zu berichten, daß in parlamentarischen Krenen vielfach der Wunsch geäußert werde, Deutschland möge sich an den Völkerbund wenden, um zur Sanierung seiner Finanzen e i n e A n l e i h e zu er- halten. Man verwies dabei auf den Erfolg Österreichs, und betonte vor allem, daß Deutschland mit eigenen Kräften kaum aus der katastrophalen Finanzlage herauskommen werde und deshalb vom Ausland Hilfe müsse. In der Tat wird nach Mitteilung an ^lstandiger Stelle ein solcher Sch ritt erwogen. Man denkt dabei aber vielleicht weniger an den'Völker­bund als vielmehr daran,

einen Appell allgemein an das Ausland

d" Achten. Wenn man so in Regierungskreisen ent- schlossen ist, nichts unversucht zu lassen, um Ordnung in die deutschen Finanzen zu bringen, so verkennt man doch nicht, daß alle Steuerverordnungen nur dem Reich über die allerschlimmste Zeit hinwog-helfen tonnen^ daß sie aber eine endgültige Sanierung der Finanzen nicht ermöglichen. Auch diesen Zweck.inen die Steuerverordnungen nur dann erfüllen, wenrr die erschlossenen Quellen reichlich fließen und wenn nicht Steuerscheu, die mit allen Mitteln zu brechen wäre, den Erfolg der Verordnungen beeinträchtigt. Dabei wird man sich allerdings auf außerordentlich starke oder, wie man getrost sagen kann, br u 1altz Eingriffe ge­faßt machen können. Denn es ist ausgeschlossen, daß etwa diese Steuern noch aus dem Ertrag der Betriebe bestritten webden können. Sie bedeuten einen Eingriff in die Substanz des Bolksvermögens. Dieser Schritt aber mutz gegangen werden, soll nicht das Reich in Kürze zur Einstellung aller Zahlungen gezwungen werden.

Man macht sich heute in weiten Kreisen von dem ungeheuren Ernst der Finanzlage noch immer keine rechte Vorstellung. Tatsächlich liegen die Diilge so. daß, wenn sich die neuen Steuern nicht als ergiebig erweisen, das Reich nicht mehr in der Lag: ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Was aber würde das bedeuten, wenn nicht nur die Gehalts- und Lohnzahlungen des Reiches eingestellt werden müßten und wenn damit auch auf die notwendigen Funktionen der staatlichen Organe, wie etwa im Sicherheitsdienst, verzichtet werden müßte. Das Reich ist eben heute nicht mehr in der Lage, sich unbeschränkte Mittel zu ver­schaffen. Die Notenpresse ist abgestopft und der von der Nentcnbank dem Reich gewährte Kredit wird in kürzester F r rst v e r b r au cht sein. Eine Er­höhung dieses Kredits kann aber nicht in Frage kom­men, denn unter gar keinen Umständen und darin besteht zwischen dem Direktorium und der R.eichsregie- dung erfreulicherweise Übereinstimmung darf dis Rentenmark den Weg der Papiermark gehen.

Der Weg der Inflation

ist ein- für allemal verstopft und die erfreuliche Wir­kung dieser Finanz- und Wirtschaftspolitik komn't ja auch in der neuen R e i ch s i n d e x z i f f e r. die oegeck- über der Vorwoche eine Senkung von 16,2 Prozent aus­weist. zumAusdruck. Die Regierung wird also alle Hebel in Bewegung setzen müssen, um zunächst für die schlimm­sten Wochen vorzusorgen und um dann mit Hilfe des Auslandes zu einer endgültigen Sanierung d e r F l n a n z en zu gelangen. Daß unter diesen Um­ständen im Augenblick auch gar keine Möglichkeit be­steht, etwa die Veamtengehälter zu erhöhen, versteht sich von selbst. Äußerste Sparsamkeit auf der einen Seite und Opfersinn aller Kreise ist erforderlich, um die drohende Finanzkatastrophe abzuwendeni

As teMMfö seid fit die tsefeßten Miele

Köln 12 Dez. Vor Pressevertretern berichtete^ dA Bemeordnete Suth in ausführlicher Weife über die feit langem ron den Städten und Gemeinden des besetzten Ge- b-etes gemachten Anstrengungen ein wertbeständiges Zahlungsmittel zu schaffen, was nun. gelungen hi. Es fei beabsichtigt, das Geld in 1 -. 2-, 5-, 10 -. 20- und 50- Markickeinen und auch Klemgeld von 10. 85 und 50 Pf. auszigibcn Es fei vorsefehen. daß die Reicksbank wie im unbesetzten Gebiet für die Rentenmark im besetzten Geb-et einen entfvrechenden Giroverkehr für wertbe- täiidigcs Geld ei,.führt, ebenso die Post ihren Scheckverkehr im besetzten Gebiet auf das neue wertbeständige Geld ein- stcllt. Zur ikberwachung des ganzen Geschäftsgebarens wird ein besonderer Reickskommissar ernannt werden Auch die Sparkaffen werden sich auf das neue wertbestä^ dme Geld einstellen und auch ihr Giroverkehr wird auf dieses Geld umgestellt werden. Wübrend die beabsichtigt

ZoldvLlenbgnk Eoldnoten auch für den. 'ÄtSS' -cr^c ^stonen will.Iban^le es fick hier in der Hauvtiache

um die Befriedigung'des Geldbedarfs des täglickL WnL

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