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November 1923.
M Mmchrur Wisch ziisMMWbroche».
Schneller, als man annehme« konnte, ist der Müncheirer Putsch zusammengebrochen General Ludendorff wurde verhaftet, aber unbegrelsucher- weise bald wieder sreigelassen, während Hitler entflohen zu sein scheint. In ganz Bayern herrscht wieder Ruhe. Die nationalsozialistischen Sturmaoteilun» gen sind ausgelöst. Über Bayern ist das stanorccht
verhängt. , „
Die bayerische Putschgefahr ist nunmehr' affo wieder behoben, aber die Stellung Bayerns zum Reich und »ur Regierung Stresemann bedarf noch dringend der Klärung. Inzwischen sucht sich die Regierung Slre.e- Nlonn mit dem Gebot aller Kräfte, die ihr noch geblieben sind, durch die immer höher anwachsende Flut der Anarchie an das rettende Ilfer durchzukämpfen. Sie sieht offenl-ar den 15. November, nämlich den Tag, an dem die Rentenbank und die Rentenmark ln Erscheinung treten soll, als einen entscheidenden Zeit, vunkt an. Gelingt es ihr. sich bis dahin über Wäger zu halten, so hofft man durch langsame Beseitigung der größten Rot und durch vorsichtige Stabil! gerung «er Verhältnisse auf dem Geldmarkt auch die Voraussetzungen für einen politischen Zusammenbruch uber- Vunden zu haben. Sie hat deshalb zu einer Reihe von Maßnahmen gegriffen, die an sich vielleicht vo" zweifelhaftem Wert sind, die jedoch über die gefahr- lichste Zeit Hinweghelsen sollen. Um die zum Teil auf- gebrcruchren, zum Teil gehamsterten Erträgnisse der ersten Goldanleihe zu ersetzen und einen neuen Fonds zur Besklstrsfung der notwendigen Import--Nanrungs- mittel. vor allem von Fett und Getreide, zu beschaffen, soll die Devisenabgabe vom September auf der Grundlage der Brotversorgungsabgabe noch einmal umgelegt werden. Almabenpslichtioe Devisenbesitzer sollen durch eine neue Goldanleibe befriedigt werden, die neben der »Rentenmark zur allmählichen Beseitigung der Popier- mark dienen soll. Außerdem soll ein Teil der Zuckerproduktion für die Ausfuhr freigegeben werden, wodurch ein Devisenvorrat erlangt werden soll, andererseits aber eine Gefährdung und Verteuerung des inländischen Zuckerverbrauchs eintreten wird.
Trotz des unrühmlichen Ende des bayerischen Hitler-Putscks muß man die Frage stellen, wie lange die geaenwärtige Negierung dem Ansturm gewachsen sein wird der von ihren politischen Gegnern in zäher Arbeit unternommen wird. Es war nach dem Ausscheiden der Sozialdemokraten offenbar Stresemanns Absicht, dem Kabinett eine stärkere moralische Stütze dadurch zu geben, daß er die erledigten Ministerposten mit Männern ohne feste Parteirichtung, aber _ von großer nationaler und bürgerlicher Autorität be,etzle. Die Gewinnung des früheren deutschnationalen Reichs- tagsabgeordneten v. Kanitz zum Ernährungsminffter war etwa das Muster, nach dem Stresemann sein Kabinett befestia-n wollte. Aber offenbar gelingt ihm dies nicht nach Wunsch. Eine offene B"rbindunq mit den Deutschnationalen wird von den Regierungsparteien abaelehnt, da die Beseitigung Stresemanns die erste FoÄerung der Deutschnationalen wäre. So bleibt vorläufig das Rumpfkabinett Stresemann auf sich selbst anaewiesen und lebt von der Gnade der Gegner und von'den Zufälligkeiten einer gänzlich unsicheren, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der nächsten 3«t!
kle Me in Burin rciecer MMlik.
Berlin, 9. Rov. Nach einer Mitteilung aus Würzburg kann der Putsch in München bereits als erledigt betrachtet werden. Der ehemalige Polizeipräsident und Rädelsführer P ö h n e r ist in Schutzhaft genommen. Alle öffentlichen Gebäude in München befinden sich in der Hand der rechtmäßigen Regierung. Ludendorff und Hitler sollen allein verschanzt im Kriegsministerium fein. Ganz Bayern und auch München sind ruhig und stehen auf der Seite der rechtmäßigen Regierung. Die Reichswehr steht t r e n z u r R e g i e r u n g v. K n i l l i n g.
Berlin. 10. Rov. Die Blätter melden übereinstimmend aus München, daß in ganz Bayern die Ruhe wieder rollig hergestellt ist. Nach einer Meldung des „Berliner Tageblatts" fei außer in M ii n- chen auch in Augsburg von Na.onolozmffen eine Aktion versucht worden. Die Nationalsozialstt-n sei-n jedoch von der Landespolizei entwaffnet uns verhaftet worden. Auch in N ii r n b - r g wurden gestern srüh bewaffnete Nationalsozialisten von der Landes-
"^Münchcn^g^'Rov. In München benschte heute nachmittag volle Ruhe. In der Nackt vorher ist
noch die Festnahme Pöhners erfolgt Der von den Nationalsozialisten als Polizeipräsident eingeietzre Polizeivat Frick wurde festgesetzt. Um 11 t H° ts mittags waren die kommunistischen und sozralig.uch'N Münchener Stadträte und ebenso der sozialdemokran- sche erste Bürgermeister Schmidt von nationalsozialistischen Truppen mit Gewalt aus dem Rathaus geholt worden. Durch den Einsatz der Münchener Truppen der Landespolizei und von auswärts herangezogenen Kräften ist bis 3 Uhr nachmittags der Putsch restlos in sich zuiiammengebrochen.
München. 10. Nov In den Abendstunden, wurde mit- seteilt. da« die Entwaffnung der Natlonaliozialliten t a it vollkommen durchgefük> rt war und sie die Waffen abgegeben kalten. Ahen-os wurde eine P r o ? l n m a tc n des Gerecalstaatskommissars v. Kahr öffentlich ange- schlagen. die der Bevölkerung Kenntnis gibt von der Einsetzung von Standgerichten Ferner bat der Gene- ralstaatskommislar angeordnet. dah für den Bereich der Stadt Münchcn abends von 8 Ubr bis 5 Uhr morgens reder Verkehr auf öffentlichen Strogen und Platzen in der nächsten Zeit untersagt ist. Ferner wurden Luit bar- leiten aller Art. Tbeaterauffubrungen und Konzerte o-s auf weiteres verboten. Die Gasthäuser und Scvanr- wirischasten baden um 7.30 Ubr Zu, schliehen. Übertretungen Vieler Anordnungen werden mit strengen Strafen ge-
Berlin. 10. Rav. lEtg. Drabtbericht.) Rach Aufhebung der Telephon- und Te1egravb«n- sperre sind eine graste Anzahl, zum Teil natürlich durch die Ereignisse überbrlien Meldungen aus Bauern einge- trofsen. cie nachstehend in kurzer Form zuiammengefatzt werden Infolge des in der vorvergannenen Nacht unternommenen Schrittes der Sitlerleute bauen stch die bayerischen Minister Dr. Malt. Dr. Meine!. Dr. Kraus- n e >k nach Negrneburg begeben „um von vier aus d>« Geschäfte der Regierung weiterzukübren.
Die Lage in München bat sich rasch entwickelt. Die im Kaiernenviertel gelegenen Gebäude sind feit ln der Händen der bäuerischen Negierung. Zuletzt waren nur noch das Gebäude des Wehrkreiskommandos und das frübere Krieasm'niiterium in den vänden der Nationalsozialisten Nach längeren Beratungen wurde der Sturm auf das Gebäude des Webrk-eiskgmmandos beschlossen. D:e aus ganz Südbauern berangezogene Reichswehr und Lan- desuol'-zei wurde Herr der Lage. Bei dem Sturm auf das Wedrkreiskowmando baden die Regierungstrunoen 10 Ber- letzte und einen Toten verloren: die Zahl der Toten und Berwundetov bei den Nationalsozialisten steht nickt best. Die nationalsozialistischen Sturmabteilungen sind als aufgelöst erklärt, die nationalsozialistische Arbeiterpartei wurde vpr-
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otcn. über ganz Bayern Mt das Standrecht vsc- chängt Etwaige Zugänge nationallozialistiicher Taupven aus Rordbanern werden aufgebalten und entwaffnet. Inzwischen haben sich die in Regensburg verbliebenen Minister wieder nach München zurü Ke geben.
Berlin, 9. Nov. Wie mitgeteilt wird, ist der Putsch ausschließlich aufMLnchen beschränkt Abrieben und hat nirgends in Bayern Nachahmung gefunden Auck, von -der gesamten bayerischen Grenze sind Berichte eingelaufen, daß alles ruhig ist, ebenso in Thüringen und in der Provinz Sachsen. Wie zu erwarten war. hat sich auch der frühere bayerische Kronprinz Rupprecht, der stets ein scharfer Gegner Ludendorffs war. mit aller Entschiedenheit gegen den Putsch erklärt.
Ludendorff aus der Haft entlassen, H'tler verwundet entkomm n.
Berlin, 9. Nov. (Amtlich.) Das Gebäude des Wehrkreiskommandos in München wurde heute nach, mittag von der Reichswehr nach Kampf genommen. Auf beiden Seiten sind geringe Verluste zu, verzeichnen. Ludendorff wurde fcftgenommen.
Berlin, 9 Nov. Nach weiteren aus München cin- qetroffencn Nachrichten befinden sich General Luden- dorff, Hauptmann Römer, der Führer des Bundes Oberland und ein anderer Führer der Nationalsozialisten in Schutzhaft, dagegen soll nach neueren Meldungen Hitler entkommen sein; er rst aber verwundet. An Verlusten sind bei der Reichswehr zu verzeichnen: 2 Leichtverwundete, bei der Schutzpolizei etwa 6 bi» 7 Verwundete und 1 Toter. Im ganzen dürften auf beiden Seiten 8 bis 10 Personen getötet worden fein. Zn München herrscht heute abend vollständige Ruhe. Die Reichswehr und dre Schutzpolrze, sind durchaus Herr der Lage.
München. 10. Nov. Über den An k en t b al t S rtlers, der eine leichte Handverletzung davsngetragen haben soll, liegen noch keine bestimmten Meldungen vor. Man iprrcht von der Möglichkeit, dast er vielleicht mit e,nm«n hundert Nationalsozialisten in östlicher Richtung aus München abgezogen iei. Sudend°rii. der sich eine 3e:tlana rm Gewahrsam der Polizei befand, ist ieit gestern aus d - r Haft entlaiien worden, nachdem er iem Ebrenwor, gegeben hatte, sich nickt weiter an der Sacke ru beteilige«.
Ar mm iWWMA im.
as. Berlin, 10. Nov. (Drahtmeldung unserer Berliner Abteilung.) Der Münchener Löwenbräukcller- spuk ist wider Erwarten schnell verflogen. Der 9. November sah weder die von Hitler angekündigte „nationale Negierung", noch sah er den Tod Hitlers. Entgegen seiner Ankürrdigung hat Hitler den „ Zusammenbruch seines Unternehmens bei anscheinend guter Gesundheit überlebt. Den General Lud endo r f f hat man zunächst festgesetzt, und wenn ihn nicht gute Freunde und getreue Verschwörer befreien, >o ist ihm diesmal die Fahrt nach Schweden — melleich. dürfte er jetzt Ungarn vorziehen — unmöglich, obwohl a>:ch beute schon die blaue Brille wieder parat liegt. Die akute Putschgefahr ist mit dem Zusammenbruch dieser Hikleriade, gegen die der Kapp-Putzch ge- rwdczu musterhaft vorbereitet war. zunächst erledigt. Die Rechtspresse, die schon Iubelhymnen wegen der Errichtung einer nationalen Diktatur angestimmt hatte, rückt jetzt von demi Münchener Hochverrat ab und be- müht sich um so eifriger
Herrn v. Kahr als Netter des Staates zu feiern. Die Rolle, die Herr Ä a h r und Genera! v L o s s o w bei dem Putsch gespielt haben, scheint indessen keineswegs völlig geklärt, trotz der sehr langatmigen Erklärungen, die der banerische Gener<U- staotskommisiar veröffentlicht hat Es scheint durch- aus nicht unwahrscheinlich, was das „Berliner Tageblatt" berichtet, daß nämlich Herr v. Kahr und V-rr v Lossow, nachdem sie im Lowenbraukeller ihre Zustimmung zu dem Putsch gegeben hatten, erst schwankend wurden, als sie sich nachts in der Kaserne einfanden und andere Einflüsse auf sie einwirkten. Hier sollen nämlich ^
der frühere Kronprinz Rupprecht und Kardinal Faulhaber
der Teilnahme am Hitler-Putsch dringend widerraten haben, wobei man daran erinnern darf, daß ja die Hitler-Verbände großdeutsch-fchwarzweißrot eingeste.it sind, während die Herrn v. Kahr nahestehenden Verbände auf Wittelsbach schworen, bayerisch, also blau- weist einaestellt sind. Dadurch stand bekanntlich immer schon der Bayer Kahr im Gegensatz zu dem Preugen Ludendorff. Es ist deshalb auch durchaus unrichrig, von einem bayerischen Butsch z» sprechen denn aeleitet wurde das Unternehmen von dem Österreicher Hitler und dem Preußen Ludendorff Auf ieden Fall hat 5>err v. Kahr als Diktator versagt! Er bat als Generalstaatskommissar wohl die sozialdemokratische Sicherheitswehr aufgelöst, er bat alle loMl- demokratischen und demokratischen Blatter verboten, aber er hat nichts getan, um die rechtsradikale De- waouna. über deren Umfang und deren Plane er als Eenerälstaatskommifsar doch unterrichtet sein mußte,
ein Ö\ un auch der Putsch in München erledigt, so bleibt doch die b a n e r i s ch e F r a g e und ihre Losung scheint beute noch schwieriger als,^?her Hier scheid.« sich die Geister Die Rechtspresie feiert Herrn v. Ka h r und Herrn v' Lossow als Netter des Vaterlandes und schon haben diese Blätter die neue Aufnahme- stellung bezogen, um den
Kampf gegen die Regierung Stresemann fortwietzen Für sie ist der gescheiterte Putsch nur ein Beweis für die Notwendigkeit, die rechtsradikalen Forderungen zu erfiillen. Diese Blätter Wissen aus dem Putsch keine andere Lehre zu ziehen als die daß schleunigst die Reichsregierung von der Bildslache zu verschwinden habe und daß an ihrer Stelle die berühmte
außer« a r l a m e n t a r i s ch e „R e g, e r u n g d es
Vertrauens" treten mäste. Was Ludendorff und Hitler nicht erreichen konnten, soll setzt vollbracht werden ohne Putsch und ohne Braukellerspuk. Die Forderung bleibt dieselbe: Der Kopf Stresemanns! Gegen den Kanzler richtet sich nach wie vor die Wut der Rechten, er ist für sie der Verfechter des Gedankens der großen Koalition, der Mann, der unter Marxist,fchem Einfluß stand und noch steht und man hat es .hm n-.ch verzieb'n daß er in Sachsen die Diktatur Hemze nicht SrAerhalten hat. wie es die.Deutschnationalen wünschten, sondern sich mit der Biff-ung der ,ozml- demokratischen Regierung Fellisch einverstanden erklärte So wird auch der gestrige Beschluß der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion verständlich, nach dem die Deutschnationalen wohl bereit sind, in eine bürger- liche Negierung einzutreten, aber nur unter der Voraussetzung, daß Dr. Stresemann zurücktritt. Ihr Ziel bleibt eben, wie auch Graf Westarp in einer Rede ausfiihrte.
die Diktatur.
Die Deutsche Dolkspartei hingegen hat gestern wohl
