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Verlag Langgass« 21

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Nr. 242.

Donnerstag, 28. Oktober 1923.

71. Jahrgang.

SW SmeW dkl jMMMln.

Rach feen heute vorliegenden Nachrichten scheint es ln mehreren Städten des Rheinlandes gelungen zu sein, die Separatisten wieder aus den von ihnen besetzten öffentlichen Gebäuden hinauszudringen. In anderen Städten scheint der Kampf noch im Gange zu sein. Uber den Stand der Dinge unterrichten die nachstehenden Meldungen des Wolffschen Telegraphen-Bureaus:

In Mainz.

Mainz, 24. Okt. Die Dchatzungsorgane haben laut Bekanntniachung unter den üblichen Ausnahmen die Verkehrssperre von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens über die Stadt Mainz verhängt.

Mainz, 24. Okt. Nachdem in den späten Nach­mittagsstunden die Fahne der sogenannten Rheinischen Republik vom Regierungsgebäude (Kreisamt) her. unteigeholt worden war, räumten die Separa­tisten in den Abendstunden das Kreisamt. So­mit ist der Handstreich der Separatisten vollkom­men gescheitert. Am Abend kam etz erneut zu beftiaen Prügeleien zwischen Separatisten, die zum Bahnhof eilten, und der Arbeiterschaft, wobei eine Anzahl Separatisten schwer verletzt worden sein soll. Man spricht sogar von einigen Toten. Heute vormittag ist die Vage wieder normal. Die Geschäfte sind zum Teil wieder geöffnet. Überall wird wieder gearbeitet.

Mainz, 24. Okt. Wie das „Echo du Rhin" meldet, wurde gestern nachmittag der am Krsisamt vorüber­gehende' Professor E o n st a n t vom französischen Lyzeum in Mainz durch einen von den Sonderbündlern, die sich noch im Kreisamt befanden, abgegebenen Schutz in den Kopf schwer verletzt und in das Militär­lazarett verbracht, wo er sofort eitler Operation unter­zogen wurde. Über die Schwere der Verletzung konn­ten die Ärzte bisher noch nichts Genaues feststellen.

In Koblenz.

Koblenz, 24. Okt. Nachdem die Sonderbündler gestern nachmittag Verstärkungen, besonders aus Bonn, erhalten hatten, marschierten sie gegen 4 Uhr nach dem Schloß, dem Sitz der Regierung, besetzten es und hiß­ten die grünweißrote Fachne. Gegen 6 Uhr abends säuberte die Polizei den Platz, entfernte die mehr als tausendköpfige Menge und säuberte das Schloß von 'b e n Separatisten, die sie nach dem Bahn­hob abschob. Auch die sonderbündlerische Fahne wurde entfernt.

In Aachen.

Aachen, 24. Okt. Hier hat sich ein U m s ch w u n g der Lage vorbereitst. Der Stellvertreter des feit langem ausgewiesenen Polizeipräsidenten, Regierungs­rat Buh r, ist von der Besatzung bestätigt worden, je­doch unter der Voraussetzung, daß die Polizei an der Wiedereroberung des Quartiers der Sonderbündler nicht toilnehmen werbe, widrigenfalls die Schupo ent­waffnet werben sollte. Gestern abend gegen 6 Uhr durchzog eine große Menschenmenge den Graben. Sie schrien: „Nieder mit den Sonderbündlern!" und sangen das Deutschlandlied. Die Sturmtrupps, denen die Menge begegnete, wurden umringt, entwaffnet und nach einer gehörigen Tracht Prügel wieder entlassen. Gestern abend und im Laufe des heutigen Morgens wurden mehr als ein Dutzend Schwer- und Leichtver­letzter ins Krankenhaus eingeliefert. Gegen Mittag wurde auf dem Dach der Reichsibank die Flagge des so­genannten „Freien Rheinland" verbrannt. Don dem Dach des vierstöckigen Hauses der Vankfirma Michels holte vor einer 1000köpfigen Menge ein junger Mann, der an der Fassade des Hauses emporkletterte, die gleiche Fahne herunter. Im Haufe eines Sonderbünd­lerführers wurden die Insassen mit Steinen und Ersen- ftücken beworfen, worauf die Sonderbündler auf die Menge schossen und ein 12jäihriges Mädchen tödlich ver- feisten.

^ Aachen 25. Okt. (Eis. Drah Gericht.) Die Sonder­bündler sind wieder in die Stadt einge­zogen. Man erwartet schwere Zusammenstöße.

Brüssel. 25. Okt. (Erg. Droh Gericht.) Nach erner Meldung aus Aachen bat Deckers an die Rhein- landkommbsslon einen Brief gerichtet, in dem er im Namen der provisorischen Regierung um Hilfe und Unterstützung ersucht.

In Duisburg.

Berlin. 25. Okt. Wie die ..D. A. Z." aus Duisburg meldet, sind die Sonderbündler gestern durch den Gegen- orgriff der Bevölkerung aus dem Rathaus vertrieben und entwaffnet worden. Die sonderbündlerische ,rahne auf dem Rathaus und auf dem SauvtvostseLaude wurde berunter-

gerstfen. - - , ^

Zn Krefeld.

Krefeld. 24. Okt. Hier ist das Rathaus in Händen der Polizei, von der 4 Beamte schwer verwundet wor­den sind. Als die Verwundeten in einem Kranken­auto abgeholt wurde«, wurde das Auto von einem

Trupp Sonderbündler angehalten. Der in dem Auto­mobil befindliche, bereits schwer verwundete Polizei- kommiffar Schneider erhielt einen zweiten^ Bauch­schuß. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Im Um­kreis von 100 bis 150 Metern ist das Rathaus von Sonderbündlern abgesperrt.

Zn München-Gladbach.

MLuchen-EladSach, 24. Okt. Hier verlangten die Arbeiter gestern nachmittag die Auslieferung der Son­derbündler. Ein fonderbündlerifchsr Wachtmeister for­derte seine Kameraden auf, gegen die Arbeiterschaft vorzugehen. Da sie dies jedoch ablehnten, verletzte er einen Beamten durch einen Pistolenschuß schwer und flüchtete dann. Die Arbeiter stürmten das Rat- h a u s zusammen mit der Polizei. Die Sonderbündler flüchteten über die Dächer. Die Arbeiter trugen den alten Bürgermeister auf ihren Schultern nach dem Rat- haus. Der sonderbündlerische Bürger- meister ist »ms Leben gekommen.

Zn Erkelenz.

Erkelenz, 23. Okt. Hier wurde gestern auf dem Landratsamt und dem Rathaus die Flagge der Son­derbündler von der Polizei heruntergeholt. Auf dem Kreistag, der sich heute versammelte, beschlossen sämt­liche Parteien eine P r o t e st e n t s ch l i e ß u n g gegen das Vorgehen der Sonderbündler. In der Stadt ist alles ruhig. Die Herrschaftder Sonderbünd­ler ist gebrochen.

Loslösung der Pfalz von Bayern.

Berlin. 25. Okt. Der ..Vorwärts" meldet aus Kaiserslautern, datz dort all« Vordere r tun - een getrosten wurden, um noch rm iLaufs des heutigen Tages die Gründung der Volksrepublik rm Verbände,de^ Deutschen Reiches zu vollziehst, da die Geduld der rerchs- treuen republikanischen Bevölkerung der Pfalz., gegenüber dem Verbalten Münchens erschöpft fei. Die Gründung der pfälzischen Republik könne als ein Akt der Abwehr gegen den reaktionären Separatismus und als ern Akt der Treue zum Reick betrachtet werden. . , ' . „

Ludwigshafen. 24. Ott. Die „Pfälzische Rundschau meldet: Zu einer außerordentlich ernsten und für die Zukunft der Pfalz entscheidenden Sitzung ist heute der Kreistag der Pfalz zusammengetreten. Es han­delt sich mn nichts weniger als um die Frage, ob die Pfalz weiter bei Bayern bleiben will. Wie weit diese Dinoe in dieser Hinsicht gediehen sind, geht aus einem sozialistischen Flugblatt hervor, das die Sozialisten der Pfalz verbreiten. In diesem Flugblatt wird daraus hingswiefen, daß Bayern die Reichsverfassung gebrochen habe und sich in offener Rebellion gegen das Reich be­finde. Die sozialistische Partei sieht sich daher gezwun­gen aus dieser Lage in Bayern die nötigen Konsequen­zen zu ziehen. Die Walz kann nicht mehr bei Bayern bleiben. Die Sozialisten der Pfalz haben die Initiative zur Loslösung der Pfalz von Bayern und zur Bildung eines selbständigen Staates ;m Rahmen des Reiches ergriffen. Um 11 Uhr 15 Mm. vormittags eröffnets der stellvertretende Vorsitzende Dr. Bayersdorf er die Sitzung. Die Tribünen waren außerordentlich stark besucht. Der Vorsitzende erklärte, er habe die Gelegenheit nicht versäumt, sich an die öffentlichen Stellen und an den General de Metz zu wenden, damit die Gefangenen wieder freigemssen würden und die Ausgewiesenen zurückkehren könnten. Hierauf wurde der sozialistische Antrag eingebrachr. Der Vertreter der RI, einlandkomm isiion, Major Louis, gab hierauf eine Erklärung ab, daß der gegenwärtige Zustand nicht andauern könne, ohne daß die moraluche Grundlage der Bevölkerung gefährdet werde. In An­betracht der Vorgänge in Bayern fei von heute ab die Pfalz als ein autonomer Staat mit einer provisorischen Regierung bis zur wetteren Entwicklung der Ereignisse anzufehsn. Die Autonomie der Pfalz verpflichte sie feierlich, gegenüber der inter­alliierten Kommisiion in der Gegenwart und für die Zukunft die strengste Loyalität zu beobachten, ebenso dff Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen, welche zu den Garantien du geschuldeten Reparationen erforderlich

sind. ... „ . _ . ,

Der Vorsitzende vertagt hierauf den Kreistag bis 4 Uhr nachmittags, bis General de Metz die verlangte Antwort auf die Anfrage erteilte. An der Spitze der sozialistischen Bewegung der Pfalz stchen der zweite Bürgermeister von Ludwigs-Hafen Kleinfeld und frühere sozialistische bayerische Ministerpräsident H o f s- mann-Kaiserslautern, sowie Rechtsanwalt Wagner aus Ludwigshafen. , „ ,

Rach Wiederaufnahme der Sitzung teilte der Bor- sitzende Bayersdorfer mit. daß von General de Metz eine Antwort bisher nicht zu erlangen war. Die Sitzung wurde darauf bis Freitagnachmittag 4 Uhr ' vertagt.

:egienma das Wort und legte, d-e Reichspräsidenten und di>e Reichs-

Eine Sitzung der Ministerpräsidenten und Gesandten der Lander.

Berlin, 24. Okt. Der Antrag Württembergs auf Besprechung der bayerischen Frage in einer Sitzung der stimmfübrenden Mitglieder des Reichsrates. die darauf­hin für heute nachmittag 5 Uhr an gesetzt worden war. wurde zurückgezogen. An Stelle der geplanten Reichsratssitzung fand am Grund eines neuen Antram- Württembergs eine Sitzung der Ministerpräsi­denten und Gesandten der Länder in der Reichskanzlei statt Der bayerische Gesandte v. P reg er legte die bayeMche Auffassung über die Entstehungsge­schichte und Entwicklung des mit der Verhängung de» bayerischen ShusnahmeMstandes und der Ernennung , des Generalstaaiskvmmissars v. Kahr besonnenen Konfliktes zwischen Bayern und dem Reich in ausführlicher Rede dar und brachte anschließend zum Ausdruck, daß Bayern durchaus reichstreu sei, datz es aber den Wunsch nach Minderung der Überspannung des Wtrtarischen Ge­dankens in der Reichsverfassung habe, der der Urgrund von Konflikten schon mit verschiedenen Negierungen gewesen sei. Danach ergriff

der Reichskanzler im Namen der Reichsr

Reichspräfidenten und dt

regierung veranlaßt hatten. noch am Tage der Ver­hängung des bayerischen Ausnahmezustandes den Reichs­ausnahmezustand zu verhängen. Die Ernennung einer Persönlichkeit, wie die des Herrn v. Kahr, jurn General­staatskommissar in Bayern habe die Gefahr mit. sich ge­bracht. daß rechtsradikale Kreise in anderen Testen des Reiches ihre Stunde für gekommen halten mrd zu EewaU- schritten verleitet würden. Dieser Gefahr sei der Reichs- uusnabmezustand als DorLeugungsnnttel entgegengmellr worden. Der Reichskanzler ging dann seinerseits auf die Entwicklungsgeschichte des Konflikts zwischen Bayern und den- Reich ein und hob bei aller Anettennung der Schwie­rigkeiten der bayerischen Regierung hervor, datz die Reichs- regiernng in ihren Anstrengungen nach Beilesnnü des Konfliktes bis an die Grenze des Möglichen gegangen sei. Ebenso wie der Gesandt« Bayerns den Wunsch zum Aus­druck gebracht bade, [

einen Weg zur Beilegung des Konfliktes zu finden, ebenso wünsche die Rerchsregierun«. dah es ge­lingen möge, einen Ausgleich zwischen Bayern und dem Reich herbeizuführen. Zu dem von dem Gesandten v o n Pr eg er oorgebrachten Verlangen Bayerns nach Herab­in inderung der Überspannung des unitarischen Gedankens wies der Reichskanzler auf die wiederholt von ihm öffent­lich betonte Absicht der Reichsregierung, setr. Erwei­terung der Rechte und Pflichten der Länder auf finanziellem und steuerlichem Gebiet hin. Bayern stehe cs frei, weitere Anträge in dieser Richtung ru stellen, und es sei rrobl möglich, datz es dabei auf die. Zustimmung der anderen Länder rechnen könne. Die Vorbedingung zu solchen Schritten sei aber die Wiederherstellung verfassungsmätzigs:

In einer län«ereu Besprechung vereinbarten die Ministerpräsidenten Mid Gesandten die

einstimmig a ng e nomm ene Erklärung, die der württembergische Staatspräsident H i e b e r zur Verlesung brachte:

In dem Konflikt zwischen Bayern und dem Reich, stellen sich die Vertreter der Länder einmütig au, den Standpunkt der Rei cksregiernng. Sie halten eine schnelle Erledigun« der Personalsrage, als notwendig. Um ähnlichen Konflikten für die Zukunft vorzubeugen, verlangen die Länder einmütig die baldige UmwandLnvg dets militärischen AuS- nabmezuftandes in den zivilen. Im Einver­ständnis mit dem Herrn Reichskanzler halten dce Ver­treter der Länder es für erwünscht, datz Verhandlungen über die fernere Gestaltung des Verbältnifses von Reich und Ländern im Sinne einer grötzeren Selbständigkeit der Länder zu geeigneter Zeit eingekettet werden.

Im Anschtuh hieran gab Stacttspräfident Dr von H i e b e r dem Wunsche Ausdruck, dah M das Reich und Bayern ms Benehmen fetzen mochten, um schnMiens wieder normale Verhältnisse herbeizurühren. Der R e i ch s k a n z l er erklärte die Bereitmillirkeit der Reichsregierun«. den Weg der Verständigung zu gehen uno mit Bayern eine Ernikwng herbeizufüüren, Die Reichs­regierung sei ferner bereit, möglichst bald in Verbandtun- «en mit den Ländern eiuzutreten. um. die Frage der gröberen Selbständigkeit zu erörtern, wobei selbst- rerstündlich der verfaskmssmähtse Weg zu geben sei. End­lich sei die Reichsregierung bereit, fo bald es die Verhält­nisse irgendwie gestatten, den Re i ch s aus nahm«zu.- st and vollkommen aufzu beben oder» den mili­tärischen Ausnahmezustand in einen zivilen umzuwandeln.

Am Schluß der mechrMndigen Beratungen der Minister- oräüdenten dankte der Reichspräsident, dem Staa.tsmasi-1 denten v. Sieber für die ^ Jnttmtive m erner Zu­sammenkunft der Staats- und Mmistervrasidenten und Gewndtrn der Länder, sttt die. wie er boste erwlgreicke Miiwirkung zu der vom deutschen Volk ersehnten Wieder- herstelluM der völligen^. Einheit des Rercbes und ferner M^rlieder und »ab der Hoffnung Ausdruck, datz die Reichs­treue Bayerns und seiner Staatsmänner die notwendige baldige Verständigung mitherbeifübven werde.

Ein Teil der hayrrischsn Truppen lehnt die

Verpflichtung für die bayerische Regierung ab.

Berlin. 25. Okt. Nach der Mitteilung einer sozialUi- schcn Korrespondenz bat ein Test der bayerischen T r n v v e n in München und anderen Standorten eine Verrflichtung für die banerische Regiening ab gelehnt mir der Begründung, datz der Eid auf die Verfassung ge­leistet worden sei und für die Truppen nach wie vor die Veipsticktung bestehe, an diesem Treufchwur festzuhallen. Dem Reickswehrminister und dem Chef der Heeresleitung sind aus Bayern, insbesondere von den Reichswehraffi- i zieren, zahlreiche Treuekundgebungen »uaegame»,