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Montag, 29. Oktotzer 1923.

Wiesbadener TagdlE

Nr. 213. Seite 11.

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'Z(nterßaftungä Beilage

bed 'W'iedßabener ICagßfattö.

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Die zweite Aarte.

Von Eart Sek-ert.

Dei Bieuemaysrs war es mal wiedm sehr stürmisch ber- gegang-en. Jetzt lief Serr Adruan aufgeregt rm -onnmer umher. wahrend fein Freund Pbrlwv am Tisch wb unto ver üblich »ersuchte, sich mit einem eben gekauften Avvarat eine

^Nein.^rch^habe^es eidlich satt". Haste Miffvm^Jedcn Tag dieselbe Geschichte. Ihr , seid mm 14 Tage ortWtta-tet und ie'beTi Abend lasst ihr mich rufen, um eure Ebe emzu- re-nken. Ich habe doch schließlich noch nen kleinen Neben-

.Ich wer« ', sagte Adrian. ..ich, w-eiss. Setz dich. Zigarette? Ach K>? Du bist SoWtberstell-er? Mo beute M es das letztem«!." . ^ . ■ „

.Las hast du am ersten Tag mtch »chon «chaot.

.Kmoiss. ich weiß. Setz dich. „20*1 heute tft «anpoRto das letztem«!. In ZuTunft kommst du zu mrr allein! .Scheiden?" fragte Philipp lakonisch. .

.Lawoli-l". rief Adrian so energisch, daß lener den ganzen Tabak verschüttete. .

.^Fch Lin kein Rechtsanwalt", meinte Phrl-mv und vro° bierte weiter an seiner Maschine. _

^Jst auch nicht nötig, beute Lrawchs rch emen Zeugen. Pbilivv sab erstaunt aus, . ...

..Mies aus der Stell«? Ich bm aber gar nrcht dafür

nichts, du kennst die Verhältnisse, leranft meine Frau, die bei jeder Gelegenheit eine Szene macht. Patz aut! Leute bekomme ich eine Karte zur Besprechung des Tanz­abends der Marion Klimax. Sonst bekommt man tmmer zwei, aber heute bekam ich nur «me. Das rMn doch Vor­kommen. nicht wahr?" ^ .. - . .. ..._.

Wilipp fing an. zu begreifen. Gr mckte. während er bemüht war. die Maschine wieder auiftzubekommen,

.Ich war weiter nicht böse darüber, denn merne Frau macht sich nichts ans diesen Sachen. Beethewen — ia. aber Tänzerin? Na. und was soll ich drr sagen? Ausgerechnet heute will sie mit. Und das schönste, ste glaubt es mtr

Nicht."

.Mas. dass du hingehst?" , „ , „

„Nein, datz ich nur eine Karte habe.

..Na. du hast doch auch zwei!" „ ... .

Mt! Nicht so laut!" flüsterte Adrian .Natürlich habe tä, zwei gehabt, aber du weisst doch von früher meine Geischichte mit der kleinen Marion. Auf reden Fall mutz ,ck> allein gehen. Man hat doch so 'seine Erinnerungen.

Pbilrvv Nickte ernsthaft. ' .

..Erinnerungen, natürlich.. Jeder, nennt es. wre er kann. Aber wenn deine Frau unbedingt mitgehen, will . . .

„Es geht nickst", sagte Adrian, .ha ich dm zweite Karte

mübelte über seiner Ziyarettemnaschine und

murmelte etwas von Ausweg. , _

„Keinen Ausweg", sagte Herr Bienemanor energM- ..inargen ist wieder dasselbe Theater las. Patz auf, ich werde $}£ "

Damit bEovte er 'seinen Freund hinter den Dorhang

und Leiabl ihm dort r« warten. _ _......

„Wenn meine F-vau mit harten EkMEKnden wirft, dann reitze ich den Vorhang zurück, und di« Scheidung m gemacht. Dann eilte er davon, sein liebes Weib zu Horm. Philipp fühlte stch hinter dom Vorhang ungemütlich. Harte Gegenstände batte Adrian gesagt. Wenn sie nun mkt Aschbechern nach dem Vorhain« -warf? Frauen waren so un­berechenbar. Jedenfalls wollte er vor 'seinem Tod noch ein«

.Adrian", rief er, „vM mir doch mal die Maschine.

Aber der war schon in wertvr Ferne. Schnell trat Philipp hinter dem Vorhang ins Zimmer und nahm vom Tisch den Avvarat. In diesem Augenblick erschien Frau Mce. Rasch grate ste auf den Freund des Hauses sit und drückte ihm beide Hände. Sie freut« sich, ihn hier zu Nnden. und erzählte ihm. der am liebsten fortzgelauien war«, noch einmal die ganze Geschichte.

..Ich wäre so schrecklich gern zu diesem Tanzabend ge­gangen. K^rte. vollendete PhMvv". der

sich wegen dieser Dummheit ohrfeigen konnte,

„Woher misten Sie?" fragte Frau Alice schnell Aber bevor er antworten konnte, horte man Adrians Schritte im Gang. Phil-wv. der keine Zeit mehr hatte, hinter den Vorhang zu springen, kroch unter., den Schreib­tisch. Und nun spielte stch eine wundervolle häusliche Szene ab zwischen diesen beiden Menschen, di« stch Lo. fuvchibar lieb­ten und -daher so furchtbar zankten. Sie gipfelte di-esmai darin, datz Frau Alice ihrem Mann vorwarf. er verdiene nicht genug. Darauf batte Adrian nur gewartet. .

„Das ist die Hübe", riei er. „ich vsMene zu wenig. Grat «s überhaupt eine Möglichkeit, mehr zu verdienen!? Pbilivv. wi« R der Tarif?" _ , . .„

Mit mächtigem Satz sprang er zum Vorhang und ritz ihn zurück. Aber der Vorhang war leer. Adrian stand, w ie an­gewurzelt. Er Ärtte ihn doch vorhin persönlich 'dahingestellt. Als er stch umdrehte, sah Pbilivv mitten im Zimmer auf dem Tisch und steckte gerade die Maschine in 'die Tasche, da er ste nun endgültig karmtt gemacht hatte.,

„Nun. was sagen Sie dam?" meinte Frau Alice

^^^Wi-livv" meinte. die Höflichkeit verbiete ihm. stch sachlich zu Lüssem Er wolle nur bemerken, datz Alice ihren Mann zu jeder Veranstaltung -gehen lasten müsse, die er zu kriMe-

rcn .Siebst du?" sagte Adrian, der wieder Boden unter den

H^e^ich^dich je gehindert?", widersprach Frau Alice. Wenn aber Adrian zwei Karten habe, müsse er natürlich seine Frau mitnebmen.

.Siehst du?" !»gte Mce.

Ab°r Adrian verschanzte stch dahinter, datz er nureine Ko--»e lmbe. Pbilivv wusste Rat. Er habe 'ganz zufällig, bemerkte er. eine zweite Karte zu dem Tanzabend bei stch. die er natürlich mit Bergnugen zur Verfügung stelle.

M, rkrn alarilbte Fetrterrt Obren ttwt au myuen. al5 er diese Mär vernahm. Angstschweitz sttrnd auf seiner Stirn, und die Augen traten ihm aus den Hohlen, als er tatfach- x,2 L n-Deund den er zu allen Teure ln wunichte. eine Lte aus L Tosche nehmen..iab. Mit einem Blick, der jeden Panzer glatt zermalmt hätte, und mrt schnell gemach-

tcr est gana famos ist das. mach dich fertig.

Dlhc^damit wir nicht zu spät kommen. . . .

Äl-ce aber wandte stch langsam zur Tur und sagte mir einem Blick unendlicher Verachtung. w

..Hast du wirklich geglaubt, datz ich mrr die elenä*

Hopserei ansehen würde? Auf Wiedersehen, Herr Pbilivv. und viel Vergnügen bei -der Schönheitstänzerin."

„So stnd die Frauen", sagte Philipp zu Adrmn. der E Staunen kein Wort hervorbrachte. „Wenn mchts da m. wollen ste alles Laben/ und wenn ste s kriegen, können, «r s ihnen zu langweilig. An dem Streit aber bist du schuld weil du nicht imstande warst, ihr zu beweisen, datz man an« zwei Karten baden kann, wenn man will.

„Du hast leicht reden . meinte Adrian. „Ich hatte mein« Karte verbrannt, aber du hattest eine zweite."

„Irrtum", sagte Pbilivv. ..Die ich euch -Hte. war deine Knrte. Ach ncvbm «sie voichrn vom Trjch und rteckto ne

Herr Bienem-ayer mutzte lange uachdenken. bis er das be­griff. Dann aber lachte er laut und kräftig. . ...

„Das ist ja glänzend, und darauf rst ste remse fallen ? „Na. du doch auch!"

„Ich auch, natürlich. Wer den Witz lach' ick nach lange. Dann haben wir also in Wirklichkeit. . *

„Nur «ine Karte!"

Adrian hielt ihm-den Mund zu,

.Nicht so laut! Wenn ste das Hort, will ste doch noch mit. Es ist nur gut. datz Alice nicht ahnt, wer heute abend

Damit eilte er davon. Philipp suchte seinen Stock. Da erschien Frau Bienvmayer in Hut uud Mantel.

.J^n Abendtoilette?" fragte er erstaunt, „wo gehen Sie

jnTl ’ .Wohin ich gehe?" lächelte Frau- Mtce schelmisch. ..Zu dem Tanzabend der Marion Klimax. Ich habe mrr recht- -eitiH eime zweite Kurte be'somt-. Me»m Munu konute nm einsam fühlen."__

Abend im Wanderzirkus.

Von Lisa Honroth-Loewe.

Di« Gassen der kleinen Stadt lagen im Mondlicht. Die Häuser, niedrig nmd arm am Tage, warfen fremde. grotz- Schatten. Das rötliche Licht einsamer Laternen -kämpfte mit der milchigen Helle des Mondscheins. Alles war ohne L-aut und Leben, nur das Rollen unseres Wagens klang. Wir hatten eine lange Fahrt gemacht durch Dörfer, über mettc Wege, die swischsn reifenden Feldern gingen. W n waren still geworden in dem lichten Dunkel dm Sommernacht. Un­rast und Spannung der Seelen lchte stch. d as eigene Lebe n schien h-inWerzufliehen in dre UnbewuBthett der Natur. So fassen wir still im Mevchen Rhytbmns der Seelen. Undnnr die Bewegung des Wagens verband uns mrt der autzeren Bewegung des Lebens.

Nun schlugen die Pferde härter aüf: wir kamen anden Marktplatz. Der leichte Wind trug uns Stimmen entgegen, iibertönt vom Aachen Klans einer Tromvete.. Wr sahm dre Umrisse eines Zeltes. Leinwandwande. wertzlich leuchtend. Durch die Ritzen drang Schein, rot und grün. Die Trom- petenstötze stachen greller im. di« Luft, eime Harmom-ka iwl ein. jammernd, ruckweise: Em Wanderzirkus rn. der kleM-en Stadt. Wtt stiegen -aus uns-erem Wagen aus. gingen naher, und nach kurzem Zögern hinein : aus dem stummen Land drwuhen in diese kleine, bunte Welt.

Ein armseliges Ding, dieser 3*tfus. Die Wände zer- s-chlissen. ni'cht einmal überdeckt.. Nacht und Sterne blickten hinein. Die Zuschauer umren rm Dunke l. Nur ab und zu das Auffflamm-en eines bensalischen Lichts... Mid nun Ge­sichter aus dem Nichts auftauchend. E-grnn od cr stuer - färben — und wieder verschlungen von Dunkelh-ett. Srn ern- ziger kleiner Lanwenkranz hing an StangM ^?v Ketten an den Wanden der Manege. Die Lampen reflektierten stechend gelb in Sviegeltellern' von Mas. die hinter ihnen brngen. Sn dem begrenzten Ächtkreis stand ekne Frau rm bunten FlttteÄeid. Sie- stand ganz still, und Mit den Händen wart ste glitzernde Kugeln -in die Luft. Ihr smvovgewandtös Ge- icht vom Licht beschienen, war alt. erschoM und gemein Aber bald sahen wir nicht mehr das geschminkte. verw-Mete Antlitz: wir sahen nur die Kugeln in die Luft gleiten, «mvor uud zurück, aus dem Licht ins Dunkel Und w-i-^er zurück ms Licht lautlos vufglänzend in schöner Ruhe. Nun ging das Svrek zu Ende. Noch drei Kugeln schwebten rm Licht: nun fiel die blaue, die grüne: fetzt ruhte die rote noch schwebend oben — ste sank. fiel, war erloschen. Und die Frau trat aus dem Licht zurück ins Dunkel. ^ _ .

Gilt AuKreifcben der Tromvete: Becken und Triangel

lärmen dazwischen. Mit einem grotesken Satz kuringt ein weitzer Pierrot in den Lichtkreis. Eine aufge-setzte lange, spitze Nase sticht wehmütig aus dem Gesicht hewor: wre em Feruermal zieht stch -der rote Mund bvert durchs wecke Ge- stE^Dm^t^trägt in der Sand «in „Bukett aus rosa Pavierblumen. auf Draht gei-vtetzt. umbullt von em-er schmutzigen Paviermanschette. Er geht mrt sonderbaren, hüpfenden Schritten, zupft an ssruem Kleid, blickt aufgeregi uncher und verdreht die Augcm. Er erwartet Pierrette.. Und schon spriMt ste in den Kre.iS. Und nun beginnt »wischen beiden das altgewabntc Evi-el. Liebeserklärung und Ab- ivebr Bitten und Versagen. Umfangen wollen und Fmeben. Pi-crrot und Pierrette, ste WEen Mecht. Aber dies schlechte und einfältige Spiel erbob >ich vlotzlich zu unheimlicher Be­deutung Mitten in Prerrots Liebeserklärungen schtt-chen ss-ch drei Masken in den Kreis. Pierrots Doppelgänger. Die Masken umtanzen Pierr-ot rn lautlosen -Sprüngen. Der weicht zuriück. entsetzt, verstört. — dm Masken folgen ihm. Er hebt abwehrend die Arme — sechs weihe Arme, strecken srck gleich seinen empor. Und rMenhaft verzerrt, bin- und hnflackernd. bald verschluckt vom Licht, bald wachsend ins Unendliche tanzen die Schatten der Spielenden auf. dent Boden des Zirttis. Mit 2lrm-en langend, auf uiid.Nieder, losgelöst von den Menschen, .taumeln die Schatten bim und da. verschM'gen sich in grünlicher Derzerrung Und Prerrot, umtanzt von Menschen und Schatten, stch selbst fremd Mi- dand und schattenhaft, verbbbnt und geäfft, zrebt em Messer, stötzt es stch im die Brust, stürzt meder und markiert unter Mcecklichen Wed-erzuckungen den- Tod. D iq Masken umtanzen ihn Md unbeweglich steht Pierrette im tollem Tanz mit bochaehobemm Röckch-en, lächelnd und w-eitz. Das Svi-el war aus. Das Publikum lärmte Beifall. Wtt aber sahen stumm und ergriMem. ^ * t

mserrot und Pierrette, sie spielten schlecht, herzlich schlecht ' Aber nicht um ste ging es. Wie Piorrot verfolgt wttd umtanzt von verzerrten Schatten, war.es nicht unser chgwies Leben, das er taiizte? Fliehen wtt nrcht auch so. be­gleitet vom Schatten der Dergangenhert. von Zerrbildern un­seres eigenen Jhs genartt. gepe-inigt. getrieben bis ans Ende'? Sind wtt nicht alle Vierrots?

Wir gingen beim — still. Sinter ums lärmte Mustk durch die stille Nacht.

Rückwärts abftergen.

Bon Hanns Heidsteck.

Wie gewöhnlich war die ClokttGche überfüllt. Kurz v«r Äer Station nriü eittie Dame beit Wagen Verlassen, et halt noch nicht ganz. . . .

„Passen Sie auf!" warnen einige Herren, und dann höre ich, wie der Schaffner sagt: „Rückwärts absteigen.

Ich glaubte zunächst, mich verhört zu haben, aber der Mensch wiederholt«: .Mückwärts absteigen. Frauchen.

Wäre die Dame diesem Vorschlag gefolgt, .ste würde un­weigerlich gestürzt sein. Aufschlagen des Hlmettovt-es —‘ Gebirncrschüttemng — blutiger Asphalt — Sanitätswagen, alles schwebte mir bereits graustg vor.

Aber die Dame folgte dem Rat des Schaffners nicht, sondern sprang richtig in der 'Fahrtrichtung herumter, so dag i-e gut abkam. —

Ich aber fasste den Schaiffner ins Mae. eine robuste Ge- talt mit einer Himmelfahrtsnase, Nr. 111 an der Mütze.

„Sie", sagte ich schneidend, „was heisst das? Sre raten foet Dame, vückwät^s a'bau^rtTrsen — bet ! 36ttert tst s Dotzl

Da brauste er auf. Ich solle ihn man ja nicht beledigen, und übrigens wäre das eine dienstliche -Angelegenheit.

Vor der nächsten Station wiederholte sich das Manöver. „Rückwärts absteis-en!" raunte der Schaffner wiederum einem ahsvringenden Fräulein zu. ^ m

Glücklicherweise folgte auch sie fernem Rat nicht. Mer mir war der Sachverhalt klar. Hier war man crnem Vm- brecher in die Hände gefallen, der es rn grausamer AWcbt darauf anlegte, harmlose Damen zum Absturz von der Elek­trischen und damit zu Tod W bringen.

Als der Wagen an einer Sttagenkreuzung bislt ver­schaffte ick mir EllenLogentteibeit. raste auf einen ausmlbMs- weise vorhandenen Schutzmann zu und forderte sofortige Verhaftung des Schaffners.

„Auf meine Verantwortung!" sagte ich sEbewusst und erzäbl-te. mich in die Brust werfend, den Sachverhalt.

Die Folge dieses energischen Vorgehens war eine allge­meine Verkehrsstockung. Der Sttässenbahnw-agen blieb stehen: in wenigen Minuten standen fuw^ehn undem mit fluchenden Führern. Schaffnern und Fahrgästen dahinter. Wagen und Autos sammelten- sich all — es entstand eme katastrophale Verwirrung . . . .

Aber das lieh mich saus kalt. Wre vrslen Damen hatte ich durch diese Verhaftung das Lehen gerettet! .Das war mein einziger Gedanke, -während ich tttumuhierend zur Pölizeiwache mitzog. ^ .. ^ „

Aiwn nahm meine Aussagen su Protokoll.

Es kam zur Verhandlung. Der AiWeschwldchte battt sich vor Gericht zu verantw-ovten. Ich hatte als Sauvt- belastUngszeuge zu -erscheinen.

Sie werden bvschu-lditzt". begann der Richter, „den von chrem Wagen während der Fahrt absteigenden Dämm „Rückwärts -Mteigen!" zugerufeu zu haben, was von ver- sichiebenein Zervgeit bestäkist wtrb. Was Iktbett Ste oaram su ertDibent 9 "

Der Schaffner Rr. 111 erhob sich mit ebnem Merlegenen

.Ich -gehe ohne weiteres zu", «rwid-erte «r. „die mir zur Last gelegten Worte «es-vvochen zu -haben.

Ein allgsmeiiies Gemurmel durMchau-ette den Saal. Man sah ihn schon überführt — verurteilt — rm GÄ-ängnis.

.Ich gebe auch ohne weiteres zu", fuhr er jetzt fo-E „die­sen Rat Lisher jeder Dame gegehen zu haben — und der Erfolg ist verblMend." __ m> t ju .*

„Der Erfolg?" fragte der Richter. Ästan horchte auf.

Während alle meine Kollegen schon Unfälle hatten, ist bei mir noch keine Dame nach Mckwittts abgefprunsen und dadurch m Fall gekommen!" i

Mir würgte etwas rm Hals«. Der AngeNagte nihr fott.

.Mein Kläger hat. wie ich anmehme. mcht.mrt meiner Menschenkenntnis und ganz besonders mtt mernen Erfah­rungen bei Damen — was den StraBenbahnverk-hr «Ä — gerechnet. Eine Dame macht es da regelmässig verkebtt. und — sehen Sie, dos ist -eben die Rechnung — wenn man -es falsch sagt, machen fie's richtig." . .

Lange Zeit herrschte eme peinliche c-ttlle. Der Ang-c- klagte fu-br endlich fort: Jtä bitte nun den hohen Gerichts­hof, durch Zeugen und Versuche einwandfrei fMtellen »n wollen, ob meine Behauptung nicht auf Wahrheit -beruht Mein Kollege Men er mit Vvstlvn macht es übrigens tat Jahren genau so wie ich. Ick bitte ihn zu vernehmen.

Zwecks H-erbeischaffung der nöttgen Zeugen wurde die Sitzung vertagt. Mir war schon ganz schlecht gewmden. Taumelnd ging ich Mm Richter: „Ich ttebe meine Klag«

Das ha-lf mir sehr wenig. Ich muhte di« gesamten Kosten des Verfahrens bezahlen . .

Ex liforis.

Adolf ist ein gxü.ndlicher Mensch. Er ist ickon immer ein Freund schöner Bücher, so er ste geschenkt bekom mt . Er pflegt ein rveni« paradox zu sagen: em mschMtes

Buck teurer als eines, das -er. wie. isder habe. Zumal Bücher mrt einer Widmung des Autors -ckatzt er. Darum lässt er stch m jedes Buch. seiner Bekannten entleiht, gleich eme Widmung schreiben.

2ldolf. mein lieber Freund, bat stch. auf diese Werse bald eine ansehnliche Bibliothek erworbeii. dre er mrt Stolz zeigt. Was er in den Tod hasst, das stnd die Mmannten^ Iibr^. die Bücherzeichen. die gerade wieder, m. Mode kommen und. mit solidem, festhaltendem Leim beseftlgt, den Namen des Besitzers mit dem Werke verbinden.. Diese Tcuselsdrnge: nehmen einem aber auch wirklich dre ganze Freude am

Büchettechen meincn Neben Freund Adolf ver­

standen.' und ich bin nm io. erstaunter, als ,ch ihn eines Morgens dabei erwische, wre er., seme Bücher m grossen S ötzeri auf dem Schreibttsch geschichtet, in jedes Stück einen gmbm, aberttlicht ^emde kostbar ausgefübrten Zettel klebt:

uu-e vix iiiiv.

Nicht der Ehrlichste gibt ein entliehenes Buch zurück, es sei denn, ein Lx llbris klebe darin. Denn so unverfroren ist schliesslich auch der beste Freund nicht, dass er sich ein Buch