Verlag Langgaffe 21
».(««ftsärit: 8 W^m»r Bm6 bis 6 Uhr abends, außer Sonntags.
_Sraitffcn a. M. Rr. 71«.
Wöchentlich
6 Ausgaben.
Fernruf:
^Taqblatthmis' Kt. 6858 - 53.
Bo" 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, außer Sonntag, Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Rr. 7165.
__ 3 gen unb Reklamen ohne Verbindlichkeit. — Schluß der Anzeigen.Annahme: 10 Uhrvorm.
Samstag, 1. September 1923.
71. Jahrgang.
3er ««-WM MK.
Irr der großen, alles Interesse auffaugenden Sorge um den Ausgang des Ruhrkonflikts und um die Lösung der Reparationsfrage trat in Deutschland das Interesse an den europäischen fragen zweiten Ranges bisher stark zurück. Durch den italienisch-griechischen Konflikt, der nunmehr zur Besetzung der Insel Korfu durch die Italiener geführt hat, wird jedoch auch unser Augenmerk auf die Vorgänge auf dem Balkan gelenkt. Jta- lrenijche, englische und französische Delegationen sind zurzert damit beschäftigt, die Grenzen Albaniens festzufetzen. Während die Franzosen und Engländer im allgemeinen kühl ausgenommen wurden, zeigte die Bevölkerung gegenüber den Italienern überall eine liberaus feindselige Haltung. Der Haß der Albaner hat zu einer furchtbaren Entladung geführt: auf der Straße von Ianina nach dem Hafenort Santa Quaranta sind drei Mitglieder der italienischen Grenz- kommistion, als sie einen Wald durchfuhren, ermordet worden. Offiziös sucht man das Verbrechen Straßen- räubern zuzufchieben. Die Art, wie es verübt wurde, laßt aber kaum einen Zweifel aufkommen, daß politische Gründe zum Attentat geführt haben. Der Grund ist in der alten Feindschaft der Albaner gegen die Italiener zu suchen. Die Albaner können es ihnen nicht vergessen, daß sie schon lange vor dem Kriege versucht haben, sich Albanien in irgend einer Form anzu- gliedern, um die volle Herrschaft über das Meer zu gewinnen. Die Mordtat an der italienischen Delegation hat in Italien eine starke nationale Erregung hervorgerufen. Mussolini schickte ein Ultimatum nach Athen, dessen scharfe Forderungen jedoch von Griechenland abgelehnt wurden. Die Folge dieser Ablehnung ist Äs Sanktion eine Besetzung der Insel Korfu, die mit Waffengewalt erfolgte und bei der es mehrere Tote gab. Griechenland hat sofort die Vermittlung des Völkerbundes und Englands angerufen. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob sich Italien zufrieden gibt, ehe seine Forderungen erfüllt sind. Im Interesse des Friedens Europas ist zu hoffen, daß der italienisch- griechische Konflikt baldigst gütlich beigelest wird!
Die griechische Antwortnote an Italien.
Alben, 31. Aug. Die griechische Antwortnote wi« jdtfni der italienischen Gesandtschaft durch den L-bef der politischen Sektion im Ministerium des Au Kern ? “ e * • *ben. Die Note erklärt, die griechische Reglernng detrachte die m der italienischen Verbalnote enthaltene Be- vauvtung der italienischen Regierung für ungerecht, nach der e griechische Regierung einer schweren Vereidigung fdjulbte mache. Es sei der griechischen Regierung unmöglich vre Hauotrmnkte der unter 4. 5 und 6 der in der iiaiien ischa, Nervo knote formulierten Forderungen «nru- n ebm ea. ^ die einen Angriff auf die Souveränität des Limites bedeuteten. Indem die griechische Regierung nichts- oeüowemser w Betmcht zieh«, daß das abscheuliche «t te n t a t auf griechischem Boden gegen Bürger einer »n»«n und befreundeten Nation begannen wurde, die MN emer internationalen Mission betraut 'waren, erkläre »e. folgendes anzunehmen'
1. Die griechische Regie am« wird der italienischen Rosie- rung in ausfüferl«fester amtlicher Form ihr Bedauern misfvvechen. Zu diesem Zweck wird der Vlatzkommandani von Athen der italienischen Gesandt- schalt einen Besuch abstatten. i- Die griechische Regierung wird einen Trauer- S.ottesdienst für die Opfer in der Athener katfea- I'schen Kirche abhalten lassen, dem alle Regierungs- mitslieder bemvohnen werden, o. Am gleichen Tage weiden der italienischen Flagge Ehrenbezeigungen in der folgenden Werie, erwiesen werden: E'ne Abteilung der Athene- Garnison wird Fufe zur italienischen Gesandtschaft be- geben. um die italienische Flagge durch die Erweis-una . Zer herkömmlichen Ehrenbezeigung zu grüßen.
4. Militär rsche Ebrenbezeimingen sollen in aller Feier- den Ov-ern in Prevesa m dem Augenblick der llberfuhrung.dei Leichen cm Bord eines italienischen Schiffes erwiesen werden.
griechische Resicrung ist außerdem geneigt den Fam-lien der Opfer aus Billigkeit eine gerechteEnt- ichadlgung zu bewilligen und die Mitbikie des Obe-Ften Perone anzunehmen, der die Untersuchung durch Mtzilungen erleichtern oll die für die Entdeckung der Schuldigen von Nutzen sein könnten. ver
„ Die griechisch« Regierung möchte hoffen, so schließt die Antwortnote, da» die italienische Regierung die Woblbe- gründetdeit des dargelegtm Standpunktes 3 ebenso aner' lenrten werde wie den versöhnlichen Geist und den lek- ^rrten Wunsch der griechischen Regierung, die italienische Regierung in gerechter Weise rufriedenzustellen. ™
rm« fiotfus osicd sie Milem.
Paris, 31. Aug. Wie „Havas" aus Athen meldet, haven die Italiener heute nachmittag Korfu besetzt. Diese Rachricht rief Entrüstung und Bestürzung hervor.
& „ .1. Sevt. (Havas.) über die Besetzung von
U'rd aus Athen berichtet: Nachmittags um 3 Uhr ?ks.^"vrtan eines italienischen Kriegsschiffes an Land dem Präfekten, daß eine Division der italieni- ) m« Insel blockiert halte und daß sie um
4 Uhr nachmittags die Stadt i r i e d l i ch b e l e tz e n werde.
e: .P? ans mehreren Kriegsschiffen zu- ltalrenifche Flotte :n den Hafen ein. Der -oefebl. habcr der Flotte forderte die Übergabe der Stadt und Siti,. ,!i I1 ? el: reißen Flagge, die er später durch die iialie- Me ersetzen werde. Der Präfekt erbat die Möglichkeit.
m Verbindung zu setzen, um An-
airttt u V'OCiuiU'Ouriö zu seyeNc. unt <irt- »emrnpen e'.nznholen. wöbe: er binzusügte. daß er sonst ge- ^ungen wäre. Widerstand zu leisten. Aber noch bevor diese Mtrukticnen emaetrofsen waren. begann die Ausladung ,, “ 1 r/$ e u. Tr u vv e n. Die Ausladung fand
dem Schutze der italienischen Flotte statt, die über die und das Gebäude der Polizei- u l « sch o ß..das in Brand geriet. Gleichzeitig über- Flugzeuge die Stadt und feuerten. Die Verwaltung liegt m den Händen des Admirals B e I l i n i. Die Jtali^ ner haben verlangt, daß sich die Garnffon sind die Gen- ^eben. dl« entwaffnet werden sollen, und daß do'^i^alernen und das Kriegsmaterial Lberseben werden
Karf) Eer Havasmeldung aus Athen
Berlin. 1. Sept Zu der Besetzung Korfus durch dle Italiener melden die Blätter aus Rom folgende Einzelheiten: Ein italienischer Torpedo- bootszerstorer erschien gestern vor der Insel und der Kommandant forderte die griechische Besatzung zur u 4 e .f *). a nuf Bald darauf ging ein Geschwader von italienischen Kriegsschiffen vor Anker. Laut „Boss Zeitung' veröffentlicht die italienische Resierung eine Erklärung, in der sie die Besetzung Korfus als eine vorläufige Maßnahme bezeichnet, die dazu bestimmt ser, einen Druck auf Griechenänd aus- znuben.
A S0U r r ™ 1 . ^ JEa" schreibt zu der Besetzung, es handele sich nicht um einen feindseligen Akt im Sinne des lnternationaken Rechtes, sondern um eine Pfandnahme zur Garantierung der italienischen Forderungen. Es werde gegen GriechenlarÄ kein Krieg geführt, sondern nur eine m ihrem Rechte beleidigte und verletzte Großmacht verteidigt.
Auch Samos besetzt?
dl>ris 1. Sevt. Wie bas .Zourual" aus London b-sNworde7'Ln.^ Insel Samos von den Italienern
Ein zweites itnliemfches Mtimatum.
« . dnri«. 1. Sevt. Wie die Blätter aus Athen melden f®* die italienische Gesandtschaft gestern abend um 5 Ufer im - Ministerium des Äußern eine Rote überaeben. i» der sie m.itiertt. daß um 4 Ufer nachmittags äoiIu'm-i ein« ltaliemscheu Flotte besetzt worden sei. In der Rote wird erklärt, daß dsefe Maßnahme einen friedlichen vnd vorübergehenden Ehamkter habe. Gleichzeitig hat der '^liev'sche Gesandte der griechischen Regierinm ei^ r*Z sJ e t-überaeben. dos innerhalb fünf Stunden dieAnnohme der von Italien für die Ermordung der italienischen Offiziere geforderten Reparationen ver^ langt.
Griechischer Protest beim Völkerbund.
Für Italien unannehmbar.
Rom, 31. Aug. Nach einer Meldung der „Agenzm Stefan!‘ gab Mussolini im Ministerrat den Wortlaut der griechischen Antwort bekannt. Die Note sei unannehmbar und es seien infolgedessen die ent- Ivrechenden Beschlüsse gefaht worden. Der Marine- und der Krregsminifter hätten ebenfalls ihre Erklärungen hierzu abgegeben.
Paris., 1 Sevt. Rach einer Blättermeldung aus Athen bie griechische Regierung an das Sekretariat des Völkerbundes telegraphiert, worauf der Bolkerbunds- beute zufammentritt. und d,e Bitte unterbreitet, nach Art. 12 des Volterbrmosvaktes 5 « intervenieren Außerdem w,rd die griechMe Regierung beim Völkerbund gegen oie sriechenfeiiidlrchen Demonftrattonen vroteftiereu. die m. verschiedenen Teilen Italiens stattgefunden haben Sie wird mich besondere Gei-ugtuun« für den Zwischenfall i.n Triest verlangen., in „dessen Verlauf Fafziste,, eine grrcchische Fahne verbrannt batten. a ™ 1 '
Griechenland bemüht sich um englische Intervention.
Paris, 1 , Sevt Rach einer Meldung aus italien.isck>«,- Quelle soll sich Griechenland bemühen, eine Intervention Englands durchzufetzen. Aber die amtlicken Kreile Londons versicherten, daß die Londoner Regierung keine private Initiative ergreifen werde. Es würde den Berichterstatter des „Echo de Paris", nicht wundern wenn die englücbe Regierung lick bald zu einer energischen Intervention bei der italienisckien Regierung entschließen solltet
Belagerungszustand in Griechenland.
Paris, 1 . Sevt. Rach einer Meldung des „Petit Pariiien" aus Athen ist über Griechenland der Belagerunss- »ustan-d verhängt worden
Die Wirtschaftskrise.
SAvJul* ^°- u ?r^ x t a ^ c unsere außerordentlich
r5+ ,t £ tl u C urrrtschastlichö Lage liegt darin, daß schon Wlt r l et ?. e uecke Arbeits- und Erzeugungsmög-
lichkerten geschaffen, vielmehr sogar die vorhandenen be.cynltten wurden. Daß die Markstützungsvevsuche so wenig Erfolg hatten, erklärt sich ganz einfach aus dem Versäumnis, den Devisenbedarf einzuschränken. Den läßlichen Feylbetrag der deutschen Wirtschaft in Hohe von drei bis vier Goldmilliarden — diese Summe entspricht einem Friedensjahresverdienst von rund zwei bis zweieinhalb Millionen Arbeitern — bettachten wir Ms eine unabänderliche Tatsache, an der nicht p rütteln ist. Das ist aber gar nicht der Fall Auf dem Wege der Steigerung der Ausfuhr zwecks Cin- tcm)ch lebensnotwendiger ausländischer Rohstoffe und auf dem Wege der Steigerung der einheimischen Erzeugung zwecks Unterbindung der Einfuhr unnötiger E'iffuhr ließe sich unschwer der jährliche Fehlbetrag um viele Eosldmillionen heralbdrücken Dazu geh-ort aber freilich der Mut, mit stärkerer als der bisherigen Entschlossenheit vorzugehen. Diesen
f?I U f,AT? 6en ro ,r T a . et i# 1 fahren nicht aufgebracht, vor allem der Wille, aus der Verkürzung der ^.uffcheA Rohstoffgrundlage (Verlust von Kohlen. Erz Zink: Ausfall der in den deutschen Kolonien erzeugten Baumwolle, der Ole usw.) die Folae- rung zu zrchen in der Richtung der Verstärkung der deutschen landwirtschaftlichen Produk- - *• « tatt dessen bleiben, als ob nichts geschehen Arbeitskräfte an ihrer alten Stelle. Dabch 6 r bis 70 Prozent der industtiellen Arbiter Arbeitsgelegenheit vorhanden. Das andere DZUtel wrrd einfach mit dnrchgefchleppt. ohne Rücksicht darauf, daß dadurch nicht mir ein außewrdentlicher Lohnaufwand entsteht, der sich in dauernden Pre§ erhShungen äußert, sondern daß auch di« Arbeits- ttostdigkekt durch die langjährige Nichtvmsnutzung der Arbeitskraft außerordentlich leÄxm muß. Deutschland hat schon seit Zähren eine verschleierte Avbeitslosta- kert von mehreren Hunderttausend Arbeitern. Es hat es aber fettig gebracht, sich unter anderem in einen Zustand industrieller Hochkonjunktur h-ineinptä-uschen Eine Änderung der jetzigen Zustände ist nur mög- wenn endlich ans der völlig veränderten Wirt- die Folgerungen gezogen werden. Das Derrffchland der Zukunft muß sich mehr als bisher land- wirffchaftlich orientieren, um an der Einftchr sparen ^ stE Lebensunterhalt sicher stellen p können. Alle vettügbaren Arbeitskräfte und Kapitalien müssen tn r beT ™?cmbrroit angelegt werden, damit wir auf ®L e J* Axlse den nackten Lebensunterhalt, der jetzt Kbis 60 Prozent aus eigener Erzengung gedeckt ist, sichern können. r
Arbeitslosigkeit wird die Aufhebung der Arberts- matttzwangswittschaft zweifelsohne pr Folge haben Es ssl darauf hinp-weisen. daß auch die Beibehaltuna der Zwangswirtschaft «ruf dem Ärüettsmattt uns Arbeitslosigkeft nicht fernhalten wird. Das haben die Wochen gezeigt, die ttotz der Zwongswirtschafr Arbeitslostgkert in einem bisher nicht gekannten Umfange gebracht haben. Eine Arbeitslosigkeit in einem auch durch die Zwangswittschatz nicht zu beseittzenden Maße w,rd sofott in dem Augenblick eintreten in dom die (cmich durch die wettbeständige Entlohnu'w vorbereitete) Umstellung der deutschen Wirtschaft auf Goldmark drrrchgeführt sein wird.
Aus diesen Erwägungen glaubt „Der deutsche Ökonomist", daß die stärksten Bedenken gegen die Aufhebung der Zwangswirtschaft hinfällig seien. Er ist auch der Meinung, daß di« Banken über den Grad bet Arbeitslosigkeit vielleicht doch etwas zu groß feien. Die Wiederherstellung der vor dem Kriege be- siandonen Arbeitsbedingungen und der früheren Arbeiterzahl bttnge für ein größeres Werk West- deutschlands eine jähttiche Ersparnis nach dem Lohnstand ivl Februar dieses Jahres von rund 7 Milliarden Matt im Lohnkonto und in den Generalunkosten Diese 7 Milliarden Mark, auf die nach Beseitigung der Arbeitsmarkt-Zwangswittschast verbleibenden Arb-iter verteilt, würden nicht nur diesen Arbeitern eine'erhebliche Erhöhung ihres Lohnes, d. h. praktisch ünen Lohn mft annähernd Goldparität bringen sondern darüber hinaus noch reichlich Mittel überlassen, die -rtaai rur die Arbeitslosenfürforge pr Beifügung gf'tellt werden konnten. Es könne außerdem gar nicht zweifelhaft sein, daß bei der Gesundung des Pro- dukiiensprozesses auch in der Zukunft nicht nur das ^famte Lognkonto. sondern vor allen Dingen die Generalunkosten der Betriebe.sich erheblich verringern wurden, was sofort auf die Preisgestaltung von Ein- siutz wäre!
