Samstag. 28. Juli 1828.
Wiesbadener Tagblatt.
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Sommetlwft in alter Feit.
3n früßeTen 3eiten. da das Reisen in die Sommerfrische noch nicht so üblich war. mutzten die Menschen mehr in der Rade lore Sommerlust suchen. D'e beschaulicheren und ruhigeren Verhältnisse, brachten es mit sich, datz man in der schonen, Jahreszeit seine Jdyllik auch zu Hause fand uns lieber im eigenen Gärtchen oder im städtischen Kafseegarten sich erholte, als sich tagelang den Erschütterungen der Postkutsche anzuoertrauen und alle Unannehmlichkeiten des damaligen Re.iens auf sich zu nehmen. Wenn man ..reiste", so begnügte man sich mit einer Landvartie. Im Gärtchen, das nabe vor den Toren der Stadt lag. verbrachte man Som- m«rs di« bubichesten Stunden. In seiner vortrefflichen ZchUderung einer deutschen Stadt vor 100 Jahren erzähl, Otto Bahr: ..Man beschäftigte sich dort mit Gartenarbeiten, nnsting Bestiä,« von Freunden, nahm sich in wohlgefülltem Korb« das Abendessen mit uiw. Im Garten befaird sich ein kle'nrs Häuschen. in welchem Gartenwerkzeuge. einiger pausrat und Erfrischungen aufbewabrt wurden Die Einrichtung der Gärten war sehr einfach. Reben den graben Wegen, welche sie durchschnitten, lagen rechts und links die schmalen Rabatten, meist mit Buchsbaum eingefatzt und mit ausdauernden Ziergewächsen oder Ohststräuchern. mitunter auch Obstbaumen besetzt. Dahinter die Gemüseländer. Um das tauschen herum einige Rasenplätze mit Ziersträuchern und vielleicht e>n paar Blumenbeeten für Sommergewachse. Auch bte und da eine angelegte Laube. Die Umfriedigung des Gartens war meist eine lebendige Hecke." Klemm erzählt von. drestm Eartenleben im Sommer: ..Hier hauste rn den frühesten Morgenstunden und abends der Hausvater, während in einer in eincni Winkel angebrachten, oft m'-t Bohnen umzogenen Laube Mama mit den Töchtern einen Nähtisch ausgelchlagen hatte, an dem 'odann ein einfaches Abendbrot eingenommen wurde. Diese kleinen Gärten Mischen den Hinterhäusern oder vor den Toren waren der C'tz des tiefsten Friedens, bescheidenen Glücks und herzerfreuender Ordnung. Da kauerte an stillen Abenden der Hausherr rm Schlafrock am Nelkeirweg. prüfte und besah, senkte und stengelte seine Lieblin-"> oder ging an den Spalieren hin. nachzuseben. ob die < mpsten oder okulierten Bäume gediehen und ob die Trauoen sich färbten und läuterten.
Wollte man sich ein besonderes Vergnügen leisten, so ging man in den städtischen Kaffeegarten, der schon im 18. Jahrhundert aufgekommen war. Bierbnuser oder Schenken zu besuchen, galt damals dem soliden Bürger noch für unfein. und erst später hat stch mit der Verbesserung und Verbreitung des Bieres bas moderne Wirtsbauswesen entwickelt. Die Kafseegarten aber machten eine Ausnahme und wurden auch von der feinen Gesellschaft besucht. In Kassel verstimmelte man stch im Henkelschen Garten. ..Um einen Rasenplatz herum . erzählt Bähr. ..war eine Anzahl Lauben, in welchen die Honoratioren, namentlich an Sonntagen, ziemlich steif dalatzen und Kaffee oder Tee tranken. In Berlin war bereits in der friderizianischen Zeit der Tiergarten von Kaffeegärtcn bevölkert und man machte Sonntags gleich nach dem Mittagessen eine „Wallfahrt" nach dem Hosiöger oder nach den Zelten, wo Kaffee und Weitzb'er getrunken wurde und wo „gegen E'legnnq von vier guten Groschen ein Orchester, das aus Geige, Bastgeige. Flöte und Klarinette bestand, das musikalische Gehör marterte." Das regste Leben herrschte in den Zelten, wo besonders die Sonn- tag-Frübkonzerle die ganze feine Gesellschaft im ..Zirkel", dem mit einer Flora-Statue geschmückten Rondell gegenüber den Wirtshäusern, versammelten. Ähnlich war es in Dresden auf der Brühlichen Terraste. im Münchener Glas-. Löwen- und englischen Garten, vor allem auch im Hofgarten und in Wien im ..Nobelprater", den die feinen Leute vor dem „Wurstlprater" der Kleinbürger bevorzugten. Der Höhepunkt dieser alten Sommerlust war aber die ..Landpartie': sie war kein aMonntägliches Vergnügen wie beute, sondern ein seltenes Fest, zu dem man wochenlanae Vorbereitungen trat. Schon wenn der Berliner nach Ebarlotten- bu'g ..ausflog . war das eine graste Sache denn man brauchte mit dem Wagen wegen des vielen Sandes" fünf Stunden. Verregnete die Landvartie. dann herrschte graste Trauer. Einmal hatte Ehodowiecki den Seinen versprochen mit ihnen am Sonntag den Vergnügvngsort Französisch. Vuchholtz zu besuchen. Aber es regnete, und darob war bte Stimmung so trübe wie der Himmel. Da zeichnete der Meister zum Tröste das köstliche Blait ..Walljahrt nach Franzostsch-Buchhaltz . aus dem wir in komischer ttbertre'- kiung eine solche Ausslugsgosellschafi der guten alten Zeit seb°n. Vorap die eine Tochter mit einer Heugabel, d e Würstel n-»b Bretzeln,trägt, dann d'e Heiden Söhne auk einem Esel reitend, der noch in zwei Körben die Kleinsten trägt, und die Nachhut bilden die semgekleideten Damen die Kuchen -und Wein tragen, wälffend den Zug ein lustig siedelnder Verehrer beschlieht. Wer stch keinen eigenen Wagen mieten konnte und so in geschloffener Gesellschaft das seltene Vergnügen einer Spazierfahrt genast der stieg : n den geräumigen Kremser, wo man üunt durch-inander fast beim Hinweg nach dem Ausflugsort noch etwas steif, aber beim Rückweg desto vergnügter und ausgelassener. . . .
Mond tri der Aleinstadt.
Von Paulrichard Henkel.
Wenn die Nacht ihren dunklen Mantel über die kleine Stadt gebreitet bat. kommt leise der Mond. Bleich und sacht fast wie voll Schuld schleicht er durch leer« Gaffen, miühiam mit seinem blassen Licht die Dunkelheit du räch ringend. Hart an die Mauern gedrängt, geht er langsam von Saus zu Haus, schaut in die Fenster, hinter denen die Menschen schlafen, und geht leise vorüber. Mer an anderen Fenstern bleibt er stehen, zaudernd, voll Erbarmen, wie einer der beiten will und zu schwache Sande bat.
Das stnd die Säufer, in denen Menschen wahnen, die nichts vom Segen der Nacht willen, weil ihre Not sie nicht schlafen läßt. oder die die Nacht erwarten, um wachen Auges sinnen und träumen zu können über Dinge, die ihnen der Tag verwehrt. Hier huscht ein schmaler Lichfftrcif über ein blondes Kind das im Hunger weint: dort über ein blall-s Gesicht. das mtt starren Augen ins Weite blickt. Ein junges Mädchen, vor kurzen Wochen am ersten Kuh froh geworden weint über einem letzten Brief, und tröstend streicht der Mond über ihren Scheitel. Aber er darf nicht verweilen So viele find noch, die er «rüsten, denen er spärliches aber mildes Licht in ihre Dunkelheit bringen muh. Die denken kaum.au ihn und erwarten ihn doch, weil st« stch dann nicht mehr allein fühlen. Manchmal fangen die Menschen auch an. mit ihm su sorechen. Das stnd die. die am einsamsten sind. Freundlich hört er ihnen dann zu und lächelt leise und wenn die Menschen dies Lächeln sehen, denken sie oft: „Vielleicht wird noch alles gut. . ."
Da sitzen zwei in einem Zimmer, die stch lieb haben, und doch in dieser Nacht nur deftige und bittere Worte -für einander fanden. Wie eine Mauer bat sich die Dunkelheit zwi-
schen ste gestellt und ste fühlen stch frenid und allein. Da mehlt sich heimlich ein silberner Strahl des nächtlichen Wanderers duochs Fenster. Und wie ste aurblicken. steht jeder, datz die Augen des anderen feucht geworden stnd. Da reichen ne sich wortlos die Hände . . .
Und wenn der Mond durch alle Gasten gegangen ist und am anderen Ende der kleinen Stadt wieder im Nebelgrau des Morgens versibwindet. weiß er. daß es auch in der Nacht ein Leben und Wachsen gibt, nicht laut und fröhlich, aber innig und duldend.— und weitz. datz er Freude und Trost gebracht bat. Die glücklich stnd und in der Sonne leben, willen nicht wieviel ihnen die Sonne ist: aber die anderen die im Dunklen stehen, tragen Sehnsucht nach dem kleinsten, silbernen Licht.
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was mancher nicht weift.
(Kuriositäten aus Geschichte und Wissenschaft.)
Der Erfinder des Blitzableiters ist der amerikanische Staatsmann Benzamin Franklin, der ihn tm Sevtember l7c>2 konstruierte. nachdem er ihn bereits am 29. Juli 1750 eingehend beschrieben batte. Erst 1709 wurde der erste Blitzableiter in Deulichland an der St. Jakobskirche in Hamburg angebracht und im Herbst desselben Jahres die Schloßkirche zu Wittenberg (der Luther-Stadt) auf Veranlassung des Professors Titius (Tietz) von dem Schlostermeister Lukas mit einem solchen versehen..
Die schlanken, flotten und hübschen Töchter Amerikas, allgemein „Eibsonnirl" genannt, verdanken ihren Namen dem geschickten Stift des amerikanischen Zeichners Eibson.
Die Technik der gewebten Tapeten, allgemein ..Gobelins genannt, stammt aus dem Orient. Bis ins 18. Jahrhundert nannte man sie deshalb auch ..türkisckze Tapeten". Nickala Bataille ln Ar ras stellte in den Jahren 1376 bis 1879 für Louis I. von Anjou den sogenannten ..Gobelin von Angres her. den größten je-mals gewebten Eobelinteppich (156:6 Meter). Derartige Erzeugnisse nannte man damals „Arrazzi . was Tapeten aus Arras bedeutet. Der französische Finanzminister Jean Bavtiste Colbert vereinigte 1662 die bis dahin in Paris bestehenden Werkstätten solcher Art zu einer Teppichfabrik. deren Leitung den Gebrüdern Gobelin übertragen wurde. Diese Direktoren waren die Nachkommen' des 1476 gestorbenen Färbers Jchan Gobelin, nach dem derartig« Teppiche Gobelins genannt werden. Als Erfinder kommt letzterer für ste jedoch nicht in Betracht.
- ~ te Lateiner und auch die Franzosen baden für das „Krähen des Hahnes kein« besondere Bezeichnung. Elftere sagen fter: der Hahn kräht „srallus oant.it“, letztere „le coq chante . was beides wörtlich „der Habu singt" bedeutet. Das Wort „Sahn" ist herzuleiten vom lateinischen „canere“ (singen', -dessen Stamm-wort „can“ heißt, „c“ (k) verwandelt« j ; b im Germanischen, noch dem sogenannten Grimm- Raskesa -nr Lautgesetz zu „d". wodurch aus „can“ — „han“ Md ivater unser Hahn wurde. Demnach würde also Habn eigentlich „Singer bedeuten.^
Das Känguru!' soll einem Mißverständnis seinen Namen KU verdanken haben. Das Tier wurde 1770 von dem amerikanischen Weltreisenden James Eook (kuk) in Neu-Süd- Wales zuerst entdeckt. Als die Wilden nach dem Namen desselben gefragt wurden, soll einer „Känguruh" geantwortet haben, d. b.. „Ich kann euch nicht verstehen", was stark an Hebbels bekanntes Eeschlchtchen „Kannitverstan" erinnert.
Da« Lanolin (lat. lana — Wolle und oleum — fii Fett) ist der gereinigte Rückstand der Ccha-fwollWäschereien' Seine Erfindung uiid Benennung erfolgte von dem deutschen Ebomiker Oskar Liebreich im Jahre 1882 (D. R. P. 21 585) Das Wollfett selbst. das durch Auskochen der Schafwolle hergestellt wurde, war schon dem griechischen Arzt Dioskurides im Jahre 1t n. Ehr. bekannt. Auch er verwandte es bereits entweder rein oder in Mischungen mit anderen Stoffen zu Heilmitteln (Salben und dergleichen).
Sibon im Jahre 1882 schlug ein Maschinist zu Duluth in Minnesota (Amerika) vor. zum Antrieb eines lenkbaren Luftschiffs Gas zu verwenden. das in einzelnen hinterern- ander explodierenden Patronen untergebracht war.
Die lateinische Bezeichnung „pergamena“ (Pergament) findet stch zuerst im Jahre 301 n. Ehr in einem Edikt (Bekanntmachung) des römischen Kaisers Diocletian (245 Ins 313 n. Ehr.).
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Der Ausdruck Pferdekraff (abgekürzt „HP" — engl, „horse power“, jetzt bester auch „PS“ — Pferdestärke) geht auf eine große Tierquälerei zurück. Der bekannte Erfinder James Watt nannte 1770 so eine Kraft, die imstande war 75 Kilogramm in einer Sekunde 1 Meter hoch zu beben. Eine der ersten Maschinen Watts war für die Brauerei Widbrad in Eng!and bestimmt. Ihr Besitzer lieh ein Pferd acht Stunden beständig unter fortwährender Anwendung der Peiffche arbeiten, und dieses schöpfte 2 000 000 K'logramm, gleich 75 Kilogramm in einer Sekunde einen Meter hock. Unter vernünftigen Verhältnissen leistet ein Pferd Nock nicht die Hälfte davon.
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. Im Jahre 1743 gab ein gewisser I. F. Rauchmann (!) rn Frankfurt a. M. ein Buch heraus, das „DerMnftise Untersuchung der Frage: ob galanten und anderen Frauenzimmern nicht eben so wohl als denen Mannes Personen Toback zu rauchen erlaubt und ihrer Gesundheit nützlich sey?" betitelt war., *
Die erste Erwähnung der Schiefertafel, die früher von den ABC-Schützen allgemein benutzt wurde — und infolge der Paoierteuerun« wohl auch wieder von älteren Schülern gebraucht werden wird —. findet sich tm „Algorismi Tracta- tus von Prosdecino de Beldo>mandi aus dem Jahre 1410 (gedruckt 1483 in Padua). ^
Eine Turmuhr, die Y\, V?. % und die vollen Stunden schlägt, brauchte wenn ste sämtliche Schläge eines Jahres hintereinander machen würde, und man jeden Schlag mit rund 2 Sekunden annimmt. 396X365 — 144 540 Sckläge zu je 2 Sekurtden = 289 080 Sekunden oder 80 Stunden 18 Minuten --- 3 Tage 8 Stunden und 18 Minuten.
Im 15. Jahrhundert,«ab es in Italien einen sogenonn- ten Etundenmann. der 2 re Uhrzeiger stundenweise zu drehen und die Stunden durch Anschlägen einer Glocke zu verkünden hatte. Nachlässigkeiten und Pflicktwidrigkeiten des hochgestellten Aiannes wurden, wie die Akten des Städtchens Ferrara bezeugen, hart bestraft.
Die Flucht vor dem Dollar.
(Brief aus dem Gebirge.)
„ 7 .*^* ich Abschied nahm . . . wißt Ihr. was ich mir da geschworen hatte!? Meine Sommerreiic zu einer Flucht vor dem Dollar zu machen, ihn zu ignorieren^ zu boykottieren, mich in süße Traume des wertbeständigen goldenen Zeitalters einzuhullen. . . .
Wißt Ihr noch, wie Ihr mir Glück wünschtet zu diesem rplunnen., ww Ihr ein wenig mitleidig und ein wenig bahn lick lächeltet, als der Zug aus der Bahnhofshalle her-
D, ja, Ihr hattet gut Glück wünschen. . . .
Denn als ich meinen ersten Friihraffee im Berghotel des Kurortes einnahm, da klang es gellend von der früblonnen- beschlenenen Dorfstratze durch die offenen Fenster in mein Zimmer hinein: „Die neuesten Berliner Abendzeitungen... Ungebeure Dollarkaulle. . . ."
Das war der Anfang. . . .
, Ich floh d-n Kurort mit seinen Berliner Zeitungen und ten Dollarkurs. Ich vergrub mich in ein winziges lvaldoor.fchen. rn eine tannenumstandene, poesteverlorene Hütte, i in der autzer mir nur ein Holzarbeiter mit seiner «ramilie hausta. Aber der Holzarbeiter brachte eines Tages Stuck zerri»enes. zerknittertes Papier mit. das er auf der Waldchanstee gesundem und las mir daraus vor. wie hock: dir letzte amtliche Dollarnotierung. . .
Da floh ich zum zweitenmal, schlug mir in einem stillen Waldestal ein aus dem Kriege hiniibergerettetes Segeltuch- zelr auf und lreh mir nur von des Holzarbeiters Töchterlein meine bescheidene Nahrung in dieses Waldtal bringen.
Mein Verhängnis aber war eine einsame Bergknppe. auf die ich allabendlich stieg, um die Sonne in dem blau- grunen Tannenmeer versinken zu sehen, über diese Becg- kuvve führte ein Touristenweg. und eines Abends stand ein c'nsi'.mer Wunderer neben mir. blickte in der Sonne Feuermeer hmem. um mir dann zuzuflüstern: „Und wtsten Sie auch, wie der Dollar steht. . . .?"
Seit dem Tage habe ich mir geschworen, mein WaMtal- versteck nicht mehr z» verlallen.
Den Schwur habe ich gehalten und werde ihm auch weiter, ffeu bleiben. Aber — seit einigen Tagen fühle ich in meinem Segeltuchzelt und meinem Waldtalbezirk eine quälende Sehnsucht in mir wachsen. . . . Ich bin eben auch nur eM Kind meiner Zeit. ...
Und beute, ich mutz es . beschämt gestehen, habe ich *u° saminen mit diesem Brief an Euch, Ihr Lieben, des Holzarbeiters Tochterlein einen Brief an ihren Vater mitge- : Gr jott mir eine Zeitung besorgen! Denn meine Sehnsucht will gestillt lern, ich mutz wieder einmal willen wie hoch der Dollar steht. ... c. H. B.
Aleiner Briefkasten des »praktischen Ratgebers".
Deutsches Er eichen.
Das Tanzen mit den Ve-inen ist sicherlich veraltet. Wir empfehlen Ihnen den Handtrott oder den Kopf-Slinaan Wertvolle Anregungen finden Sie in dem Werk des Geo- graphen Forschling: „Die Rauschtänze der Südseekanni- balen. Besuchen Sie doch den Kurs: „Wie bilde ich eine natürliche Anlage zur Verrücktheit weiter aus?" — Wieviel Stoff 2 re zu Ihrem neuen Tanz Neid nehmen sollen? Wir denken. 80 Zentimeter genügen. Aber sehen Sie zu. datz der Rock nicht zu lang wird.
Angehender Politiker.
Sie fragen, ob man sicher Redner wird, wenn man — wre Demosthenes — Kieselsteine unter die Zunge legt. Ihrem betgelegten Photo nach müssen wir Ihnen zu Pffasterfternen raten. — Gegen Feuchtigkeit hinter den Obren empfehlen wir Ihnen «in starkes Frottterhandtuch. — Sie haben d'e Wette verloren: Revolution wird tatläch- M mit „v . nicht mit „i" geschrieben. — Ja. man kann statt Schmiergeld apch Gratifikation sagen. — Der Name Bismarck stammt nickt vom Bismarckhering. — Eewitz. er war Stümper gegen Sie!
Junger D ich 1er.
Lallen Sie stch zu ihren drei Vornamen fofott eine Hornbrille anmellen, 'dann haben Sie alles Zubehör zum Dochten — Sie haben recht: Talent ist eine bourgeoise Erfindung. Pflegen Sie Ihre schöne psychopathologische Bert anlagung weiter und Sie können sich in Bälde als deutscher Oberdada das Matz für Ihre Büste in der Walhalla nehmen lasten.
Besorgte Mutter.
2bre Tochter will also absolut nicht Filmschauspielerin werden? Wir raten Jtznen doch dringend, bei so bedenk- Ilchen psychischen Störungen einen Arzt zu konsultieren.
Sch_t.
Sie willen nicht, wohin mit dem vielen Geld, das Ihnen der Krieg und die Revolution ins Haus brachte! Perlerteppiche! Nichts als Perferteppiche! Denken Sie nur an die vielen Räumliichkeiten. die noch zur Verfügung stehen: Hundehütte. . . usw. — Gewiß. 4 Zentner Bibliothek genügen. — Wenn Sie sich mit dem Meller immer in den Mund schneiden, so raten wir Ihnen.- es doch einmal mit der Gabel zu versuchen. — Ihre Frau Gemahlin ist im Irrtum: Beethoven ist nicht der Flaschenbierhändler in der Straße gleichen Namens. Sie haben recht: Er war ein Kompost (gesprochen wird es ..Komponist"). — Nein., eine Ziehharmonika patzt nicht gut in den Mustffalon. — Nein, im allgemeinen ist es nickt üblich, während der Tbeaterpaus« in der Königsloge «in Schweinshaxel abzun-asen. auch wenn es Ihnen noch so gut schmeckt. — Dre Adresse von Goethe können wir Ihnen nicht sagen. Lassen Sie Ihrer Tochter wo anders Stunden im Gesang geben. — Gewiß, ein -cht»r Hodler ist mindestens 10 Waggon Schmierseife wert.
..S o h n".
Sie scheinen gegen Ihren Vater die Saiten nicht sttamm genug zu ziehen. — Es wird sich rächen, wenn Sie nickt schon von frühester Jugend lerne Erziehung energisch m die Hand nehmen. Verklagen C'.e ihn nur wegen Hausfriedensbruchs. wenn er ncchmals nach dem „Spanischen" greifen sollte. Der Mann lchernt nickt zu willen, daß wir hn Zeitalter des Kmdes leben. — Wir glauben gerne, daß Sie das Märchen vorn Rotkäppchen langweilt. Seben Sie stch doch mal den Film: Alma,oder die Sumpfblume im Freuden- kaus" cm. oder le'en Ci« di« „Memoiren einer Verlorenen". Dies« Bucker werden Ihnen über di« Schwierigkeiten der 8'bel hinweghelfen. — Ihr Drama scheint uns etwas ge- pfeftert. Sie werden Anstande mit der Zensur bekommen — zum mrüdesten am Schlug des Schuljahres. — Im übri- «n. Bringen S« Ihre Beschwerden beim Kind errat Ihrer Famtlie vor. Julius Kreis.
