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Verlag Langgaffe 21

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Nr. 169.

Montag, 23. Juli 1923.

71. Jahrgang.

Die englische Antwort überreicht.

SWlVvv l» Ws N) Büffel.

Und ob es zur Tat ihn auch drängen mag, Auf den andern Tag schiebt er's: Atterdsg."

Das ist di« Mär, die uns Fontane verkündet von Waldemar, König Christophers Sohn, der dereinst dis Herrschaft führte mit kluger Hand überDänemark- Meer und Dänemark-Land". Fast scheint es, als ob der Beiname Atterdag, märe dasheillose Beiname-

S n" noch so beliebt wie in den alten Zeiten, keinem digereu verliehen werden könnte Äs dem Pre­mier, der heute Englands Geschicke leitet. Das deutsche Memorandum es ist nötig, daran noch einmal zu erinnern trägt das Datum vom 7. Junb und ist bis -heute unbeantwortet geblieben.

DieWochen der Entscheidung", wie sie uns Lon­doner Telegramme wiederholt ankündigten, sind vor- übergegangen, ohne Entscheidungen zu bringen. Jetzt endlich ist die englische Antwort in Paris und Brüssel übergeben worden. Man hüllt sich aber dort in offi­zieller Kreisen in tiefstes Stillschweigen. Die franzö­sischen Blätter jedoch zeigen sich äußerst optimistisch und hoffen aus eine englisch-ftanzöstsch-beWlsche Eini- gttnj.

Mrch allem, was man hört, ist der englische Ant­worten tnmrf von einer Mantelnote an die Alliierten und von einer erkäu^rnden Denkschrift begleitet. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die verspätete Fertigstellung auch in England einen ungünstigen Ein­druck macht. Rach Baldwins Erklärungen im Unter- Hause nahm man an, daß die englische Politik Zug um Zug handeln würde. Es waren englische Stimmen, die sogar davon sprachen, daß der Antwortentwurf so­fort herausgegeben werde. Damit ist es aber nichts gewoidM. Es ist schwer zu erkennen, was hinter den Kulissen vor sich ging, und was schließlich das englische Kabinett erst nach so langer Zeit zu einer Entscheidung kommen ließ. Ganz zweifellos ist, daß in London Meinungsverschiedenheiten bestanden, daß ein Teil der Kabinettsmitglieder immer erneut auf Abschwächung der Formeln drängte, die in Paris Anstoß erwecken könnten, wie denn ja auch die Rede Baldwins vom ersten Entwurf bis zur endgültigen Fassung derartige Wandlungen erlebt hat. Der aus Frankreich einge- fchuwrene Teil der Unionisten erhob seine Stimme, und schon sprachen Gerüchte von einer bevorstehenden Spaltung der Regierungspartei. Sicherlich erschwerten diese Partei- und innenpolitischen Bedenken die Arbeit des Premiers, wenn sie wohl auch nicht allein aus­schlaggebend waren. Aber man weiß, daß der tschechische Außenminister B e n e s ch, dessen Ver­mittlertätigkeit schon im oberschlesischen Konflikt eine unerfreuliche Rolle gösprel hat, bei seinen Besuchen in Paris, London und Brüssel nicht nur über die Sorgen der Tschechoslowakei gesprochen hat. Wenn es auch Herr Benefch versteht, sich in Szene zu setzen, und wenn man ihn sicherlich nicht ganz so wichtig zu nehmen braucht, wie er es selbst tut, so kann es wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß er sich um eine Ent­spannung zwischen Paris und London bemüht hat, und daß er dabei nicht ohne Erfolg gearbeitet hat. Wer die Auseinandersetzungen der englischen und franzö­sischen Blätter über die Ausgabe des passiven Wider­standes, die mit derUnsichtbarmachung" der Be­setzung quittiert werden soll, verfolgt hat, wird sich kaum im unklaren darüber sein, in welcher Richtung sich die Verhandlungen bewegten. Der passive Wider­stand soll auch nach neueren Meldungen das Kompsn- sationsobjekt dafür fein, daß Frankreich der Ein­setzung eines Sachverständigenkomitees zustimmt.

Es gewinnt den Anschein, als ob man in England auch noch in einem anderen Punkte Konzessionen ge­macht hätte. Man meldete nämlich, daß man in Lon­don die deutsche Zahlungsfähigkeit heute nicht mehr so ungünstig beurteile, wie früher. Zweifellos wäre es nicht unintereffant, zu erfahren, woraus die eng­lischen Sachverständigen ihregünstigere" Auffassung gründen. Bisher ist man sich in England wohl dar­über klar gewesen, daß die Ruhraktion die deutsche Leistungsfähigkeit außerordentlich beeinträchtigt hat. Glaubt man nun, daß Deuschland dadurch, daß die Be­setzung des Gebiets schon über sechs Monate dauert, leistungsfähiger geworden sei, oder bezieht sich diese günstigere Einschätzung nur auf die Zukunft? Da aber ist es interessant, daß derMatin" sich vorerst überhaupt mit den Summen begnügen will, die zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete erforderlich sind, und die endgültige Festsetzung der Gesamtsumme ver­

tagt wissen will, ein für Deutschland indiskutabler Vorschlag.

Was im einzelnen durch die Kompromißoerhand­lungen zwischen Paris und London erreicht wurde, läßt sich natürlich schwer übersehen, bevor etwas Authentisches über die englische Note vorliegt. Zu­nächst kann Poinearö, der am gestrigen Sonntag bei der Enthüllung eines Kriegerdenkmals in Billers Cotterets wieder eine Rede über die Reparationsfrage hielt nnd dabei besonders heftig die deutsche Industrie angriff, jedenfalls den Zeitgewinn für sich als Gewinn buchen. In Deutschland wird man den weiteren diplomatischen Auseinandersetzungen, die nach der endlichen rlberreichung des englischen Dokuments jetzt zwischen London, Paris und Brüssel staitfinden wer­den, ganz besondere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, wenn man nicht von neuem unliebsame Überraschun­gen erleben will. Sprach Baldwin nicht von einem ehrenvollen" Abschluß des Ruhrkonflikts? Oder war es nur ein ehrenvoll,wie er es auffaßt", einfair play wie in Oberschlesien?

Die Übergabe in Paris.

Paris. 21. Juli. Die englischen Dokumente über d'e Deutschland aus keine Vorschläge zu übermittelnde Antwort sind um 12 llbr mittags im Ministerium für auswärtige An­gelegenbeiten übergeben worden. Entsvrechcnd den ein- g-'sangenen Verpflichtungen wird, wie Suvas feststellt. das Außenministerium das absolute Geheimnis über den Inhalt dieser Dokumente wahren, da man entschlossen sei. die notwendige Reserve brizubehalten für die Fort- sebuug der im Gang befindlichen Verhandlungen. Pcincarö wird sich nach der gleichen Agentur nach Kenntnisnahme der Dokumente mit de: bebgisch e a Re g ierun g aus divlo- mapschem Wege in Verbindung sehen, um ein Einverständ­nis darüber zu erzielen, welche Folge den englischen Vor­schlägen gegeben werden soll.

Paris. 21. Juli. (Havas.) Nach dem ..Matin" bat die. britische Regierung nach reiflicher Überlegung gestern der französischen, der belgischen, der italienischen und auch der amcrikanAchen Botschaft in London die Schrift­stücke überreicht, welche für die verschiedenen Regie­rungen bestimmt stich. Von dem Kabinett wurden 4 Wort­laute aufgesetzt: Der

1. ist der Antwortentwurs an Deutschland: der

2. ein Antwortentwurs an die Alliierten, d. b. an die fran­zösische. italienische und javanische Regierung: der

3. ist ein besonderes B,e gleit schreiben an die Vereinigten Staaten, um sie lebhaft zu bitten an einer Regelung teilzunehmen, ein Schreiben, das be­weist. daß Washington diesbezüglich keinerlei Versiche­rung gegeben hat: der

4. SLortllmt ist eine Art Silfsdenkschrist. welche für die britischen Botschafter bestimmt ist. damit sie verhan­deln können. Dieser Wortlaut kann aber eventuell beit- interessierten Regierungen mitgeteilt werden.

Paris, 22. Juli. Havas teilt offiziell mit: Jin Ministe­rium des Auswärtigen wahrt man strengstes Still­schweigen über die englischen Dokumente, die bereits gestern nachmittag in Baris ein getroffen sind. Man geht soweit zu erklären, daß die Verhandlungen zwischen Paris und London unterbrochen würden, wenn es zu Indiskretionen kommen werde. Dementsprechend hüte man stch am Quai d'Orsay, irgendwie zu konimentieren oder den Eindruck irgend welcher Art mitzuteilen. P o i n c a r 6 hatte gestern nachmittag eine ziemlich lange Unter­redung mit dem englischen Geschäftsträger, der den beur­laubten Botschafter vertritt. Nach dem pi-litischen Redakteur der Havasasentur ist auch anzunehmen, daß Poincarö schon gestern abend seine Ansicht über die englischen Dokumente nach Belgien initgeteilt hat. wonach ein Meinungsaustausch auf diplomatischem Wege durch Formulierung einer ge­meinsamen Antwort stattfinden soll.

DasPetit Journal" nimmt an. daß in Brüssel kein mündlicher Meinungsaustausch,, sondern ein solcher mit Hilfe schriftlicher Antwort gewünscht werde.

Der ..Matin" befürchtet, daß Frankreich und Belgien ge­zwungen sein könnten. Deutschland in der Frage des pas­siven Widerstandes eine besondere Antwort zu er­teilen. was das Gegenteil der von England ausgesprochenen Hoffnung auf Wiederherstellung der alliierten Einheitsfront wäre.

Diesen Gedankengänsen gegenüber bringt nur dieEre Nouvelle" Verständnis für die englischen Bemühungen aut. die allgemeinen Fragen des Revarationsvroblems gegen­über der Ruhrfrage im engeren Siane in den Vordergrund zu rücken.__

Eine Rede des Schatzsekretärs des englischen Schatz­amtes.

London, 22. Juli. Der Sekretär des Schatzamtes. John­son H i ck s. tagte in einer Rede in London, es sei ein trau-

gessen werden, in welcher Lage sich Europa und die Welt be­finden. Der Welthandel, von dem Englands Wohl, ja sogar das Leben Englands abhängen. dune niemals in Unord­nung kommen, bevor die Stabilität in Europa wiederher- gestellt fei.

Skt MiOtif Mt W«««.

London, 22. Juli. Der diplomatische Bericht­erstatter desObferver" schreibt, der Wortlaut der britischen Antwort sei durchaus nicht endgültig und unabänderlich, sondern er werde beträcht­lich verändert werden können, entsprechend den Be­merkungen, die von den verschiedenen Empfängern eintreffen werden, vorausgesetzt, daß diese Bemerkungen die Hauptgrundsätze der britischen Politik unangetastet lassen.

Der Berichterstatter macht über den mutmaßlichen Inhalt des Entwurfs folgende Angaben:

1. Das Angebot Deutschlands, sich der Entscheidung einer internationalen Kommission zu unterwerfen, wird angenommen.

2. Das Angebot von Pfändern wird g e- würdigt werden, gleichzeitig wird ange­deutet, daß die Frage, ob sie ausreichen oder ausgedehnt werden müßten, sorgfältig geprüft weiden muß.

3. Bedingter und vorsichtiger Ratschlag! bezüglich der Zweckmäßigkeit der Aufgabe des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet.

Auch über die Mantelnote an Frankreich und die anderen Alliierten werden folgende Angaben gemacht:

1 Bolle Anerkennung des Anspruches Frankreichs auf Reparationen.

2. Freundliche, aber unzweideutige Vorstellung wegen Abänderung des Regimes im Ruhrgebiet.

3. wird die Bereitwilligkeit ausgedrückt, die ganze Frage der Schulden der europäischen Alliierten im geeigneten Augenblick zu er­örtern.

Sollte der Reparationsstreit noch immer unerledigt sein, wenn der Völkerbund am 3. September zu- sammtentritt, dann würde er als dringende Ange­legenheit von den Briten zu einer Verhandlung vor­gebracht werden.

Paris, 21. Juli. Der sonst gut unterrichtete Be­richterstatter desPetit Journal" glaubt sagen zu können, daß die britische Note und der Brief Groß­britanniens an Frankreich folgende drei Punkte enthält:

1. Großbritannien nimmt im Grundsatz das deutsche Angebot an, einen Sachverstän- digenausschuß zu ernennen, um sich über die F inanzlage Deutschlands zu unter­richten, aber ohne vorzuschlagen, in welcher Weise die Kommission gebildet wird.

2. Gewisse Vorschläge würden gemacht hinsichtlich der Aufgabe des passiven Wider­standes im Ruhrgebiet; aber in dem Brief an Frankreich fordere die britische Regierung dieses auf, sich weniger streng in den be­setzten Gebieten zu zeigen.

3. Die britische Regierung fordere das Ministerium Poincarä aus, mit allen anderen Alliierten über die interalliierten Schulden zu verhandeln, denn England sei der Ansicht, daß das Ruhrproblem nicht gelöst werden könne, ohne daß die Schuldenfrage geregelt werde.

Der Inhalt der Rote sei se h r konziliant gegenüber Frankreich, und man sei der Ansicht, daß der Optimismus, der augenblicklich in englischen und französischen politischen Kreisen herrsche, voll­kommen berechtigt sei.

Baris, 22. Juli. DasJournal des Debats erfährt aus Brüssel, morgen. Montag, werde der Kabinettsrat sich mit den englischen Dokumenten LAchaftigen. und es werde vorher wahrscheinlich keinerlei Mittei­lung an die Zeitungen gemacht werden. Soviel man er­fahre. enthielten die englischen Dokumente nichts, was dem Versailler Vertrag zuwiderlaufe. Die englische Note sei im ganzen so abgefaßt. daß Verhandlungen möglich seien. Belgien werde sich natürlich mit Frankreich verstän­digen. bevor es Stellung nehme, aber man nehme an. daß die Verhandlungen zwischen Frankreich und Belgien erst in einer Woche stattfinden konnten.

Brüssel. 22. Juli.. (Havas.) Derniers Heure" nennt den Eindruck, den die englische Note in Regierungskreiken heroorserufen hat. einen ziemlich hoffnungsvollen, da keinerlei Bruch zwischen den Alliierten und England cingetreten sei und die Tür zu Verhand­lungen offen bleibe. Man hofft, wie die Zeitung sagt, daß man in den wesentlichsten Fragen zur Einigung gelangt.

Das Metallwerk der Dortmunder Union besetzt.

Paris, 23. Juli. Havas meldet aus Dortmund, daß das Metallwerk der Dortmunder Union gestern ohne Zwischenfall besetzt worden sei.