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Wie steht -er Dollar?

Die FraM, wie k«r Dollar steht, ist zurzeit in Deutschlltn- schlechthin die Tagesfrage. Aber ste ist dichter gestellt als beantwortet. FreWch, die «ntliche Notierung gibt eine klipp und klare Auskunft, aber die Börsenauguren lachen einander zu, wenn sie sich begegnen. Die Nachfrage nach Devisen war in den letzten Tagen so stark, daß beispielsweise der Dollar, das Pfund, der Gulden, die Finnmark, die Lire, der französische Frank und die tschechoslowakische Krone nnr mit je 5 Prozent zugeteilt wurden. Das heißt, die Nachfrage überstieg das Angebot so ungeheuer, daß unter diesen Umständen von einer wirtlichen Kurs­notierung kaum noch die Rede sein kann. Es ist ein offenes Geheimnis, daß eben mit Rücksicht auf die Repartierungen die sogenannten .Kongertanmeldungen" Platz gegriffen haben. Das heißt, wenn der Devisen- reflektant von vornherein damit rechnen muß, daß nur ein Teil seiner Anmeldung befriedigt wird, so wird ervorsorglicher Weise" eben mehr verlangen, als er braucht. Ein Umstand, der wiederum in hohem Matze kurstreibend wirkt.

Man ersieht aus alledem, daß die zahlreichen Ver­ordnungen, dis seit zwei Monaten Mi Stützung der Mar k ergangen sind, immer wieder Lücken aufweisen, immer wieder neue Ergänzungen erforderlich machen, ohne daß es gelingt, die Lücken völlig zuguftopfen. Auf eine dieser Lücken, vielleicht die bedenklichste, muß immer wieder hingewiesen werden, nämlich auf das schwunghafte Wiederverkanfsgeschäst. Als Abgeöer von Devisen tritt ja im wesentlichen nur die Reichs­bank auf, und bei einer so scharfen Repartierung, wie ste jetzt bei der Zuteilung erfolgt, stellt das eine Art Lotteriespiel dar. Mit dem Lotterieyewiun! Denn wem beispielsweise die von der Reichsbank bewilligten 5 Prozent Devisen in den Schoß fallen, der kann da­mit ein sehr einträgliches Arbitragegefchcfft niadjsm. Da er Devisen M demamtlichen" Kurs bekommt, der eben nur amtlich ist, so kann er, wenn er sonst will, sie fünf Börsemninnten später mit erheblichem Agio verkaufen. Sie werden ihm aus den Händen gerissen MHöchstpreisen". Diese Tatsache war aller Welt bekannt. Die schlecht informierte Reichsbank hat sie erst, jetzt erftchren. und so hat sie, sehr post fest um, zu ihren zahlreichen Verordnungen noch eine neue er­lassen. wonach sie in Zukunft Devisen nur abgeben will nach Feststellung des ursprünglichen Auftraggebers. Es soll also eure Art Bedarfsprüfung erfolgen, gegen dre wir fteptifch sind.

. Jedenfalls bedeutet diese Maßmchme das Zuge­ständnis, daß die amtliche Dollarnotierung nur noch eine Fiktion ist. In der Tat stellte sich Mrzeit als dre amtliche Notierung 176 000 lautete, die N-w Yorker Parität auf 228 571, und in Danzig, wo der Dollar frei und schwunghaft gehandelt wird, war der Kurs noch wesentlich höher. Es hat keinen Zweck drese Dinge M vertuschen, da sie die Spatzen von den Bürsendächern pfeifen. Es zeigt sich eben, daß dem Markschwund mit technischen Mitteln allein nicht bei­zukommen ist. Dieser Markschwund ist anscheinend hemmungslos. Noch vor einem Jahre stand der Dollar es klingt wie ein Märchen 500. Wie er heute steht? Mit Sicherheft vermag die Frage aus den dar­gelegten Gründen niemand zu beantworten, und wenn wir es genau wüßten, würden wir es nicht verraten, uni den Kurs nicht zu treiben. Das aber steht fest, daß dem Markfchwund nicht zu begegnen ist, wenn es nicht gelingt, der Inflation--Wirtschaft, dem chronischen Defizit mit seiner alle Dämme fortspülenden Papier­geldflut ein Ziel zu setzen. Vorbedingung hierfür ist aber wiederum die Beilegung der Ruhrkrise?

Dis Valorisierung der Lohne.

Berlin. 11 Juli. Der Berliner Ein,elhandel hat in gestern abselschlossenen Tarifverträgen als erster die Va l o - rnierung der Löhne vorgenommen. Das Arbeitsem- Ivmmen wird in ein festes Grundsehalt und einen beweg­lichen Entwertunasfaktor eingestellt, der für die erste Ju"-. woche auf 50 Prozent festgesetzt ist. Für die weiteren Zahlungen im Juli iollen der Dollar und das Gold­zoll a u f g e l d als Metzziffer dienen.

Auch bei den Ei n igungsv e rh a ndlu ng en in der Berliner Metallindustrie wurde ein be­weglicher Loh uzu sch l ag vorgenommen. Während der Verband der Berliner Meiallinduitriellen dieser Rege­lung zustimmte, wurde sie seitens der Funktionäre der Ber­liner Metallarbeiter a b g e l e h n t. weil der vorgeschlasenc -tundenlohn viel zu niedrig sei. Es soll heute eine ll r - abstimmung darüber entscheiden, ob die Vereinbarung angenommen oder abgelehnt wird. In letzterem Falle soll dcr Streik fortgesetzt werden. Gestern hat die Be­legschaft von 20 größeren Betrieben die Arbeit niedergelegt:, und zwar gegen den Willen der Strerkleitunq.

Ein Schritt des päpstlichen Nmtilis bei Betgien.

Juli. Wie die Agence Beige von beionderm «eue erfahrt, erfolgte gestern der vom ..Osservatore Ronmuo vorsestern angekündiate Schritt des v ä v st I.

.ber^ber belgischen Regierung. Ein wÄto -ZertpuiÄt war infolge der Abwesenheit des des Austern unmöglich. Der Hl. Vater lieh durch Vertreter m Brüssel der belgischen Regierung mit- ^rlen. daii er sehr wohl verstehe, datz die belgischen Behörden rcrc me rncherhert der Truvven notwendigen Matz- griffen. Er habe iedoch die Hoffnung ausgedrückt.

e . J l>er belgischen Regierung nicht unmöglich sein würde». E Beruh igung hinzuwirken und einen Beweis von M 1 1b c gegenriber der Bevölkerung der besetzten Ge- E-E su geben. Wie es scheine, habe Iasvar von dieser flsisec uentwm oes Papstes fernen Ministerkollegen Mitte i- .bestrhe wenig Wahrscheinlichkeit. dah hie. tzber nn; Veröffentlichung erfolge. Andererseits glaubt die belMbe Teregrapbenasentur zu wissen, dah Jafpar die --ilni.erksamkect auf die Zahl der Attentate gelenkt bade, dre rm RubrgeSret und im übrigen besetzten Gebiet be- b?uaen worden stnd und die Zahl von 125 bereits nber- chrrt.en haben Jafvar habe hinzugefügt. datz die belgische .negierung rn der Sarge, die Sicherheit der Truvven und aucy dre der Reisenden zu gewährleisten. die unter den augenblrSlich-n Verhältnissen unerlählichen Matzn-ahmen ergriffen habe, dre notwendig seren und die der Gerechtigkeit und dom Recht entsvrachen.

Die Aktion des Papstes vorläufig abgeschlossen.

Berlin, 10_ Juli. Aus Rom wird gemeldet, dort werde angeiwmmen patz mrt dem Schritte des Vatikans in Daris und Brussel dre Aktton des Papstes als vorläufig ab- geschlossen zu betrachten sei. da deren Ergebnis den kch-vst nicht für eine Fortsetzung seiner Bemühungen arrf- munterm könne.

De. Wirth beim Papst.

... Baris, 10. Juli. Havws berichtet aus R o m. man Wndrge am. datz der shemalige ReichskanKler Dr. Wirth vom Pa vst im A u d renz empfamgen werde.

Die deutsche Antwort auf die französisch-belgischen Forderungen.

Paris, 10. Juli. In Daris glaubt man. dah die Ant­wort. dre der Mmsiter v o n R o s e n b e r g erteilte, bloh als eine vorlaufrge Antwort Deutschlands auf die Fragen der irarrzostschen. und belsifchen Regierung anzusehen sei. und datz noch erne d-eu-tsche Note zu erwarten wäre.

Ein Angriff auf den Äerrtschsn GeschäfLs- trüger in BrÄftsL.

Berlin, 10. Juli., Nach einer Meldung aus Brüssel wurde der psntzche Geschäftsträger gestern abend nach Ver­lassen, der Gemudtschaft bei Betteten seines Privathauses von emem iungen Belgier durch einen Faustschlag leichr verletzt und nach dessen Festnahme von dem Täter belei­digt. Dm belgische Regierung wurde auf diploma­tischem Wege wm Entschuldigung des Vorfalls und Ve- strarung.des Taters ersucht.

Parrs. 10. Juli. Dem ..Echo de Paris" wird aus Z emem tätlichen Angriff auf den deutschen

Geschäftsträger. Legatiousrat Dr. Rüdiger, berichtet. Bereits am Soirntagabend machten ehemalige Frontkämpfer den Versuch, vor dem Gebäude der Eesandtsämst eine Kundgebung zu veranstalten, die die Dolizei. die die Gesondtscoan bewachte, gestern verhindern konnte. Gestern abend um 7 Ahr seren zwei Personen in die Privatwohnung M-Echchaftsttägers errmädrungen. Sic hätten den Ge- schartttrager verfolgt nnd ihm einige Schläge versetzt Das herberser-ufene Dienstpersonal habe das Einschreiten der » veranlasst, die die beiden Belgier in Begleitung des GefchattzttES nach dem nächsten Polizeirevier gebrachr habe. .Der PolrreÄcmimissar habe die Jdendität der beiden ehemalrgen Fronttämpfer festgestellr und ste darauf ent­lassen. Erner davon sei Reserveoffizier. Im Verlaufe ihrer r^ernehman« sollen die beiden Attentäter erklärt haben ste hatten so gehandelt, um dem Diplomaten eine Lektion zu er­teilen. der vorgestern die Manifestanten verspottet habe als sie jwen das Attentat von Duisburg protestiert hätten

Brüssel, 10. Juli. (Agence Velge ) Es verlautet, dah di« Regierung knschlossen hat. wegen des Angriffs auf den deutschen Geschattstrager eine Unterfuchu-ng oinzu- leittn.

»snlMMAt« ist aas atisifet KivK.

Brüssel. 10. Juli. Im Laufe der ministeriellen Erklärung führte der Auhenmiuister Ja spar aus das Land durchlebe gegenwärtig schwere Stunden Die auswärtige Polttik sei fest und gemätzigt. Der Minister bat das Parlament, chm fein B e r traue n ausznsprschen. In der Stunde der Gefahr mutzten alle einig kein, da alle ohne Unterschied Belgier sein und bleiben würden Der Senat Kat dann mit 88 gegen 6 Sttmmen bei einer Stimmenent­haltung ein Vertrauensvotum angenommen

Im . weiteren Verlaufe der Sitzung erwiderte der Ver­teidigungsminister auf eine Interpellation wegen des Vorfalls auf der Rheinb-rücke bei Hochfeld und Duisburg mit einer Rede, in der er u a mittelste man habe den bei dem Anschlag verwandten Ervlosivstoir als Pikrinsäure festgestellt. Zu den gettoffenen Gegemnatz- nahmen fügte der Mmister hinzu, datz er die Rhein- l a n d k o m m i s s i o n ersuchen werde, die Bewachung der Eisenbahnen durch die. Gemeinden ausfllhren zu lassen Für den Fall von Anschlägen würden dieieniaen Gemeinden, aui deren Gebiet Anschläge sich ereignen sollten, dafiir verant­wortlich gemacht werden.

Zsmet-Pascha unterschreibt den Friedensoertrag.

Baris. 10. Juli. Wie Havas aus Angora meldet, ermächtigte die Regierung Angoras Jsmet-Paicha. den Friedensnertr« zu unterzeichnen.

71. Jahrgang.

Die AWHkea der emlifien Heolewni.

London, 10. Juli. (Reuter.) Alles Gerede über einen Bruch mit Frankreich in der Repa- rcttwnsfrage wird in amtlichen Kreisen in London nachdrucklrchst aemißbilligt. Bezüglich des Jn- b."s der Erklärung über die britische -p o l i t r k, dre am Donnerstag in beiden Häusern ab­gegeben werden soll, sei nichts bekannt, doch könne Mversichtlich gesagt werden, daß diese Erklärungen nicht sAnf sehenerregendes bringen wevden. Es werde versucht, die Ansicht der britischen Regierung über dre Wiederherstellung Europas offen darzulegen.

uierde offen gelassen für eine volle Zusammenarbeit mit Frankreich. Man hoffe auf- rich.-g daß die französische Regierung eine Möaffch- tat sehen werde, sich mit der britischen Regierung Susammenzu.finden. Selbst wenn es sich als nonoendig erweisen sollte, daß Großbritannien eigene Rrchtmnen verfolgen werde, so wäre zu bsmerken, daß Frankreich schon zweimal eine Sonderaktion (einmal als es das Ruhrgebiet besetzte und dann, als es das deutsche Angebot beantwortete) gegenüber Deutschland unternommen habe, ohne England zu Nagen. Die britische Regierung werde sicher keine Z"sun nt Erwägung ziehen, die einen derartig drastischen Charakter habe.

... London, io. Juli. DerTimes" zufolge wurde über die Frage, ob die Regierungserklärung über die R e v a r a t i o n e n und die F r a g e d e s Ruhrgebietes am Donnerstag abgegeben werden sollen, bisher ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt. Wie angenomnien wird, werde die englische Regierung m einer Erklärung ihre Haltung' zum Ausdruck urmgen. sich über ihre Absichten äußern und voraus­sichtlich nähere Darlegungen, welche Umstände zu der ,eMen Lage geführt haben, machen. Es werde aber nichts geschehen, was Frankreich oder England ver­hindern konnte,wieder zusammen zu kommen.

Der diplomatische Korrespondent derWestminster Gazette jchreibt: Baldwin wird in der Erklärung voraussichtlich betonen, daß die Regierung das Äußerste getan habe, um bei den Verhandlungen über das letzte deutsche Angebot eine gemeinsame Aktion mit Frankreich zu erzielen, daß es aber nicht möglich gewesen sei. die französische Forderung zu unterstützen, daß Deutschland in der Ruhrfrage bedingungslos kapituliere. Es werde erklärt, daß auf die englische Frage nach dem Regime, welches dis Franzosen und die Belgier im Ruhrgebiet nach der Beendigung des dsuffchen Widerstandes einrichten, und nach dem Datum, wann sie das Ruhrgebiet zu räumen beab­sichtigen. kerne klare Antwort erteilt worden sei. JU allen diesen Punkten komme ein Kompromiß nicht rn ffrage. Die englische Regierung siebe daher vor der Notwendigkeit, eine besondere' Antwort auf die deutschen Borschläge zu erteilen und einen '^liLinativen Plan vorzubringen, der wie rnwt yoffe Europa vor einer Katastrophe bewahren werde Der Berichterstatter glaubt folgende Angaben über die Absichten der Regierung machen zu rönnen:

1. Festsetzung der von Deutschland zu zahlenden Summe durch eine intern >a Lion ale Kom- Mission, die entweder vom Völkerbund oder von der Reparationskommission ernannt wird

2. ErNberufting einer wirtschaftlichen inter­nationalen Konferenz, die die beste Methode für die Zvhlungsmöglichkeit der inter­alliierten Schulden angeben soll und

3. Regelung der Probleme des Ruhraebietes und der Rheinland«, kurz der Frage der Sicher­heit Frankreichs durch eine ähnliche inter­nationale Aktion.

Paris, 10. Juli. Der Londoner Korrespondent der Chicago Tribüne" behauptet, bestiinnkt lagen zu könnens daß in der gestrigen Sitzung des englischen Kabinetts sine Entscheidung getroffen worden sei, eine international Kommission zur Festsetzung der deuffchen Zahlungsfähigkeit zu er­nennen. Großbritannien werde die Initiative er­greifen und die alliierten und die neutralen Mäckff' anffordern. Delegierte zu einem Kongreß «u «nt- «nivett bcr die Lage Deutschlands erwägen und lie Entschädigungsansprüche gegen Deutschland fesisetzsn werde Frankreich werde zur Teilnahme aufge- zordcrt werden, und wenn es sie ablehne werde der Kongreß trotzdem stattfinden. Man hoffe indessen, d-atz dre Frcmzosen, bevor sie sich in ihrer vollständiaen Isolierung befinden, es vorziehen würden, der Kon­ferenz beizuwohnen. _ Rach dem derzeitigen Plan wür­den die N e r e i n i g ts n Staaten aufgefordc'r werden, den Vorsitzenden zu ernennen, und iven" dre Regierung es ablehne, terlzunehmen, würden ösi