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Donnerstag, 5 . Juli 1823.

71. Jahrgang.

Die gescheiterte Abrüstung, j Die eUW-sraliMWe AMiuMerfetzW. I Eine neue Rede Pomcaros.

Me englische Regierung hat ihre Erklärungen über »re Notwendigkeit, die britische Luftflotte beträchtlich pi vergrößern, durch die Hinzufügung eingeschränkt, daß sie bestrebt sein werde, Abrüstungsabkommen für die Luftwaiffe mit anderen Mächten zu erzielen, die . dann die Ausführung der geplanten neuen Rüstungen überflüssig machen würden. Wer die Entwicklung der . europäischen Politik während der letzten Wochen auf­merksam verfolgt hat, wird diese Einschränkung kaum ernst nehmen können. Hätte man in den maßgebenden Kreisen in London begründete Hoffnung, durch Ab- rüstrmgsverhandlungen den neuen Ausgaben für die Luftflotte answeichen zu können, so hätte man sie vor­her eingeleitet. Mir die englische Öffentlichkeit hat die Abrüstungsklausel im neuen Luftflottenbudget nur den Wert eines Beruhigungspulvers für die erregten . Gemüter in der Arbeiterpartei, die dagegen aufbs- gchren. Zm allgemeinen wird sich in England auch der Mann in der Straße kaum mehr verhehlen, daß alle seit dem Frieden von Berfailles gehegten Welt- friodenshoffnungen trügerisch mären und die tatsäch­lich zustandegekommenen Abrüstungsvereinbarungen kaum mehr das Papier wert sind, auf denen sie stehen. Man hat' den Bau größerer Schlachtschiffe einge­schränkt, sich aber um so ungehemmter der Vermehrung von Kreuzern, Unterseebooten und vor allem non Flugzeugen gewidmet. Und wenn England jetzt durch sein neues Luftflottenbudget gezeigt hat, wie wenig es von der Abrüstung Mt, so hat es schon vorher durch die Ankündigung, Singapur zum Hwuptstütz- punkt Mr sein< Kriegsschiffe auszubauen, zu erkennen gegeben, daß es in dem Washingtoner Abkommen keinerlei Sicherheit mehr für seine überseeischen Be­sitzungen zu erblicken vermag.

Entschiedener noch als Baldwin sucht Präsident Har-in'g in den Bereinigten Staaten das Banner der Abrüstung hvchzuhalten. Er hat einen Redefeld- zug für seinen Plan unternommen, den Haager Schiedsgerichtshof vom bestehenden Völkerbunde, von dem er nach wie vor nichts wissen will, völlig unab- hiingrg zu machen und zu einem wirksamen Werkzeug für We Ausrechterhsltuntz des Weltfriedens auszuye- statten. Wie kann man aber zu amerikanischen pazi­fistischen Bestrebungen für Europa noch Vertrauen haben, wenn die Bemühungen der Washingtoner Re­gierung, auf der Grundlage des Viermächteabkommens wenigstens aus dem Stillen Ozean und dem Fernen Osten alle Kriegsgespenster zu verscheuchen, schoy heute als mißlungen gelten dürfen? China, das nach den auf der Washingtoner Konferenz getroffenen Verein­barungen keine moderne Militärmacht werden und fich geduldig einer „Politik der offenen Tür" zu­gunsten hemmungsloser Ausbeutung durch, fremdes Kapital widmen sollte, verfügt heute über das größte stehende Hesr der Welt. Die Befehlshaber, die sich von Zeit zu Zeit gegenseitig bekämpfen, ohne daß einer die unbedingte Verlegenheit erlangen könnte, schalten die jeweilig „Regierung" in Peking von den Ein­künften der einzelnen Provinzen fast völlig aus und damit auch das fremde Frnanzkonfvrtium, dem die je­weiligen Herren der Sage in der Reichshauptstadt immer starker verschuldet werden. Augenblicklick hat das Land überhaupt kerne Regierung. Das letzte Kabinett ist zurückgetreten und Präsident Li Juan yyun$ hat, bevor er ein neues, bilden konnte, von meuternden Truppen bedroht, abdanken und nach Tientsin flüchten müssen. Während sich nun Japan darauf vorbereitet, seine seinerzeit unter dem Drucke der angelsächsischen Mächte . fallengelassenen imperiali­stischen Pläne wieder aufzunehmen, kommen aus den Kreisen der in Cbina lebenden Europäer und Ameri­kaner immer kläglichere Hilferufe, die den betreffenden Regierungen die Möglichkeit zum Bewußtsein bringen, Truppen zum Schutze ihrer Staatsangehörigen und ihrer wirtschaftlichen Interessen nach dem Fernen O-ten senden zu müssen. Sowjetrußland weiß die Lage im Fernen Osten geschickt dadurch auszunützen »aß es Japan goldene Brücken für eine Verständigung baut. Die Vorbesprechungen über ein freundschaft­liches. dre hauptsächlichen strittigen Fragen regelndes Abkommen sind sowssit gediehen, daß die offiziellen lterhandlungen beginnen können, von denen man sich auf beiden Seiten einen sicheren Erfolg verspricht. Ist Lowjetrutzland erst einmal zu einer Verständigung ge­langt. so dürfte es bald genug der britischen Diplo­matie ein anderes Gesicht zeigen als das. das in seinen Antworten aus das Lord CÜrzonfche Ultimatum kürr- lich zum Ausdruck kam! .

0 i: Zuli. Der „Temps" berichtet in seinem

^'lEikel über die gestrige Unterredung des franzö­sischen Botschafters St. A u l a i r e mit Lord Curzon, wobei er sich auf den im übrigen von der Pariser Presse

1 4 ‘ ^ukr. In Baris wurde heute rum Jahres

rikanischen Unabhängigkeit eir bie seialleneg Freiwilligen des Weltkriege: ^ss^weiht.^ die bereits vor der Kriegserklärung der Der

mrf,+ —jasJ.—' Z~ .l» *r7*®v* >^"v 1 i r m '® j Staaten in der französischen Armee gekämpft haben

nicht wiedergeaebenen Brief des „Daily Telegraph A SKmtfterpräfitient Poin carö.^ Er weite

frertef. Der „Temps" ist überzeugt, daß die Infor- ie Heiligkeit der Sacke, für die dir

0-.,. A. » - 0 . 0 . I £-? n ^ £jeit neioaite-' * V werde aber auch die Gewalttätig

-s^/^urwnlsLurVweniw-krE- Überfalls, die Barbarei gr^."brecheri,chen zzilhLkion. werden die systematischen ^ Ermordungen harmloser Einwohner, dil v rungen und Brandstiitu-rgen vergessen werden? Wer

maltonen bes „Daily Telegraph" von niemand anders als dem Foreign Office selbst stammen können. Das ^ wiederholt in einer Polemik gegen den Stand­punkt ~orb Curzons seine Auffassung über die Ruh r- und kommt zu folgenden Konklusionen:

1_ Wenn die englische Regierung es eilig hat, zu erfahren, wann das Ruhrgebiet geräumt werde, könne man ihr da nicht die Frage vorlegen, wann die Repa­rationen bezahlt würben? England ist nach Ansicht des „^ernps“ über die Zahlungsmittel Deutschlands bester informiert als Frankreich, v “■ Ebenso dringend wäre es, daß man erfahre, was die englische Regierung von Deutschland zu verlangen gedenke. Der „Temps" wirft formell die Frage auf, ob der in den letzten Tagen in der englischen Presse erschienene Plan, durch Sonderver ständig 8ung zwischen England und Deutschland Zahlungen in Höhe der englischen Verpflichtungen gegenüber Amerika zu erzielen, tatsächlich den eng­lischen Ansprüchen entspreche.

*?.- Eine Abmachung zwischen Deutschland und den Alliierten, die das Ziel der Ruhrbefe»tz ung klar stellen könnte, könne nur aus Verhandlungen bervorqehen. Es frage sich, wie Deutschland in diese Verhandlungen ein,zubeziehen sei. Zm übrigen sei es En Mond, das ihm die Tür hierzu öffnen zu wollen scheme. Die Debatte mit Deutschland würde unter chkser Voraussetzung zunächst die von England ge­wählte Politik zum Gegenstand haben, und abermals sei es England, das sich Vorbehalte, Sonderverhand- lrmgen mft Deutschland zu führen.

Wenn eine Einigung unter den Alliierten nicht er. ,p«lt werde,, warum sollte nicht auch Frankreich die Jmtrative ergreffen, sein Programm auseinauder- Metzen? Warum sollte nicht auch Frankreich Alter­nativen in Reserve haben? Wenn mit Deutsch­land verhandelt werden solle, sei es nicht nötig, gerade über die letzten deutschen Vorschläge zu ver- hanoeln. Es wäre sogat ohne allzAgroße Schwierig­kelten nachzuweisen, daß die Reparationsfrage fürs erste unter einem ganz anderen Gesichtswinkel be­trachtet werden könne.

Die Unterredung des französischen Botschafters mft Lord Eurzo«.

Paris, 4 Juli, über den Inhalt der gestrigen llnter- rfbunn zwischen dem franzögschen Botschafter und Eurzan glaubt der Londoner Berichterstatter der „Ebicago Tribun-" ^richten zu können. Srobbritamrien üi enttäuscht über die DÄt'Nlmthe.t der französischen Antwort. Anstatt ausführlich« Erklärungen über die Bedingungen zu gehen, unter denen die Franzosen das Ruhrgebiet räumen wurden, habe Eurzon allgemeine Grundsätze zu Horen bekommen. Frankreich erkläre, es werde im Ruhr- gebiet bl eiben, bis Deutschland völlie befahlt habe. « unterlasse eme bestimmte Festlegiung i-er vorge- läge neu Änderung der Besetzung für den Fall dah Deutichland den passrven Widerstand einstelle Die 'Brr- lincr Reaierun« müsse di« Verordnung zurückziehen. die es der Rubrberolkerun, verbiete, mit den Franzosen zusammen- »uarHerten, während die Bel«ier verlangten, daß diese Ver^ ordmine von den Eemeindeoorständen annulliert würde.

weit man erfahre habe Curzon nur die franzöüschen Lsklarungen zu den beiden ersten Punkten über den rwssiven W-derstand und über dre Änderung der Besetzung gehört. Man nehme au. dah die Schulbenfrrrge nicht erörtert war- den let.

Diplomgtische Bemühungen hinter den Kulisse».

„ r , d««s. 4 Juli. Die heutige Reuternote über die snstrigen Derbnndlungen der Botschafter von Frankreich und Belmen mit Lord ssurzon wird durch den Londoner vavas- berichterstatter durch Auskunft« an offiziöser Quelle ergänzt Es beißt dann, es würden diplomatische Be' mubunaen hmter den Kulissen entfaltet und man hoffe eme L o s u n g der. augenblicklichen Schwierigkeiten zu finden, bevor dre Regierung notig habe, eine Änderung der Reoarationspolltik ms Auge zu fallen oder wie gewisse Milwus oorgeschlaeen hatten zu einer gesonderten Aktion zu schreiten. d:e den wirffchaltlichen Bedürfnissen des Landes besser enffvreche. Nach den Auskünften will das enalisch- Aabinett alle Wege beschreiten, um die Einbeit^der Al l i i.e r t e n m einer Antwort auf das deutsche Angebot sicherzustellen..

Dr. Breitscheid in London.

Paris. 4. Juli Die Morgenpreffe meldet aus London, der deutsche Rslchstagsabeeordnete Dr. B r e i t s ch e i d ser dort angekommen. Er wolle sich mit den Vertretern der Labour-Pariy besprechen und mit ihnen die Lage Deutschlands diskutieren. Das sei der Beweis für die An iircngungen so schreibt der »Petit Parisien". die die deutsche Regierung dadurch mache, dah sie Emrlläre aller Parteien nach London schicke, um in einem Augenblick Sympa rb ien zu gewinnen, in dem man in Berlin glaube, dah der Bruch zwischen Frankreich und England bevorstebe.

w?Ln ,c Blut, die die Erde Frankreichs gctränkl

Ä' .wird der Schmerz der Mütter und Waffen das on.T? ^^.Llisgewanderten Bevölkerung vergessen werden? ivi,,r*. e -MeiückSeit, nachdem üe dazu- beigetraaen bat. un- Maus den Klauen Deutschlands zu erretten, gleichgültig zuseheu. wie Deutschland danach trachtet, den ZM in,!em Gegenteil zu verwandeln? Wird üe mit kühler Gelallenheit dieses skandalöse Schauspiel der Ungerechtigkeit A6v;,!i&: cn Üch abwickelii lallen? Wird sie sich damit

fj 11 ' 1 MzÄ Tvtcfjt allein unvollendet, sondern ge- ckhrdet und verhöhnt im Stiche zu lassen? Meine Herren! Wenn wir Gott sei Dank trotz des Ernstes der Lage keiner Frelwillieen mehr bedürfen, ^wenn keine amerikanischen §M^"^^wader. die den Namen Lafayette tragen, die deuts„.en Tauben und Flugzeuge von unserem Himmel bim- wegzufegen brauchen, wie viel Freiwillige der Worte und der Feder und der friedlichen Aktion gibt es noch die uns noch keine Dienste geleistet haben in allen Ländern wo Tag für Tag di« deutsche Pimpaaanda unsere Ideen verzerrt. »Tb sich len entstellt ? Ich weih, dah namentlich in Amerika zahlreiche Burger den guten Glauben sich incht nehmen lallen, um uns zu rechffchtigen. weil sie uns kennen und lieben. Sie unterstellen uns keine anderen An- mrnche als dre Wiedergutmachung der Schäden und die Garantien zummsten unserer Sicherheit. Diese FreiwMigen laben Sie uns vor diesem pietätvollen Denkmal den Frei- ^Uigen des Krieges an die Seite stellen. Sie haben den gleichen Anspruch auf unsere Dankbarkeit.

Nutzer Poincars. sprach der amerikanische Botschafter in Bans. Herrrck. und General Mang in.

Zurückhaltung in London.

London, 4. Juli. In der heute vormittag adgebaltenen allwochemtluhän Kabmettssitzung startet« Lord Curzon über den Inhalt der Besprechungen mit dem rranzöüschen und belgischen Boffchafter Bericht, über das Ergebms der Kabinettsützunv wird itren gst e s S i illschw e igen

Eine heute veröffentlichte Reuternote, betont die Not­wendigkeit einer solchen Zurückhaltung mit folgender Be­gründung: Wenn eine Lage so delikat sei. wie die gegen­wärtige. wo offenbare Meinungsverschieden­heiten beständen, könne man hervorheben. dah diese Meinungsverschisidenheiten zwischen den Alliierten nur Schaden aurichten. Es werde erklärt, dah eine Geheim Haltung niemals wünschenswerter als heute sei. Es sei zwecklos, die Tatsache zu verheimlichen, dah die Lage schwie­rig sei und dah die gegenwärtigen Besprechungen eine ent­scheidende Bedeutung haben.

Die Reuternote besagt weiter, es sei zunächst keine üLV.aokl* o u lamm enkunst zwffche-i Curzon und dem tranzosischen Boffchafter vereinbart worden. Es sei wabr- schemlich. dah Laris über gewille Punkte, die Curzon nicht als genügend klar betrachte, weitere Informatio­nen ablenden werde.

Stockholm, 4. Juli. Die Londoner Korrespondenten von „Svenska Dagbladet und „Stockholms Tidningen" melden cwb die englische Regierung fest entschlossen sei. den Mci- nung sa us tau sch mit der französischen Regierung in der ^parationsffage einzustellen und aus Grund der deutschen Note vom 7. Juni selbständig mit Sem Kabi- nett Cnno zu verhandeln, wenn nicht längstens bis zum Ablauf dieser Woche sine befriedigende schriftliche Antwort am die Fragen Baldwins an Poincars eingehe. Die Stock­holmer Prelle sieht der Entscheidung mit gröhter Spannung entgegen.

Mussolini über den Ruhrkonflikt.

Rom, 4. Juli. Mussolini erörterte im M i n' st e r - r a t die jüngsten Geschehnisse auf dem Gebiet der auswär- trgen Politik Die Lage an der Ruhr habe sich in den lebten Tagen oerschlechtert: einerseits dauere der passive Widerstand fort, andererseits sei die Besetzung ausgedehnt und verschärft worden durch Mahnahmen, die immer mehr einen volitischen und militärischen Chara» ter annähmen. Die allgemeine Rückwirkung dieser Krise die einen akuten Zustand erreicht zu haben scheine komme » den Wechselkursen der europäischen Valuten zum Ausdruck, die einschlienlich des Sterling sich sehr unaünsffa entwickelten im Vergleich.zum.Dollar. Das edelnrW ' ug r elfen d e s P a v ft e s im Interesse Europas und der Menschheit Hab« dre Lage nicht wandert Unmittelbar darauf sei eine vom rramzosischen Senat gebilligte Red« Po'ncar4r gefolgt und es ereignete sich ein Sabotage­akt, der zab.lrerchen belgischen Soldaten das Leben kostete wonach sei nicht eine Entspannung, sondern eine Ver- schlimmerung der Lage eingetreten. Was den vallivin Widerstand anlange, 'o glaube Italien, dah ?«r:ffchland kein Interesse daran habe, ihn zu. verlängern, da es nicht daran denken könne. Frankreich zu überwinden und auswärtige Hilfe zu erlangen. Man müsse die Her­beiführung von Möglichkeiten für eine Verständigung durchaus besMeunmen. da. die Ruhrfrage auf der ' euro- varschen WirtsMan schwer l:eae den W:ederaufi>au ver-

Au-iübrEn MulloUn.s aü^ Zustimmung *, de.