Verlag Langgasse 21
rtOjillAttliniS*,
«eschäftsze«: 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, außer Sonntags. _postschrcklonts: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Wöchentlich
kqngspreike: In: Verlag abgeholt.- Mk. 4800.—. in den Ausgabestellen - Mk «an — m. <r r x
6 Ausgaben.
Fernruf:
.Tagdlatthaus" Nr. «880-53.
Don 8 Uhr morgens die 6 Uhr abends, außer Sonntags. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Berliner Abteilun g des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf,
Freitag, 29. Juni 1923.
«n,ern«"n ^ inan f und Lultbarbeits-Anzeigen M.4S0.-, auswärtige !
Süüfs.«. ' "®-r- Reklamen Mk. 900 .—, auswärtige Reklamen Mk. 1400 .—fürJue etnkvaltiae
SBirtuno öu* nr*ien n rm t U,1 x “«*?' Ze'lenpreise lind stets freibleibend: Erhöhungen mit sofortiger für «n!eian?nnd mb i n Aufträgen, ohne besondere Mitteilung. Platz- und Datenvorschriften '
fü Anzeigen und Reklamen ohne Verbindlichkeit. — Schluß der Anzeigen-Annahme: 10 Uhr vorm
. dem Rathemiu-Morde gab es Optimisten, die KaMten, diese furchtbare Untat werde wie ein reinigendes Gewitter wirken und das deutsche Volk endlich zur Selbstbesinnung bringen. Sie haben sich grimmig getauischt. Jetzt, genau ein Jahr nach jenen düsteren Tagen, ist der Mord- und Zerstörungsgeist, der Selbst- vermchtungstrieb in Deutschland mit unverminderter Bosheit und Kraft lebendig. . Links- und Rschtsbolsche- wismus werfen sich gegenseitig die Bälle zu. Die blutrünstige Aktion der einen löst den Dolch- und Dynamitrausch der anderen ab.
Soll Deutschland untergeben? Gibt es keinen Halt? Jetzt ist wieder der Rechtsterror am blutigen Werke Nachdem der Fuchs-Machhaus-Prozstz einen tiefen Blick in die nationalistischen Berschwörercliguen Bayerns hinerntun hatte lasten, folgt ein „völkisch-nationales" Verbrechen dem anderen. Jeden Tag fast erlebt man eine der zwecklosen Sprengungen im besetzten Gebiet und auch wir in Wiesbaden haben am Dienstagfrüh das unsinnige Bombenattentat im Hauptbahnhof über uns ergehen lassen mästen. Noch immer wächst . die Saat jener Männer und Frauen, die — weit weg vorn Schutz! den passiven Widerstand für nicht ausreichend erklären und in wahnwitziger Verkennung der Machtverhaltniste und in vollkommenster nationaler Disziplinlosigkeit das aktive Vorgehen fordern. So „beschwört" der bekanne Rattonalverband Deutscher Offiziere die Regierung, sich über Parlament und Parteien hinwea - also unter hochverräterischem Verfassungsbruch! — an das unbesiegte deutsche Volk zu wenden, in dessen -.air der Klang der Kriegstrompete niemals feinen Zauber verlieren könne? Und die Feier für Gefallens im Ruhrgebiet wurde in taktlosester Weise zu Angriffen aus die jetzige Staatsform und auf die Reichsfarben missbraucht. So weit ist der Übermut der Rechts- fancttiker gediehen, dass sie es wagen durften, die Kreise, die zu ernster Rathenau-Gedächtnisfeier zusammentreten wollten, aufzufordern, von solchen „provokatorischen Demonstrationen" abzusehen. Und das tuen dieselben Leute, die Wallfahrten veranstalten mssen an die Gräber der Rathenau-Mörder, und die es ganz in der Ordnung finden, wenn für den Mörder Techow in „nationalen" Studentenkreisen Gelder gesammelt werden, um ihm eine Weihnachtsfreude zii bereiten! Die Geheimbünde existieren trotz aller Verbote ungeniert weiter und treiben ihr verbrecherisches Anwesen.
Das Dynamitattentat auf das sozialdemokratische Parteiorgan in Münster erfolgte am Tage des Rathenau-Mordes — cm zweifellos mit diabolischer Eewistenhaftigkeit ausgeklügeltes Datum. In München kam es zu blutigen Attacken nationalsozialistischer Horden auf unbewaffnete Sozialisten, die den verstorbenen sozialdemokratischen Patrioten v. Bollmar an seinem Todestage am Grabs ehren wollten. Und jetzt kommt der Bericht über die grausige Femetal verbrecherischer Rossbach-Leute in Mecklenburg, begangen an-dem der Epitzelei an der deutschvölkischen Bewegung verdächtigen ehemaligen Leutnant Kadow. Zugleich erfolgt die Aufklärung über den Tod des vor einigen Wochen m der Isar aufgefundenen Studenten Bauer. Auch er wurde ein Opfer der nationalistischen Feme. Der Mörder ist ein Studiosus der Volkswirtschaft in München!
Politik und Verbrechen sind hier in unlösbarem -Wirrwarr ineinander verbunden. Gerade, ehrliche Überzeugung, auch wenn sie mit starken Worten und barter Kritik verknüpft ist und in ihrer praktischen Durchführung zu unbeilvollen Wirkungen führen würde, mnss in wabrbaft demokratischen Staaten ver- krogen werden. Politisch sich gebärdende Bewegungen j^ber. die mit Dolch und Schusswaffe, mit mörderischer »eine. mit Bomben, eigenhändig ausaeführten Todesurteilen arbeiten, sind mit den Machtmitteln des Staates auszurotten. Hier darf es keine Weichheit Und keine Sentimentalität geben: und wenn dem Ge- sthe zum Schutze der deutschen Republik ein Vorwurf & machen ist. so ist es der, dass es gegen di? wahrhaft verbrecherischen, in politisches Gewand gehüllten Elemente noch viel zu sanft ist, und daß es insbesondere Mel zu milde angewandt wird svon der in Bayern Msgeübten Sabotage des Gesetzes ganz zu schweigen), ^erne Regierung darf einen Staats im Staate dulden am wenigsten, wenn dieser Eigenstaat unter völliger -Nichtachtung der Gesetz? und der Rechtsgrundlagen in Mrecherischer Aktion seine Babnen zieht. Ministe: E.eve,.ing.bat mit Recht ein Vertrauensvotum für >^"e kräftig zupackende Politik im preußischen Landtag et: ? T ten.
Die letzten Ereignisse rufen auch der Reichsregie- foflg ui- Werde hart' Greife mit eiserner Faust zu! rlchwörer- und politisch aufgezogene Verbrechernestex
pusten radikal ausgenommen werden. Die Welt weiß, daß in Deutschland ein innerpolitischer Augiasstall vor- ® ic wird einer deutschen Regierung, die rücksichtslos durchgreift und dadurch Ordnung im Innern schafst, eher Vertrauen entgegenbringen als emet Regierung, die, um nur keine innerpolitischen Krisen und Konflikte zu erzeugen, den notwendigen EntscheÄungen solange wie möglich aus dem Wege geht. Deutschland muß wieder rein werden. Prägen wrr uns die wundervollen Worte ein, die Fritz von Unruh am Eedächtnistage Rathenaus im Reichstag "usrief: „Weh' dem Volk, das an seiner Seele frevelt! Weh dem Volk ohne Flamme! Solches Volk wird untergehen!"
Aber Deutschland will und soll, nicht untergehen. Es will leben. Und darum hinaus mit den Frevlern an deutscher Seele! Frische Luft hinein und den echten deutschen Geist, der noch immer im Leiden seine wahre Größe gezeigt hat!
Me SrieMKitfMf des Msies.
Berlin, 28. Juni. Der römische Berichterstatter des „B. T." hört aus dem Vattkan, der Brief des | Papstes sowie seine reichliche Geldgabe seien auf den E i n f l u ss d e s M s g r. Testa zurllckzuführen. Der Papst sei über die Berichte aus dem Ruhvgebiet tief erschüttert. Wäre dies nicht der Fall, so hätte der Papst nicht so energisch einge-griffen. Die Aktton des Papstes scheine im übrigen mit dem Einverständnis Englands und Italiens erfolgt zu sein.
Frankfurt. 28. Juni. Wie der „Frankfurter Ztg." äus Rom gemeldet wird, macht dort die Kundgebung des Papstes zur Reparationsfrage, obwohl Italien mit inneren Problemen, insbesondere der Wahlreform be- schäfttgt ist, tiefen Eindruck. Man erinnert sich kaum einer vatikanischen Kundgebung, welche so kongret zu einem aktuellen politischen Problem Stellung nimmt Es bleibt natürlich abzuwarten, wie Frankreich das päpstliche Eintreten für ein unpatteiisches Schiedsgericht und gegen die Okkupatton aufnimmt. Dagegen wird erwartet, dass der Brief auf das katholische Belgien sowie auf Amerika Eindruck machen wird, wo die päpstliche Autorität sehr gross ist.
Paris, 28. Juni. Zum Brief des Papstes über die Regelung des Reparationsproblems schreibt das „Echo de Paris", niemals hätte Pomcar6 und die gesamte öffentliche Meinung in Frankreich etwas anderes erklärt als der Papst. Frankreich sei nicht nach dem Ruhrgebiet gegangen, um kriegerische Demonstrationen zu veranlassen, sondern um Geld einzukastieren. Das begreife der Hl. Vater vollkommen. Die ganze Frage beschränke sich also darauf zu wissen, ob es, um zu diesem Ziel zu gelangen, andere Mittel gebe als die Besetzung. Das Blatt möchte wünschen, dass es solche Mittel gebe Alle Katholiken Frankreichs, alle Fran- ! zosen möchten das wünschen. Man begreife also ohne Schwierigkeiten des Bedauern des Papstes und auch Frankreich bedauere diesen Zustand: aber Frankreich werde nach der Stellungnahme Deutschlands die Massnahmen zu ergreifen wissen, die nötig seien, damit der Widerstand aufhöre.
Das „Petit Journal" schreibt, es sei unmöglich, sich zu verheimlichen, dass der päpstliche Vorschlag darauf abziele, eine Revision des Vertrages von V e r s y i l l es einzuleiten und die Unparteilichkeit der Reparationskommission anzuzweifeln, die aus dem Vertrag ihre Existenz und ihre Machtbefugnisse herleite Da es sich um eine Revisionsfrage handle, lei voraus- zufehen. dass die meisten der französischen Katholiken bei aller schuldigen Achtung auch ferner denken werden, dass unter diesen Standpunkten von grundlegender Bedeutung ihr Standpunkt am besten mit der Gerechtst vereinbar sei. Über alle anderen Punkte könne die Meinung des Hl. Sttchles das französische Gewissen Nicht beunruhigen. Pius XI. halte die dauernde Be- jetzung des Ruhrgebietes für nicht weniger roirkunas- voll. Er ziehe andere Massnahmen vor. Das hätt- die ttanzchische Regierung fortgesetzt betont und wenn Deutschland Frankreich diese Garantien gegeben hätte hatte es nicht nötig gehabt, andere zu suchen. Der Papst halte mich gewisse ernste Kontrollmass-
!rf;- Er sei also einig mit allen alliierten Regierungen. Endlich schliche er sich der Formel einer progressiven Räumung des . ^'^ssemetes an. auf die sich Frankreich und Belgien <n Brussel geeinigt hätten. Aber wenn Deutschland Je f-vte Meinung Deutschlands das ernste
batten für die Wohltaten der Pazifizierung, e 2 c 'biren vor allen zu, die Opfer zu brin- hören * Ct für nötig halte, und seinen Appell zu
71. Jahrgang.
Rheinlands Not, Rheinlands Kampf und Rheinlands Zukunft.
Eise Mahnung des Reichskanzlers.
gn r 2uni. Rheinlands Not. Rheinlands ^b^mlands Zukunft, das war die Losung der i^iussrtzung des P r o v i n z i al l and - „ durck bie Gegenwart des Reichskanzlers nnn D ?nn tl «& € Bedeutung gewann. 129 Abgeordnete. nnrnJ^vh",-.?,? 9 ^rtreter der Rbeinvrovinz waren, waren ft!™ w' ^Spesen K).45 Uhr der Reichskanzler in Vegle:- df? Reichswlrtschaftsministers Becker im Saale er- N'°n und vom Präsidenten Dr. Jarres im Namen des Rß-i'nnroÄ^iass und der gesamten Bevölkerung der sein^-v.^ herzlich willkommen geheissen wurde. In aNNo™t 8 ■ detonte der Reichskanzler, der innerhalb Elberfeld-Barmen dreimal weilt, dass ' ^?^rn vor allem innerstes Serzensbedürb s» e <, r -’ e ? CT l habe, um Auge in Auge mit den m d-er Rhein lande über die Not zu reden, die in dE Rheinland wie auf der Reichsresie- Sl® folgten die Erklärungen der einzelnen voliti
Ichen Parteien zur politischen Lage.
mw. “" f . M^>er.Rei ch s k^ nz ler das.Wort. Er Hk
Die Einigkeit aÄr PVrLien die
kam, und der Wille zum AbwehrLamvi ni^E^m^E-Lberwaltigeitden Eindruck auf mich. Ich kann wiederholen was von mir bei jeder Gelegenheit a V^ beute wiederhole, und was. ,„^kuch pnd feierlich nochmals dokumentiert wird, weil
fi n eff_ ltt o? henug ausivrechen kann: das Rheinland
Reiche und zu Preussen muss ?"®VAeta,tet ble'wen. und kerne irgendwie verschleierte Form ntlr «‘frJi e e 1, -- n mtemotianale Gendarmerie
* - .«
es gibt keine Rheinlandfrage
deutsche Regierung; es gibt deshalb keinen Kom.
bereiten.können. (Bravo!) In dieser nimwn W o'sJJü' b J| Reicksregierun-g einig mit den Regie- m Es wird alles geschehen, wie es geschehen
Ba^ionX^ ^ m?^"tworten muß. um teinem
I nnb Freiheit und Weilerentwnkkun« zu gelben.
(Bravo!) Eines aber ist notwendig: Bedenken Cie'dah s-n!,? " " e n hleiten imendwelcher Art eine Lösung
- ^ ^tes mcht bringen werden. Wir muffen besonnen
rm Rahmen des passiven Widerstandes bleiben. Wir müssen die Waffen des Geistes, dE wir gegenüber Waffengewalt haben.
S s iU - m äfften Ende kommt. Aber noch ein werter« Ebensowenig wie es zu Unbesonnenheiten kommen b^r^^"MLtZnlab zu Kleinmut und Schwäche vor- vauoen. .Cs wurde schwer 'ein. das zu ertragen was eiim ^en wütte wenn Sie die Waffe b:s vaffivrn Widerstandes Sand geben. (Sebr richtig!) Durch die Schritte welche die Reichsreg,erung getan hat. sind wir doch wenigstens einen kleinen Schritt vorwärts ®bf?wmen: der Welt sind die Augm etwas geöffnet worden vm alle^Welt«rohen Fragen
Will Frankreich wirtschaftliche «-„Handlungen? Will es Reparationen? Wlll Frankreich "fsif/r-oneu. Ich kann Ihnen heute nicht dis Fragen bsant-
Was wird, wenn die rheinische Bevolkenma nicht willens wäre, wie das im Interesse d°r ^ Vaterlandes nötig ist. die schweren Last«, zu Ende, zu t.agen, sondern vorzeitig oen passiven Widerstand amgeben wurde? Dann wäre es um Deutschland - n, ^ts deutsche Volk nn Rheinland und den wirtschaftttchci-. ^ s'^bnhang oes Rheinlandes mit dem Reiche u.-.o P-»lcken geschehen. Dann waren alle Opfer, die zabllosen ZKran Blut und Gut. Freiheit und Eigentum. Äw ln ’blfrtif" und bobe Stelle hat die M°hm,ng>
Frieden zu machen,
Verhandlungsbereitschaft zur Erfüllung unserer Verpflichtungen, die wir vereits zum Ausdruck gebrach- mnÄ' ^Z».Eruudlage eines.Ausgleichs des Konfliktes zu Mll banken, dass dreier Schritt getan worden ist. und wr: hoffen, dass er auch auf der anderen Seite ein ^ r L-.VHr findet. Erkennt Frankreich Deutschlands Recht am Freiheit und Leöeii an und entschliesst-es sich, in v rach e mit.den Alliierten und uns. den Da.sochen Rechnung tragend, eine Loning des Revarattons- vroblems zu suchen, so wird die Derständtguna an Deutschland nicht scheitern Eine Losung des Reparationsproblems. die Befreiung deutscher Erde.
wird möglich sein, wenn Sie alle den Kanwi >o weiter- fuhren, wie er aus Ihren Kreisen herausgewachsen ist und nur von Ihnen selbst weitergetragev und -geführt werden kann, llnbeionnenbeiten von deutscher Seite, mögen ne von rechts oder links kommen, verurteile ich in gleichem S * I * * * 5 * * w>e alle Dinge, die die.Staatsautorität gefährden. Alles was Parteihader und Zwresvalt in das Volk hinein- tEN kann, muss zurucktreten hinter der grossen Frage: Wie rette ich mein Varerland? Wie gebe ich mein Alles her für mein Vaterland^ Darauf kommt es an. nicht zu zagen und zu schwanken, wenn man dies oder isnes hört, besonders wenn man in sicherer vut sitzt, sondern der Männer und Frauen zu gedenken die täglich Gut und Leben einsctzen die nicht wiffen. wenn sie morgens aus dem Saufe gehen, ob sie ??fnds wieder zuruckkehren die mit ihrer ganzen Person, ihrem Leben und ihrer Gesundheit alles hergeben für ihr Vaterland (Bravo!) Wenn jemand von Ihnen .Hurdrvck haben sollte, als ob d:e ReFi-erung sicb auben- vol'tisch vasliv und unfähig erklärte, so bedenken Sie.^ dass die Autzenvolitik nicht auf der Strasse gemacht werden kann.
Nickt einen Tag ruhen unsrer Bemühungen.
Das. werden dereinst die Akten erweisen, die während dieser Regrerungsscit entstanden stad. Weder diese Regierung noch eine arider«, wie sic auch imnrer zusammengesetzt sein mag. wird das erreichen, was sie erreichen will, wenn nicht das Volk wenn alle Kreye hinter ihren Massnahmen stehen.
