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Entspannung?
Verhandlungen zwischen den Alliierten über vre deutsche Rvparationsnote nehmen nur einen äußerst langsamen Fortgang. Das deutsche Memorandum tragt das Datum vom 7. Juni. Es ist ab-er noch nicht abznsehen, wann die Antwort der Alliierten auf dies , Angebot der Reichsregierung erfolgen wird. Zunächst bemühen sich dieAlliierten, sichKlarheit über die Ansich- ^u,der einzelnen Regierungen zu verschaffen und diese »r « » ' möglich, einander anzugleichen. Die „Aufklärungsarbeit", wie Poincarö es nannte, wird aber durch den Änbinettswechsel in Belgien anher-- ordentlich erschwert. Frankreich ist bemüht, sich die Unterstützung Belgiens in der Frage des passiven Widerstandes, wie mich in der Räumungsfrags zu sichern und Poincarä mochte eine Einzelantwort auf den englischen Fragebogen vermieden wissen. Das rn Demission befindliche belgische Kabnett seinerseits kann pch aber rm Augenblick in so schwerwiegenden Problemen nicht festlegen. So verzögert sich di'e Antwort^ Frankreichs und Belgiens nach London, je länger die ftrtfe in Belgien andauert. Es ist allerdings kaum anzunehmen, daß Poincarö diese Verzögerung sonderlich bedauert. ^
Unter solchen Umständen ist nicht damit zu rechnen, daß etwa nun die nächsten Tage die Antwort der Allnerten bringen werden. Man wird vielmehr die Fuhlungn-chme Mischen London, Paris, Brüssel und Rom fortsetzen und man wird noch manchen Versuchs- balwn aufsteigen lassen, um die Stimmung in Deutschst M erkunden. Die außerordentliche Rerven- EMng für das deutsche Volk wird sich also nicht ver- mmdern unö es muß als besonders erfreulich bezeichnet gerade in diesem Augenblick in der inneren Polrtrk erne gewisse Entspannung zu verzeichnen ist. Der Reichstag hat das Gesetz über die Neuregelung der Biotverforgung mit einer Mehrheit angenommen, die von den Deutschnationalen bis zu den Sotzialdemo- kraten reichte. Man darf das zweifellos als einen Er- Z? 5 Kabinetts Cuno buchen, denn wenn auch schließlich der Kompromihantrag, auf den man sich einigte, nicht im vollen Wortlaut derRegierungsvorlaae entsprach, so stellte er inhaltlich bis auf einen Punkt doch nichts weiteres dar, als die Vorlage, die das Kabinett Euno dem Parlament hatte zügehen lassen. Es muß als ganz besonders erfreulich bezeichnet werden, daß auch die Flügelparteien — von den Komiml- nisten kann man ruhig abfehen — dem Gesetz zustimm- ten und daß dadurch eine Agitation gegen die gesetzliche Regelung der Vrotversorgung. die gelegentlich schon drohte und die leicht zu den übelsten Erscheinungen hatte führen können, vermieden wird.
Darf man so auf eine Stärkung der inneren Front rechnen, so wird man mit Bedauern feststellen müssen daß die letzten Debatten des preuMchen Landtags nicht gerade dazu angetan waren, die Einheitsfront zu erhalten. Mit Recht hat der preußische Ministerpräsident m seiner Rede hervorgehoben, daß kein an- f”* 5 AE sich tn einem derartigen Augenblick eine wiche Debatte lefften würde. Aber auch sie hat den Vorzug gehabt, die Situation zu klären. Die außerordentlich scharfen Angriffe der Rechten gegen den preußischen Innenminister S e v e r i n g konnten von diesem leicht und mühelos zurückgewiesen werden, vmter Severing aber steht, wie aus der Rede Brauns einwandfrei hervorgeht, das gesamte Staatsministe- Num das sich auf die große Koalition stützt D-e Deutsche Volkspartei bekannte sich noch einmal gerade M-yenuber den Angriffen der Rechten zu dieser großen Koalition und damit waren die Angriffe der Deutsch- nationalen auf den Bestand der preußischen Regierung gescheitert. Fester denn je steht in Preußen die große Koalition, vereinsamt und isoliert sind die Deutsch- nationalen.
Die ungeheuere Geldentwertung der letzten Woch-n hat zweifellos die schwersten Gefährdungen für die wirtschaftliche Widerstandskraft Deutschlands im Ee- lo»ge gehabt Es ist müßig, den Gründen des tiefen -'arksturzes mit grüblerischen Erörterungen jetzt nach- Men zu wollen, denn es haben zweifellos eine ganze Aeihe von Ursachen zusammengewirkt. Die durch die -Mvebenden Verhandlungen Englands und Frankreichs Meilkg mehr oder weniger begründeten Zweifel in ® as . Zustandekommen befriedigender Vereinbarungen ^ben ein weiteres Moment der Nervosität auf dem Mdmarkt. In einer solchen Lage genügen oft Zu- i°Ue, um neue Erschütterungen der Währung hervorzu- Men. Immerhin erscheint die Frage berechtigt, ob MSkchsregierung und Reichsbank nicht rechtzeitig vor- .^»gende Maßnahmen gegen eine derartige ' kata- ^ophale Auswirkung hätten treffen können und pulsen, wie sie in der letzten Woche zu verzeichnen *' £U; ' Es wirkt nachgerade« meiKwürdig, wenn regel-
uach jedem tieferen Absturz der Mark halbamt- m^'l^Aachrichten versichern, daß die Regierung die Macht und die Mittel habe, um derartigen Erscheinungen entgegenzutreten. Da liegt doch die Frage sehr nahe warum von solchen Mitteln nicht vorher Gebrauch gemacht worden ist. Im Augenblick scheint es jo, als ob es durch banktechnische Maßnahmen gelingen konnte, die Mark wenigstens aus ihren tiefsten Tiefen etwas herauszuholen. Aber eine dauernde Gesundung und Festigung ist selbstverständlich durch banktechnische Eingriffe nicht zu erzielen. Der Bankier Melchior hat mit seiner Aussage vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß schon recht: Die Wiederkehr des Vertrauens des Ausländerin eine deutsche Wirt- iaS H e . Etive Gestaltung der deutschen Wirt- schaftsbllanz sind die einzig denkbaren Grundlagen zu einer Gesundung und Kräftigung der deutschen Währung. Bis dahin können nur die inneren wirtschaft- lichen und inneren politischen Folgen der außenpoliti- schen Eesamtlage nach Möglichkeit gemildert werden.
Eine solche Milderung wird auch jetzt versucht durch erne völlige Systemänderung in der Lohn- und Gehaltsberechnung. Leider wird die Behandlung dieses Pro- olems außerordentlich dadurch erschwert, daß sie unter schlagwortartige Formeln gestellt wird. Goldlöhne. Reallohne, wertbeständige Löhne. Jndexlöhne — so schwrrrt es bunt durcheinander, ohne daß sich der einzelne immer ein rechtes Bild von dem macht, was mit die,en Schlagworten gesagt sein soll. Es muß tatfäch- lich zunächst einmal festaestellt werden, daß die Geholter und Löhne sich weit unter dem inneren Werte bewegen, den sie in der Friedenszeft hatten. Auf Goldwert gebracht, wird der durchschnittliche Stundenlohn eines Arbeiters jetzt kaum 20 Pfennig übersteigen, das Gehalt eines höheren Beamten monatlich nicht viel mehr als 100^ M. betragen. Es müßte mit den unge- beuerliMten Erschütterungen dc? deutschen Wirtschafts- und FrnanAebens verbuken sein, wenn man jetzt ziffernmäßig alle Bezüge anf eine Höhe bringen wollte die dem früheren inneren Werte gleichkäme. Dadurch wurde insbesondere auch der stärkste Antrieb für neue gewaltige Preistreibereien gegeben sein.
Das wäre um so bedenklicher, als bei all unserem Wahrungselend doch der eine Umstand einigermaßen ausgleichend wirkt, daß die innere Kaufkraft der Mark bei. plötzlichem Marksturz doch noch eine ganze Zeitlana großer bleibt als die Bewertung, die sie valutamäßiq ^nslcmde erfährt. Auf der anderen Seite kann - Nicht verkannt werden, daß das gegenwärtige Berech- nungsjystem für Löhne und Gehälter mit den schwierigsten Unzuträglichkeiten für die Beteiligten verbunden ist, weil eine wenigstens annähernde Angleichung an den gesunkenen Geldwert regelmäßig erst dann ein- tritt, wenn diese Entwertung bereits wieder die empfindlichsten Fortschritte gemacht hat. Bei der" gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschlands erscheint vor der HaiW kein anderer Ausweg gangbar als der, daß man die sogenannten Indexziffern wesentlich ausbaut, damit sie ein wirkliches Spiegelbild der jeweiligen Teuerungslage geben, und daß man diese JndexMern sich nicht m vrerwöchentlichen, sondern in viel kürzeren Zeit- raumen. etwa in zehntägigen automatisch auswirken »atzU
Damit erreicht man ein schnelleres Anpassen der Lohne und lohnartigen Bezüge an die Entwertung und befreit das Wirtschaftsleben von den Spannungs- Momenten fortgesetzter Lohnkämpfe. Die nächsten Tage Aon müssen zeigen, welches Verfahren sich aus den Verhandlungen, die zwischen der Reichsregierunq und den beteiligten Spitzenverbänden gepflogen werben als das prakftschfte ergeben wftd!
Bm einer Begegnung Bal-mns mit foinenre.
fr , r Ä«. .24. Juni. In gut unterrichteten Kreisen er- k** Negierung einer Begegnung zwischen I nirtamiinM™ %’ ntc ® r6 [ . Nicht abgeneigt sei. Die Resie- I a ~ er ' da» ruvo.r die französische Antwort auf
al- oragebogen eintrefte. Diese Antwort hätte
MlnnftlenÄns Besprechungen zwischen den beiden
^ .dienen. Man erklärt, dab die eng- fritmöniA»*© 1 klchrntliches Memoranduni an die
tronEdmE- «esai^t habe, erwartet, dan auch die
STSO®" S? mckt bei den mündlichen Erklärun- eb^nfaN« Botschafters bewenden lassen, sondern
.antworten werde. Ferner wird erklärt.
I " emet Begegnung sich nur einver-
! EiniaunyEstebe. """ €,n< &otfnim9 ««* -ine
einer hemrrrirfii+ • o . Gaulois" schreibt, gestern sei von mfn Zusammenkunft zwischen Bald-
c die Rede gewesen. Dem Blatt er- solche Bechrechung unerläßlich, aber sie dürfte ^Estellung einer Unstimmigkeit führen, es viel mehr darauf an. daß sie eine Losung zeitige. Dazu müsse England die ' R^ierung wissen lassen, ob es das Memoran- »kzevtrert Andernfalls sei »estzuftellen.
he« 2uni. Das ..Deuvre" schreibt zu dem Stande
fPuf. Y ^?Ä^ E^glrschen Meinungsaustausches in der Ru«r- und Revaratwnsftage. rn offiziellen Kreisen in Baris Z«kde erklärt, daß die Antwort auf die englische Rote stuckwei se übermittelt werde. Dieses System sei des Blattes nicht schlecht. Man habe genug scharfe Memimgsaußerungen ausgetauscht und man möge ~!Ld te demnächstige Besvrechung. die zwischen England unausblerblick sein würde recht lorgsaltrg vmberertet wurde, denn nach dem franzMchen ^f^E hebe es min fest, daß die Politik des Dete-a-Tete ;;v . t ’+TOUani zu. keinen Zahlungen führen wurde, aber ^kur recht teuer se,. Das scheine noch mehr auf der Sand ^n . ^i§^n mr. Belgien, das schon 550 Millionen Eoldmark K^uer Priorität zu beanspruchen habe. Was L.V b a nbelangei. so wisse es zur Genüge, daß der Wirtschaftsfriede sich nicht wiederherstellcn lasse und daß der Güteraustausch nicht wieder normal werden könne, so lange nncht "ut Frankreich utet die Revarattonsoolitik einig sei. iranzosssch-engllschen Besvrechnnaen seien unter diesen llmstaich-n nicht zu umgehen. Wenn sie zr> einer Eernsamen Antwort auf die deutschen Vorschläge fü^ SttJetfellos nachgeben. Wenn Sranfreidi erlangt habe, werde es nichts mehr behindern, endlich an die materielle Seite der Reor- rationsftage heranzutreten, die einzig und in letzter Linie wirklich von Wichtigkeit sei. Es sei nicht auWlossen daß wenn derartige wie bis jetzt verfolgten ernsten Ver- baMuusen. ,n Anwesenheit der Kammer und des Senats KAg hahE würdM. ^ nur um so mehr Aussicht auf
Bermfttlungsgerüchte.
London. 34. oHrn. Der..Daily Telegravh" veröffentlicht einen, neuen .Artikel als A nt w o r tauf da s De me nt i zu seiner früheren Meldung, wonach eine neutrale Macht ZMUvnillg versuche direkte Unterhandlungen zwischen Bans und Berlin m die Wege zu leiten. Die Zeitung hält ihre frühere Mitteilung aufrecht und gibt zu verstehen, daß es ssch um die Tschechoslowakei bandle.
»Empfänge bei Poincarä.
Baris. 34. Juni. Ministerpräsident Poincarö e«iv- fing heute den französischen Delegierten bei der Rheinland- kommission Tcrard. ferner Marschall Beta in. der ihm Bericht erstattete über ferne Inspektionsreise im Ruhrgebiet
»e Hcöe Des Mffistamlets in SDnigsDeto. «|
Königsberg. 24. Juni. Reichskanzler Cuno hielt * hier in der Aula der Hindenburg-Dherrealschule eine Ansprache an die Vertreter der Behörden und die politischen Parteien, in der auf die Bedeutung O st p r e u tz e n s als die K o r n k a m m e r des Reiches hinwies und die Landwirtschaft aufforderte, alle Opfer fiir die Ernährung zu bringen. Zum passiven Widerstand bemertte der Kanzler, daß er nicht auf Befehl, sondern aus der Bevölkerung selbst heraus- gewachsen sei und ebensowenig durch einen Befehl wieder beendet weriden könne. Der Reichskanzler kündete dann noch rücksichtsloseste Maßnahmen gegen die Kreise der Bevölkerung an, die auf Kosten der Eesamheit Luxus treiben und deren Eigennutz jedem rechtlich Empfindenden die Schamröte ins Gesicht treiben müsse. Deutschland sei nicht verloren wenn es sich nicht selbst aufgebe. Der Oberbürgermeister Dr. LoRlneyer dantte dem Kanzler und brachte bin Hoch auf das deutsche Baterland und den Redner aus.
MntMfMH im 3MI. MiI>«mWU
^ Interalliierten Rheinlandkommission «eben uns nachstehende amtliche Bekanntmachungen zur Veröffentlichung auf Grund dxr Verordnung 97 Artikel 15 zu'
Bekanntmachung an die Alkoholimporthandler.
Abschuß.für Alkohol der Hohen Interalliierten Rhemlondkonmnssion bringt den Alkoholimvort- öur Kenntnis, daß mit Wirkung vom 25. Juni 19~3 ab die nachfolgenden Änderungen jitrrt Tarif der von 9*.f 1 ^ l0Tr ^ur die in die besetzten Gebiete er-
Ä" Alkohol jeder Art festgesetzten Aus- gielarsabgaben zur Anwendung gebracht werden.
. Ausgleichsavgaben:
gs ^rampP^n nnb Kognak von nicht mehr als ~ Aum urch Arrak . in Fässern und in
Mschen.-1.vv Eoldmark ie Liter , zu 100 Grad, falls der Jmvorthandler der der Zollabfertigung ein Zeugnis vor- weiit, das
1. von einem Brenner- oder Likörfabrikantensyndikat ausmstellt und in dem Herkunftsland der Getränke ein- «efuhrt und anerkannt
2 von der Handelskammer oder städtischen Behörde an dem Sitz, des Syndikats beglaubigt ist. und .. das Gewicht den Weingeistgehalt und den Rauminhalt derselbe^ festaesse^" ..geistigen Getränke angibt, sofern
0.75 Goldmark je Kilogramm falls der Jmvortbändle? dieses Zeugnis nicht vorweisen kann.
„ W«t Kognak und Branntwein aller Art von mehr als 05 Grad: 0.75 Goldmark ie Liter zu 100 Grad.
Koblenz, den 15. Juni 1923.
De r Leitende Ausschuß für Alkohol. Bekanntmachung.
m^kauf von Waren, welche auf der von der „Regie Franco- Belge der Eisenbahnen im besetzten Gebiet übernommenen »trecken liegen geblieben sind.
£ rin , n i- n l nfl gebracht daß in Ausführung der Verordmlna Nr. 171 der Hoben Interalliierten Rhein-
