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Rathenau.
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SoMttag ist em Jahr vergangen, datz Walter » rr th em,, , von feigen Mörderhänden plötzlich aus un- pr« ffiiöe gerissen wurde, aus einem arbeitsüberlsste- ttzn lieben heraus, das zuletzt nur noch eingestellt war auf die Zukunft des armen deutschen Volkes. Jäh wurden durch das unerhörte Verbrechen auch die zarten Ansätze einer Verständigung zerrissen, die Rathenau in unermüdlicher Schöpferkraft gepflegt hatte, und Deutschland, das leise zu hoffen wagen durfte, wurde aufs neue hinabgeschleudert in die Tiefe der Trostlosigkeit und des wirtschaftlichen Verfalls. Glaubten die Mordbuben und ihre Hintermänner — die man "och heute nicht kennt — wirklich, daß fie mit Rathenau einen Schädling am Volke beseitigten, datz es nach stlnem Tode besser werden würde mit Deutschland? Die Tatsachen haben auch diese irrsinnige Annahme in erschütternder Weise widerlegt. Vom 24/Juni 1932 an sank Deutschlands Stern immer tiefer und tiefer. Und wo stehen wir jetzt? Müßig ist die Frage, ob Rathenaus Wirken uns vor allem, was gekommen ist hätte schützen können. Unbestreitbar vor dem Forum der Weltgeschichte bleibt die Tatsache, daß erst Rathenau und nur Rathenau es aewesen ist, der eine basiere Atmosphäre im Verhältnis zwischen uns und der Entente geschaffen hatte, und datz er, dem auch die Gegner ob seiner überragenden Geistesgaben Achtung zollten, die gegebene Persönlichkeit war, die Deutschland uneder hätte zur Höhe führen können. Das Tragische an seinem Schicksal ist für uns, datz er Unvollendetes zurücklassen mutzte, datz fein Werk nur Anbahnung zum Aufstieg blieb. In seiner vornehmen Bescheidenheit hat Rathenau nie verkannt und immer Meder tltt Freundeskreise betont, wie sehr sein Werk mir die ersten Schritte darstellte aus dem unendlich stemrgen Wege zur Höhe empor. Mit Rückschlägen hat er stets gerechnet.
Die Rathenau mordeten, töteten nicht einen Mann fie töteten eine Zukunft. Sie handelten, als ob sie wohl- bezahlte Bravos des Auslandes wären. Und waren doch „nationale Männer"! Wie arm, wie bettelarm rst ein Volk geworden, das einen Führer, erneu Schöpfer von Ideen, eine Persönlichkeit von Weltruf mcht ertragen kann! Wie krank mutz ein Volk in weiten Teilen sein, das eine jahrelange fanatische Hetze gegen einen Staatsmann von Rang und Klang aleich- gultig über sich ergehen lasten kann, bis schließlich der künstlich erzeugte Hatz in ein furchtbares Verbrechen ausmündet! Indem Deutsche den Deutschen Ratbenau ermordeten, haben sie Hochverrat am eigenen Lande begangen, da sie dem Auslande zuriefen: Kommt her greift zu, denn dieses Land ist verloren, da es seine Trotzen nicht versteht, sondern beseitigt!
Rathenau fiel, weil er der klügste Staatsmann der deutschen Republik war. Der Hatz gegen das neue vtaatswesen siegte über das schlichte, nationale Gefühl »atz der zur Leitung des Staates Erkorene als solcher respektiert und geachtet werden müsie. Die innere Unduldsamkeit ist die schlimmste Krankheit der Deutschen- durch den Krieg und seine Nachwirkungen ist sie bis Mr verbrecherischen Tatbereitschaft wusgewuchert. Ratbenau selbst hat in seinen „Reflexionen" das Wort geprägt: „In Deutschland wählt der Patriotismus die Aggressive Form; die Liebe zum Heimischen kleidet sich m den Hatz gegen Fremdes: Mangel an Selbstgefühl und Sicherheit!" Und in der Tat: die völkischen Rathenaumorder sind keine Helden, sie sind kümmer- liche'kleine Geister, die es nicht begreifen können datz un Mann, der die Welt, ihre Sitten und Sprachen rennt, auch eine Persönlichkeit von nationaler Präauna -em kann.
. Rathenau war ein guter Europäer und zualeib 1>n glühender deutscher Patriot. Er hatte das deutsche 4>esen in sich ausgenommen wie kaum ein anderer Deutscher. Er war ein großer Kaufmann und Jn- Mtrieller, ein Mann von kühlem, nüchternen Geschästs- ustck und Organisationssinn und gleichzeitig ein Ästhet "u Philosoph, ein Idealist vom reinsten Wasser Man u>erfe einen Blick in seine Schriften und in feine Reden 'ch welche Fülle von Weisheit, von Ideen, von vor- uegmer Gesinnung, von Phantasie, von tiefster deutscher -penkart und Bildung, von feinstem Sprachgefühl leuchtet uns hier entgegen! Er kämpfte mit den Pro- ^Men der Welt und der Politik, fein ganzes Wesen
ettt Ringen nach Erkenntnis, nach menschlicher Ver- oi.kommnung, nach Durchdringung der Materie und Er Ewigkeitswerte. „Wahrheit ist innere Harmonie" .dieses schöne Wort stammt von ihm, und es entricht seinem Wesen und seinem Wirken. Weil er
Wahrheitssucher, ein Idealist und Kämpfer in Een war. darum war er diese ernste, geschlossene, Wrglonische Persönlichkeit, als die er in der Erinne- Un f! weiterlebt. Aber er war zugleich ein Taten-
Samstag, 23. Zuni 1923.
Mensch; er vergrübelte sich nicht in den unendlichen Reichtum seiner Phantasien und Gesichte, er empfand, Etz er zur schöpferischen Mitwirkung an den Geschicken seines Landes berufen war. Selbstlos stellte er sich in den Dienst der Allgemeinheit. Er glaubte an die Menschen, und er glaubte an die deutsche Zukunft, der er sein ganzes Leben geweiht hatte.
Das Vermächtnis Rathenaus wird uns für alle Zeiten teuer bleiben. In seinem Geiste werden wir ar^iten. wenn wir alle unsere Kraft einsetzen für wahre Demokratie, für den geistigen Fortschritt und für den wirtschaftlichen Wiederaufbau unseres Vater- jandes. und wenn wir mit ihm. unverbrüchlich glauben an oie Zukunft Deutschlands, der er. ein Pionier und Bahnbrecher, vorgearbeitet hat mit der ganzen inbrünstigen Kraft und Wärme seines Wesens!
Eine Erinnerungsfeier.
.„ 22- Juni. Für die am Sonntag im
1, 1 : 5 L a 9 !ür den erschossenen Reichsminister Dr. Walter Rathenau stattftndende Erinnerungsfeier ist folgendes Programm vorgesehen: Die Gedächtnis- Ji". 1 }, halten Konrad Höhnisch, als Vertreter des Präsidiums des Deutschen republikanischen Reichs- bundes, und Reichsminister a. D. Dr. Preutz. Den konzertlichenTerl hat das PhilharmonifcheOrchester übernommen, Ilm 3 llhr nachmittags erfolgt die Kranzniederlegung am Grabe Rathenaus in Oberfchönweide.
Eine Verordnung des Reichspräsidenten gegen die Devisenspekulation.
re-,, „£2- 3uJtt. Der Reichspräsi de n t bat aui
ord'u'r?nL erlassen' Reichsoerfassung folgende Der -
mif Reichsmark oder Wertpapiere jeder Art, die
b-wien m In- und Ausland nur ‘mzhn , und öatderiittgeil in iv'lcmdrsÄer
(8 I^AvI. 2, 3. Bl. 1. 2. 3. S. 275) erworben oder Sn fat&t: fat bte eme etliche Notierung in
o m ok«r dir Veräuherung ist nur zu dem
* 1 ® c n ^ u r se des Tages des ÄesckjästsadT<^*Xxtsses öu dem Geld- oder Briefkurs oder einem da- ^^enllegenden Kurs zulässig. Eine amtliche Notierung vorliegend angesehen, wenn in der be- ireffendrn Wahrunig am Tage des Geschäfts eine amtliche Tm« 111 !« dbs Kurses der Auszahlung stattfindet. An den afvUnii« Notierung der Auszahlung
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amiltcö« Kurs votiert wird. Wird ein solcher Kurs beson- er lediglich ,für Geschäfte in Banknoten. -M Kleinverkeh'. sind Umsätze bis zu 5 Pfund Sterling oder
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„ - § 2. Geschäfte, die. gegen die Vorschriften des § 1 «r- stotzen, swd nrchng. Die Nichtigkeit kann nicht zuv Nachteil von Personen geltend gemacht werden, die den die Nichttg- St Sen " Safealt bei Ahschluh Ls Geschäftes
.8 .3. Mit E e f ä n g n i s bis zu drei Jahren und Eeld- strafe im zehnfachen Wert der ausländischen Zahlungsmittel und Forderungen oder Mit einer dieser beiden Strafen wird r ? er ^ eTt .Vorschriften dieser Verordnung zuwiderhandelt oder zti etner solchen Zuwiderhandlung aufforderk anrerzt oder sich dazu erbietet. Neben der Strafe können -.re Zahlungsmittel und Forderungen, auf die sich die strafbare Handlung bezieht.- zugilnlten des Reiches eingezogeu IDCnn U Täkr °^ r einem Teilnehmer
Erweist sich die Einziehung als niche durchführbar in kann das Gericht nachträglich durch Beichluh die Einziebuna "des Wertes anordnen. Zur Feststellung des Wertes der Zahlungsmittel und Forderungen ist. io weit eine amtliche Kursnotierung an der Berliner Börse erfolgt der mtttt-r" Kurswert dieser Börse im Zeitounkt^der^^ verbotenen Hand- iskf legen. Ferner kann angeordnet werden LnntgSKng auf Kosten des Verurteilten Ä
..., 8 4. Der Reichswirtschaftsminister ist ermächtigt. Aus- suhrungsbestrmmungen zu dieser Verordnung zu erlassen.
8 o Dre Verordnung tritt mit der Verkündung in Kraft.
Die neue Stützungsaktion der Mark.
Berlin. 22. Juni. Wie d:e ..Zeit" erfährt.'wird dt» neue Stützungsaktion der Mark m:t der Bekcu'.ngabe der neuen Devifenverordnung. zu welchem Zweck die Banken der Reichsregierung erneu hohen.Betrag von Devisen lsibweise
Plan der Gold-
n leihe ist noch mcht Uber das ^tobtunt Ser Errvchqurrg bnraus gediehen. Aus der Tatsache, datz Reichsbankvräüchitt H avenstein soeben seinen. langst iestgelegten Sommerurlaub ongetreten hat. wird ,n einem Te’l der V<-esm ae-
^ --.'EL«:
Die Schaffung wertbeständiger Löhne.
Berlin, 23. Juni, Gestern hatten, dem ..Vorwärts
71. Jahrgang.
ü«lge^dV'SvHiweDid^r«r' frewm' 'MuichenO^ H i rjch- Dunckertchen Gewerkschaften an Sand eines vorliegenden Planes eme gemeinsame Aussvrache über wertbeitändiger Löhne. Es ergab sich Ei n i ak n , vrakrische Behandlung der Frage »c e ' . über die
Me Mlmi MW» ImlkM M» Selzlea.
Konzessionen Poincarös?
Paris, 22. Juni. Der „Matin" bemerkt entgegen der Annahme der belgischen und französischen Presse, datz das belgische Ministerium keine V e r- ?:£>.* v' or t l i ch k e i tsür die Beantwortung des englischen Fragebogens übernehmen könne, solange dac neue Ministerium nicht gebildet sei. Gewiß sei die wegen der Flamenfrage entstanden, doch gingen m Brussel Gerüchte um, die auf ein Kompromiß m der Frage der militärischen Dienstzeit abzielten. Der neue Ministerpräsident könne also gezwungen sein, gewisse Konzessionen zu machen, die die allgemeine Politik beträsen. Man müsse also, solange das neue Mmisterium noch nicht gebildet sei und solange es noch nicht die großen Züge seiner Politik festgelegt habe, annehmen, datz die Haltung Frankreichs und Belgiens in der Reparationsfrage vollständig iip3enau bleiben müsse. Trotzdem glaubt die ,.Ere Nouvelle" von einer Einigung sprechen zu können, die zwischen Paris und Brüssel nicht ohne Schwierigkeit erfolgt sei. Po incarö habe n a ch g e b e n müssen und man habe sich zu folgenden Konzessionen hinsichtlich des passiven -Wider st ct ndes bereitfinden müssen i
1. Zurückziehung der Truppen aus den Zonen, die nicht im Plan vom 11. Januar vorgesehen waren.
2. Organisierung eines militärischen Schutzbündnisses, um die Sicherheit der Besatzunas- behörden zu gewährleisten.
3. Einige Begnadigungsmatznahmen gegenWer den Aufrührern aus dem Arbeiterstande ^
4. Ein Abkommen über die Zurückberufung der Aus gewiesenen, die den Befehlen der deutschen Regierung Folge geleistet haben.
5. Schaffung einer Sonderkasse, die für das Konto Deutschlands die Kohlenfteuer einzieht, die je- ovch unter französisch-bebgischer Kontrolle stehen soll
Das Blatt gibt selbst zu, daß die deuffche Regierung sich mit diesem Programm nicht zufrieden^ geben rönne.
Keine deutsch-französischen Verhandlungen.
Paris, 22. Juni. Das „Journal des Döbats" veröffentlicht folgende offenbar beeinflußte Mitteilung: Die ausländische Presse, insbesondere die britische, veröffentlicht m bezug auf über die R e p a r a t i o n s- f r a g e und die R u h r b e s e tz u n g eingeleiteten Verhandlungen mehr oder weniger- phantastische Nachrichten. Ein Londoner Blatt habe behauptet, die französische Regierung hätte von der deutschen Regierung durch Vermittlung einer alliierten Macht Vorschläge erhalten, die zum Ziele Hütten, Verhand- lungen mit der deutschen Regierung einzuleiten Dw,e Nachrichten sind unbegründet. Kein Vorschlag dieser Art ist in Paris eingegangen.
Der sächsische Ministerpräsident für Aufgabe des passiven Widerstandes.
Dresden. 22. Juni. Nach einer Meldung des „Lokalanzeigers" soll Ministerpräsident Dr Zeiger in einer Rede über die politische Lage u. a aesoot haben, es sei Zeit, den p a s s i v e n W i d e r st a n d im Ruhrgebiet aufzu geben und bedinaungslos zu Beryandlungen zu kommen. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle erklärt, datz der Ministerpräsident das Wort „bedingungslos" nicht brauchte, auch nicht dem Sinne nach — Im übrigen trifft die Darstellung des Blattes zu. __'
Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs pon Hamm bis Dortmund.
Berlin,^22. Juni. Aus dem Rubrgebiet wird gemeldet.
>• l ’o re 12abe des Babnbofs Dortmund gestaltet nm oii> Lebensmlttelzvfuhr etwas günstiger: beute frub liefen auf dem Babnbof zwei Milchzüge ein.
, , -Sn der Ostgrenze des Einmarschgebietes ist der Eisei'- babnvertebr van Hamm bis Dortmund wieder auf- genemmen worden. Die Bahnhöfe Vorhalle und V o l l- marstein find von.den Franzosen w’eder geräumt wor- ' den. Der Betrieb wird von deutscher Seite wieder nui- genommen.
Die Reichsbahnverwaltung hat die Zufuhr von Lebens- Mitteln nach dem Einmarschgebiet neu organisier ».indem sie em dichtes System von ringförmig liegenden Zugvor- bahnhofen im unbesetzten Gebiet an der Grenze de- EinmaMgebletes verstärkt hat. Die Lebensnnttel werden von diesen Bahnhöfen, aus mit Lastautos und anderen Be- forderunssmitteln weitertransportiert.
-Zur Beschlagnahme der Zuckervorräte.
Mainz, 22. Juni. Zu der bereits m-tgeteilteii Beschlagnahme .von Zuckervorraten in Zuckerfabriken der $Kn“ e s- Ebbten Gebietes berichtet i-7: die Beschlagnahme von dem Vo'-
sttzenden der Interalliierten Rheinlandkommisslnn Ti-ard angeordnet worden sei weil die deutsche Regierung Vi- er Zuck-Ä.eserung von 22 000 Tonnen nicht nachge-
