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Setlag Sanggaffe 21

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Nr. 113.

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Donnerstag» 24. Mai 1923.

71. Jahrgang.

Bonar Laws Erben.

Da, Erbe, das der Rachfolger BonarLaws. Stan­ley Boldwin. übernimmt, ist kein ganz leichtes. Von «ßrn treten die großen Probleme mtt unverminderter B^rrohlrchkeit an das britische Reich heran, rnr Innern find die Parteien in voller Umschichtung begriffen Die MrqchasMche Zukvnst des Landes ist. trotz der Augen- sSflExkime aus dem Ruhreinmarsch, nach wie vor Mkstcher. Der Augenblick ist eben noch nicht 77 und wie fei Donar üaws Amtsantritt erst recht mcht kommen, der es dem Reich erlaubt hatte, weltpoli^jch

e efflam auszrchnnmen mrd sich in Ruhe den Wffgabeil ^inneren Kräftigung SU widmen. Die Erkennt­nis dieses Fehlers hätte das Kabmett Bonar Law — te »i” S m W«* mit dem *«flM «"» LSch-ln- I* ,«»i«ft-', >«? I«wt» di- J*| Weltreichs geleitet hatte — ttt abschbarer Zeit auch dann uwhl zu Fall gebracht, wenn der Ministerpräsi­dent von Krancheit verschobt geblieben wäre.

Der Vorgänger. Lloyd George war ja nichtdarnm gestürzt worden, weil seine Politik für das Gefühl des tatsächlich etwas ermüdeten englischen Volkes zu viel- geschäftig, sondern weil sie unruhig, ohne wirkliche Tatkraft und zum Schluß mit mancherlei Mißerfolgen belastet war. Man verzieh es dem glanzenden Dikt^or von einstmals nicht, daß er die Niederlage der Griechen im Orient zu einer Niederlage Englands hatte werden lasten, und daß er die Gefahr eines neuen Kriegs sehr nahe kommen ließ, ohne mtt seinen drohenden Gebär­den mehr als die Minderung des englischen Ansehens zu erreichen,' daß endlich (eine vom englischen Stand­punkt allerdings geringere Sorge) die Reparattons- frage nicht vom Flecke kam. Überdies hatte inner- polttfich der Zerfall der Koalition die Grundlagen der

^E^^^ll^machte den Wunsch nach „Ruhe" erklär­lich. war aber nicht dazu angetan, ihm nachzugehen. Bonar Saws Unbeweglichkeit bewirkte nur, daß die Abel der letzten Lloyd George-Zeit sich abwandelttn. rchne sich abzuschwächen. Die Türkenfeindschaft des vorigen Jahres wurde durch die noch gefährlichere Riustsnfeindschaft abgelöst. die Unruhe an den Darda­nellen kehrt von einer anderen Seite, doch unvermin­dert wieder, das Übergewicht Frankreichs m Europa ist nur noch größer geworden, im Innern wachsen me Kräfte einer liberalen Opposition um einen Kern, der Lloyd George heißt.

Drsten Zett ist allerdings noch nicht gekonrmen Der näöjfte Nachfolger Bonar Laws. Stanley Baldwin. findet unter erschwerten Bedingungen die ölten Aus­gaben vor. Im Orient mästen dauerfahige Derhalt- rcisse gÄfLrsfin werden, die Beziehungen MM Sowset- reich muffen eine Klärung erfahren. F«n^eichs drplo- m-Asche Übermacht muß gemWert. die R^Ettons- frage muß gelöst werden. Erst wenn dies «ll^^tan ist, wird England sich wieder ern „ruhiges Kabmett gestatten dürfen?

In Dsnffchlaffd wird man gut tun, di« werttre Ent­wicklung in England mtt Ruhe a^uwatten. Baldwin ist als Schatzkanzler rasch zu Ansth-n sekommml^Er hat jenes Schilldeimbkommen mtt Amenka getroffen, das eine Tilgung der englischen Schien «n Amerika in 62 Jahren vorsieht. Innerpolrtffch rst er strammer Konservativer, und die Franzosen ^ 5 " von erner Reaieruna Baldwin eine völlige Wieder anftichtung der Enre^te Ob sie sich darin nicht tauschen werden kann heute natürlich niemand sagen Aus f-den Fall wird der neue Premier englische Politik tteiben, und wenn die englischen Interessen es erfordern, wird man je nachdem entweder noch naher an Frankreich Heran­rücken oder Deutschland Ratschläge erteilen, die für uns schwerste Opfer bedeuten.

Ar IMIM des wfflira gaöiaetfs.

9 otthcn 23 Mai. Wie gemeldet wird, macht die Neubildung des Kabinetts weitere Fortschritte. Baldwin erklärte heute nitttag, er hoffe, sem Kabinett bis Freitag zusammen zu haben.

Wer endaültige E r n e n n u ng e n stehen fest: Es bleiben Cur/on Außenminister, Derby Kriegs- mln^Lf's«'.uni, «i„°n Hauptttnpeikscher. . .

SenSlüton -ut-l»- ?* “S ? 1 J§ So tue. der m°rg-n m L-ndm, »»

Sckxrük analer bleiben wrro. yteil f vHssen

N-E-L-I- im Ä’S

SSSMSSUTÄ ÄÄ ssffö

der wahrscheinlich Curzon den Vorsitz suqrt.

Am Montagvormittag wird eine S i tz u n g der konservativen Parier E^ehalte. werden, in der Baldwin zum Führer d Partei gewählt werden soll, und zwar vor der Wie­deraufnahme der Sitzungen des Parlaments am M tagnachmittag. Lord Curzon soll zu den ersten gehört haben, die anerkannt hätten, daß d^ Pr minister Mitglied des Unterhauses sern muste.

. Die Pariser Preste über Baldwin.

Paris. 83. Mai. Die Morgenoreste reist fick über den bisher verbältnismätzi« wenig hervorsetretenen enMEe, Premierminister nicht senusend unterrichtet, um weiter gehende Schlüsse für die Yinitise Gestaltung dn enmum^ Politik zu ziehen. Immerhin tritt zutage. dab dw mevrhao der Matter die Premierschaff Baldwins gegenüber erne

Premier schaff Curzons vorriebt. AnLen-

Welckes wird, ffagt der...Petit Parrsten . die UMen Politik des neuen Premierministers sein. WelchLSal, wird er Frankreich gegenüber einnchmen. . Dre EreisniU allein werden es zeigen. ..Man wetti. bah er nicht » ^ fälligkeiten dem bollÄewikischen Ruhland M«nubN sme.^t ist. Ebenso weih man. da«, er die Entente mit Frantremi genau so aufrechterbalteu wird wre Bonar Law. B^iN er eine Anstrengung macht, wird es zu dem Zweck sern. UÄ uns

3U "Ä^'Echo de Paris« schreibt: Gewisse Ameichen lasten vermuten, dah Baldwin di« R e v a r a t i 0 n s f r a g e - wenn er sich selbst überlassen wird, mehr als Mann des Schatz' amtes anvacken wird, beim als Ala.nn des Foreisn Offne, dem beffnders an dem politischen Einsatz der Partien negt. Aber das ist nur ein Eindruck, bei dem man sich ^»iellerch. nicht zu lange aufhalten darf. Allerdings darf man an- nehmen, datz der neue Premierminister, der auf dre Autzew

politik wenig eingespielt ist. die srohte Ruckstcht cmf die Rat-

schlage nehmen wird, die d^r Leiter, matie erteilt. Dieser Ehef des. Foreign Office wird mäch­tiger als je in seinem Ministerium sein, wenn er Curzon be-ht.

Begeisterung in Amerika.

Baris. 23. Mai. Nach einer Meldung des ..New Bork Serald" aus Washington ist.die Ernennung Valdwins zum englischen Premiiermlnlster m Weihen Saus mlt Be­geisterung ausgenommen worden. 2n off.ziellen Kreisen glaubt mau. dah sich die Bereinigten Staaten zu diesem Ereignis zu beglückwünschen hätten.

Überreichung der deutschen Antwort in der nächsten Woche.

Berli«, 23. Mai. Wie gemeldet wird, ist die Über­mittelung der deutschen Antwortnote in der michsten Woche zu erwarten. Die Beratungen sind noch nicht abgeschlossen. Der Reichskanzler hat bisher die Führer der Parteien und der Industrie nicht empfangen.

Deutsch-englische Besprechungen?

London. 23 . Mai. Iber wichtige „diplomatische Be­sprechungen zwischen d«m deut>chen. Botschafter m London. Dr. S t b a m e r. und dem englisären Auswarrrgen Ami einerseits und dem englischen Botschafter sv Berlin. Lord d'A b e r n 0 0 n. und der Relchsregterung. andererseits we'h .Wall Mall Gasette' zu berichten. Die Verdatungen hätten fich auf das neue putsche Revarattansangebot be­zogen und ihr Ersebuis bestehe darm,. dah .das neue deur- ?<fe Angebot Anfang nächster Woche Übersicht werde. u«d zwar, wie Dr. Stbamer Lord Curzon versichert habe, m den bisher <ils unmreichend b^eseiÄneten Punkten viel g e - nauersormuliert. ^

Bekanntlich ist vor »emw lagen von der deutschen Regierun« erklärt worden. lmtz Ruckfrageii m London nicht stattgefunden haben. Diese Erklärung besteht noch beute zu Recht, so dah man daran am besten die Richtigkeit der obigen Meldung bewerten kann.

Lloyd George für die deutsche Rote.

London. 23. Mai. Seitdem Lloyd George die Zügel der Regierung anderen Händen anvertraut bat. ist er unter die Schriststcller g-egav^en. Der Schriftsteller 2loyd Georse r-t der schärfste Kritiker des Premierministers Lloyd George. In seinem neuesten Artikel findet er schaffe Worte segen das Rubrabenteuer. Er bebt hervor, dah das Krupp-Urteil >>i dem Auaenblick gefällt wurde, wo Deutschland seine .An- gebotsnote batte ergehen lassen. Dcmn erläuteff er ni über- ^? °bjektw» Weise Nche^An^gebo^und^er

LlcSÜen dürfen, weillnchm der VorWag des amerikani­schen Staatssekretärs Hughes auf Einsetzung einer mtrr- nationalen Sachverständigenkommissionl enthalten war Ll°i>d George hält diesen Porschlas. für richtig und wendet sich aeaen bie rücksichtslose Gleichgültigkeit Mit der ihrl die aMieffen Regierungen behandelten. Lloyd George erNart. dah ein solcher Vorschlag von Amerika dock unmöglich eine W»ztziaiina für die Würde Frankreichs und Belgiens sein Nne ^e/ fetont auch, dah dieser Vortzchlag in Wahrfett nicht ga^n den Bersailler Veffrag ist. sondern seme Wieder­herstellung bedeutet.

Blutig« Kämpfe »n Geilenkirchen.

Die Bedeutung de< deutschen Reparatiousangebots.

«-plni 24 Mai. Die Summe von 3 0 Eold- n, i 1 1 i a r b e n die die Reicksregierung der Entente als Reparationssumme angeboten bat. wird in ihrer Bedeutung „nteffchätzt Um einen richtigen Begriff zu be- ^mm-n wie erheblicher Teil des deutschen Volksver- mögens'diese Summ« darstellt, sei erwähnt, dab der. Wert «♦Umten deutschen St eIn koh l elis 0 rde- runo 8 im Jahre 1913 nur rund 1.7 Milliarden Matt betrug. Da." deutickn Angebot bat also den Machen Wert der letzten ' ^uttchni^ ^orkrugsförderung an Steinkohlen. Der Wert der gesamten Steinkohlenind'.lsttie überhaupt ist auf. 4 Eold- miNiantzeu der Kurswert amtlicher deutscher Aktieiigeisell- iÄLr ^f Sch Eoltzmilliarüan (Eiche 19221 geschätzt worden.

Gelsenkirchen. 23. Mai. Im Laufe des heutiüen Tages kam es hier zu schweren Ausfch-rettungen und im Anschluß daran zu blutigen K a m p f e n Nluhdem Muster des Vorgehens in einigen Landorttu des Kreises Esten begann heute morgen auf dem F l e i s chmar r l die gewaltsame H er absetzun g der Preise für Fleisch, Fette und Fische. Der Martt wa- , vo^ einer außergewöhnlich starken Menschenmenge besucht Im Anschluß hieran drangen Teile der Demomtranten in innere Teile der Stadt und versuchten hier die Horabsetzungder Preise einiger Lebensmrttel- geschäste durchzuführen. Inzwischen hatten aber die meisten Eeschäftslokale ihren Betrieb geschlossen. In den Geschäften, in densn int Abordnung, die sich „Rom- Mission« nannte, die Preise herabsetzte, rmrrden die Waren innerhalb einer Stunde verkauft. INMischeu waren, da die Bewegung immer drohenderen Eharak- ter an nahm, sämtliche Feuerwehren der Stadt und der Industrie alarmiert worden.

Gegen Mittag zeigte sich folgendes Bild: Den ver­einigten Feuerwehren und dem Selbstschutz war es ge­lungen. die dem Polizeipräsidium anliegenden Straßen von den Demonstranten zu säubern. Kurz nach 3 Ahr sammelten sich gewaltige Menschenmvssen. vom Bahn­hof kommend, die immer mehr Zustrom aus einzelnen Stadtteilen und aus der Umgebung erhielten, an. Mittlerweile war bekanntgeworden, datz die von den K 0 m m u n i st e n in den Krfftallpalast einbernfeM Versammlung nicht statffinden solltt, da die Zu­trittsstraßen gesperrt waren. Plötzlich kamen mehrere Hundertschaften der Kommunisten, die mit Stocken und anderen „Waffen« versehen waren, vor und mrschttn sich unter die Menge am Hauptbahuhof. Als m die­sem Augenblick ein Wagen der Fenevwchr voruber- fuhr, wurde er demoliert, ebenso ein Wagen der Straßenbahn. Darauf entwickelte sich eine große Sckiießerei. Von wo aus die Schüste gefallen find, wurde noch nicht festgestellt. ^

Gelsenkirchen, 23. Mai. Die Unruhen dauern an. Die Kommunisten haben das Polizei­präsidium besetzt. Bei dem Sturni wurde Feuer an das Gebäude gelegt. Die Kommunisten stürmen jetzt einzelne Wirtschaften und Läden. Nach bisheffger Feststellung wurden bei den heutigen Unruhen fünf Personen getötet und 56 verwundet. Von den kommunistischen Verwundeten sind etwa die Hälfte Auswärtige, die zur Verstärkung der proletarischen Hundertschaften nach Gelsenkirchen gekoimnen waren.

Berlin. 24. Mai. Nach den Morgenblättern ist es in Gelsenkirchen bei dem Kampf mit den Kommunisten auch zu einent Zusammenstoß zwischen den Fran­zosen und der Feuerwehr gekommen. Durch ein nahe an die Hauptwache heranfahrendes Auto glaubten sich diese bedroht und gaben eine Salve in die Luft ab.

Der Streik i« Ruhrgebiet.

Dortmund, 24. Mai. Hier erfolgt ein außergewöhn­lich starker Zuzug von Arbeitern und man befürchtet infolgedessen Ausschreitungen der Streikenden. Der Magistrat der Stadt ermahnte deshalb in Mauer- anschlägen die Arbeiter, sich durch die augenblickliche Lohnbewegung nicht durch gewissenlose Hetzer zu poli­tischen Zwecken mißbrauchen zu lasten. — Die Bau- und Holzarbeiter haben sich den Streikenden an ge­schlossen. Auch eine Anzahl weiterer Zechen find in den Streik getreten. Die bisherigen L 0 h n v e r- bandlungen haben zu keinem Ergebnis ge­führt.

Dortmund, 23. Mai. Die Streiklage ist unver­ändert. Heute nachmittag fanden auf dem Han,a- platz Mastenversammlungen der Kommunisten statt, in denen Wr restlosen Durchführung des^Stteiks aufge­fordert wurde. In der Stadt ist es übrigens bisher ruhig. Die von den Gewerkschaften mit den Arbeit­gebern geführten Verhandlungen haben bis jetzt noch zu keinem Ergebnis qefübtt. Neue Verhandlungen finden in den nächsten Tagen statt. Auch im Bochumer Bezirk sind einige Zechen in den Ausstand getreten.

Dortmund, 23. Mai. Im Bochumer Bezirk sind die Belegschaften der Zechen „Residenz« I und l l, Bruchstraße und „Heinrich Gustav« in den Ausstand, getreten Man befürchtet für morgen, daß auch die' Belegschaft des Bochumer Vereins sich dem Streik an- -chließt.

Die Lohnbewegung im Bergbau.

Esse«, 23. Mai. In einer Versammlung von Ver­tretern der vier Bergarbeiterverbände wurden die Lohnerhöhungen als unbefriedigend bezeichnet und an den Reichsarbeitsminister das Er­suchen gerichtet, bis Ende Mai neue Lohnverhandlnn- gen amnsetzen.