Samstag, 18. Mai 1923.
Wiesbadener Tagblatt.
Nr. 118. Sette 2t
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ssftngstbräuche.
Von Ernst Smithauders.
Bei den Gebrauchen der Pkingstzeit unterscheiden wir solche, die ursprünglich mit dem ersten Maitage verbunden ' " ----- - - ~ " Mastfestes selbst
fast unmöglich, ngeren Zeit-
waren. und solche, die sich an die Tage des an lehnten. Eine scharfe Sonderung ist jeä Die Festesfreude dehnte sich eben über er ramn aus und fand ihren Höhepunkt und
Festesfreude dehnte sich eben über einen ik _ .
,.m aus und fand ihren Höhepunkt und gleichzeitig ihren Abschluß erst in den hochseierlichen Zeremonien der Jobanms- nacht am 24. Juni.
Den Schlüssel zu sämtlichen Maigebräuchen unserer Vorfahren wird uns der folgende Gedanke geben: Am Osterfeste war der lickte Gott des Sommers wieder in fein Reich und Erbe einsezogcn: er hatte den Winter besiegt und die Erde von ihren Fesseln befreit. Nachdem dies geschehen ist. wirbt der herrliche Selb um die Solde. Dankbaren Herzens gibt sie ftch am ..Maientage" dem ersten des Monats, ihm zum Eigentum. Der erste Mai M demnach das Vermählungs- fest von Simmel und Erde, des Sonnengottes und der alles- zeusenden Beherrscherin des mütterlichen Bodens. Diese Lochvoetifche Auflassung des klingt bei einem Dichter des denn Lösau stngt vom Mai:
„Dieser Monat ist ein Kuh.
Den dtt Simmel gibt der Erde!'
Allüberall tritt uns die Lust der Maien in eigentümlicher Gestaltung entgegen. Im Württembersifchen.hat fast jedes Städtchen eine kleine Stiftung au einem jährlichen Feste für die Jugend. In Nürtingen z. B. zogen die Kinder m Prozession durch die Strafen. Merkwürdigerweise sangen ste bei diesem Umzug manchmal ein Totenlied. Wer gedenkt
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Friiblingslebrns der Natur 17. Jahrhunderts noch nach.
dabei nickt jener beiden Kölnischen Ritter, die beim Durchreiten der sommerlichen Seide plötzlich so gewaltig von dem Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irischen ergriffen wurden, daß ste an der nächsten Klostertür anvochten. Lanze und Roh draußen lieben und als demütige Konventuale in den Konvent eintraten? Oft aber erklangen aus den Gasten Nürtingens die einfachen innigen Verse aus Paul Gerhards Sommerliede: ..Geh' aus mein Serz und suche Freud!
Als einst nach der Aussiebung des heiligem Geistes die Zeugen Christi zur Erfüllung ihrer Avostelvflicht stch anschickten da waren ste des Kampfes harrende Männer. Die ganze Geschichte der Kirche ist ein Kiamvf: das Evangelium hat in Wahrheit das Schwert gebracht. Diese Gedanken muhten unsere Altvordern sehr wohl aufrufasten, wie sie denn mit Vorliebe den Erlöser als einen Seerkönig in der Mitte feiner Degen stch vorstellten. Wir dürfen uns danach nicht wundern, wenn die durchgehende Idee der Pfingstfpiele d.e eines Kampfes ist. Der Besiegte verfiel dann dem Svotte. dem Gelächter. Daher auch so viel Scherz und Mummenschanz in der Feier des Pfingstfestes!
Bis zum Jahre 1856 hatte stch in Pfaffenhofen. Oberamt Brackenbeim. das sogenannte Eauchgericht erhalten, das alljährlich am Pfingsttaae abgehalten wurde, um faule und nachlässige Einwohner dem Spotte auszusetzen. Nachdem die Bürger vor dem Rathaus versammelt waren, wählten ste einen Schultheißen und Büttel, sahen dann zu Gericht und verteilten die Ämter. War ein junger Bürger als nachlästiger Haushälter bekannt, so wuvde ihm das Faulamt. und war einer als Langschläfer berüchtigt, das Schlafamt übertragen, ufw. War aber einer bekannt, der über Weibe: aibeit feine männliche Beschäftigung versäumte, so muhte er zwei Mah Wem auftifchen oder in die Lade schwören. Zum letzteren hatten es bis 1586 nur zwei Bürger kommen lasten. Dabei sollen derart garstige Auftritte vorgekommen sein. dast Herzog Christovb das Gauchgericht als „leichtfertigen alten Brauch" für immer aufbob. ^ ,
Die neckische Pfrngstlustbarkeit der Seilbronner babe ich bisher nicht erklären können. Zu Heilbronn wurden noch im Jahre 1806 die KiiHe. die der Hirte am Pfingstmontag austrieb. festlich, und zwar menschlich geschmückt. „Da sammelten sich", io liest man in einem alten Bericht, „die Kühe auf der Strahe. geziert mit noch gangbarem oder bereits veraltetem Modestaat des schönen Geschlechts.. Eines der Tiere trug auf,den Hörnern einen Stroühut. ein anderes eine Haube, ein« Perücke, einen Cbisnon. jenes ein modisches Netz, einen Schleier, eine Schärpe, einen Eul de Paris, einen Blnmenstranh. An dramatischem Leben fehlte es nickt. Hier stieb die eine der anderen mit dem ungeheuerlichen Hut ins Äuge. Ergrimmt frchr diese auf. Ein rasch geführter Hom- stoh vernichtete das elegante Gebäude der Putzmacherin zu traurigen Trümmern. Dort irah die eine der anderen den
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Blumenstrauh von den Hörnern oder vom Schwam«. : hier trug die Bieste mit vumofem Gebrüll den Ehig ihrer Schwcster. der Schwarzen, im Maul.
Es würde zu weit fuhren, hier auf die Pfurgstreste der Schützenbrüderschaften einzuyeben. so interestamt auch eine Darlegung der alten Gebräuche dieser Gesellschaften sein würde.
Ein Rest sehr altertümlicher und bedeutsamer Sitte hat sich in der Mark Brandenburg erhalten. Hier umziehen in einzelnen Dörfern Pfarrer. Lehrer und Schüler zu Mussten die Saatfelder und beten um reichen Erntefegen. Mag der Umgang auch eine Erinnerung an die alten katholischen Prozestionen sein, so ist doch immer der Zeitpunkt bemerkenswert. zu dem es geschah: die Himmlischen, denen selbst me „hohe Zeit" ihres Waltens und Daseins gekommen war. muhtzrn der zu ihnen aussteigenden Bitte ja besonders gnädig fein! In Gegenden, die dem römischen Bekenntnis huldigen, finden daher auch heute noch zahlreiche Prorestionen zur Pfingstzeit statt.
Berühmt ist der „Blutritt" zu Weingarten in der Diözese Rottenbur«, jene eigenartige Reiterprozemon. die stch alljährlich am Freitag nach Christi Himmelfahrt, dem Bluten der
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Begleitung einer Beteiligung des
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von der prächtigen Weingartner Klosterkirche aus Strahen Weingartens und über Feld bewegt, unter en Anzahl von Reitern und
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Fluren und Feldfrüchte herabzufleben. Während anfoertD-ärts bei dielem Bittgang mit
der Segen nach
. einer Partikel des Kreuzes Christi
rlefung von vier Evangelien gegeben wird.
erteilt in Weingarten ein Priester, der zu Roh eine Reliauie Blutes Christi trägt, mit derselben den Flurfegen.
An scherzhaften Psingstbräuchen fehlte es in Deutschland
nie In dem sonst so ernsten Marschenlande Oldenburg benutzt man die Nacht vor Pfingsten zu allerlei Schabernack. Was außerhalb des Hauses los und ledig ist. wird verschleppt. Handtwerkerschilder werden vertauscht Bänke versetzt. Wagen auseinandergenommen und in ihren einzelnen Teilen auf die Dächer geschafft. Dem Mädchen, das den Pfingstworgsn verschlafen hat. wird ein Strohmann ins Bett gelegt. Auch diese oft derbe Lust des Festes erklärt stch leicht aus jenem Hauch der Freude, die zu Pfingsten durch
alle Lande webt und die jeder in der Mühsal keines Lebens so lange wie möglich auszulmlten suchte und stch wünschte.
di« bannenden Kreis« können
um ihren flüchtigen Fuh ziehen zu
Lhoral.
Bon Artur Silüergleit.
Es wird ein Morgen kommen Durch tränkt von Sonnensaft.
Da laden alle Frommen Uns ein zur Brüderschaft.
Da pilgert als Erlöser Ein ieder Mensch durchs Tal.
Da ruft der Wind die Gräser Und Wipfel zum Cboral.
Es werden stch vermählen Die Kelche und der Wein,
Die Tempel den Chorälen.
Der Mond Marias Schein.
Ein Strom und deine Stimme Die Flanrme und der Fluh.
Der Falter und die Imme Zu gleichem Blütenkuh.
Dann sinken alle Söhne Der Mutter Melodie In brüderlicher Schöne Vor einem auf die Knie.
Der selbst als Vater aller Vor seinen Kindern schwelgt. Doch jedem Wald und Waller Den Weg der Wege zeigt.
Es wird ein Morgen kommen. An dem di« Welt vergeht Mit allen ihren Frommen In Jubel und Gebet.
Und jeder treue Biihe:
Wird. Herr, dich benedein.
Und sein Gesang wird süher Als Lerchen mal men sein.
pfingstrnorgen.
Von Karl Fr. Nimrod.
Die Falten des nächtlichen Vorhangs vor der Szenerie des Alls beginnen sich zu beben. Der junge Tag ichwmgt stch mit sieghaftem Leuchten auf den Thron des Firmaments.
Aus den blauen Tannen schwinden die letzten fetzenhaften Schleier der Nacht, dampfender Nebel entweicht, verscheucht von zündenden Strahlen, in ungeahnte Hohen.
Auf den Zweigen schlanker Wipfel wiegen sich gefiederte Sänger, die aus fernem Süd den Weg zuruckraiiden zum deutschen Wald. Hurtige Eichhörnchen ivielen von stamm zu Stamm ein ergötzlich' Haschen. Das scheue Reh trrtt, vorsichtig äugend, aus sicherem Busch, um an kristallklar rreseln- der Flut den Morsemtrunk zu nehmen. , ,
Das Auge des menschlichen Eindringlings,. der den Schlaf floh, um das Erwachen zu begrünen, tmat sich wir am nie zuvor gereichtem Nektar. Senkt st« m unergründliches Dunkel ernster Tannen, in das 'heitere Frohlocken lichtgrün »prostender Birken. Buchen. Eichen. ,
Auf Gräsern und Blättchen blitzen gleich dem vergeste- weir Schmuck einer Überraschten schönen Frau die Perlen des Morgentaus. Der freigebige Sonnenstrahl leiht dem we- funkel tausend Farben. Der leise Morgenwind greift mtt liebkosender Hand in das Gezweig. Die Sonne leuchtet, me Vögle in singen, die Quelle murmelt geheimnisvoll. . .
Und dem Menschen ist's. als verstünde er aller Sprachen: der Sonne und der Vögel, des Waldes und der Quelle. Ihm ist's. als könnte er ihnen allen antworten und als redete er in tausend Zungen. Denn es ist Pfingsten . . .
Line pfingstbochzeit in Siidrustland.
Don E. Mirsky.
Pfingsten ist. wie in Deutschland, so in allen christlichen Ländern das Fest der Verlobungen und der Hochzeiten. Gewisse Gebräuche. Zeremonien hasten ja, ganz abgesehen von den kirchlichen Feierlichkeiten, an jeder Hochzeit: so eigenartig wie in Südruhland — es bandelt sich nattirlrch um das Land, nicht um die alles nivellierende Krohstadl — gestaltet sich eine solche jedoch, schwerlich irgendwo anders, was durch die vielen noch an die heidnische Vorzeit errnnernden Zeremonien bedingt wird. „ _ „ , _.
Originell sind schon die ersten Anbahnungen. Denn wo cntstebt der Herzmrsbund? In der Spinnstuoe. und zwar nicht in einer beliebigen, sondern in einer eigens, zu dem Zweck von den Dörflern für ihre erwachsenen Kruder gemieteten und eingerichteten. Hier wird die Wahl getroffen und dann kommt das junge Mädchen nach Haufe, und teilt mit. daß sich dieser oder jener junge Mann für es mterestiere und auch es ibm nicht abgeneigt fei. Darauf macht sich sein« Mutter mit irgend einer Verwandten auf den oft recht weiten Weg — in Rußland liegen die Gehöfte weitausem ander — und besichtigt das Besitztum des zukünftigen Schwiegersohnes auf das genaueste. Wenn nun das zu ihrer' Zufriedenheit ausfällt, kann der Handel losgeben: der
Bräutigam kauft nämlich die Braut. Der ..Loskaufsvrers wird nach den verschiedensten Gesichtspunkten bemesten: am schwersten sollt in die Wagschale die Gesundheit, die Arbeitskraft der zukünftigen Bäuerin: ist sie auch noch bübfch. so erhöbt das den Wert, der noch mehr gesteigert wird, wenn auf der Seite des Bräutigams gar körperliche Mängel. Schwächlichkeit und dergleichen »arliegen. In die Berechnung kommen sogar des Bräutigams Vater und Mutter hinein: ist diese als böse, zänkisch, der Vater als geizig, oft trunken', roh. bekannt, io wird die Braut immer teurer. Erst wenn man nach vielem Feilschen handelseinig ist. wird die Hochzeit festgesetzt. Die Loskaufsumme wandert übrigens nur zum Teil in die Tasche der Vrauteltern. sie kommt auch dem jungen Paar zugute: für Einrichtung und Ausstattung des
neuen Heims: dann wird aber auch sehr viel für Festmähler und Trinkgelage gebraucht. Denn die ganze Woche vor der Hochzeit ist ein unaufhörliches .Kommen der Freundinnen.
Bekannten. Verwandten der Braut, und diese massenhaften Besuche werden gut mit Esten und noch mehr mit Wodki bewirtet.
Nun kommt der der Hochzeit vorangehende Tag. fast so wichtig wie der Hochzeitstag selbst. Zunächst gebt die Braut mit ihren Freundinnen in die Dorfbadestube. ins Dampfbad — die jungen Mädchen singen hierbei alte Volkslieder, die
Die Veilchenbluse.
Bon Liesbet Dill.
Ich besticke zuweilen Ausverkäufe, an denen ich worin»u bnrme. Ich komme nämlich nicht gut dran vorbei, und so rettet ich eines Abends vor Weihnachten in den «roßen In- renturausverkauf eines Modehauses. Wenn ich in einen ilusvertauf gerate, bilde ich mir immer ein.- dast ick alles Nöglicke nötig habe. Es erweist sich später gewöhnlich als ehr unnötig, aber vorher weih man das nicht. Ich kaufte ilfo sehr viele Stoffe. die ich schon und billig fand, und da- äei kam mir einer in die Hände. 2 Meter. goldgelbe Serde. in der verschwommene Veilchenbuketts eins-ewebt waren. Ich ros ihn einer kleinen dicken Dame ans der. Sand, du ihn äuge unschlüssig bettachtet batte, wir hielten ihn erne Weile isst, dann lieh die andere ihn los und ick batte ihn.
Ich fand ihn bei Tagesbeleuchtung Nicht mehr io schon, besonders stand mtt die Farbe nacht soickerlrch zu Gesicht, aber die Seide war steif, es war noch Friedensware. wie mtt die Verkänferin versicherte, das Wort batte mich bezaubert. denn damals war es Krieg. . „
Ich lieh mir ans dieser Seide eme Bluse amerttgen bei einer Schneiderin, die ich noch nicht kannte nick die mir empfohlen war. Nachher fiel mir ern. dag die Dame, der ich ihre Adreste verdankte, sich eigentlich n.icht bubsch kleidet^ QibtT dis kf) bctwttt bCW&tC. tDdt bic 2S1IIrC tu]Ott TCTIIÖ UNO tu)
^Si?gefttl der Schneiderin d°ch mir nicht denn
im mrfcf fie fnifr unter den Armen mto war lehr etta
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Jumper Ich gedachte, sie an .alten .lbenden zu tragen. Die Penston in der ich wohnte, war noch leer, ett junges Ehepaar, das tagsüber w°"derie und abends ble ch und müde bei Tisch erschien, m altes das nm ins Ge
birge gekommen schien, um Zeittingen zu l,'en. etn runü^r Herr aus Wurzen, der mir bei der -arel gegenubersah uw» sehr schüchtern war. denn ar. sagte me etwas. Ts^agte nicht einmal etwas, wenn man ihn anredete. Ich hielt ihn anfangs für taubstumm, aber eines Tages bat er mich um das Salz, da erfuhr ich. das er sprechen kannte.
Er machte zuweilen eine Anstrengung, etwas zu sagen, ich fühlte, während er mich betrachtete, dast er etwas auf dem Herzen batte. Da er sich aber nicht entschließen konnte, dieses in menschlichen Lauten zu äuhern. belieh ich es dabei. Ich bin immer gegen Zwangsverfahren, besonders in Sommerfrischen und erst recht im Winter.
Ich war zu meiner Erholung hier und er auch.-
So sahen wtt uns drei Wochen lang täglich dreimal gegenüber und er fab mich immer an und bewegte etwas in seinem Herzen. ^ , T .
Ich trug meine Veilchenblnse. denn es war sehr kalt und für diese .Gesellschaft brauchte ich mich ja nicht an- »usttengen. da tat es auch die Beilchenbluse. denn das junge Ehepaar fah nur sich an. das alte Ehepaar fab niemand an und war mürrisch und schweigsam, und der junge Mann schien sich nicht entschließen zu können, etwas zu fasen. Er batte dabei eine eigentümliche Art. einen anzuseben. Das heißt, er fab mich eigentlich nicht an. sondern sein« Blicke fuhren immer um mich herum, und spazierten dann über meine Bluse. Ick hielt das für den Gipfel menschlicher Bescheidenbett. und für übertriebene Tugenden habe ich nichts übrig. Und ich habe das nicht gern, wenn mir einer «senübersttzt. der einen nicht einmal anseben kann.
Eines Tages reiste ich ab. Es regnete und ich packte meine Koffer. Ich erzählte es dem jungen Cbevaar. in der Annahme, ibm eine Freude zu machen, und es sagte rwei- stimmia' AÄ wo . . Zu meiner Henkersmahlzeit abends ttug ich ein kirschrotes Tuchkleid. Ich batte es angelegt, um dem jungen Mann ernmal eine Abwechilung zu verschaffen seine Augen waren so lange auf soldgelbem Emnd und blauen De-lchenbuketts berumspaziert. ich hielt mich dazu verpflichtet. An dttsem Abend war der junge Mann -sehr aufmerksam zu mir. er reichte mir fortwährend das Brot obwohl ick schon dreimal gedankt hatte, er fing sogar an zu sprechen, von dem Wetter, dem verregneten Svort- ttst . Und als ich aufftand. folgte er mir auf dem Fuh bis zur Trevve. Jh verabschiedete mrch von ihm. aber er wollte etwas sagen . ... „Gnädige Frau, verzeihen Sie. wenn ich Sie damit belästige, aber ich habe .... ich möchte — ich habe näm'icki schon lange etwas aus dem Herzen . .
Aba. mtt ging eine Erleuchtung auf. ich war zwar inkognito da. aber das Pserchonpm folgt uns ja doch auf Briefen überall bin nach, und >o batte er erfahren, wer ick lei. er batte etwas von mir gelesen und wollte sich für den Ge'mS bedanken ... Und ich war begierig, wa» ibm sä ge
fallen haben möchte. Ich habe da nämlich schon die merkwürdigsten Erfahrungen gemacht. Jungen Damen gefallen meist di« Bücher, die nicht für sie geschrieben wurden, am besten, und Damen, die 200 Pfund wiegen, versickern mir dah sie sich in meinen ..Jungen Mann ohne Herz" verliebt hätten, sie haben ihn sogar auf dem Nachttisch liegen, und hartgesottene Fliegerleutnants schwärmen für die ..llnver- bramrten Briefe" . . . Ich tarierte den jungen Mann auch auf etwas Ähnliches ein. seine Augen leuchteten. „Ros« Ferron. zweiter Teil" '.stelleicht. . . Und er sagte, indem er den einen Fuh auf den anderen stellte und den. Treppen-
pfosten umfahre.Sie dürfen es nicht als - Dreistigkeit
ausfassen, es ist ja eigentlich auch keine, nur . - . es könnt« ja den Anschein haben . . . aber ich . . . ich habe nämlich eine Bvaut. . ."
Aber das hatte er mtt nicht sagen wollen, es war Nock etwas, was ihn bedrückte. Er setzte den linken Fuh auf den rechnen und vollendete entschlosien: „Ich möchte gern« wissen . . er lächelte verschmitzt ...
„Aber bitte, sprechen Sie doch nur, was wollen Si« wfffen?"
„Wo Sie die schöne Bluse gekauft haben... mtt den Veilchen. . ." vlatste er heraus.
Ich iah ihn an wie einen Verrückten. Die Bluse, die mir nicht stand und nicht sah. die ich jeden Tag verwünschte, samt allen Ausverkäufen und der ttvau. die ihn sich hatte aus den Händen ziehen lasten, die Bluse hatte einen Liebhaber gefunden in dem Herrn aus Wurzen.
„Mein Herr", sagte ich gerührt, „ich habe alles andere erwartet, aber diese Frage nicht, ich würde Ihnen die Blust gerne schenken, aber ich habe sie leider schon getragen."
„Ja. wenn Sie mtt sagen wollten, wo ich diesen Stoff bekommen kann!" Aber das konnte ich nicht einmal, denn es war ein Ausverkauf gewesen und es war das letzte Stück der Veilchenseide, den ich der kleinen Frau aus der Hand gezogen hatte, so was rächt stch immer.
Der junge Mann neigte den Kopf, faste: „Schade", und
ging.
Ich babe ihn nie mehr wiedergesehen. Aber die Veil- chenstide sebe i.b reden Tag. denn sie ist ein Sofakissen geworden unb ich ruhe mittags darauf, sie hält gewih noch 20 Jahr«, da es Friedensware ist. Und wenn ich sie anseh«, muk ich an den jungen Mann aus Wurzen denken. Ick werh leider Nicht mehr, wie er hieh . . .
