Wiesbadener Tagvlatt.
Nr. LI«. Sette 21.
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Unter Gattung6 ^öeUage
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Ainderfragen.
Don 9R«te Holzer.
Mein Batm hat seinerzeit all die Mftn kftiRen Einfälle. Scherze, Bemerkungen ferner Kinder in ein graues Duch...m Leinwand gebunden, notiert. Mancher dreier ganz vorzüglichen Bemerkungen kursierten dann eine.Zeltlang in der FamriHie als .Liegende Worte". Und unlängst schrieb man mir. daß er zufällig jenes alte Buch aus der Tiefe,.s«mes Sckreibtifchs bervorsebolt und über manche orefer tretenden kleinen Gedankenblitze, di« seither, längst in 'Vergessendert geraten, von neuem gelächelt hatte. Vielleicht steckt schon ein Stück Charakteristik in jenen Kindemedanken, dre man heute leichter beurteilt, heute, wo wir alle rn verschiedenen Gegenden menschlicher Erkenntnis leben, t« nachBeruf. Beränlasuws. Derbälttnstem. und doch rm trefsten Wesen ser-
Diel interessanter als diese Kmderscherze — dünken wich aber Kindersragen. Antworten und Bemerkunsen sind das Endergebnis eines Gedankensangs, er kann noch so hübsch und treffend sein, es ist der Abschluß. Fragen sind aber der Anfang einer unermeßlichen Kette von Möglichkeiten und Kombinationen. Fragen stehen in unserem Hum wie wette. Mene Türen und harren der Eindruck«, dre vrellercht eure Ant wort gäben, in di« das Leben Blütendust unfe öohenlun bineintragen kann — vielleicht aber auch den Modergeruch fembter Keller.
In jeder Frage, die nicht Reusierde ist. sondern inneres Bedürfnis, liegt ein Zweifel, liegt eine Unvnbe, liest ein Stchauflebnen. ein Suchen, ein Taften nach Erkenntnis.
.Lebt der Scha-ukelstuhk. er bewegt sich doch?
.And die Uhr. hat sie eine Seele?" Sre geht doch und schlägt. und dann — ja — iw hörst es nicht, aber wenn ick abends, so wie jetzt, im dunklen Zimmer im Bett liege UM» nicht schlafen kann, dann höre ich. wenn sie zu schlagen aufhört. daß sie noch le-i-s«. leise weiterlspricht. Und du selbst Haft Urgroßmutter« alte Uhr so gern." . „ ,
,3a. Kind, di« Uhr habe ich gern, wie ich so manche Dinge gern habe, wie den kleinen Schreibtisch. vor dem ich jahrelang geträumt und den ich dir unlängst geschenkt. und der jetzt alle deine Schätze birgt, und den du auch lieb gewinnen wirst, als warft ein guter Freund. Und den alten Kasten im Elternhaus.-aus dessen Tür ich all die schonen Berte ausgeschrieben, die mir seinerzeit gefielen, rch zergte dir ihn doch — erinnerst du dich? — aber ein« Seele? Der Mensch hat der Uhr ein« Art Seel« eingehaucht, die sich nach ganz bestimmten Gesetzen bewegt, nach ganz bestimmten Gesetzen äußert — während di« unsere oft ihre unerklärlichen Wes« geht. Es kommen wohl Menschen und schreiben ihr Gesetze vor: das mußt du tun und jenes lassen: du mutzt funktionieren, nra&t Takt halten, mutzt s Magen und schweigen zur Zeit. Aber das Uhrwerk unserer Seele, das will oder kann sich diesen Gesetzen nicht immer siigen. weil die Zahl seiner Räder und ihrer Zähne verschieden ist. unbekannte Faktoren wirken oft gegeneinander und zuweilen ist ein T dabei, das uns kein« mathematische Formel ergründen läßt. Und wie das kunstvoll« Uhrwerk auf dem Altstädter Turm, das ein Künstler erdacht in jahrelangem Grübeln und jahrelanger Arbeit, und dessen geheimnisvollen Gang heute niemand enträtseln kann, trotz all den reichen Errungenschaften, der Technik, so ähnlich verhält es sich manchmal mit uns. Mancher Leute Seele ist unergründlich und tief und rätselhaft. nicht einfach und verständlich wie das Räderwerk in Urgroßmutters Uhr. die seit Jahrzehnten geht und schlägt und summt, treu und verläßlich, ohne Störung fast. Trotzdem sie an verschiedenen Orten gehangen, auf verschiedene Menschen heraLgcschaui. trotzdem zuerst Urgroßmutter und dann Mutter und dann ich sie aufgezogen und jetzt du sie aufziehst. Und als Urgroßmutter starb, da hat die alte. treu«, fromme Köchin, die an die 40 Jahre in der Familie gedient, den Pendel ausgebatt. damit die Uhr auch stille stehe . . .
Aber nun ziehst du sie wieder auf. und du machst dir Gedanken d arüb er, wie ich einst und wohl auch Großmutter Mid Urgroßmutter und künftig« Generattonen vielleicht. Und die alte Uhr lebt wetter und geht fort, ohne Skrupel, in uiwmandelbarer Treue, weil ihre Seele eng ist und klein and keine Wünsche kennt. Aber jetzt schlafe. Junge, morgen heißt es früh ausitchen. und wenn du schon denken mußt, so denk an die Regeldetri und ihre logischen Folgesätze, dann schlasit du jedenfalls sicherer ein."
Ich hatte den WaMchwamm in der Hand, und mein kleines dreijähriges Töchterären hatte wieder eine ihrer Kletterübungen «emachll ,um das Türschloß zu erreichen und Mnete nun stolz dre Tur, sperrangelweit. ..Sa« der Tür. daß sie osten bleckt! momte sie. Sie wollte ihre Puppe holen. ..Komm geschwind her, jetzt heißt's waschen, später kannst du spielen sehen. Aber di« Tür. deren Klinke ihrer kleinen Hand entschlüpft war. kehrte sich nicht nach ihrem Wunsch, sondern fiel, raten Bogen beschreibend, knarrend ins Schloß- D« Kleine blieb stehen. ..Siehst du", sagte sie endlich, »die Tur folgt dir n Et. warum muß eigentlich ich tosen?“ 3Ä konnte der kleinen Revolutionärin nicht Mt die Konstruktion des Turrabnwns erklären, und so gab sie sich dann endlich mit dein Bersvrechen. daß ich ihr domn die Tür öffnen wolle, zufrieden.. ,
Wir gingen wert hinaus rns Freie, längs der knospenden Sträuchei und Baume der vielen Eönen Gartenanlagen uE schwiegen. Wir schweigen meist, denn es gibt so viel Schönes su sehen urA aufzunehmen draußen, daß jedes wd« Wort unwillkürlich verstummt. Das ein« möchte ich aber dock willen . sacke mein kleiner Junge endlich. ..vor 14 Tagen stanken^alle diese Sttaucher so schwarz und tot da. mcht anders al s der Uemmit dem die Hausmeffterin den STf«&ri und b-ntt bat i.eder Zwerg und jeder Ast hundert Öffnungen und tausend grüner Blättchen — das ist fast wie ^Honä-Een —. ft« mir. wie ,ft das eigentlich?"
E wirklich ein Märchen. Kind, wie unser ganzes'
»eben fast rin Märchen ist. Der Besen der Sausmeisterin ist tot aber in Ll-sen Zweigen, auch.wenn jie kahl und düster dasteben steckt Leben. Manchmal, m den Wurzeln, manchmal auch mir mi Mark der Zweige: und wenn dann der ^üblttm kommt m,k leinen Schalmeien mit seinen warmen. EmBen Sonnenstrahlen, dann lockt er die Blätter und GrAer aans so. wie der Rattenfänger von Hameln die MädchM und Knaben Mit se,neu Liederst. Sie must
ern ewiges Kom-
kleium ^ fft wollten oder nicht.
ten Warum blühen sie nicht ew'g warum ein ««."und Geben - warum? ..Warum? Schau. Kind, du viele Bücher lesen, und manches weißt du schon. Wie mirsi Mf'Mand ist und dre Sonne: daß die Erde sich dreht welchen Weg sie gebt: wie dieser Stern beißt und jener: daß verschiedene
vvd weEen Weg sie gebt: wie diÄtt Stern heißt'und jener: LZ verschiebe BoNer gelebt haben, und dann zugrunde oom n i r e5 Rassen gibt, verchiedene Ku-l-
• wie Elektrizität erzeugt wird, daß Schmiedeeisen «.ttsthe Kraft annimmt, daß aus der Larve die Puppe SfriM»® daraus der Schmetteren« und noch vieles, vieles
web«.
Das alles hat der grübelnde Verstand der Natur abgv- lauscht. Er hat ieglich« menschliche Erfahrung in ein System gebracht, und vieles, vieles weiß er zu erklären. Du hast auch schon von Buddha gehört, der vor kielen tauftnd Jahren gelebt hat. und da möchte ich dir als Antwort einen Satz von ihm sagen, den wir heute ebensowenig beantworten können wie damals, oder deir jeder so beantwortet, wie er muß und kann, wenn er überhauvt das Talent bat. zu denken und zu fragen: Die Wissenschaft hat uns vieles gelehrt, aber sie gibt uns keinen Ausschluß über das Woher und Wohin, und was das allerscklimncke ist, auch nicht über das Warum. _
Abendstimnrung.
Ich steh auf grüne r Halde.
Tief unter mir der Rhein.
Die Weiverglocken läuten Den Feierabend ein.
Als noch das Frührot glanzte Und Wald und Flur betaut.
Da zog E aus zum Wandern Und bab' die Weit beschaut. . .
Dem Mittag wich der Morgen.
Jetzt sinkt der Abend schon:
Der Tag ist wie im Fluge.
Ein schöner Traum, enttlohn.
Noch stebst du »oll im Leben.
UmstraAt von Sonnenschein. —
Da läuten schon die Glocken
Den Feierabend ein.
I. H-emppel.
wenn meine kleine £rau
Von Ernst Zacharias.
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Wenn meine kleine Frau einen Hammer oder sonst ein gefährliches Werkzeug zur Hand nimmt, dann wberkommt mich stets eine groß« Unruh« NEt etwa, daß mein Weibchen mörderische Absichten gegen mich hegte! Drei eher könnte ich sagen, daß sie selbst in ziemlicher Lebensgefahr schwebt, so lange sie mit einem Instrument hantiert, denn daß ich es nur gleich verrate: so lieb und nett und hübsch mein Frauchen ist. so — unvrakttsch ist es auch! Wer das ist ja nicht das Schlimmste. Wenn „Maust" nur nicht emen geradezu verhängnisvollen Hang hätte, sich immer und überall praktisch zu betätigen. Ihr Wabksvruch lautet: „Selbst ist die Frau! In Befolgung dieses schönen Leitsatzes wollte sie vorgestern einen Nagel in di« Wand schlagen. Das Ende vom »Lied waren zwei verletzte Finger, ein deutlich erkenm bares Loch in der Tapete, «in zertrümmertes Bild und «in durchgettetener Rohrstuhl. Der freundliche Leser (die Leserin auch?) wird es mir sicherlich hoch anrechnen, daß ich bei allen dielen Dorsöngen meine Ruhe vollkommen bewahre. Er wird es wahrscheinlich rrc&1 unverzeihlich finden, daß ich in solchen heiklen Momenten, wo andere Ehemänner ..aus der Haut" fahren wollen, daß ich dann — lächle. — —
..Du hast ja gar keine Ahnung. Schatz, was jetzt fertige Hemden im Geschäft kosten! Das kann man einfach nicht mehr bezahlen!" ^
Ich hatte wirklich keine Ahnung, aber eine leise Furcht beschlich mich, denn Maust batte „Schatz" gesagt, und das hatte bis jetzt immer etwas im Gefolge gehabt. Eam schüchtern entgegnete ich: . m
„Das glaub' ich dir schon, mein Herz! Aber es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als in den sauren Apfel zu beißen, du weißt doch, daß ich dringend Hemden
benötige und ... ." . ^ t _ _
„Ach so. und da meinst du. daß E das Sündengeld den unverschämten Leuten in den Rachen werfen soll? Nein, dazu ist es mir denn doch zu schade."
.La. aber wie wiM du es denn ....
„Die Sache ist ganz einfach! Ich kauft Hemdentuch und nähe die Hemden selbst. Wozu habe ich schließlich als junges Mädchen das Nähen erlernt?"
Das also war's! Ich wußte ja. daß etwas kommen mußte. Du lieber Himmel, meine Frau und Hemdennä^hen! Na. wenigstens sah ich nun klar! Ich schwieg also und lächelte. —
Nachdem der Mechaniker einen Tag gebraucht hatte, um die Nähmaschine in Gang zu bringen, ging die Näherei los. MMst verschwand hinter einem Beug weißen Semdentuchs. das sie angeblich „sehr preiswert" erstanden hatte. Rings umher verstteut lagen Stoffreste. Nadeln. Scheren. Garnrollen. io daß unser gemütliches Wohnzimmer bakd einem Sckilachtfeld glich. Dafüi. daß Blut floß, wirkliches Men- schenblut. sorgte meine Frau oder vielmehr die Nähmaschine.
Aber übgesehen von soEen Kleinigkeiten, die den Eiftr Mausis mcht im geringsten erlahmen konnten, entstand km Lauf der Woche ein weißes Monstrum, von dem di« Ser- stellerin behauptete, es wäre ein Männerhemd, und ich solle cs nur gleich anprvbieren. Ich hütete mich natürlich, meine Zweifel laut werden zu lasten und stürzte mich kopfüber in die weiße Wolke. Nachdem ich eine Weile mit den Armen berumgefuchtelt hatte, gelang es mir mit Hilfe meiner Frau, endlich wieder das Tageslicht zu erblicken. Zu unserem größten Erstaunen war es aber nicht der Kragen, trus welchem ein verwüstetes Hanoi her ausschaute, sondern — der rechte Ärmel.
Mein Fraucken ließ aber nEt eher locker, als bis E da« Ungetüm ihrer Ansicht nach „rEtig" angezogen batte. Da zeigte sich dann, daß der Semdkragen bis wett auf meine Heldenbrust herabreichte und dadurch das Ganz« täuschend einem Frauenbemd glich, nur daß die blauen Bändchen fehlten Ein neuer Heiterkeitsausbruch war die Folge. Mausi aber war das Weinen näher als das Lachen.
Es war mir von jeher em unlösbares Rätsel gewesen, weshalb die Ärmel an den Männerhemden immer zu lang sind An meinen sämtlichen Hemdsärmeln ist ein „Saum" eingenäht, und dieselbe wunderbare Erscheinung konnte ich bei vielen Hemden .beobachten, die zum Trocknen auf der Leine hingen. Nun, Maust batte noch ein Übriges getan. Nach dem bekannten Spruch: „Bester zu lang, als zu kurz", hatte sie ein Paar Ärmel genäht, von denen jeder für sich ein Hemd darstellen konnte. , _ ,
Das war selbst für michzu viel. Ich sank aufs Sofa. Legraben von der weißen Wolke und wollte sterben vor Lachen Nach einer kleinen Weile fiihlft ich so etwas wie ein menschliches Wesen an meiner Sekte. Ich vermutete Mausi und da es mir einfach unmöglich war. sie zu umarmen' machte ich mE ihr. ?o gut es eben a-nsiit*. verständlich. und riet ihr. sich ebenfalls in dl« weiße Wolke ru stürzen, wir würden dann schon irgendwie zueinander gelangen. Das tat Mausi denn auch. Nachdem sie fick bis zu mir hindarck,- «ekämvft hatte, vernahm ich eine erlöschende Stimme: .Lck nähe keine Männerhemd«« mehr!
wo das Märchen wohnt.
Biele der alten Gehöfte in Honen oder im sind wie Bilder Ludwig Richters, so still und. altertuml ch und schlicht - dort lebt und webt noch immer eine alte, alte Zeit. Der Weg nach, einem lener. Dörfer ..gebt durch ein gewundenes Hochtal mit buchenbewaldeten Hansen zu beidetz Setten. Durch das Wiefonland im Tale irromt vm un Fruh- jahr und nach Lchnceiällm stark anSeilbwollener. Back, der viele alte Mühlen treibt. In der gronen Stille ck da- Geplätscher des Baches wie fernes Lacken und PEuDern. Un- willkürlich bleibt man wohl stehen und lauscht, wob« di- Stimmen kommen -uib da ck.man mitten Krumen rn der Märckenstimmun«. Die altem Mühlen.am BegNAl dös^^aft.
über denen blaue Raucknvolkchen verwehen urck Taüben- fchwärme kreisen. Ich bin allein m der großen.Stille nur der Bach plaudert und lackt ab und zu plötzlich a m . Cm verwilderter Weg lockt mich nach emem bewaldeten H mg hinauf. Hier wachsen^ im. Herbst. E^-^i-fnasieu- dicken Moose Unmengen von Rottetzgern. und hoher, hrnam. wo es trockener ist. t»c Grünlinge. Kreis um Kreis anermander- gereiht. zu Hunderten. (Die Kenntms Vieser wertvollen Pilze ist leider nicht verbreitet ber den BaueMr.. N« mißachten die Pilze.l Gelbgefleckte Salamander fchkeichen hier durchs Moos oder lugen zulammengerollt rm nasien Steln- geröll. Im Tale weitergebend, fttrde ich eine, langaedehnte Brombeerbecke. die noch im Winter voller unreifer erfrokener Beeven bängt, die ein starkes Aroma haben. Endlich im Dorf, f-nde ich das alte Gehöft wieder, wo mir ü berall bx Bilder und Dinge aus Trimms Marwen . eirtsesentreten. Grebmu.LLer s:tzt crm Ofen »er :Tt em. öwtter.
altersschwarzer Geselle und steht wne em Tler awf vrer Bnn- chen. In seinem Bauche steten Kruge voll MÄck welche d« Bäuerin mit einer in der stadt ungeabnftn FreiKieb'gke't anbietet. Leise summt der. Ofen: unter ckmaufmorsther. fandbestreuter Diele bcckt die. Katze mit blinzelnden Augen. Auf der von vielen Eenerattonen blankgeftnenen Oftnoan! fitzt die Alte im Häubchen und spinnt auf demaltenREchen feine weiße Jä nthwxz wahr« «kjb btt tt.aj
Daumen der Alten vom vielem Svmnen ick-m ganz brvtt geworden ist. und es fällt mir dabei.ein. daß davon auch rn den Märchen immer die Rede ist. Die Alte erzählt m«. was sie auf dem Herzen hat' sie mochte sich .gern Rnhegonneii und sich hinlegen. aber das kann sie.noch wEt. denn to Sobn. der. aus dem Felde zuruck, letzt die Softerft.bewrrtzckaftet. der will sich — Gott sei es «llast — em Madcke aus der Stadt heirn' eine, die keine.Bauernaro-oit k«mt — wie lob das nun werden^ „Wenn die auf den Hof kommt, muß ich doch olsfort hinter allem her fem" — sie mchcht. sich herzhaxt die Augen Ja. das wird schlimm sein für frt« Alte, eine Schwiegertochter aus -den Hof zu. bekommen, die gar nicht abnt. wie vielerlei schwere Arbeit cs auf «m Bauernhof gibt! Und bei allen auch den schwersten Arbeiten, muß ,o eine Bäuerin mit Hand anlegen. Hoa»achtmig vor ihr!
Es wird da nocki fast alles rm Haushalt hergeftellt. da wird Brot gebacken (der Backofen hat ein.rieftMvßes Maul, ganz so. wie man sich den Ofen vorstellt m wei chem die böse Here verbrannt wird)! es wrvd Olck -gr.dvrr.i. Latwerge aus Pflaumen und RübeNfnuv gekocht: es wrstd mftn&t und gesponnen, gewebt und gegerbt, gemahlen und Ol geschlagen! An der Tür hängt eines von den selbstgewehten Lernenhand- tüchern mit einer schmalen roten Sttckerei am Saum.
Zu ihrem Biel, steht die Bäuerin in lenem traulichen Verhältnis, welches wir aus den Märchen keimen, wo Trer und Mensch cinai.i*t verstehen. Dre. Garvlem und Ocksle. die Schoos' und die Sck'woin haben die Lrebe und das Verständnis der Bäuerin. Von den Hühnern insonderheit weiß sie bei Gelegenheit allerlei Geschuhten .zu errcM«r:, lener bunter Eickel mag den schwarz weißen Eickel mt leide .war eifersüchtig auf ihu. und da bat er ihm em Auge a-usgeback. Der arme Cchwaizweiße mu« deshalb. »Wb werben, denn ein einäugiger G ickelbahn taugt Echt zur Zuckt. Das Tftr stand denn auch immer abseits und geduckt, wenn vre Frau die Hühner, zum Futter herbeirief.
Im Saus gibt s manches zu. sehen: da ck ein« alte Schrankiibr im Türrahmen mit eingebaut m deren Kasten allerlei aufbewahrt wird: Peitschen, otofe unb WeKe ug. Ich denke dabei an den mxxMMfv Stab mBechstems Märchen, der von selbst aus der ^Schrankvhr ^herrius ^i^ die
Ferne wanderft. ft.
steht di« alle -
Blumen bemalt. >» u— .— und wartet auf neues Leben im alten Gebott.
Ein Bauernbof bat anftbnl'che Vorräte an Feld- fruchten, die teils im Keller, teils auf dem Boden aufb.-- wabrt werden. In den Keller fuhrt von mcken her e,n schräger Gang binab. der durch einen tMn4»Äp®w»*i Im-- eivgang verscklosien wird. Dw Bodenraum ck aber eine vom Vorraum ou-gebende stelle Trespe erreich^. Da vber hat die Bäuerm verschiedenartiges Mebl. Welickkorn. Äpfel und Dörrobst. Da ist auch nöck ein Stübchen eingebaut, wo pp einem blindgewordenen Butzenfenstercken ein altnrs- schwocher Lebustubl stellt und davor ein Svrnnrvd — ganz so stellte ick, mir das Stübchen aus dem Märchen mn. worin die Alte saß und spanu als Dornroschcnsre fan d, sich a n der Spindel stack und in Scklas sank —! Das Butzmftnste-chen ist halb geöffnet, und es wachsen Eftu und Kletterrosen
^"Die Sttib' brauchen wir nit mehr dahier rühre wtt nix an. da bat meine Mnllme als, geselle — ft memrt die Bäuerin stolz und streicht mrt ihrer schwieligen Sand chr- ftrck'tsvell über den morschen Lehnstuhl. In der Ecke zirpt eine Grille, und Mäuse huschen raschelnd umher ... Dre Märchen wisvern... D. E. Sckubmacker.
Ich Esel muf? alles lesen.
Von Beter Robinson (München).
Als ich neulich einmal an der Hauptpost vorbeikam. fiel mir Eon von weitem an der Mauer eine grone m Kreide ausgefiihrte Kritzelei in die Augen. Ich sah naher hm und las: „Ich Esel muß alles lesen!
Glaubt nun vielleicht remaird. ich batte mich geärgert? Aber nein — ich freute mich. Denn mir frei ein. daß mir da ein gam vortrefflicher Fingerzeig gegeben worden sei. wie E mit Schkippenbach verfahren mutzte ,
Scklivpenbach bestickt mich manchmal. — aus em Pla»- derstündcken wie er sagt. Scklippenbacks Besuche ««folgen m unregelmäßigen Zeiträumen. Wenn ich sie voraus berechnen könnte, wie Sonnen- und Mondsinsternisse — doch nein, bas ist ja nickt wahr: ich kann ja gar kerne Sonnen- oder Mondfinsternis voraus berechn>en. Also! wenn ick Scklrppenbacks Erscheinen voraus berechnen könnte, so wie die Astronomen, die gelehrten Herren. Sonnen- und Mondfinsternisse voraus berechnen. — dann würde ich vorher von Haufe fortgehen. und Schtipoenback müßte daun an meiner Tür mnkebrem. Aber er kommt immer saus uirverm-urer. Was ftll man da tun? Verleugnen lallen kann man f>« »om
