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Wiesbadener Sagblatt.

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Nr. 82.

Um «WM m MAN.

London, 9. April. Was Loucheur auf seiner londoner Reise erreicht hat, geht aus einerzwsinelss inspirierten Darstellung des diplomatischen Mit­arbeiters des „Observer" hervor. Es heißt darin: Loucheur ist nach Paris zurückgekehrt, nachdem er hier zu Lande mit beamteten und außeramtlichen führenden politislben Persönlichkeiten während einer Woche auf­schlußreiche Unterhaltungen geführt hat. Die wichtigste Unterhaltung war diejenige mit Bonar Law, und zwar deswegen aufschlußreich, weil Loucheur nun zwei­fellos weiß, daß er auch noch einen langen Weg zurücklegen mutz, bevor er stch dem englischen Standpunkt bezüglich der Ruhrbesetzung bis zu einer Überbrückung der Entfernung genähert hat. Der Standpunkt der englischen Regierung, so fährt die halb­amtliche Information fort, wurde Loucheur in größter Offenheit und in dem Sinne klar gesagt, daß jede eng­lisch-französische Annäherung nur ein Ersatz, aber nie eine Begleiterscheinung der gegenwärtigen französischen Politik an der Ruhr sein könne. Die englische Regie­rung kann einer Zerstückelung des Deutschen Reiches weder in offener, noch in verhüllter Form unter Zuhilfenahme des Völkerbundes oder der Ein­führung einer internationalenVerwaltung mit vorherr­schender französisch-belgischer Kontrolle zustimmen.

„Ostserver" richtet an Deutschland die Auffor­derung, die englisch-französische Au s s p r a ch e durch ein Angebot zu fördern, das sich annähernd mit dem Plane Bonar Laws deckt. Im Leitartikel des­selben Blattes wird Loucheur als der Mann genannt, den England im Interesse der schnellen Beilegung der europäischen Differenzen gern als Nachfolger P o i n c a r 4 s begrüßen würde.

/ Eine Erklärung Loucheurs.

Paris, 8. April. Nach der Zusammenkunft mit Poincarö hat Loucheur Pressevertretern eine Erklärung zur Verfügung gestellt, worin es heißt: „Ich bin ohne jeden Auftrag der Regierung nach England gegangen. Ich bin davon überzeugt, daß eine Einigung über die Reparationen und die Sicherheitsfrage möglich ist, die nicht von den berechtigten Interessen Frankreichs und seiner Verbündeten Opfer fordert . Von diesem persönlichen Eindruck habe ich Poincarö in Kenntnis gesetzt. Ich bemerke weiter, daß nach meinem Eindruck alle Welt zu verstehen scheint, daß Frankreich und Belgien fest ent­schlossen sind, die von ihnen unternommenen Opera­tionen „bis zum Ende dnrchzuführen". Ich hoffe, dag es mir gelungen ist, gewisse Bedenken zu zerstreuen, die in England gegen die Pläne Frankreichs und seiner Regierung bestehen."

Aufgabe der englischen Neutralität im RuhrkonflUt?

Paris, 9. April. „Matin" veröffentlicht einen Ar­tikel, in dem es u. a. heißt: Wir haben gestern die Frage gestellt, ob Loucheur der französischen Regierung Vorschläge unterbreiten könne, die geeignet sind, die Aufgabe der britischen Neutralität zu beschleunigen. Auf die gestern gestellte Frage kann man heute mit- worten, es sind gute Aussichten vorhanden, daß der englische und der französisch-belgische Standpunkt sich en a n d e r na Hern und daß ein Meinungs- austausch zrmichen den vier interessierten alliierten Nachten nnt Aussicht auf Erfolg schon von Beginn dieser Woche ab eingeleitet werden könne.

Petit Parisien" bringt ein Telegramm seines Londoner Berichterstatters, in dem es heißt: Nachdem die englsiche Regierung im letzten Jahre hinsichtlich der Reparationen und der Schuld sich zu einer ein­mütigen Politik bekannt hat, kann keine Rede davon - 5 'n. daß sie sie aufgebe, um dem französisch-belgischen Standpunkt beizntretem Der Temps" gelangt im werteren Verlauf der Wiedergabe der englischen Pr-sse- stimmen über die Reise Loucheurs zu der Schlußfolge­rung, daß gewisse Kreise m England mit einer b e­vorstehenden Entmutigung ,n Frank­reich rechneten und es Deutschland nabeleaten d i « Ruhr preiswert zu verkaufen

Loucheur bei Poincarö.

Baris, 8. April. Loucheur wurde gestern von Poincar 6 empfangen, um, wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt, über seine Eindrücke in Lon­don Bericht zu erstatten. Wie der „Jntransigeant" meldet, hatte Loucheur schon vor seiner Abreise nach London mit Poincarö eine Unterredung, in der er den Ministerpräsidenten über die Absichten der Re- gierung befragte und in der er seine Absicht ans- Iprach, in England mit gewissen politischen Persönlich, ketten in Fühlung zu treten. Die gestrige Unter­redung Poincarös mit dem früheren Wiederaufbau- minister dauerte sehr lange. Loucheur soll sich darin

Montag, 9. April 1923.

von dem Verdacht gereinigt haben, daß der viel be­sprochene Artikel des „Daily Telegraph" auf Äußerun­gen von ihm zurückzuführen sei. Er hat auch dargetan, daß er in England keineswegs als Träger erner ofsi- ziellen Aufgabe aufgetreten sei. In diesem Zu­sammenhang gibt der „Jntransigeant" die Meldung eines englischen Blattes wieder, wonach Loucheur nicht als Vertreter Poincar6s, aber als Wortführer eines anderen französischen Regierungsmitgliedes nach Eng­land gereist sei. Diese Meldung wird als unwahr be­zeichnet.

Empfang Loucheurs bei Millerand.

Paris. 8. April. Ein amtliches Kommunique besagt: Herr Millerand hat gestern den Abgeord­neten und früheren Minister" Loucheur empfangen.

Ein zweiter Besuch Loucheurs in Loudo«.

Paris. '9. April. Rach dem „Evening Standard" sollen bei dem Wiederzusammentritt des Unterhauses an Bonar Law verschiedene Fragen über seine Unter­redung mit Loucheur gestellt werden. Das Blatt glaubt, daß Loucheur in nächster Zeit einen zweiten Be­such in London machen werde.

Bonar Law nach London zurückgekehrt.

London, 8. April. Bonar Law ist gestern von seinem Erholungsurlaub nach London zurückgekehrt.

Lord d'Abernon «ach Berlin zurückgekehrt.

Berlin. 9. April. Der englische Botschaft^ Lord d'A b e r n o n ist von seinem. Urlaub aus Engl a n d naw Berlin zurnckgckebrt und bat die Amtsgeschafte wieder über­nommen.

Französisch-belgische Reparationsverhandlungen in Paris, t

Paris. 9. April. Poincarö hat den belgischen Ministerpräsidenten T h e u n i s und den belgischen Außenminister I a s p a r gebeten, sich sobald wie mög­lich nach Paris zu begeben, um die jüngsten, in Brussel und Paris gepflogenen Beratungen über das Repara­tionsproblem fortzusetzen. Man geht kaum fehl, diese Einladung mit der Reise Loucheurs in Berbm- dung zu bringen. Poincarö soll daran liegen, die Lener der belgischen Politik von den Mitteilungen zu verstän­digen die ihm Loucheur nach seiner Rückkehr gemacht hat. Wie aus einer Meldung des „Soir" hervorgeht, hat die belgische Regierung von der Mission Loucheurs nichts gewußt. Zaspar soll dem Korrespondenten dieser Zeitung erklärt haben: „Wir wissen nichts von den

Unterredungen Loucheurs in London; weder umtuch noch halbamtlich sind wir davon in Kenntnis gesetzt worden. Es kann daher keinem Zweifel unterliegen, daß Loucheur zu Verhandlungen keinerlei offizielle Voll­machten hatte." _

Die Tranerfeier und die Beerdigung der Essener Opfer.

Berlin. 9. Avril. In der Morgmstul»«. in der am Dienstag die Essener Omer zur lebten Rübe bestattet werben findet im R e i ck> s ta g - i n e T r aue rfe i er statt, bei der in Anwesenheit des Reichspräsidenten der Reichskanzler die Gedächtnisrede halten wird. An der Feier werden Ver­treter sämtlicher ^weEaften und Beamtenverbande. Ver­treter der Länder, der Kirchen, der Parlamente und der Be- borden teilnehmen. Die Fe^er beginnt vunktlich vormittag, lg Uhr. Aus Aniah der Beisetzung .werden am Dienstag ^um g-ichcn der Trauer im ganzen Reich di« Elockm lauten.

_ Beerdigung Jffl* ÄDTlTe n.9 Ute Mt 2Tm ÜHensiaci tüit-b itt 8tnti Sieben vkT Xtcuct btc

Arbeit eingestellt. Sämtliche Geschäfte und VerMrugungs- hätten bleiben geschlossen. Die Wirtschaften werden ihren

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foioen Stellen über die Ei,euer Vorgänge gemacht haben, sind in ernem Protokoll iestgeleat worden.. Die Betriebsrats- Mitglieder schildern in diesem uiroioko - . - — etr

Protokoll, wie sie ihr Mög­lichstes Handhaben, um einen Zusammenstoß ,u verhindern. lüVfo erklären u. a.: Die behauptete Provokation durch bas Direktorium von Krupp ist durchaus unzutrefsend. Dre.Matz- nabme der Arbeitsniederlegung und des Heulens der Sirenen sind von dem Direktorium und dem Betrrebsrat gemein­schaftlich veranlasst worden und hatten lediglich den Zweck einer sriedlichen Demonstration.

Die Emscher-Talbahn beschlagnahmt.

Berlin, 9. April. Wie der „Lokalanzeiger" meldet, haben die Franzosen am Sonntag die alte Emscher- Talbahn von Dortmund nach Herne beschlag­nahmt Den Eisenbahnern wurde ein Ultimatum bis Montag gestellt, wo sie erklärt haben müssen, ob sie in französische Dienste treten wollen, widrigenfalls sie des Dienstes verwiesen würden und auch ihre Dienst­wohnungen zu räumen hätten. Dem Blatte zufolge kommt es den Franzosen bei diHer Aktion darauf an. eine Linie, die durch die Mitte des Ruhr, gebietes geht und an der zahlreiche Zechen liegen, zur Verfügung zu haben, um von hier aus eine Über­leitung zur militarisierten Strecke nach Recklinghausen zu haben.

An 27 llattei Bel WaMiel#n#e[iawttf

Berlin. 7. Avril. Trotzdem auch die, Reparaiionskom- missicn begutachtet bat. dass die Reichsbank ein r>atinRitut sei. wurden wiederum von den Franzosen Reichsbankgelder des chlagnabmt. ganzen

wurden bis jetzt über. 27 Milliarden Re'Ksbankgelderweg- genommen. Die Beschlagnahme der 9 Milliarden 4 4oOOUO M. in böch st die trctz der Zusicherung an dre Wiesbaden er Reichs bankstelle, dass diese Transporte unbehelligt bleiben sollten, erfolgt«, wurde bewerkstelligt durch emen be­sonderen Beauftragten des Generals de Retz. Dieser glaubte die Freigabe in Aussicht stellen zu können, wenn ihm glaub - hafl gemacht werde, dass das Geld, nicht für Eisenbahnbeamte und -arbeiten bestimmt sei. Schrntlich wurde ihm nntgeteil,. dass dir Gelder ausschliesslich zur Zahlung der L ob ne an ' »dustriearbeiter und zur.Ausstattung der Privatbanken für Wechselgefchatte gelten sollten, de Metz erklärte jedoch später, er halte sich nicht für allem befugt, in dieser Sache zu entscheiden, sondern müsse, erst nnt Genera l»Deacutte Rücksprache nehmen. Rach der Rücksprache am 3. Avril wurde mitgeteilt, dass das Geld rm Schatz für Belgien und Frankreich niedergelegt worden fei.

Köln, 8. April Die französische Besatzungsbebörde hat laut ..K. B." die bei der Druckerei Marks in Mulberm (Ruhr) beschlagnahmten Gelder in Hohe von 1.5 bis 2 Milliarden Mark nebst Druckplatten wieder »uruck- gegeben mit der Erklärung, die Beschlagnahm« beruhe auf einem Irrtum.

3000 Personen seit 20. Januar ausgewiesen.

Paris, 8. April. Die Rheinlandkommission teilt mit, daß vom 15. März bis 1. April 1470 Personen aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen wurden, davon 901 aus der französischen Zone. Unter den Ausge-' wiesenen befinden sich hauptsächchlich Zoll- nick» Eisen­bahnbeamte. Seit dem 20. Januar sind 3000 Personen ausgewiesen worden.

185 Millionen Mark Geldbuße für die Stadt Essen.

Essen. 8. Avril. Für die Ermordung des französischen Scldaten S S m i d t. der am 18. Mar» in emem Keller des Sauvtbabnhofes erschossen wurde, ist der Stadt Essen,eine

üppers und Beigeordneter Dr. Hüttner

Die Reife Le Troquers nach der Ruhr verschoben.

Paris. 8. Avril. Die Reise des Ministers Le Tr o au ei in das besetzte Gebiet, die auf die nächste Woche verschoben worden ist. gilt nach Mitteilungen der hiesigen Press« vor allem dem Ausbau des bisherigen Systems zur wirtschaftlichen Ausbeutung des Ruhrgebietes.

Besetzung weiterer Bahnhöfe und Zechen.

Münster. 9. Avril. Gestern morgen baben die Franzosen die Bahnhös« Herne. Herne-Gut erb a b.n b o f Merten und Castrop. M a r k l i n d e und den östliche Teil des Bahnhofes Wanne besetzt so dass der Personen­verkehr von Dortmund nur bis Raurel geleitet weiden wird Gestern sind die Anlagen der Zeche Waltrop besetzt uni bisher nicht wieder, geräumt worden. Auch die Zecher Schwerin und E r i n m Castrop wurden besetzt Auf bei Zecke Schwerin wurde das Maschinenbaus besetzt und du Sirenen abgestellt.

Bochumer Sänger in der Reichshanptstadt.

Berlin» 9. April. Am Samstag kamen die Bochumei Sänger in Berlin an. Sie wurden durch die rheinischer und westfälischen Heimatverbände begrüßt. Am Sonn­tag fand ein Konzert in der Hochschule für Muss- statt. Am Abend war Empfang im Reichstag. Reichs­minister Ö s e r versicherte den Sendboten, daß drc Reichsregierung alle ihre Aufmerksamkeit auf das Er­leben an Rhein und Ruhr richte. Hoffentlich sei mc Stunde einer annehmbaren Verständigung nahe, um den Leiden der Einwohner an Rhein mir Ruhr ein Ende zu bereiten. Kultusminister Di- Boelitz sprach von unserem Stolz auf die Westralev und unserem tiefen Dank für sie. Zum Schluß redeten Vertreter der Heimatverbände.

Beschlagnahme aller Holzlager in den badischen Häfen.

Karlsruhe. 9. Avril. £ Am vergangenen Saltas er- schienen fravzösiscke Beauftragte Z

Karlsruhe und bei dem deuts.cken Uyteroeiegierren

.

beschlagnahmt tokolls

... feien, über die Beamten

Das Wormser Telegraphenamt geschlossen.

7 Avril. Das Telegraphenamt in Worms in n7n?en FransosÄi besetzt worden, weil die Beamten sich weigerten. Verbindungen mit der militarisierten Telr- gravhenleituns Mainz herzustellen.

Dr. Dorten kn Paris.