Samstag. 24. MSrz 1923.
Wiesbadener Tagblatt.
Nr. 71. Seit« 13.
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Eine volkskundliche Studie.
« Bereits viele Jahrhunderte vor dem Eimus Christi in Jerusalem hat es ein« heidnisch« Feier des Palmenfestes und festliche Eielsritte gegeben. In Persien sowie in den Lünern am Euphrat und Tigris fand um die Zeit der jüdischen Ostern von icber ein Früblingsfest statt, an dem Priester.
§ Eseln leitend, die Felder einsegneten, damit Ke reiche chte trugen und Palmen als Symbole der wieder- nnerden Fruchtbarkeit und des Sieges über di« ^arnon-n getragen wurden. Vielleicht ist hieraus die jüdische Sitte des Palmenstrcuens entstanden. Das Christentum >o,lme als Sinnbild des Sieges und des Friedens rauche auf. Als Vorläufer des Palmfestes im auch ein zu Ehren des sermani- abaebaltenes Fest in Frage, t« eure gumbwllrdiae Nachricht vom Palmenfest rührt vom Kirchenvater Chrysostomcs (347—407) her: man kann aus ihrer gai'zen Abfassung schließen, daß es damals im Morgrn- larue ovsemrin gefeiert worden ist. In Konstantinovel ritt der Patriarch aus dem Palmesel, den der griechische Kaiser am Zügel führte. Diese fromme Pflicht batte bis zur Aufhebung durch Peter den Großen um 1700 in Rußland der Zar. Die älteste Nachricht über das Fest im Admchlande entstammt einer Predigt des Kirchenbistorikers Beda Bcucrabilis (644—735). in Ser auch das Streuen von Palmenzweigen erwäbnt wird. Aus dem Bestreben heraus, dem Volk das Leben Christi vor Augen ru führen, pflegte man im Mittelalter den Einzug in Jerusalem dramatisch darzustellen. Die Mönche des Franziskanerklosters zu Jerusalem bemühten üch von jeher, den Vorgang genau nachzuahmen. In der Frühe des Palmsonntags schickte der Prior des Klosters zwei Mönche nach Detbvbage. um den Ekel abzuholen, aus dem er. während die Mönche und das Volk Palmen auf den Weg streuten und sangen, in Jerusalem
einzi'g. um in der Erlöserkircke d
kesse zu lesen. Eleich-
zeitigmit der Einführung des Christentums kam die Feier des Palmsestcs und die Palmefelvrozesiion nach Deutsch?
land.
Die «sie Nachr'chtvom Auftreten des Palmesels bei
m Anfang rit almesel. dem
uns stammt aus dem 10. Jahrhundert. Im Anfang ritt ein als Christus gekleideter Priester den
Menge in Ermangelung echter Palmen
die
uchsbaum-. Erlen-.
Weiten- oder Stechvalmenzweige vor die Füße warf, um ste hinterher auszuheben und als Schutzmittel gegen Blitzschlag mit nach Hause zu nehmen. Obwohl Papst Gregor der Große
Blitzschlag
(040—001) den Geistlichen die Rolle Christi zu spieleu verboten und befohlen batte, eine Solzfigur aus den Palmesel zu setzen, ist der Heiland auch später noch hier und da Son einem besonders dakür ausgewäblten Menschen dargestellt worden In Antwerpen wurde nach einer Verordnung von 1487 stets ein kurz vorher aus Jerusalem zurückgekebrier Pilger dazu genommen. Sattel und Zaumzeug des Palm- efels wie die Gewänder des Reiters zeigten häufig reichen Schmuck' in Salzburg waren ste mit kostbaren Sternen aus dem Besitz des Klosters Nonnberg verziert. Der Zaum bestand aus echten Perlen und Edelsteinen. In
[ In;een. bisweilen sogar von Ratsherrn gezogen wurde, da dieser Dienst als ehrenvoll galt. Beim Umzug pflegte die Bevölkerung die Christusfigur und den Esel vielfach mit Blumen zu schmücken, di« Bäckerfrauen behängten decke mit Backwerk. ''Einzeln zogen die Kinder nachmittags nach der Prozcsiion mit dem Patmesel berrrm. sangen Lieder und sammelten Eaton ein. wovon der Küster oder Schulmeister ore Hälfte erhielten. Dieser Brauch ist in Pfaffenhofen bis rn oi« Gegenwart hinein geübt worden. Bis vor den Kriege zogen in einigen Pfarrdörfern des bäuerischen Gebirges die Ministranten den Palmeiel. der während der Valmenweihe neben dem Hochaltar stand, durch die Straßen, wobei sie sangen: ..Jesus in das Haus reitet ein. Demütig auf einem Esrlein. Schämt euch, ihr stolzen Weltkinder. Ihr richtet alles auf den Schein. Gevrangt. gefvitzt muh alles iein.^ Das gefällt Gott nicht, o Sünder." Im 18. Jahrhundert leschiänkten sich die Palmsonntassvrozessionen meist auf die Kirchen, bis die Geistlichkeit den Esel wegen des dabei vor gekommenen Unfugs aus den Gotteshäusern
verbannte.
der
war die Palmeselvrozession bis zur französtschen _
ein im bad -scheu Unterland« berühmtes Volksfest. Die ganze biblische Ccickickte. von Adcnp und Eva an bis dum Einzug Christi in Jerusalem, durch zahlreiche Personen daraestellt. war im Zuge vertreten. Die Mönche des Augustinerklosters in Leipzig renonstalteten ehemals am ersten Ostertag in der Tbomaskiiche eine Komödie, in der allerlei lustig« Szenen »ui Erbeiteivn« des Volkes enthalten waren. Im Anschluß daran wurde zur Erinnerung an den Einzug Ebristi in Jerusalem ein mit Palmenzwergeu. geschmückter Elel lurumgeMrt unter großem Zulauf der Bevölkerung, di« sich teilweise vermummt batte und vor den Hausern, an denen der Zu« vorbeikam. allerlei Gaben erhielt, von denen der Havptontcil den Augustinern zufiel. Dreier Brauch wurzelte so fest im Volke, daß er trotz aller Maßnahmen des Magistrats fast noch zwei Jahrhunderte nach der Reformation mit zeitgemäßkr Abänderung Mubt wurde Balm- eselvrozesiionen kannte man u. a. in München. Augsburg. Breolau. Leipzig. Brieg. Wismar. Greifswald. Northeim. Quedlinbiiig. Hamburg (bis 1530. wo man. den Esel zerstörte). Am weitesten verbreitet waren sie tn Suddeutlch- land. in den d> »tick-österreichischen Alvenländern und in der Schweiz Intrige der Rerermation verschwand der Balm- esel aus Norddcullckland früher als aus den südlichen Gegenden. Für di« K'nder war das Erscheinen des Palmesels ein besonderes Fest: ste brachten ihm Heu und durften dafür einen Augenblick auf ihm reiten, was für befondns segensreich gehalten wurde. In katholischen Orten Schwabens tungierte als Palmefel ein Pferd, dem. reder Junge ein kleines Bündel Heu mitbrachte. Als Erinnerung hieran ist es zu betrachten, daß man in Offenau noch 1862 am Palmsonntag. um das Bieb gesund »u erbalten, etwas Heu vor die Scheuern warf und dabei sagte: „klmeres.Herrgotts Cstl laufe vorbei und darüber und fresse davon. An die Stelle dcs lebendigen Esels trat spater ein bemalter hölzerner, der auf Rädern lies und von Knaben oder Jung-
_ Trotzdem verschwand er nickt ganz
Augsburger Diözese gab es noch 1889 Klöster, in deren Refektonum man den Esel am Palmsonntag aufstellte, ebenso in Hall (Tirol). In Köln, wo ste stets besonders
f üänzend gewesen war. wurde die Palmeselvrozession 1778. n München 1800 verboten. 1802 bat in Schwäbisch-Gmünd der letzte Umzug mit dem Palmesel stattgefunden. Der Palmesel hat auch zu Spottnamen Berantastung gegeben: so nennt man in Baden, im Elsaß und in der Schweiz einen Langschläfer am Palmsonntag Balmesel. Dieselbe Bezeichnung bat man in Schwaben. Baden niw. für denienigen Knüben. welcher als letzter mit seiner Palme in der Kirche erscheint oder nach Hause zurückkehrt. Weitverbreitete Redensarten waren einst: „Aufaevutzt wie ein Palmesel acht Tage vor Ostern". „Da soll der Palmesel nicht hölzern sein, wenn cs nicht wahr ist". ..Er läßt stch nur einmal im Jabr in der Kirche sehen, wie der Palmesel." Von der einstigen Bedeutung des Palmesels, den man beute noch in Museen (Berlin. Nürnberg München. Ulm. Frankfurt a. M.. Basel. Bern. Zürich) antrifft, zeugt u. a. die Tatsache, daß auf alten Kolendc-n als Zeichen des Palmsonntags, der tn Schwaben früher Palm elel tag hieße ein Esel abgebildet ist.
_ E. E. R.
Lin wenig Licht.
Non Ernst Zacharias.
Nur Mrit! Es ist nicht alles Lickt erloschen auf der Welt! — Es gibt noch Menschen! — Sie springen von den Brücken in die Flut und retten Brüder, die ste nie gesehen und gekannt. Sie wollen keinen Dank, schütteln die nassen Kleider und wandern weiter. Und manchmal lasten ste das Leben für den andern. —
Sie linden Geld und Kostbarkeiten auf dem Wege und. selber arm. ruhen sie nicht, bis der Verlierer feinen Schatz zurückcrbält und werden rot vor Sckiam. wenn ihnen etwas angeboten wird.
Sie tüten ihre Ehre wie ein Heiligtum, und kein ..Geschäft" wird ihre Hand beflecken. Dem Vampir und Schmarotzer neiden ste die Füll« nicht: ein Ekel saßt sie vor dem Schmutz, in welchem jene leben.
Sie hetzen Ideale noch in ihrer Brust und glauben an das Gute rm Menschen. In ibrer Nähe wird rms leicht und frei und webt zumute. Wir werden bester, ahnen schön're Welten.
Sie fühlen fremdes Leid wie eigenes. Ihr Blick, ihr Händedruck, ckr Wort find Taten. Cie geben unerkannt von ihrer Armut.
Die Kunst, die e^ne Gottheit ihnen gab. bewahren ste mit reinen Händen. Mit hungrigem Magen widerstehen ste
Der Anrbraser Schlsstpark.
Von Marie Holzer.
Die Tür. die in den Schloßgarten führt, steht wert offen trotz der frühen Morgenstunde. Kern Wächter, der einem den Eintritt verwehrt, kein galonierter Diener, der einen emv- füngt. seine Majestät das Publikum ist jetzt Herr und ^Gebieter dieses uralten feudalen Parks und offene Türen heißen reden willkommen, der hier ein« Erholunssstunde sucht. Der ehemals weiße Weiher ist mit Moos bedeckt, un- gestutzte Sträucher wuchern darüber, und der kleine Dor- garten verliert sich gar bald in dunkle Waldpartten. Hutter dieser Mauer, die jahrhundertelang jedem Fremden den Eintritt verwehrte, lag ein Stück wundersamer Wald, den Macht und Gold abgearenst. als heiliges Eigentum gewahrt und gepflegt. Statt der Feldblumen, die überall wuchern und die vorwitzig verlangende Kinderhände letzt straußwerse forttragen, stanken blanke Rosenboskctts. statt der grauem Kieselsteine lag lichter Sand auf allen Wegen. Und vornehme Frauen und schlanke Prinzessinnen wandelten des Morgens oder bei Mondenfchein in wallenden, werben Gewändern durch diese heilig stillen Alleen. Kein Laut von draußen dringt in diese heimliche Stätte, hinter die hohen Mauern, hinter die uralten Bäume, die als Wächter dahinter stehen. Sie horchen auf die wundersame Stimme der Stille, ste trinken diesen Gottessrieden mit suchender Seele, sie träumen das merkwürdige Märchen ihres Lebens m dieser heiligen Einsamkeit. Und nur der Schloßkapelle dünne Glockenstimme schlägt mahnend, und wie uns heute vorkommt. drohend, der Stunde vergänglichen Schlag und tragt ein Stück Endlichkeit in diese Welt der Schönheit und Ewigkeit. Eine Kirchenglocke singt irgendwo ihr heilig Sonntags- lieS und ein Herz jauchzt ihm entgegen in Freude oder Wehmut. in Hoffnung oder Trauer.
Auf diesen Waldwegen ging vor vielen Jahren d,e schöne Patrizierstochter Philippin« Welser durch manchen langen Abend, hier- lebte ste ihre heimliche Ehe mit ernem Königssohn. Hier schrieb in einsamer Stube vor vielen hum
dem Angebot, das ste und ihr Talent verschachern will.
In stillen Stuben denken sie den Gang der Menschheit durch, und unbcstechlich ist ihr Urteil.
Als Führer lasten ste am Kiel des Schiffes Verleumdung Undankbarkeit. Gleichgültigkeit. Gefahr aufsvritzen. Das Wohl des Volkes und das Eewisten find einzig und allein Richtschnur ihres Handelns.
Sie tun die Arbeit, nicht wie Mietlinge nur um Lohn. Pfl'ckt und Verantwortungsgefühl stnd leere Worte nicht für ste.
.Sie freuen stck, am blauen Himmel und am grünen Wald, und ibr Vergnügen braucht nickt Tausend« ru kosten.
Si« schwätzen »ich: gedankenlos den Schwätzern nach und schwanken nicht von heute auf morgen. Sie tragen eine Welt in stch. wohl klein und eng. doch fest und bell und retn.
Sie haken Zeit für gute Bücher. Bilder und Musik und plaudern gern e'n ernstes oder heiteres Wort: doch sagen sie dir frei heraus, daß ste nicht „alles schon gesehen und gehört und auch dem neuesten Tanz nicht tanzen können.
Sie haben Sinn für Sport und üben ihn. doch steht ihren C-oetbe über Breitensträter.
Rur Mut. es ist nicht alles Licht erloschen auf der Welt.
Es gibt noch Menschen! .
brastr Handschrift erzählten alte Professoren mit immer neuer Begeisterung den Kindern, aller Schulen des alten Österreich.
Hier lebten Menschen, die die Gabe hatten, dre wirtschaftlich« Möglichkeit, die Kraft, die aus einer Stärke wächst, und beiße ste auch bloß Tradition. Distanz zu hatten. Zwischenräume zu schaffen, ein Vakuum um sich zu bilden, das ein Abgrenzen bedeutet, ein Fernesein. Heut« ttagen Hunderte ihres Lebens schwer« Sorgenlast in diese stille Statte. Heute leben in tausend Herzen tausend Hoffnungen und Enttäuschungen. heute wird der Streit der Meinungen, der Wirrwarr der Gefühle, das Dunkel des Alltags hierher getragen. In den verschlossenen Zimmern schMt der alte Geist den letzten Schlaf, in der Luft des Parks spinnen des grauen Lebens graue Sorgenfäden. sprühen die Funken der Zwietracht. lauert wie eine Nebeldecke der Seelen Unrast.
Des Volles Seele sehnt stch nach Märchen, in deren Mittelpunkt fast immer als Verkörperung der Schönheit und Pracht lichte Prinzessinnen leben' und stolze Ritter, die unnahbar sind und unerreichbar. Die Sehnsucht nach Festtagsgedanken. nach Festtagsgefühlen, nach irgend einem Glanz und irgend einer Pracht, die abseits ihres Lebens liegt, webt seit jeher im deutschen Volk, destcn Phantasie so viele tiefe Märchen und Legenden zu ersinnen vermochte. Die Dornröschenbecke. die nur ein schöner, stolzer, starker Ritter zu teilen vermag, ist das Sinnbild ihres Denkens, ihrer Wünsche stille Straße. der Zaubergarten ihrer Sehnsucht. Doch die Realitäten des Lebens erwerben ein Eiland nach dem andern und entkleiden das Märchen zur Wirklichkeit.
„Ach. wie herrlich eignete sich dieses Schloß zu einer Fremdenvension. wie schön, wenn hier aus dieser Terrasse lichtgedeckte Tische ständen und elegante Damen und junge Menschen säßen, das würde der Stadt ein Rieseneinkommen sickern, und wer weiß, was alles dann mit dem Gew geschaffen werden könnte", sagte ein junger Mensch. — ..Das Schloß sollte ein Versorgungsheim für alte Leut« werden, die hatten es schön", murrte eine alte Dame. ..aber wer denkt heute an alte Menschen, im Mittelälter verbrannte man die Hexen, heute läßt man ste verhungern." — ..Ein Erholungsheim müßte das werden für Kriegsbeschädigte, das wärr eine selbstverständliche Dankesschuld des Landes", riei ein müder Alaun Und alle batten rocht, das ist das Traurige.
Solche Gedanken umspinnen von früh bis spät. Werktags und Feiertags die alten Schloßmauern, die häßliche, nüchtern« Nützlichkeit nistet wie ein Gespenst in allen Ecken und sie witd wohl m unsere Zeit der Armut und der Not. in dem ewigen Auf und Ab allen Geschehens über die lichte Schönheit triumphieren.
Die Fahrt nach der Sonne.
Bon Cvrt Seibert.
Den ganzen Sommer hatte es geregnet. In Strömen, sä Bächen, vom Himmel, von den Dächern, von den Bäumen. Morgens, abends, nachts, vor dem Schlafengehen, nach dem Aufftehen Immer, ewig endlos. ,, ... _
Er hatte es satt. Seine Millionen hatte,er sich mühevoll verdient, indem er seine Pelze 3 Jabre hängen lreß. VH ne ß« »u verkaufen. Dafür konnte er auch etwas beanspruchen. Kon Natur aus wasserscheu, war es ihm ein Greuel, m eine Pfütze zu treten, Wasser von oben war ihm direkt widerwärtig. Er war daran gewöhnt, sich nichts versagen zu oiüffen. Für Geld war alles zu haben. Warum nicht auch Mtes Wetter? Kam der Sonnenschein nicht selbst, fuhr man Ken zu ihm hin. Wie der Prophet zu dem Berg. Em Be- Mnter hatte ihm mal gesagt, im Süden sei es immer dann wenn man hier häßliches Wetter habe. Also fuhr er oach dem Süden. ' .
[c München und Zürich lagen im Nebel. Als er rn den Gotthardt fuhr, wutde es dunkel. Dock der Kellner rm «veisewagen versicherte ihm. in Italien sei es wunderschön. Aälien bestehe überhaupt nur aus Orangen und Sonnen- 'ckein. Am anderen Morgen hielt der Zug in Arstzio. Es Mnete. Er erinnerte den Kellner an sein Versprechen. Der Mochte ihm Orangen. „
i ..Und der Sonnenschein? fragte er.
...Der kommt noch. Warten Sie bis Alilano.
», Uber Mailand bingen schwere Wolken. Als er nach Ienediq kam beschloß er Salt zu machen. Die Wolken ronn- i en sich ja auch mal teilen. Abends aber schrieb er eine Karte leine Bekannten. _
--^"E>ier muß es ganz furchtbar geregnet haben. Di« ganze ?Mot ist überschwemmt. Man fährt in Kähnen, zwischen den uausern lang. Ich fabre morgen nach dem Süden."
I» Brindisi herrschte Sturm, äks er das Sckiff bestieg.
Er saß unter Deck, lrank Cocktails und blickte in Abwesenheit der Sonne in eine Glühbirne. Nachts schien der Mond. Der Kavitän. mit dem er sprach, sagte, in Griechenland sei es wunderschön, weil da kein Wald sei. so daß die Sonne aus die Fellen brenne. Das imvonierte ihm sehr. In Athen watete er drei Tage rm Schlamm. Mit dem Hotelier, bei dem er wohnte, geriet er in Streit:
„Wo ist Ihre Sonne? Wo brennt sie auf Fellen, nachdem der Wald verschwunden ist? Wo ist sie. he?"
Der Wirt, der ihn nickt verstand, sagte, die Akropolis sei auch sehr schön und sogar Sonntags geöffnet. Am Abend schrieb er eine Karte an seine Berwandten:
..Athen besteht aus einer alten zerfallenen Burg, die man leider nicht wieder instand gesetzt hat. und einigen anderen Gebäuden. Ich habe mir einen Regenschirm gekauft. Morgen fahre ich nach dem Süden."
Aus der Überfahrt herrschte Sonnenschein. Aber die See war so bewegt, -daß er tagelang in seiner Kabine lag. und darüber nachdachte, wie er seinen Magen beruhigen könnte. Mancknial dachte er nicht, dann bandelte der Magen allein. Ein Herr, der schon mehrfach um die Welt gefahren war. besuchte ihn in seiner Kabine. Der wunderte sich, daß er ohne Tropenhelm nach Afrika fuhr, und trat ihm einen ab. da er mehrere besaß.
In Kairo war der Nil über die User getreten, weil es seit vier Wochen in Strömen goß. Alle Keller waren überschwemmt. Fluckend lief er durch die Stadt. Den Tropenhelm trug er zum Sckutz gegen den Regen. Seinen Schirm hatte er dem Schifsskoch geschenkt, weil man ibm erzählt batte, daß in Afrika 12 Monate im Jahr die Sonne scheine. Bei günstiger Witterung sogar noch einige Monate länger.
„Sie müssen die Pyramiden sehen, sagte man ihm." In steilem Bogen steht dort di« Sonne über dem Gestein. Die Hitze ist kaum zu ertragen."
Er fror wie ein Schneider auf seinem Maulesel, als «r einige Tage später durch die Wüste ritt. Dunkle Wolken jagten am Himmel, und er konnte sich mit seinem Führer
noch gerade in den Eingang der großen Pyramide flüchten.
als ein entsetzliches Hagelwetter losbrach. Nachmittag» ritten st« zurück. Der scharfe Wüstenwind strich durch seinen dünnen Panama-Anzug Am Abend schrieb er eine Karle an seine Freunde: . , __
„Kairo ist auch nicht das Richttge. Der warme Wüstenwind ist ausgehlieben. Die Pyramiden stnd sehr unvveck- mäßig gebaut. Biel Material, wenig Wohnvaum. Ich fahre morgen nach dem Süden."
Kapstadt war jetzt sein Ziel. Die südliMe Stadt Afrikas Wenn dort nicht die Sonne war. wo sonst? Auch hatte er von den Tafelbergen gehört, die. unbewaldet, in glühender Sonnlenbitze am Meer lagen. Da wollte er sich hinlegen und in der Sonne braten. ... . _ _ .
In Kapstadt rang man die Sande. Es war Treibeis gemeldet. Die Schiffahrt gefährdet. Es begann gerade zu regnen, als er ankam. Und er wollte nach dem Süden, wo die Sonne schien. Als er sich nach einem Schiff erkuindigte. das noch weiter nach Süden fuhr, sagte man ihm. das gebe es nicht. Der Süden fei hier zu Ende.
„Kann ich denn nicht hier warten, bis die Sonn« kommt?" fragte er hartnäckig.
Das würde wenig Zweck haben. Gestern bat die Regenzeit besonnen. Die dauert gewöhnlich 4 Monate", sagt«
man_i&tin^e ^Ete er nicht warten. Regenzeiten kannte er. Da schien nie die Sonne. .
Als er nach dreimonatiger Abwesenheit wieder zu Haus ankam und im strömenden Regen aus dem Zug stieg, traf er einen ihm bekannten Gutsbesitzer.
i „Eine nette Schweinerei", fluchte er. ..dieser ewige
.Na erlauben Si« mal! Nachdem jetzt 8 Monate lans die Sonne geschienen hat. können wir froh sein, daß die Saat endlich mal Regen bekommt. Wenn es Ihnen hier nicht schön genug ist",, rief ihm jener nach, „dann fahren Sie doch nach hem Süden!"
