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Verlag Langgasse 21

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Ar. 54.

Montag, 5. Marz 1923.

71. Jahrgang.

Die Verschärfung der Lage.

LS. Berlia, 5. März. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Es hat in letzter Zeit stcherlich nicht an französischen Pressestimmen gefehlt, die die Ruhr­aktion einer außerordentlich scharfen Kritik unterzogen und es hat nicht minder an französischen Pressestimmen gefehlt, in denen die Verhand­lungsmöglichkeiten erörtert wurden. An dieser Stelle ist von vornherein davor gewarnt worden, solche Äußerungen in bezug auf ihre praktische Auswirkung zu überschätzen und die Besetzung wichtiger Anlagen der Städte

Karlsruhe, Mannheim und Darmstadt

gibt der hier vertretenen skeptischen Auffassung recht. Man will in dem offiziellen Frankreich und Belgien die wahre Lag« noch nicht erkennen und man gibt sich noch immer der Hoffnung hin, den Erfolg, der bislang ausgeblieben ist, durch neue Maßnahmen an die eigenen Fahnen heften zu können. Der belgische Minister­präsident T h e u n i s äußerte sich wieder einmal recht optimistisch über das Ruhrunternehmen, das glück­lich auslaufen müsie, weil, wie Herr Theunis sagt, Frankreich und Belgien das Recht auf ihrer Seite haben, weil die Macht ebenfalls auf ihrer Seite ist und schließlich, weil man unbedingt an der Ruhr zu einem Erfolg kommen müsse. Diese Art der Beweisführung ist kennzeichnend. Sie sagt nichts davon, daß der Er­folg sicher sei, weil täglich soundsoviel Tonnen Kohle abtransportiert werden, »der weil die Bahnen vorzüg­lich funktionieren, nichts von irgendwelchen realen Tatsachen. Ob man sich in Belgien und Frankreich wirklich auf die Dauer mit solchen Äußerungen be­gnügt, ist zweifelhaft. Schon sprechen die französischen Blätter der Opposition ganz offen davon, daß die Zu­versicht der amtlichen französischen Kreise nichts weiter als eine Maske sei, und die ZeitschriftLe Progrtzs civigue" meint sogar, Poincar^ sei nur deshalb so ruhig, weil ihm

die Courage fehle, aufzuhören.

Wie dem aber auch sei, in Deutschland muß man sich an die Tatsachen halten, die freilich eine beredte Sprache führen. Der Reichskanzler hat feine für Sonntag und Montag geplante Reise nach Süd­deutschland aufgegeben und hat für Dienstag eine Erklärung im Reichstag angekündigt. Es ist begreiflich, daß angesichts der Ver­schärfung der Lage, wie sie durch den weiteren Vor­marsch und die letzten Maßnahmen der Franzosen ein- .getreten ist, die Regierung den Wunsch hat, vor der Volksvertretung so schnell wie möglich ihren Stand­punkt und die von ihr ins Auge gefaßten Maßnahmen darzulcgen und daß zu diesem Zweck der Reichskanzler persönlich das Wort ergreifen will. Das Reichskabinett Wird über diese Erklärung heute noch einmal beraten, außerdem werden aber auch die Maßnahmen beschlos­sen, die auf die Besetzung der Anlagen Mannheims, Karlsruhes und Darmstadts getroffen werden sollen.

Vielfach ist wieder das Gerücht verbreitet, die Veichsregierng ziehe in Erwägung,

die diplomatischen Beziehungen Zu Frankreich und Belgien abzubrechen. Nach unseren Informationen entbehrt dieses Gerücht jeder Grund­lage. Man verhehlt sich in maßgebenden Kreisen nicht, daß ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen >o große Nachteile mit sich bringen würde, daß es besser '-st, an dem bestehenden Zustand nichts zu ändern. Als Antwort auf die letzte Maßnahme der Franzosen darf man im übrigen wohl auch die Ausnahmever- orduung des Reichspräsidenten oerzeich- die schwere Zuchthausstrafen für Spione militäri- !cher, wirtschaftlicher und politischer Art ankündigt. , E -J et £rt erneut, daß jede gesetzgeberische Maßnahme eignet ^ den Abwehrkampf zu fördern ge-

A«ek seiniU m m seMm merm».

5- März. (Eig. Drahtberickt.) Der vreu- 'icUurmbü""*! 1 ** 6 ? Scnerino beimach am Samstag die c beut,chm Arbeiterschaft zum Emmarsch rns unÄmtk gr betonte, es fei keine Absicht, bie Aunaßung ^erSi fn ' als ob bie Arbeiterschaft durch ine .Parole Arbeit/,^m Aüwebrkamps geschritten sei.. Die r aewlltzt. daß es. wenn fte Frankreich ,m UTib V S n/ > f , äewabren lassen, um sie deutsche Freiheit d<ullck°n ^Ä>che Ansebtn ^schoben sei. Severin«, sprach der

... sei. seiten

srnlKīS

Die Franzosen in Mannheim, Karlsruhe, Darmstadt.

V/cl. Mannheim, 6. März. (Eig. Drahtbericht.) Die durch die französische Besetzung der Rheinhäsen von Mannheim und Karlsruhe geschaffene. Lage ist un­verändert. Zn Mannheim haben die Franzosen die Besetzung der Jungbuschbrücke ausgehoben und auch die Besatzung von dem KranschiffMannheim 72 zu­rückgezogen.

. W. T.-B. Mannheim. 4. Mälz. Wie die Eisenbahnbe- triebsinirektion mitteilt, ist der Verkehr nach dem Mannheimer Zentralaiiterbahnbof durch die Franzosen nnterbunoen. Es rönnen infolgedessen dort vor­erst weder Güter aufgegeben noch abgeholt worden. Im Mannheimer Haunt-nilhäfen beschlagnahmten die Franzosen alle Waren. Auch bas der Rhein-See-Schiffabrt gehörende KranschilsMannheim 72. das im Neckar lag. ist von den Franzosen beschlagnahmt und mit einer französischen Wache beseht worden.

W. T.-B. Mannheim, 4. März. DerMannt,. General­anzeiger' meldet' Von den im Neckar liegenden S ck l ff e n darffkeines rceggi fahren werden.

,-c. rr . o wimnsetn. man muiie Paris ncuie und Unfriede verzehrt. Zum Vomek5« °» Ausbohrungen forderte der Minister Warfes

Wucher, und Schiebertu».

^-1. Darmstadt, 3. März. (Eig. Drahtbericht.) Die Besatzung des GLterbahnhofes und des Lokomotiv­schuppens wurde zurückgezogen. Dagegen sind die Betriebswerkstätte und das Elektrizitätswerk besetzt ge­blieben. Die Kavalleriepatrouille und die Postenkette auf der Eriesheimer Straße wurde am Samstag und Sonntag zurückgezogen. Die Posten sind auch heute nicht wieder ausgestellt worden, jedoch war am Sonntag wäh­rend des ganzen Tages eine Kavalleriepatrouille von 20 Mann ständig unterwegs aus dem Dornheimer Weg und der Eriesheimer Straße. Gestern ist der Per­sonenverkehr in vollem Umfang wieder auf- genommen worden. Man versuchte nachmittags auch den Güterverkehr wieder auszunehmen. Am Bahn­übergang am Dornheimer Weg find die dort ausge­stellten Maschinengewehre, wieder zurückgezogen Die Fußsteige wurden mit Stacheldraht abgesperrt. Zu bei­den Seiten des Bahnübergangs sind provisorische Schilderhäuschen ausgestellt 'worden. Der Übergang selbst wurde durch Schlagbäume gesperrt. Die Schupo hat auf Weisung des Ministeriums des Innern Darm­stadt verlassen und ist im Odenwald u nte rge­brach t

Der Reichskanzler an die Staatspräsidenten von Baden und Hessen.

W. T.-B. Berlin. 4. März. Der Reichskanzler richtete an den ladischen Staatsvrästdenten R e m m e l e folgendes Telegramm:

Mit tiefer Empörung habe ich Ihre Mitteilung über die Besetzung des Hafengebietes der Stadt Mannheim und über die Bedrohung der badischen Hauptstadt erhalten. Ich bitte Sie. Herr Staatspräsident. der badischen Regie­rung sowie den schwer bedrohten Städten des gesamten bodlschen Landes den Ausdruck der treuesten Anteilnahme der Reichsrigierung zu übermitteln. Wir werden alles tun. was in nnieren Kräften steht, um die schweren Prü­flingen nack Möglichkeit zu lindern. In Gesinnung und Tat wird das deutsche Volk den Badenern in Treue und Standhaftigkeit danken.

An den hessischen Staatspräsidenten A l r i ch tole- gravbierte der Reichskanzler:

Erneut bcdreht feindlicher Einbruch Darmstadt und weitere Teile des schwer leidende,! Hekienlandes. Die Rl'ck.sregierung weih, daß Hessen ungebeugt für Reich und Recht fcitkteben wird. Sie bittet Sie. Herr Staats­präsident. die Berficherung entgegenzunehmen. daß das Reich hie Schäden nach Kräften lindern und Treue um Treue wahren wird.

Die neuen Besetzungen alsStrafmaßnahmen".

Rr. Berlin, 5. März. (Eig. Drahtbericht.) Der deut­sche Geschäftsträger in Paris erhielt nach der neuen Be­setzung des Bahnhofs Darmstadt, der Häsen von Mannheim und Karlsruhe am 3. März, vormittags 9.45 Uhr. eine Note, in der Mitteilung von de: Besetzung der Häfen der Städte als Strafmaß na b me gegen die ..absichtliche Sperrung des Rhein-Herne-Kanals durch Versenkung von Kähnen gemacht wird.

Bor einer Regierungserklärung über bie Lage.

Br. Berlin. 5. März. (Eis. Drahtbericht.) Das Reichs­kabinett beschloß in der gestrigen «itzung. den Reichstag bereits auf kämmenden Dienstag zusammenzuberufen. In der Sitzung wird der Reichskanzler eine Regierungserklärung über die Lage abgeben. Durch die vorzeitige Zuiammen- berufung des Reichstags nt die Reise des Reichskanzlers nach Sndheutschland aufgeickoben worden. Reichskanzler Cuno hat dies auch.in einem.Telegramm dem bäuerischen Ministerpräsidenten v. K n r l! i n g mitgeteilt.

Kein Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Br. Berlin. 5 März. (Erg. Drahtbericht.) Im Laufe des heutigen Tages wird das R e i ch s k a b i ne t t zu- sammentleten. um nch über die Regierungserklärung, die Reichskanzler Cuno dem Reichstag vorlegen wird, schlüssig zu werden. ^

Das in polrtrichen Kreisen verbreitete Gerücht von einem bevoistrhrnDtN A bdruck der diplomatischen Beziehungen entbehrt ieder Grundlage.

Der Bahnhof Scharnhorst besetzt.

Die MMkarderibeschlagirahme.

zuständiger

zwischen de___ _____

die Freigabe der 12.8 Milliarden Reichsbankgelder rhren Abschluß tn einem Schreiben des Generals Degoutte an die Reichsregierung gefunden, in dem der Genetal erklärt bcw er die Beschlagnahme der Gelder aufreckt er­balte. Als Begründung wird angeführt, die Beschlag­nahme sei erfolgt, weil die Reichsvermögensoerwaltung !«'t dem 28. Januar dcu an sie «richteten Anforderungen von Geldern nicht mehr entsprochen habe, die sie gemäß dem Rbeinlandabkommen an die Besatzunasbehörden zu leisten verpflichtet sei. Die Gesetzmäßigkeit dieser Maß­nahme sei dem Reichsbankdirektorium übrigens durch Schreiben vom 16. Februar bekannt gegeben worden, wöbe; es sich um eine Veschlagnabme von 'Reicksbankgeldern ui Aachen durch belgische Truvven bandelte. Der General er­klärt sich in dem Schreiben weiter bereit, alle beicklag nahmten Druckvlatten an die Reichsbanknebenstelle Düssel­dorf zurückzugeben unter der Bedingung, daß dir Unver­sehrtheit der Plomben von der Reichsbank bestätigt wird und daß über diese B-stötiaumi ein offizielles Kom­mun i a u 6 in der deutschen Presse veröffentlicht wird, aus dem der Beschluß des Generals Degoutte. die Druckvlatten zurückziigeben. klar bervorgeht. Schließlich wird binzugenig! daß. um weitere Beschlagnahmen zu verhindern, die Reichs- regierun« den Markanforderungen Nachkommen müsse, wozu sie sich im Rbeinlandabkommen verpflichtet habe.

Wiederum eine Milliarde beschlagnahmt.

Br. Düsseldorf. 5. März. (Eig. Drahtberickt.) Nack einer Pariser Meldung ist gestern in Duisburg eine Milliarde Mark, die für die Reichsbankstelle der Stadt be­stimmt war. beschlagnahmt worden.

Die rheinische Eisenbahn-Regie.

IX Baris, 5. März. «Sie. Drahtberickt.) Der Ber- kchrsminister Le Troauer erließ am Samstag eine Ver­fügung über die rheinische Eiienbahnregie. Danach verfügt die Regie über alles Personal, das bei den Eiiten- bahnen des l-csstzten Gebietes beschäftigt ist. auch über die Freiwilligen der franzökilckEU Gesellschaften. Nur das Per­sonal der 50er Fcldbahnverwaltung untersteht unmittelbar dem Eeneralstab der Vesatzunasarmee. Der Direktor der rheinischen Eisenbahnen. B e a u d. besitzt vollständig« Be­fugnisse über di« rheinischen Eisenbahnen. Er stellt- das Budget auf und übt die Kontrolle aus. Zu diesem Zweck wird ibm noch eine Persönlichkeit beigegeben.

Beschlagnahme von Kohlen auf den Bergwerkshalde«?

W.T.-R. Paris, 5. März. Der Düsseldorfer Be­richterstatter desNew Port Herold" meldet, General Degoutte sei mit der Durchführung von Plänen zwecks Beschlagnahme von Kohlen auf den Bergwerks­halden stark beschäftigt. Die Operation werde mit einer auf die Entmutigung jeden Widerstandes von seiten der Bergarbeiter berechneten Machtentfal­tung vor sich gehen. Zuerst würde die Kohle auf den fiskalischen Gruben beschlagnahmt werden, dann die­jenige der Privatgrubsn, die es abgelehnt hätten, Kohle für die Reparationslieferungen zu fördern, bevor ihnen die Franzosen die Förderungskosten bezahlten, und die es abgelehnt hätten, die Kohlensteuer zu be­zahlen. Zurzeit lägen im besetzten Gebiet etwa zwei Millionen Tonnen Kohlen. Falls man keine Arbeiter für die Verladung finde, würde die Verladung der Kohlen durch Arbeiterkompanien des Defetzungsheeres vorgenommen werden.

Holzversteigerung in Aachen.

W.T.-B. Baris. 5. März. DasJournal" teilt mit. daß der erste Vcikauf von Holz aus den rheinischen Doma i.ialwäldem in Aachen stottgefunden und einen Erlös von 640 000 Franken erbracht habe. Dies seien 40 000 Franken mehr als der Veranschlag, Das -Holz fei von belgischen Händlern gekauft werten. Einige Deutsch« seien wohl zu­gegen gewesen, hätten sich aber nicht an der Versteigerung beteiligt. Eine neue Holzversteigerung solle am 10 März in Cleve und «ine weitere am 11. März in Koblenz abgeb alten werden.

Russisches Brot für die Ruhrarbeiter.

Br. Berlin, 5. März. (Eig. Drahtberickt.) Wie der Roten Fahne aus Moskau gemelkt wrrd. hat de>- W i r «i ck a s t s r a t des allrussischen Gewerffchaftsbundes beschlossen, den kömvienden Ruhrarbeitern durch den.Reichs­ausschuß brr deutschen Betriebsräte 500 000 Pud, Brot, diw sind 2(1 Millionen Pfund oder ungefähr 10 Millionen Laib Brot zu übersenden.

MnntmaiM Der SnMIIMen ««MmniM-o.

Non der Interalliierten. Rheinlandkommission..geh» uns nachstehende amtliche Bekanntma^ium zur Beroffeat- lichung ouf Grund Verordnung 97 Art. 1.» zu.

Da die hauotsächlicken deutschen Koblen^rterluEam^r vraktisch außerstande sind, dre Zufuhr von Brennstoffen für di« Rbeinlande sicherzustellen, so können sich di« einzelne« oder eine Gruppe bildender Verbraucher (Städte, öfsentlick» Dienststellen. Privatpersonen .der Bezirke Mainz und 5Bt» haben) unmittelbar an dre produzierenden Bergwerke

wenlea ^jxsxrangen. die dann von der Interalliierteu Rbeinlandkommission genehmigt worden, ist jede Derkebrs- freibeil^sewdXrXk^^^ erteilt bei der Koblenkontroll- stelle (Contvöle des Charbons) m der französischen Ajirt-

f1^a^^eil^ng (Section Keonomiaue) zu Main».«e«> ße Ar. 1.