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Verlag Langgast« 21

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Nr. 37.

Die gestützte Mark.

Laug« genug hat man tn Deutschland r-on der Mark­stabilisierung und von dem Kamps gegen den Wah- rungszerfall gesprochen und geschrieben. Der Ruhr­einmarsch der Franzosen hat die Reichsregierung vor eine Lage gestellt, in der die Frage, ob es möglich ist, die Markerilwertuiig, auch unter großen Opfern, aufzu­halten und zu mildern, in den Brennpunkt der politi­schen und wirtsct>astlichen Geschehnisse trat. Die Haupt- gesahr für den deutschen Widerstand droht von der ungeheuren Verteuerung des Lebcnsbedarss in Deutsch­land. Die Erjohrung lehrt, daß die Lebensmittelpreise wie die Preise der Lebenshaltung überhaupt in erster Linie abhängig sind vom Devisenkurs. Der Dollar be- stimint heule die deutschen Preise. Angesichts des Wähningszersalls, der infolge der ganzenRevarations- politik Poincaräs schon seit langer Zeit die Ursache der deutschen Wirtschastsnot geworden ist, hat man schon früher durch die Devisenverordnung den Versuch ge­macht, die Nachfrage nach Devisen künstlich zu ver­ringern und dadurch der maßlosen Devisenhausse, durch die unsere Mark ruiniert worden ist. ein Ziel zu setzen. Der Versuch ist mißglückt, wie die meisten derartigen Eingriffe in die wirtschaftlichen Verhältnisse. Aber unter dem Zwange der gesteigerten Gefahr hat setzt die Reichsregierung den Versuch mit anderen, kauf­männischen Mitteln erweitert und erneuert. Sie hat in großem Ausmaß Devisen angeboten und abgegeben, um durch das gesteigerte Angebot den Kurs zu drücken. Sie konnte das tun. weil ihr durch die Unterbrechung der Reparationszahlungen die Devisen, die sonst für Reparationszwecke Verwendung gefunden hätten, für Markstützungszwecke zur Verfügung standen. Der Er­folg war zunächst durchschlagend. Der Markkurs in Skew York ist von 0,0920 auf 0.0035 gestiegen, d. h. er hat sich beinahe verdoppelt. Demgemäß ist in Berlin der Dollar von 50 000 auf 27 000 M. zurückgegangen. Gelingt es, diesen Kursstand aufzuhakten oder sogar noch ein wenig zu verbessern, so ist gegen die Teue­rungswelle, die uns sonst zu überfluten drohte, ein starker Damm errichtet, der sie in einiger Zeit zum Stillstand bringen muß.

Die entscheidende Frage ist also die, ob das Reich wirklich imstande ist. für längere Zeit durch Denisen- abgabon und Markankäufe den internationalen Mark­kurs zu stützen. Durch die deutsche Ausfuhr fließen der Devisenbeschaffungsstelle des Reichs monatlich etwa 60 Millionen Goldmark in Devisen zu. Soweit hier­aus nach Erfüllung der Wechselverpflichtungen Belgien gegenüber und nach Bezahlung der notwendigen Ge­treideeinfuhren noch Überschüsse bleiben, können sie dem Markt zur Verfüming gestellt werden, um die Mark zu stützen. Die Einfuhr der englischen Kohle ist zunächst auf dem Kreditwege gesichert morden, so daß wir auch hierzu einige Zeitlang keine Devisen zu verwanden brauchen. Wie groß die Devisenbestände der Reichs- bank zurzeit sind, wird natürlich nicht öffentlich be- kann^gegeben. Aber es darf wobl angenommen wer­den, daß es der Reichsreaierung für geraume Zeit ge­lingen wird, durch ihren Stützungsfeldzug den weiteren Verfall der Mark aiifzuhalten, bis die Entscheidung an der Ruhr gefallen ist!

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Frankreich kauft täglich 800 Millionen Papiermark.

W. T.-B. Paris, 13. Febr. Das „Oeuvre" weist darauf hin, daß die französische Regierung, die darauf verzichtet zu haben scheine, im Rheinland eine neue Währung zu schaffen, bevor die Bevölkerung sie n'cht verlange, infolgedessen genötigt sei, für ihre Zahlungen an Ort und Stelle jeden Morgen 500 M i l- liorten Papiermark zu kaufen. In Wirklichkeit seien das nur 200 000 bis 300 000 Franken, aber es führe nichtsdestoweniger zur Bildung eines Marktes für die Papiermark, der sonst wahrscheinlich nicht da

wäre.

Bewachung der Straßen zum besetzte« Gebiet.

W. T.-B. Frankfurt a. M., 12. Febr. Wie amtlich mitgereilt wird, werden seit heute früh die nach hier führenden Straßen aus dem besetzten Gebiet von den Franzosen bewacht. Es sind Schlagbäume errich­tet oder werden noch errichtet. Fahrzeuge werden kontrolliert und in das besetzte Gebiet hinein-, aber nicht mehr herausgelassen. Soweit festgestellt werden konnte, handelt es sich zunächst um folgende Straßen: Eoldsteiner Weg, Mörfolder Straße,'

Höckster Straße und Mainzer Landstraße sowie die Schwanheimer Straße. Es ist damit zu rechnen, daß auch die übrigen Zugänge zum besetzten Gebiet in Kürze m der gleichen Weise besetzt werden.

Dienstag, 13. Februar 1923.

Die neue Ausfuhrsperre.

as. Berlin, 13. Febr. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Die Lage im Ruhrgebiet spitzt sich zusehends weiter zu. Dem Ausfuhrverbot für Eisen und Stahl ist nunmehr ein westeres Ausfuhr­verbot für Farbstoffe, Düngemittel und Samen gefolgt, das sich wie die vorhergehenden Ausfuhrverbote auf das° gesamte alt- und neubesetzte Gebiet erstreckt. Die neue Ausfuhrsperre ist gestern bereits wirksam ge­worden und es sind bereits Eisenbahnwagen mit Kruppschen Halbzeugfabrikaten angehalten worden. Im ganzen beurteilt man aber, wenn man auch gar nicht verkennt, daß wirtschaftliche Störungen nicht ausblei- ben werden, das Ausfuhrverbot für Stahl und Eisen in den zuständigen Mrtschaftskreisen nicht sehr un­günstig. Liegt auch die deutsche sck>afsende Industrie zu etwa 75 bis 80 Prozent >m besetzten Gebiet, so hat doch die Eisen verarbeitende Industrie zu etwa 65 bis 70 Prozent im unbesetzten Deutschland ihren Sitz. Die Versorgung dieser Industrie ist die Kernfrage und es ist selbstverständlich, daß die letzten Monate im größten Maße dazu benützt worden sind, sich mit Rohfabrikaten und Halbzeug einzudecken. Diese Vorräte sichern den unbeschränkten Produktionsgang für eine Reihe von Monaten. Es besteht ferner die Mög­lichkeit. die Eisenerzeugung des unbesetzten Gebiets er­heblich zu ste'gern. Die deutsche Eisenindustrie hat ihre Leistungsfähigkeit bisher nur bis zu 60 Prozent aus- autzen können. Eine verstärkte Koksbelieferung der Werke des unbesetzten Gebiets wird durch Regelung der Verteilung und durch die Einfuhr auf jeden Fall durch- geführt. Die volle Ausnutzung der Leistungsfähigkeit dieser Werke setzt sie in den Stand, die Rohstofsliefe­rung der verarbeitenden Industrie im unbesetzten Deutschland zu rund zwei Drittel laufend zu über­nehmen. Die angescrmmelten Vorräte und Einsuhr­zuschüsse brauchen nur für den Rest herangezogen zu werden, damit eine Einwirkung auf den Beschäftigungs­grad der deutschen Industrie für lange Zeit nicht in Frage kommt. Der Devisenbedarf aber, den Frank­reich Deutschland durch die Absperrung des Ruhr« gebiotes für Einfuhrzwecke aufzwingt, wird zum Erport- anreiz- schlechter Valuta gegen d>e französische weiter- verarbeitende Industrie. Man wird sich also in Frank­reich wahrscheinlich schon in kürzester Zeit von dem Mißerfolg der Maßnahmen überzeugen können. Wie denn auch ein großer Teil der französischen Preffe die neuen Maßnahmen sehr skeptisch ausnimmt.

üeMroM söi Staren ans dem MM.

W. T.-B Paris, 13. Febr. Havas meldet aus Koblenz: Die Interalliierte Rkeinlondkommistion hat gestern vor­mittag MtHrfin. daß aus dem Rheinland keine Waren mehr nach dem unbesetzten Deutikbland bevaus- gelasten werden ebne eine durch ihre Dienststellen gewährte Ermächtigung. Diele Ausnahmen werden durch Organe ge­währt werden, die bereit sind, in Tätigkeit zu treten und deren C'tze sich in Krefeld, Köln. Mainz und Ludwiqs- baien befanden Was die Waren anlangt, die nach dem Ausland bestimmt sind, so wird an den früheren Vorschriften der Rbeir.landkammisiion bezüglich der Ausfuhrbewilligun­gen. der Erbtbung der Ausstlbrabaabe und des Einbringens der ausläxdi'chcn Devisen nichts geändert. Dies« Mahnabm« habe die Möglichkeit gebeten, schon ietzt die Beschlüsse. Herr, di« Ausfuhrverbote, durchzuführen die der deutschen Regierung uciif'zieri uurdrn. Die Beschlülle bezieben sich aus das der Rheinlandkommission unterstehend« Rheinland. Die gleichen Masinalmen sind von den Militäroraanen im Ruhrgebiet getroistn worden.

Rach einer wetteren Meldung ist für Waren, deren Ausfuhr aus dem besetzten Gebiet bewilligt wird, eine Steuer von IvVrozent des Wertes zu entrichten.

Br. Berlin. 13. Febr. (Erg. Drahtbericht.) Wie die „Dost, Ztg" aus Essen hört haben die französischen und belgischen Mitglieder der Rbeinlandkommillion ein neues Ausfuhrverbot für Farbstoffe. Düngemittel und Samen erlasien. Sie haben ferner angeordnet. dah auch dieses Ausfuhrverbot wie die bisherigen Ausfuhrverbote im ganzen alt- und neubesetzten Gebiet Anwendung find«.

Die Erhebung von Zollgebühren auf Lebensmittel ausgeschoben.

IV. T.-B. Düsseldorf 13. Febr. General Denvigne hat dem Rrgieruugkvräsidenten von Düsseldorf in Erwide­rung aus dessen Beichwerde über die Erhebung von Zoll­gebühren ans Lebensmittel in Duisburg mita-e- teilt. dah di« Erhebung dieser Gebühren und Steuern bis zu einem neuem Beleb! an'geh oben und die Lebens­mittel sofort an ihren Destlmmunasort gesandt werdrn sollen.

Wese! und Emmerich besetzt.

W.T.-B. Paris. 13. Febr. Heute vormittag 7 Uhr be­setzten die dilgischen Truoven Wesel und Emmerich, um den Schiffsverkehr nach Holland zu überwachen.

Besetzung Darmstadts?

W.T.-B. Paris. 13. Febr. Der Sonderberichterstatter des ..Echo de Paris" in Düsieldori meldet, dah zur Durch­führung der Maßnahmen, die letzt vorgesehen seien, es viel­leicht notwendig sei. Darmstadt zu besetzen. Das Blatt sicht diese Nachricht jedoch nur als einfache Loootbese.

71. Jahrgang.

Die Verkehrslage.

W. T.-B. Mainz. 12. Febr. Wie wir hören, ist die Lage im Eisenbahnerstrest unverändert. Die In­haftierten find bis jetzt noch nicht freigelassen worden, Verhandlungsmöglichkeiten scheinen sich vorerst nichtzuergeben.

W.T.-B. Essen, 13. Febr. Die Derkehrslage hat sich gegen den letzten Samstag wesentlich gebessert. DieDerkehrsschwierigkeiten auf dem Bahnhof Scharn­horst sind wieder behoben worden, nachdem der Bahn­hof von den Franzosen wieder freigegeben ist. Auch im allgemeinen scheinen die Verstopfungen der Geleise nach Osten wieder beseitigt zu sein, die durch die Ein­griffe der Franzosen hervorgerusen waren. Die Kon­trolle an den Grenzbahnhöfen ist nach wie vor sehr streng. Vor allem scheinen die Franzosen darauf zu achten, daß nicht mehr Wagen aus dem besetzten Gebiet herauskommen, als hineingehen. Die Kohlenwagen und die Wagen mit Nebenprodukten aus Kohle werden nach wie vor beschlagnahmt. Die angedrohte B e° s ch l a g n a h m e von W^en mit metallurgischen Fabrikaten ist bisher, soweit festgestellt werden konnte, noch nirgends erfolgt. Die Eifenbahn- behörden erhielten auch noch keinen entsprechenden französischen Befehl. Die Lebensmittelzufuhr ist als befriedigend zu bezeichnen.

W. T.-B. Paris, 12. Febr. Havas meldet aus Düsseldorf, der Direktor für das Eisenbahnwesen im Ministerium für öffentliche Arbeiten, du Ca fiel, und der zweite Direktor der Staatseisenbahnen, Breaud, seien heute vormittag in Düsieldorf ange­kommen. Brearrd sei General Payet beigegeben, um als technischer Berater zusammen mit belgischen Sach­verständigen die endgültige Inbesitznahme der Eisenbahnen im besetzten Gebiet sei­tens der Alliierten durchzuführen und für die betreffen­den Bezirke den regelmäßigen Betrieb zu sichern. Die vorgesehenen Maßnahmen würden durch Anschlag unverzüglich den deutschen Eisenbahnern und der interesiierten Bevölkerung bekanntgegeben werden. Das deutsche Personal werde vor die Wahl gestellt wer­den. entweder endgültig aus dem Dienst auszuscheiden, oder für Rechnung und unter Kontrolle der Besatzungs­behörden zu arbeiten. Die Alliierten feien in der Lage, schon jetzt denDedürfnisien ihrer Militärtransporte und der Kohlenabfubr auf Reparationskonto gerecht zu werden. Das Wirtschaftsleben der besetz­ten Gebiete werde in dem Maß gewährleistet wer­den, in dem das deutsche Eisenbahn-Oder- und Unter­personal um seine Wiedereinstellung nachsuchen werde.

Verhaftung des Direktors der Mainzer Diskonto- gefellschaft.

Wd. Mainz 13. Febr, (Eia. Drabtbericht.) Der Direktor der Diskvntoaelellschait in Mainz Regierungsrat Mever, wurde am Samstag von der Beiatzunasbebörd« verbaitet und dem Krieg ? aericht zuaefübrt. weil er durch Aus­zahlung von Streckunterstünungen an di« Ellenbabner von Mainz den Streik besünstiat babe. Das Kriegsgericht er­sieh Hailbeicbl und eröffnet« gegen ibn ein Gerichtsver­fahren.

Teilweise Aufhebung de« Dersammlungsverbots in Mainz.

WdL Mainz. 13. Febr. (Eia. Drabtbericht.) Wie wir eriabrcn. sind ab Dienstag Versammlungen wirt­schaftlicher. wMenschafilicher. religiöser urtd künstleriscber Art von der Beiatznnasl'ebörde wieder gestattet. Sie beüält sich jedoch eine Überwachung dieser Versammlungen rer. Pclitilche Versammlungen und Versammlungen von Turn- und Cvortvereinen bleiben bis auf weiteres verboten.

Weitere Zeitungsverbote.

W. T.-B. Worms. 12. Febr. Di« ..Wormser Zei­tung" ist auf drei Tage ab 13. Februar verboten worden aus dem gleichen Enind wie die Mainzer Zeitungen.

Wd. Kreuznach. 13. Febr. (Eia. Drabtbericht.) Der „Kreurnacher Generalanzeiger" wurde von der Besatzungsbel.örde wegen eines Leitartikels ..Heimat und Vaterland" ab beute auf drei Tage verboten.

Vf. T.-B. Kiblevz. 12. Febr. Die ..Rbeinische Warte" ist zum drittenmal aus drei Tage verboten worden.

IV.T.-B. Zmeibriicken. 12. Febr. Der ..Pfälzische Merkur" ist aus drei Tage verboten worden.

Neue Ausweisungen.

Br Soeirr. 13. Febr. (Eia. Drabtbericht.) Mit sofortiger Wirkung wurden am Montag aus der Vialz ausae- wiesen: der Babnbofsangestellte Werner in Sveier. t>er Oberstut iendirekior der Ol>erreal!chule in Zweibrücken. O f 1 e n m ü l l e r. der Slut ienrat an der Oberrealschule m Zrve'brücken. Dr. Bell, der Dezirksamtsvorsitzende ia Kulel. Clemens, der Wernkellereiverwalter Jakob Lieblich in Neustadt.

2 Zechen besetzt.

W. T.-B. Recklinghausen. 13. Febr. (Drabtbericht.) Gestern nachmittag wurden die Zewen Ewald und Erken- schwink besetzt. Die Nackmiittaasichicht ist daraufbin nicht ringefabren Im Verlaute von Verbandlungen wurden drei Mitglieder des Betriebsrats kestgenommen. nach kurzer Zeit aber wieder freigelasten. Der Betriebsrat und der MtlonLausschub werden beute zu der Lage Stellung nebmen.