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Die Kleinen und die Neutralen. I Ae dmitt Me me» Sei (Motfffl in Baien.

Der Einmarsch Frankreichs und Belgiens in das Ruhrgebier hat in allen europäischen Kabinetten eine gewisse Beunruhigung geschaffen, sieht doch memanv klar, welche Konsequenzen sich aus diesem Borgeyen noch ergeben können. Man ist im Südosten nervös 9 eiD .G*’ den. man ist unruhig in Warschau und gerade hier nicht zuletzt wegen das starken Echos, das die Ruhraktion in Moskau geweckt hat. Es scheint gut, bei allen Betrach­tungen über die Rückwirkung des Ruhreinmarsches auf Rußland inrmer wieder erneut zu betonen, daß in Deutschland kein vernünftiger Mersch an ein knegerl- sches Eingreifen Rußlands glaubt und daß die Er­zählungen von einem russisch-deutschen Militärbündnrs nichts weiter als böswillige Erfindungen sind. Rie- nrand wird auch die ungeheuren Gefahren verkennen können, die ein engeres Zusammengehen mit Rußland in sicb birgt. Man braucht nur einen Blick in die russi­sche Presse zu tun. um immer wieder auf die Phrase zu stoßen, daß mir der Kommunismus in sich genügend Kraft findet, um in diesem kritischen Augenblick wirk­sam eingreifen zu können. Schon das läßt erkennen, daß von Rußland absolut nichts für uns zu erhoffen ist.

Die Länder der Kleinen Entente befinden sich in einem Zliftand gesteigerter Beunruhigung, der durch militärische Rüstungen besonders belastet wird, und der auf ihr Wirtschaftsleben von höchst nachteiligem Ein­fluß 'st. Der widerstandsfähigste unter den Staaten der Kleinen Entente ist die Tschechoslowakei, deren aus­wärtige Politik von Herrn Dr. B e n e s ch absolut im französischen Kurs gesteuert wird. Die Anschauungen und Ziele dieses tschechischen Staatsmannes sind mit besonderer Deutlichkeit in der großen Rede ans Tages­licht aefördert worden, in der er unlängst in Prag die außenpolitischen Ziele der tschechischen Regierung ent­wickelt hat, und die man als ein Dokument im Gedächt­nis der deuffckpm Politik bewahren muß. Die Orientie­rung, in die die Tschechoslowakei durch diesen Kurs ge­führt wird. Ist um so bedauerlicher, als die Notwendig­keit des wirtschaftlichen Verkehrs und Austausches zwi­schen diesem Lande und Deutschland für eine verständige und weitsichtige Politik schwer ins Gewicht fallen müßte Herr Dr. Benchch stößt darum auch rm eigenen Lande auf lebhaften Widerstand, der von den deutschen Abgeordneten und Politikern mit tapferer Energie ge­führt wird und dessen Nachhaltigkeit schließlich auch der tschechischen Negierung zu denken geben dürfte.

Die polnische Bindung an Frankreich ist offenkundig, trotzdem erklärt man in Warschau deutlich, daß die ganze Ruhraktion Frankreichs nur eine wirtschaftliche Maßnahme sei, und daß man unter keinen Umständen zu einer Beteiligung an diesem Abenteuer aufgefordert zu werden wünsche. Man betont, daß Frankreichs Interests dahin gehen müste, ein starkes Polen als Wacht im Osten zu halten und freut sich über den Scheinglanz der polnischen Wirtschafts- und Finanz­lage, wodurch es ermöglicht worden sei, daß die polnische Mark die Reichsmark überflügelt habe.

Arm krisenhaftesten haben sich die Dinge auf dem Balkan gestaltet, wo durch die Kriegsvorbereitunaen sowohl Rumänien wie auch Südslawien wirtschaftlich in schwerste Bedrängnis geraten sind. Die rumänische Valuta hat heute einen Tiefstand erreicht, den sie seit dem Kriege nicht gezeigt hat, und die innerpolitischen Verhältnisse des Landes sind durch die Teilmobilisie­rung schwer belastet. Auch die serbische Währung ist geradezu katastrophal gestürzt, und hier kommt zu der militärischen Belastung noch die Erschütterung, die durch einen überaus heftigen Wahlkampf ausgelöst ist.

Nicht minder schwer lastet der Druck der europäischen Spannung auf den neutralen Nachbarstaaten Deutsch­lands und Frankreichs, auf Holland und der Schweiz. Bisher wurden diesen beiden Ländern die ihnen zustehenden deutschen Kohlenlieferungen teilweise unterbunden, und wenn sie ihr Wirtschaftsleben nicht schweren Erschütterungen aussetzen wollen, werden die Regierungen der beiden Länder alsbald Schritte zur Wahrung ihrer Rechte tun müsten. Anzeichen für die Erregung der Volksstimmung kommen sowohl aus Holland 'wie aus. der Schweiz, aber auch von diesen beiden neutralen Ländern werden wir kaum eine wirk­same Unterstützung erwarten können!

Die niederländischen Frauen fordern Eingreifen des Völkerbundes.

W T.-B. Amsterdam. 9. Febr. Die Niederländi­sche Frauenvereinigung für einen dauerballen Frieden bat an das Ministerium, an di« Mitglieder beider Kammern und an die Mitglieder des Staatsrats eine Adreffe gericktet. in der gelordert wird bah die Niederlande auf d«n Völkerbund einwirfen mochten, damit, er die Reparation s frage und die Frage des Wreder- a u f b a u s in die Sand nehme.

Br. Berlin, 9. Febr. (Erg. Drahtbericht.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris hat gestern der französischen Regierung eine Rote überreicht, in der zunächst darauf hingewiesen wird, daß die Ein­teilung der durchlaufenden internationalen Zuge Paris-Bukarest und Paris-Prag, wegen welcher die Be- 'etzung der Städte Offenburg und Appeinoeier erfolgt st, nur den Charakter einer vorübergehenden Rot- tandsmaßncchme habe, verursacht durch den K o h l e n- Mangel infolge des französisch-belgischen Einmarsches u das Ruhrgebiet. Bon Vertragsbruch könne Arher keine Rede sein. Weiler heißt es dann in der Rote:

Selbst wenn aber eine formelle Verletzung des Ver­trages Vorlage, müßte es als das Zerrbild eines Frte- denszuftandes bezeichnet werden, daß die französische Negierung eine Maßnahme von so untergeordneter Be­deutung wie die Einstellung zweier, Zugverbindungen zum Anlaß nimmt, ohne weiteres ihre Truppen in >deutfche Städte einmarschieren zu lasten. Allerdings hat die französische Regierung, um das schreiende Miß­verhältnis zwischen winzigen Anlaß und der von ihr verfügten Maßnahme zu verdecken, den Versuch ge­macht noch weitere angebliche Vertrags­brüche Deutschlands heranzuziehen. Demgegen­über stellt die deutsche Regierung fest, daß sie in jedem einzelnen Fall den gegen sie erhobenen Vorwurf einer Verletzung ihrer Verpflichtungen in eingehender Be­gründung entkräftet hat, ohne daß die französische Re­gierung auch nur versucht hätte, die deutschen Argu­mente zu widerlegen. Einen Rechtstitel, auf den sie ihr vermeintliches Sanktionsrecht stützen will, führt die französische Negierung nicht an. Ihr stehen also in die­sem Falle nicht einmal Scheingründe zur Verfügung.

Im zweiten Teil der Note erhebt die Regierung Einspruch gegen den Beschluß der Nheinland- k o m m i s s i o n, die Gebiete von Offenburg und Appenweier unter das Regime des Brückenkopfes Kehl zu stellen und die Befugniste ihres Delegierten in Kehl entsprechend zu erweitern. Die Note weist nach, daß die StAfte Appenweier und Offenburg außerhalb des Gebietes liegen, in dem sowohl nach dem Rheinland­abkommen wie nach dem Waffensti llstandsabkommeu die Rheinlandkommistion irgendwelche Zuständigkeit hat. Die von ihr ausgesprochene Billigung macht die Maßnahmen der französischen Regierung nicht zu ver­tragsmäßigem Recht und kann ebensowenig der Inter­alliierten Rheinlandkommistion den für ihr« Anord­nungen fehlenden Vertrag und Rechtstitel ersetzen.

Wegen der Mitwirkung der Interalliierten Rhein- lcmdkommistion sind entsprechende Vorstellungen auch bei der englischen und belgischen Regierung erhoben worden.

Keine Antwort Englands.

v. Paris, 9. Febr. (<5ia. Drabtberickt.) Wie au, London gemeldet wird, beabsichtigt die enaliime Noare- rurtfl nicht, auf tie gestern überreichte deuMe Note über den frar.rcstschen Brrmarick in Baden crsend eine Ant­wort zu erteilen.

Die Lage im «eubefetzten Gebiet.

W. T.-B Ottenburg. 8. Febr. In der, Lage, ist Kit Dienstagnachnftttoi, keine Änderung einaetreten. Die Bert iudungen sind nach wie vor unterbrochen. JDte Be­amtenschaft des Cfknbtrtßt’t Dost- und Telegraphen am tes sowie der Stationen Ottenburg und Avoenweier verkamen ne-terbin in ibrer passiven Re s i st en z da die fran­zösische Besatzung der Forderung aus Zurück,rebun» der Wach- vosten nicht nachgekommen ist. Die Haltung der Bevölke­rung. insbltondere der Arbeiterschaft, rft »urückbaltend. aber aum'-uversichtlich. ., „ _ , „ . . .

Wetter tunt berichtet, daß französische Kavallerie m den Orten Legc l bnrst und S» u tterwalb Quartrer ge­nommen bat. Es bat sich noch nicht feststellen lasten, ob diese Besetzung nur vorubergebend oder mne dauernde ist. Mit der Besetzung von Schutterwald und Leqelburst.wurden di« Franzosen über den bisher innegehabten Bezirk hin- ausgehon. _

Poincarö lehnt die Berichterstattung ab.

W T.-B Paris, 9. Febr. Ministerpräsident Poin - card bat »»stern nachmittag dem Vorsttzenden des Kammer- ansschnstcs für au-märtiac Angelegenheiten erklärt, er könne dem Wunsch des Ausschusses vor ibm ,u ersckrernen um über die Loge im Rheinland und im Rubrgebret Bericht zu er­statten nicht Folge geben. Er wolle von niemandem Ratschläge in Empfang nehmen - Nach der Ere Nouvell« laben Tardieu und eine Anzabl seiner Kollegen sofort nach Kenrtwsnvl.me dieser Weroerung einen Brief an den Dcisitzendn des Kammerausfchustes. Len a u es. «richtet, er n oge eiligst den Ausschutz »usammenberufen. Der Aus­schuß wird beute eine Sitzung abbaltcn.

Ministerkonsereuzen am Quai d'Orsaq.

D Paris. 9. Febr. Eia. Drubtbericht l Am Quai d'Orian fanden gestern die regelmäßigen Ministerkonferenren statt, m denen PcincarS über die Lage rm Rubr- aebiet und über d'c Lage rn Smnrna Bericht er- stattete. Nach Schluß der Sitzungen .batte Voincarö etne länger« Unterredung mit dem Kr-egsminister und Marschau Foch

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as. Berlin. 9. Febr. (Drahtmeld uug unserer Ber­liner Abteilung.) Rach allen aus Paris vorliegenden Nachrichten läßt sich bei vorsichtiger Beurteilung doch das eine feststellen, daß die Stimmung in BP* 15 täglich schlechter wird. Die naLwnaltstlschen Zeitungen sind mit der Ruhraktion ebenso unzufrieden, wie die oppositionellen Blätter. Eharakterisnsch für diese Stimmung ist auch, daß der Kammer- a u s s ch u ß für auswärtige Angelegen- I) eiten Poincar^ durch seinen Vorsitzenden aussor- derte, sich über die Lage zu äußern. Uber einen »leg. ö meint ein französisches Blatt, verlangt man lerne Rechenschaft. Man ist nicht nur mit dem Gang oer Ereianisse im Ruhrgebiet unzufrieden, sondern man ordert auch Aufklärung über die Vorgänge in Lausanne, da man in dem Verlaus der Konferenz eine Niederlage Frankreichs erblickt. Man ,,r ich nicht im unklaren darüber, welche wenig erfreuliche Rolle der französische Oberkommisiar und, die franzosr- chen Vesatzungstruppen bei dem litauischen ll b e r f a l l a u f Memel gespielt haben. Wie letzt durchstckert. hat sich die Beratung, in der beschlossen wurde. Poincarck um Aufklärung zu ersuchen, außer­ordentlich lebhaft gestaltet. Eine ganze Anzahl der an der Debatte teilnehmenden Redner warfen der Regie- rung vor, dah sie es vercrbsäumt hcrbe, die Ruhvakiiou richtig vorzubereiten. Seit drei Jahren, so wurde u. a. ausgeführt, habe man

Konferenzen über Konferenzen

abgehalten. Aber in dem Augenblick, in dem man dazu geschritten sei. das Ruhrgebiet zu besetzen, habe man nicht daran gedacht, daß 80 alliierte Ingenieure nicht die Arbeit von 8000 deutschen Ingenieuren verrichten oder diese auch nur kontrollieren könnten. Die elsäsji- schen Abgeordneten h->oen besonders hervor, man habe nicht daran gedacht, sich genügend Ingenieure oder an­dere Hilfskräfte aus Elsaß-Lothringen zu sichern, die wenigstens der deutschen Sprache mächtig seien, wah­rend eine große Anzahl der in das Ruhrgebiet ent­sandten Ingenieure nicht einmal die deutsckie Sprache beherrschen. Poincarö hat es nun abgelehnt, den Wunsch derKommisiion nachBerichterstattung zu erfüllen, und es bleibt zunächst abzuwarten,^ ob die Mitglieder der Kommission'sich mit diesem Bescheid begnügen wer­den oder ob in einer der nächsten Sitzungen eine neue Interpellation über die Ruhraktion ein­gebracht wird. Es wäre aber falsch, aus diesem Vor­stoß gegen Poincar.« etwa den Schluß zu ziehen, daß- die Stellung des Kabinetts erschüttert sei.

Inzwischen bemüht sich die französische Regierung weiter, Eisenbahner heranzuziehen, um den noch immer stockenden Abtransport der Kohlen zu emöglidjen. Pariser Meldungen sprechen davon, heute seien 4500 Eisenbahner freiwillig nach dem Ruhrgebiet ge- aangen. Minister Le Troquer kündigt bereits an, daß er gewiffe Eisenbahner wieder ernstellen würde, die bei dem Streik 1920 entlassen wurden, um auch sie jetzt in das besetzte Gebiet zu entsenden. Aber auch das dürfte einen Mißerfolg haben und selbst französische Fachleute sind in dieser Beziehung außerordentlich skeptisch. So veröffentlicht ein französischer Ingenieur im „Manchester Guardian" einen längeren Artikel über die Aus­sichten der Ruhrbesetzung, der zuerst in einer Pariser Zeitung erscheinen sollte, die aber den Abdruck aus Wunsch der französischen Regierrtng unterließ. Die­ser Fachmann meint, die Ruhrbesetzung habe die fran­zösische Regierung vor die doppelte Aufgabe der Lösung wirtschaftlicher und finanzieller Aufgaben, die bisher nickt gelungen seien und wahrscheinlich auch nicht ge­lingen würden, gestellt. Zum Abtransport der Kohlen müßte Frankreich nach diesen Berechnungen ein Drittel seines ganzen Waaenbestandes verwenden, was un­möglich sei. Der Artikel schließt: „Wenn Frankreich

keinen politischen Fehler durch die Ruhrbesetzung began­gen hat, was hier nicht untersucht werden soll, dann hat es doch

einen gewaltigen wirtschaftlichen Fehler

begangen und das ist in diesem Falle weit schlinrmer."

Die praktische Bestätigung für diese Ansicht bringt die weitere Abwärtsbewegung des Fran­ken, die erneut eingesetzt hat, nachdem vorübergehend der Franken zwei Tage lang etwas gestiegen war. > E- ist selbstverständlich, daß die Stimmung ln Paris^ des­halb nicht gerade rosig ist. Der Deputierte Roll in meint dazu im „Journal": „Die scheußliche Inflation, welche Deutschland an den Rand des Abgrunds gebracht hat, ist uns bedenklich näher gerückt und lauert auf uns." Auch das beweist, daß man einzusehen beginnt, daß die Ruhrrechnung nicht so glatt ausgeht, wie man anfangs immer noch hoffte!