Samstsg. 28. Januar 1828.
Wiesbadener TagblaLt.
Skr. 17. Seite IS.
Unterhaltung^ Beilage
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Vorn roten Ball.
Ban Curt Seibert.
Dermo Schreier war ungefähr 10 Jahr« alt. als er in emer Wirtschaft zum erstenmal sah. wie zwei Männer in Hemdavineln um einen großen Tisch liefen Mit» mit lausen Stocken darauf herumstocherten.
- Ws er näher trat, sah er. daß der Tisch mit einem grünen Tuch überzogen war. auf dem drei Kugeln lasen, frwei werße und ein« rote. Die beiden Männer stießen mit rhren Stocken nach einem der Dalle, der dann in vielen Windungen auf dem Tisch umhevlief. Wenn er eine der beiden mrderen Kugeln traf, gab es einen Knall. Das machte Denno große Freude, und er nahm den roten Ball vom Tisch und rollte ihn über d«n Boden. Die Männer gerieten in Maße Aufregung. Der ein« gab ihm ein« Ohrfeige.
, Benno heulte und lief zu seinem Datei, der in der Ecke sernen Schoppen tränt. Der gab ihm noch eine Ohrfeige und sag.«, das wt ein Billard und nichts für Kinder. Jnfolge- desisn hatte Benno in Zukunft ein großes Interesse für dieses Corel.
Als er 18 Jahre war. kam er in die Lehre. Und jeden Sonntag sah man Benno nun mit seinen Kameraden in eruer Wirtschaft. Ei« spielten wie die Großen, zogen die Rocke aus. wählten sorgfältig rin Queue und stellten die Balle auf. Dann wühlten ne ihr« Stäbe in grüne Kreide und begannen mit wichtiger Miene.
Benno hatte eine ruhige Hand und einen sicheren Stoß. Semen Kameraden war er bald weit überlegen. Und so gelang es ihm. nach wochenlanger Anstrengung und mit viel Gluck, eines Nachmittags gegen 5 Ubr beide Bälle zu treffen. Nun wurde er übermütig und spielt« leichtsinnig. Wenn rm Lokal ein Mädchen laß. dem er zu gefallen wünschte, gab er sich einen gewissen Sckwung. Er sab dann mehr auf Eleganz seiner Bewegungen, als auf korrektes Spiel. Aber auch tonst sucht« er seinem Benehmen etwas Außergewöhn- ltches. etwas Besonderes zu verleihen.
Bald stellt« er sein Bein aus einen in der Nähe steben- den Stuhl, bald setzte er sich auf di« Kante des Billards. Bald bückte er sich tief, als wollte er in den Tisch beißen, bald stellte er sich hoch auf die Zehen, oder er legte sich rückwärts weit über den Tisch und spielte hinter dem Rücken. Stets kreidete er lange, warf di« Stirn in Falten, kniff di« Augen zusammen und stieh mit eleganter Wucht. Immer Pos«: Seht, der Messter sprelt!
Es konnte nicht ausbleiben. daß sein Ruf sich herum- sprach. Und fo brachte ihm eines Tages der PiKolo seines Stammlokals ein« Zeitung, in der ein« Notiz rot angestrichen war. Benno las. Das Kaffee Liesing, das Dorado aller Billardsvieler der Hauptstadt, hatte ein Turnier ausgeschrieben: Vom roten Ball! Jedermann war zur Teilnahme berechtigt. Am letzten des Monats war Nennungs- Muß. Für Bennos Kameraden war es klar. daß er daran teilnehmen müsse. Er selbst hatte keinen Augenblick daran sezweffvlt.
Sein« Freunde legten das Reisegeld zusammen. Benno fuhr m di« Hauptstadt. Er trug sich in di« Liste ein und erfuhr dabei, daß noch rin anderer Herr seines Namens teil- nebmen werde. Benno kannte ihn nicht, aber er freute sich darüber.
Das Turnier begann. Benno war schon eine Stunde früher da. ehe di« Leute, die in Scharen das Kaffee umlagerten eingelassen wurden.
25 Billards waren ausgestellt. Kreide. Tafeln. Queues und Notizblocks standen umher. In einer Ecke war ein Tisch aufgebaut, der die Preise trug. Schöne Sachen waren darunter. Der erste Preis war «in herrliches silbernes Zigarettenetui.
Das Publikum wurde eingelassen und nahm respektvoll an den Wänden, Ausstellung. Der Turnierleiter hielt eine Ansprache, las di« Namen der Teilnehmer vor und verkündete di« Bedingungen. Jede Partie ging auf 1000 vom roten Ball zu spielen. Dorbänder galten doppelt. Ausscheiden nach der dritten verlorenen Partie. Uber Zusammvnwiel entschied das Los.
Benno bekam als ersten Gegner Herrn Uschnikow. einen Russen aus Rußland. Der schwere Mann gab ihm kräftig die ringgeschmückte Hand. Das Los entschied. Herr Uschni- kow begann. Er legte 68 Punkte vor. dann nahm er sein« Zigarre aus dem Mund, zuckt« die Achseln und meinte, er sei beute nicht recht in Form. Benno fand das Gegenteil. 68 Treffer, das war mehr, als er in den letzten Jahren zu- sammengelpie.lt hatte. Aber er ließ sich nicht beirren. Er nahm Ausstellung, legte die Stirn in Falten, kniff die Augen zusammen, bückte stch. holt« aus und Meß einen weit hinter ibm stehenden Herrn direkt vor di« Ubrkette. die jenem auer über den Leib lies.
..Gehen Sie doch zurück", schrie der Aussichtsbeamte, der Weisung batte, stets Partei für die Teilnehmer gegen das Publikum zu nehmen.
Benno kreidete keinen Queue neu an. dann stich er durch. Der Ball lief wie ein wildes Kaninchen auf dem Tich umber und blieb schließlich erschöpft in einer Ecke liegen. Eine Kugel batte er nicht berührt. Benno nahm den Stab unter den Arm. zuckte di« Achsel und meinte, er fei heute nicht in Form. Der Russe fand das auch. Dann ging er bis auf 197.
Es war «ine anständige Serie. Benno blieb auf Null. Der Russe erreichte bei der 18. Aufnahme 1080. Benno, der am Schluß noch sehr in Form kam. gelangte bis 3. Einmal war er ausgerussckt und batte aus Berschen beide Bälle getroffen, das anderemal war ihm ein Vorbänder geglückt. Stolz ging er nach Hause. Zwei Niederlagen konnte er sich noch leisten.
Am anderen Morgen las er in der Zeitung einen Bericht. über den er sich wunderte. Da stand: Billardturnier, erster Tag. Das beste Spiel lieferte zweifellos Herr Schreier, der in 12 Aufnahmen sein Pensum erledigte und die meisten Au-'lichten hat. den ersten Preis zu gewinnen.
Er war nickt damit gemeint, also mußte es wohl der andere Schreier sein Dock die Person tat hier nichts zur Sacke. Das Wesentlich« war der Name! Er bat den Ober um eine Schere. Dann schnitt er sorgfältig die Notiz aus dem Blatt und schickte ne seinen Freunden ohne ein Wort hinzi'znff!c>en. Diele Zeilen sprachen für sich selbst.
Auf Grund dieses Erfolges spielte er am nächsten Tage so leichtsinnig, daß er nickt einen Punkt errang. Dafür sandte er wieder «ine Notiz ab. In der Herr Schreier in den höchsten Tönen gelobt wurde.
Als Bcnno am dritten Nachmittag das Kaffee betrat und die Listen einiah. in die die heutigen Partner eingeschrieben waren, fand er unter anderem: Tisch 14. Schreier gegen Schreier. Mit freundlichem Händedruck begrüßte er stinen Namensvetter, dem «r seit Tagen zu großem Dank verpflichtet war.
Herr Schreier spielte das schönst« Spiel seines Lebens.
l X Zkkneier aber traf keinen Ball. Herr Schreier war bei zehn Aufnahmen bereits bei 800. Herr Schreier saß immer noch auf Null.
Die Blätter schrieben große Berichte über das phänomenale Sorel des Herrn Schreier, dem der Sieg nicht mehr |u nehmen sei. Unter dem Artikel stand: Ausgeschieden: Herr Benno Schreier.
, Diesen Satz schnitt Benno fort. Er konnte nur verworren. Zu Hause aber bereiteten seine Freunde einen Empfang vor mit Abendessen. Musik und großen Reden.
Die Zahl oer Zuschauer hatte sich von jetzt ab um einen vermehrt. Benno stand jeden Nachmittag in der Nähe leines Namensvetters und sah dem Spiel zu. Klopfenden Herzens beobachtete er den Mann, der so schön für ibn «beitete. Jeden gelungenen Stoß begrüßt« er mit lautem Beiiast so ,daß «r mehrfach verwarnt werden mußte. Doch Herr Schreier ließ ssch nicht beirren. Er reihte Sieg am Sieg, fand keinen ebenbürtigen Gegner ulÄ> erhielt schließlich den wohlverdienten ersten Preis. Eine größere Geldsumme und ein silbernes Zigarettenetui.
Benno schickte den Bericht hierüber an seine Freunde, nachdem er Herrn Sckreier herzlrchst zu seinem Erfolg gratuliert hatte. Dann kauft« er sich ein Zigarettenetui und fuhr nach Sause.
, Der Emvsang war außerordentlich. Seine Freunde feierten ihn tagelang. Man nannte ihn den Billardkönig, ein« Bezeichnung, die Benno sehr gefiel. Das Billardsviel nahm im der kleinen Stadt einen kolossalem Ausschwung. Benno selbst aber nahm keinen Queue mehr in die Hand. Er gab nur noch theoretischen Unterricht.
..Wenn man so viel erreicht bat. wie ich", sagt« er. .Märe es beschämend, einmal schlechter zu spielen."
Dann nahm er eine Zigarette aus dem silbernen Etui.
Die Crsnrrnel-Botschaft.
Der mit dem Eoncourt-Preis ausgezeichnete Roman ..Batuala". der erste Neger-Roman, dem ein Neger geschrieben hat. erscheint jetzt in deutscher Übersetzung im Rhein-Verlag zu Basel. Der Aerfasier Ren6 Maran. der französischer Kolonialbeamter ist. hat hier das Leben der Eingeborenen im einer Intimität und psychologischen Anschaulickkeit geschildert. wie es keinem Europäer möglich gewesen wäre. Unter den zahlreichen Schilderungen, di« primitive Sitten und Bräuche vorführen. befimdet sich auch die Darstellung einer Einladung zu einem Fest mit Hilfe der so vielbesprochenen Trommelsprache, der „drahtlosen Telegpaphie" der Neger. Die Sckriftl.
Batuala schritt aut eine Anhöhe zu. dir di« Umgebung beherrschte. Dort standen drei verschieben große „Lingas". Er näberte stch dielen Baumstümpfen di« innen ganz aus- gchöblt waren, nahm zwei auf dem Boden liegende Klöppel und sandte durch die unbewegliche Luft zwei weiihin- klrügend« Schläge, di« er auf den größten der Limgas schlug.
Tiefes Schweigen folgte. Er brach es endgültig mit zwei weiteren kürzeren Schlägen. Damm eine Salve vom Tam-Tams. immer lebhafter, immer schneller, um dann wieder langsam, langgezogen aus dem kleinster: der Limgas zu einem kurzen Decrescendo, das durch den letzten Schlag des Aufrufs verstärkt wurde, auszuklingen.
Und nun. dott unten, ganz dort unten, weit, viel weiter als dort unten van allen Seiten, von links, von rechts, hinter ihm. vor ibm. antwortete der gleiche Lärm, dasselbe Rollen, dieselben dröhnenden Tam-Tams lauggezogen: die einen 'chwach. zögernd, verschleiert, undeutlich: di« anderen deutlicher, von Echo zu Echo, von Kaga zu Kaga springend. Das Unsichtbare belebte stch.
— Du hast uns gerusen. sagten diese Tön«. Du hast uns gerufen... Wir haben dich vernommen... Wir hören dir zu. . Was willst dri von uns?... Rede...
Zweimal rönte durch den Raum dieselbe, zuweilen verschwommene. zuweilen deutliche Mustr. Als der Horizont den letztem Ton ver'cklungen batte, antwortete Batuala. Zuerst in kraftlo'en Worten. Sie schienen die einförmige, alltägliche Erstarrung, die Einsamkeit ohne Heiterkeit, ohne Trauer, die Resignation vor dem Schicksal auszudrücken. Abwechselnd liefen lsse Klöppel von einem zum anderen der drei Lingas. Sie gebaren eine Melodie, überwältigend wie ein ßturmta« vor dem Naben des beißen ..Donvorro". Das Lied entsaltet« stch. Nack einer plötzlichen Pause nahm es an Umfang zu. Und immer noch, immer nock. schwoll es an. Batuala rann der Schweiß herab. Er tanzte beinahe vor Glück.
Seine Männer, deren Frauen und Kinder, ihre Freunde, die Freunde ihrer Freunde, die Häuvtlinge. deren Blut er getrunken und die das sein« getrunken, er rief sie alle. all«. Er wollt«, daß 6« alle in neun Taaen kämen, um der großen „Bansba". di« er anläßlich der „Ganza" gab. beizuwohnen.
Der Pnrnk der seit Regenzeit und Regenzeit vorgesehenen Festlichkeit versprach Wundrr. Das wird einen Fraß geben, eine Sauferei. Geschrei und Vergnügen! Und die ..Vangba" nicht zu vergessen! Nicht nur eine Pamgba. Nein, alle Hangbas. Nicht nur der Elefantsnschrttt. der Schwerter- oder Krieasianz —. sondern vor allem der Liebestanz, den die Sabansas so unübertrefflich tanzen. Fraß und Hangba. Hangba und Saufgelage. Manick. Bataten. Dazos. Kürbis. A am wurzeln Mais! Ab. Hirsebier. Ingwer. Beißbeeren und Honig Fjsche und Alinatoreneier! Don alledem und noch von tau'end anderen Sacken wird es zu essen geben. Von alledem und n-ck von vielem anderen wird man trinken. Zur Musik der Hiitbörner und Balafone wird man trinken und essen. Alle mußten sse kommen! Ja. ja. ja! Zum Fest der Ganzns' Nur einmal im Verlauf von 12 Monden findet das Fest statt. All« mußten ste kommen! Jabac. was wird man da lacken!
Die Eckos naben laut die Freude dieser Red« zurück. Sie pflanzten Witze und Gelackter fort. Als er schwieg, schwebte lastende Erwartung. Aber ste dauert« nicht lange. Denn rings um ihn hemm weit ans d«r Ferne, wie bei seinem ersten Anrui. setzte di« Unterhaltung auf den unsichtbaren Tam-Tams wieder ein. Und trotz der Entfernung der klingenden Wellen unterschied man d"ck zu Ende jedes Satzes dieselbe?: schwingenden, geheimen Aon«.
— Wir baden dick vernommen. . Wir haben dick ge- bört... Und verstanden,.. Du bist der größte aller Mits. Batuala... Du bist der größte Makundfchi... Wir werden kommen... Wir werden bestimmt kommen... Und alle unsere Freunde werden da lein... Das soll «in Fest wer- den... Eine Völlerei'... Wir werden stn,gen... Mr werden tanzen... Wir weiden wie di« Löcher saufen...
Spiritismus.
Von Hanns Lerch.
Sie waren wieder einmal beisammen, um mit „den Geistern zu reden: Tante Melusin«, die all« Fremdwörter verwechselte. Onkel Roderich. der nur für gute Mahlzeiten Interesse batte, di« blonde Lizz'e. sein ebenso hübsches wie ..ungeistiges" Töchterlein nebst Verlobten, dem Herrn Steuersupernumerar Herrmann. und zuletzt dessen Freund mit dem hübschen Vomamen Erich, der aus Interesse an den Dingen am heutigen Abend zum erstenmal in dem kleinen Kreis weilte.
„Es wird rin sehr spirituöser Abend werden", sagte Tante Melusin« geheimnisvoll.
.Lvielo?" kragte Onkel Roderich. „hast iw so'n lütten Grog in petto. Melusine? Hoffentlich findet stch dann auch für mich noch ein Anchovisbrötchen."
„Tante meint, es wird ein spiritueller Abend werden", erklärte im Amtston der Steuersupernumerar.
„Schade", seufzte der Onkel.
Inzwischen batte die blond« Lizzi« einen kleinen dret- beinigen Tisch ms Zimmer gebrockt, der Steuerfuperirume- rar verdunkelt« das Licht und Erich sog nachdenklich an seiner Zigarette.
Tante Melusine bedeutete, daß man rund um den Tssch Platz nehmen sollte, und sagt« mit feierlichem Gesicht: „Laßt uns zunächst ein« Kette bilden."
Sie faßten einander an den Händen an. als ob ste «inen Ringelreigen tanzen wollten.
„Jetzt", fuhr die Tante fort, „muß jeder seine Hand au? den Tisch legen."
Nachdem dies geschehen war. trat erwartungsvolle Stille ein.
Und aui einmal bewegte stch der Tssch bin und h«r.
„Ist jemand da?" fragte Tante Melustne.
Zur Antwort klopfte der Tisch dreimal. Das Ließ: Ja.
„JBfflit du uns deinen Namen nennen?" fragte Wiederum di« Tante.
Wieder ertönte das dreimalige Klopfen.
„Dann buchstabiere". laste die Tante zum Tisch.
Der Tisch klopft«, di« anderen sagten das Alphabet her.
„B—a—I—ö—u—i—n H—ü—I—-(—«—m—a—n—n".
hatte der Tistb geklopft.
„Ach", schrie Tante Melussn« freudig erregt, .der gute Balduin, mit dem ich mich beinahe beimlick verlobt hätte, wenn nickt mein guter. seliger Bernhard im letzten Augenblick dazwischen gekommen war«. Weißt du noch. Onkel Roderich. der Balduin, der so lange das speziöse Fieber gehabt bat und lckließlich in der Rücksalleszens in einer an- senebmen Pektoris gestorben ist." „ „ _ „ „
„Mußt nicht alles erzählen. Melustne . nahm Onkel Roderich das Wort, .laß mich mal mit Balduin reden. Hör mal. Balduin, kannst du uns ein Stickwort nennen, was wir auch kennen Sonst glauben wir nicht, daß du es bist."
Wieder buchstabierte der Tssch: „D—o—n C—a—r- !—o-s".
„Ach", rief Tante Melustne. „er meint das Theaterstück: Don Carlos, den Infanteristen von Spanien, weißt du Roderich. wo die vielen Sprichwörter drin Vorkommen. Ja. der gute Balduin hat mir damals noch ein Billett spendiert, als das Berliner Reststenz Exemvel bei uns in Gesterbuson schafsterte.
..Gastierte", sagte Onkel Roderich. „ganz recht, es war die Zeit, wo di« Haien am besten schmecken." Dann wandte er stch an den Tssch: ..Willst du uns noch etwas sagen?"
Der Tisch klopfte ein lautes „Ja".
Der nächste Satz, der entziffert wurde. Ließ: „Wie geht es euch auf Erden?" . ^
..Es gebt" seufzte die Tante, „man muß bei dreien mysteriösen Zeiten zufrieden sein."
„Ja", wandte schüchtern die blonde Lizzi« fast unbörbar ein. es heiratet stch heute allzu schwer."
Der Onkel aber wollte der Sache auf den Grund geben und fragte: .Willst du uns lagen, was du für einen Beruf hattest. Balduin?"
Der Tisch klopfte gehorsam: „P—o—s—t—o—f—f—i-
z-st-a—l."
Tante Melusin« war ganz gerührt. „Ich sebe den guten Balduin vor mir. als wäre es gestern gewesen. Er batte ein« schön« Uniform und Sonntags trug er ein soldnes Postervee. Er lab einfach formidabel aus."
Bei diesen Worten sing der Tssch ganz «an» allein« an zn klopfen.
„Eibt's noch eine Post auf der Erde", fragte er.
Diesmal antwortete der gewissenhafte Herrmann: „Ja. aber st« ist ein« lehr kostspielige Sach«. Ein Brief Ästet 2 Mark."
Der Tisch geriet scheinbar in Erregung. Schneller, als eine geübt« Mafch'nenfchreiberin klopft« er: „Wat. wollt Ihr mich verkohlen."
„Ja. ja!" flüsterte Tante Melustne ganz selig, „so war der gute Balduin Er sprach gern plattdeutsch. wenn er stch effectuierte."
Der Tisch aber raste. Kaum konnten die anderen dl« Buchstaben so 'chnell auszählen. Aber endlich hatten ste seine Wort«. Di« hießen: ..Wat? Een Breef ttve« Mark. Wat serdeent denn dar een Postmensch jetzt im Monat?"
.Zweitausend Mark", sagte der Steuersupernumerar.
Al« Antwort klopfte der Tssch. so laut er konnte: ..Lügenbeutel, ihr. Schwindler, ibr. veralbert ihr. wen ihr wollt. Mir aber rutscht den Buckel runter."
Tante Melustne sprang entsetzt auf. Onkel Roderich beugte sich vor. Und aus einmal gab's einen Knacks und der Tssch brach zusammen.
Ein Bein ?vai ausgeleimt. das aber sah stch der Herr Steueriupemumerar gar ernsthaft an.
Tante Melusine jedoch seufzte schmerzlich und sagte: .Den guten Balduin worden wir wobl nicht mehr sprechen dürfen. Er denkt, wtt hätten ihn modellieren wollen und verforesziert uns nun."
„Unsinn". knurrte der Onkel, „es hak ihn niemand molestiort" und hob di« Sitzung auf.
Aber er und auch di« ander«n macht«» sehr gläubige Ge» lichter.
Rur Erich lachte leise vor sich bin.
Wenn der gute Steuersupernumerar ihm nicht bei jeder Gelegenheit so eingehend di« Familiengeschichte der Erbtante Melustne berichtet hätte, wäre die hcuttge Sitzung entschieden nicht so interessant geworden.
