Einzelbild herunterladen
 

Samstag, 13. Januar 1923.

Wiesbadener Tagblalt.

Ht. 11. Seite 15.

'Unterhaltung6 Beilage

beb 'Wiebßabenet 'Zagölattb.

HH

üü

UM

mm.

Der Freund.

Von Marie Holzer. <

Sie hielt den Mauten, g eich m a ckvo ll-elegant awsge- statteten Novellcnbdnd in der Hand. Auf dem feinen Papier stand mit verschnörkelten Goldbuckstaben unter dem Titel: Einem fernen ungenannten Freunde. Warum sie das dar­auf geschrieben? Sie wußte es heute selbst nicht mehr. War es eine Laune gewesen? Hatte eine ihrer wehmütigen Stimmungen, die oft an grauen Herbit tagen ihre Seele ein- büllen in einen dunklen Nebelflor, jene Worte geboren...? War eine Erinnerung aufgetaucht an ferne Dinge, die ein­mal gelebt...? War es am Ende rin klein wenig Sensa­tionslust. ein Sichumgebenwl-Nen mit einem geheimnis­vollen Schleier, eine Art Reklame, die sie dazu an-getrieben. in einer jener dunklen Stunden, wo einen Gefühle beherr­schen statt die klar abwägende Vernunft und der geläuterte Geschmack?

Einem ferrren ungenannten Freunde! Wie aufdringlich eigentlich diese Worte klangen! Wie sie sich verzerrten, wie sie höhnisch lächelten! Als ob man damit ein Geheimnis vor aller Welt ausgeplaudcrt. ein Geheimnis, das man sonst tief im verschwiegenen Herzen hütet.... ein Geheim­nis. das gar n'ckt eristiert... «

Häßlich eigentlich! Wenn Re das wegradieren könnte. Aber in 2000 Exemplaren liegt das Buch in allen Teilen Ssterre'chs. des Deutschen Reichs, der Schwei,. Amerika vielleicht, wohin die deutsche Zunge reicht. Und obenauf die verfänglich lächelnden Worte: Einem fernen ungenann­ten Freunde! Wie senrimen.tali Wie backfischmäßigrühr- selig. Und daneben die klaren. feinziselierten. straffgebau- ten. realistischen Novellen.

Weiß Gott, die Sacke ist dumm.

Einem Freunde! Ja. batte sie denn jemals einen Freund gehabt! Dieser und jener war ihr wohl einmal im Leben nabe gestanden, eine kurze Spanne Zeit. In diesen langen, langen Jahren der Jugend, wo jedes einen neuen Frühlina hat voll Märchenduft, voll Blütenpracht. voll LebenÄehniucht. voll kreudig-klopfendem Erwarten, voll Liebesgeflüster ringsumher.

Und wo man die Hände immer wieder ausstreckt nach dem großen unl>ekannten Glück, das doch irgendwo wohnen muß. Irgendwo in der großen, weiten Welt. Und das Wort Freund klang arm und traurig, kalt und fremd neben dem jubelnden Siegesruf: Geliebter. Und heute? Heute hatte sie nur einen fingierten Freund, einen Freund auf dem Papier. Die anderen waren versunken. Wie ein Komet waren sie aufgefaucht am Glückshimmel ihres Lebens, mit warmem Feuerschein und heißer Glut und dann nahm die Nacht der Vergangenheit sie in ihren dunklen Schoß, und erst das Web nnd dann stlbst die Erinnerung erblaßte...

Nach einigen Tagen brachten die Zeitungen des Heimat­ortes freundlich-warme Besprechungen. Man lobte ihre Erfindungsgabe. ihren feinen physiologischen Spürsinn, den Gesang der Sprocke. die ihr kein Werkzeug sei. sondern ein wunderfeines. Instrument, auf dem die Worte klangen wie Sarfentöne... Sie schlürfte jedes Mort wie schweren, süßen Wein, der die Glieder trunken macht, wie die warme Lieb­kosung einer lieben Sand, wie Kiisie. die berauschen. Sie arbeitete nicht, sie dachte nicht, sie las nicht, alle Tage waren ihr nur ein einziges, langes Warten ans die Zeitungen, auf die Volt. Sie ging in Gesellschaft. Theater. Konzerte, auf die Promenade, sie lockte tausend Schmeichelworte von den Livven der Gleichgültigsten und trank sie mit Entzücken, mit immer neu entfachter Eitelkeit. Sie erkannte sich selbst nicht wieder. Wo war ihr Stolz bin und ihre vornehme Zurück­haltung?

Und da und dort dann in fernen Städten ein halbes Lob. ein Tadel, gleichgültige Worte, ein Siemitnebmen neben anderen. Unbedeutenden. Nichtssagenden. Es fror sie dabei. Wie wem, man sein Bestes verschwendet, seinen Reichtum an Unwürdige vergeudet, wie wenn man hüllenlos vor einem Ungeliebten stände.

Und einmal eine Anspielung auf jenes Geleitwort, das wohl auf ein schweres Lebensleid schließen Joffe, auf eine jener stummen Tragödien, die sich lautlos abivielen tm Seelenwinkel und an denen man langsam, leise verblutet... und die alle die Schweren erklären, die wie Nebelwolken aus den heiß klopfenden Novellen lagern, die Müdigkeit, die die Frauenqestalten beherrscht, die Resignation, die der Ccklub- vers allen Geschehens sei. das sich da vor unseren Augen ab- Ivielt... Sie lächelte. Ja. merkwürdig ist das Leben und feine Wege und leine Deuter tragen oft dunkle Brillen.

Eines Morgens fand sie auf ihrem Friihstücksti'ch drei Briefe. Die eine Schrift, die kannte sie. Ja. ja. die hatte sie einmal geliebt. Einmal! Diele schöne, kleine, wunder­sam charakteristische Schritt. Wo jeder, jeder Buchstabe zu lächeln schien, sie angeläckelt. angejubelt. und jedes Wort wurde zur Liebkoiuna. nickt durch den Inhalt, sondern durch diese warme, feine Linienführung. Was er wohl von tbr mag? Sie loben? Rein. nein. Er wollte damals nichts davon willen, daß ihre Hände etwas anderes tun konnten als streicheln, ihr Kopf etwas anderes ersinnen als lachende Torheiten und warme Schmeichelreden.

Sie fürchtete sich. Sie wollte ihn nicht öffnen. Ein Tadel hier täte fast weh. und doch. Er war ja auch ein Toter für sie. den man beweint, betrauert und vergesien. Wir jene anderen.

Sie spickte mit dem zweiten Brief. Nahm entschlossen di» Sckere und öffnete.Meine > liebe, süße, kleine Freundin!"

Sie sab aus und dann auf die Unterschrift und lackte. Ja. weiß (finit, wie lange batte sie an den nickt gedacht. Und nun ein Erinnemmaszeicken und diese drollige überschritt. Und diele ungelenke Snracke. diele unfreiwillige Komik. Nein, das Leben ist doch ulkig! Bedankt sich der in vier langen Seiten, daß sie in Freundschaft seiner aedenke. ihm ihr Buck widme Ihr schönes. reiches, farbenfrohes Buch. Und feder Gedanke, jedes Wort fei wobl ein Gruß an ihn. Der Erinnerung an jene Zeit gewidmet. Es fei ihr gelun- gen. durch die Liebe zu ihm. die sie emvorgetragen. einen Höhenflug zu macken. Er lei leider auf der platten Erde geblieben. Aus dem munteren Studenten fei ein Bnrean- krat geworden nflickttreu und ehrsam, aber 'es erfüllt ihn trotzdem m't Befriedigung, daß er eine Liebe einaeffößt. die Sabre überdauert, die dos Sckicklal nickt zu unterjochen vermochte. Und deshalb wollte er ihr Dank laaen. deshalb sei er einmal leinen Prinzsvien, nickt rechts, nickt links, nur geradeaus zu lckauen abtrünnig geworden. Im übrigen lei er alücklicker Gatte und Familienvater. Die Männer sind nun einmal nickt zirr Treu« aelckaffen. Es liegt b«lt lo in ihrer Disposition. Und deshalb habe die Treue der Frau etwa« unlaobar Rührendes. Süßes für ibn und damit soll sie die ffbcrsckrfft entschuldigen, die ja eigentlich für Ibn nickt vollend lei und sick ia. wie sie aus dem Brief ersehe, nicht mit seiner momentanen Gemütsversasiun« und seinem Pflichtenkrsts decke.

Sie lackte. Ihr helles, frohes, klingendes Lacken. Komisch! Die Schicksalsgöttinnen. die sollte ein Moderner inal statt der Gliedmaßen mit riesigen Scheren versinnbild- lichen. wie sie dem armen, armen. Erdenläufer, ein Ideal mack dem anderen wegschneiden, bis er ganz klein und demütig auf der Erde kriecht. Und der Himmel und der Mond und die Sterne, nach denen man als Kind verlan­gend die Hände ausgestreckt. die man als junger Mensch er­obern möckte. voller Respekt in die Weite und Distanz sieht, wie die Astronomen sie ausgemesien. Nicht ein bißchen näher.

Sie riß den zweiten Brief entzwei.

Liebe Freundin! Es ist allerliebst, daß Du merner noch gedenkst: wie verhältst Du Dich zu einer nochmaligen Anknüpfung unlerer etwas lose gewordenen Beziehungen: vielleicht diesmal auf der sicheren Basis einer Freundschaft, statt auf der schiefen Ebene der Liebe. Eine Antwort er­bitte ich mir posts restante. Du weißt, ich reife noch immer in Wäscheausstattungen und bin beiläufig alle Vierteljahr auf eine Woche in Deiner Kapitale. Ein glücklicher Zufall spielte mir Dein Buch in die Hand. Es ist nicht so übel. Ick danke Dir, daß Du meiner gedenkst. Aber wie Du weißt, bin ich meines Beufs halber mehr für Oberfläckenpsycho- logie. Derne letzten und allerletzten Gründe sind mir etwas schleierhaft. Spielt sich so etwas tatsächlich zuweilen ab oder ist der dichterische Seherblick auch so eine Art Augen- krankbeit? Im übrigen bist Du ia neben Deiner Marotte. Geschichten zu schreiben, ein allerliebstes Mädel und ich habe schließlich auch meine Schwächen, bin auch älter geworden, der Beruf 'st nicht leicht. Er hat auch eine gewisse Ähnlich­keit mit dem Deinen, auch ich muß den Menlchen meine Meinung suggerieren. Ra. leb wohl, auf Wiedersehen, wenn Du willst. Es grüßt Dich in Freundschaft Dein alter..

Sic legte den Brief fort und öffnete den dritten:.

Meine Gnädigste! Heute fand ich den Band Ihrer Novellen auf dem Schreibtisch meines Bureaus und mit rotem Stift Ihre Geleitworte unterstrichen. Ich weiß nicht, wer diele Indiskretion begangen haben mag. Ich habe Ihren Ruf immer geschont kann mir also diese Geschmack­losigkeit nicht erklären. Und war. wie Sie begreifen, aufs höchste erbittert und bitte Sie daber. meine Worte, die ich in der Erregung schreibe, nickt mißdeuten zu wollen. Aber wie Sie wissen, ist jene Episode für mich längst abgetan und jede Erinnerung ist mir peinlich, im höchsten Grad pein­lich. Ick bin ein Mann in Stellung, der die höchsten Güter verwaltet und der in seinem Tun ebenso makellos iein muß wie in seinen Worten. Ich danke Ihnen ffir die Ehre, daß Sie meiner gedenken, muß Sie aber für künftighin bitten, solche Sensationen zu Unterlasten, die meinen Ruf und meine Stellung gefährden können. Mich Ihnen empfeh­lend bin ich in aller Hochachtung..."

Ein müdes Lächeln umspielte ihren schönen, vollen Mund und ihre Sand zitterte leise. Aber ste fühlte keine Bitterkeit, keine Leere, denn keinem hat dieses Wort gegol­ten. nur der Erinnerung des Besten wobl. was sie von ihnen allen einzeln empfangen. Freundschaft! Ein wundervolles Wort, aber wie jeder Begriff, wirst du häßlich, wenn iündiae Menlchen kalten Herzens daran rühren. Nur das Gefühl vergoldet alles, und wenn es geht, so wird es dunkel ringsum und düster und frostig, wie wenn die Sonne an einem Winterabend Abschied nimmt...

Sie iah sich um. Feuer war keins mehr im Dien. Die Sonne lächelt warm und süß und die Bäume im Garten drunten debnen ihre Me.

Sie stieß das Fenster auf. atmete tief und zerpflückte langsam alle drei Briefe in kleine, kleine Stückchen und der Morgenwind enfführte sie unter ihren Händen und setzte sie als weiße Blüten auf die Bäume, die Sträucker und das werdende Gras... ____

Nasse ed Mit, der türkische Eulenspiegel.

(Aus einem neuen anonymen Schwankbuch übersetzt.)

Von Roda Roda.

Nastr ed din bette beim Metzger eine Leber gekauft und schlenderte nach Hause. Ein Freund begegnete ibm und fragte:

Wie gedenkst du die Leber zu bereiten?"

Nun. wie giewöhnlich . . sprach Nassr ed din.

..Ich" weiß dir aber eine viel bessere Art", entgegncte der Freund, und begann das neue Rezent umständlich her- zusagen.

Daran? Nastr ed din:Freund, ich kann es mir so rasch nicht merken. Schreib mir das Rezept auf!"

Gut. der Freund tat es. Nastr ed din dankte lebhaft, nahm Abschied und ging. Und freute sich schon auf das leckere Gericht. Da wrang von ungefähr ein Hund aus dem Buich. schnappte nach der Leber und lies davon.Haha!" lachte Nastr ed din.Dummes Tier, lauf du nur mit der Deute sie nützt dir doch nichts: denn das Rezept habe ich."

*

Es irrte jammernd ein Dauer umher. sein Esel war entlaufen. Nastr ed dm tröstete:Immerhin ein Glück, daß du nicht darauf gefesten hast! Das wäre erst ein Verlust für die Deinen, wenn ihnen ihr Ernährer mitenlaufen wäre!"

*

Nastr ed biims Frau litt Schmerzen und schickte ihren Mann nach dem Arzt. AI- Nastr ed din aber eben aus dem Haustor war. Wirte die Frau: ..He' du! Die Schwerin sind wieder vergangen."

Da lief Nastr ed din zum Arzt und sagte ihm:Herr, ich vermelde dir. daß wir deiner durchaus nicht mehr bedürfen."

Nastr ed din vermißte eines Tages sein Messer.

-Es kann nicht anders sein", dachte er.ich mutz das vertrackte Mester mit in den Sack getan haben, als ich das Mehl einfüllte."

Stieg aufs Dach, knüpfte den Sack auf und ließ das Mehl in alle Winde stieben.Umsonst auch hier kein Messer. Dann muß es doch wobl in meiner Tasche sein." Und richtig, da war es. t

Nastr ed bin rühmte sich eignes Tages seinen Freunden gegenüber:So aff tck bin ich habe nichts von meinen Jugendkräften eingebüßt."

Wie kannst du das bebaupten

In meinem Hof liegt ein gewaltiger Stein. den konnte ich als Jüngling, bei aller Anstrengung nicht hoben. Heute »ersuchte ich es wiederum, Und siehe. der Stein rührt sich genau wie damals nicht vom Fleck.

*

Nastr ed din bewohnte ein Haus, das war nur zur väffte sein eigen. Im anderen Trakt wohnte ein zänkischer Nachbar.

Gemeinsamer Besitz taugt nicht", mernt« Nastr ed din. Ich »erkaufe meinen Teil, und für den Erlös kaufe ich mir die andere Hälfte. da«» «ahne ich allein."

Der Arneisenfriedhsf irrt Schnee.

An die über einem schrägen Verandendach auffaaende Außenwand meines Wohnzimmers im zweiten Stock, an die

S, 1 ____:_m - v .<<..£! v_tiArftn-

ernauoer. antorertmau wrirawnr lew Sie mich. Alle stumm. Ick überlege.

Ich bab's. Vorsichtig lautlos wie ein nacktschleichender Einbrecher klinke ich die Tür aus dann die zum Winter­garten: und dann flattert es grün von der Wand fort. Zum Forst. Drüben guckt es hinter der Kreier bnvow Schnabel, ein grünes Blitzen. Fürwitzig! .Der Grünspecht,

Hinter dem Zaun stavst ich abends lebet Pfosten bat dickwülstig eine respektable Hermelinmütze würdig emvor- , ßefteift. stapfe einer Fuchsföbtte nach durch den makellos reinen blaudcimmrig überhauchten Scknee zwischen das Säulengewimmel des Kiefernwaldes.

'TN s* f i. u z> IM^n X

Aiaziernummcis emauni ein van« »ivvr iuiuahoc «w. als luge der Tod jäh unterm «cknee herauf aus ersiaen Erdtiefen. mich andüftern. Dort ungefähr wo dn Ameisen Haufen im arünfrohen. sommerseligen Sommer die vlaDrl- kuppeln 'hrer geheimnisvollen Wolvschloster aufragen ließen.

Neugierig knie ich mich nieder. Sollte sich kwr zehn Schritt von meinen Wänden ein Marder oder sonst w eia Raubbiest einquartiert haben? > , .

Aber diese feinverwisckten kvallendunnen Fahrten da- vor? Unmöglich! Ich übevlege . . . Äuge hinein. In die dunklen, schräg von Tag hinabfinsternden Stollen.

Wie tief mögen sie Kin? ^ __ .

Mit der Möglichkeit rechnend, m bte Pfote gebissen zu werden, stecke ich meine dickbevelzte Hand binern. vorsichtig.

2ief und tiefer.

Kein Grund. .. . ,

Aber da huscht s srun wird mir vor den Augen! Rauscht plötzlich flügelflattrig mir etwas Großes. Grünlich- firificres ins Gesicht. Aus dem Stollen nebenan. Sd>la<u mir mit angstwilden Fittichen in. die entsetzt auffahrenden Äugen. Erschrocken fahre ich zuruck. Und durch die atem- anhaltende totenstille Schneedämmerung des Winterabends rast es mit iäb raffelndem Schwinsenseklavvxr davon.

Jeder Schreckton ist dem hastenden Flüchtling vor Tode-entsetzen in der Kehle erstickt. .Fetzt aber bor ucks

hinter meinem Zaun in den Kiefern. Ist der zu mnem Erdböblenbewohner geworden?

Bei glänzender Senne !ehe tck anderntags etwas iettob des Zaunweges einen dunklen Fleck nnmerru rm Schnee nicken. Scharf hinaeäust. Ah. ja. da ,ft er wieder mein Erschrecket und Erschrockener vom Abend vorher. Schimmert wie das Grün des Frühlings, der noch fo fern, und mm immerzn in den Schneehaufen hinunter, auf dem er ftebt.

Wiederum fele ich Stollen. Aber diesmal senkrecht von Tag abführend. Ameisenstollen. Aber mckt von der Zierl'ckttit. mit tu Ameisenwege sich in die Nadelkuvveln der SLaldschlösser bineinicklingeln. . Brett gähnen sie. Rou und brutal. Breit gähnen sie Mit der Brutalität eines Grabes, eines Friedbrfw.aules. , . _ ..

Und der Totengräber auf diesem Friedhof mein Grtin- specht. Er holt alles Leben, was stich ;n dem weißen W'ntergrob begräbt, herauf. Wühlt . mit ^ dem langen Schnabelspieß sich allmählich in den Friedhof, auf dem er backt und backt, hinein. Verschwindet nach und nach darin. Gam. Wühlt tief in der Erde, wie ein Bergmann zuletzt im Stollen, nach dem erstarrten Ametsenaekrthbel.

Denn in dieser tiefen WtnterverscknettbeiiL diesem knattirnden Frost, in dem nachts der See brüllt vor Kalte. wo soll er noch ein Käferlem unter der Borke finden? Durck sein hämmernd Klopfen an der Borke, laßt sich nichts mehr eischrecken. Taumelt nichts mehr bestürzt, hervor. Die kleinen Kötrcr kühlen nichts mehr.. Sind wlnterbenomnwn. kältedenommen in Frostttarre van tiefem Eistraum des lln- bkwußtfeins umfangen. _ ... .,

Und wollten sie. aufgewackt. die Fuße rühren, die sitzen starr wie Eiszäpflein am Körper. Sind m den Gelenken fest, wie eingefrorene Pumvenkolbpn. .

Da wird denn !o e-n w-nterhungriger Gruchspeckt zum stollcnaussrestenden-Bergmann, zum Totengräber im Scknee- friedbof. Zum Erdböblenbewobner. der seinen Freßnavf aus dem Eis beraushackt.. .

Ameisen, so viel wie Flocken fielen und Scknavs fläsckcken. fast so viel wie Ameisen, schffngt er mtt seiner lang rorfckicßenten Wurmzunge tnnuntep. Die Scknavs- fllischcken der Ameisen zugleich, die Gasttterchen. die Wen­digen Sckankwirtschasten der beraufchunaslusternen Krabbler. Und die E-cr der Krabbler! Zu Taufenlden! .

Upermüdl'ck schießt die Wurmzunge.. Der Grunsveckt wild neck zu., einem Nasenungebeuer. einer Fernrohrnase

Nack drei "Wecken besteht der große Ameisenhaufen nur nock aus einem Rcndell von fünfzehn tiefen Frebnaofen.

ttöcn aus einem

Die trautiö spöttisch von dem erradlen. wns Unters in Erdhöhlen schläft _ Alwin Rath.

Variet 6 .

Auf der Bühne des VarietSs ist «ine höh^rne Tveppe errichtet und oben auf dieser Treppe steht oin. schönes Weib, das mn^EdMeinen und Perlmutter glänzt wie dre Konigm

Nun wird eine große Kusel, eine richtige Erdku^l. oben auf die Treppe gelegt, und di« Schöne tritt darauf. Ihre Aufgabe und ihr Lebenszweck isst, diese Kugel lanssam balancierend die Trevve herunterzuschieben.

Sie rollt die Weltkugel also erst an den Rand und stoßt sie dann mit vorsichtigen Fußtritten eine Stufe herab, und noch eine, immer weiter herunter in den Jammer.

Dabei lachi sie uns alle an und ist nacht nur Wti sondern auch bedeutend wie ein Bild oder ein Symbol. De«, da haben wir za in diesem leichtsinnigen Etablisiement die alte Frage: Wie ist das nun eigentlich, zieht das WeWiche uns hinan nach den Worten des immer verliebten Goethe, oder hat es vielmehr die Welt von Stufe zu Stufe herunter-, befördert? ^ ...... . , t ^

Nun. besser noch die Weltkugel liegt unter den goldenen Schuhen der Tänzerin, als daß .sie von den Kümsster- stiefeln des Generals zerstampft wird, was auch schon vor- gekommen ist. Eins von beiden pflegt es meistenteils zu feilt.

Neben der Treppe steht ein Herr im Frack, der wohl der Ehegatte oder der Impresario sein wird. Und während wir der Schönen in wildem Jubel unseren Beifall davbinaeu. kann man sehen, daß dieser Herr ihr heimlich ein paar Der-

haltungsmaßregeln zuflüstert.

Immer ist der Herr m !?»» ^

gewesen, daß ec auf dieser Welt etwas mttzureden hätte.

«»cts« Aubnrtt».

im Lrack der irrtümlichen Meimma