Samstag. 6. Januar 1923.
Wiesbadener Tagblalt.
Nr. 5. Seite 15.
Unterf)a(tung6 s&eifage
_öes 'Wieäßabener 'XagMattü.
Hm Aap Born.
CS f i 3 3 e aus dem Seemannsleben.)
Von Joseph Brogsitter (Wiesbaden).
Unter strahlender Trooenionne lag der Hafen von Talcabuano in Chile. Wochenlang batten wir Weizen geladen. Lack ans Sack von jenem lamghalmigen. goldgelben Weizen und nun endlich war der schier unersättliche Bauch der ..Mus« gelullt. Seeklar lag unser schönes Schiff, sollte es doch morgen wieder hinaus gehen au? das wert« Meer. Jetzt hiev es also Abschied nehmen von dem Land und seinen Bewohnern und von den Kameraden auf den anderen deutschen schissen: herzlichen Abschied, denn nie weih der Seemann. ob es ihm vergönnt ist. je wieder Land zu schauen.
Es ging gegen Abend. als das Gebimmel der Schiffs- glocke verkünde:«, dass für di« ..Muse" die letzte Nacht im ncheren Vahren Hereiwbreche. Von allen Seilen näherten sich daraufhin mit Landsleuten bemannte Boot« unserer Bark, um den Scheidenden Grütze in die Heimat zu bestellen und den letzten Abend mit ihnen zu verbringen.
Zu Dreien und Vieren lassen die Seeleut« am Deck, in malerischen Gruppen. die Whiskyslasch« kreist«, man tauschte Evlnr«rangen aus und erzählte Erlebnisse früherer Fahrten. Da mss ein« Grupoe braungebrannter, wettrrbarter Leute, mit schart geprägten Zügen, ergraut in ihrem entbehrungsreichen Berus: ihr stahlblaues, kühnes Auge leuchtet« in Jugendkrafft. wäbreird ne einander »utranken aus frohe Heimkehr und Wiedersehen im Vaterland. Mit alten See- mannsaherglauoen behaftet. schauten die anderen gespannt und ergriffen ans. als der «reff« Sege'lmacker der ..Muse" sagte, da« dies lein« letzte Fahrt sei. Die Möven hätten es ihm erzählt, die im Hasen von Talrabuano ihr Futter suchen: überdies habe er einen Zabn verloren.
, ..Wenn einer so alt ist wie ich und verliert im Hasen einen Zahn, so ist das das letzte Land, das sein« Führ be- traten. — — —
Sein« Zuhörer trösteten ihn und sprachen ihm Mut zu: und doch, man sah cs deutlich in allen Gesichtern geschrieben dass auch sie nicht mehr an ein Wiedersehen glaubten. Sie na'hm-en Ablcknod von ihm für immer. —
Spät in der Nacht trennte man sich, und die Freunde kehrten aus ihre Sck'ffe zurück. Am anderen Morgen um 4 Ufrr sichtete die ..Muk" unter dem Etsang der M-'-"kn di« Anker die Schlevver kamen, gaben ihre schwere Strahltrolle an Bord und spannten sich vor. um uns aus dem Hasen zu bugsieren. Die Flaggen wurden gehisst — ..Leb« wobt" wurde signalisiert, und ..Gute Fabrt" und ..Aus Wieder- seben mm von allen Schissen prompt zurück. Daun sammelte stch di« Mannschaft der ..Muse" vollzählig, und mit dreimaligem donnernden Hurra nahm sie Abschied von Talcabuana und von dem Hasen mit seinen Schissen.
Langsam ging cs der Ausfahrt zu. Dori war eine Klippe, die ziemlich weit in dir Bucht hineinragte, aber vom Land aus auch leicht zu ,erreichen war. Diesen schönen hl atz hatten sich ein paar Ckilenerinnen ausgesucht, um das Sibrff und Ie,n« Besatzung noch einmal zu grützen. Schwarzäugig schwarzhaarig, klein und zierlich standen lle da. ihrer funs oder sechs und winkten den blonden Deutschen ihren Schcidlgrutz. Manch einer der barten Merffchen fühlte brennenden ALichieds^chmerr und hielt mit Mühe sein« Tränen zurück — Seemannslieb«.
Weiter und weiter glitt das Schiff, kleiner und kleiner wurden die Mädchen, d'.e Klippe und das Land. Die Segel wurden geletzt und blähten sich im frischen Morgenwind. Die Schlepper batten ihre Pflicht getan. Nach drei vier Stunden. und die ..Mule" war allein, ausser Sicht non Land ringsum nur Waller und tiefblau glS"sender Ätber Riffti« steuerte nnler stolzer Dreimaster nach Süden, um Kap Horn zu gewannen und dann neuen Kurs zu nehmen nach Norden der Heimat zu. —
Zwanzig Tage lpäter aus der Höbe von Kap Harn. Wir iwneoen Kavsamstag' icknver und düster zogen di« Walken am Himmel. Bleigrau rollte das Meer sein« unruhigen 4vageii : die schaumgekrönten Lallen köpfe jagten einander und türmten sich um das nur mübiom seine Bahn verfol- gende Schrff. Bewogt stand der Kavitän aus dem Achter- 2?“ : °»nn das stet« Sinken des Barometers, die Unruh« der Element« und das schauerliche Hui—i—i. Hui—i—j b<r oerkündeten ihm ein nabendes Unwetter. Klar und bestimmt traf er ieive Anordnungen, die di« ..Muse" bereit machen sollten znm Kamps mit den Naturgewalten. rÄ-iuz lleien di« Matrosen hin und her. um alles Dcweg- Uche fest zu machen oder unter Deck zu verstauen.
. Da vernimmt man auch schon ganz «eit in der Ferne em unheimliches Zischen und Brausen, ein schrilles hell- wnlges Pfeifer und Heulen. — Laute, wie sie der Mensch mrr einmal zu hören braucht, um für immer unvergesslich in leinem Gedächtnis zu haften Das ist der Sturm. weitz der veemann und nur noch Augenblicke vergehen, dann liegt oas Schiff mitlem drin. Noch einmal überfliegt sein kundi- g«s Auge das Deck ob auch alles in Ordnung ist. Tiefer «ruckt er den Südwester in den Nacken und fast instinktniässig nimmt er einen Platz ein. wo er sich am meisten geschützt öiwbt.
,.. Da hat auch lch»n der Wind das Schisf ««packt: Hochauf vamnt es sich und neigt sich gleich daraus ties zur Seite, -ilonnernd schlägt di« erste Sturzwelle an Deck. Prall- v«»annt stehen di« Segel. Da. da reiht auch schon eins nritten durch, das obcffie Segel des Fockmasts. Heulend Mmrt der Wind durch die Lücke und peitscht di« Segelsetzen.
es schallt wie »an Bölleifcküsson. Ein, zwei ander« «egel im Grotzmast teilen dasselbe Schicksal. Dazu brüllt
sturm in der Luft, lätzt das Tauwerk gegen Mast und Mben schlagen, recht und zerrt an den übrigen Segeln und wannt wiederum die Tau« »um Zerplatzen straff, datz lle rnngen wie «eisannt« Saiten. Rasend erklimmt der Segler *!* Wellenberge, um «'eich daraui binobzuchietzen in die gabnen>de Wassertiefe. Sturmneveitischt haut das Waller ins s.hfff: das ächzt und stöhnt und kracht in allen Fugen, und Ae. Leeseite liegt !o über, datz die Reelin« die Salzflut
_ Längs der Bordwand liegt der 20 Meter lange Notmast, bulendicke Drabffeile fesseln ihn an Deck: und doch, ein« «verkommende schwere See recht ihn los. und unter dem Meli-ruren Druck des Wogeiffchwalls,bricht der mächtiae .a.mwm mitten durch wie ein chmankes Rohr. Grell schrillt 5^' Pfeife des ersten Offiziers. Bis an den Leib im Wasser Watend, trachten di« Leute, zu ibm zu kommen: denn lle wissen, da« der an Deck umhertreibende Notmast di« ..Muiie"
gefährdet.
- ..Wer hilft mir den Mast in Sicherbeii bringen", ruft Mgend der Offizier, will er doch zu solch schwerer. leben- ^orofienb^r Arbeit nur Leut« haben, die ibm freiwillig bel-
Während di« junge Kraft noch zaudert und «bwägt
zwischen hoffnungsvollem Leben und ruhmreichem See mannslod. spricht der alte Segelmacher gelassen: ..Grübt mir meinen Bruder in Hamburg", und geht mit dem ersten Offi- zier in das brodelnde, zischende Wasser, um den Mast mit f* u umschlingen und festzulegen. Bis an die Brust liehen ne m der ristgen Flut und erwarten einen günstigen Zeitpunkt. Da. starr sind aller Augen gerichtet aus eine oausbobe Woge, ein« weihstreifige, beitzhurigrige. di« sich unyeildrohend gegen,das Schiff beranwälzt. Schreckgeläbmt und außerstande. Hilfe zu leisten, müssen sie zuleben. wie die Wasser miltschiifs bereindonnern und den Notmast and ihre beiden Kameraden mit sich reiben — aus Nimmerwiedersehen. Der Kavitän aus dem Achterdeck zuckt die Achsel: Bei solchem Wetter ist kein« Rettung möglich. — — —
.Der alte Seselmacker. er hatte es gewusst. er hatte es geahnt: nun halt« er seine Rübe gefunden, ties unten au dem Meeresgrund zwischen blühenden Anemonen am sturm- umbrausten Kav Horn. — Die Nacht war bereinsebrocheu. Rabenschwarze Finsternis umhüllte uns. und nur di« Wellen' kämme leuchteten phosphoreszierend in der Dunkelheit. Tief- banigende Wollenmassen stürm len in gespenstevhafter Eil« dahin, geragt von der Windsbraut, bald zu unförmigen Klumpen zusammengeballt, bald wild zerrissen, fahrig zersetzt.^
Plötzlich schimmerte es durch das Dunkel, und seister. bleich beleuchtete der Mond den Berzweirlunsskamvf der ..Mule' mit den tobenden Elementen. Und. stehe da. nordwärts. vom Mondlicht getroffen, wie ein Schemen, ein »Äroitzerklüfteter Fels, «in« hochragende Klivve. an der sich lchoumend die Welle bricht. Im näckssten Moment verbarg eine nvnge Wolkenbank das leuchtend« Gestirn, und alles versank wieder in nächtiges Dunkel. Nur das kern« Donnern und Krochen der Brandung ballte noch herüber zu dem einsam kämpsenden Segler. Mit erneuter Wucht setzt« der Sturm wieder ein: er peitschte die wo>ssmäbvi»«n Wellenrosse zu rasendem Lauf. Wind und Wasser schienen stch verschworen zu haben zum Verderben unseres stolzen Schiffs.
Ein.« endlose Nacht verging und ein düsterer Tag. 36 Stunden harrt« nun schon der Kavitän aus au? seinem vevantwortungsreicben Posten, im wassertriesenden Ölzeug. Seine reckenhaft« Gestalt mit den stahlbaricn. trotzigen Zugen flösste uns Mut und Vertrauen ein. Schweigend taten wir lchwere Arbeit. Schon stand das Mannschaftslogis voll Wasser als endlich, eiidlich nach zweimal 24 Stunden das Unwetter nochlieh. —
. Nstbt zuletzt batten Schiff und Besatzung es ihrem tüchtigen Flchrer zu verdanken, dass ste dann wieder bessere Tage laben. Manch einer von uns batte die Hoffnung ausgegeben und- nicht geglaubt, wieder heimatliches Land zu betreten. Ich aber, ich habe Kav Horn ge>seben in jener schlimmsten Nacht. Greifbar deutlich stebt es mir noch beute vor Augen, ein gigantischer Fel'enbau in erba^benev Majestät vor der ruhelos anstürmenden Macht des Meeräs. ein »rohartiges, zeitenuberdauemdes Monomer k für die Kameraden, di« in treuer Pflichtevfüllun« den Seemannstod fanden.
Reisebekanntschaft.
Von Julius Kreis.
. .Di« klcme alte Dame iah mir im Zug, gegenüber: ste batte,42L- Eiad R-isefieber. Schon bei der Wabl des Platzes war ste darauf be acht dah keinerlei Diebe und Eiienbabn- raubcr ihrem Rei ciack ungesehen nahekommen konnten.
^ [ t , an ,^ ^>'«uf tn rotem Kreuzelstich gestickt: Auf Wlederssh n! —- Sie verstaute ihren leinenen Augapfel bald aus der Bank, bald unter der Bank—bob ibn ins Netz und nh ihn dann m jähem Enffchluh. wie eine Löwin ihr Junges, wieder heraus und stellte ibn sich zu Füssen. Dab>>l sah sie mich , mit misstrauischen Augen unter ihrem schief- sitzenden Zwicker an. Bis zur Station Grafing schien lle mich immer ncch für Monolosku. den Fürsten der Hotel- und Bahndicbe. zu halten, und als ste einmal hinaus muhte.
Neiiriack fürsorglich mit. Endlich gewann ich 'kr Vertrauen, indem mich ein Fahrgast in Vevwcchilung der Person, mit ,.,.H;rr Wa.Dtmeister anredete. und st« ent- zog mir nicht lai.ger den Anblick ibres Reisesackes. Von Giafing ab knallte lle oon fünf zu fünf Minuten das Fenster herunter und iah, nach der Station Oberaudorf aus. auch lvaren bereits sämtlich« Waneninsassen sowie der Kondukteur und der Lokomoffvtükrer einem peinlichen Verhör unte:zagen worden ob es auch der reckte Zug nach Ober- «udorf kt.
In Rrknheim war Aufenthalt. Ein Kellner mit einem Bicrbrctl sang den Zug entlang eine verlockende Arie: ..Vier gefällig, di« Herrschaften. Bie—ie—ier gefällig. Herrschaften. Vre— 1 <—rer «cfällig. — Dos Frauchen erhob stch und winkte dem Eannmed.- — Urb nun begab stch ein merkwürdiges Schau'piel Als es ans Brzablen ging, da bob meine Reisegefährtin efft den dicken wollenen Oberrock und raffte noch einen llvterrvck und dann noch einen Unkerunterrock. uno den t rebte ste am Saum um. und dann nestelte ste an Bändchen und Sicherheitsnadeln berun und griff und tastete den Saum ab. wurde plötzlich blass und tat einen Schrei, iagte aber dann gleich darauf: ..Gott sei Dank, da ist es!" Und ffschte aus den Tiefen eine geflochtene Brieftasche heraus. Die war mit drei Stricken zugebundcn und mit zwei Nadeln versichert Auck diele Bande sanken, und dann fieberten die Finger in Heftpflaster. Briefmarken und Kalenderchen benim. bohrten sich in geheime Fächer hinein und angelten endlich das Geld heraus. Sie reichte es dem Kellner der mittlerweile den Zug zweimal auf- und abaerast war aber er verlangte noch einen Einsatz kür das Glas. — Das F-au- chen versicherte den Kellner ihrer absoluten Ebrlichkeit und Lauterkeit, aber er lieh sich nickt erweichen. Sie trank das Bier voll Hast, um dos Glas wieder zurückgeben zu können aus. und als das Abfahrtssignal pfiff und der Kellner noch nicht zur Stelle nmr. brach ste in Verzweiflung aus. Cie winkle und rief heftig den Zug entlang und sch,w—g das Glas. ..Das Glas! Kellner, das Elas!!!^- Der Kelln« .bummelte gemächlich herbei und nahm es in Empfang rechnete urck mir emem anderen ab. und der Zu« fulir schon an. Ich musste ste halten, ste wäre sonst aus dem Fenster «csviuugcn. Endlich reichte ibr der Kellner aus dem Westen- täichlein las Heraiisgeld hinauf, und lle sank erschöpft auf ihren Platz Dann raffte lle den Oberrock und dann den Unterrock und dann den Unterunterrock, stülvte den Gaum um. tastete ibn ab tat das Geld ins Geheimfach der Brieftasche. band drei Stricke darum, steckte lle mit zwei Sicherheitsnadeln ,u. ur.d barg lle dann in die Eebeimtaicke des Saums.
Dam, sttzte lle stch aufatmend zurecht, wffckte d'e Schweisstraoken von der Stirn und sagte erklärend M«r kann hcutiaer.iciis nit vorllchtia a'nug sein mit'm Geld' Sagen Sie s nicht auch Herr Wachtmeister?" — — Ick, sagte es auch. . . . U>rd ste riss die Taicke vom Retz herab und verstcuic lle hinter ihren Beinen. In Oberaudorf stieg ste aus. Die Taicke Tiefe Ne unter der Bank liegen, und ich warf >i« rbr noch aus dem anfabrenden Zug nach . . . Wenn vorsichtige und ehrliche Menschen auf Reisen ru- lammentrcsfen. so bat eg weiter keine Gefahr.
Stern singer.
Eine volkskundlich« Studie zum Dreikönigstag.
Aus den etiwa feit dem 12. Jahrhundert bekannte« DreUonigslnklen. deren Blütezeit in das Mittelalter fiel, durften die Umzüge der Stern- oder Dreikönigsllnger ber- oorgegongen sein, wie lle^früber in ganz Deutschland und darüber hinaus zwischen Weihnachten und dem 6. Ianurr. manchmal auch schon vor Weihnachten, abgehalten wurden. Ja Anbetrachr ihrer »rossen Beliebtheit beim Volk ist es begreiflich, dass die Gestalten der heiligen drei König« aus den Kircken auf die Strasse und in die Häuser gelangten, nrer trat der alte Dran« des Volkes, nickt nur rusehsn. kndern selbst mfflvielen zu wollen, deutlich zutage. Ur- ionlnglich dienten die Umzüge der Sternstnger lediglich der religiösen Eibanunq. später Tanken ste »u BettelaänN'n herab Die siübesten slkrickte über di« Sternllnger stammen ans dem Ende des 16. Jahrhunderts, doch dürfte die Sitte viel alter sein. Vielleicht sind die Umzüge auf den Glauben unserer hekdaffchen Vorfahren an den Umzua der Götte: auf Erden während der Zwölften und auf allerlei Mummen- schunz zurückzi:führen. Uriorünalich waren es nur die Weilen aus dem Morgenland, di«, von nirov>n Burschen daraestellt, mit einem erleuchteten Stern auk bober Stana« bernm- zoaen und Weihnackts- und Dveikönigslieder sangen. Später kamen noch andere G'stalten: Herodes und sein Bedienter. Sckriitgelehrte. rin Enoel und einige Hirten, hinzu, die Rede und Geaen-e^e führten, wodurch eine dramaffschr ^zen« entstand Diele Form war noch in den neunziger Johikn d,s vergangenen Johrhumderts in Münstermaifeld in der Effel bekannt. Auch in Rosenbeim wurde bis in unkre Zeit hinein ein Dreiköniassviel ausgeffihrt. das in einzelnen Teilen sthr alt ist. Im Effoss kannte man bas Sternstngen seit der Reformation, setzt ist es in De'messen- beit geraten. Dort sowie in der Pfalz traten meist nur Knaben auf. die nach dem Gelang Gaben einfamn-erren. In der Pfalz hiessen lle Sternbuben. ste stammten meist aus dem armen Gossersweilerckal. erschienen in weissen Hemden, batstn Kranen aus Bunrnavier aufgesetzt und Bentel ffir die Gaben umgebänot. Ein Bericht ans dem Anfang des '6. Iabchunderts schildert den Brauch des Sternstngens in Hamburg kgsqendlrmasskpi ..T*> war e-n Stern tragen, so grossmächtig. dass leine Stuok-^en den kleinen Träger vom ganz be'deckten während hinten ein unbistorischer C>) 6>met«nichm»ff «ach''*'leifte' da waren drei Kä-,f«»e varzn- steffen mit langen Ziegenbärten. schlenvenden Mänteln, mit aoldvapffenen Kronen, lanoen Zeptern und Kegelkugeln als Reichoänkfp. ffnd unter den dreien war gar ein schwarzer Mchrenkenia So zogen die «nbeilinen drei Könige langlam und bedäckffa durch di« Gassen, gelolat mm jubelnden Kindert-hgi-en.. deren Geschrei nur nerstummie. wenn vor den Türen angchebener Le"»e dl« König« mit ihrem Sterntrgper ganz ehrbar ein neist'ich»« Lied zu stnaen begaunen Es folgte olt ein weltliches ^chelmenlied, das ganz aralos mit derlektz-,, t^übklioen Miene varaetraom wurde, als wär's ein Bussmafm. Dann sammelten ssr millie Gaben ein. Biffterbrot Kucken. Änfel und Null«, festen bares Geld. Häusi« nötiate man ste in die Häuser zum Entzücken der kleinen Kinder welcke stck anfangs in scheuer Eb-iiircht den vermummten Gestalten näherten, aber zuletzt selbst mit dem schvnrzen Mähren Freundschast schsossen. Sitz schieden mit dem alten, bell berausaegrölten Verse:
..Die heiligen drei Könige mit ihrem Stern.
Sie essen und trinken und bezahlen nickt gern'."
In Thiir'ngen, wo das Sterullnaen einst allgemein üblich war. tn>gen zwei der als Könige verkleideten Burschen rceralldete Sviesse. der dritte auf einer Stange einen grossen m'grldeten d'rhhoren Stern, in dessen Inner» Erbten lagen, die keim Drehen rin raschelndes Geräi'sch beruor- ' brachten. Unterhalb des Sterns befand llch ein kleines, mit Grün geschmücktes Hänschen, bmter dessen erleuchtetem Frnster eine P„vpe. Herodes darstellend, sschtbar war. Reben dem Heule des Herodes loa l'nks ein« kleine B„chs- baumlaube rechts ein Stall mit Maria. Jaknh. dem Ebrist- kind in der Krivve lon-ie Ocks und Ekel. Mit dielem Dwt- königs- oder Herodeskasten zogen die Burkch«» »»» Haus zu Hans und sargen oder snrachen mit verteilten Rollen alte Reime von der Geburt Insu und dem Bestich der König:, wobei die Puvnen entsprechend bewe-ot wurden. Zur Belohnung erhielten, die Sternllnner Esswaren oder Geld. Besonders arohartig gestaltete stch dos Sternllngen ehemals in Hildcsbeim. Schon non Mitte Dezember an zogen Männer ans dem Bürgerstand, als heilige drei Könige verkleidet. in Begleitung eines Herodes und meb-e-er Mullkanten umher und sannen ihre Lieder. Der Mohrenkön'z trug einen grossen, mit einem Marienbiid geschmückten, trnnsnarenten Stern, in dessen Innern Lichter brannten. Es gelangten Ge'änge zum Dortrag. welche di« Geburt Ebr-sti. den Bestick der Weilen und die Verfolgung der uuschuldigrn Kindlein behandelten. Da es bei den Umzügen HKuiia zu Ruhestörungen kam erließ die Behörde niederholt Verbote gegen das Sternstnaen. aber das Volk kehrte sich nicht daran In Schlesien ziehen auf dem Land«, bescvders im G-'birge. lxute noch am 6. Januar drei Burschen als Könige aus dem Moraenland ausstaffiertz umher und singen ihre alten Lieder. Ehemals schlossen llch den drei Königen Herodes und sein Begleiter Laban, die lustige Person des Ensembles, sowie einige Engel und Hirten an. Aus Rede und Gegenrede entstanden die einst durch ganz Schl«.llen verbreiteten Sternllnaersviele. eine Fortsetzung der mittelalterlichen Weibnachtsspiele. In der Provinz Sachsen, z. B. in Torgau und Umgegend, stehen die Kinder mit einem grossen erleuchteten ölvapierstern herum. In der Mitte befindet sich ein Haus, dessen Fenster mittels eines Fadens stch auf- und zumachen lässt, um eine Figur. Herodes bei bestimmten Stellen des zum Vortrag gelangenden Livkrs er'cheinen zu lassen Am Niederrbeln hen Kinder mit dem sogencrnivlten Drrikönigskasten in lem stch drei Puvven befinden, die die Könige aus 'dem Morgenland voistellen von Haus zu Haus. Früher zogen in Franken arm« Leute mit langen Hemden über ihrer Kleidung. Ledergürteln und Pavierkronen singend umher In gleicher Verkleiduna gehen heute noch in Westfalen' Schwaben und in der Mark drei Knaben Haus bei Haus' davon einer als Mobrenkönig mit geschwärztem Eestchh Im Harz kennt man feit langer Zeit das Sternsingen auf Erossenneujabr t6 Januar) Ehemals hielten es gewisse arm« Eebirgsdorfrr des Obecbarzes für ihr Privilegium, alliabrlich vom.1. bis 6 Januar verschiedene Gruppen von leiliaen drei Königen auch wohl Sterngucker genannt, weit 'ns Lund hinein zu schicken., um Gaben einzusammeln, wie es. b-.s in die Gegenwart hinein von Sckierk« aus geschah. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war die hübiche --itte des Sternllngens in Deutschland und darüber hinaus weit oeibreitet und wenn )ie auch heute noch nickt ganz ausäesto'brn ist. so bedarf ste doch dringend der Reu- beledun«. g, ^
