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Nr. 4.
Freitag, 5. Januar 1923.
Die Pariser Konferenz gescheitert.
Unüberbrückbare Gegensätze.
Was nach den Meldungen über den zweiten Tag der Pariser Konferenz zu erwarten war, ist eingetreten! Die Konferenz ist in der Nachmittagssitzung des dritten Tages ergebnislos abgebrochen worden, ohne daß der deutsche Vorschlag überhaupt erörtert wurde. Die Alliierten mußten sehr rasch erkennen, daß die Gegensätze zwischen Frankreich und England in der Re parationsfrage nicht zu beseitigen sind. Daher haben sie am Schluß der Konferenz ihre Uneinigkeit einfach festgestellt, ohne einen Beschluß zu fasten. Sie wollen ihre Freundschaft crufrechterhalten, verzichten aber darauf, die Repavationsfrage von sich aus in diesem Augenblick gemeinsam zu lösen.
Die Folgen dieses Ausgangs der Pariser Konferenz sind ganz unübersehbar. Nach menschlichem Ermesten ist heute schon zu sagen, daß sich die französische Politik, so oder so verwirklichen wird, daß die Pfänder genommen, der Vormarsch, sei es nun von Militärs, von Ingenieuren oder von Kontrolleuren nach dem Ruhr gebiet angetreten werden wird, jener Marsch, der Deutschland und Europa in unabsehbare Schrecken Mh.ren muß. England kann nicht hindern, daß Herr Poincarö auch ohne seine Zustimmung den Marsch ins Ruhrgebiet antritt, den er seit einem Jahre vorbereitet. Es hat keine Machtmittel in der Hand, ihn davon zuruckzuschrecken, es hat in Versailles die absolute Hegemonie Europas an Frankreich übergehen lasten, das unterstützt ist von Belgien. Polen und Tschecho slowanen, bas in der Tat die einzige, die überwälti gende, die ungehemmteste Militärmacht der Erde ist.
. ist geschehen? England hatte einen Plan für die Reparationen ausgearbeitet, der. wie ein Mitglied der britischen Delegation dem „Daily Mail" erklärte. ..nach Ansicht von Finanzleuten Deutschland tatsächlich chon mehr auferlegt, als es in Wirklichkeit zahlen ' ann • JP te H r dlgn, fügte der britische Diplomat hin- -üt . °^ ei k'te Grenze besten dar, was die nriti- !che Regierung noch bewilligen könne". Und diesem Plan, nun, dem Maximum der englischen Zugestä.idniste lrn Frankreichs Forderungen, trat Herr Poincar^ mit rmer Schärfe, mit einer Heftigkeit entgegen, wie es in der Geschichte diplomatischer Verhandlungen noch nicht oft vorgekommen ist. Er erklärte, das englische Prorekt sei geradezu vertragsbrüchig. Er sagte ferner, wenn Änderungen, wie sie das englische Projekt vor- >ehe, am Versailler Vertrag eintreten sollten, so könne bar nur auf dieselbe Weise geschehen, in der der Ver- lnerzeit zustandekam, nämlich: durch neue Unter Schriften, neue Parlamentszustimmnngen und neueRatt srkation sämtlicher Beteiligten. (Und dabei sieht der
deurschen Möglich- dann je- und ver- über- Die
Strömung dafür ein, daß die Washingtoner Regierung aufs neue Vertreter in diese Kommistion entsenden 0 L° ^^-.^MEreste eines Ausgleichs der Meinungen und der Kräfte sowohl, wie angesichts des klärenden, mäßigenden und fördernden Einflusses, den die aktive amerikanische Mitarbeit in der Reparationskommission si^en Eß, ist dieses Streben nur zu begrüßen, Hilfe jedoch können wir von Amerika im Augenblick nicht er- Präsident Harding hat zwar erklärt, er sei entschlossen, dahin zu wirken, daß die Reparationsfrage gelöst werde und dafür di« letzten Mittel Amerikas anzuwcnden. Falls aber das Eingreifen Amerikas nicht gewünscht werde, solle nichts getan werden. Da nun daß Frankreich Amerikas Mitwirkung
ablehnt, werden die Bereinigten Staaten nichts zur Rettung Deutschlands unternehmen.
Wiv sind also auf uns selbst gestellt und müsten die außerordentlich ernsten Folgen des Abbruchs der Pariser Konferenz allein tragen. Schwere Tage stehen Deutschland bevor, aber ste müsten und sollen die ge- schlostene Einheitsfront eines starken Geschlechts finden. Die Parole der Stunde heißt: Zurückstellung aller innert? Fladen, völlige nationale Geschlostenheit und Entschlossenheit, allen ungerechten Forderungen die Stirn zu bieten und die Folgen heroisch zu tragen!
Vertrag Änderungen in den Grenzen der Leistungsfähigkeit ausdrücklich, nicht nur als teil, sondern als Pflicht vor!) Er bekämpfte den einzelnen der englischen Vorschlagpunkte .angte schließlich, daß der englische Borschlaq baupt nicht zur Debatte gestellt werden solle
Folge dieser unüberbrückbaren Gegensätze war nun am Donnerstcvg, nachdem die Vermittlungsversuche keinen Erwlg hatten, der Abbruch der Konferenz.
.fP as teuflfc Volk steht nunmehr einer völlig unge wissen Lage, die die größten Gefahren in sich birgt, gegenüber. Trotzdem aber sollten wir uns ein- für allemal die Hoffnung abgewöhnen, daß Gegensätze prinzipieller Art zwischen den Alliierten für Deutschland irgend einen Vorteil bringen könnten. Nicht minder aber sollten wir noch erheblich bester lernen, me Taktik zu verfolgen und richtig einzuschätzen, die w „französische Politik mit dem Instrument ihrer Presse treibt, und wir sollten auch die einzelnen aus Paris zu uns herüberklingenden Stimmen bester nach lyrer wahren Bedeutung bewerten lernen. Nur allzu oft wird auf der einen Seite die Äußerung eines übcr- rad-kalen, nationalistischen Blattes, auf der anderen ^eite die eines eigenbrötlerischen lmksorientiertem Organs in Deutschland als eine Bekundung der fran Ulrichen Volksstimmung oder cvls eine Vertretung der Regierungsmeinung — was ganz und gar nicht immer dasselbe ist — angesehen. Auch hier ist ein kühleres Urteil und eine sicherere Zurückhaltung durchaus am Platze und kann uns vor manchen Enttäuschungen wie vor mancher übertriebenen Erregung bewahren.
Nachdem nunmehr die Pariser Konferenz ergebnislos beendet ist. wird der Blick sofort wieder nach Amerika gelenkt. Die amerikanische Politik erkennt, daß sie bester daran getan hätte. Sitzend Stimme in der Re- parationskommistion zu wahren, und es setzt eine starke
Eine amtliche deutsche Erklärung.
® erf j n . 4- Jan. (Amtlich.) Nach den beute abend l»cr eivgetroffenen Nachrichten ist die Pariser s ? r s R -ebnieIeie, verlaufen. Es bat sich herausgrstellt. daß dl« auf der Konferenz vertretenen Mächte wHtIVJl! 10 *, 16 !?Reparationsplan, der eine Ge- in .chP einem Eegenwartswert von
ffsibeza iy Milliarden (Solbmnrf vorsah — eine Summe, die r!?ntumjsfahurfett Deutschlands bei weitem überschritten -hi« Zustimmung erteilen wollten. Die Konferenz " oLs 111 t n Deutschland, sondern von den Einsichtig-:» begri,8t worden rn der Hoffnung, dag endlich. ; »ach Beendigung des Krieges bas Revarations- K™. t tn€ ousfubrbarc Losung finden und daß Deutsch- L°“ w'e ganz Europa c us dem w - r t f ch a f t l i ch e n «in das es durch die volitiicke Behandlung dieses
«tu « i Themas gestürzt "wurde, hercmssebracht konnte. Diese Hoffnung bat sich nickt erfüllt. Die ^^Ete in ernstm Besoreckunnen mit den !!!&«>.« «* ? a! J pren deutschen Wirtschaft eine ein- s , Uber die wirtschaftlich« Lckstunas-
falnanit Deutschlands angestellt und das Ergebnis der llnterstimung in Vorschlägen, die bis zur äußersten nt n^' e r «.Leistungsfähigkeit gingen.
dt an i^ ttf Konferenz das Ersuchen genutet. diese Vorschläge entgegenzunebwen und durch einen Beouitragien erläutern zu lallen. Deutschland ist ui St aebort werden, obwohl es nach dem Friedens- vertrag.einen -Anspruch darauf bat. Seine Vorschläge llnd n- Paris nicht einmal entgegengenommen worden, während in dtt »r-ter dem Vorsitz Bonar Laws tagenden L, lidoner K, nfercn, die deut'cken Vorschläge wenigstens in mmvfang genommen und geprüft worden find. Die deutsche Nogierunn bat argellck.ts der Ablehnung, die in Baris schon der englische Nevarationsvlan gefunden hat. davon abge- die unter diesen Umständen keine Ausllut auf Beruckllcktigung finden konnten, der Konferenz ur ausgcforderi zur Kenntnis zu bringen. Trotz dieser neuen Enttäuschung hält die deutsch« Regierung an der Überzeugung fest dag nureinevernünftigeund für Deutschland tragbare Lösung der Reva- ratronefrage Europa vor dem sonst unvermeidlichen Ruin bewahren kann Sie wird llch von dem Wege wie er dlirS d>e Note vom 14. November und die darauf folgenden Erklaiuro«' vrrgezeicknet wurde und wie er vom Reichstag gcb'lligt worden ist. nickt abdrängen lallen.
. Berlin. 5. Jan. (Eia Drabtberickt.) Die durch
den Abbruch der Pariser Konferenz geschaffene Rechtslage wird wie folgt charakterisiert: So lang« der Vertrag von Versailles noch gilt, bat Deutschland es nickt mit eiuzclr.en Machten, sondern mit der Revarations- kom miss ton zu tun. Erst muß die Revarnti-onskom- million das Mrratorniin abgelebnt und Deutschland den ani lE Ianuor fälligen Betrag nickt hezablt baben. muß eine r-o^atz!-cke .D«-,feblung festgestellt und eine Einigung der Alliierten über die »u ergreifenden Maßnabmeu erzielt sein: erst dann stnd Sanktionen vertragsmäßig rulällig.
Frankreichs Absichten.
Der..Oeuvre" gestern abend
W. T.-B. Paris, 5. Jan. (Drahtbericht.)
schreibt. In den rniziellen Kreiien bat man .. .
über das. trcs die französische Regierung zu tun gedenP, Zliriickbaltunggezeigt. Jedoch könne man schon jetzt ankundmen daß die beurlaubten Soldaten aus dem Rbe'nlond den Befebl erbalten hätten, in ihre Garnisonen vor dem 6 Januar zu r ü ckz u k e b ren. Es sei aus möglich daß diese Matznahmen auf alle Urlauber ausgedehnt werden. Andererseits würden die Ingenieure und Techniker ihre zivile Mobilisterungs-ustellunn erbalten. Das sei vcrbereituvgsweise bereits geschehen jedoch würden Nock weitcre Techniker ernberufen. Gestern abend sei auch das Gerückt verbreitet worden. ENen und Böckum würden Ende dieser Woche besetzt und die deutsche Regierung würde oufgefordert. ihre Vorschläge den französischen Behörden in Ellen zu übermitteln. — Nack dem ..Matin" hatte gestern abend nach Schluß der Konferenz Poincarö eine lause Unterredung mit dem Kriegsminitter.
71. Jahrgang.
Der Verlauf der S'tzungen.
D. Paris, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht.) Die zweito Sitzung der Pariser Konferenz am Donnerstagnach» mittag wurde um 6,40 Uhr abgebrochen, nachdem B o n a r L a w eine Erklärung abgegeben hatte, daß der französische und englische Standpunkt nicht miteinander in Einklang zu bringen seien und daß infolgedesten nichts anderes übrig bleibe» als die Konferenz für beendet zu erklären. Poi»* "es gab eine ähnliche Erklärung ab.
Die Erklärung Bonar Laws
lautete:
Die Regierung Seiner Majestät ist, nachdem sie die f r a n z ö s i ch e n Vorschläge mit der größten Aufmerksamkeit geprüft hat, zu der klaren Ansicht gekommen, daß diese Vorschläge, wenn man sie zur Ausführung bringt, nicht nur nicht die Ergebnisse zeitigen werden, die sie erreichen sollen, sondern wahrscheinlich ernste und selbst unheilvolle folgen für die wirtschaftkiche Lage Europas nach sich ziehen werden. Unter diesen Umständen kann sich die britische Regierung diesen Vorschlägen weder anschließen, noch eine Verantwortung hierfür übernehmen. Die Regierung Seiner Majestät will aber zu gleicher Zeit der Regierung der französischen Republik versichern, daß sie es außerordentlich bedauert, daß eine unversöhnliche Meinungsverschiedenheit in einer so ernsten Angelegenheit besteht, daß aber dadurch die freundschaftlichen Gefühle nicht nur der britischen Regierung, sondern, wie sie überzeugt ist, des britischen Volkes gegenüber der französischen Regierung und dem französischen Volke unverändert bleiben.
, Die Erwiderung Poincar^s.
Ministerpräsident P o i n c a r 6 hat hieraus die folgende Erklärung abgegeben:
Die Regierung der französischen Republik hat rhrerseits die britischen Vorschläge sehr aufmerksam und sehr streng geprüft. Je mehr sie sie studiert hat, desto mehr mußte ste erkennen, daß sie eine wesentliche Herabsetzung der französischen Forderungen in sich schließen sowie ein Um- stoßen des Vertrages von Versailles, und daß es unmöglich sei, eine derartige Lösung anznnehmen. Die Regierung der Republik bedauert ^dhaft. daß sie sich über diese ernste Frage mit der britischen Regierung nicht hat einigen können, aber sie dankt der britischen Regierung für ihre freundschaftlichen Gefühle und sie kann ihr die Versicherung geben, daß trotz dieser Verschiedenheit der Ailpchten die Gefühle der Regierung der französi- schen Republik und der französischen Nation gegenüber England unveränderlich herzlich bleiben werden.
Der italHenische Delegierte Marguis della 3: ° t J.} ^ a Mb am Schlüsse der Sitzung eine feierliche Erklärung ab, in der er die Hoffnung aussprach, daß r - 6 x n £>* n ' 0 * c * t in der Reparationsfrage eine spatere Verständigung nicht ausschließe.
Die erste Sitzung.
der eisten Sitzung, die um 3.15 Ubr begann und ^ Uh? <u,fgcboben wurde, brachte della Toretta rfss, *£?„ P^kfuMungsvorschlan vor. Er reilimierle
f?, britischen Plan vom italienischen Standpunkt aus -^-.onters hervor. ^ daß die Solidarität der ebe- mai.gen feindlichen Machte durch die Vorschläge von Bonar enigesen den Bestimmungen des Vertrages von Ver- ^k.i^bwcken wurde Italien könne aut diese Weise von ^erreich und Ungarn keine Zablunaen erlangen und habe ' * Kompensation einen Anteil an den deutschen
chndlungen beanspruchen zu können, die aber der britische Plan tn-trachll,ch herabfetzen wolle. Die italienische Dele- ga4n n bleibe aus dem Standpunkt, den sie in ihrem Memorandum ,gc kennzeichnet bab«.
c ^'^teine Einwendungen gegen den Ver- mittlungsvorsch.ag della Torettas erhoben, sondern sogar er- klart haben, daß dieser Vorschlag als Verüandlungs- g r u n d l a g e d icnen könne.
Bonar Law verlas darauf die Rote, die VoincarS am Ooineislagfiuh vcn der englischen Delegation überreicht wrrden war und die eine Antwort auf die Einwendungen Poincar^s gegen den englischen Plan darstellen.
V o > n c a r S erklärte, daß er die Notwendigkeit nickt einscbe eine Alwivracke über diele neue Note zu eröffnen Er lnibe diese Note schnell durchgegangen. und die einzige Taisacke. daß die enAli^che Delegation nach wie vor sich' der Ergreifung mn Pfändern widersetze, sei ein gentaender En nb um den Abdruck der Konferenz zu recht-
. |o'rai Law erwiderte darauf, es fei im Hinblick auf dre Wicht,ekelt des zu fallenden Befchlulles notwendig, den V e r m , t t l u n s vo rkckl ag gründlich zu orükew Daraus wurde bescklollen. die Sitzung auf eine StmÄ U unterbrechen, um. DomcarS »u ermöglichen, die Now Bonar Laws nach einmal zu prüfen und der enaiii>v->« Delegation »u gestatten, den italienischen Vermittlungsvw:
^?ielutnren.^Man.war llch aber wohl dabei be- wühl. es..NM da.be ^ einen Dorw-an^) b&iti>eij£ >
um dtt bestmoglrLste Abb^uchskormel &u finden.
