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Wiesbadener TagblaLL.
Nr. 229. Seite 11,
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Der Michaelistag.
Der 29. September. der Eedächtnistag des Erzengels Michael, bat bis in die Gegenwart hinein als eine Art Boltssesttas arm che Bedeutung gehabt. Die katholische Kirche leiert an diesem Tag das Fest der Engelweihe. das Engeissest. das 813 aut dem Aiainzer Konzil eingesetzt wurde. Das Michaelsfest ist aus dem zu Ebren Wodans, des fegenspendenfren Gottes, veranstalteten Herbstdanlfest unserer beidnischen Vorfahren entstanden, das zur Zeit der Herbsttagundnachtsleiche stattfand. Als nach Einführung des Christentums die getauften Heiden trotz Ermahnungen und Strafen fortfuhren, ihr Herbstdankfest zu feiern, übernahm die Kirche das heidnische Fest und verlieh ihm christliches Eepräse. indem sie an die Stelle Wodans des „Siegpateis Len für die Kirche streitr.nden Erzengel Michael setzte, der mit ihm mancherlei Berührungspunkte hatte. Wie Wodan in Walhall, so empfängt St. Michael als Fürst der Seelen und Überwinder des Teufels die Abgeschiedenen an der Himmelspforte. um ihre guten und bösen Taten abzuwäsen. Der ..Fahnenträger der himmlischen Heerscharen", wie man ihn häutig nannte, nahm mit seinen auf Bergeshöhen errichteten Kapellen viele der alten Wodankultstätten ein. die man nunmehr MichelSbergc nannte und auf denen dem Heiligen zu Ehren am 29. September die Michaelss-ener emporslammten. Weil an seinem Gedenktag zahlreiche Kirchen, welche seinen Namen trugen, geweiht worden warm. wurde der 29. September.der Tag der Kirchweihfeste, in Verbindung mit denen Märkte und Messen abge halten wurden. So trat neben die kirchliche Feier des- Tages seine Bedeutung für das profane Leben. Wie die alten Germanen am 29/ September ihr HerbstMng abhielten, jene «rohe Versammlung, bei welcher man Gesetze beriet und Recht sprach. Io schloß man in christlicher Zeit an diesem Tag Verträge ab oder erneuerte solche, lefftote Zahlungen, mietete Dienstboten oder entlieh sie. Es war der fog. Wandeltag. und ist es in manchen Gegenden bis auf unsere Zeit geblieben. — Einst waren mit dem Michaelis tag mancherlei Bräuche verbunden und allerlei Aberglaube knüpite sich daran. Man trank an ihm den ersten Wein oder das erste Bier des Herbstes, die „Michaelsminne". eine Erinnerung an die Odinsmiune. und aß (z. B. in Würrburs) Michaels- weckcn. An den Heidnischen Ursprung des Michaelistags (gleich dem 1. Mai) erinnert übrigens auch seine Bedeutung als Hexeiwerscimmlungstag. — Wie beim Martinstag spielte auch beim Tag St. Michaels die Gans als Festbraten früher eine Rolle. An diesem Tag. wo die Handwerker zum erstenmal wieder bei künstlichem Licht arbeiteten, wurde in Schwaben. Bayern. Ober- und Niedersachsen di« Lichtgans oder der Lichtbraten gegessen, den die Meister ihren Gesellen zum besten geben mußten. Dieser ..Lichtschmaus" war in Ulm mit einem Umzug verbunden, bei dem man Lichter herumtrug. — Mancherlei Aberglaube bezüglich de« Weil-eq und der Fruchtbarkeit haftete dem Michaelis tag an. man glaubte aus dem Wetter jeder Stunde Schlüffe auf die Witterung des kommenden Jahres ziehen zu können, eine Erinnerung an Wodan als Wettergott. Wie an gewissen anderen heiligen Tagen durfte früher nach altem Volksglauben auch am Michaelistag keine Feldarbeit verrichtet und kein Flachs gesponnen werden. — Außer in Deutschland wurde und wird der Michaelis tag auch in Skandinavien. England und Flandern festlich begangen. In Schweden entzündet man beute noch am Abend vor dem 29. September Michaelsfeuer und in England bildet die Michaelsgans ein altbeliebtes Gericht. In Nottingham mußte früher der abgchende Mayor vor der Wahl feines Nachfolgers am Morgen des Michaelstaigs ein Gänfefrühstück geben. Bei einer solchen Gelegenheit soll einst der Herzog von Buckingham, indem er auf die den Geistlichen zustehen- den Naturallieserungen am vielte, den Dekan Svrat spöttisch gefragt haben, warum gerade den Geistlichen so viele Gänse vorgeletzt würden. Dieser antwortete: ..Ich weiß es nicht. Herrlichkeit, aber so viel weiß ich. daß ich nie wieder eine Gaus annehmen werde, ohne an Eure Herrlichkeit zu denken." Der Herzog nabm dem Dekan die Antwort keineswegs übel, er behielt ihn in gutem Gedächtnis und verschaffte ihm später sogar den Bischofshut.
Der Spiegelkarpfen.
Humoreske von Richard Wilde.
Es war eine Sache. Es war sogar ein Kerl. Denn ein Hecht von 5)4 Pfund Lebendgewicht hat ein Anrecht darauf. ails Sache -bezeichnet und als Kerl gewertet zu werden.
Die Malersfrau Billa Schultz-Wernsuchen, die eigentlich Sibylla hieß, hatte ihn auf dem Wittenbergplatz käuflich erstanden. Sie war eine feine kleine Frau. Alles an ihr war zierlich und schlank gereckt, und unter der von GvWflechten umvahmton Stirn sahen zwei blaue Kinderaugen sragend und erstaunt in die bunte, schwer verständliche Welt.
Billa war die Gattin des Kunstmalers Bill Schultz- Werneuchen. der eigentlich Wilhelm hieß. Sie wohnten in einem Gartenhaus ganz oben im vierten Stock, hatten Nordlicht. das Bill zum Malen seiner hübschen Dlnmenstilleben brauchte, und kamen sich in ihrer jungen Ebeherrlichkeit furchtbar wichtig vor.
Als Billa die Tür aulffchloß, strömte ihr die ganze Familie zum Empfang entgegen: Bill, der einen Pinsel auer in den Mund geklemmt hatte, und Mostrich, der sich bemühte, etwas in den Mund zu kriegen. Denn er sprang wie irrsinnig cm der Markttasche empor und blaffte leidenschaftlich
Woraus man ersteht, daß Mostrich «in Hund war. Kein gewöhnlicher Hund: ein rasserein« Dackel mit, einem verbrieften Stammbaum. Den Namen Mostrich führte er wegen des Beißen«, und wenn er gerade nichts Besseres zu tun hatte, hörte er sogar auf ihn. Mer gewöhnlich hatte er etwas Bester«? zu tun. Denn Mostrich war ein vielbeschäftigter Hund von starkem SeMtänfriKkett'sgefiM, das ibn feine eigenen Wege gehen hieß. Anhänglichkeit hatte er nicht für 8 Pfennig und vom Autoritätsdufel war er soweit entfernt wie die Erde vom Mars. Er haßte Katzem und er liebte Schokolade, die beinahe das einzige war. was ihn gelegentlich bestimmen konnte, sich klar und unzweideutig aus- aesprochemen Wünschen Bills oder Billas zu unterwerfen. Für Dill bedeutete er eine nnverstegliche Quelle des Vergnügens: Er bot die Möglichkeit, jedem Boucher die Frage vor- zulegen: ..Wie Ichreibt man „Mostrich" mit drei Zeichen?" - Antwort: „M. o (SK — o — Strich).
Dies war Mostrich. . . . „ r . „ ,
Bill versenkte den Pinsel in eine Tauche fernes Malkitteils und übte an. Billa Begrüßung. Und Mostrich tobte währenddessen wie ein llosgekastener Tollbausl« urt Zimmer herum. Dann sagte Billa mit kläglicher Stimme:
„Ich Hab' einen Fisch gekauft. . . , .
„Famos!" erklärte Dill. .W-r werden..ihn mit einer Tunke essen, die ich komponieren werde. . . (Denn Bill
wurde manchmal von der Kochleifrenfchcfft angefallen. zu der ihn keinerlei Sachkenntnis berechtigte.)
„Aber er lebt noch!" fuhr Billa weinerlich fort., „Ich bwb' unterwegs solche Angst gehabt, weil er immer mit dem Schwanz geschlagen hat. . ."
Bills Interesse reckte sich jäh empor: „Bitte, zeig mal! sagte er.
Und Billa reichte ihm die Markttasche hin. der er furchtlos. mit festem Griff den zappelnden Hecht entnahm.
„Ein wunderschöner Spiegelkarpfen!" bemerkte er anerkennend. unid als Billa eimvenfrete. ste !habe ihn als Hecht gekauft, meinte er mitleidig:
„Na. ja. wenn man ein Dummchen zu Markt schickt! Nein, Billa Dann«, das ist und bleibt ein Svieselkarpien. Und wir wollen ihn „Herr Lorenz" nennen".
.Warum „Herr Lorenz"?"
„JmprMon. Ich find«, er kann gar nicht anders beißen."
Billa seufzte ein «aus klein bißchen. Dann fräste Ire unter leisem Erschauern: .WiW du ihn totschlasen? Oder soll ick die Piörtnersfrau . . .?"
„Er wird überhaupt nicht totseschlasen — Herr Lorenz ist ein geehrter Gast, dem wir eine pompöse Aufnahme bereiten werden. — Schnell, laß Wasser in die Badewanne!"
Da begaben stch Bill und Bill« mit Herrn Lorenz und dem ste wild umtanzenbcn Mostrich in das Badezimmer, in besten Fußboden die gekachelte Badegelegenheit eingelassen war. Billa drehte den. Hahn auf. und als die Wanne voll- gelaufen war. hielt Bill eine feierliche, kleine Ansprache:
JxTT Lorenz, ich gestatte mir, Sie zugleich im Namen von Billa und Mostrich herzlich btt uns willkommen zu heißen. Wir wissen die Ehr« zu schätzen, die Sie —"
Hier erfuhr die Rede eine unerwartete Unterbrechung, denn Herr Loren» hatte — ob aus Böswilligkeit oder aus Lrfftmansel. wird wohl nie entschieden werden — nach Bills Hand geschnappt, und Bill ließ ibn unter Verzicht auf jedes weite« Zeremoniell ins Wasser gleiten.
Herr Lorenz peiffchte die Wogen mächtig mit dem Schwanz und raste toEpebotriettfi durch die Fluten. Das freut« Bill und Billa, die stch »«klärt aiffaben und sich innig die Hände reichten. Und es erregte die Teilnahme Mostrichs, der sich am Rand der Dademulde niederließ unid lehr nach- denlkliäi und ernsthaft oas -bewegliche Ding im Master betrachtete.
Mostrich war seitdem dauernd im Badezimmer etabliert. Er rückte und rührte sich nicht vom Platz, und wenn man den Verstech machte, ibn fortzulocken, knurrte er ingrimmig und zeigte seine scharfen Zähne. Mb« es war Mt. daß er da war. denn durch ihn wurde Herr Lorenz vor dem Verbungern bewahrt. Man hatte Herrn Loren» mit Ameifemmppen gefüttert. die er verschmäh 1«. und man hatte ihm Brotbrocken vorgeworfen. die « nicht mochte. Da fiel einmal ein Stückchen rohes Fleisch von dem Teller des gieritz schlingenden Mostckick, Ins »tifu, und Herr Loren» lttirzne stch varout und verspeiste es mit der Vehemenz des zum Fasten verurteilt Gewesenen. Nun wußte man. was er liebte, und wenn es auch «in bißchen teuer war — Herr Loren» war eben ein geehrter Gast. . .
Er wurde auch sonst teuer. Denn rtfe der erste Tag her- anbam. an dem es Badowaster gab. war»» Dill wffd Billa sich darin einig, daß man Herrn Lorenz nicht stören dürfe, und singen in eine öffsntlickn Badeanstalt, wobei Bill stch noch schrecklich erkaltete. Bill versuchte übrigens. Herrn Lorenz zu dressieren. Er brachte eine große Glocke an der Badewanne an und läutete ste imm«. wenn er Herrn Lorenz fütterte. Denn er hatte gelesen, daß Karpfen «uff solch ein Zeichen reagieren.
Aber erstens war Herr Loren» kein Karpfen, und zweitens befchrverten sich die Nachbarn über die „ewige Bimmelei". so daß drittens ein furchtbarer Krach mit dem Wirt unter Exmission-Androhung. die Folge war. Herr Lorenz wurde dann olme Glockenspiel weiter «eiüttert. und er ge- dieih prächtig. Ein Wägcversuch. den Bill unternahm, mißlang zwar, aber Bill und Billa waren auch so überzeugt, daß Herr Lorenz schon mindestens 1 Pfund Gewicht gewonnen habe.
Die einzige, die mit Herrn Lorenz ganz unid gar nicht einverstanden war. war das kleine lOjäckrige Dienssttnädchen ein ffchieläripiges Geischövff von tückischem Märackter. Das „dumme Getue mit dem affigen FRch" kränkte ste persönlich wenn ste es stch auch nicht merken ließ. Und sie badete gern alle 14 Tage, wenn es nichts kostete.
Einmal gingen Bill und Billa spazieren, und Mostrich war durch ein großes Stück Schokolade bestimmt worden, sich anziMließen. Das Mädchen ab« war zrmr RahMenhändler geschickt worden, um ein Bild abzubolen.
Als die Familie heimkehrt«, war es noch nicht wieder da und — Herr Lorenz war nicht mehr da. Bill. Billa und Mostrich suchten ibn überall: er war und blieb verschwunden Da wies Bill auf das offenstebende Dadeznnmetfenster und sagte traurig:
„Jetzt seb ick es: Herr Lore?:» war kein Karpfen, sondern ein fliegender Fisch. .
Und dies« Ansicht stimmte auch das gans bestürzte Mädchen bei. das im selben Augenblick nach Haus kam. . .
*
Am nächsten Tag verheiratete der Pförtner seine Tochter.
An dem SWttnt!®! nahm das kleine, schielende Mädchen vom Bill uüd Billa teil.
Es «ab Hecht. _
Astern.
Von Sylvester Brandt.
Spätsommerblumen stnd es. Rot. weiß und blau. Sie haben ihre eigene Poesie: — Herbstahnen! Sie haben nichts mit der Leidenschaft frühsommerlicher Sonnentage zu tun. Nichts mit d« rasch ausbrennenden stürmischen Lieb«.
Nie endende, still glühende, ernste Zuneigung bin ich. sagt die Aster und rückt ihr Köpfchen ruhevoll der Abendsonne entgegen. Ihre Cousinen schaut ste au. die Georginen, und lacht: Was seid ihr Großen, prächtig Gefüllten gegen mich? Freilich, euch lieben die Fröhlichen. Leichtherzigen: aber von mir träumen die Dichter, mich lieben die stillen, geistvollen, restgmierten Menschen.
Ein Einsamer geht am Asternbeet vorüber. Er denkt an eine glückselige, vergangene Zeit. Sein Mädel, sein ttaum- äugiges Mädel, das ist schon lange dort droben beim großen Philosophen, der keine Zeile schreibt und doch die Welt gedichtet h«t.
Eine rosarote Mer knickt der Einsame und eine violette. Erinnerungen werdem wach. Und jen« Asternfpruch kommt rbm in den Sinn:
Wie ste die Köpfchen recken
S n ihren satten, lebensfrohem Farben!
aß. Liebe, dich mit Astern neu erwecken Wenn schon die Rosen starben.
verwunderliches aus )axan.
Von' Oskar Klein.
In dem javanischen Dorfe Rickamoruna. Distrikt Tamar gor,, lebte 1823. also vor genau 109 Jahren, ein Bauer namens Genzo, der mit sein« Frau Sei zwei Kind« batte den 1815 geborenen Knaben Katsugora. damals geger 8 Jahre alt. und beffeti etwas ältere Schwester Fusa.
Als die beiden Kinder eines Tages miteinander spielten fragte Katsugora seine Schwester, wo ste gewesen, ehe sie ir dem Haushalt ihrer lieben Eltern geboren sei. Als di. Kleine ihm erwiderte, das könne sie nicht wissen, meinte dei Knabe, er könne sich noch recht gut besinnen^, daß er früher der Sohn eines Mannes Kiubei in Hodokuba gewesen uns als solcher gestorben sei. dennoch habe er Togo geheißen. Alz. di« Ettern, denen das Mädchen diese Worte ihres Bruders erzählt hatte, den Kleinen befragten, wie « sein« Schwester solche Dinge anfbinden könne wollte er erst nicht mit orr Sprache heraus, erzählte dann aber seiner von ihm sehr ge- liebten Großmutter Tbunga ganz dasselbe, und daß er stch genau erinnere, wie « mit 6 Jahren an den Vlatt«n gestorben und begraben worden sei. Bis eines Tages ein alter Mann gekommen sei: der habe ibn bei d« Hand genommen und einen weiten Weg mit ihm gemacht. Endlich seien sts in Rickamoruna angek»mmen. dort habe der Mann ihm das Haus deiner jetzigen Eltern gezeigt und zu ihm gesagt: „Es stnd jetzt drei Jahre her. daß du gestorben bfft. in diesem Hause sollst du wieder geboren werden." Darauf sei der Mann verschwunden, er selbst ab« wäre durch ein Mtloch ir der Tür in das Haus s>'fMiipst. hätte sich hinter dem Herd versteckt und sei dann als der Sohn Genzos geboren.
Da Katsuser« bei dieser Erzählung verblieb, führte ibn seine Großmutter nach Hodokuba. wo « sofort ein Haus als sein ehemaliges Elternhaus wieder«kannte, gleich b'neinging und sich dort wie zu Haufe bewegte. Als oie Grcßmuiter dann dem Besitzer dieses Hauses, d« tatsächlich Kiubei hieß, alles erzählte, erklärte dieser, daß ihm allerdings 1816 ein Knabe namens Togo gestorben sei. Anfänglich voll Mißtrauen von Kiubei ausgenommen, schwand dasselbe. als der Knabe ihm allerlei aus vergangener Zeit ms Gedächtnis zurückttef und beim Anblick eines dem Haus« grgenülerliegenden Tabaksladens ausries: „Der war irüber auch nicht bier." Seitdem batte Katsugara zwei Elrern- häuser. und die Sache erregte solches Aufsehen in Japan, daß sowohl die Negierung w>e auch die Priesterschaft Bericht darüber einforderten.
Leid« verschwindet die Sour Katsuaoras voMändig: er soll mit 16 Jahren gestorben sein, mindeitms ist sein f«neres Schicksal unbekannt. D« B«icht an die Regie- rmig. den ein gewisser Matfudnina Kwonrom geliefmt hat. enthält nur das bisb« Mitgeteklte. und so wird diese rätselhafte Geschichte — für Japan freilich nicht rätselhaft, da man dott der Lehre von der Wiedergeburt huldigt —, wobl niemals aufgeklärt w«den. ä
Ein eigenartig« Werglaube ist in Japan m Hause. Dort meidet jeder ängstlich, kick auf den noch warmen Stuhl des and«en zu fetzen. Derartta ..angewärmte" Sitzplätze find ja auch in Europa nicht beliebt, allein in Japan aus einem archeren Grunde: man glaubt nämlich, daß man allen Kummer uffd alle Sorgen feines Vorgängers, eigentlich Vorsttzers. übernähme, wenn man den noch warmen Stuhl eines andern benutzt. Und da auch in Japan jeder an seinen Sorgen genug zu ttagen bat. io hütet man sich davor und klopft zur größeren Sicherheit erst mit dem Fuß an den Sitz, womtt der Zauber unwirksam und der iwch warme Sitzplatz unschädlich gemacht wird.
Seltsame Festlichkeiten in alter Zeit.
. Die Zeit des^arock war die eigentliche Zeit d« Feste, und diese Kultur hat gerade auf dem Gebiet des Festes die seltsamsten Blüten getrieben. Jitter«ssante Einzelheiten ^darüber teilt Eblsr W. Grashoff in einem AuGatz der be» Erich Reiß in Berlin erscheinenden Monatsschrift .Zaust" mit. Dte gesamte Kunst wurde damals beransezogen. um die Feste zu mrhNrlicheu. und die größten Meist« widmeten diesen vergänglichen Frstdekoratronen derffekbem Ernst und die gleiche Bedeutung, wie wenn es stch um große Bauten für die Ewigkeit handelte. Und wie semiale Künstler ihr« ganze Kraft für solchen rasch voMberraschenden Prunk «insetzten. so nahmen auch die Großen i>« Erde aktiven Anteil an den Festen, betelligten. stch selbst an Unrzüaen. Neben dem Aufwand an Pracht und öu>ß«er Machtentialtun« fällt die Vmschwenduns von, Speisen auf. Das garme Volk uurrde bisweilen bewirtet, und nicht nur bei den Kronunssfeisr- lichketten labte inan stch an dem heute sagenhaft gewordenen gebpatenen Ochsen, der bis zu 10 Zentnern wog und mit Hasen und Bratwürsten gespickt war. schlürfte man den roten und weißen Wein, der aus Fontänen und vevsoldeten Meerpferden stundenlang in Sttömen floß. Von d« Krönung Jakobs II. von England meldet die Chronik auf vier eng- gedrucktem Quartsstten sämtliche Gerichte, die aus 1445 Schüsseln einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Teilnehmern gereicht wurden. Bei dem .Lristlager" zu MWlberg wurden für einen Kuchen 82 Schock Eier, 3 Tonnen Milch und 1 Tonne Butter verwendet, und es heißt, daß .die Gesundheiten diesen Ta« so oft getrunken wurden, daß die Kanonen niemals stille waren." In Rußland giMen diese Festovgien ins Groteshe. Als die Zarin Anna 1740 den Fürsten Ealitzin zwang, ein Mädchen aus dem Pöbelhaufen zu heiraten, wurde die Hochzeit im strensen Winter in einem ganz aus Eis errichteten Palast veranstaltet, in de>m selbst die Möbel und das Bett aus Eis waren. Das Ehepaar wurde in einem Käfig auf einem Elefanten vorvngeführt. die Gäste folgtm auf Schlitten, die von Renntieren. Ochsen. Hunden. Böcken und sogar von Schweinen gezogen wurden. Den Beschluß aller barocken Festlichkeiten bildeten große Feuerwerke, bei 'denen besonders auf eine grandiose Anordnung gesehen wurde. Ms Bord«grund frieret« gewöhnlich eine Wasserfläche, in der sich die auflteigenden Raketen, die leuchteniden Feurrräd« usw. spiegelten. Zugleich wurde die Wafferfläche mit illuminierten Booten belebt: Meeruuge- heuer und antike Fabelwesen trieben auf den Fluten ihr Spiel und bekämpften stch mit Feuer. Bei einem Fest, das die Stadt Paris bei der Vermählung der Prinze.ffin Luise Elisabeth mit dem Jnfanten von Spanien. Don Philipp, gab. drerete die ganze Seine als Vordergrund des Feu«- werks. Der Mittelpfeiler des Pont-Neuf trug einen Tempel Hymens, auf dem die große Feuerffonn« angebracht war. die unter gleichzeitiger Lösung von 5600 Raketen das Feuerwerk beschloß. Diese stch drehende Feuersonne hatte einen Durchmesserv« 72 Fuß. Das Monogramm des jungen Paares, das ub« dem Tempel in blauem Feuer leuchtete, war mit d« Krone 24 Fuß hoch. Ähnlich feierte die Stadt Sttaß- burg den Besuch Ludwigs XV., das MüWter wurde bis zur äußmsten Spitze illmnireiert, und vor dem bischöflichen Palast wurde an der Jll e«r großes Feuerwerk abgebrannt.
