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Nr. 505.
Samstag. 2S. November 1922.
W Mim rer rem WsreMrU
WUe. sMi ltze. reime WM.
Der neue Reichskanzler, der sich am Freitag dem Reichstag vorstellte, hat bereits zwei Fehler vermieden, me jeinem Kabinett leicht hätten verhängnisvoll werden können. Er hat auf ein weitgehendes Vertrauensvotum, das nur durch die Stimmen der Deutschnatio- nalen eine Mehrheit hätte finden können, verzichtet.
v* ^ on ^ er Übernahme der Regie cungs- geschafte betont, daß sein Regierungsprogramm keinen Vruch mit der Politik seines Vorgängers bedeute, sondern genau dort anknüpfen wolle, wo die Tätigkeit der Regierung Wirth aufgehört habe. Die Frage ist also d,e ob Herr Cuno im Auslande wie im Inlands mit diesem politischen Programm mehr Vertrauen finden wird als sein Vorgänger Dr. Wirth. der bekanntlich an dem innerpolitischen Mißtrauen der Sozialdemokratie gescheitert ist.
„Ehrliche, sachliche, deutsche Politik." In diesen wenigen Worten liegt eine gute Zusammenfassung des Sinns der Rede, mit der der neue Reichskanzler Dr. Euno am Freitag vor dem Reichstag die Ziele der neuen Reichsregierung dargelegt hat. Seine ernste Schilderung der Notlage Deutschlands, wird auch dem Auslande gegenüber ihre Wirkung nicht verfehlen, und sie wird nach innen für das Ziel der Zusammenfassung Eer Kräfte nachdrücklich wirken. Don dem kurzen Überblick über den Werdegang des neuen Kabinetts kam Dr. Cuno «n klarer Skizzierung der wesentlichen Dedankengange zu den A u f ga b e n d e r n e u e n R e- 8 ’ e «*> u n an der Schwelle des schweren Winters die Verantwortung für die Geschicke Deutschlands über- nomnren hat. Klar und schwer sind diese Aufgaben und der Weg zu ihrem Ziel ist weit. Der Streit um die Politik der Erfüllung ist an dem Punkte ang?- langt, an dem alle Welt sieht, daß nicht Deutschland sagt, es wolle nicht zahlen, sondern daß das Urteil der internationalen Sachverständigen erklärt, Deutschland nt v* scharfen Strichen arbeitete der
Kanzler die Ursachen der deutschen Zahlungsunfähigkeit und sachlichen Lasten, den moralischen Druck und ferne Wirkungen nach innen, den Zu- sammenbruch der deutschen Währung, den wirtschaft- .hinter einer scheinbaren Pro- 'Jrtrtfc 0 * fortschreitet, die unhemmbare
^agd der Preise und der Löhne. Für den Weg der aus-dieser Rot herausführen soll, bekannte ssch der , Reichskanzler mit starker Betonung zu dem Prog^mm,
Regierung aufgestellt worden st und die Billigung der großen Mehrheit der Volksvertretung gefunden hat Er bezeichnete es als das Ziel seiner Regierung, diesem Programm nach innen
Äffe f ^rhelfen. Auch wenn
dieser Weg m,t Gefahren verbunden sei, so müsse man mne akute Eesundungskrisis der schleichenden Verfalls- ^risis vorziehen. Mit aller Schärfe erinnerte der Kanzler aber daran, daß Deutschland für die Durchführung eines solchen Programms auch auf der Er fullung der darin umschriebenen Voraussetzungen bestehen müsse unb er knüpfte daran eine Kritik der letzten Vorwürfe Po,ncar<-s. Reben die außenpolitischen 3'^le stellte die Programmrede Dr. Cunos dis inner- politischen Aufgaben, vor denen sich die neue Regierung geht, und wenn auch hier nur mit kurzen Strichen Andeutungen gegeben werden konnten, so war aus diesem »och zu erkennen, daß das neue Kabinett sich der Viel- eitrgkeit seiner Aufgaben ebenso sehr bewußt ist wie chrer Schwere und wie der Tatsache, daß es diesen Aufgaben nur bei bereitwilliger Mitarbeit der weitesten Volkskreise gerecht werden kann. In den eindringlichen Avpell zu diesem Zusammenschluß klang daher auch die Rede Dr. Cunos aus.
Das weitere Schicksal des Kabinetts Cuno wird jetzt an wesentlichen davon abhängen, was es gegenüber der Entente zu erreichen vermag!
Ae «Ms« Bon sml Ws Grifita.
as. Berlin, 25. Rov. (Drahtmeldung unserer Ber- uner Abteilung.) Wenn man befürchtet hatte, daß das neue Kabinett Cuno sogleich bei seinem ersten Auftreten Schiffbruch erleiden würde, so sind solche pessi- mijtische Anschauungen nicht eingetroffen, denn wenn rs heute im Reichstag zur Abstimmung kommt, sc wird
klarung nicht überschätzen und nicht über die Einheitsfront von Hergt bis Crispien jubeln. Wenn man dem Kabinett Wirth nachsagte, daß es von abgelehnten Mißtrauensvoten lebte, so muß man dem Kabinett Cuno Gerechtigkeit widerfahren lassen und feststellen, daß auch die Billigkeitsformel, die heute der Reichstag annehmen wird, nichts anderes als ein Vertrauensvotumersatz ist. wobei allerdings zugegeben werden soll daß es unter den jetzigen Verhältnissen keinen anderen Ausweg gab. Diese große Mehrheit, von der sich wohl sagen ließe, daß weniger mehr wäre, zeigt schon, daß man mit der Regierungserklärung des neuen Mannes, der im übrigen sonst durchaus die Gabe hat, mit freier Rede seine Zuhörer zu fesseln, nicht unzufrieden war. Cunos Rede zeigt auch zweifellos den guten Willen eines bedeutenden Mannes. Ein Berliner Blatt meint sogar, daß aus dieser Programmrede ein neuer Ton herausklinge, der aufhorchen ließe. Überraschendes brachte die Erklärung im übrigen nicht. Sie ging auf fast alle Fragen der Innenpolitik ein, ohne je einem wehe zu tun. Wer vieles bringt, wird manches bringen und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Und in der Tat von Hergt bis Crispien hat man keine sonderliche Bedenken gegen das Programm der neuen Regierung gehabt, und nicht mit Unrecht meint der „Vorwärts", daß der neue Kanzler keinem ins Fettnäpfchen getreten hat und daher auch kein Grund zum Lärmen
So kann man also mit Herrn Cuno durchaus zufrieden sein, aber man wird jedoch auch noch eine andere Überlegung anstellen müssen. Das Kabinett Cuno soll der großen Koalition, die diesmal scheiterte, den Weg bereiten und in diesem Sinne waren doch wohl die Worte des neuen Reichskanzlers zu verstehen, als er davon sprach, er bedauere, daß die Sozialdemokraten nicht aktiv an der Regierung teilnehmen. Die Tür nach links soll also offen gelassen werden, aber in dieser Beziehung brachte der gestrige Tag eine wenig erfreuliche Erscheinung. Die Sozialdemokratie hat zum ersten Male zum Vorstoß angesetzt und wie es scheint, ist der Stoß nicht schlecht gewählt. Herr Dr. Breitscheid betonte in seiner Rede zunächst trotz gewisser Vorbehalte. daß er den Kurs billige, den der neue Kapitän steuern will. Und man hatte das Gefühl, als od sich eine Brücke zu einer Verständigung zwischen rechts und links anbahnt. Dann aber schritt der Redner zu außerordentlich scharfen Angriffen gegen den neuen Ernäbrungsminister und es scheint in der Tat daß der Kanzler schlecht beraten war, als er, wie man sagte, auf Vorschlag von Dr. Hermes Herrn Dr. Müller berief. Ob die Vorwürfe gegen Dr. Müller berechtrgr sind, wird die bereits zugesagte Untersuchung von seiten der Reichsregierung erqeben. Der Angriff war aber k e i n g l ü ck l i ch e r A u f t a k t. Herr Müller bedeutet für das Regierungsschiff eine bedenkliche Belastung und beim Manövrieren im Sturm kann er ihm leicht gefährlich werden.
Sitzungsbericht.
Berlin. 25. Rov. (Eig. Drabtberickt.) Die Reicks- T *** * * man urit Sounirung entn-eaen-
Fa?“ dos Glaubensbekenntnis der neuert Resiernng ir - 2 ^berf.uMen Wa.adelgängen und Tribünen unb* ertdTte^em^ 1 eror ^ not€ Präsident Lobe die Sitzung
Reichskanzler Dr. Cuno
dU-b Wort Sofort wurden auf der äußersten Linken Rute. $r? c x»<5* < 1 b«* Stinnes-Demokrutie bat das
Mc^rt! laut. Der Reichskanzler ließ ück durck diese Zwischenrufe nick: stören und verlas rubig seine Rede. Er rui/t'ie itr a. aus.
Wenn ick mit der neu-gebildeten Regierung vor Sie trete, so ist es mir ein aufricht,»es Bedürfnis, meinem Vorganser und seinen Mmrsterkollegen herzlichen Dank für die Hingabe ru sagen mit der ü« ihre Kraft dem Reiche widmeten, und mit der besonders der Reichskanzler Dr.
r t h in allerschwerster Zeit dem Vaterlande diente, durck nichts beirrt, was an Enttäuschungen vom Ausland und ourck unberechtigte Angriffe auf feine besten Jbückiten im Lande ihm entgegentrat. Die neue Regierung stebt i.icht auf der breiten oarlamentarischen Basis. Auf
70. Jahrgang.
Besten unseres Landes zu einer der Cefamtlage entfvrecken- rl n r m rl , ^ n ’ ?ro flen Zusammenarbeit der sozialdemokraii- iMkn Parte, mit dem Kabinett kommen und es möge dieser weist der positiven gemeinsamen Arbeit alle staatserbaltenden Kräfte auf, dem gleichen Boden zusammenfübren. Ja
• »P' fn V?a nierouf ist mir wertvoll, daß dem Kabinett ein« Anzahl von, Mitgliedern dieses Hauses anaehören. Dave, kommt es nickt darauf an. ob man auf Grund dieser Zusamminsetzung das Ministerium varlameniarssch oder technisch bezeichnen soll, sondern das ist das wesentliche, daß 2?.® r rn seiner Arbeit Ihre Zustimmung findet.
E, .?l n r r >!nd schwer. Unser Deutschland, das
der Menschheit höchste Werte der Gesittung und Eesinuur» besten Menschentums gegeben bat. io» gleichberechtigter Völker wieder ein sich selbst be- und aus eigener Kraft und eigenem Recht er- vanter Staat werden. Rach außen in jenem Einklang des «!, iL a J trl ^jbstbesiimmungsrechts mit dem gleichen Reckt ?J* e S. r i ^"ster. das allein ihm in den Grenzen begrün- ^ P den dauernden Frieden der Menschheit
ü!., * nM " etn Staat einer auf Leistung^earün-
deten Wohlfahrt, größter deutscher Gesittung und Kultur, des sozialen Zriedeiis und der Freiheit des religiösen Be- kenntiiisses. Der Weg zu diesem Ziele ist weit, o .^ er Kanzler gab dann ein einaebrndes Bild von dem Leidensireg von Versailles über Cannes. London und Genua sowie vrn den
unerfüllbare» Vervflichtungen.
Ui.s auferlegt bat. Diese sichtbare Überlastung ^)nit!ckkands mit einer auch bei unversehrten Kräften unauf- brirglicken Zahlungsvfllckt und die damit verknüvfte Politik r^Pj 1 *** Drohungen bat den Glauben der Welt an die und die von ihr bedingte wirtschaftlicke Zukunft Der.iscklands oufs schwerste erschüttert. In enger Verstrickung von Wirkung^ und Ursache ist die deutsche Leistung uud °or allem der Wirkungsgrad deutscher Arbeit erheblich gesunktn. Unsere Mark ist bis auf einen winzigen Bruchteil a-^^r 4 ^bwertes seaenub.er dem Dollar gesunken. Dies« Enw-rrtung der Mark schmälert immer mehr di« Einfuhr hvtwcnd'.ger Rrhstoffe und Lebeimmittel und läßt die Preise bedeutet ^ ^rungbaft in die Hohe schnellen. Dies all«
eine ungebeure Umschichtu«, der Lebenslage
R , e noch nie in lo kurzer Zeit erlebt wurde Die Folge ist trotz der äußeren, eus Panier bearün-
deten und daher irreführenden VrosoeritSt' mancher "ünter nebmungen finanzielle Schwierigkeit. Mindernn«
der
ü- V v V uiui UU^en Vuns. AU»
Grund des nunmehr zu erörternden Programms habe ich zu den iunf Fraktionen des Hauses einheitlich Stellung g°.
.‘. 6 JSf L«ttlmmun« erwarten, zu dürfen.
Meine Mitarbeiter'..und ick bedauern dies"äiiVH“'leb-
d?- Pa:,'ament mit ein.'r f-hr bedeutenden MKirhsit einer Erklörung zustim.nen. die der neuen Rell-eruna vr.' Möglichkeit gibt, die Arbeit zu beginnen. Das 'st allerdings nur dadurch mm,lick gewesen, daß diese Erklärung außerordentlich vorsichtig und sehr gesch-ckt gefußt ist. Alan soll aber die Bedeutung dieser Er«
bastcste. weil wir überzeugt M dah in den uns bevoi-' stehenden Zetten nur eine völlig einbeitliche Zusammenfassung aller Kräfte uns vor dem schwersten Übel bewahren knnn^^Daru beruken. auf dem durch die Verfassung ge-
Boden der republikanischen Staatsform
die Regierune des Reiches zu führen, hätten wir es begrüßt wenn Mitglndec der proßten Fraktion dieses Sauses sich zur aktiven Mitarbeit im Kablneti bereit gefunden hätten, u ? -'I* ll » s - kleb sieben. Wohl können wir mit aller
Aiisricktigkei. betonen, daß vom ersten Augenblick unteres Zusammentretens an di« Hoffnung uns leitete, es möge zum
w- f* steigende Kreditnot. Es liegt im W-len des bet wirtssmMicke Zustand Deutsch- lands bei iorinnrkender Ursache nicht auf dem heutigen Stand blcrben kann sondern weiter stnken muß. In immer mi/iS 5 l!Ä erstrlckuna der Wirkungen zur weiter- "'lrkknden Ursache. Vrelserbobuna. zur Lobnerböbung. Lohn- A^oburg zur Vreiserbobiing. steigert die Jnlandsnot die H5 4 » M«^kebrt. Zwar feiern wenige Iw v ^elckwlhl d,e Wn-tickaft sinkt. Dies ist das Deutschland des beginnenden Wmters 1922/23. das Deullck- iE iur desicn Regierung das neue Kabinett nun die Ver- i-bcrnimmt. Im Vordergrund unserer Verant-
N'UttUNü ueHt
dir Reparationsfrage.
d'« nun zur Sch llssc,'^r-Kr« der . deuts.kwn Wirtschaft ge- »L- Die, Stellung der Regierung hierzu ist klar und wenra dl« traorscke Frage der Schuld am Welt- richterliche Gewissen der Weltgeschichte durch irgend ein geschriebenes Wart entschieden werden kann ebensowenig Smn bat es für uns. die Taüacke des verdienen. vicht dos verschuldeten Krieges zu leugnen Die betracht«t es als ibre Pflicht, ohne jeaUAie Sch«» iw*. tt ’, as «n gereckites Urteil über die Scbuld-
frag« kerbe,fuhren kann im Bewußtiein. daß ieder Schritt ein Schritt zur Beseitigung des Unrechts 'u der Welt, zur Rettiin« Deutschlands und Eurovas und Ur D^ obnung der Volker sein wird. Aber ebenso betrachtet ire es als notwendig nach diesem verlorenen Krieg zur Ab-
V«°n,m»,.
Wiederpufbaues der zerstörten Erbiet« in Frankreich.
di« „volle Wucht des verheerenden Krieges zu tragen £ v" 5Vtfu:t'ö ber beut!tf>en Öeb^ns^
iat!ön«M^ich ist Das Wort: ..Erst Brot, dann Reva- ratum! fii«t die .Pilitlk der alten und der neuen Regierung obne Bruch ineinander. Dies« Politik ist die Poststk "k ^tbsterbaltvng der Ration, der Stärkung der deutsch^, Wlnschnit und der bestmöglichen Leistnng aus den Überschüssen. die stch nach Deckung des dringenden dentfch«n Be- darfes ergeben. Geleitet von solchen wirtfchgftti^en daikongangrn und in Übereinstimmung mit Wirüchaftssach- bat die b-sberige Regierung kurz vor ^'oen beveursamen schritt nach vorwärts getan durch d,e Rote die st- am 13. November d. I. an b»e ^^«ovskommisslon gerichtet bat und die ausdrücklich d!« riNigiing der Führer sämtlicher Parteien fanis mi* denen die Regierung verhandelt hat. ^ u “ CKrn TanJ3 -
3m Namen der neuen Regierung gebe ich die Erkläruug ob. daß ste ohne eine Einschränkung aus den Bode» »»r«, Note tritt vnd .fest entschlossen ist. das in ihr enthaltene Drogramm im vollen Umfang z« vertreten und zur Durchführung zu bringen.
SDeutschland"ück" ®° rt bfr S-rchoerständiaen zu eigen.
eine eigene aufbanendr Politik
schassen muß auch wenn damit Gefahren verbunden ssnd ..Diese ausbamnde Politik muß das. was manchmal gegen- ^ einarber «eftefti wurde, in einem Zuge vereinen die kobilch« Po,t,k der Wirtlckiaitsgeiundung „nd 'entschlossene technisck^ Mtißnabmen zur Wahrungsstiitzung Zu beiden bat sich die Rote vom 13. November bekannt ie
viue Regierung tritt deshalb dem bei. daß sofort eine osr- °Ä'«'.Äkiwn zur Hebung.»»d Festigung der Mark einge- no^-nrd hierfür von der deutsch^ Rei.stsbank ein Betrag von .M Mltticnen ss»vldm6rk zur Berfuauna aestellt foll. bedeutet ein schweres Ovfer. dns nnklos vertan
D°z?ke'mm!^Lk'sirb a^.ll ^Lb-iing besiegeln würde!
vlotzlichem Anbalten der Mark mmt unerbtbl'cke Erschütterungen unstres Wirtschaftsiebl'n« ergeben kennen. Wir seben diele Gefabren. aber wir scheuen Zollte nicht die akute Gesundungskriie der Ickleichenden Zeriallskrists vorzieben. Aber es muß
