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November 1922.
70. Jahrgang.
DerKampfym den Achtstundentag
.Die Regierungskrise, die wir in diesen Tagen er- ^^En Anlaß für den Außenstehenden eigent- rrfichilrch ist, ist in Wahrheit eine Krise des ® 5 Unterließt keinem Zweifel, daß ^ Kampf für oder wrder ihn in sein entscheidendes Stadium eingetreten ist, und daß die Frage nach Ver- ..reiterung oder Nichtverbreiterung der Koalition zugleich eine Frage der Verlängerung oder Beibehaltung der fetzigen gesetzlichen Maximalarbeitszeit ist. Die ausländischen Begutachter des Markproblems haben cinr '--abkliskerung fiir möglich erklärt, vorausgesetzt, !iaß gewisse Vorbedingungen erfüllt sein werden.
» ^lnter diesen Vorbedingungen befand sich anqe- eetiteLermatzen auch eine eventuelle Verlängerung der -„roei,Lzei^ Diese Idee haben die Kreise, die dem Kabinett Wirth bisher nicht gerade freundlich gegen- u verstanden und die auch von dem ausländischen Gut- ™ allgemeinen nicht viel zu halten erklärten.
. un kategorijch auf ihre Fahne geschrieben,' und jene Währungspolitik", von der sie noch vor kurzem ' >rhr mel dielten, wird von ihnen nun energisch !”*£ auf die produktions-, nicht währungs-
Lechnifche Leite, also mit dem Blick aus den Neun- oder ^-ehnstundentag »etrieben. Der Kern der Rsgierunqs- >nse ist der, ein Kabinett zustandezubringen, das in
* t otap die verschiedenen Richtungen unter einen >>ut bringt.
Rein theoretisch scheint das nicht einmal allzu schwer, lluch dre Sozialdemokraten sind heute im allgemeinen genergt zuzugestehen, datz nach dem schauerlichen Ader- Kneges und dieses Friedens eine Periode erhöhter Anstrengung unumgänglich sei. während man au, der anderen Seite geneigt ist, di« prinzipielle Er- rnn^enschast -es Achtstundentages nicht anzutasten und *; e T ,j e ^ 9«fotberte Mehrarbeit als Ausnahmemastregel gel.en zu lassen, indessen ergeben sich praktische Schwie- rigkeiten rn zwiefacher Hinsicht, und es ist zur Stunde noch nicht klar, wie diese praktischen Schwierigkeiten überwinden werden können.
Die erste dieser Schwierigkeiten besteht darin, dass die industrielle Hochkonjunkturperrode offenbar ihrem ivnde entgegengeht und dass es in mehreren Branchen lchon in Kurze vielleicht nicht mehr möglich sein wird -mch nur acht Stunden täglich arbeiten zu lassen. Eine .chematische Verfügung höherer Arbeitsdauer ist also wahrscheinlich midurchführbar. Ein Ausweg wäre aber ^lleicht die Methode, die Dr. S t r e s e m a n n soeben -» Elberfeld vorgeschlagen hat. nämlich die fallweise ireie Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschafts- leitung über etwaige Verlängerungen der fetzigen Ar- oeitszeitLouer. Dies würde allerdings zurVoräussetzung }F? 0T . auch die zweite der noch zu lösenden, praktifchen Schwierigkeiten geklärt wird, nämlich das Problem der Opferverteilung. Gerade, wenn man das . Achtstundentages nicht antasten will, an- gestchts der besonders schwierigen Lage der Nation aber ein besonderes Opfer von der Arbeiterschaft fordert, er- yebt gch mrt besonderer Bedeutsamkeit die Frage, weiches Opfer demgegenüber denn die Unternehmer- M -brerfeits zu bringen beabsichtigt? Die verlän- A^rte Arbeitszeit, die mit allgemeinen Gründen der Nationalökonomie verlangt wird, kommt nämlich «enreswegs nur der Ration, sondern in hervorstechend Leitbarer Form auch den Unternehmern respektive dem ^amtal zugute. Ein Aktionär des Bockumer Berg- Derksvereins beispielsweise kann bei zehnstündiger Ar- ^ktszett. ohne dass er irgendwelche Mehrleistungen Mzuweisen batte, sicher auf eine um ein Viertel höhere rechnen als unter dem Achtstundentag. Dies lehnt die Arbeiterschaft gerade ab. Sie 'rueiqe'-t threrseits ein Opfer zu bringen, das für die anders nur mühelosen Mehrgewinn bedeutete. Hier ryevt sich also das Problem des Gegenopfers und man ^ m^^bermosien gewiss sein, dass die Verlängerung es Achtstundentags kals Ausnahmemaßregel) über- kerne Schmierigkeit bereiten wird, sobald Sicher- ich't-.^Eer besteben wird, datz der Nutzeffekt der -ehrleistung tatsächlich nur der Allgemeinheit. nicht K* vorzugsweise auch dem Industriekapital zugute ' £ . s wäre also ein Mechanismus zu schaffen, der W irT !trn ,^eser Mehrarbeitsstunden aus den Kassen in. die Kassen der Allgemeinheit dre zu Zwecken der Markstabilisierung oder lütt« et " 8 ausgezeichnete Verwendung dafür
S!?l n + un £. ^rch Schaffung klarer Verhältnisse ^Nkngerweife doch wieder sehr undauerhafter!, unklaren Kompromiß vorgebeugt würde!
« *
Leitartikel wird uns im vrriön- «ng^berlandt'" ÖM0 Stinnes kolaende Er-
bebauvt.t-EI,M dem Leitartikel der Nr. <95 Ihrer Zeitung
Wb« nr bade in feiner Vronramm-
mit ke? Eknktt6«,»^ - ^rat ^re. Forderuns ausgestellt, da» l<hrÄh 1 ’ 8 etn*5 jehntnintugen Arbeitstages ohne MTtb n 0 bre R^orm begonnen werden mühte",
le B-rnnn^°'^Nber >b weitere Folserunsen aezaaen. •n c e <in U ’ !Ö E nach dem Wortlaut der Rede des
jokri'ti ••***» v*tu. -cuvuiuui vci jwvk wi
Ltenosram^^ vergleichen die Veröfsewttickuna d«l i/«?Svamms der Rede in Nr. <93/494 der ..D. A. Z?»om
nicht richtig. Herr Stinnes bat viel
12 . November. 1 922
mehr gesagt-
uniä man in Deutschland den
Wut fiVheÄ •* Zw- inNj, man tn seutiasl«— liini der Bevölkerung zu sagen: ibr mögt
Zeit ^^"^bebaiien. aber ibr mügt in adsebbarer itu n he n mthr 6 /.itberbezah lunn der Mebr- ^beiten, bis ihr eine aktive Zablun«s- w vrel erübrigt, wie nun ein- 'iinnÄvM 3 w m r~'l' ien und um die Verzinsung und h fr Juleibe vorWnebmen. die für die Zgdluna der Reva,
auo
hrh er eh e i B ".'‘twmincn jceraen trui.. ...
U'ch/ bemlüt werden ioü. sondern er mbe t r. b Ude rbezablung dieser MeLr-
R e- a Hl ö ü cf; "der den Rahmen dec nornbale-!
' “ m t.® Sn an s>. I licht erfolgen dürfe.
bat Herr Ctinnes in keinem T-il keiner Rede
bat ^Murdentages" als Eruwdvün°ü «« S
K P.S1WA.?* ™“*
f -‘’v'shl, wi,?uw nom einmal erriart:
berrarbek^n' East — ich möchte das
icni-c.f" 1?'.^ ub b,e Fra« des Acktftunden- L u. , 5 eine ojtL'oe, dre mir nicht diskutieren
«i'kteifirtrri ^Men. die man Äweckmähig
'"Sivdem o-re ganzen Instrumente der A '? unserer verzwerielten Lage aus dem Acht-
«!? er, bsute ausaeübt wird, nicht einse- JVsr*« von Leben und Bkriert.
Mb tnftn bi eff Instrumente so arrsnützt. das; damit genügend Guter erzeugt werden, dag wir leben können."
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in 8 Ri litt meittrj.
/Ei«. ®ra6ttwWU Am Moni«.
silÄr & e MSPü
^ HZivtseichastsstranen bin. Berittene ».aniyleuü traten den Demonstranten entseaen konnr-n
keideebött« an einzelnen Stellen, wl« bei dem
llümmeri am Reuen Markt. Fenstersckieiben zer-
IfMwert wurden. Auch in verichiedenen Vororten kam es M L I bFlunder u n g e n und Ausschreitungen K fv.“ i p c t nt sammelte Rdi dre MensKeinn'ettse unte^ schimoftng der Polizei unter Absingen der Arbeit Maria,ttarsc vor der städtischen Volksküche. In El, ren «l» kam es zu einem ^Handgemenge, 88. d^ vier ZL-'
tig sicher ausgezeichnete Verwendung dafür
um die Arbeitszeit rmd die Krise der "i'rdrn beendet sein, sobald es gelunoen sein fflfh»-»*» ,Prinzip einer solchen Eegenseitiokeits- Oraoui^^^''^"ndnis berzustellen und den fisalischen ren ^ Smu .? ? ur Erfassung der Mehrgewinne zu sckaf- ^ wäre zu wünschen, dass beides mit grösster Eile
^rmrerdert wuwcn Dollze-ibeamte <rn?eariffen so baR
der Derkcbr gesverrt war. Der Obe'rvrüsldent^er- lleh eine Vekannstnachung, in der er angesichts der Ausslkn-ei- Älmen """k- k>ch an derartigen Kundgebungen zu' bc-
Lr. DAssekdorf. ti. Rov. lEig Drabtbericht.) Wie :.r Köln kam es auch Wer zu llnruben. die in den Vororten 'bren Anfang nabmen. Am Montagvormittag kam es an verschiedenen Stellen zu Demonstrationen, wobei verschieden-' Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Ferner kam ZJL ^ künde tu n ge n. Me die Volizeioerwaltung mrtteilt. wird von den llnruchestiftern versucht, einen allg.-- meinm Aufstand borbeizustibren. der von auswärts komme-i- den Elementen c-na«leitet werden soll. Die sranzösts»-n Besatzung-bebörden verboten Maffenansammlungen. Es besteht die Absicht, nach und nach alle industriellen il f V U- 3 u legen. Man bezeichnet die Lage als kehr ernst Die Polizei bat Befehl erhalten, eneraifch vorzusehen. doch erwies sich ihre Stärke als unzureichend T, er R^ierungsvraüdent bat bei der französischen Befatmngs- beborde euren. Antrag aus Erlaubnis zur Seranziebuna dreier Hundertschaften gestellt Die Verhandlungen mit den Betriebsräten dauern an. Swroon wird es abbängen ob ein allgemeiner A u s st a n d in der Düsseldorfer Bezirk vermieden wird. Durch eine Warnung des Eewerkschaftskar^lls und der Vetriebsrätez-nüake vor crnem ungewerkschaftlichen Vorgeben wurde bereits am Samstag dre verfügte Stillegung einer Anzahl We>-ke bis auf dre Mannrsmann-Röhrenwerkc. deren Belegschaft'eine Llbnerböhllng von 100 Prozent verlangt auLLn Äe Kommun, ftk n haben sich zu Hundertschaften bis' aufs kleinste organisiert, st da« Z u?a m m e n st ö » e fcei grünen Polizei und den Kommunisten zu befürchten k'nk>- Eine Reib« von Gewalttaten wurden im Laufe des Tages verübt. In die Geschäft.räume w Du^kdorfer Zentrumeblatte-, des ..Düsseldorfer Tag- blattes drangen starke Tnuws ,.n Ausständigea und anderen Feiernden Tm und stürmten die Setzerkaften 1
tt1W ' mrbm ^ ” er StrSfec "gehalten und
I Auf dem Wege zur großen Koalition
Ein neues deutsches Angebot an die Reparations- ksmmispon. — Die Reichsbank für Beteiliquns mit 568 Millisnen Goldmark.
nr-. Berlin, if. Nov. fDrahtmeldung unserer Berliner Abteilung.) Rach der Auffassung führender par- tamentanscher Kreiss kann heute die große Koalition nach einem wechselvollen Verhandlungstag als ge- nngesehen werden. Die Verhandlungen zwischen den Parteien hatten gestern nachmittag zunächst dazu geführt, daß Dr. S t r e f e m a n n im'Namen der Deutschen Volkspartei einen Brief an den Reichs- mnzler richtete, in dem er betonte, die Volkspartei verlange von denjenigen Parteien, - mit denen sie zu- sammenarbeiten solle, eine feste Erklärung, daß ste bereit seren, mit ihr zusammen zu wirken, danvit die gegenwärtige unklare Lage endlich geändert werde. Die Bollsvarter könne nicht die Verantwortung für die «oubung emes Ministeriums übernehmen, das diele Erfordernisse nicht erfülle. Daraufhin trat
die Arbeitsgemeinschaft der Mitte zusammen und gestützt auf das erwähnte Schreiben Dr Strefemanns richtete der R e i ch s k a n z 1 e r an die Vertreter des Zentrums und der D e m o k r a- t e n,die Frage, ob sie gleich ihm der Auffassung wären, daß im Interesse der Gesamtlage sowohl in innecpcliti-
ll ei J”?ri n °Ä^p^^tischer Hinsicht die Einbeziehung der Deutschen Volkspartei in die Negierung notwendig F. a J e ' '^ on Demokraten und vom Zentrum wurde die.se Frage mit Ja beantwortet. Für die Vayeri- s ch e V o 1 k s p a r t e i erklärte der Abg. Leicht, für Fon ber gleiten Auffassung zu fein, aber zwecks endgültiger Erklärung muffe er erst noch seine Fraktion ^nnmehr erhielt die Sozialdemokratie eine Mitteilung des Inhalts, der Reichskanzler sowie die beiden anderen Parteien der gegenwärttgen Koalitton hielten den Eintritt der Deutschen Volkspartei in die Regierung für möglich und es wurde den Sozralliemo- X } lt ^"S?essung noch int Laufe ?® s . P CTtb / bekannt zu geben. Zunächst wurde von !-6«.^^rattscher Seite kurzerhand erklärt, chr ablehnender Standpunkt fei ja bekannt. Dann trat die
VLl ’"kkiziell zusammen und es entwickelte sich hinsichtlich rhres Verhältnisses zu der Dolks- parter und damit über dis Haltung, falls sie in die ?em«ung. eintrete eine ebenso lebhafte, wie ausgedehnte Erörterung, m deren Verlauf drei Enrschbießun- gen zur Debatte standen. Man erzählte sich, daß die Rednerliste nicht weniger als 16 Namen aufwies. Gegen Si^ergaben^ ^ Abstimmungen vorgenommen.
bi- Ablehnung der radikale« Formulierung, die jegliche Koalittonspolitik für den Augenblick für Wünil Zeichnete, während die Entschließung M ul 1 er-Franken mit ansehnlicher - Mehrheit durchdrang Sie besagt im Wortlaut nachstehendes'
der S ti s Q ’ B an der Forderung
%L$* a £l ' > - erungder Mark als der drin-
inneren und auswärtigen Politik festhalt und nur in ein Kabinett cintreten
vÄ.-n^ vn l konseguent vertritt und ent- .
sprechende Maßirahmen einleitet. Sie erblickt in der * formen Stellungnahme der Deutschen Dolkspartei
luna fu \ h l e Durchführung der Stabilisie-
EÜ der Mark und damit für die Forderung der
ptof( U em 5 0en Losung jj ?s Reparations-
> bezeichnend, daß man diese Resolution innerhalb der Sozialdemokratischen Partei je nach der n" "orschiedenen Interpellanten bald als rest- ose Ablehnung der Kaalitionsidee und bald als eine Brücke zu weiteren Berhandlnngen bezeichnete. In Kreisen der bürgerlichen Parteien faßte man diese Entschließung^ übereinstimmend im letztgenannten Sinne auf und auch der „Vorwärts" der
Kabin?k? .Morgen-Ausgabe groß überfch'reibt: -.Kabinett Wirth gefährdet", deutet in einer Unter- s'?erschnft an, daß n e u e V e r h a n d 1 u n g e n bevor- NKn. Von führender parlamentarischer Seite wird erklär., es,unterliege kaum einem Zweifel, daß die Dolkspartei in der sozialdemokratischen Entschließung °L-unter Bezugnahme auf stch eine Brüskierunq n* b-A --den Grund zu einer Briiskierung der Sozialdemokratischen Partei zu sehen glaubt In volksparte,l'chen Kreisen erklärt man. die Antwort L^' 7 w-ftntl.chen nur das Wort Taktik beanspru» denn iatsachstch sei zwi chen den bürgerlichen Par»
""d d°' V---,-!-.-.
eine grundsätzliche Perständianng «hex die Stabilisterung der Mark
bereits erzielt, und zwar während den Verhandlungen
