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November 1922.

70. Jahrgang.

Der Notenwechsel.

2 * u unmittelbarem Anschluß an die Gutachten der Sachverständigen hat die deutsche Reichsregierung ihre Reparationskommission vollendet und der Öffentlichkeit bekanntgegeben. zugleich damit auch den Inhalt der solange zurrickgehaltenen Antwort der Re- parationskommission auf die erste deutsche Note vom 4. November, die ebenfalls bisher der Öffentlichkeit vorenthalten war. Bekanntlich waren die Darlegun- gen dieser ersten deutschen Note der Reparations- kommission nicht ausführlich genug, sie wünschte viel­mehr. daß ihr praktische Vorschläge unterbreitet wür- den, wie die deutsche Regierung sich die Maßnahmen zur Stabilisierung der Mark denke. Diesem Wunsche entspricht nunmehr die zweite Note vom 8. November.

Wie schon angedeutet, stützt sich die Reichsregierung in ihren Darlegungen völlig auf die Gutachten der internationalen Finanzsachverständigen. Nach der am Mittwoch erfolgten Bekanntgabe des ersten Gutachtens werden nun auch die weiteren Ausarbeitungen der Öffentlichkeit bekanntgegeben. die von Visse ring und Dubois einerseits und von dem englischen Bankier Brand andererseits verfaßt sind. Die Rsichsregierung hat die Gesamtheit der Gutachten ihrer Note an die Reparationskommiffion als Anlage beigefugt, und sie empfiehlt diese Darlegungen in ein- drmglioyer Form der ernstesten Beachtung, indem sie oi.ter, bei der weiteren Behandlung derStabilisierungs- trage von diesen Grundlagen auszügchen. Was in der deutschen Note des weiteren dargelegt wird, ist im wesentlichen eine Unterstreichung der von den Finanz- sachverstandrgen ^ ausgestellten Grundsätze und Vor- Ich.age Das Ziel ist die Stabilisierung der Mark und die endgültige Lösung des R e p a r a- tkons Problems:

Es ist besonders darauf hinzuweisen, daß für die Rsichsregierung die Stabilisierung der Mark nich etwa eine Frage zweiten Ranges darstellt. Gewisse Strömungen in Deutschland, die dieser Auffaffung zu neigen, laufen den Absichten der Regierung direkt zu­wider, und die Regierung glaubt für ihre Auffaffung von der primären Bedeutung der Stabilisierungsaktion Nicht zuletzt auch innerxolitische Gründe ins Feld führen zu müffen. Es wäre nun aber verfehlt, wenn man stch der von oppositioneller Seite ausgestellten Be­hauptung anschließen wollte, daß die Regierm: sich ledlglich aus die Stabilisierung der deutschen Währung Mit Hilfe einer internationalen Anleihe unter Mitwir­kung der Reichsbank eingestellt habe. Schon die An­erkennung der Sachverständigengutachten als Basis für dre werteren Maßnabmen beweist das Gegenteil Denn >n diesen Gutachten ist mit sehr eindringlichen Worten an die deutsche Regierung die Forderung gerichtet, als- oalr. ein aktives Programm fiir die innere vamerung des deutschen Budgets und der deutschen Wirtschaft aufzustellen und in die Tat umzusetzen, glicht minder eindringlich wird in dem Gutachten dar- auf hmgewiesen, daß der wesentlichste Faktor für die Stützung der deutschen Währung und für den Wieder- ausbau der deutschen Wirtschaft von Deutschland selbst ooigesteuert werden muß durch Anspannung seiner k'?,^en Kräfte bis zum Höchstmaß der Leistungsfähig- wit. Diese Mahnung entspricht vollkommen der auch m allen einsichtigen deutschen Kreisen verbreiteten Überzeugung von der Notwendigkeit einer Produk- :’l n fj*eifletunfl. Indem sich die Reichsregierunq rückhaltlos zu den Vorschlägen der Sachverständigen bekennt, bekundet sie zugleich, daß sie die Rotwendig- «u eines aktiven produktionspolitischen Programms a,? g nnt und entschloffen ist. nach dieser Erkenntnis zu handeln. In dieser Richtung dürften also die An- f‘i[ e «ud Bedenken, die von oppositioneller Seite laut Werden, am Ziel Vorbeigehen. Auch in der Frage des Moratoriums scheint von mancher Seite nicht hin- ^ugiich bei der Kritik berücksichtigt zu werden, daß me Sachverständigengutachten keineswegs für eine kurze «sfrlstung eintreten, sondern daß selbst die Spanne 2 Jahren von ihnen unter Umständen als nicht Ausreichend bereits im voraus anerkannt wird. Die -cotwendighfft einer Befreiung Deutschlands von den -^eparationslosten auf lange Frist wird dadurch mtt Mer Deutlichkeit klargestellt. Die Frage, ob die ^kanziehung der Reichsbank zur Mitwirkung bei der ^-roilisierungsanleibe tatsächlich die von manchen «? rvtl ^fürchtete Gefährdung des letzten deutschen Goldbestandes in sich birgt, wird offen bleiben müffen,

5's sich aus den in Aussicht genommenen Spezialver- ^?Eungen über die Schaffung des internationalen Bamiersyn^j^ts und seine Kooperation mit der ■"«SfWrt ein klareres Bild gewinnen läßt.

Rniß man also anerkennen, daß die deutsche Rote oen Gedanken der Selbsthilfe Deutschlands -iark betont in den Vordergrund stellt, so bleibt doch

als zweiter Faktor von höchster Bedeutung auch die "M augen erwartete und verlangte Mitwirkung uner­läßlich. Es gehört zu der Stützung der deutschen Mark und zu dein Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft neben allem ehrlichen Willen und aller entschlossenen Gnergie auf deutscher Seite unbedingt auch die Ein­sicht auf der anderen Seite, daß Deutschland nur dann wieder hochkommen kann, wenn die Lasten auf die £> on Ehm genommen werden, die ihm der Ver­sailler Vertrag aufgebürdet hat. Das Moratorium wag genügen, einen neuen Anfang für die innere Festi­gung und den Wiederaufbau zu finden. Wenn es aber mehr werden soll als nur eine Atempause, nach deren Ablauf man Deutschland von neuem die ganze womög- u.ch "och verschärfte Last des wirtschaftlichen und poli­tischen Druckes aufladen will, unter der es jetzt zu Boden gedrückt wird, so wäre diese kurze Frist, auch wenn sie stch auf Jahre erstreckt, nicht der Opfer wert, die an sie gesetzt werden sollen. Die unerläßliche äußere Voraussetzung für einen Erfolg der Maßnahmen, die letzt erwogen worden sind und eingeleitet werden sol­len ist die grundsätzliche Neuregelung des gesamten Reparationsproblems in einer Werse, die der deutschen Leistungsfähigkeit entspricht, r!» * r Hand in Hand gehen muß auch die politi­sche Entlastung, die Anerkennung der deutschen Gleich­ber echt igung unter den Völkern, die Ausräumung des Mißtrauens und Haffes, mit denen Deutschland noch immer begegnet wird. Diese Aufgaben stitd nicht min­der wichtig als sine bei den Berliner Besprechungen be- ^ ^^Elosten, und man muß hoffen, daß die in der deutschen Reichshauptstadt zusammengekommenen Män- ner des Auslandes hinreichenden Einblick in die tat­sächlichen Verhältniffe Deutschlands gewonnen haben und den Willen und die Kraft mit nach Hause nehmen, nach dieser Einsicht zu handeln!

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Die Antwort der Rcparationskammisfion vom 6. November.

Nov. (giß. DEberiM.) Die RriÄs- sj*«?ffetifltät i! ack, tra 3 lickl das Antwovt-

vom 6. November aui ^oünn Vorschläge Die Revarationskommiffion chso'ot barm zur Kemitnis. d«b der Kv.nrler die Zuimre ® c 1 L e hl smeben babe. betont aber, dab Si» Ä nt Lt KI t & Paris niederaelioat werde.

Sie kommt dann auf die im Sommer an das Garantie- aegebknen Zusagen zuruck und verlanat die als- ,b»rd-«e Schaffun« des noch n r ch t e t a b l i e r t e n Per- ionalstandes. Bezüglich der deutschen Vorschläge ver- ch'cht die Re»aratwnskomm>lff-ion konkrete Vorschläge, ins­besondere für die Stabilisierung der Mark

Barthou befriedigt.

v. Baris, ly. Nov. (giß. Drabtbericht.) Bartbou emottn« kklstern in Berlin die Vertreter der französischen Presse, denen er erklärte: Wir baben beute die Antwort der deutschen Regierung erbalten. Unsere Ver­handlungen sind zu gnde und wir haben in der Frage der Finauzkontrolle und des deutschen Budgets Resultate erzielt. Wir bringen nach Daris SchEtücke mit. die von Wichtigkeit sind. Wir werden sie vom kommenden Montag ab vlüfen und alle Entscheidungen in Paris treiiem. Das Wichtigste für mich ist dass die Front der Alliierten intakt «allüben ist und daß wir in voller Einigkeit nach Paris zuiückkebren.

Eine englische Umfrage über Aussichten einer Anleihe für Deutschland.

Vdt London. 10. Nov. (giß. Drabtbericht.1 In der Londoner City wird seit beute morsen eine Umfrage an- seitellt. um die Aussichten einer Anleihe für D" t.sch la nd iestzustellen. Ein bekanntes. FinanzinMürt wird.m diesem Zusammenhang genannt. Der Betrag de' für diese Anleihe.genannt wird, wird auf 25 Millionen "fund Sterling an«e«eben.

Beratungen des Auswärtigen Ausschusses.

.. Udt. Berlin. 10. Nov (gig. Drahtbericht.) Der A u s- wartige Ausschuß des Reichstags ist beute vormittag -0-. 1 }K einer Sitzung zusammengetrelen. Den Vorsitz führte der Abg. Dr. Sfrcfemann. Von der Reichsreaie- rung waren der ReichswirtsLaftsmnrister Dr Schmidt und der Reichskanzler Dr. Wirth erschienen Reichskanzler Dr. Wirth nahm das Wort zu länaeren Ausführungen über die Berbner Verhandlungen mit der Reva-

dae er in zuiammenfassender Weise den M tgliedern darlegte. Dre Verhandlungen waren vertrcrulrw.

Die Markstabilisierung vor dem Reichswirtschaftsrat.

Se-kin. 10- Rov. (Ei«. Drabtberickt.) In einer »emelnschaftllchen Sitzr'im des w,rüchaitsvolrtischen und nnanzvolstischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates sab itein cm Vertreter der Reechsreruerung die Rote vom —, November an die Revarationskommission mit den dazu geborgen Gutachten der ausländischen Sachverständigen bekannt. Im Anschluß daran fand eine einaeb-nd« (fr, orteruns über die Stützung der Wä brüng statt rn der besonders d«e Vertreter.der Jndusirü Gelegen^it nahmen -brr Stellung da»u eingehend darzulegen. Die

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as. Berlin, 10. Nov. fDrahtmsldunZ unserer Ber­liner Abteilung.) Die Reparationskommiffion hat gestern der deutschen Regierung noch ein Schreiben übernlittelt, in dem sie den Eingang der deut­schen Antwortnote bestätigt und mitteilt, daß ste dieselbe noch prüfen werde, denn ihre Reise nach Berlin habe nur informatorischen Charakter gehabt. Sie nähme die deutschen Vorschläge nach Paris mit, und dort werde eine Enffcheidung getroffen werden. Weitjßre Verhandlungen zwischen der Reichs- rsgierung und der Reparationskommiffion werden in Berlin nicht mehr stattinden, doch nimmt man an, Laß sich die Mitglieder der Reparationskommiffion im Laufe des heutigen Tages offiziell verab­schieden werden.

Die deutschen Vorschläge

haben, wie zuverlässig mitgeteilt wird, bei der Repara- tronskommiffion einen n i ch- t u n g ü n st i g e n E i n- d r u ck gemacht, wenn auch konkretere Vorschläge ge­wünscht worden wären. In diesem Sinne hat sich auch der englische Delegierte Bradbury einem Vertreter "er „»D. A. Z." gegenüber ausgesprochen. Bradbury erklärt: „Wir sind in erster Linie hierher gekommen, um uns über dis Lage Deutschlands zu informieren und m dieser Hinsicht ist unser Besuch sehr nützlich ge­wesen. Wir alle haben vom Ernst der Lage einen starken Eindruck empfangen und wir sind der Meinung, daß, wenn die Katastrophe vermieden weichen soll unmittelbare Schritte nöftg find, um die Mark zu stabilisieren und binnen einer angemessenen Frist einen

Ausgleich des Staatshaushaltes

^rbeizuführen sowie ein weiteres Anwachsen der schwebenden Schuld zu verhüten. Was die zu ergrei- len-en Maßregeln betrifft, so muß ich zugestehen, daß mnsichtlich der Frage eines genauen Planes für die - Stabllffierung der Mark -das Ergebnis unserer Ber­liner Reise einigermaßen enttäuschte. Es scheint notwendig, daß die I n i t i a t i v e von der deutschen Negierung ergriffen werden muß. Schließ­lich ist es doch die deutsche Regierung, die den Plan in Bewegung setzen mutz und weder die Reparations- Kommission noch eine Bankierkonferenz noch eine inter- natwnale Finanzkonserenz kann als hilfteiche Fee auf- treten. Wir werden die Vorschläge Deuffchlands genau untersuchen, wenn wir nach Paris zurückgekehrt sind, und werden alle weiteren Vorschläge, die Deutschland uns noch machen wird, sehr genau in Betracht ziehen Wir wollen zu weiteren Vorschlägen die Tür offen lassen.

Am heutigen Nachmittag wird die Reparations- kommlssion Berlin verlassen und dann am Montag- "achmitag wieder in Paris zur Beratung der deutschen Vorschläge zusammentreten. Man rechnet damit daß drese Besprechung sich etwa acht bis vierzehn Tage hin- ziehen werden. Bei dieser Gelegenheit sei auch daraus verwiesen, daß für eine etwaige

Herabsetzung der schwebenden Schuld

nicht die Reparationskommiffion, sondern allein der a * zuständig ist. Auch dieser wird voraus- stchtlich kernen anderen Beschluß fassen als den. das ge­samte Material der Brüsseler Finanzkonfe- r e n z zu uberweisen, die voraussichtlich erst im Januar zilsammentreten dürfte. Damit haben die Berliner Reparationsverhandlungen ihren Abschluß ge­funden. ^

Auch

die ausländischen Sachverständigen

haben Berlin verlassen Bei einem Abichiedsempsang den der Reichskanzler ihnen im Namen der Reichs- regierung und des deutschen Volkes gab, sprach er ihnen seinen Dank aus über die von ihnen in der Frage der Stabilisierung der Mark gemachten Vor- Ichiage. Die Gutachten würden nicht nur in Deutsch­land, sondern auch im Ausland ernste Beachtung fin­den und zur Klärung der Meinungen beitragen.

Nunmehr treten wieder die innerpolitischen Fragen in den Vordergrund und ganz besonders die Frage der etwaigen

Rcgicrunzsumbilduug.

De/ Reichskanzler hat in der letzten Zeit wiedecholt betont, daß die Zusainmensaffung aller Wirtschaftskräfte

l 1 r tc ^apolitische Lage dringend einer Klärung bedürfe Man darf daher damit rech­nen. daß diese Fragen beim Zusammentrittdes

ul 1 w 5 t* Q _ 9 5 ® te ri r r* n Auß kommen. Die bürger-

die gestern eine Sitzung ab- hrelt, hat sich bereits mit dieser Angelegenheit beschäf­tigt, ohne daß Jedoch Beschlüsse gefaßt wurden. Zeden-

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