Einzelbild herunterladen
 

Wöchentlich

Lerlag Langgasse 21

Schalter.Han« peUffnet von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. _ P.stschv».«»,: granifx rt o. M. Nr. 7405.

6 Ausgaben.

Fernruf:

Nr. 6059 - 53.

SBon 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, anher Sonntags. V»ftsche<a»nt»: Frankfurt «. SR. »t. 7485.

Anzeigenpreise: örtliche Anzeigen Mk. 25.—. Mnanz. und Lustbarkeits-An.,eigen Mk. 8«.— cm-wörtia» *8??« ^ 36.—. örtliche Reklamen Mk. 72.—, auswärtige Reklamen Mk. los.— für die einipo'tige ®°E m ‘ — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen «ntsvrechender

Nachlaß. — Schluß der Anzeigen. Annahme: 10 Uhr oormittaas.

Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Für

die Aufnahme von

Lrrlmer Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf, Laubacherstratze 35, Fernsprecher: Uhlond 3186.

Nr. 492.

Donnerstag, 9. November 1922

70. Jahrgang.

Die Wegweiser.

Die Denkschriften der Sachverständigen, die als Er­gebnis der Berliner internationalen Finanzkonferen- ^n ausgearbeitet worden sind, sind um Mittwoch der Rekchsreglerung übermittelt worden. Es handelt sich um vier Gutachten, die aber in ihren Hauptrichtlinien den gleichen Eedankengängen folgen und sich nur in Einzelfragen voneinander unterscheiden. Als erst« Denkschrift wurde die überreicht, die von den Sachver­ständigen Brand. Eassel, Yenks und Keynes ausgearbeitet worden ist; in späterer Stunde ist dann das zweite Gutachten gefolgt, das von den drei Bankiers der Konferenz, Bisfering, Dubais und K a m e n k a, stammt und sich hauptsächtlich mit der Frage eines internationalen Finanzsyndikates besaht, und als weiteresGutachten folgte eine Arbeit des bereits an der ersten Denschrift beteiligten Lorchoner Bankiers Brand, der sich namentlich mit der Frage der Sicher­heit für eine internationale Anleihe beschäftigt.

Die erste Denkschrift. die bereits am Mittwoch­abend der deutschen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, ist naturgemäß sofort in den Mtttel- punkt der Diskussion gerückt worden. Sie zerfällt in zwei .Teile, von denen der eine die allgemeinen Grund­sätze für eine Stabilisierung der deutschen Währung auseinandersetzt, während der zweite die spezialisierten Richtlinien dafür gibt. Man vermindert den Wert dieser Arbeit nicht, wenn man feststellt, daß die in ihr gegebenen praktischen und technischen Vorschläge fast JJH* Jp m 9 e . auseinandersetzen, die jedem Finanzsachver­ständigen in der Diskussion der letzten Wochen und Monate zu Selbstverständlichkeiten geworden sind. In

klaren und eindringlichen Zusammenfassung dieser Richtlinien durch international anerkannte Finanzsach­verständige liegt der praktische Wert der Denkschrift zu emem großen Teil. Dinge, die von deutscher Seite immer wieder ausgesprochen worden sind, werden hier empragsam und nachdrücklich von Männern als maß­geblich und richtungsweisend verkündet, die im Aus- lande nicht demselben Mißtrauen begegnen werden wie es den deutschen Sachverständigen 'leider immer'noch entgegentritt.

Über die praktische Bedeutung der' Denkschrift wird km einzelnen in den nächsten Tagen noch außerordent­lich viel gesprochen und geschrieben werden. Was aber ^gleich wirksam werden wird, das ist der moralische Effekt dieser Äußerung hervorragender Fachleute. Dieser moralischeEffekt liegt darin, daß die Mahnun­gen und Forderungen der Denkschrift in ihrer Bedeu­tung gar nicht unterschätzt werden können. Sie sind eine entschlossene und mutige Tat und können daher auch ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Denkschrift, me für die praktische Durchführung ihrer Vorschläge zu einem Zusammenwirken der deutschen urch der inter­nationalen finanziellen Kräfte auffordert, spricht deut­sch und gibt mit derselben unerschrockenen Klarheit der Erkenntnis Ausdruck: nur bei Erfüllung einschneiden- der Voraussetzungen sind diese praktischen Vorschläge durchführbar und lassen Erfolg erhoffen.

Auch diese Voraussetzungen sind an und für sich nicht« on den Männern der Finanzkonferenz entdeckt und in ihrer einschneidenden Bedeutung zum erstenmal dargestellt worden. Und trotzdem ist es von aller­höchster Wichtigkeit und eine Tat. die in Deutschland aufrichtigster Anerkennung sicher sein darf, daß die Ver­fasser der Denkschrift mit solcher Entschlossenheit und Folgerichtigkeit diese Voraussetzungen aller Welt vor Augen führen. Das gilt in erster Linie naturgemäß mr die äußeren Voraussetzungen, nämlich für ein v c l l- stan>iges Moratorium, das Deutschland ans eme lgngere Frist von allen Leistungen für Revara- t'onszoblungen Sachlieferungen und Ausaleichzahlun- gen befreit. Die Sachverständigen unterstreichen nicht nur die Notwendigkeit eines solchen Moratoriums an und fiir sich. sondern zugleich auch die nicht minder ent­scheidende Notwendigkeit seiner Ausdehnung auf einen längeren Zeitraum, den sie selbst auf mindestens zwei ^ahre bemessen, womit sie zugeben, daß auch diese Frist "nter Umständen noch zu kurz sein kann. Auch den wedanken der internationalen Anleihe er­örtert die Denkslbrift in klaren Darleoungen. doch ge­winnt man den Eindruck, daß die Verfasser eine solche ""leibe im Vergleich zu dem Moratorium als eine An- gelegenbeit von g-rinaerer Bedeutung betrachten. Sie sehen darin augenscheinlich in erster Linie ein Mittel »ur B-h-bung des Mißtrauens innerhalb Deutschlands selbst und zur Ilnterstützung eigener deuffcher Maß- nabmen. Die große internationale Anleihe, deren Not­wendigkeit die Denkschrift nicht bestreitet erscheint den ^achverständioen erst dann spruchreif wenn man im­stande jst. die Lage Deutschlands nach Ablauf des Mora­toriums klar zu erkennen

Neben den äußeren Voraussetzungen betont die Denkschrift mit nicht geringerem Nachdruck die inner­deutschen Notwendigkeiten, denen gerecht zu werden, Pflicht der deutschen Regierung ist, wenn sie das Ihrige zu den Voraussetzungen für eine Stabilisierung der Mark tun will. Die Denkschrift fordert von der deut­schen Regierung ein entschlossenes Vorgehen aus eigener Kraft, die zielsichere Inangriffnahme einer aufbauen­den Politik unbekümmert um die Fährnisse, die sich dabei in den Weg stellen könnten. Die Sachverständi­gen äußern in diesem Zusammenhang ein Matz von Vertrauen in die wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands, das manchen verzagen­den deutschen Beurteiler beschämen muß. Sie geben der Überzeugung Ausdruck, daß unter der Voraus­setzung einer Befreiung von den Lasten des Versailler Vertrages und bei der Wiederherstellung der Gleich­berechtigung für Deutschland im internationalen Han­del ein Ausgleich der deutschen Zahlungsbilanz ebenso gewiß zu erreichen sein wird, wie die Schaffung des Gleichgewichts im Reichshaushall. Die Sachverständi­gen glauben, daß bei der Erfüllung dieser Voraussetzun­gen das Vertrauen in di« deutsche wirtschaftliche Kraft zurückkehren wird und datz eine sofortige Stabilisierung der Mark alsdann erreicht werden kann. Sie haben einen ungefähren Kurs für diese Stabilisierung fest­gesetzt und weisen darauf hin, daß bei der Annahme eines Dollarkurfes von etwa 3000 bis 3500 M. der Goldbestand der Reichsbank doppelt so groß wäre wie der Wert des Notenumlaufs, eine Sicherung, die einen Zusammenbruch der deutschen Währung völlig aus­schließen müßte. In den praktischen Richtlinien für die Stabilisierung der Mark wird dann im einzelnen dar­gelegt, wie eine bei der Reichsbank zu errichtende un­abhängige und gegen jeden Eingriff geschützte Wäh­rungsstelle. gestützt auf einen Teil des Reichsbank­goldes, arbeiten soll.

Der Wegweiser ist errichtet, nicht nur für Deutsch­land, sondern für die ganze an der Reparation be­teiligte Welt. Die Frage bleibt, ob und wie stark der Wille vorhanden ist, ihm zu folgen. Die deutsche Re­gierung und das deutsche Polk stehen bereit, das Not­wendige durchzuführen. Sie warten, daß die Voraus­setzungen in zwölfter Stunde geschaffen werden. Sie warten auf den Spruch der Reparationskommission und ihrer Regierungen!

Me « 6 km» SsttSke» sn ssUnüSisi»

Br. Berlin, 9. Rov. (Gig. Drahtbericht.) Nun­mehr sind bei der Regierung sämtliche Gutachten der von der Regierung eingeladenen Währungssach­verständigen eingetroffen. Es handelt sich im ganzen um 4 Gutachten, von denen sich, zwei mit der Stabilisierung der Währung beschäftigen. Außer dem bereits gestern veröffentlichten Gutachten stammt das zweite von V i f s e r i n g und D u b o i s. Die beiden anderen Gutachten beschäftigen sich mit der Reorgani­sation des internationalen Bankfyndikats und der Frage der Aufbringung der Bankkredite. Davon stammt das erste wieder von Visse ring und, D u b o i 5 , das zweite von Brandt.

as. Berlin, 9. Rov. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Das zweite Gutachten der Herren Dissering und Dubais fordert eine Versamm­lung von Bankleuten aller Länder mit normaler Wäh­rung, um die Frage wegen Gründung eines Syndikats zur Stabilisierung der Mark unter Mithilfe der deut­schen Reichsbank zu erörtern. Während der Tätigkeit dieses Syndikats soll Deutschland von allen Repara­tionszahlungen und Sachleistungen befreit werden. Das Syndikat soll mit einem Kapital von 500 Millio­nen Eoldmark gegründet werden, wozu die Reichs­bank einen gleich hohen Betrag beizutragen hätte, so daß insgesamt eine Summe von 1 Milliarde Eoldmark zusammenkäme, und zwar soll das Geld durch Akzept­kredite aufgebracht werden.

Das Gutachten des Engländers Brand betont, daß die Bemerkungen des Morgan-Komitees über die Zahlungsunfähigkeit Deutschlands noch immer volle Gültigkeit haben und datz es daher nicht möglich sei, vrivate Geldgeber zu finden, solange die Unsicher­heit über die deutschen Reparationsver­pflichtungen fortbestehe. Es sind also die Ansätze, nach denen die Reparationskommisiion zu einer Aktion kommen kann, indem sie die Bankiers zusammenruft, etwa das Morgan-Komitee unter Zuzug weiterer Bank- sachverständigen. vorhanden. Wie wir erfahren liegen von England und von der Schweiz auch bereits Mitteilungen vor, in dem sie sich zur Mitarbeit auf dieser Grundlage bereit erklären.

Tie neuen deutschen Vorschläge.

as. Berlin, 9. Rov. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) In zwei Sitzungen hat das Reichs­kabinett gestern die deutsche Antwort an die Re­parationskommission fertiggestellt. Die Rote ist dann m den späten Abendstunden der Reparations­rom in i s s i o n überreicht worden. Ob es in Berlin noch zu Verhandlungen über diese deutschen - Vorschläge kommen wird, ist zweifelhaft. Die end­gültige Entscheidung dürfte unter allen Um­standen erst in P a r i s, vielleicht auch erft in B r ü s s e l fallen. Doch verlautet, daß die Reparationskommission noch vor ihrer Abreise ihren Standpunkt zu den deut­schen Vorschlägen darlegen wird. Weitere Verhand­lungen mit der Reparationskommission haben im Laufe des gestrigen Tages nicht stattgefunden. Die Ent­scheidung über die Frage der deutschen Kohlen- Ileferungen wird ebenfalls erst, wie bereits ange- runfoigt wurde, in Paris gefällt werden, da die Ber­liner Verhandlungen nur informatorischen CHarakter hatten. Auch über die deutschen Holz- Iiefer ungen wird erst in Paris verhandelt wer­den. Heute nachmittag wird voraussichtlich eine Be­sprechung zwischen der Reichsregierung und der Re- paraüonskommission stattfinden und am Freitag wird die Reparationskommission dann Berlin verlassen.

\ Nov- (Drahtmeldung unterer Berliner Abtellun«.) Der deutschen Antwort, die feeute veröffentlicht wird, and die bereits in ihrem Grundgedanken angegebenen m«r^Gutachten der ausländischen Cachver- stand r ge n alsAnlase beisetügt. Di- Antwort betont zu- naMt, datz alle Maßnahmen zur Kontrolle, wie sie in Paris, durch Minister Dr. Hermes seinerzeit vereinbart worden waren nunmehr vor«enommen worden find. Dann sagt die Note, daß nn Vordergrund aller Problem« jetzt die Stabilisier»,>>g -er Mark Die hauptsächlichste Ausgabe sei ein-e Stabilisierun« der Mark. 'S,« beitehe darin, daß ein« vorüber gehend« Ein- L ? «Jx n &f ü ' li r . R e p a r a t i o n s z a h l u n g e n nötig durchgefuhrt werden müsse, damit eine Sdabrlüiernng der Mark möglich wird. Im Zusammen­arbeiten mit ausländischem Bankiers seien jetzt von der Neichsbank Maßnahmen ,u treffen. Die Antwort beruft stch dann auf d:e Gutachten Bi sf e r ings. Dubais' und 5,1? ! ]ifrL UT ;H fowtot Plan genau zu vrüfeii und

dann Mort m Angriff zu nehmen, so daß den inlternotio- Möglichkeit gegeben werden kann, nachdem

Deutschland Kredite

ß^ährSn. Die Mark müsse nach einheitlichen Gesichts- M^ten durch den Ankaiff von Devisen geregelt werden.

ELrnbaren. zwischen den Banken mit

S ReLtL"Lm7L^üL ** ^run« und

die Garantien kür diese Anleihen.

Die Antwort beruft, sich dann ferner daraus,, di« SachverMn- LZmhatten vargcichlaaen. daß Deutschland während der Tatrgkeff des Syndikats von jeder Bar-.und Sachleistung bs- roer&m sollte, aber nvrfit von den Lieferungen für den Wiederaufbau des zerstörten Gebietes. Diese könnten ge- fl yT T ky 1 * Möglich; sei ohne Ausnahme einer

werteren schwebenden Schuld. Soweit finanzielle Opfer not- uxndrg werden würden sie hierfür durch innere An- ^^ckt werden. Zum Schlntz betont dann die Ant-

sMStai'js;“ *«"*»». «-

sä

il na feer Revarattonskommission ergänzende n^fufirMnnen au dem Problem der Markstabili- ist gestern abend der Revarationskvm- lauten- ub^seben worden. Die .Hauvtfätze der neuen Note

. Ae Regierung erklärt erneut, daß sie die Befestigung bre augenblicklich dringend st« und rV tl-r 0 ^' e Aufgabe ihrer Politik betrachtet. Die Stabelissriuna wird nur dann cmsgefiibrt werden können.

weim eine en-gültige LSsnn« -es ganzen Revar,ti«ns- vroblems

oforr in Angriff genommen und mit großer Beschleunigung öss. Ende geführt wird. Immerhin erscheint es jetzt schon notig, mi Wege emes Zusammenarbeitens eines internatio- nalen Syndikats mrt b« deutschen Reichsbank Mtztznabmen »ur Stützung der Mark zu ergreifen. Die deutsche Re»ie- tvn g . empfiehlt das Projekt der Sachverständigen der ernstesten Beachtung der Revarationskommission und sie bE. ne als Grundlage für „weitere Maßnahmen zur Stabllyierung der Mark zu benutzen. Die knutsche Re»ie- rung macht sich alsdann den Gedanken »u ei^en daß die durch e,n .internationales Banksvndikat sofort m Angriff genommen wertu-n ZL__Auch die Rnchs^nk bat sich bereit erklärt, an' der v-tu^UTtflSWincn niitsijcjttrcn tirt^ Qiibdrc* Gtprff , n «n s«»

Mrtaibeit zu beteiLen Auf dieser Grundlage hätL de Stützungsaktion zu erfolgen. Der Markkurs muß nach ein- W^^^k-uMen durch den Kauf und Verkaufs von

..... jjj erzreren i-etn. ferner wur-

fe 1 ’ »5^. Sicherheiten zu vereinbaren sein.

Erste der Sachverständigen gebt dabin. daß

sfabrend der Verwaltung des internationalen Sondkkates Md. bis Sur vollständigen, Ruckzabluna der von diesen ge- sichend von jeder Barzablung be- w& 4 Regierung selbst ist der Ansicht.

-cb der gtabtltftetunjiswroseS der Mark zunächst ofine fremde ötlfe zu einem gemiflen AÄcklub sebrackt ^