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Nr. 489.
Montag, 6. November 1922.
70. Jahrgang.
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In der Schwebe.
Die Verhandlungen mit der Reparationskommission sind am Freitagabend auf Anfang dieser Woche vertagt worden. Damit hat das erste Stadium der Verhandlungen, das mehr einen vorbereitenden informatorischen Charakter trug, sein Ende erreicht und es beginnt nun das entscheidende und vielleicht kritische Stadium, nachdem die endgültigen Vorschläge der deutschen Regierung vollständig in der Hand der Reparations- kommiffion sind. Dabei bleibt es allerdings, wie hier schon betont wurde, zweifelhaft, ob die Reparationskommission überhaupt Entscheidungen von Tragweite in, Berlin fällen wird, da augenscheinlich die Absicht besieht, die Entscheidung über eine internationale Anleihe und ein Moratorium der Brüsseler Konferenz zu überlasten. Sollte das in der Tat der Fall sein, so wird man aber fordern müssen, daß diese Brüsseler Konferenz so schnell wie irgend möglich Zusammentritt, denn über den Ernst der Lage kann wohl an keiner Stelle ein Zweifel mehr bestehen. Ein Dollarstand von über 6000 spricht eine zu deutliche Sprache, so daß auch ore Reparationskommission in ihren internen Beratun- gen, die die Zeit ansfüllen, bis die Verhandlungen mit der Reichsregierung wieder ausgenommen werden, sich darüber klar werden dürfte, das, man die Stabilisierung der Mark nun wirklich nicht mehr auf die lange Bank schieben kann. Man könnte es sonst erleben, dass, wie . 5 K 00n englischen Blättern betont wurde, oine^Rettung überhaupt nicht mehr möglich ist. s . Se 1 t X . .pstrationskommission scheint sich denn auch me Erkenntnis Bahn gebrochen zu haben, dass Deutschland erne internationale Anleihe gewährt die vor allem der Stabilisierung der Mark . foU - Iu dieser Hinsicht dürfte die Ententepresse
» ; durchaus recht haben, wenn sie von einer völligen Über-
der ReparalionskommWon ff, ^ Cr i^ eiro:rb GÖCr niemand leugnen kön- .len, daß uberEmzelheiten diesssPlanes die Meinungen
die Reparationskommission vte konkreten deutschen Vorschläge aufnehmen wird, die °^..^°untag ^erreicht worden sind, bleibt natürlich avzuwarten. Wenn man auch an aintlichen deutschen m I o-«llen über den Inhalt dieser Vorschläge Stillschwei- KrtffiV 0 durfte doch soviel feststehen, daß das
Kern st uck d e r d e u t sch e n Vo rschlüge die For- derung einer Anleihe im Auslande ist, ohne die all die Äderen prägen, besonders auch die Balacierung des ^tats nicht gelost werden können, und zwar sprach man emer Anleihe in Höhe von 500 Millionen Kold- °uch von einer Milliarde.. Allem Anschein -erÜöÄs-^^.deutsch- Vorschlag die Hdhe offen. Eelbst- eAandüch ist man sich vollkommen klar darüber, dass m Jäfr blnleche ohne bestimmte Sicherheiten nicht ^.^rezchen ist. Rach dem Sozialdemokratischen Parla- alieb-^>E. der fa zu den sozialdemokratischen Mit- - Ne'chbreFierung recht gute Beziehungen H&«• &I - tet Reichsregierung als Sicherheits- ^ solche äussere Anleihe neben finanziel- an di-bestimmt begrenzte Aufsichtsrechte r keineEinfchrankung der Souveränität derReichs- I,? s.-»"^?Edeuten. DasKapitel über die vonDeutschland senden Sicherheiten nimmt den Hauptteil des
aff aw ein. Es ist erklärlich, dass
der Zinjendienst zur eine solche grosse Anleihe so
fStiSÜ&fr «* Deutschland stellen würde! dass di-
“ ber französischen Ansprüche gefähr- 'L!°"rde so dass sie von der ersten an die zweite Stelle den 3)05 W l T l batzr in den jetzt kommen-
w- Ä Adlungen auch das Hauptthema bilden
E ohne Reiz, zu sehen, dass die Re- aus Emission offenbar zur diese Verhandlungen rv!!iv 7 ,, uuugsoerschiedenheiten innerhalb der Reichs- t-iev Wl J> °uch wohl innerhalb der deutschen Par- Habe "klart nämlich in ihren Kreisen, man
bom Minister Hermes besonders grosses Ver- ^ eirten Pariser Verhandlungen her. man als afi*** ^7 bei den Verhandlungen den Eindruck, mn» ; Jl er - m . r It er "'<ht die Unterstützung finde, die lranzösischerseits gewünscht hätte. Das ist deutliche Anspielung aus den Gegensatz aber der seinerzeit zwar üoerbrückt.
mnbJll™ öus .‘; er ^lt geschafft wurde und der zum in iy i, n vorübergehend wieder akut geworden sein fi-hri*«, 0 aber das Kabinett die deutschen Vor-' -in- ^-^Mehwigt hat. darf man wohl hoffen, dass dies r."^miguug bedeutet. Bedauerlich bleibt auch, dass i-ffA^mvkraten in ihrer Presse keine Gelegenheit rp.^r« kästen, um ihre alte Drohung wieder zu er- v‘Samstag schrieb der „Vorwärts". Sflf, 5 deutsche Programm, wenn es nämlich nicht den finw' *•” x öer Sozialisten entspricht. Konsequenzen .^b^onnte. Gerade in diesem Augenblick mit dein wedanken einer Negicrungskr4se zu spielen ist alles
andere als zweckmässig. Es ist erfreulich, dass man wenigstens dahin übereingekommen ist, den Wieder- zujammentrittdes Reichstags zu vertagen, oenn die zu erwartenden Debatten hätten nur erschwerend wirken können.
_ Die Frage :st nun, was weiter werden soll. Der „Temps", der ja oft genug die Meinung der französischen Regierung Wiedergibt, antwortet darauf: „Wenn die Reparationskommission findet, dass das deutsche Programm annehmbar ist, so werden die alliierten Regierungen darüber zu entscheiden haben, denn die Konzessionen, die Deutschland fordert, überschreiten die Maaftbefugnisse der Kommission. Wenn jedoch die Mitglieder der Reparationskommission das deutsche Pro- gramm unannehmbar finden sollten, so niühten sie den Gläubigern des Reichs die Bahn freimachen." Das bestätigt, dass in Berlin die endgültige Entscheidung nicht fallen wird.^ Dann aber wird man fordern müssen, dass die Konferenz, die die Alliierten für nötig erachten, sogreich einberufen wird, denn die Stabilisierung der PV 11 oie anderen schönen Dinge könnten
überflüssig werden, weil die europäische Finan 5 kata- strophe inzwischen besiegelt wäre und das Sinken der französischen Valuta wird ja auch in Frankreich zeigen, daß es eine Wirtschaftssolidarität Europas gibt, die niemand ungestraft leugnen kann!
Die deutschen Vorschläge.
W. T.-B. Berlin, 5. Rov. Der vom Redakiions- ausschutz endgültig festgesetzte Wortlaut der Vorschläge für die Reparationskommission wurde in später Abendstunde vom Reichskabinett genehmigt. Wie das „Berl. Tageblatt" wissen will, werde die deutsche Regierung auseinandersetzen, was sie zur Erzielung des Gleichgewichts des Budgets auf dem Gebiete der S t e u e r g e s e tz g e b u n g zu tun gedenke. Die deutsche Denkschrift beschränke sich jedoch wahrscheinlich nicht auf die Darlegung der Absichten des Reichs- vabmetts, sondern berühre auch die Frage der Finanzkontrolle.
Vach der Sozialdemokratischen Korrespondenz han- del. es sich bei den Vorschlägen gewissermaßen um Ausfuhrungsbestimmungen. also nicht um eine Ergänzung der bereits übergebenen Denkschriften. Als Sicherheitsleistung für die Gewährung einer Geld- anleihe schlage die deutsche Regierung der Reparationskommission neben finanziellen Einnahmen u a bestimmte Aufsichtsrechte vor, die keine Einschränkung der Souveränität der Reichsregierung bedeuteten Das Kapitel über die von der Reichsbank zu leistenden Sicherheiten nehme den Hauptteil der Vorschläge ein Voraussetzung sei, daß eine grössere Anleihe zu'stande- komme. Dre Reichsregierung sei dann bereit, auch innere Massnahmen zu treffen.
/SV T.-B. Paris. 6. Rov, Der Berliner Bericht- ersiat-er des „Petit Parffien" berichtet, daß von den beiden gestern der Reparationskommission übermittel- ter>- Dokumenten das erste konkrete Vorschläge enthalte. nämlich praktische Mittel zur Stabi- l i s i e r u n g der Mark. Das Problem der Stabilisierung unter dem Deutschland leide, soll durch eine äußere Anleihe von 500 Millionen Goldmark gelöst werden und man hoffe dadurch den weiteren Sturz der Mark auch alten zu können und auch zu einem stabilisierten Budget zu gelangen. Hinsichtlich der Erlangung des Geldes überlasse die deutsche Reaierunq alles den guten Diensten und den Bemühungen §er Re- parationskommission. Der Berichterstatter glaubt dass im ganzen die konkreten Vorschläge eine Paraphrase der Revolution seien, die der Bankierausschuss vor einigen Monaten m Paris angenommen habe Die deutsche Regierung verlange nicht ausdrücklich ein Moratorium eine Herabsetzung des Zahlungsplanes von London Die Vorschläge hatten in den interessierten Kreisen den Eindruck eines zu grossen Akangels an Erfindung gemacht hinsichtlich der Mittel, die Deutschland durch »eine eigenen Hilfsquellen zur Bekämpfung der ^rife finden^konne. Heute morgen werde die Reparations- komnnffion über die Haltung, die sie einzunshmen ge- denke. entscheiden, morgen werde sie mit den deutschen sachverständigen die Ko h l e n l i e f e r u n q s f r a a e verhandeln, am Mittwoch die Frage der Holzlieferungen und wahrscheinlich Mitte der Woche etwa am Donnerstag, Berlin verlassen.
Der italienische Botschafter für Berlin.
Berlin, 6. Nov. (Drahtmeldung unserer Berlin« Wllrlun«Z SUd- hier vorliegenden Meldungen ans Rom steht die Ernennung des Marauis della Toretic, «Z Botschafter Berlin bevor. Toretta. der im ZsdZ 19 -! nn Kabinett Bonomi italienischer Austen- dintrr"ssch^"^ cme lange dwlomatische Laufbahn
Ae Mliiin UMllMMHMMW.
ns. Berlin, 6. Nov. (Drahtmeldung unserer Berliner Abteilung.) Am Sonntag sind nun die konkreten deutschen Vorschläge der Reparationskommission überreicht worden, nachdem sich am Samstagnachmittag das Reichskabinett mit diesen Vorschlägen beschäftigt, sie einer Redaktionskommission überwiesen und schliesslich in einer zweiten Sitzung endgültig genehmigt hatte. Offizielle Angaben über den Inhalt liegen noch nicht vor. Doch, ist ja bekannt, dass vor allem
eine ausländische Anleihe
gefordert wird. Die Garantie für diese Anleihe nimmt in den Vorschlägen einen sehr grossen Raum ein und es ist auch anzunehmen, dass sich die Verhandlungen jetzt hauptsächlich um diese Frage drehen werden. Der Zinsfuß für eine solche Anleihe würde derartige Ansprüche an die deutsche Regierung stellen, dass die heriae ftanzösiM^ Priorität abgelöst würde und die französischen Ansprüche erst in zweiter Linie berücksichtigt werden könnten. Man rechnet in politischen Kreisen damit, daß die Verhandlungen mit der Reparationskommission etwa Ende dieser Woche zu Ende sein werden. Daß eine Entscheidung bereits in Berlin fällt, ist, wie schon wiederholt betont wurde, kaum anzunehmen. In diesem Sinn schreibt auch der „Temps", daß wenn die Reparationskommission findet, das deutsche Programm sei annehmbar, so werden die alliierten Regierungen darüber zu entscheiden haben, denn dieKon- zessionen, die Deutschland fordert, überschreiten die Bkachtbefugnisse der Kommission.
Die ausländischen Sachverständigen treten auch heute wieder zusammen. Ihr Gutachten darf wohl in Kürze erwartet werden, zumal einige der Sachverständigen wegen unaufschiebbarer anderer Geschäfte Berlin in diesen Tagen verlassen müssen. Im übrigen hat die gleichzeitige Tagung dieser Sachverständigen die Reparationskommission etwas verschnupft.
Ungünstiger Eindruck in Paris.
D. Paris, 6. Rov. (Eig. Drahtbericht.) Die Zeitungen veröffentlichen heute eine Berliner Havas- Tcpesche, die eine ungünstige Auffassung über die Berliner Verhandlungen wiedergibt. Der Inhalt der gestern von der deutschen Regierung überreichten Vorschläge hat, da sie keinerlei positive' Vorschläge über den deutschen Budgetansgleich enthalten, in der Kommission verstimmt und das sei den deutschen Vertretern von dem Präsidenten der Reparationskommission mit energischen Worten zum Ausdruck gebracht worden Seine Worts hätten ihren Eindruck auf die deutschen Vertreter, die sich über die Notwendigkeiten des gegenwärtigen Augenblicks keine Rechenschaften ablegten, nicht verfehlt. In der Kommission herrsche vollkommene Einigkeit. Nach einer weiteren Havas-Meldnng aus Berlin hat Herr Barthou am Sonntagmittag nach seiner Be>prechung mit den deutschen Vertretern erklärt: Wir hatten beute eine kurze Zusammenkunft, um d:e neuen Schriftstücke der deutschen Regierung ent- oegenzunehmen. Aber man überreichte uns 'nur Notizen über das Budget. Wir erwarten heute genaue Vorschläge. Wir werden mit den Vertretern der deutschen Regierung wieder zusammen- kommen.
lickt. Paris, 6. Nov. (Eig. Drahtbericht.) Die
Parijer Morgenblätter zeigen sich von den noch gar nicht veröffentlichten Vorschlägen, die die deutsche Regierung der Reparationskowmisiion gemacht hat, sehr wenig befriedigt. Sie glrrnben. dass die Besprechungen über die Stabilisierung der Mark sehr wenig aussichtsreich seien und vielleicht ergebnislos bleiben könnten, in welchem Falle die ReparationskomMission nach Erledigung der Beratungen über die Holz- und Kohlenlicserungen schon am Dienstag von Berlin ahreisen wird. Mit auffallender Einstimmigkeit wird aber gesagt, dass der Reichskanzler Dr. Wirth zu wenig entgegenkomme und zu wenig Einsicht zeige, wogegen man mit dem Finanzministe'r Dr. Hermes viel weiter kommen könnte und sicher positive Eraebnisie erzielt hätte, wenn Herr Hermes autonom hätte beschlichen können. Der „Matin" deutet sogar an, dass es Anfang nächster Woche als Folge dieser Meinungsverschiedenheiten bei den Verhandlungen mit der Reparationskommission sogar zu einer K a'b i- "kttsrrise in Berlin kommen könne. Nach dem Berichterstatter des „Echo de Paris" sind die Verhandlungen insofern wertvoll gewesen, als sie bewiesen habe», dag vom Kabinett Wirth nichts zu <J* e "Reviibliqus fran^aise" berichtet halbamtlich, die Revarat,onskommWon werde Mitte der Woche nach Paris zurückkehren, ohseinBerlin e»n positives Ergebnis erzielt zu haben.
