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Nr. 488.

Samstag, 4. November 1922.

70. Jahrgang.

Sachsens Schicksalstag.

Aus Dresden wird uns geschrieben:

An dem großen politischen Geschehen gemessen, in dessen Mittelpunkt wir mut all unserer nationalen Not und unserem wirtschaftlichen Elend sieben, erscheint ein« Land- tasswabl zunächst als ein politisches Ereignis von nur untergeordneter Bedeutung. An aufrichtigen und nach- bcltllgen Versuchen. unserem Volke in seinen schweren äugen- und lnnervolitischen Sorgen die Unruhe.und Auf- regung einer Landtags mahl zu ersparen, bat es nickt ge- Wj}- r . ''"ckdem aber auf seiten der Sozialdemokratie das ^etrreven „den Staatsapparat in die Hand zu nehmen und.dann, eine Einheitsfront gegen das Bürgertum zu kon- ' ''w .'lber die elementarsten verfassungsmäßigen Ruckii n en v Un ^ über die Erundgebote demokratischer Staats- ausfassung dauernd hinwegkegte. blieb kein anderer 3Veg als der Arvvll an das Kolk. So ist die Wahl des 5. November für sachs« n ein Volksentlcbeid von schicksalsschwerer Ver­antwortung. Der wahre Volkswille kann an diesem Tage Ausdruck kommen, wenn sich jeder einzelne zvablrr dreier Bedeutung der Wabl und seiner eigenen Pl.lchl bewutzl ist. Mit dem Stimmzettel in der Hand be- stnnmt tcder Wähler nicht nur die Partei, durch d>e er 'm Landtag vertreten sein will, sondern er wählt ateickzeiiig oiez.bcgierung des Landes und greift darüber hinaus in *en.<5an B der Reichsvolitik und in die Entscheidung der grom>m volnkjchen Ideen- und Machtkämpfe ein. die unser w,,/J ™ - n »ebört zu den ootitiSdien und wirt- I.-: Mttlclvunkreii des Reiches. Welche Regierungen

SXw roelAe Vertreter diese Regierung in den entsendet, .st kur die politische Struktur des ™ ©natetluns .unserer innervolit'ichen Zustatidc. durch die Welt durchaus nicht ohne Bedeutung.

und , Land^, Jl'ust«

zustande. wie sse sich in Sachsen in Parlament egierung zuletzt berausgebildet hatten, waren Ins und des Volkes unwürdig. Eine schmerzlichere

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L c ' 5ia m 7 Regierung so lange als oertraueu- Mrundgiidei, Mehrheiisfaktor glaubte stützen zu dürfen den ^ zuriefen: „Eure ganze

na» Alfobol!" Gewiß bat lick auch mancher sozialistittne^ Minister in diesem Augenblick dir! Frag« vor- ob es notwendig war. die 'äch fische Regierung in t/2" '? ckiedsaesellichaitzllsehen. Süßer den mensch-

Ii.d) achtenswert«'. Ebarakter und die politischen Qualitäten einzelner Sozial,bischer Minister kannte, dem tat es schon lange >n der seele web. da» es die Regierung nicht te-tig brachte, stch ans eigener Kraft von dreker würdelosen Um­klammerung zu befreien. Einzelne der fähigsten und charak- teryvNstiN io.ziali,tischen Minister zogen während dieses ver- fassungswidmaen Dauerzustandes für ihre Person die Kcn'e- auenzen und schieden aus. aber die sozialisti'Sen Parteien des Landtags beugten sich nach wie vor unter das Joch einer stch nwn'rhalb der Berfnssuna stellenden Partei, um ihre Macht im einseitigen sozialistischen Interesse auszunutzcn.

Wird die nicktsazmlistiscke Wählerschaft Sachsens am 5. Nonen, ber den Beweis erbringen, daß sie Wesen und Ziel des iemokratischen Volksftaates erfaßt Sat? Bei der letzten Wahl ist ne diesen Beweis schuldig geblieben. Das Ab­rucken eines großen Teiles der Wählerschaft von den politi­schen Strömungen der Mitte, der sogenannte Ruck nach rechts, bat damals den Weg zur sozialistischen Alleinherr­schaft frei gemacht. Die Schwächung dieser politischen Strömung enthob die Sozialdemokratie der NotVendigkeit m Regierung und Gesetzgebung mit der deutschen Demo­krat'? als rnentbehrl'chem Faktor zu rechnen. „Wenn wir die Wabl haben so ziehen wir das Bündnis mit gmrz links vor!" Diesem Giundsaa der Sozialdemokratie gegsnüb->r gili es dafür zu sorgen, daß ihr diese Wahl nickt bleibt sondern da» die parlamentarischen Miehrbeitsoeuhältnisse durch Stärkung der demokratischen Bestandteile des Land­tags den gegenteiligen Zwang zur Anlehnung an die deutsche Demokratie bi innen Diese Dinge liegen so klar und einfach au? der Sand, daß ste eigentlich das, schlichteste politische Erkenntnisvermögen erfassen müßte.

Der deutsche' Wähler ist noch immer geneigt, die politi­schen Notwendigkeiten stimmungsgemäß zu erfassen und nickt mit kübler. rüchterner Vernunft Hier liegt die eine groß- Gesabrci auelle stir die Wahl des 5. November. Die an sich berechtigte Verärgerung über die unbefriedigenden Zustände im sächüschen Staatsbetriebe drobt ein Teil der Wähler­schaft auf die ertremen Flügel zu verschlagen, wo die stehen die den hentigen Staat überhaupt verneinen. Die Wähler meiken dabe: n'cht. daß üe durch diese Staatsverneinung sich und die anderen der Möglichkeit berauben, diesen Staat der dock nun einmal da ist. in keinem dlufbau zu einem für das ganze Volk wohnlichen Gebäude zu machen. Ein anderes kommt b'nzu. Uber das deutsche Volk 'st seit dem unglück­lichen Ausgang des Krieges so mel Schweres beretn- gebroiben. und gerade die letzten Wochen haben ein« so ungehcnre Verstärkung des ans uns lastenden Druckes ge­bracht daß viele mit fatalistischem Gleichmut die Drnae als unabänderlich hinnebmen. daß ne stch um politische Vor­gänge üknrbaupt nickt mebr kümmern. „Mir ist alles gleich­gültig es gibt ia doch keinen Ausweg aus unserem Elend", das ist bei vielen die verhängnisvolle Erundstimmung. Ihnen allen soll man mit Tbomas Tarlple zunrfem: Hilf mit! Gewiß, die Zeit ist schleckt: der Mensch ist da. ste besser zu macken'" , - r ^

In Sachsen kann weder «ne einseitige Rechtsregierung nock eine sozialistische Alleinherrschaft das Ziel der staat­lichen Entwicklung sein. Die breiten Schickten des Volkes werden sich dem Staate nur dann verbunden und sich ^iir Mitarbeit am Staatswobl innerlich nur dann vervtlicktet fühlen, wenn zwischen den Strömungen von rechts und von links eine t>«igsälige Brücke geschlagen wird, aus der Regie­rung und Parlament ihre ausalelchegde. verkoftnend« auf- bauei'de Arbeit beginnen werden. Die Möglichkeit hierzu ist am ö November allein gegeben durch eine Stärkung der demokratischen Mitte. Nur die Mitte allein kann das Kern stück einer gesunden staatlichen Entwicklung bilden. Keine Verneinung und kein Beiseitesteben. sondern bloß befreiende und -psbauende Tat kaun die Schickfalsfrac^. dce das sachst-

Bett am 5. November durch sich selbst zu entsckeiiden i«» liMn di« Frage' „Soll Sachsen sozialistischer Sta«t oder d«»«ckto::>cher -Bclksstaat werdesiM

M Skkwll WmloilSlikcWliöWzei!.

g.8. Berlin, 4. Nov. (Drcrhtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Das amtliche Kommnniqus über den Stand der Verhandlungen mit der Reparationskommis- sion sagt kurz:

„In der gestrigen Besprechung mit den Mit­gliedern der Reparationskommission überreichte der Reichsfinanz mini st er eine schriftliche Aus­arbeitung über die schwebende Schuld und die Stabi­lisierung der Mark. Die Mitteilung weiterer schrist- licher Unterlagen wurde vereinbart^ Die Bespechun- gen nehmen anfangs nächster Woche ihren Fort­gang."

Aus dieser vorsichtigen Fassung geht hervor, datz es sich bei den überreichten Denkschriften, über deren In­halt im übrigen amtlich nichts bekanntgegeben wurde, noch nicht um einen endgültigen Plan handelt. Es wurde vielmehr vereinbart, diesen vorläufigen Plan bald durch endgültige Vorschläge zu ersetzen und es verlautet. Minister Hermes werde am Sonntag früh der Reparationskommission die angekündigten weiteren schriftlichen Mitteilungen, die sich aus Einzelheiten des Antrages auf

Beschaffung einer Geldanleihe im Auslande

beziehen sollen, überreichen. Die Reparationskonimis- s:on wird heute in einer internen Besprechung zur Lage Stellung nehmen. Diese Besprechung wird stch vermutlich auch über den Sonntaa hinaus aus­dehnen. In den Kreisen der Reparationskommission wird versichert, datz hierbei das Projekt Dela­croix wiederum eine Rolle spielen werde.

Über den Inhalt der gestern überreichten Denkschrift werden, wie das bei der Geheimdiplomatie der Reichs- rcgierung üicht zu oerivunderv.' ist, zahlreiche Kombi- irationen verbreitet, ohne datz sich einwandsfreie Fest­stellungen,^ inwieweit die einzelnen Lesarten zutreffen machen lasten. Der gewöhnlich gut informierte Sozial­demokratische Prestedienst erklärt, in dem gestern über­reichten Plane würde einleitend darauf hingewiesen, datz eine

Statilisierung der Mark

gleichzeitig mit der Balancierung unseres Etats erfolgen müsse und datz ohne Stabilisierungs- matznahmen eine Balancierung auf die Dauer unmoo- lich sei. Unter Hinweis auf die deutsche Steuergesetz- , gedung und die Verausgabung eines Teiles des Reichs­bankgoldes zu Stabilisierungszwecken begründet die deutsche Denkschrift dann die ZwecklIsigkei: von Stabi- lisierungsmatznahmen im Innern ohne äußere Hilfe. Eine große äußere Anleihe wird deshalb als Voraus­setzung zu einer Stabilisierung der Mark und zu: Balancierung un'eres Etats für unbedingt notwendig erachtet. Vorausgesetzt, datz eine äußere^ Anleihe zu­stande kommt, ist die Reichsregierung nicht abgeneigt, auch den

Eoldbestand der Rerchsbank

teilweise zu Stützungszwecken für die Mark zu verwen­den. Weiter verweist der Vorschlag daraus, datz eine äußere Anleihe nur dann möglich sein werde, wenn die durch das Londoner Diktat geforderten Zahlungs­verpflichtungen einer Revision unterzogen werden und eine langfristige Stundung sowohl der finanziellen wie materiellen Verpflichtringen eintrete. Die Reichsregie- r»ng bezieht sich bei dieser Feststellung besonders auf den Beschluß der Pariser Bankierkonferenz, die be­kanntlich in Übereinstimmung mit der Londoner City der Lluffassung war, datz ohne eine Ermäßigung der deutschen Verpflichtungen und ohne Stundung m,> Anleihe unmöglich gewährt werden könne. Eine Stun­dung der Sachleistungen wünscht die Regierung nur für Material, das nicht ausschließlich für den Wieder­aufbau Nordfrankreichs Verwendung findet.

Die Kssten für die WiederaufSaulerstungen will sie sich nach Möglichkeit durch innere Anleihen be­schämen. Zum Schluß wird dann -noch eingehend der Beweis geführt, daß eine Finanzkontrolle über Deutschland nur eine Schädigung unserer Interesten und damit der Interesten der Entente- iänder herbeiführen mutz.

Die Lag« wird sowohl in deutschen Krersen wie auch in den Kreisen der Reparationskommission im allgemeinen ohne jede Schärfe, aber auch mit voll­kommenem Ernst beurteilt Man ist sich darüber klar, daß, wenn dieReparationskommission erklär: olle diese wichtigen Fragen müßten bis zur Brüsseler Kon­ferenz verschoben werden, diese Konferenz so schnell wie möglich zusammenberufen werden sollte. Aber inzwi­schen müsten sowohl nach Ansicht der Reparations­kommisston, wie auch der deutschen Regierung Maß­nahmen ergriffen werden, um einen vollständige« Zusammenbruch der deutscheu Wirtschaft

aufzuhalten. Die Bedingung dazu ist das Zustande- tommen der äußeren Anleihe und die Reparatcons- lommistion würde jedenfalls gut tun, wenn sie durch eine Erklärung der deutschen Regierung die Möglich­keit geben würde, Vorschläge für die Auflegung einer auswärtigen Anleihe zu machen. Es ist selbstverständ­lich dann Sache der Reichsregierung, auf dem inter­nationalen Kapitalmarkt festzustellen, unter welchen Bedingungen sie eine solche Anleihe erhalten kann, aber es mutz Aufgabe der Revarationskommistion fein, bei der Erfüllung dieser Bedingung der deutschen Re­gierung hilfreich zur Seite zu stehen. Nur auf diesem Weg, der etwa in ähnlicher Weise beschritten werden könnte, wie es bei den deutschen Schatzwechseln der Fall war, wird dann bis zur Brüsteler Finanzkönfereaz das endgültige Schicksal der deutschen Mark aufgeschvben werden können!

Me «lnfe ely a j t VWiWhlMchSlMzes.

as. Berlin, 4 Nov. (Drahtmeldung unserer Ber­liner Abteilung.) Die Verhandlungen' der ausländi­schen Finanzsachverständigen nehmen ihren Forrgaug. Die Herren halten meistens interne Bespre­chungen ab, doch stehen natürlich die zuständigen deutschen Regierungsstellen jederzeit, sobald irgend­welche Auskünfte von den Sachverständigen gewünscht werden, zur Verfügung. So haben auch gestern neben den internen Beratungen der Sachverständigen Be­sprechungen zwischen ihnen und den deutschen Vertre­tern, so vor allem mit dem Reichsbankprüstdenten Haven stein und dem Staatssekretär Schröder stattgefunden. Die Verhandlungen werden auch heute fortgesetzt und es liegt die Vermutung nahe, datz auch der Reichsfinanzminister Dr. Hermes vor der Über­reichung der endgültigen Vorschläge an die Repara- iionskommiffion mit den ausländischen Finanzsachver­ständigen konferieren wird.

kickt. Berlin. 4. Nov. fEig. DrahtbericktZ Die in­offizielle Fühlungnahme einzelner Mitglieder der R e- varatronskom Mission mit den in Berlin - wei­lenden ausländischen Finanzsachverständigen hat, zu einem Gedankenaustausch geführt, der den Sachverständigen einen gewissen Einfluß auf den Gang der Verhandlungen der Reparationskommis- sion mit der deutschen Regierung »inräumt. Dieser Einfluß darf jedoch nicht überschätzt werden, weil er sich auf die Abgabe von Gutachten beschränkt Eine weitere enge Zusammenarbeit wird dadurch erscknvert, daß die Revarationskommrsiion als solche es für un­möglich erklärt, die Sachverständigen offiziell zu den Verhandlungen mit dem Neichskabinett heranzuziehen.

Barthou unbefriedigt.

I T dt. Berlin. 4. Nov. (Eia. Drabtberickt.) Di« gestriaen Beratungen mit der Rerarationskommission dauerten unge- fäbr dreiviertel Stunden und waren mit der Entgegennahme der bekannten deutschen Vorschläge ausgefüllt. Bartbou verließ den Konferenzsaal etwas erbost und aus seiner Um­gebung wurde in den Kreisen der fremden Zeitungsvertreter das Wort kolpo-trert daß man mit der systematischen Be­handlung der ganzen Materie nicht übermäßig zufrieden wäre, da dcutsckerseits in die ausenblicklich zur Verbanid- lung stehenden Finanzfragen Reparations- und Stundungs- tlätie hineingezagen würden, und da kein festes Programm vorhanden wäre, um zu beraten. Man scheine üb'- die reinen Eröricrungen der finanziellen Angelegenheit brnaus- ackomm«' zu sein und es scheint lick immer mehr die Piänderkrage in den Vordergrund zu schieben, in der eine gewisse Differenz zwilchen England und Frankreich besteht. Während Frankreich auf Pfänder besteht, sucht England den Standpunkt durchzuführen, daß di« Reva- ratioiwtemmission etwas von ihren Gutscheinen ablassen müsse, um es ausländischen Konzernen zu ermöglichen, finanzielle Vorschüsse an Deutschland zu leisten. Fiankrerck will jedoch anf diesen Weg. den Eng­land verzeichnet, nickt eingeberr.

Ein neuer Stabiliflernnzsplan Bradburys.

W. T.-B. Paris, 4. Nov. Der Berliner Bericht­erstatter des „Echo de Pans" meldet, der englische Dele­gierte Bradbury habe, wie es scheine, "seit seiner Anwesenheit in Berlin einen neuenStabilisierungsiüan iür die Mark ausgearbeitet. Der belgische Delegierte Delacroix bemühe sich seinen sehr positiven Plan zur Geltung zil bringen. Es gelte, noch einige Mei­nungsverschiedenheiten zu beseitigen. Man hoffe aber, heute nachmittag zu einem vollständigen Ein­verständnis zu gelangen. Einer der alliierten Delegierten erklärte gestern abend dem Korresponden­ten, er sei optimistisch und er glaube bestimmt daran, daß die Stabilisierung der Mark möglich ei.

Die Ansicht der englischen Hochfinanz.

Itckt. London, abreri. daß di« (Th einer lannfrifti blicklick nicht 0 ü Hrchfiiionz keine N o lange nicht voll uich die Forderum

4. Nov. (Eig. Drahtbericht.) Wir er- in ok Aussichten für das Zustandekommen gen Anleihe für Deutschland äugen- n lt l g beurteilt, weil die internationale ecgung zeigt, ssch irgendwie zu engagier«:, tlarbeii über die Marlltabilisierun« Reparationskommillion besteht.