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Samstag, 2. September 1922. SKötgCU^^öbC. Nr. 408. . 70. Jahrgang.

Die Geldnot.

Am Mknitagvormittag wurden Schecks, die der Reichsbank zur Einlösung präsentiert wurden, nur mit 20 Prozent ihrer Summe ausgezahlt, für den Rest er­hielt man einen neuen Scheck:Kommen Sie in ein paar Tagen wieder". Am Dienstagvormittag erhielt man 40 Prozent, aber wie das in den nächsten Tagen gehen soll, ist vorerst noch schleierhast.

Diese Art Geldnot ist nicht mit jener anderen zu verwechseln, unter deren Zeichen wir schon seit längerer Zeir stehen: der Kreditnot. Die eine ist sehr wohl ohne die andere denkbar. Die Kreditnot ist eine Aus­wirkung rein volkswirtschaftlicher Tatbestände, näm­lich unserer Verarmung zuzüglich der verschiedenen Formen der Kapitalflucht, während die Geldnot, die wir im Augenblick erleben, eine rein finanztechnische Erscheinung darstellt: ein Zurückbleiben des verfüg­baren Notenmaterials hinter dem tatsächlichen Bedarf, der nominell, unter dem Einfluß der sprunghaften Teuerung, von Tag zu Tag wächst.

Dies nämlich ist die wirkliche Quelle der gegen­wärtigen Kalamität. Und alles, was sonst darüber behauptet wird, ist Unsinn. Daß der zehntägige Druckerstreik, der auch die Notenpresse lahmlegte, die Knappheit hervorgerufen habe, ist eine unhaltbare Be­hauptung. Denn der Zustand müßte dann ja un­mittelbar nach dem Streik am peinlichsten gewesen sein und sich seither, infolge der Hochdruckarbeit, die nach ihm einsetzte, graduell verbessert haben. Das Gegenteil war aber der Fall. Die Situation hat sich von Tag zu Tag verschärft, die größten Schwierig­keiten beginnen erst jetzt. Es handelt sich also nicht um eine Streikfolge, sondern um eine Folge der Teue­rung. Der Geldzeichenumlauf jedes Landes muß »n gewissem Berhältnis zum Warenumsatz stehen, und wenn die Summen des Warenumsatzes steigen, muß auch die Summe des kursierenden Geldes entsprechend vermehrt werden. Das ist nicht geschehen, hauptsäch­lich infolge jenes Einspruchs der Reparationskommis­ston, die uns im März auferlegte, es dürfe allmonat­lich nur ein Betrag in Höhe der Reparationsbarleistun- gen neu gedruckt werden. Das war ein theoretisch un­haltbarer Befehl und seine Folgen beginnen sich jetzt zu zeigen.

Diesem Befehl lag die Anschauung zugrunde, der Notenurülaus, die Inflation sei es. die den Wert der deutschen Mark fortwährend Niederdrücke. Das ist, wie von fast allen maßgebenden Wirtschaftlern inzwi­schen erkannt worden ist, ein fundamentaler Irrtum. Unser Notenumlauf beträgt heute 250 Milliarden Papiermark, das entspricht bei einem Dollarstande von 1500 etwa 0,7 Milliarden Goldmark. In Friedens­zeiten aber batten wir einen Umlauf von 5 Milliarden. Der Umlauf ist also viel zu klein selbst dann, wenn der Dollarkurs nur 1200 beträgt und wenn sich auch noch nicht die gesamte Entwertung in den Warenprei­sen ausgedrnckt haben sollte. Daß er tatsächlich zu klein ist. sieht man auch an den Deckungsverhältnisten. Da die Reichsbank beute nur 1 Milliarde .GolÄmark -besitzt, beträat die Deckung des auf Gold reduzierten Notenumlaufs nicht 38 Prozent, wie vargeschrisben, sondern 60 Prozent. Es ist also natürlich, daß eine unleidliche Knappheit an Zahlungsmitteln eintreten muß.

Man sieht, wohin die falsche Inslationstheorie auch im kleinen leiten muß. Im großen führt sie zu der Anklage, die deutsche Regierung ruiniere absichtlich den Markwert eine völlig unbegründete Behauptung. Im kleinen verursacht sie Stockungen des inländischen Zahlunasverkebrs. die an sich auch in der miserabelsten Wirtschaft unnötig sind. Was wir haben, ist nicht viel, aber dies Wenige kann zumindest ungestört und rei­bungslos zirkulieren. Es muß so paradox das den von der Papiergeldtheorie verwirrten Geistern klin­gen mag -- jetzt rasch und ausreichend neues Geld ge­druckt werden!

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W T.-B Berlin. 31. Aus. Bei verschiedenen Ber­liner Großbanken kam es beute, der ..Germania" zu­folge zu peinlichen S ü c ti * n. da d-e Banken sich außer­stande erklärten, den Eeschästsleuten Banieraeid in dem on- gelnoderten Umf-mge um Verfügung zu stellen. Es wurde trklärt. daß die Reichsbon! nicht genügend Papier­geld berausgegeben babe.

Die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund.

v. Paris. 1. Seot. lEig Drabtbrricht.) , Aus L o n d^> n* wird gemeldet. Lord Robert Tecil erklärte in einem Interview über die Zulassung Deutschlands zum Bölter- bunde. daß er nicht versieben könne warum Frankreich der Zulassung Deuts btands zum Völkerbunde einen so bartnäckigen Widerstand entgegensetzte. England vertun,e diese Zulauiiii, nicht der schönen Augen Deutschlands willen, was ihm gleichgültig sei. sondern nur darum, um einen neuen Faktor zugunsten de» europäischen Friedens zu gewinnen.

Die Entzpannuna.

. Br. Berlin. 1. £ert (Gig. Dcabtbericht.) Zu der Ent­scheidung der Rcvalationskouimissio'i bat nie deutsche Reicbs- legierung noch nicht Stellung neunten können, da erst ein­gehende Beratungen des R e i ch .,! a b i n e t t s über tue Schatzwechselsrage siattfindon müsirn. In diesen Bera­tungen müssen vor allem die Grunvlagm gefunden werden, ouf denen die vorgesehen,<n Verbaadlungen übe: die von Deutschland zu leistenden 8 a r a n t i e n gesübrt werden können. Das Reichskabinett >si denn auch beute vormittag zu einer Sitzung zusammen,etr'len. nm Stellung zu der Entscheidung der Reparation Kommission zu nebmen. Es isi möglich, daß auf Grund dieser Besprechung sich der Reichs­kanzler bereits beute im übrcwachungeausschuß des Reichstages über die Enticheidn i, der Revarationskom- nmsion äußern wird. Vorgejebea isi diese Erklärung aber nickt, so daß sie auch evtl, nerschoben Bverden kann. Wenn auch die Entscheidung der Reoarutionskomntission das von Deutschland nachgesuchte Moralorulin nicht gebracht bat. so liegt dennoch in dem Beschluß der Reoarationskommlssion eine gewisse Entspu':»uug der allgemeinen politischen Lage und besonders eine Entspannung kür Deutschland. Ls iit schwer, davon zu sprechen, daß die eine cder andere Richtung iiiaerbalb ->er Revarationskommimon ibren Standpunkt restlos durchg;ietzt bat. Es liegt vielmehr in dem Beschluß der Revaraiiouskommission unverke-nnbar die Absich t. eine Katastrovue zu vermeiden, dies ist durch das glücklich gewählte Kompromiß auch ver­mieden worden. England, das stch am eingehendsten und am ernstesten mit der wirtjchaitli.chen Lage Deutschlands und mit den Folgerungen bes deutschen Zusammenbruches beschäftigt bat. war bereit, diesrr Tatsache durch bedingungs­tose Gewährung eines Moratoriums bis zum Ausgang dieses Jahres Rechnung zu tragen. Auf der «"deren Seite batte sich Frankreich so. festaelegt. daß es selbstverständlich den vorhandenen englischen Antrag, der dem deutschen Ersuchen entsprach, nicht »usiimmen kannte. In dieser Situation stellte der belgische Bermittlungsvorichlag zweifellos einen Ausweg dar. der zwar Deutschland nicht das kringt. was es erhoffte, aber ruf alle Fälle eine Atem­pause bedeutet. Durch die einstimmige -Annahme dieses belgischen Bermittlungovorschlages dürften die wiederholt nngedrobten Maßnahmen geo:n Deutschland dis auf woiteres nicht in Eribei rung irrten. Ein Grund, mit dem Beschluß der Revarationskammissiin besonders zufrieden zu stin. bcstebt für Deutschland iedock nicht. Es wird davon ab- bänaen. ob bei oe» den tick -belgischen Verhand­lungen über die in der Entschnduna der Revarationskom- mifsion vorgeiebencn Sicherheiten eine Basis gesunden wird, die beide Teile beiriedigk. Nachdem ron deutscher Seite wiederholte erklärt worden ist. daß eine überfübrung der Goldbestände in auswärtige Banken unter keinen Um­ständen in Frage kommt, mug eine andere Regelung gef"n- den werden. Ein gewisser Vorteil lieg- dadurch in dem Be­schluß der ReoarationskominiHion. als eine Einigung mit V e l gi e n l m m e r b : n möglich ist und daß eine Einigung gleichbedeutend mit der Gewährung des nachgesuchten Moratoriums wäre. Auch die Tatsache, daß die gestrige Entscheidung der Reparationskom­mission eine Ivärere Behandlung des Moratoriums im Zusammeubang mit dem Revarationsvroblem vorstebt. läßt die Lage weniger veisimisiisch erschei­nen. wenn Ulan berücksichtigt. daß die für den November vor­gesehene Besprechung über die Neuregelung der alliierten Schulden untereinander bei einem günstigen Ergebnis eine Herabsetzung der deutschen Reparationsschulden in sich trägt. _

Der Druck der internationalen Finanzwelt.

Br. Berlin, 1. Sept. (Eig. Drahtbericht.) Die B. Z." schreibt zu dem zustandesekommenen einstim­migen Beschluß der Reparationskommission, die inter­nationale Hochfinanz habe gestern ihre Macht entfaltet und gegen die französische Militärpolitik ent­schieden. City- und Wall-Street sind gemeinsam vor­gegangen, um die Franzosen von dem Einmarsch in das Ruyrgebiet zurückzuhalten, da eben das wirtschaft­liche Gleichgewicht Europas wertvoller ist als Gene­ralstabskarten politischer Natur, die auf eine Balkani­sierung Europas hinauslaufen. Der Druck der Hochfinanz hat auf die Entscheidung Poincarcks im letzten Moment eingewirkt. Auf die Drohung mit militärischen Maßnahmen erfolgte die politische und wirtschaftliche Eegendrohung von den Männern der Hochfinanz, und zwar nicht nur von den Englisch sprechenden, sondern auch von den Neutralen und be­sonders auch von Südamerika. Man drohte, den Franken zu werfen, falls der Einmarsch in das Ruhrgebiet erfolgen sollte. Die Finanzwelt war sich darüber klar, daß der Franken nichts anderes als eine Anweisung auf die Mark sei. Wenn aber die Mark nichts wert sei, so sei der Franken auch nichts mehr wert.

Poincarck befriedigt.

D. Paris, 1. Sept. (Ein. Drahtbericht.) Ministerpräsi­dent Peincarö bat noch gestern abend den Pressever­tretern erklärt, die französisch« Regierung i< ; von der Ent icheidung der Revarationskommission besriedigt. Auch die französiiche Preise zeigt sich, nachdem die gestern zu tage getretene Überraschung, in der die Annahme des Ent. sche-ds der Reparativnskommisiian durch Poincare als ein wahrer Tbeatercouo bezeichnet wurde, einer nüchternen Be­trachtung gewichen ist. befriedigt. Dirke Befriedigung wird aber, wenn auch mit kleinen formellen Abweichungen, mit Rücksicht auf die bevorstehende Entscheidung des Ministerrates, etwas zurückhaltend gezeigt Äußerun­gen der Morgenblätter zeigen, daß nicht zu zweifeln ist. daß auch der französische Ministerrat sein- Z u st i m m u n g zu der Entstcheidung der Revarationskommission im wesentlichen erteilen wird.

Die wirtschaftliche Not.

ZV. T.-B. München. 1. Sept. (Drahtbericht.) Am Freitagvormittag haben in der Handelskammer und am Nachmittag im Sitzungssaal des Rathauses in Gegenwart des Ministerpräsidenten Besprechungen mit Vertretern des Lebensmittelgewerbes und des Han­dels stattgefunden, in denen die brennenden Fragen der Lebensmittelversorgung erörtert wurden. Die Veröffentlichung der gefaßten Beschlüße dürfte später erfolgen, da erst noch einzelne Beratungen darüber stattfinden sollen.

ZV. T.-B. Berlin, 1. Sept. (Drahtbericht.) Wie aus Eberswalde gemeldet wird, ist es gestern abend dort zu schweren Lebensmittelunruhen gekommen. Die Menge plünderte die Geschäfte, so daß die Schupo eingesetzt werden mußte. Es kam zu Feuer- gesechten, bei denen etwa 10 Personen verwuri­tz e t wurden. Die Arbeiterschaft hat sich von den Un­ruhen fernaehalten und wird in einer Sitzung zu den Vorfällen Stellung nehmen. In später Nachtstunde wurde die Schupo durch auswärtige Polizeibsamte verstärkt, so daß die Ruhe wiederhergestellt werden konnte.

Bayerns Stellung zu den Schutzgesetzen.

W.T-B. München. 1. Seat. (Dcablbericht.) Die Führer des bayerischen Ovtznungsblocks. Buckeln und Tafel, richteten am 25. August an den Minister des Jnnc "n S ch w e v e r einen offenen Brief in dem sie das Bei ballen der bayerischen Regierung bei den Berliner Vrrbaiidlungen und das Verbot der Kundgebung auf dem Kör'psvlatz kriiisieren. Sckweyer antwortet min mit einem eiferen Brief, in dem es u. a. beißt: ..Die Aufhebung der bayerischen Retstantzsverordnung bedeutet n'mt die Aner- kenminq des Schutzgesetzes. Sie wird von der bayerischen Regierung nach wie vor bekämpft. Di? bayerische Regie- iiina ist überzeugt, daß diese Gesetze ganz unhaltbar sind und an dem gesunden Sinn des deutschen Volkes zugrunde geben. Die bayerische Rctstandsve''ordming kann iederzeit wieder eingefübrt werden. Der Minister lehnt es ab. Meinungen intgcgrnzunebmen. die von Demonstrat'onen gefaßt wer­de». denn d°e Maste, di« daran teilnimmt, kann Nicki als voll bezeichnet Uvertzen "

Eine Konferenz der demokratischen Minister.

Br. Braunschweig, 1. Sept. (Eig Drahtbericht.) Am 28 und 2-1. September findet in Braunschweig eine Kon­ferenz aller der Deutschen demokratischen Partei a.naehören- den Mirister des Reiches und der Länder statt. Die Kon­ferenz fall den Äuslaki für ein« engere Zufammen- a r b e i t der demokratischen Minister und Senatoren bilden. Der Tagung wird größtes Sntereste entgegengebracht, weil auf -br der oldenburgikche Ministerpräsident Tantzen erst­malig leine Rcfermideen über die Eini«tznng eines Systems zur Besteuerung des landwirtschaftlichen Grund und Bodens unterkre-ten wird.

Die Neugestaltung der Wohnungsbauabgabe.

Bd. Berlin. 1. Sevt. Die Verhandlungen über die Neu­gestaltung der Wobnungsbauabgabe finden im Unterausschuß des 13. Ausschusies des Reichstages statt und beginnen am 4. September. Rach Beendigung der Bera- ningen wird die Frage der Freigrenze spruchreif werden. Bisher sind Einkommen gewisier Art bis z» 20 000 Mark von der Abgabe befreit. Eine erbebliche Hinanfsetzung der Ein- kommensgrenze ist nab dem rapiden Fall der Ma.rkvnlutn dringend geboten. Es dürfte in einzelnen Fällen zu prüfen siin. ob nicht infolge Untervermietung besonders an valu.tastarke Ausländer oder bei anderen sonstigen Einnabmeauellen eine gesteigerte Leistungsfäbig- k e i t vorliegt, die eine erhöbt, Wabnnngsbauabgabe gerecht­fertigt erscheinen IaWc.

Die Führer des Gastwirtschaftsgewerbes beim Reichskanzler.

Br. Berlin. 1. Sevt. (Eig>. Drahtbericht.) Die Jnbrr- ventirn der Gewerkschaften bei der Regierung, durch be­hördliche Maßnahmen eine Eindämmung d:r Lurusstätte». ein Alkrbolveibot. eine Herabsetzung des Diergebalts sow:e die Mi'.dereinfübrnny der Fleischration'erung anzuordnen. gab den Führern des deutschen Eastwirtgewerbes Beraulissung wegen dieser Forderungen der Gewerkschaften beim Reichskanzler Dr. Wirth vorstellig zu werden. Bei der Uutrrredung. die im Reichskanzlervalais stattfand. legte der Sprecher dieser Kommistion dem Reichskanzler dar. daß die Fort er ungen der Gewerkschaften an sich von idealem Geiste getragen seien, für das gesamte Wirtschaftsleben aber iin einschneidender Bedeutung seien. Wenn auch zugegeben werden müsse, daß in letzter Zeit der Alkobolver- brauch nne enorme Steigerung erfahren babe. so sei dies doch keineswegs durch die Gaststätten verursacht, sondern du>ch den Alkobnlbandel. durch den der Akkobol in d'e FäM'l'in gebracht werde. Die Kommistion gab einstimmig auch ler Ansicht Ausdruck daß dem Lurus und der Schlem­merei Einhalt getan werden müsie. sprach sich aber ent- >ckirden gegen iedc Rationierung aus. da durch derartige Vorschriften die erwartete Einschränkung nicht erzielt würde, wie die Vergangenheit zur Genüge bew-elen habe. Der Reichskanzler zeigte für die Argumente vollstes Verständnis und versprach woblw oll ende Priiiung. Er stellte tev Kommission anheim, ihm ihre auf Material gestützte und begründete Eingabe zukommen zu lasten, die er dann den einzelnen Ressortchefs zur Bearbeitung weite-> leitvn werde.

General v. Franyois mißhandelt.

Bo. Leipzig. 31. Aus. Der 68jährige General der ?n- icnterie v. Francois wnrde gestern nach einem mili- räriichen Vortrage in Zwenkau bei Leipzig von einer in len Saal eingedrungenen Rotte überfallen und schw at

mißhandelt.