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»erlag Langgasse 21 „Tagblatthf z".

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Sonntag, 20. August 1922.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 386. ♦ 70. Jahrgang.

Ungebrochene Kraft.

Während Deutschland von außen her allerlei Be­drückungen ausgesetzt ist und seine Valuta einen Spiel­ball der Weltbörse darstellt, lebt in diesem Volke dennoch Arbeitsfreudigkeit und Tatkraft. Nichts ist dafür bezeichnender als die verschiedenen Veranstaltun­gen von Handel und Industrie, die großen Messen und Märkte. Soeben fand in Königsberg die deutsche Ostmesse statt, Ende des Monats beginnt wieder die große Leipziger Messe und zwischen diesen beiden großen Heerschauen deutscher Arbeit findet in H a m- b u r g die Übersee-Woche statt. Gewiß ist es unver­kennbar, daß auf alle diesen Veranstaltungen die ge­spannte Außenpolitik hemmend einwirkt. Aber dennoch regt sich das fleißige deutsche Volk in unermüdlichem Schaffen und nichts vermag die Arbeitskraft uns den deutschen Unternehmungsgeist zu lähmen. Noch schas­sen wir, noch gehen Technik und Erfindungsgeist immer neue Wege, noch stellen wir aus und noch kauft das Ausland unsere Waren. Man sollte meinen, einem Lande, das solche Beweise von Lebenskraft be­kundet, mußte die Welt etwas mehr Vertrauen ent- gegenbringen.

Während die Leipziger Messe der Treffpunkt des großen internationalen Kaufmanns ist, der hier wie­der für ein Jahr einkauft, hat Königsberg feine be­sondere Bedeutung als europäische Ostmesse. Freilich sind die Randstaaten noch wenig kaufmännisch diszi­pliniert, die Agrarreformen in ihnen haben den maschinenbedürftigen Großgrundbesitz aufgelöst und ihre Währungen gestatten ihnen nicht so überragend große Käufe, Die Königsberger Messe ist darum mehr eine Zukunftsangelegenheit, heute saugt sie die Wurzeln ihrer Kraft aus dem wirtschaftlich starken Ab- nehmertum des deutschen landwirtschaftlichen Ostens. Für die Zukunft kann allerdings erwartet werden, daß sie ein gutes internationales Geschäft abgibt.

Die Hamburger Übersee-Woche trägt einen ganz anderen Charakter als die deutschen Meffen. Der deutsche Überseekaufmann stellt nicht aus, feine Käufer kommen nicht zu ihm, sondern er geht zu ihnen. Er ist nicht Produzent, sondern Mittler zwischen den deut­schen Produzenten und dem überseeischen Konsumen­ten. Zwar hat Hamburg auch seine Export nufter- Ausstellungen, aber im Rahmen der Übersee-Woche bilden sie doch nur ein ganz untergeordnetes Teil. Die Hamburger wollen auf der Überseewoche nicht nur zeigen, was von ihnen unter schwierigsten Umständen in den schlimmsten Zeiten wieder crufgebaut worden fft, sondern der mit der Überseewoche verbundene internationale Weltwirtschaftskongreß soll gleichzeitig nach neuen Wegen suchen und um die besten Verbrei­tungsmethoden wirtschaftlicher Vernunft und kauf­männischer Organisation ringen. Es ist darum zu be­grüßen, daß der Reichspräsident E b e r t der Übersee- woche und dem Kongreß durch seinen Besuch die Bedeu­tung aufgedrückt hat. die beiden zukommt. Der Reichs­präsident' hat in seiner Eröffnungsrede der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß das Gesetz der wirtschaftlichen Verbundenheit aller Völker der Erde nicht zulasten werde, daß einem großen Volke sein Recht auf Dasein und Leben abgesprochen wird. Gleichzeitig hat von dieser sehr geeigneten Stelle aus der Reichspräsident zu den Ausländsdeutschen gesprochen. Sie und das Hamburgertum sind besonders eng verbunden. Der Ausländsdeutsche hat heute aber doppelte Pflichten, und Reichspräsident Ebert bat das besonders hervor- geboben Den Ausländsdeutschen kommt ein wichtiger Teil der Neugestaltung der Weltwirtschaft zu, aber es ist natürlich, daß gerade unter ibnsn mancher ist. der den neuen politischen Borbältnisien im Vaterlande fremd gegenüberstebt. Dennoch wird derjenige dem optionalen Wiederaufstieg des deutschen Volkes am besten dienen, der keinen Zweifel darüber aufkommcn läßt, daß sich alle Deutschen draußen in der weiten Welt als Schicksalsaenosten ihres schwerringendsn Lan­des fiiblen Herr Ebert hat es dann als un'er aller Aufgabe bezeichnet, durch feste Ordnung unseres staat­lichen Lebens und durch rastlose Arbeit die wcrtch,öst­lichen Grundlaaen zu schaffen, auf denen stch ein glück­licheres Deutschland aufbauen läßt. Ordnung und A r b e i t, das sind fürwahr die beiden Haupterforder- niste für uns. und wenn wir sie zu beherzigen wissen, dann wird Deutschlands ungebrochene Kraft in Zu­kunft aufs neue Wunder schaffen!

Ein neues Buch -es vormaligen Kronprinzen.

wtr «Berlin 19 Aua Der vormalige Kronprinz bat in Wieringen seine persönlichen ..E r, n n e r u n« e n auz D e iTiTla nds Seldenkam p.f“ aufgezucknet und wiNe dem,ochst st, einem mit zablre-.chen Karten aus- aestauenn Bande bei E. S. Mittler und Sobn in Berlin er. Ifreuen Men.

Reichsminlster Dr. Koster über die wahre Lage Deutschlands.

Sr. Hamburg, 19. Aus. (Eig. Drahtbericht.) Am ersten Klubabend des Überseeklubs in Hamburg, der gestern rm Hotel Aitoria unter Bete-liguna von 800 Mitgliedern, sowie oes Reichspräsidenten. des Senates und vieler auswär­tiger Gäste stattiaud. sprach Rnchsminllter Dr. Köster. Gr ciklärte u. a.: ..Es gibt einen unsichtbaren Exportartikel,

von dem ich wünibe. daß die Hamburger ihn mit derieloen Rührigkeit binaustragen. mit der kie ibre Waren m alle Welt binausfüüren. das ist o i e Wahrheit uv er Deutschland. Wir betteln nicht um Mitleid in der Welt, über wir wollen, daß die fremden Mächte endlich erkennen, was bei uns vorgebt und was in Mittlleuropa gespielt wird. So wollen wir durch dasselbe Tor. durch,das die weltwirt­schaftlichen Ideen binausdringen. jene furchtbaren Wahr- beiten binausbringen. von denen ui der Welt noch immer nichts bekannt ist:

Die Wabrbcit über den Rechtsbruch der schwarz auf weiß unterickriebenen 14 Punkte, die bewußt verletzt worden sind.

Die Wahrheit über den Soottz der mit dem heiligen Reckt der C e l b st b e st i n> ni n n g getrieben worden ist.

Die Wahrheit über das Evangelium, mit dem neue Grenzen gezogen worden jn,d. gleich wie Kinder im Sande Striche ziehen.

Die Wahrheit über de-> ich waren Stand der deuticken Wirtickaft.

Die Wnbrbeit über die Paradoxie, daß man uns Mil­lionen um Millioucn abringen will, während man uns zwingt Milliarden um Milliarden in die unproduktive Kaste der Beiatzung im Rnemlanbc bineinzusiecken.

Die neuen Verhandlungen mit der bayerischen Abordnung.

Br Berlin, 19. Aug. ((Ein. Drabtberichi.) Die beiden Bc.rrlln'ä'ttigte". der bayrischen Regierung, der bäuerische Innenminister und der bayerische Justizminister, sind beute vormittag um 9 llbr in Berlin einge.tr >ffea. Sie begäbe", stch um 1G.30 Uhr zur Fortsetzung der Verhandlungen über . das lebit'o beschlossene Berliner Protokoll. das zwar von den bayerischen Koakitionsparteien nickt abgelehzt worden ist. aber für deren Durchführung mm erst Sicher­heiten haben möchte, in Begleitung des baverüchen Ge- kai.dten in Vc i lin Dr P r e g e r . der sie am Babnbof er- waiiei hatte, in die Reichskanzlei. Dort haben bereits die ersten Bi'mechungen der Delegation mit den beteiligten R-'stmts begonnen und stnd noch im Gange. Über ihren bisherigen Verlauf liegen noch keine Mitteilungen vor.

Rückgängigmachung der Ausweisungen aus Elsaß- Lothringen?

D. Paris» 19. Aug. (Eig. Drahtbericht.) Es ver­bautet hier, daß angesichts der Erregung in der öffentlichen Meinung, die in Elsaß-Lothringen durch die Ausweisungen der Deutschen entstanden ist. die Regierung beabsichtige, zahlreiche der vorgenommenen Ausweisungen wieder rückgängig zu machen oder wenigstens abzufchwächen. Diese Abschwächung würde vor allen Dingen die Deutschen betreffen, die aus Elsaß-Lorhringen ausgewiesen wären, die aber Saar­länder sind. Die Regierungskommission in Saarbrücken ist zu ihren Gunsten eingeschritten und man hat ihr die Versicherung gegeben, wie verlautet, daß an ihrer Person und an ihrem Besitz nicht gerührt würde. Diese Maßnahme würde aus die Staatsangehörigen der Pfalz und auf alle Linksvheinländer ausgedehnt wer­den, falls sich solche unter den Ausgewiesenen befinden sollten.

Bemelmans über den belgischen Kompromißvorschlag.

v. Paris. 19. Aug. (Eig. Drabtberichi.) Einer der belgischen Vertreter bei der Wiederautmachnngskommillion. Bemelmans. wurde über den angeblichen belgischen Plan befragt, nach welchem auf die deutüben Zahlungen Wechsel m:t Fälligkeitstermin zum 1. Januar 1922 gezcgen werden sollen. Er erklärte, daß der Entwurf berests der Londoner Konferenz Vorgelegen habe. Er wurde bereits du von Herrn Poincar^ abgelehnt. PoincacS hat 'einen Standpunkt nickt geändert. Er vertritt immer noch die Ansicht. daß ein derartiger Plan ein Moratorium ebne neue Garantien enthalten würde. Der belgische Dele­gierte betonte dann daß Belgien nicht die Absicht babe. in diesem, Punkt allein vorzugeben, sondern nur in über­ein st l tu m u n g mit seinen Alliierten.

Parmentiers Rückkehr nach Frankreich.

_ W.T.-B. Baris. 19 Aug. Die ..Liberi" erklärt, am

Quai d Qlsay werde die Nachricht, wonach P a r m e n t i e r vn, der sranzostichen Regierung zuriickberufen sei. für unbegrün- der erklärt Pormentier babe nur den Auftrag gehabt, die amerilannche Reg-crung über die Finanzlage Frank- reia/? anfzuktaren. Man legte ihm Fragen vor. de zu tea-tuorten er nicht in der Lage gewelen sei. Er kehre nach Frankreich zurück, um über seine Mistion zu. berichten und gegebenenfalls neue Wellungen für seine Reise, nach Washington su weiteren Verhandlungen über die Kriegs- schrldenfrage zu empfangen. T

Das Programm der 3. Völkerbundstagung.

I). Genf 19 Aug. (Eig Drahtbericht.) Das Programm der am 4 September beginnenden 9. Völkerbundsveriamm- lung Ml-rabt u. er. dre oerscbredenen Abän-derunLsarrträae »um Artikel 10 ., oas .Ausnahmegesuch Ungarns, die Ab- rustuiigssoage, eine Reibe Finanz- und Wirtschastssragen. u. a. auch die Notlage Österreichs. Verteilung der Kosten des Völkerbundes.und tEntaeaeaoafrme der Berichte der etuaelnen Ullterkommistuuea.

WM Mller iiker kiMMM.

Staatssekretär a. D. Dr. August Müller behan­delt in der Zeitschrift „Der Wiederaufbau" das Thema „Hungersnot und Konzessionspolitik in Rußland". Während eines mehrmonatlichsn Aufenthaltes in Rußland hatte der Verfasser Gelegenheit, sich mit Leuten, die dem großzügigen amerikanischen Hilfswerk nahestehen, über die Eindrücke zu unterhalten, die sie dabei gewonnen haben. Hierbei wurde ihm die Ge­wißheit, daß die Amerikaner sich zu einör Fortsetzung ihres Hilfswerks im kommenden Winter nur dann be­reitfinden würden, wenn die Bolschewiken zu politi­schen und wirtschaftlichen Konzessionen bereit seien. Wenn es also wirklich zu einer Einstellung der ame­rikanischen Hilfsaktion für die Hungernden, die bisher Millionen von Menschen das Leben gerettet hat, kom­men sollte, so würde sie durch die Hartnäckigkeit be­dingt sein, mit der die Bolschewiken einen Teil ihrer kommunistischen Grundsätze trotz ihrer verderblichen Wirkungen aufrechtzuerhalten bemüht sind. An Hand eines persönlichen Erlebnisses weist Dr. Müller nach, daß' die russische Regierung bei der Auswahl der Kommisiare in dem Hungergebiet weniger auf ihre Eignung zur Förderung dieses humanitären Hilfs­werks achtet, als darauf, daß diese Kommissare fähig sind, die in dem Hungergebiet tätigen Ausländer durch qin sorgsam ausgebautes Spionagesystem zu über­wachen. Die rusiische Regierung versucht eben, die Hungerfrage mehr als politische, denn als wirtfchaft- We Ausgabe zu behandeln. Trotz allen von der Sormet-Regierung unternommenen Maßnahmen kann nifrt.an.ü einer höheren Beftellungsziffer als von 50 Pr^HLKves Ackerlandes gerechnet werden. Und auch diese, Ksmeint Dr. Müller noch als zu hoch gegriffen. Die Ergebnisse der Getreideanleihe und die Beschlag­nahme der Kirchenschätze feien ebenfalls viel zu gering, um damit den notwendigen Einfuhrbedarf im'Aus­lande zu decken. Rur mit einer erheblichen Aus­ländsanleihe ist nach Dr. Müllers Ansicht diese verhängnisvolle Entwicklung zu bekämpfen. Er hält es daber für ein großes Maß von bedenkenloser Ver­nachlässigung des zentralen Wirtschaftssystems, daß die Bolschewiken sich weigern, die Voraussetzung für eine finanzielle Hilfe zu schaffen.

Zum Schluß behandelt der Verfasser nochmals zu­sammenfassend die Konzessionspolitik der russischen Re­gierung und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die bisherigen Erfahrungen, die ausländische Vetoerber in dieser Frage gemacht haben, gegen die allgemeine An­wendung dieses Mittels sprechen. Rur in Ausnahms­fällen und nur in ganz besonders günstigen Verhält­nissen mag es hier und da gelingen, landwirtschaftliche Konzessionen erfolgreich durcbzuführen, aber es wäre eine Illusion zu glauben, daß man mit landwirtschaft­lichen Konzesiionen allein die' rusiische Landwirtschaft wieder aufbauen könne. Das Problem der rusiischen Volkswirtschaft muß ganz anders ausgebaut werden, und es ist nicht zu ersehen, wie die Mittel, die erfor- derlich sind, anders aufgebracht werden sollen als durch eine Anleihe der paar kapitalskräftigen Länder, die es noch in der Welt gibt.

Erivrr- Pascha f.

... Mct Eciver-Boscha, bellen Tod in einem der letzten Kampfe in Turkestan gegen die Sowjetarmee aus London gemeldet wurde, ist ein Soldatenleben zu Ende ge­gangen. das nicht der Abenteuerlichkeit, aber auch nutzt der tragi!chen Große entbehrt. Dieter in deutscher Schule groß

f ewordene Knegsmann. der vor dem Kriege als türkischer niluaiGttacM in Berlin eine bekannte Persönlichkeit war. war i,o etwa- wie der türkische R a o o l e o n . destui faszinierender Persönlichkeit der Islam blinde Gefolgickarl leistete. Der iu<n nid licke Major, der 1908 dem Sultan Abd u! Hamid die Wiedereinführung der früheren Veriastung abzuang der im türkisch-italienischen Kriege mit ieinen Sennsti-Tnipven, den Jlrlienern ungeheuer zu sckiarsen. machte, und schließlich nach dem Balkankrirge als Kriegs- minüter Bizegeneralillimus und Schwiegersohn des Sultans die höchste tetufe der m’Iitn’-i'e&en Leiter erklommen batte, rerdankte diesen Aufstieg nickt zuletzt seiner Zugebüriakeit -um engeren Llusschuß der iungtürkiichen Partei an derm Soitze er zusammen mit den beiden, seiiber van Mörderbanio gefallenen Talaat und Diemal stand und mit denen er die Türkei an d'e Seite Deutschlands geführt hatte. Seit dem Frieden-schlulle hat er der Sowjetresierung schwer zu schassen gemacht.

Der Prozeß gegen die Mörder Dschemal-Paschas.

IV.T.-B Paris, 18. Aug. Havas meldet ans Baku'

S Vor dem Sckwnrgencht Baku begann der Prozeß gegen 180 erfüllen, die wegen Beteiligung an der Ermaroung , ch e m a l. P a s ch c s angeklagt sind. Bei einem Arme­nier namens 'e aichnak seien eine Anzahl Briese bcschlag- mrhmt worden, die eigaben, daß die Ermordung Dschemal- Paschas bere-ls vor de-'en Ankunft in Paris beicklosten wor­den war Das Verbrechen sollte erst in Paris, dann i» Berlin begangen werden. Es fei nickt bekannt, aus welchen Gründen, das Komitee seine Ansicht geändert und bei' losten babe. Dickemal bei »einem Auientbalt in Tülls töten zu lallen. Die Anüeklagten leugnen jede Schuld.