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Wiesbadener Tagblatt.

Mend-AusgaSe. Erstes Blatt. Seite 7.

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Die fliegenden Liebeslaternen.

Bon Alwin Rath.

Svät in der Nacht vilgerte ich zwischen düster ragenden, .unzähligen Kiefernstämmen aus der schmalen, zementgtalleu Fabrstrahe von Nikolassee: zum Klubbaus von Schwanen­werder. wo mein Segel schläft und von unseren Fabrten. vom brausenden Klatschen der Havelwoaen. vom schlererwer» schäumenden Gischt am Bug und von meinem bitzigswarren Reiben. Anreiben des Salttaues träumt. Ick aber träume von der dunkel brausenden Wasierstnsternis. die das breue Boot mit einem einzigen unheimlichen Schnauben, Bramen. Rauschen und Kochen der graulich schönen Sturmmonotome der Mitternacht umdrängt. Wenn das wie ein draufgange- rück wilder Schimmel ziebende Segel mit seinem nur ae- ahnten Weib, seinem weißen. platzend prallen Bausch das eiicktend vorüeischnaubende Schimmern der, dämonisch leven­digen Flutentiefe säst streift. Wenn ich rn der. Finsternis kaum die Richtung zu finden wein. Und nur die einzigen Sterne für mich Havelschifierchen da bmten von Schwanen, werder mit trübem Lamvendunst noch von der äußersten Landzunge nach Cladow zu mir leuchten.

Dock — setzt üebe ich still, unregsam., stebe und starre Es sind keine ewigen Sterne. Keine bimmelausmessende Licktglorie. nickt mal ein trüber Lamvendunst ist es. em

winzig Glutvunktcher nur. sin unscheinbares Leuchtvartiket-

chen macht mich starren und sieben —..dort abseits von dieser so ganglustigen Strahe brennt es grün ,m Finstern an ve^ Erde. Etwas vorüchtig tavve ick mick brr zu dem um oie Stadt des Leucktens ber io ganz ungewohnten Leuchten.

Und was ick mit einem kleinen Glück in der überraschten Brust zu finden botie — finde ick: eine: Kostbarkeit m der kablen Nacht des kahlen Berliner Grunewalds. einen Jobanmswurm. eine Durchlaucht, die am Grasbalm daunten. bei dem ick auf den Knien liege, sackt, hinaufkrabbelt. um seine Liebeslaterne recht bock zu vlacreren. zartlick-

zortes Flammen nickt unter den Scheffel zu stellen. Uber du kleiner Liebesglühender — lner glichst du vergebens.

Wie war das doch in jenen sommerlichen Nächten, in diesen gleichen dort in den unendlichen schwarzen nachts wie ieegrasschwarze Riesenschwamme an der Ostseekuste liegenden, wcstvreublicken Wäldern? — . .

Ein warmer Arm schlingt sich rn meinen, und um uns gaukelt die llatsrva wagiea der Jobannisfunken rn unend­lichem Gewimmel, dab man bin und wieder im leomalen bleichen Gesicht nebenan die zarte Freude des Sebens »Lauen

folm ilnb wie der Verliebte bie: ietzt auf meiner Sand ruht, io trug ick sie damals wie glühende Liebesbeteuerungen. wre funkelnde Rinsiteine auf meinen staunenden Fingern.

Wenn ick letzt aber naturforschend nüchtern schnüffle -'.ach der Latema magicai nickt IN den Augen, wie em Poet annebmen könnte, worauf er schworen wurde, glubt die zgrr sänmmeriide. smaragdiie Liebeskraft. nickt auf der Stirn des kleinen Kraübelers glimmt das Racktvanier der Verlockungen sachgemäß strablt es an dem vaarungstollen Sinterleib, aus zarten, schimmernd bellen Ringen.

Was ick beute im Erunewald vergeblich suche — damat» uabmen es meine nickt recht glauben wollenden Augen wam. wie Lberzierlicke elektrische Birnen bing es an den Blattern der düsteren Ostleewälder. D,e vbosvboreszierende Illnmn Nation wurde selbst von dem winzigen Gekribbel der klemm Eier fortgesetzt, war eme schimmernde Erbschaft, von den Leuchtmüttern übernommen. Als batten die Kruder, tags­über glitzrige Glasperlen beim «vielen verloren wars-.all onzulckauen. dies vertoickenoe Guiben im entfacheiiden Leben.

Wie ernüchtert aber ist der Tckönbeitsduseler. wenn er die Geburt der glitzernden Glasperlen hebt: Larvem baßlick wie Kellerasseln bäklick. — und das ..schone Geschlecht orefer Art bleibt sein ganzes Leben so — nur die Männchen erheben üch auf dem Lurus der Flügel rn das Weben der liebes abenteuertollen Lüktc der Nackt

Und reue scheußliche Larve - ne ist eine Wegelagerm über die Säuserschlevver - über die auf'

Schleichenden, über o,e armen weorlosen «wnecken fallen ne her und stellen eine Freßorgie am dan ste meist, von dem SÄleim der vergeblich ück ibncn Entwindenden gänzlich ver­klebt sind und von der daran haftenden Erde vollständig ver­schmutzt werden. Aber mit dem ans äugenden Pmsel des Maulos weih stck die Mörderin io geschickt zu reinigen daß man sie vielfach früher nur für eine harmlose Eeovvagm. cine Erdschl'.ickerin. gehalten hat — so. a la -^^nwurm. Auch diese den Winter. Eis. Frost und klirrende Sagelsturme klug durckbalienden. leuchtenden Phosphorroschen — drels jungen Larven, ia auch sie schleppen schon ^n Eliitofen ihrer Liebeszeiten mit iick --- nur halten ste noch klausnerlstb..'bre Liebeslaterne zur Erde gewandt, so daß ste nur ein der gelegentlich entdecken kann. .

Was indes stnd dies: glimmenden Glasperlen unserer Äonen gegen die flammenden otern: der oconerfliegem die sich die Eingeborenen der westindlicken Inseln. aus .der Luit schnappen! Man stelle iick vor. es komnst emem em solcher, säst nacktsarbener Kerl entgegen — mit Funken.zwischen den Äeben der vorantrampelnden Fühe. Funken lm S aar -funken im Robr der Feuerbückie ältesten Kalibers, mit der er lagen

"^E'Aber was diese Halbwilden lockt lockt nickt minder die Kulturraiiinesse der zu Bällen und Tanzen trippelnden Damen aus Kuba und da herum, die als.seltsamen, magisch glühenden Schmuck die sogenannten /vanzos m das weich« Seidenaeioinst ihrer Locken verwickeln. Aber auch m die Spitzen und Seide,iflore der Lustkleider ^den die kleinen Glutsterne vernestelt — und das Leuchten und Glitzern dieser lebendigen Edelsteine ruft, wie^ich's mit überrascht staunen- den Aiiaen sab eine säst zauberhafte. an V.l 7 emanze uno oer- ertiae schöne Ünglaublichkeiteii erinnernde, namenlos ickone Wirkung und phantastische Jllunon hervor.

Damit aber die an sich wahrlich mÄt schonen 4-rere oas vorher beim Tanz imbalbverdunkeltenSaale ^^buMS- m,erte Auge beim vollen Lickt der natürlichen -öeteuwiimg nickst erschrecken, verbergen die gestluck en braunen Kuba­nerinnen sie in duftigen kleinen Tullavplikationt-n.

Mit der kleinen Brutalität diese: .-Lotzen betestigen ne auch eine Art dieser Erleuchteten einfach auf die Wmst dah he diese an der Stelle zwischen Nackenschnd nno ^ovr durch eine Haarnadel in rbrem Haar sestklemmen! Schau­dert s euch Europäerinnen mckt^ — Und dort batten vi i merkwürdigen, für das, Auge emes Neuangekommenen Euro­päers gewiß nicht alltäglichen Schmuckstücke auch den imwar

>en Svitzenschleier mit fest. . > aleißende

„ , Man muh es ge,eben haben, wie wunder-oll gteigenoe kleine Kolibriicderchen im Bund mrt Dlamanren meir Nahrhaft ..erotischen" Haarschmuck auf das stilvollste veiv

Wandeln durch den Nächtlichen Park mit beihen Wangen scheinen unter ven duftenden Manoeivaume» und den grandiosen Silboutten der ricstgen Palm«nfaÄ«r tN den schimmernden Nacktlüsten die ln den weihen Mus eum Neidern leuchtenden Tierchen die Slrablen des udlicben Mondes zu veilektieren. — Und der eigenartige Kovwu» m»

in dem nachtickwarze« Haar dieser temperamentvollen Frauen einen so bestrickenden Glanz, dah er mit der avarten Schönheit dieser bleichen oder braunen Lustwandlermnen verführerisch barmoniert. ^ . . — . . -

Natürlich ermatten die Karer. die keinen Wern trinken, keinen Keks knabbern — auch nicht an ihren kleinen Maulern mehr zusagenden Delikatesten sich in ihrer Tullgeiangenschait und unter dem kuriosen Lock der Haarnadeln eramcken ton­nen. bei längeren Abendgesellschaften. Jbr zierliches Lickt wird müder, welker — und bin und wieder verlischt es

^Eigentümlicherweise aber braucht man sie nur ein wenig ..auszurütteln", d. h. ein wenig zu fLutteln und ste er- sirablen gleich wieder im alten .Feuer ' Nack Rückkehr au^ der Abendgesellschaft werfen die Damen dann^ die, aiw den zarten Tüllmaschen befreiten Tiere in e,n Gefab mit, Kaiser, wo ste sich bald nach einer kleinen Schwimmtour wied-r er­frischen. Daraus wandern ste in ihren winzigen Drabtkaiig. Dort ergötzen ste sich die Nacht durch Spielen und Saugen an den bineingesteckten Zuckerrobrstiickchen.

Recht lebendig tummeln sic nach ..getaner Arbeit um- ber. lassen ihre beste Laune strahlen und verbreiten aus ihrem Käfig wie eine brennende Nachtlamve ringsumher eine milde Helligkeit im Zimmer. _ . . ,

Es klingt wie ein reizendes Märchen, und dock, berichten wistenschaitlicke Reisende, dast bestn. lohenden Kaser auch Nordamerikas das Licht tarfächlick stark genug sei. um dabet das feine Tvvenwerk :n dem Zeilengegitter einer Zeitung entziffern zu können. ^ ^

Wie Schwärme von glühenden Meteoriten fab Osten- Sacken unzählige Lightning Lugs zum Himmel emvorstelgen. Tiere, deren Leuchten in ..einem wahren Blitzen besteht und deren Glanz in der Hand ..ein wirklich blendender ist. Der Sckiilderer des eigenartigen Licktschauipirls befindet M M einer feuchten Wiese in der Rübe der Stadt des Weihen

Hauses. ..Gleich nach Sonnenuntergang steigen „Tausende von

Käfern senkrecht auf. fliegen eine Strecke seitwärts, wahrend ste stck ein wenig senken, um dann wieder auszusteigen. Da sie bloß beim Aussteigcn blitzen, steht man die Menge nur >mmer steigen — und zwar sind es nur Männchen, die bei ihrem Fluge den Körper senkrecht halten, so dab der Hmter- Icib wie eine Laterne herabbängt. — Von Zeit zu Zerr schwebt das eine und andere unbeweglich. wabrscheinliÄ. um sich nach einem Weibchen unten,m Grase umzuschauen.

Also in Schwärmen wie rn umeren Hovelufern dre Stare in rirstgen schwarzen Wolken abends vorbeibrausen, möge man sich diele Naturerscheinung vorstellen. um stck em ungefähres Bilk von dem grandiosen Phänomen machen zu können. Rur dah man reden dunklen Flatterpunkt dieser dusteren, amöoenhaft ihre Riesengestalt bald zuscmmenzienen- ken. bald auselnanderschweminenden Pogrlwolke nn enn gtc»>n- zcndes Bijou verwandelt denke» muute. & *. •

Ein Pieudolaternenträger ist außer dem Jobannns- würmcken noch auf unsere» golden blühenden, sommerlichen Wasserlilien und auf den breiten, weih blühenden Blumen­ständen der Schafgarben zu Hause. Wne dne Llnesticben und surinamiscken ..Laternentrager" mit den langen zarten »orn- tüten vor der Nase, bat er aber nicht die schone Fähigkeit, seine Nase erstrahlen zu lasten, erglühen -»u lasten vor Liebes- trunkenbeit. trotzdem sie tm Verhältnis zu dem Kerlchen ganz respektabel ist. Seine Nase bat nichts von emer Bordeaur- nase an sich, sondern ist nüchtern, falb, strablenlos wie die eines Antialkoholikers, eines Blaukreuzlers.

von ^och^eiten und Aindtaufen in der „guten alten Zeit".

uns die vielen obrigkeitlichen Verordnungen gegen die immer snebr überbanünehmende Üppigkeit und Volleier auf »solchen Festlichkeiten binreichend Auskunft. So bestimmt eme Ver­ordnung iür die sächsischen Lande (die heutige Wrovmz Sachsen) aus dem Jahre 1r,40. dah Pfarrer und Beamte usw.. wenn sie iur sich oder für eins ihrer Kinder eine Sochzeit an- rickten. ste nickt mehr denn secvs Tiicne. den Tisch zu zwölf Personen gerechnet, aufstcllen und ste zur Morgenmahlzelt nickt mehr denn sechs und zur Abendmahlzeit nickt mehr denn iüni Gerichte geben dürfen. Ähnliche V-rordnungen gegetz den Aufwand bei Verlöbnissen. Hochzeiten und Kindtauien

erliefe der Herzog Heinrich Julius von Braumchweig cnr Jabre 1594. die Stadt Braunschweig,m Jahre 1608- der Graf von Stolberg und der Rat von Wernigerooe. 1o94. Aber da besonders in den üöbercn Stünden dce Uvplgkett nickt auf- bürte wurden auÄ in den unteren Ständen di>e ..Krö­nungen" sebr lässig befolgt und mutzten immer wreder er- neuert und verschärft, oder auch, was ^Slstiger vorkam. tiM«r neue Konzessionen gemacht werden bestimmt die Ord-

mma“ her Stadt Munden von 1610. dab bei einer grogen ' Hochzeit vierundzwaiizig. bei emer kleinen "wrzebn fische zu ie zwölf Sitzen aufgcitellt werden dürfen. Auf den Hoch-

einem eigens.für ne ae dermaßen, dab der Rat

Bewu§tl^igkeit^^war"beiMolchen Gelegenheiten^ derart^sm

b°betrusen^die^Hockreitskost-n 'eines Hiittenv.erwalters in der Grafschaft Stolberg vierhundertzwelunddrelbia Taler und neumebn Groschen, nach heutigem Geldwert etwa, zwoli- tauiend Mark, und das in emem Jahre, wo der Krieg schon vierzehn Jabre lang das Land verheerte und in dem., wie es in einem Bittgesuch an die Königin von Schweden he,ht. ..die Menschen stck selbst zu sechs oder acht an. die Pfluge spannten. Gott erbarm'-! Oft war wegen der vielen geladenen Gaste stn Brautbause nickt Raum genug und die Hochzeit muhte dann in mehreren Häusern gefeiert werden und ste kostete oft viel mehr als die ganze Aussteuer der Braut betrug. Ein­zelne Städte, wie Hameln, bauten iur ihre Burger eigene geräumige Hochzeitsbäufer. Die Brauergilde zu Hildesbeim — io schreibt die Zeitschrift ..Niedersachsen (Verlag O. Sckünemann. Bremen) — erkauste sich das grobte Haus der Stadt (1544) ru einem Gildehans' das arobe Hmtereeboude aber wurde »u einem Hochzeitshause für ihre Mitglieder ein­gerichtet. Die geladenen Gäste liehen vielerorts ihre Kinder --ui die Hochzeit Nachkommen und erhöhten so kistigerwelsr >'ie Zahl der Gäste, bis auch hiergegen strenge Verordnungen

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■ te ottöl oer VSUlie. ui» uuui ineiueBCU lucnue «cujiuhuiibhi crlasten wurden. Am Tage nack der Hochzeit muhte ,n manchen Städten der junge Ehemann au? dem Ratbause er­scheinen und beschwören, oah alles nach den ..Ordnungen zu­gegangen. und falls er dies nicht kannte. Hobe Strafe erlegen. — Welcher Aufwand auch Le, Kmdtauien getrieben wurde, davon nur ein Beispiel: Hans von Schweinichcn batte zur Tauie seines Sobnes 21 Paten und 8 Patinnen geladen. Die Feier dauerte 8 Tage und wurden auf derselben verzehrt: 1 fetter Ockie. 2 fette Schweine 2 Spanferkel. 5 Kälber. 9 Hasen. 30 Hühner. 30 Hechte. 15 Karpfen. 11 Achtel.Sckovs. 16 Scheffel Hafer, für 5 Taler Würze. 3 Eimer Wem. zwei Achtel Bier, für 20 Taler Sahne und anderes mehr.

Die erste Liebe.

Von August Kinsky.

Als Prinzessm Valerie von und zu Löwenfels 16 Jabre alt war. durfte sie zum erstenmal ms Theater gehen, w sah mit ihrer Gesellschaftsdame in der Hoil^eaeMert E lichen Soitheaters zu Xstadt und war Elo- begeistert w den Bildern der ..Hermanmchlocht. Der Aufmarsch re- Rümerheers versetzte ste in Entzücken. L^s waren alt die simplen Dereinsauffübrungen und, Woihltatigkertsemakter gegen dieses gewaltige Schauspiel. Und Prinzessin Bai freute sich, dah es ihr nunmehr vergönnt sem wurde, orier ins Theater zu kommen. . „ . ...

Vetter Fritz aber wurde von der PrinzeUn beiseite ge­nommen und himmelhoch angeslehi... es doch zu ennoglichen dah sie all diese Menschen und überhaupt den ganzen Bühnetzbetrieb einmal hinter den Kulissen kennen lernen könne. Vetter Fritz -warnte mit erho^nem. Zeigenng-.- Aber es half nichts. Fritz hatte 'seMtverstandlich Komiexrw nen im Tbeater. und als sie nach emigen Tagen wieder die Sevmannschlacht aufführten. wurde von der kargen Sand des Theaterdirektors PrinzMn Valerie vE Uiid zu Lowew fels in einem einfachen Kleidchen zwischen die Komparierc gemischt, mitten unter das Theatervolr.

Valerie stand ganz rückwärts, wo hie Treppe^ .öu« Schnürboden mündet. Da.fiel ihr Blick auf einen romcxben Krieger, einen lhockgewachsenen Mann. Gebannt brng oer Blick der Pri: »essin an der stolzen Erscheinung, brs endlich der Mann feinen Mick au, ste wandte. Er mEkeme Be­wunderung. die aus den, Blicken Les lviahrcgen Mädchens sprach, bemerken, denn em leichtes Lachälntrat am seine Lippen. Mit nachlässiger Gebärde hob er seine Lanze., legte sie über seine Schulter und schritt an Valerie vorbei. die gar nicht wußte, wohin ste den Blick wenden sollte. D^ äemB teten Hände aus das wildklopfende Herz sevreht. bl-cktesie dem Mann nach, der hmtcr einer Kuliste verschwand. Was waren alle die Herren ihrer Bekanntschaft gegen vieken Mann! Hermann mit dem Klemmer war ja mt M Schatten gegen diese wahrhaft fürstliche Fmur! Und dlcser MuTtd. dik's-e Lipipen! Valme fühlte d«H hekftrse Derl-crrvgen. nur e'.n einziges Mal diesen Mund zu küssen, den Mund mit 1>en versengenden Augen darüber. , f 6v . s

Da nabte sich Valerie em kleines Mädchen, ofei Ätni» irgend einer teutoburgifchen Germanenhausirau kostünuerL und überreichte ihr einen Zettel. H,asti« Äf^te Valene das Drieflein und las: ..Geehrtes Zr-aulern! Der römische Hauptmann bittet darum. Sie nach dem Tbea^r Mieder^, sehen zu dürfen. Vielleicht vor 10 klhr,an der Ecke der Promenade?" Valerie blickte umher. Kem 'Mensch war M sehen, niemand batte es bemerkt. Bon oben ber nabte ied<ch der Zug der römischen Kohorten, vermischt mit Junglnigen und Jungfrauen vom Stamm der, Cherusker. Der romstche Hauvtmann trat mit einigen feiner Koller aus errmn Seltenraum und rief seine Kohorte, zu stch deE. Da Mrr unter der weiblichen Komparserie eine blonde, kurzseschurzte Dime, die schmiegte sich vertraulich, an dm HauvrmMN. Valerie fühlte eine glühende Eifersucht m sich. emporwallen, war es doch ihr Hauvtmann. Aber eu«rgisch schob der Römer die Germanin weg. zur Freude der kleinem Prtn-

*3n diesem Augenblick dienerte der Thsaterdirektor her­an. stck mit einem tiefen Bückling darnach erkundigend, wie stch Ihr« hock,fürstliche Durchlaucht zu amufieren «erubten. Valerie fühlte das forschende Auge des Römers auf stS ruhen und wurde verlegen. Dann sprach ste emige Worte, fand alles äuherst amMant und belustigend und war ftotz. als der Direktor plötzlich mit einem unterdruckten Fluch fpomftreichs auf- und davoneilt«. weil der Aufmarsch des Heeres in Unordnung zuseratendrohte.

Valerie blickte an, ihre Taschenuhr. Um 10 Ahr stand iür Wagen an der Vübnentür. und dann war es vorbei.

Rings um Valerie wimmelte das DoU der Buhne, vom Zulchauerraum her ertönte der Einzug-smarsch der Kohorten, im halblnuteii Gespräch standen Hermann und die,anderen Stammesfürsten, wäbrend Quintrlius Valva emsig m seiner Rolle blätterte. — Da war der Zug zu Ende, „und die Statisten lichen zum Wschminken. Auch der Römer eilte rasch die Treppe zu den Garderoben empor, emen kumen. aber viel'agenden Mick auf die Prm»eMn werfend. Valerie

Bon ^den Kirchen 'der Stadt tönten drei. Glockenschläge — Uhr. Sie hatte eine Viertelstunde Zeit bis zur An­kunft der Equipage. Der Römer konnte ste ia auch nicht -kennen in ihren, einfachen Klerd^n. Und da war oMf gleich hinter dem Tbeater der Anfang, der Promenade. Valerie schritt im Schatten eines . Gebuschs auf and ab. Nervös ritz ste einen Zweig von einem blühenden Strauch und zerpflückte ihn. Wo blieb nur.der Rümer? Und er kam. Ein dunkler Schatten erschien m der Bubnentur und schnellen Schrittes kam eine hohe Gestalt auf die Anlagen zu die letzt vor Schluh des Theaters noch menschenleer wären. Als der Mann unter dem Lichtschein einer Lawine angekommen war. bemerkte Valerie, dah er Unlfmm trug. Ha. und jetzt bemerkte ste die gelben Aui sch läge des Kuraster- regimenks auf den Schultern der Litewka. Fort. „ Aber wohin! Hier ins Gebüsch! Utzd zitternd veKeckte.nch die kleine Prmzessin in einem Emstergebusch. Ein Kuramer! Und ihr Vater war der Oberst und Vetter Fritz Leutnant und Onkel Gustav Rittmeister in der 3. Schwadron m der Hauptstadt. Der KürMer suchte emsig., blickte eifrig um­her. sah aber meniand. PWtzlich kam em Mädchen geeilt, die mit dem lauten Ruf: »Emil, hier bm ich! auf den Vaierlandsverteidiger mit den gelben ^Aufschlagen zueilte. Der blickte sich um. und sichtlich zögernd' schlitt er dar Her­ankommenden entgegen. Und wieder durchzuckte eisiger Schreck d-e arme kleine Valerie. Das war ia Babette. ihr etaenes Mädcken. die Heine Babette. die immer 5o zerstreut war und fortwährend abends zu ihrer kranken Tante muMe. Und schon waren der edle Römer und Babette im Dunkel des Abends verschwunden. . , .

Schnell eilte Valerie über den Platz zmuck. und in dem­selben Augenblick, da sie am Bübnentürchen ankam. rollte von der Hauptstraße her die fürstliche Eauipage rum IM: Destäc Fritz, saß darin und begrüßte ste. Na.

wie war's Kusincken?" fragte er forfch.end. ..Man Mw kimtcr die Kulissen gucken, wenn man nickt absolut mutz. Vtinzessin Valerie aber war gegenteiliger, Meinung.

Es hätte sie furckitbar interessiert.-Und eine Stunde

später kam Babette von ihrer kranken Tante. Sie se, auf dem Weg der Besserung, meinte'sie auf die mitleidige Frage der PrinzeMn. stutzte aber, als Valerie fragte, ob die Tante vielleicht die Gelbsucht babe. ,

Mit klingendem Spiel zog am nächsten, Morgen die 1 Schwadron der Kürassiere am Palais vorbei nach de« Ererzierolatz. Und auch der Römer war dabei. Valerie er­kannte ibn sofort. Fast un'bemcrkbar lächelte er zu emem Fenster des Valais. Valerie dachte iabrelans darüber nack. « der Gruß ihr oder Babette aeLolten hat«.