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Montag, 7. August 1922.
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Abend-Ausgabe.
Nr. 363. ♦ 70. Jahrgang.
| Frankreich; RetorsionEatznahmen.
£on$Ott Wieder ein Provisormm. I f?* opa i k enMidenden Sefiriite zur Abrüstung ge 2 oSriJt^r ** Herrn Pomcar. für die %*#»?*
fritmL' CK,t5 r, 8C ? a,ft dastanden, fiat der Evenmg Post«: Es ist Europas Pflicht f^elnziae fr^ Lumfterprcdsloent noch jenes Schriftstück ^ e 9> wie es seinen Kredit und das Zutrauen Vr
Reto-fionsmahnahmen S Kraft wieder erlang kam: fein? AuLbe7 chnzu L
K' Damit lernt man ;etzt wieder eine neue Vokabel. ! ken und den Einnahmen Retorston ist im Nahmen des Völkerrechtes die Er-
Zle iteffnüfls Der londoner loiifereoj.
ffiberaitg einer Unfreundlichkeit durch eine andere Beide Staaten bleiben dabei, wie die Meister des Völkerrechts lehren, im Rahmen des Rechts, io kennt man verschärften Paßzwang, Retorsionszölle als Bei Ipiele. Poincarö betont damit also d-,» avi.t7,*r„„i
SrriÜn b b6 + ®J nnc ^ me ' n anzupassen,' reinen Tisch zu den Ausgaben für Heer, Flotte und ?xtS- C v? n Ä e Überflüffigkeiten: die Saat des
der Furcht zu vernichten; Ratinuln^ Zutrauen rmd Wohlwollen zwischen den --ationen zu pflegen. Mit einer solchen Erklärung
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t?X abe jJ eT . Jurist PöinH gibt gleichzeitig.zm da/> Deurschland nicht das Recht verletzt hat. Frank- ÄÄJ 1 “" ß l ne fiteres einige Bestimmungen des Völkerrechtes außer Kraft, und es ist im Augenblick schwer zu sagen, inwieweit sich diese Retorfionsmaß- napmen m der Praxis auswirken werden. Warnen mochten wir allerdings vor der Anschauung, die beispielsweise der „Vorwärts« vertritt, daß es sich hier nur um kleine Maßnahmen handelt. Bedenken muß man ferner, daß letzt schon weitere Maßnahmen, wie "schwerwiegender Natur", angekündigt wer- den Chicago Tribüne« will sogar wissen, daß es sich bwrbei ^ um die Beschlagnahme deutscher chemischer
ttH'rÜ U Wo e s Cn ^ Ut rr fc ' ! l- im besetzten Gebiet handeln werde. Man darf allerdmgs annehmen, daß Poincarö ^rder Verhängung dieser neuen Maßnahmen zunächst einmal abwarten wird, wie die Dinge in London mulen. Hier wird der französische Ministerpräsident mit allen Mitteln für seine Auffassung kämvfen und { man der „Opinion« glauben darf, „im
Vollbesttz seiner ganzen Stärke, kampfentschlossen, voll Zuversicht, daß die strategischen Vorteile auf seiner Seite sind", nach London. Die Frage ist nur mas.er in London erreichen wird und wofür er dort zu .ampfen gedenkt. Tritt er noch für eine internationale Anleihe ein, von der er doch erst kürzlich im betont daß sie für die französischen Finanzen erlich sei? Ausdrücklich erklärte hier der fran- Ä ^? ^^erprasident. daß nur eine Anleihe an Deutschland Fankreich die Milliarden verschaffen fr 5 ^ürfe, daß aber Zwangsmaßnahmen mi besten Falle nur ein paar 100 Millionen ergeben wurden Herr Poincarö kennt natürlich sehr genau die Bedingungen der Bankiers für eine solche An leihe: Herabsetzung der Reparationssummc und Ver ^icht aus Sanktionen. Der Weg, den er jetzt geht, ist sreilich geeignet, die letzten noch bestehenden Möglich keiten für eine solche Anleihe zu vernichten.
Man darf in der Tat annehmen, daß die Mark- MEstrophe die Londoner Konferenz beherrschen wird und oaß tatsächlich die Orientwirren für eine spätere Besprechung zurückgestellt werden. Der Sturz der /f arf 'st derartig katastrophal, daß man in London «eine Augen nicht vor den Folgen verschließen kann. ^^..Eu.d^und ist verschiedentlich erklärt worden, die zerstörten Gebiete Eroß-Britanniens seien bie' in ifirer Kaufkraft geschwächten Märkte. Man fft daher vor allem immer wieder um. die Herstellung dieser Acarkte bemüht gewesen. Es ist ferner anzunehmen, daß mmr auch diesmal entschlossen ist, für den Wiederaus van des deutschen Marktes einzutreten, nicht, was immer wieder betont werben mutz, um der schönen deutschen Augen wegen, sondern aus egoistischen Be- mvggründen heraus. Die sehr objektive Rede des bri- uschen Schatzkanzlers Sir Robert H o r n e war ein bemerkenswerter Auftakt zu der Londoner Konferenz, der auch in Paris nicht überhört werden konnte. Rur wird man sich darüber klar werden muffen, daß man in London das Problem der Reparationen, auch bei
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Till d^ndpumt nt durchaus zu verstehen, nur ist das ^ruEstchkigen daß die amerikanische Hilfe. ' ^ vicht eines anderen besinnt erst
m hS? ^rrt' “ enn ^ät ist. Denn wo- amerikanische Weigerung be- Lmmtö S.raße fuhrt, zeigt der neue Vorstoß Poin- ^ Deutschland. Und deshalb sollte man ich
^L?mvrikn immer wieder die Frage vorlegcn ob es nicht andere Arten gibt, um einen Druck auf Frank- ^ vorerst wird man sich freilich da-
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u Dre Al'sglcahsamter von Paris und StraüLu^i m«. den amgefoidert. bis auf weiteres i?5Vr
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entnommen werden, das auf franämckiem trolle lÄt" Ift 0ÖCr m un,ter k-anEfcher Kon-
an das deutsche AuraleiLamt über äu SvIt Tr auskuset^ Rutschen Eigentums in Frankreich
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für oie deutschen Revarations.zablun«en :lgien sofort Revaratio-
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5. In. den Devartements Mofelle. Haut-Rbin „„8 3ibnt iöer^n sofort Mainiabmen zwecks
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Mcchnabmen, die ' um praktische
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dem besten Willen auf englischer Seite, keiner endgül- bätte.^Das für die Regelung '«?') v «* * 1 ^ 1
bgen Lösung zuführen kann. I zählte A*^
. Schon die Balfour-Note weist sehr klar daraufhin, ’ Mittlung besonderer Ämi- 1 - ' urch, Bcr.
M der Schlüssel zu dem ganzen Problem in Washington liegt, denn die Kriegsschulden der 'Alliierten sind ein sehr wesentlicher Teil des Repa- vatwnsproblems. Solange die Frage der interalliierten Merfchuldung nicht erledigt ist, ist auch eine endgül-
Losung des Reparationsproblems unmöglich. Das , '•• j™ «<h vre »«.-reinigung öer
^50 das die Balfour-Note in Amerika gefunden hat. sch°^d^MS riS 1 *» bi ? nSbri
L'A °ber. daß man heute in den Vereinigten Staaten | gress?v5
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Lstlg die Erklärung abgegeben, daß die Bereinigten Drabtbericht)
Staaten nicht eher zu Konzessionen in der Frage der ^ngokoimmsiar r... -
interalliierten Schulden bereit seien, ehe nicht in I L ö
Eläubmer feien'" v^rflubiot' gewe^"auf^m
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deutsche Reoielunü bebe den Beriuck 'Wbren. Die
rung des FriedevSvertrages in buno tze Durchfüü- Ausgleichsämter zu sabotieren wie Tatiotent der
habe, sich den Revarationsb-ftimmungen^«'^»^^ bemüht mal. werm es sich um die TereiuäMna b-k L^^eben Jedes- ba.be die deutsche Regierung bandelte
Dadurch sei die französilche 'R«Nei-üÄ^u5?.sitelten vermehrt
ff. Paris, 7. Aug. (Erg. Drabtbericht.) Poincare tl.30 llbr vom Rortchihnbof abgereift. Er mar begleitet von dem Finanzmtniitcr de Lastenrie.
ber politischen. Angelegenbeiten im Äutzen- mmistttium dem Finansdirektcr Tonnerv. dem iuristi- wi AutzenmimÄerurm Frommagot. dem 'ffvfvsimvektor Marge rr.« und dem Sekretär der Bot- Maiftg1 1 sowie einem Dolmetscher. Der Autzenmmster SLanzer und der italienische m^ksiminister Barator 0 sind cm glichen Zuge von ,.^5^^^bist. Ein bedeutender, wenn auch diskreter Ord- nn..gsd,enst war organLiert worden, der von dem Pariser Polizeipraiidenten veriönlich geleitet wurde. Porncarö ist ge.tcrn abend um 7 llbr in London angskommen. Von Dover vis nach London rerste er gemeinsam mit. dem belgischen Die Unterhandlungen werden in Dover um 1 0 Uh r v 0 r m l t t c ß s, eröffnet werden.
.Der ..Petck Parrsien schreibt. Poincarö habe am Freitag zwei Stunden lang mit den Direktoren im Ministerium des Nutzern über den französischen Reparat r 0 nsvlan . beraten. Das Blatt glaubt zu nnüen.
-I"clir<kpaks. besonders fite einzelnen Maßnahmen gekenn- zetchnet. ow die französische Regierung ergreifen wolle, um eine Sanierung, der deutschen Finanzen zu er- rerchen. sowie die wirksameren B ü r g s ch a s t e n. die sie für die Zukunft fordern werbe.
.. T-er ..Jrtransigeant« glaubt. Poincarö werde mit der völligen Zustimmung aller Mitglieder der französischen AS- Lcordneten m London verhandeln. Man will außerdem wissen, datz der belgische Minifterpräüdent in London einen neuen Revarati 0 nsv l an vorlegen wird, den er schon seit mehreren Wochen bearbeitet hat. Er wird darüber am Montagvormittas noch vor der Eröffnun« der Konferenz mit Poincars sprechen.
../•M- 2ott&o3t, 7. Aug. (Drabtbericht.) Die Mitglieder der.franröstschem belgischen und italienisch^ Delegationen zur Bcsvrechung der Reoarationsfra«e in London Und gestern abcnd in London eingetrofsen und von Lloyd George und Sir Robert Sorne begrüßt worden. Die erüe Sitzung soll Mvntagvormittag um 11 llbr ktattfindem. Alle Versuche, eine Unterredung mit V»inrarö zu erlangen, sind, wie Reuter meldet, feblaeschlaaen. S ch a n z er erklärte u. a. Vrrsseoertretern gegenüber. Italien habe die besten Absichten. Deutschland zu helfen, koirne dabei aber nicht seine eigenen Interessen opfern. Iasrar erklärte im Namen der Moratorium für die sei keine Lösung., d a Bel nenbrauche.
. JBttris, 7. Slufl. Der Londoner Berichterstatter
des ..Petit Parrsren berichtet, daß die belgischen Minister Theunrs und Jakvar gestern schon eine lärme Unterredung mit Lloyd George gehabt haben. Mit BoincarS werden he sich heute vormittag vor Beginn der ersten Sitzung des Obersten Rates, die auf 11 llbr festgesetzt ist. begegnen.
W. T.-B Paris. 7. Aug. Der Sonderberichterstatter des ..Petit Parrsren meldet, der englische Schatzkanzler Sir Robert vorne sei vor etwa acht Tagen beinahe so wert jciroekn. seine Kollegen von einer weitgehenden L i a u i d i e r u n g s v 0 l i t i k zu überzeugen. Er habe gewünscht. daß England seine Forderungen an Deutschland und an seine Alliierten anfgebe. Sir Robert Horns sei aber auf den Widerstand Llovd Georges und der Mehrheit seiner Kollegen gellotzen. und so sei die Rote Balfours entstanden. Bis zu diesem Zeitounkt scheine die Absicht der französischen Regierung gewesen zu sein, einen doppelte» Plan Li' London rorzulegen. In erster Linie bade man die deutsche Schuld in dem Matze hetabsetzen wollen, in dem, die gegenseitigen Kriegsschulden komvensiert würden. Ein nach dieser Richtung vorgelegter Plan des Ministers de Lasteyrie habe die Mehrheit des Kabinetts gefunden. «Das ist der von der „Ere Rovvelle" angekündigte Dlam der also nach Ansicht des ..Petit Parisien« jetzt fallen gelassen wurde.) *
Der zweite Teil des Planes bestehe in den Maßnahmen, die Deutschland jetzt aufgezwungen weiden sollen. Rach Erscheinen der Balfourscken Note habe Poincarö. der im Anfrng noch gewisse Zweifel über die Ovvartrmität der Festsetzung der Schuld gehabt habe, erklärt, dieser Plan müsse nunmehr ausgegeben werden und man könne nur noch an die Kontrollmaß nahmen denken. Unter dieser Umständen sei votauszuiaZen. daß man die Frage der Fest- setzung der Schuld beiseite lassen werde und nur über die Maßnahmen diskutieren werde, die jedenfalls Poincarö schon beute vormittag vorzuschlagen gedenke. Diese Maßnahmen wiederholt das Blatt, indem es sagt: Beschlagnahme der deutschen Zolleinnahmen und der ausländischen Devisen, die sich aus der Ausfuhr ergeben. 26vroz. Abgabe vom Kapital der deutschen Jndusttirgesellschaften.
Reichskanzler Dr. Wirth über die Wirtschaftliche Lage Deutschlands.
Br. Paris. 7. Aug. (Eig. Drabtbericht.) Der ..New Bork Herald« veröffentlicht eine Unterredung seines Korrelvondenten- mit Reichskanzler Wirth. Der Reichskanzler führte ungefähr folgendes aus: Deutschland könne
unmöglich seine Geldzahlungen weiter leisten, da ihm sein« Borkriegseinnahmen nicht mehr zur Verfügung ständen. Nach oam Verlust der deutschen Handelsflotte, der Verminderung der Produktion und Beschränkung der Absatzgebiete betrüg« die deutsche Einfuhr nur noch ungefähr 30 Prozent der Vor- kriegseinfubr. Die Geldzahlungen singen aber von der Einfuhr ab. andererseits müsse Deutschland augenblicklich 38 Dro- zeut lemes Brotgetreides einführen, statt 28 Prozent im Jahre 1914. Deutschland könne seine Zahlungen nur dann fortsetzen, wenn es eine internationale Anleihe erbalte. Man mache stch im Auslande eine falsche Vorstellung. wenn man glaube. Deutschland brauche nur neue Steunn emzumbren. um große Summen an Geld zu erhalten.
Die Entwertung der Mark sei derart groß, daß das Ausland die gesamte deutiche Jndusttte für wenige Milli- Ä‘ tw^ nc ; Sas teäre aber eine schlechte Kavitals- o n sr? fl „ e ,'„ Pi* .Auslaiw konnte aus der Industrie höchstens 2 Prozent Zinsen tn Gold berauswirtsebaften. Alle Bebauo» ruEn von einem WobMano in Deutschland seien fasL ^ankonne das daran erkennen, daß der Fleischkonsum
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