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Freitag. 4. August 1922.

Vor neuen Sanktionen.

... D-e wie stets etwas dürftige amtliche Meldung ^ratung des Reichskanzlers mit den Frak- nonsfuhrern betonte mit Nachdruck den Ernst der augenblicklichen Lage und das Hinauffchnellen des «0.0 unterstrich diese Mahnung be- il 9 ' Die Börse hat prompt und in nicht mistzuverstehender Weise auf die neue Note Poincarss geantwortet, deren Erfolg nun ist, daß der Wert der

J^r/. r ? u L et ®“ M Pfennig gesunken ist. Charak- teristlstli ist dabei, daß beispielsweise am Mittwoch, Tag. an dem die neue französische Note bekannt wu^e, in Berlin die Umsatztätigkeit am Dollarmarkt durchaus nicht erheblich war, ein Beweis dafür, dast es unrichtig ist, immer wieder die Berliner Speku- lation für die Vorgänge am Devisenmarkt verant­wortlich zu machen. .Die festige Markkatastrophe ist vor ollem auf^ Ausländische Transaktionen zurückzu- Ausland bat. da es die politische und Nir-fcknstliche Lage Deutschlands als sehr ungünstig betrachtet, groste Markbeträge auf den Markt ge­worfen was sich naturgemäst an den deutschen Börsen

SÄ - mU ^ ® 5 iFt selbstverständlich, daß das Ausland kein Vertrauen zu einem Lande haben kann

!” L!Entwicklung nicht möglich ist. und

dessen Wirtschaftsleben durch immer neue Einariffe wrcder^ und wieder schweren Erschütterungen ausqe- festt wrrd.

Wie dis neuen Sanktionen beschaffen sein werden, die m der französischen Note angedroht werden, steht dabei im Augenblick noch nicht fest. , Die französische Gerung HE sich in Stillschweigen. Man will 0 -7 wissen, da. Frankreich die Staatseinnahmen des Re.ches im besetzten Gebiet, also die Steuern Zölle und dle Elnnabmen der Eisenbahn und Post beschlaa- nabmen, will. Der ..Intranssaeant" will wissen.'dass auch die Beschlagnahme des Besistes deutscher Erostmdustrieller im besetzten Rheinland Mid auch dm Beschlagnahme des Besitzes deu^kh-x Staatsangehoriaer, die gegenwärtig in Elsass- . ^rinaen wohnen, in Frage kommt. Dass an sich iede < erbanaung von Sanktionen geaen den Fried-ns- vertrag verstößt. braucht kaum besonders beront zu werden. ch,er stebt man vor der Tatsache, dast der Gläubiger seinen Schuldner 10 Tage vor dem Z-äMg- kellstermin der Schuld vfänden will. Die privatrecht- iwe wie die völkerrechtliche Unbaltbarkeit dieses Standpunktes lieat klar auf der Hand. Zu bemerken > t auch aiisdrucklich.. dass Deutschland niemals mitge- tem bat dass es am 15. August das Ausaleichskonto nicht begleichen will, sondern es hat lediglich an alle Beteiligten das Ersuchen gerichtet, bie diesmalige -ssatenzahlnng ans % des Gesamtbetrages berabm- llllen. Frankreich kann wobl zum, 15. Auaust die Be­zahlung des ibm gebührenden Teiles verlangen es kann aber nicht verlangen, dast Deutschland' am o. August verspricht, es werde andere Regierungen be­zahlen selbst wenn diese aus die Zahlung verzichten, ^ast aher Italien und Belaien, vor allem auch Eng­land einen wesentlich anderen Standpunkt in dieser Frage einnehmen als Frankreich. ist hekannt. Im übrigen macht die neue Markkatastrophe jeden Er- fullunasversuch von vornherein unmöglich.

Nach all den Erfahrungen der lestten Jahre wird man sicki auf neue Sanktionen vorbereiten muffen. Frankreich hat bekanntlich nicht wie ' die übrigen Alliierten aus den Vorbehalt des Eingriffs in das deutfche Privateigentum verzichtet, und die Folge da­von ist, dast von deutschen Banken in Frankreich keine Guthaben unterhalten werden und auch sonst sich kein größeres deutsches Privateigentum dort befindet. Ein ™a geplanter" Eingriff nach dieser Richtung würde also ein Schlaa ins Wasser sein. Zu der schon oben anaedeuteten Möglichkeit der Erhebung der deutschen Zölle im besetzten Gebiet ist darauf zu verweisen, dast diese Zölle nach dem Londoner Ultimatum sowieso verpfändet sind und auch vom Reichsfinanzministerium Mr das Konto der Alliierten bereit gehalten werden.

Die Franzosen würden damit also etwas für stch^vor- vegnehnlen. was für die gesamten Reparationen Vor­behalten ist. Ein etwaiger Eingriff in das Privat­eigentum würde weder mit denGrundfätzenPesFriedens- vertrages. der den Schutz des deutschen Privateigen- mms anerkennt, worauf auch kürzlich im englischen Unterhaus hinaewiefen wurde, noch mit der bisheriaen Haltung der Alliierten im Einklang sieben. Das sind freilich nur theoretische Erwägungen. Wie die Dinge ach in der Praris gestalten werden, lästt sich im Augen­blick naturgemäst nicht Vorhersagen.

.Im ganzen dient die austerordentlich scharfe Note Poineares wohl der Vorbereitung für die Londoner -oesprechungen. Poincarcf, dem es darauf ankommen buchte, sein Prestige zu wahren, versucht so in London -

die Verbündeten vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Ihm kommt es allem Anschein nach darauf "G ein Kompensationsobjekt für die kommenden Ver­handlungen in der Hand zu haben. So mutz man die französisch« Note als Aufmarschvorbereitung für den großen Kampf um die Regelung der Repara­tionen betrachten — wenn sich auch dieser Aufmarsch leider auf Kosten Deutschlands vollzieht, — ebenso wie man auch die Balfour-Note unter diesem Gesichts­winkel betrachten mutz. Dabei gewinnt man mehr und mehr den Eindruck, datz auch London zunächst nichts weiter sein wird als ein Vorpostengefecht. Die endgültige Regelung der Reparationen wird auch die Londoner „Vorkonferenz" nicht bringen. Man wird sich vielleicht mit einer provisorischen Lösung unter. Bewilligung eines kurzen Moratoriums begnügen und d>e endgültige Regelung bis zum Oktober vertagen. Im Oktober wird man sich wahrscheinlich gezwungen sehen, eine weitere Vertagung bis nach den ameri­kanischen Wahlen Eintreten zu lassen, da vorher an eine allgemeine Echuldenregeslung unter Beteiligung Amerikas nicht zu denken ist!

Die deutsche Antwort an Poincarö.

Br. Berlin. 4. Aus. (Ein Drahtbericht) Am Donners­tagnachmittag weilte der Reichskanzler Dr. Wirtb beim Reichspräsidenten. um mit ibm die politische Lage durchzuivrechen. Im Laufe des Freitag wird die A n t w o rt - note der Reichsresicrung an Poincarö crkgehen. Sie dürfte erklären, datz sie keine andere Möglichkeit bat. als bei ihrer bisherigen Haltung zu verbleiben, uno dast sie es der Gegen­seite überlassen müßte, neue Vorschläge zu macken, deren gewissenhafte Prüfung von der Reicksregierung um­gebend eriolgen solle. ,

Wie wir weiter etiablen sieht die deutsche Regierung die Lage als äußerst ernst an. Sie kann aber ihren Standpunkt in bezug aük die Ausgleichszahlungen nicht ändern, weil ihr einfach die Geldmitiel dazu fehlen. Sie ist beute nach dem katastrophalen Rückgang der Mark nickt ein­mal in der Lage, die beantragte, auf ein Viertel gekürzte Summe von 500 009 Pfund zu zahlen. An amtlichen Stellen ist zur Stunde noch nichts davon bekannt..w e l che Maß­nahmen Poincarö zu ergreifen gedenkt. Es ist wohl kaum ein Zweifel daran möglich. , .daß Poincar4 seine Drohungen in die Wirklichkeit umsetzen wird. Die Möglichkeit der Beschlaanabme deutschen Eigentums im Elsaß, der Besetzung der Zollaintcr im Rheinlande und die Einziehung von Relchseinnabmen auf dem Verwauunaswege sind nicht von! der Sand zu weisen. Man ist in maßgebenden Kreisen der Ansicht, vab Poinrar4 vor Beginn der Londoner Verhandlungen Tatsachen schaffen will, um einen Druck auf die Alliierten auszuüben und Komvensationsobiekte in der Hand zu Kaden.

Po ncar6s ZwanISmahnahmen.

Br. Paris. 4. Aug. (Eia Drahtbericht.) VoincarS er­klärte bezüglich der Z w a n g s m a ß n a b m e n. die er Deutschland gegenüber nach dem 5. August ergreifen will einem Mitarbeiter des ..Oeuvre": Die Maßnahmen, die

Vorbehalten sind, sollen besondere Kraft besitzen. Vom 5 August an sollen sirenge Maß"ahm«n ungeordnet werden die allmäblick verstärkt werden sollen. Er sagte: Wir sind sicher, daß man uns nickt verhindern kann, in wirksamer Weise vorzugehen, wen» Deutschland seinen Verpflichtungen nickt nachkommt. ..Oeuvre" fügt hinzu, daß es sich zweifellos um eine Beschlagnal, me der deutschen Ein­nahmen und ipäter des Besitzes deutscher Privat­eigentümer im Elsa« und im Rheinlande handelt.

. Im ..Journal^erklärt Cachiv..daß die Sanktionen, die Poincar4 in der «rrage der Kompensationszahlungen gegen 'Deutschland zu ergrelien beabsichtigt, folgende seien:

Errichtung einer Zollgrenze uno Herabsetzung der Zölle zwischen Frankreich und dem Rheinland«.

Schaffung eines beionocren. Budgets für das Rheinland

Ersetzung des Markgeldes tpi Rheinland durch eine ge­sunde Devise.

Die vreußiickeu Beamten im Rheinland würden durch rbeimiche Beamten ersetzt werden.

Die Vollmachten, der Rbeinlandkommisian würden aus­gedehnt und eine Pravinzversammlung einberufen

^-de^Msmt «?8en^°^" bes 6efefeten Gebietes wür-

D« Silfsauellen des Rbeinlandes würden direkt durch Frankreich ausgebeutet werden. out ®

Ein.ofsenbar inspirierter Artikel des ..Temrs" führt aus es fe, e,ne Besserung und Stabilisierung des Markkursi>s j'oti«: das fc« erreichbar durch einen französischen Antrag bei der Revara ionskommlUlvn. das d e»t s ch e Ak t i e n ka „ i.

iAÜA?2.Ä2 L>'- KM»4 « füt"Äi;

Die sewsiMewe ln mm«.

Sckttlränk, 'tLilrttirßinis routi* " vom

ssD"^ianzler Sir Robert Seine eröffnet, der eine über- NH Uber die verschiedenen bisherigen Stadien der Reva- w l0 »™ fle 5"b- vlerbei erwähnte er beiläufig, daß unter k ^M^iionseinziehmngsakte Großbritannien bisher 'uihl 5 scjJ !! 1 0 ne n P ^ und Sterling eingenommen Juni habe Deutschland Zahlungen ent- H ausgestellter. Plan geleistet. Hierbei habe an-

n^uli infolge der beklagenswerten Ereignisse der Er- Ratbenaus urH der dadurch enthüllten Unsicker- rr i n ! n H tFc % a ^ eine Entwertung d er

lfJ n E e,e ^4 ^'l äU . r Forderung eines Moratoriums J?ie dev 1 che Regierung führte. Uber den Bericht ^ e v.° t ra 11 5 . könne er noch nichts End-

noch nicht in feiner Gesamtheit vor- ^ eT , er "sit ziemlicher Bestimmtheit erklären.

Steuern entsprechend der erteilten eingefilbrt. worden seien. Eine Erböbuna der nicht für angängig gehalten worden. ^ ^sichln»d aber eine ZwaagsanleiLe von

P.aoiermark ausgegeben. Was die Forde- ning der .itivarationskommission betreffe, wonach die deutsche m j'N'n Man zur V er bin d e u n g d er Kaoi- >,N u ch t ausstellen sollte, so sei es leichter, ein solches ■iU nnn^i 11 a!s {0 eir l fn ialchen Plan fertig zu mackem

b» ? . l ^uticb-n. Regierung, getroffenen Vorkehrungen m? t ® c * ** btejenififn. die besonders lebhaft eine d!,'-o^öert<n.. Aber er wolle ganz offen sagen, «r? s. e stack die einzig wirkliche und wirksame

Mnahme zur Verbinderung der Kavitalsluckt darin be- stkbe- datz t-ie Leute, die in Deutschland Besitz haben, zu der Lase Deutschlands Derlraiken erhielten, dann.VÜrü>en lre auch ihr Kapital nickt nach dem Ausland bringem

Nach Erwähn,ma der Gesetzgebung, betr. die Reicks- ba n k fuhr der Eckatzkanzier fort: Di« geforderten Statl- stiken leien oeriorochen worben Er höre, daß die deuticke " Regierung beziiglick der Beaufsicktiguns der Einnabmen und Ausgaben z>.gcstimmt,habe. daß zwei Mitglieder des Garan- tiekomitees freie Einsicht in Joie betreffenden Dokumente er- balten sollen, um ihnen die Möglickkeüt zu geben, der Reoa- ratlonskimm'sswn ibre Ansicht mitzuteilen. Wenn auch der gai^e Ber'cht des Garantiekomitees noch nickt vorliese. io bor« er doch, bah die deutsch« Regierung den größten a^eil

rartfcTerfüat ^;^ ratloristl>mmir i iotI aufgestellten Forde-

3m roeitcren Verlauf seiner Rede kam der dann auf die V a r i s e r Ba n k i e r k o n f e r e n z zu die damit geendet habe, daß die Bankiers erkkärt«i." &£ n iV f T< dlrbeiten nickt zweckmäßig fortsetzen. Der Sckatzkanzler gab hierauf folgenden

Rückblick über die bisher von Deutschland seit de« WaffenUillitand gemachten Leistungen:

Vf'öablui'gen an die.Revarationskommission 77 Millionen Sfunto Sterlmg. örtliche Zahlungen 30 Millionen PkuM Sterling, zusammen 107 Äillionen Pfund Sterling rMrt ^„fusgelleferten Sckiise vnd. der Raturqlleistungen 100 Millionen Pfund Sterling. Regierunaseigentum in den ab- getretenen Gebieten an Polen, Danzig und die Tickecho­slowakei ^>5 Millionen Mund Sterling, der Saarbergwerke

etwa 23 Missionen Mund Sterling, zusammen 415 Million^, ckrling. Nickt eingerechnet seien die Gebiete, di« an

weisungeil. nie geeignet sei-n die Wirtschok^laa» n

ÄfcWK*. m üfstÄff SSSa :

kulsionen ontetret e die das traiuofh'-fi, ö X e Djs-

bervorrufen könnte .so beruhten'sie'^'aufNm" ^nTr" standn, s. Die Einigkeit der A r i „ X ?P e V wendig um abzuändern, aber nickt um einen mn»' n !? M i s am den die deutsche Regierung eriucht« uL de^ ll-°n-^' men Labe auirecktzuerbLlten. ' ®* n ' ie «ugeoom-

Pfund <Etit....„.

EÄ^^Eaaten abgetreten wurdeul Von diesen 415 Milliö- M - P'und Ster ling habe Großbritannien 58 liü t Sterling erbalten, di« so gut wie ganz für die Belotzungsarmee verwendet worden feien Die gegcnwartlgen Kosten der britischen Vesatzungsarmeea «-letzt worden ' ^Eronen Pfund Sterling pro Jahr herab-

. Was die Privatschulden betreffe, so gebSrttm dies« nickt in dom. Konto der Reparationen. Ihre Zahlung ^einMibte aber d-e Fähigkeit der deutschen Regierung aus- landische Zahlungsmittel für. die Revaration.sleistunaen za linden. Bisher istssn 38 Millionen Pfund Sterling ein- gegonaen p oron . Grvsibritannen erhalten habe 22 Millio­nen Pfund Sterling. Frankreich 12 Millionen und Beloi-n

Rock zn bezahlen seien 35 Millionen, davon 12.5 Millionen im Großbritannien.

Was den Beschluß der französischen Regie- rung bezüglich der Forderung Deutschlands nach Herabsetzung der monatlichen Zahlungen von 2 Millionen aus ein halb Millionen Pfund Sterling betrifft, so wird -wilcken..dem französischen und dem britischen Ministervrassdenten erörtert werden. Die in der Presse oufgetanchte.Behauptung, die Aktion der französischen Regierung bilde e-u? Antwort aus die Balfour-Rote sei unrichtig.

D«s französische Ulttwatum

fei e, sangen ,n«Lrere Taae vorher, bevor die Balfour-Note hkaimt geworde,'. sei. Er glaub« nicht, daß die deutschen Kapitalien im Ausland die Hebe haben, wie einzeln« Leute bchauvien. Für ein Land wie Deutschland sei es notwendig, im Ausland fiirftc Mengen von amslandischsn Wäbrunaeii zu besitzen, um sich mit den notwendigen Rohstoffen ,u n«r- «hen die die Voraussetzung fui die Weitertübrung des Ge- schaftslebens bilden. Niemand habe ein Reckt diese Arten von im Aiisland kefincklichtn deuticken Geldern'als illegitim zu bezeichnen. Ter Betrag des tatsächlich nach dem Ausland verichobenen Kapitals wurde außerordentlich übertriebe Die deuticken Kav.talsanlagen ,m Ausland übersckr-ite« vermutlic, nickl IOC Millionen Pfund Sterling Deüffck land sei bis zu einem .gewissen Grade an seinem iS iel&it Icfiulb, elften« in,ein« [einer Finanzpolitik während des Krieges, außerd-ertz liave es verinckk das D^ritit Budgets durch den Druck von Banknoten auszugle^em Eng- land habe drswege:, off Vorstellungen bei Deutschland tt boben und .ett Januar dveses Jabres «ei in dieser Beziehung eine Besserung der Lage des deutschen ^udgets wübrzunehmen. Er sei rauft redlichster üfter- teflunn zu der Ansich, mkommen. daß uw-

Deutschland eine beträchtliche Revarationssumme rablen könne.

Tcutsckland selbst den Wunsch baden eine. ertsore>4? ^ablen die seiner Leistungssäbigkeir

erforderlich c,n Zablungsausichub