Nr S49. Samstag. 29. Juli 1922.
Wiesbadener Tagblatt.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Sette 7.
Untergattung6 Beilage
bc6 QPtetfßaöener 'Xag&lattü.
Lin 3ubUaum der Eisenbahn.
Die Eisenbahn. eine Erfindung, die beute von so viel erstaunlicheren anderen Neuerungen in den Schatten gestellt ist. kann lebt auf ibrcu 100. Geburtstag zurückblicken. Von jenem 26. Juli 1811. an dem Stevenson seine erste Lokomotive. den ..Mnlord". sabrcn ließ, bis zu dem 27. September 1825. an dem der erste Etsenbabnzua wirklich stibr. ziebt stch die Entstebungsgeschi btc dieses Veckebrsmittels bin. das eine so gewaltige Umwälzung der Wirt, Haft mit sich brachte. Das Jabr 1822 aber bat seine besondere Erinnerunasfeier in dieser Entwicklung, nämlich die L«gung des ersten' Schienenweges. Im Sommer 1822 wurde damit begonnen, die Eisenbahnschienen von Stockton nach Darlington zu legen, und auf diese Weise die erst« Eisenbahnlinie geschaffen. Stevenson, der Erfinder der Lokomotive, bat eine grobe Anzahl von Vorläufern
gehabt, und bei den Städte'.. )ie schließlich zur Schaffung der Earo, durste seinen Herrn überallhin begleiten, denn er
Eisenbahn führten, spielt au.b die Schiene eine grobe Rolle: war ein vuno. der auf s'icu hielt Mit würdebewubtem Blin-
sie ist der Lokomotive vorausgegangen. Der Schienenweg wurde bereits zu Aniang des 19 Jahrhunderts in englischen Bergwerken viel benutzt, um beim Abtransport der Kohlen den Zugvierdcn die Arbeit zu erleichtern. Zunächst waren es Holzschienen. die man dann durch Eisenschienen ersetzte. Als Stevenson 1812 als technischer Leiter des Maschinenwesens der Kohlengruben von Killingsworth angestellt wurde, fand er bier eiserne Schienen im Gebrauch, auf denen die Kohlenwagen von den Gruben bis zum Verschjffungsvlatz am llier des Tync bciördert wurden Um die Zugtiere weniger anzustrengen, halt« man schon manche Methoden ersonnen. So verwendete der Eigentümer der B-rnwerke von Glamor- gansbire Sir Humobreu Mnckwortb die Windkraft indem er auf den Wagen Segel anbrachte. Auf diese Weise konnte ein einziges Pferd bei Verwendung der Schienen und des Windes die Leistung von 20 Tieren verrichten. Stevenson ersetzte die Windkraft durch di« Dampfkrast. die man damals schon verschiedentlich zum Treiben von Maschinen auszunutzen suchte, und verbesserte auch die SHirnen, indem er ibnen eine standhaftere Form gab. Die Versuche, die Stevenson in dieser Hinsicht in, den Jahren 18t t -1820 ausfübrte. waren von solchem Erfolg begleitet, dab man sich 1821 entschloß, eine gröbere Eiienbabnlinte zu bauen, und so wurde im Sommer 1822. also gerade vor 100 Jabren. der Bau der Strecke von Stockton, bis Darlington unternommen. Als 1820 der erste mit Personen und Gütern belade n Zug von 81 Wagen unter Klangen der Munk in Dorlington ctrtraf, hatte das ..Schien.>nzeiialter" seinen Ania >a genommen.
Wir können uns beute nicht mehr vorstellen, welche Bewunderung und noch mehr Verwunderung das neue Verkehrsmittel bervorrief. Die Personenwagen des ersten Eisenbakm- zuges waren aus oeu Wagenkasten alter Postkutschen bergest/. . und diesen 21 Wagen, in denen die Passagiere iahen.
' ^/^sen stch 12 mit Kohlen »na Mehl beladene Waggons an. ..Auf ein gegebenes Zeichen" berichtet eine zeitgenössische Zei- lung setzte sich die Maschine mit dieser ungeheuren Anzabl von Wagen rn Bewegung, und ibre Scbnellicikeit war derartig grob dab sie an einzelnen Stellen 12 Meilen (fast 20 meter) in der Stunde zurückl«gte. Der Zug führte gegen 600 Reisende mit sich. Die Ankunft in Stockton ries einen nicht enden wollenden Jnbel hervor." Aber die Jubelnden waren arg in der Minderzahl, und von dem größten Teil des enalricben Volkes wurde die neue Erfindung mit größtem -mißtrauen. ia mit wütendem .Haß. ausgenommen. Das Volk slaubte zunächst daß es sich hier um ein ..Werk des Teufels" bandle, und verschiedene Geistlich« vredigten von der Kanzel M gegen. Man erwartete oon der E'nfübrung des neuen Bertebrsmrttels , die schrecklichsten Folg 'n. Der vorüber- tahrende Zug würde die Kühe beim Weiden stören und die Hübner w erschrecken, daß st- keine Ei:r mehr leaen könnten. Tie durch den Rauch vergiftet« Luft werde die Vögel töten: die Hauser der in der Rabe wohnenden MensGen würde» in -tirnnd geraten durch das Feuer, das dieses Ungeheuer imnaubte: der Himmel werde so schwarz werden daß die Lonne nicht mehr bindurchschetnen körne: die Reisenden Iwwebten beständig in Todesg.-ürbr ..Und was denken Sie. wu-de vallieren". so fragte ein Mitgl'-w der zur Untersuchung Icr ungAegenbelt angeietztenVariamentskommisston Stevenson. -u»eun stw ein Ochs« beim Hera mähen des Zi'ges auf den Schis- nen befände? Wäre das nicht sehr gefährlich? ..Allerdings", ann.isrtete der Ernndcr mit einem spöttischen Lächeln. . aber lUriLli. en Ocfijen! In dem Kutgchtev. das diele Kommission eri.attete. wurde behauptet, daß die Pferde durch die Eiienbabn werden würden, und nab da-unter die Landwirtschaft «»Hi ‘f ^ cn 'veil sic dann ui fit mehr ibr Futter ver-
.wnne. Was wird aus denen werden, die nach in iuren eigenen Wagen iabrm wie ihre Vorväter?", wurde ge- i-^" ^ Was wird aus den Kutschern werden. aus den Satt- bän8i-^..?°o^'L?®irten. den Pierdezüchtern den Pferde- ' 'm? M ,tD > JWarfit >ick di« H'amm 'r eine Vorstellung von dem Lärm, non dem Gepfeife und der 93er= miwfn. Lokomotiven deroorgernfen werden, die
der Abwind,gkcit von ,0-12 englischen Meilen in ,^^^^^^w^2^Kilometeriiaären?'^Jed enfalls müßte
Vier Stockwerke.
Von Martin Feuchtwanger.
*.*•* Mt gebautes, solides Saus. Inmitten von tut E>auisern (tobt es. Von seiner Umgebung
nickt ! I „tM*™. l^rvor. als man chm anfiefct, daß es noch nian ,o alt ist wie sein« Nackbarm -
fätzt ^ solches, vornehmes Saus. Wer es betritt, dem m«.« dresem Haus auf. Man hört weder Häm-
oon Wefbemi'^E- ^ Kindergo'chrei. noch das Gekreisch
^sock wohnt der Herr Fabrikdirektor mit lm »weiten der Sanillistsrat. im dritten der ^^°Ur^^Ln?k«7rt.^"EE- der den Tag über
bet 2W?rr miS7n ? n !l l ' & * , ? £UI ^cht bald bei Sanitätsrats, bald mit Fabrikdirektors. Manchmal ist sie
Pros«»-,. -ranitotsrat zerkriegst. manchmal mit der Frau wir iJ; wan>chmai mit Fabrikdirektors. ab und zu auch Ende-®;» rr» Ml selten mit allen dreien. Letzten
Konvgin des Hauses und die Herren ziehen Fi« !.^^^ Elrch und tief den Hut: wenn die Frau, mit der lerckneitt ist an ihr vorübergeht, dann wirft Frau daßstmz den Knvi zurück und zeigt mit aller Deutlichkeit, i» mit^..fo einer" nichts zu tun haben will.
daß ich Tanitätsrat". lagt sie. ..Sie wissen ja seMt.
rechh G Schlech,«!«. nachsage. Aber allen« was
muß hch Fabrikdirektor treilbt es zu weit. Man
die Sochstgrschwindigkeit auf 12—15 Kilometer in der Stunde Mairankt werden. Das erfordere die Sicherheit der in dem .-ug Seienden wie die der Bewohner des timliegenden Landes! Es wurde sogar non den weisen Volksvertretern be- bauvtet dab eine Lokomotive bei Regen niemals werde fahren können, weil es durch den Rauchfang hineinregne und das Feuer ausgelöscht werde. Wenn ein starker Wind in den Kesiel blase, io werde e- vie und für stb schon grobe Soan- nung vermehren und die Lokomotive muffe in die Luft iltegen. . . . Wir wissen beuic alle, wie diese Bedenken zerstreut wurden, aber sie zeigen, wie die Menschen vor 100 Jabren dachten. _
U)ie Laro Skeptiker wurde.
Von Harro Mazelins.
zeln ichritt er. an allen Versuchungen der Grobstadtstrabe vor- ler. an offenen Fleischerläden, allzu häufigen Laternen- pfablen. wadenbestrumvitev Radfahrvolontären und was sonst vnckeffid oder anreiz^nd aut Hundenerven wirken mag. Struo- vige Straßenköter machten, von seinem verächtlichen Murrton gezügelt, scheue Bogen um ibu u-.d seinen Herrn. Nach Vor- iiber-rebenden. die ergeben grüßten blinzelte er kaum O. Earos Leben stand auf einer festgrgrü rdeten Baffs. er wußte, was^r bedeutete.
Eines Tages aber erbielt sein« Weltanschauung einen rernichtcilden Stoß. Er war mit seinem Herrn in einem Weinlokal gewesen. Schon dort hatte sich Caro gewundert, wie >eltiam die Leute am T's.t> mit seinem Herrn umgingen, llnd als ste endlich beide auibrachen. batte niemand wie sonst die Tür ausgenissen. tiefe Verbcugangen gemacht: irgend
iemaid latte seinen Herrn ei-'foch am Arm gefaßt und bin- ausg--schc-1en. der Wirt hatte mürrisw abseits gestanden uns Worte gebrummt, deren Ton Taro keineswegs sehr höflich eiichienen war: er batte nicht recht gewußt, wie sich benehmen.
Und drauben stand sein Herr uneatschloffen still und schimvite. Caro wedelte ihm zu uno Feine Augen wirckten' Komm weg hier, nach Hause Aber sein Herr schien gar nichts zu merken, ging sogar in -nner falschen Richtung davon. Ging, bm — Caro konnte nicht wie sonst gemeffen an seiner Seite einbergeben, iein Herr stirb ihn gar zu oft oder taumelte. als ob er über ib-, fallen könnte. Als Caro hilfsbereit nach seinem Ärmel fab:e. entging er nur mit äuberster Geschicklichkeit einem wütenden Schlag. Das Weltrad in Taros Kovi begann, sich um und um zu drehen. Entgegenkommende Menschen machten Bogcn um seinen Herrn' Zuckten verächtlich mit den Schulter"' Murmelten Worte, deren Tonfall sticht mißzuverstehen war! Kimm kamen und zeigten mit Frngeru. lachten, riefen Schmähworte! — aber Earos Herr schien von alledem nicht« z» bemerken. Jetzt fing er gar noch
an »u singen . . . . Lachmluen der Kinder antworteten. --
Üaro schlich bedrück! ein paar Schritte zur Seite. Ein struvviger Pinscher nmkläi'fte seinen Herrn, ein Dackel stand wit uiiverschämt dreistem Blick uittren im Wege. Sein Herr stieb ,öne aus. Töne. . Carv schlich noch weiter weg. — er schämte stch. _
Neubeslügelte Worte.
Von Richard von Schankal.
Das Ei des Columbus ist des Pudels Kern.
Ein ungewaschenes Maul labt stch nicht so leicht in die Karten gucken.
Das ?luge des Gesetzes fällt nicht vom Himmel.
Wer wagt, bat gul Pfeiien schneiden.
Jung gewohnt, alt unter dt« Traufe.
Der Dolch im Gewände labt tief blicken.
Mit seines Glückes Schmied ist nicht gut Kirschen effen. Perlen vor die Säue werfen, ist nicht so leicht, wie es aussieht.
Haust du meinen Juden, werd' ich's mit Würde tragen. Mublen mablen teils langkam. teils stcher.
Wer Pech angreift, mub einen neuen Menschen anrieben.
Ein ruhender Pol löckt nicht wider den Stachel.
Mit dem Hute in der Hand bat stch keiner die Finger verbrannt.
Auf allen Vieren kommt man durchs Land.
Eine Taube auf dem Dacke macht noch keinen Sommer.
Wenn es dem Esel zu gut geht, holt er die Kastanien aus dem Feuer.
Wer im Robr, sttzt. hört das Gras wachsen.
Wer die Katz' im Sack gekauft hat. braucht für den Svott mait zu soraen.
Es ist nichts so sein gesvonnen. e; wird einmal an die grobe Glocke gebangt.
Häkchen werden will, mub den Tag nicht vor dem Abend loben.
Wo der Hund begraben liegt, wächst kein Gras mehr.
Sich kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn's einen in die Rase regnet, bat schon manchem Leid gebracht.
Zündhölzchen.
Von Alwin Rat.
Der Säulenstavel von grünen, blauen, weißen, gelben Brieten im Bureau wird iminer höher, immer bunter, immer farbiger, schwillt fast 'o jäh wie ein aufFvr,ngendcr Klappzylinder. Immerfort laufen neue Briefe ein. Bestellungen Klagen über ausbleibcnde Lief.-rungen der Kostbaren Mit glutroten Eilzetteln darauf, rot wie Zundbolzkovfe. Klagen
drinnen in den ohvsvborüauchenden. mit ätzenden Düften durmichwäiigerten Fabrikialen haben die merkwürdigen Maschinen, die baste-iden Menschen die roten Schwefelbecken. die Salveterkisten. die auf- und zuknoNendcn. die ioritzenden Lenntövs;. die Streichliolzrabmen. die knirschenden, die knatternden-. da drinnen bat alles die Arbeits
wut. die deutsche Arbeitswut ivieder bekommen.
Durch all den gellenden Wirrwarr 'chreit eine Maschine, wie in Ohnmacht, wie in schreiendem Zorn, daß ste nicht gleich hundert solcher runden Balken berausschleudern kann.
An einem mächtigen Baumstamm knirscht ste wie mit wütende» Meffern herum. An einem Kolossalklotz, der cineu schon zum Knirschen bringen tonn. Wie runde Säulen kommt es aus den sägenden, aus den schneidenden und schabenden Meffern allmählich bervcrncalitien. ,
Da fahren schon andere Messer von oben m gleichen Abstände» wie ein groteskes Eisen.irbib auf die weiße Saul» nieder und machen Stücke daraus, io im Format eines flachen, runden, ansehnlichen Eamenbort-Käses lseligen Llngedenlens).
Zuletzt aber, selie ich. haben oiese Käse sich seltsam aus hölzernen Sviralen entwickelt, als sollten diese jetzt in irgendwelchen groben Holznbren ältesten Kalibers, allerältcsten. als Triebfedern eingesetzt werden. _
Aber jählings tuftt Re da eine andere Maschine schon beim Schlafittchen und schnitzelt mit nervöser Hast mit maschineller Sauberkeit und Vräzisbeit olötzl'ch. während kleine Messer auf die Holzbander der Sviralen niederhauen, schmalite Streifen daraus. Streichhölzer!
Da sind sie fertig! ,
Schmälste vierkantige Holzsäulchen. Wo ist der Rieien- klotz geblieben? Wo das wütende Knirsche»2
Fertig? Ja. nur: ohne.nie Hauptsache!
Das kleine Hitzköofchen. das rote Feuerwerk obendrauf, fehlt noch.
Vorher aber bat das im Werdeprozeß bin und ber rastlos geschleuderte und geschobene Streit,bölzben noch etwas Besonderes durchzumachen. In flüssige Varasfinmaffe hinein macht cs einen Kovffvrung und saugt die Fettmasse mit allen Holz- voren tief in sich hinein. Cs ist das Brennmittel. Und das saugt es gierig in sich. Wie einer, der jahrelang hindurch ein schlechtes Futter bekommen bat und nun einmql wieder hinter Leckerbiffen sitzt. Was bat es auch alles für Brennniittel in der langen Zeit, wäbceno der knaooen Jabre in sich bin- «inlchlürsen müssen!
Husch, fliegt s in den Schraubstock! Da liegen viele kleine Marierbretter bereit, die mit dünnen Rinnen, dünn, wie eben nur ein Streichholz obenauf gerillt lind.
In jede der schmalen Rillen aber placiert sich unter der wuchtigen, sicher zuvuckenüen Tisenband der Maschine ein kleines Streichholz. Dieses Manöver bot etwas von der Eraktbeit des Ererzierens auf dem Kalernenhof an stch. Fünfzig solcher winzigen 5,"lzrekruten liegen flach nebeneinander. wie ..zum Scl.ub fertig". Glatt in einer Reibe liegen sie. Tadellos ausgerickitet.
Sind zwanzig solcher Brettchen gefüllt so werden sie aufeinander gepackt.
Mit der Firigleit eines Jongleurs g«ht das.
In eine neu« Zwangsiacke iliegen ste hinein. In einen fest ziilammensckliebenden Rabmen. Und nun gebt's — brrrrrr — in dis Schwefellauge hinab. Kooküber. — Brrrrrr . . .
Aber, was sage ich^ Schwefel?
..Utan svavel och sosfor!" Oboe Schwefel und Phosvbor beißt es stolzbewubt aus den .echten" Schweden.
Dieie echten Schw'din. »>e wir genügend teuer bezahlt hoben, sind neuerdings wieder echte Deutsche. Was ste i briaens,immer waren Denn ibre ..vbosvbor- und schwefel- freie" Erfindung wurde im Jabie 1818 von dem deutschen Chemiker Böttger. einem Fruiikiucter. gemacht.
Was den Schwefel beute erieut. sind leicht entzündbare Fette, wie Stearin und Ähnliches. ll"d chloriau-es Kali mit dem man sich auch den Hals ausgurg'lt. hat den giftigen Phosvbor kaltgestellt . . . ä'llso . . .?
SIber was kommt da noch dazu. Was für ein Alchimisten- gebrau!
SÄwefelantimoa! Braunst-ii! Dextrin! Elasvulv-er .. . damit gurgelt ma l sich nicht den Hals aus.
Wo aber ist Ser Phosobor liingewandert^
An die Wand bat er st ü drücken lasten. An die Wand des Streickiholzlästchens. an die Reibfläche.
Glauben Ci« mir. der Märe war mgaewn« Woche so drecki«. daß ich meinam, Mann sagt«: Rudolf, fasste ich. ich wurde mich,, zu Tod« schämen, wemi meine Kinder so herum- ilscen. Warten Sie s ab. das nimmt kein gutes Ende. . . Und was das Dlenstmädck»en ist. die Anna, di« kriegt nicht urtb Aufschnitt ^ Herrschaften schlemmen in Braten
Direktor aber renkt die Geschichte wieder ein und am nachiten Tag schon ist ste mit Frau Müller wieder ein Herz und ein« Seele. Leider bat es inzwischen Frau Sani- tatsrat mit Frau Müller oerdorl>en.
^.Wiffen Sie. was Sanitätsrats sind", tost Frau Müller Zur Frau Fabrikdirektor. ..da steckt auch nicht ville dabinter. Wir find arme Leute, da schäme ich mich nicht. Da kann kein Mensch was vor. Aber io ein Sanitätsrat will doch ein feiner Mann sein. Glauben Sie da ist ein richtiges Stück Silber im Saus? Jwo. Alles ist ratsch, sage ich Ihnen. Beim Bäcker bat sie Schulden, beim Fleischer der Zeitilngsniann bekommt kein Geld. Der Gemüsehändler liefert ibnen ntckffs mehr, jawoll. er bat es mir feltber erzählt. Die Lnmvenwirffchaft macht er nicht mehr mit. ja- woll. Man sagte ja nichts, wenn nur die Frau wenigsstens bc'cheiden wäre. Aber ich lag« Ibnen. noch frech obendrein Ich weiß, was feine Leute sind. Frau Direktor. Ich tage es immer zu meinem Mann: Fabrikdirektors sind mir noch die liebsten im Saus. Aber Sanifätsrais, das find keine feinen Leute, das sage ich Ihnen . .
Akiillers bekommen Bsjuch vom Land. Di« Vettern und Kusinen vom Land lasten es sich in der Stadt wabllein und Herr und Frau Müller singen und grölblen mit ibrer Verwandtschaft di« halbe Nacht. Fabrikdirektors beschweren stch. und Frau Müller schüttet der Frau Sanitätsrat ihr Herz aus.
..Wenn ich der Herr Profestor wäre. Frau Sanitätsrat, ich hätte di« Frau schon längst btnausgew-orfen. Man will
t» lüchts gejagt habe», aber baß das mit dem «Sch^ p iel e r
. vom otabrtfieater nicht geheuer ist. das vieifen ja dir D"™ Tach herunter. Und mit einem reichen Bankier aus Dustelborf soll sic voriges Jabr auch ein Verhältnis gehabt lniben. Nein, und -bei Fabrikdirektors, da. wo die Dienstmädchen verhungern, ist mich nicht viel los. Ich sag« Ihnen, wenn wir Sie nicht rm Hauke batten, wachrbaitigen Gott, ich hätte die Haus-mannsstelle längst aufgegeben...' „ Und Frau Fabrikdirektor sagt zu ihrem Mann: ..Sani» tatsrass haben einen lo guten Namen in der Gesellschaft. Wenn die Leuste eine Ahnung hätten, was für eine elende »chuldenwirtschaft in dem Haushalt herrscht . . . Di« Dienstmädchen sollen ongepumvt werden. Der Fleischer macht Krach, der Bäcker. Entsetzlich . .
Frau Profestor sagt zu ihrem Mannt ..Wenn man Charakter hätte, dürft« man mit Leuten, wie mist FabrÄ- divektors. nicht verkehren. Der Mann Kat ein verhältnis- inäbig bescheidenes Gehalt. Trotzdem leben die Leute, als ob sie jedes Jahr ein« Million verdienten. Mit rechten Dingen gedr das nicht zu. Ich glaube, wir wenden von den Leuten eines Ickönen Tages Sachen zu bören bekommen..."
Frau Sanitätsrat lagt zu ihrem Mann: „Wenn man auch kein grobes Vermögen hast, io kann man doch anständig sein Aber Professors! Jeden Monat soll die Frau ein an- deres Verbältnis baben. soll sie die ganze Nacht nicht nach HMse. gekommen sein, und dieser Idiot von einem Mann laßt sich das alles gefallen. In einem anständigen Haus k™lte man so etwas nicht dulden."
_ Reugahr aber kommen Frau Fabrikdirektor. Frau JEmtsrat und Frau Professor in den vierten Stock zu ® Muster und bringen ibr ein Kuvert mit Banknoten, vu tz lg bei len für die Kinder und Ztgarrem für den Mann s™ e t2^. mit Le men. Schürzen und dergleichen und oann ichlagi Frau Müller di« Hände zusammen und ruft: .•-»««. so,was. das können wir ia gar nicht ani'ebmen. Ich lüge es ia immer zu meinem Mann: So ein feines Haus, man muß Gott danken, wenn man in einem jo feinen Hau» wao«ra dort..
