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Sonntag, 2. 2uli 1922.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 302. ♦ 70. Jahrgang.
Die Frage an das Bürgertum.
Vca Frau Ministerialrat Dr. Gertrud Bäumer. M. d. R.
Beinahe jeder Mensch, mit dem man über die Er- eianiffe der letzten Woche redet, wirft die Frage auf.
S$ wird dieser Mord auf die politische Gattung des Bürgertums wirken? Und in dieser Frage sind zwei andere enthalten: Werden dre Fcmatrker: zur Beftn-
nuna kommen? Werden die Halben und Unentschiedenen ^stch zu einer klaren und entschlossenen polrtischen Front zusammensinden?
Ich glaube, man bars sich gar keiner Täuschung dariiber hingeben, datz der Mord die Fanatiker der Rechten nicht kuriert hat. Man horche doch einmal in die Stimmung dieser Kreise — der Männer und arausigerwoise sogar der Frauen! — in diesen Tagen hinein Die Verurteilung des Meuchelmoüies durch Parteioffizielle Erklärungen ändert leider gar nichts daran, daß in gewissen Kreisen ein hartnäckiger Hatz oder eine romantisch verirrte Hewenverehrung bte herrschende Stimmung sind. Man soll nur Nicht denken datz da, wo man bisher mit solcher a^rundigen Nichtachtung und solch hemmungslosem Hatz dre!Regierung und die Republik verfolgte, diese ^.at erschütternd und ausrüttelnd gewirkt hat. Und himmelweit entfernt sind diese sanatrsierten Kreise vollends von der Erkenntnis. die diese Woche einmal wieder dem Sehenden zeigen konnte, datz Gewalt von rechts nur Gewalt von links aufwühlt, und datz es für Deutschland keinen Weg zum Frieden gibt als den der Verfassung. ^ ■ r j.
Weil es aber so ist - weil hinter den verhetzten jungen Männern, die politische Leidenschaft zu dieser Tat trieb, eine viel verantwort!:cher e altere Generation von Männern — und Frauen. sißht, die ihr demagogisches Öl in dies jugendliche Schadenseuer aosien und die (wenn sie auch hundertmal ihre Hände vor dem Mord in Unschuld waschen) doch politisch un- bekehrbar sind — weil die Feinde der Republik weiter ihr Werk treiben werden, darum ist die zweite Frage entscheidend: Wird der nicht fanatisierte, der verständige und verantwortungsbewußte Teil des Bürgertums sich zu energischer Bekämpfung dieser Gefahr aufraffen?
Ich meine jetzt nicht die Bekämpfung durch Verfolgung und Strafe, so notwendig sie ist. Ich meine die moralische Bekämpfung, die in der ent- schkoffenen und unerschütterten Vertretung des republikanischen Eedairkens besteht. Der grotze Teil des Bürgertums besteht aus halben Republikanern. Halb in der Gesinnung, weil sie in ihrer Seele noch Monarchisten sind und nur der gegebenen politischen Lage sich äußerlich fügen. Halb in Tat und Willen, weil sie sich als Republikaner kein« gesellschaftlichen Angelegenheiten machen wollen, halb in der Einsicht, weil sie sich nicht eingestehen wollen, datz es für Deutschland nur die Wahl gibt zwischen einem ewigen, vernichtenden Bürgerkrieg und der Erhaltung der Republik.
Diese Unentschiedenheit des Bürgertums, das — wie es die Politik der Deutschen Volkspartei gegen die Einsicht ihrer klügeren Führer in dem letzten Jahr immer wieder gezeigt- hat — zwischen Opposition und Mittun in der Republik hin- und herschwankt, hat keinen anderen Erfolg gehabt, als die Macht der sozialistischen Parteien zu stärken. Wäre die Demokratische Partei stärker, so würde die Republik in höherem Matze das Gepräge des Bürgertums tragen. Statt dessen ist das Bürgertum den Oppositionsparteien der Rechten zugeströmt, die entweder, in ihrem extremen Teil den Bürgerkrieg immer neu entfachen, oder, in dem gemäßigten, ohne Einfluß auf die Regierung politisch vollkommen unwirksam bleiben.
Die politischen Wirkungen, die von dem Morde Rathenaus ausgegangen sind, beleuchten die Sachlage chr klar. Die Erregung, die er in den Volksmassen ervorgerufen hat, führen zum Zusammenschluß der roletarischen Einheitsfront, in der dann die Mätzi- ng des rechten Flügels dem Terror des linken unter- -fen wird. Je kleiner und schwächer der republi- ischeTeildesBürgertums ist, um so mehr ' Republik sozialistisch.
sollte es nach dieser neuen Lehre Menschen, der auch nur eine Spur von and hat, einenZweifel geben: die monar- ung inDeutschland kann in der gegebenen ätionales Unglück aurichten. Sie hat keine auf verfassungsmäßigem. -friedlichem A^ge <5 Pol! zu erobern Sofern sie einen politischen a hat, führt sie zu Bürgerkrieg und Chaos. Sofie keinen hat. entzieht sie dem Aufbau der Re- lik wertvolle Kräfte für eine sinnlose und unfrucht- re Sache. Immer aber treibt -sie das Werk von eutschlands änderen Gegnern.
Wann, wann endlich wird das Burgertum m seiner Gesamtheit seine Aufgabe in der putschen Republik sehen — und wann wird es sich aus seiner verhängnisvollen Halb-und-h°lb-P°litik aufraffen und das Unvermeidliche — nicht nur „mit Wurde tragen, sondern mit Energie und Entschiedenheit tun?
Der Reichskanzler über die Notgemeinfchast des deutschen Volkes.
Br München. 1. Juli. (Eia. Drahtbericht.) Die -.Münch.
N. N." veröffentlichten eine Unterredung eines ibrer^.dal ticnsmitglieder mit dem Reichskanzler, die schon DO g^ r
schriftlichen Nöte des deuiimen «»u« ».v
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nberbrücke auch etwa verbanden« Gegensätze und narr^ uns das Gekübl Susaimneumborisk-it. Der
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Sbömungen. tie darauf b'nnuslaufen.^n Nordens ns
wollen wir gemeinsam arbeiten.
Die Verschwörer.
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Dicrlt arsseMeden sind. Die Berliner voiitilcke Pnliö-n
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MMN Ser GetteiSeMöße i« Wkslss.
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Aus dem bayerischen Landtag.
Br. München, 30 . Juni. Der Landtag ^tbeute^ seine
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iationen wandte und außerdem En veBestredun^eEtet
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Wiederaufbau nur unter der dEokratiscku.n Nepudlil ern i° könne. Schließlich richtete noch l der«««»'«gegen Worte gegen die bäuerisch:
öenn von Kabr. der vor den Staal-geriMisyoi «erden müsse weil er ständig an den Sitzungen der Eebewi l raaiiiiationen teilnabm.
Abgeordneter v. Bollmar f.
Br München. 1 Juli. (Eig. Drahtbericht.) Der lang-
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m ekn StudienkameL des Ratbenau-Morders Fischer, namens Holzweißig, verhaktet worden.
AuNöluna des Verbandes nationalgesinnter Soldaten.
w m b Berlin z) Juni. Wie der -Amtliche
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^n 5 ^dateneBm.t''llenLa,idesoerbänden. Bezirks- und Ortsaruoven heute auVflelö't. ge,. Severing.
Ein Zeitungsverbot.
« T _B Berlin. M. Juni. Der ..Amtliche Preußisch« Preliddienst^' teUt mit Aus Grund der Verordnung des Reick>svrätzdenten wurde das Demmrner Tageblatt äufvier Wochen verbatet.
Das »Hamburger Tageblatt« stellt sein Erscheinen ei«.
vf T-B Hamborg. :< 0 . Juni. Das .Lmmburger Tag:- blatt" bat beut- plötzlich >cin Erscheinen eingestell.. In der Ätttteiluna der -chriitleilung an bw Lescrschaft beißt der Verlegrr erkl'irt-r deure. das er rch 'l.unesicms deo Aus-
diohtc^eid'strick: bis zu '.'00 000 Mark in jedem ein,eltten Jvnlle zu decken Tia bei der nationalen Haltung des Blatt-S aber m't solchen Straf« zu rechnen.sei. übe er sich «czwungen. bas Erscheinen des Blattes oorlautig einzuitellea. Dre wer- te/e Entwickelung der Dinge bleibe abzuwarten.
Übergabe der Aufständischen in Dublin.
Um Dublin. 1 . Juli. Die ganze Besatzung desi
bannen ge-
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miifelen bedingungslos kapitulieren. Die Regierung babe Nw bemübt die Archive des Gerichts zu retten uiid ,u verbut-n. daß uinötiger Schaden anaerichtet werde. .GburÄlll setzte b^nzu ein Swat ebne Archive sei immer noch bester als ern Ar-tso obne Staat. - Churchill teilte weiter mit. daß rm ^ust'zoalast eine Mine zur Erolosion gebracht wurde, durch d'e von den Regierungstruoven 30 Mann geto-et oder v«.letzt worden seien — Nack einer amilickrn.M.ttetlung der 'r'- sck^n frcistaatlichen Regierung erfolgte die K a v i t u l a t, on
haben die Truoven des Freistaates 4 Tote und Denktzw ge^bt. als Four Courts eingenommen wurde. Die R«ie-
ruspstrurven haben sich einer -roden Menae von Spreno- ttoffen und Maichioenaewebre» bemadjttet
Als Svrößling einer altadeliaen Familie uiw Soün
bei den Bemdikttncm zu Augsburg. Der junge Adelige ist zwar schon mit 15 Jahren als Relierialmrick Leutnaiä rische Heer cinrnti otrn und bat Mit 16 Jabren als 1 -euinam den «r,ea von 1866 mitgemacht. 1860 ist er m den Dienst d« Genrrallurektion der bayerischen Staatsbabncn eingetreten Ata bcti ftclnsöulwcn o^lyäUÄ
mitgemacht Bei Ro^an der Loire wurde er. sebr sckw» verwundet und zog sich außerdem einen komvlrzierten Beinbruch zu. Als Ganrinralide venstoniert undiabrelangdu^
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tev'issÄ. rf« äs~*"4' -L"«
oT^dcmen Schon 1876 war v. Bollmar..em ausaesvrochen-r
Redakücn^eincr' wLldemokratiNn fmft.' iriaten Schlag aus Schlag d'.e vol'itschen Brozene und die" Benirteilungen zu oft längeren Fre,hei>sNrafen. Die Vorbereitungen zur varlamentarischen Lmlionbn bat von
i ää «Sä wsusÄÄifiPJSft WS?»L«5Ä ÄMÄ
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»»--- trafen Aber den Hab vunkt seiner volltischen Laukbabn bat n Mvllmar dich erst mit dem heimatlichen Boden in Bayern
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Mann gestorben. v
Die Fremdenkrise in Bayern.
sniinM-v 00 Juni. Im Landtage teilte beute die Reaierüna bei der Beantwortung der Jnternellation über d.-e drobevde Krise im Fremde-iverkedr mit. daß in den nächsten
Tagen ^ie Bezirksvott,e'b.-kord;n^ngew,cien werden
°vn/Bauern eid'ließlich München zu erteilen und für bwie Zeit dw Reiknden von der Verpflichtung der verson- 9Tn- linb All entheben. ioll .^tnc
mAere Gle^chmäßiÄmt der Am-mtbaliogtbubren für Ausländer berbeigefübrt werden und außerdem, bei ^vern Auseyt- baltswechiel innerhalb Bayer i fonan für einen 6wokhentlichev j Aufenthalt nur einmrl die Gebühr erhoben werden.
Buchdruckerstreik in Berlin.
Br. Berlin. 1. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Heute mittag traten sämtliche Berliner Buch- und Zeitungsdrucker wegen Lohndisserenzen in den Streu. Wie es heiht, soll die Möglichkeit bestehen, d« Streik bis Myntag beizulegen.
Der Konflikt im Bankgewerbe.
Br. Berlin. 1. Juli. Die zwischen den Bankleilungen chck den Bankbeamtenorganiiationea wiederholt gei.'brteri Verhandlungen sind nunmehr als endgültig -eicheltert zu betraa^ t^n. unb cs ist beshalb Mit der Moüli'TikLit SU in bei forfinteuben 233ocb^ un crmJ sninnsig bei gissten Vuno» vlätze Deutschlands eine Urabstimmung über e,nen .ventuellon Streik d>r Banlbe-mten vorsenommeni wird Bankbeamten wiesen darauf bin. daß entsprechend den im Schiedsspruch voraeshlanenen Gi'ikowmen der Stunden- li.bn eines auatiiisierten Pnnkbecmten etrvn 2p anoti wäbrend ein qualifaiettei Handwerker letzt eint» ialwen vou 85 Marl erhalte.
