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Mittwoch, 28. Juni 1922.
Abend-Ausgabe.
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Nr. 295. ♦ 70. Jahrgang»
Die Trauerfeier für Dr. Rathenau.
Die Trauerfeier im Reichstag.
Br Berlin. 28. Juni. (Eig. Drabtberickt.) Wer der Trauerfeier im Reichstag, die die deutsche Republik ,um Gedenken des ermordeten Ministers des Ändern Dr. Ratbenau am Dienstag widmete, beigewobnt bat. dem werden die stunden tiefster Erschütterung unvergesslich sein. Wu^ig und ernst in der Form und in ibrem Verlauf -sab ne ein Bild davon, wie der Ermordete, gewertet und eingeschäitt wurde, und was das deutsche Volk in seiner Gesamtbeit an ihm verloren bat. Während der ganzen Nacht batte man rm grossen Sitzungssaal« und der Wandelhalle ein der Feier entlorechendes Bild geschaffen und in den trüben Morgenstunden war der Sarg übergefiilW worden. Man batte den Reinstaaskaa! auf Trauer gUimmt und mit reichster Palmen- Lorbeer- und Blumensülle in vornehmstem Geschmack ausgestattet Der Reichskunstwart Dr. R e d s l o b batte mrt Unterstützung des Professors Bruno Paul und des Intendanten des staatlichen Schauspielhauses Iessner mit vollendeter Kunst die Stimmung in den Saal gelegt, die der Stunde entivroch. In der Mitte des Saales, auf hohem Postament, an der Stelle des Präsidentensitzes, stand der E i s e n s a r g . bedeckt mit der offiziellen schwarz-rot- goldenen Reichsflogge. überdeckt von bochgeivannten. bis zur Decke mtgezogenenen Trauerdekorationen. An der schwarz cusgcschlagenen Brüstung der Tribüne zogen stch Arrangements in vollem Blütenschmuck und allen Farbennuancen entlang. Ebensolche Arrangements ragten auf der groben Mittelloge hoch emvor. Von den elektrischen Lampen hingen schwarze Trauerschleier benrieder. Auch die »rosse Freitreppe. die der Sarg nach der Feier passierte, war mit Lorbeer und Palmen geschmückt. Den Boden des Kuvvel- ravmes deckte ein schwarzer Tevoich. Vor dem Sarg« kielten Deleaationsräte des Auswärtigen Amtes Ehrenwache. An den Regierungsbänken war das gesamte Reichskabinett, mit Ausnahme des erkrankten Reichswebrminitters Gehler, und die Vertreter der Länder versammelt. t;i der Diplomat« n löge die diplomatischen Vertreter mit ihren Damen. Zum erstenmal seit Bestehen der denr-chen Revuüttt bot die heutige Trauerfeier den Anlab. dass das gesamte diplomatische Karos in grober Uniform offiziell vor einem Reichsgebäud« auffuhr und in seiner Gesamtheit offiziell erschien. Rack langer Krankheit war auch der Fübrer der DeuUchen Voiksvartei. Dr. Stresemann. wieder anwesend. Von früheren höheren Beamten irren u. a. erwähnt der frühere Staatssekretär des Äußern Zimmermann und der frühere Oberbürgermeister von Berlin Dr. Wermutb. Auch das Präsidium des preußischen Landtags war vertreten. Um 12 Ubr wurde di« greife Mutter Ratbenaus von dem Reichskanzler in die früh"-- Hofloge geleitet. Die umflorten Lampen flammten auf Bald daraus betraten Reichspräsident Ebert. Reichstagspläsrdent Lobe und der Reichskanzler den Saal und nahmen ihre Plätze aus oer Rearerunasbank ein. Dre Trauerverfammlung erhob sich zur Begrüßung von den Plätzen. Die Trauerfeier wurde eingeleitet durch die Ouvertüre zu ..Eoriolan" die die Kapelle der Staatsover unter Leitung ihres Kapellmeisters Dr. Stistru vortnig. Das Orchester war unsichtbar ,n dem Wandelsang hinter dem Prässdentensttz untergebracht.
Reichspräsident Ebert
hielt dann folgende Ansvrache: In tiefster Erschütterung sieben neben den Familienangchörisen des Toten auch die Vertreter des deutschen Volkes an dieiem Sarge, der die ird'schen Überreste des Reichsmini st ers Dr. Ratbe- n a u birgt. Mit den überlebenden trauert in ehrlichem Schmerze die deutsche Ration um diesen Mann, der im
S ienst des deutschen Volkes stand, für das Reichs wohl beitete und stir Deutschlands Zukunft Wertvolles zu leisten berufen war. wie wenig« andere. Walter Rathenau war ein Mensch seltener Eigenart. Ausgestattet mit groben mannigfache" Gaben des Gentes, ausgerüstet mit Erfahrungen des wstt?chaitlichen,nnd geistiacn Lebens un'eres Landes wie des Auslandes, glanzend in Reinheit des Ebarakters und in Güte des Herzens. ragt er weit heraus über das Durch- schnittsmab der Mengen. Mit dieser Fülle grober Eigenschaften war er. als mem Ruf an ihn erging, ohne Zögern, ovstrfn'ud'g das ruhige Leben. leine Neigungen, sri>m bevorzugte Stellung im Wirtschaftsleben dahingehend, in den Dienst des Reiches und des deutschen Volkes getreten. Walter Rotbcnau war dazu geschaffen, «n F ü h r e r der Nation aus den Wirrn tfTen der Zeit in eine reiche Z u k u n i t zu sein. Di« Kugeln feiger Mordgestllen haben chn aus diesem Weg berausgeschbeudert. Aber die verrnchie Ta^ traf nicht den Menschen Ratbenau allein, sie trirft Deutschland, in seiner Gesamtheit. Gerichtet war dt« Bluttat gegen die deutsche Republik und gegen den Gedanken der Demckroti« deren überzeugter Vorkämpfer und Verfechter Dr Walter Ratbenau war. Aber ste ist in ibrem Erfolg über dieses Ziel des Darttikampfes in das Rieienmab des Frcvels gewachten. Sie ist ein Anschlag auf die N a r i o n . der st« einen der besten Patrioten, der fähigsten Kövfe und Vorkämpfer des deutichen Aufbaues raubte. Sie ist ein Verbrechen an unserem arbeitsamen, duldenden und haftenden Volk, das ste in Abwehr des Frevels auis mue in den »ersetzenden Kampf der Leidenschaften ,u reiben drobi Wir haben uns hier in dieser Stunde zusammen- aefunden die Leitung des Reiches wie dre Vertreter der Länder die Abgeordneten des Reichstags und ander« Männer des öffentlichen Lebens, mit einem Wort die Vertreter des deutschen Volkes in seiner Gesamtbeit, um unser Entsetzen und unseren Abscheu kund zu tun über dies« Tat. k«>aangen non Memcbrn. die auberbalb der Gemeinschaft des deutschen Volkes steben. diesen Mann gefällt und.Deutschland diesen unbeilvollen Schlag zugefügt baden. Gleick- »ettia ober wollen wir dem Toten von ganzem öerzen danken namens der deutschen Republik, des deutschen Volkes kür alles ras. was er in aufopfernder und reiner Liebe zum Vaterland für Deutschland getan bat.
Möa« »us dem Wirken und Arbeiten Dr. Rstheuaus. inijoe ««» seinem Geist Frucht ansgehrn für unser Land, .
M die »"jeres «»trrlande». Mit beigem D«ak
und mit der verstcherun« «nvergänglichen Gedenkens bringe ich dem tote« Freund und Mitarbeiter den lebten Grub des deutschen Valkes dar.
Namens das Reichstass und des Präsidiums des Reichstags sprach Vizevrästdent Dr. Bel l. Einleitend wies er auf den gewaltigen Eindruck und die tiefe Empörung, die bei der Kunde von der Ermordung Ratbenaus durch alle Stände und Schichten der Bevölkerung mit elementarer Wucht gcganaen sei. bin. Dre Reichstaassttzungen am vergangenen Samstag und Sonntag batten unter dem Zeichen ebenso der starken Entrüstung wie der derben Trauer um den Verlust dieses Mannes gestanden. Die tiefste Emoörung mübte nach Luft ringen bei dem Gedanken, dab unseres Volkes rnd Vaterlandes Rettung und Heilung von seilen und feigen Mrrdbuben zum Vorwand benutzt wird, um einen Siaatsmann meuchlings ums Leben »u bringen, der aus tiefster Seele und mit ganzem Herzen, mit Aufbietung aller seiner reichen Fähigkeiten und Kräfte dem Wohl seines Volkes und Vaterlandes, dem Wiederaufbau Eurovas und der Völkerversöbnung diente. Der edle Verstorbene war so schlob Dr. Bell seine Rede, dem deutichen Volk in tiefster Not auf unserem Kreuzwege von Leidensstatton zu Leidens- station Weggenoste und Wegbereiter durch Dickicht und Dorn. Das wird ihm. so lange die Dankbarkeit nicht aus- ttirbt. in deutschen Landen unvergessen bleiben.
Als Vertreter der demokratischen Partei ergriff der Abg. Pfarrer Korell das Wort: Wir haben, so führte er aus. iK dem unseligen Krieg ein« Summe tüchtiger menschlicher Arbeit verloren. Mub auch nach dem Kriege einer nach dem anderen in seinem Lande bedroht werden oder von Mörderhand dabinfallen. fraate er. Als die Nachricht von der Ermordung Dr. Rathenaus in den Reichstag gelangte, da bat es wohl leidenschaftlich« Ausbruche gegeben, aber das erschütterndste Zeugnis seien die Tränen gewesen, di« in graue Bärte bineingerieselt seien. Sie seien der Ausdruck der Scham darüber geweken. dab es Leut- gibt, die stch vergreifen an einem Sobn der eigenen Nation, der nichts anderes wollte, als ste in bessere Zeiten zu fübren. Der Redner ging dann ausführlich auf die L e b e n s a r b e i t Dr. Ratbenaus ein und »oa einen Vergleich zwischen der Persönlichkeit Dr Rnibenaus und Friedrich Skaumanns. Tr aemelte in scharfen Worten den Mibbrauch der mit dem Wort „national getrieben wird. Mit erhobener Stitzim« ncs er: Lasten Ste uns an dem Sarge Ratbenaus nicht nur in Ergriffenheit der Stund«, sondern in ruhiger Überlegung geloben, endlich einmal »u verzichten auf das Wort ..natio- no'l . wenn damit nur die Partei gestärkt werden soll. Lasten S:e uns zurückkebren zu dem Grundsatz: Da»
Vaterland stebt über der Partei!
Der Trauermarsch aus der ..Götterdämmerung" beschlob die Trauerfeier. Der Sarg wurde daruf vom Katafalk ge- boben und durch die Dorraum« der Vröstdialsäle settagen, um st dann die Wandelhalle zu passieren, wo zahlreiche Abgeordnete Ausstellung genommen batten und mehrere Sttl- denteukeirorationen in W''cks und mit Fabne Spalier bil-
t beten Unter Harmoninmklängen ging der Zua durch das curtvortal des Reichstags gegentiver der Siegessäule zum onrgsvlatz. wo,t'ne Kompanie Reichswehr mit Mustk und Evielleuten Aurstellnua genommen batte. Während der Sarg m das mit Rosen geschmückte Leichenauto g-boben wurde, spielte di« Regimentsmusik unter Trommelwttbel der Tambanren einen Trauermarsch, während die Truooen salutierttn Alsdann setzte stch der Trauerwagen mit einigen Automobilen, in denen di« Familienmitglieder Platz genommen batten. iNxBewegung. um nach Ober sch öne- w e i d.e »nkbren. im: die Beisetzung erfolate.
. Die Fülle der K r a n z s v e n d e n war geradezu über- waltiaend, Der Reichskanzler, die Minister sämtlich« Reichsbehorden, Jndusttieverbänd«. Wirischaftsverbände hatten wilndervolle Blumenfvenden niederlegsn lasten.
, Als der Reichspräsident den Reichstag verlieb, durchbrach eine nach Taulenden zählend« Menschenmenge die Ab- svecrung und es kam zu einer spontanen Ovation für den Reichspräsidenten, so dab das Auto stch nur ganz langsam Bahn durch die!« umflutende Menschenmaste brechen konnte. Ähnlich gestaltete stch auch die Abfahrt des Reichskanzlers Dr. Wirtb.
Die setz rnq in Ob rs^önerverde.
Br. «yklin. 28. Juni. (Elg. Drahtbericht.) DumPf tonen die Glocken, regenschwer ist der Himinel. Halbmast wehen von allen Eebättden der A. E.-E. die schwarzrotgoldenen Fahnen, für die Walter Rathenau gestorben ist. Halbmast flattern dje zahlreich am Wege liegenden Lauben den letzten Abschicdsgrust zu. Stumm griihen ihn unterwegs die Demonstrationszüge der Arbeiterschaft. Vor dem Portal des stillen Waldfriedhofs der Gemeinde Oberschöneweibe halten kurz nach 2 Uhr die Autos. Durch eine Allee von Lorbeer wird der Sarg nach dem Erbbegräbnis der Familie getragen, das stch etwa 30 bis 40 Meter vom Eingang entfernt befindet. Die 4 Meter hohen cfeu- umsponnenen Wände von Tropfstein stnd verdeckt von Tanckrnglün, das aber fast verschwindet unter den hineingcflochtenen roten Rosen, der Lieblingsblume des Toten. Gärtnerkunst hat das Grabmal zu einem dunklen Hain umgestaltet. Im e n g st e n Fa m i l i e n. kreise findet eine st Ille Trauerfeier statt. Trostworte des Geistlichen, stumme Grütze der Hinterbliebenen und hinab stnkt sich der Sarg in die Gruft, wo der meuchlings Hingemordete jetzt neben seinem vor 7 Jahren verstorbenen Pater und neben dem im Dienste des Vairilandes in Ägypten gefallenen Bruder ruht. Uber dem sich sibliktzcnden Grabe wölbt stch ^n Hügel von Blumen und Kranzspenden. Walter Rathenau hat den Kampf des Lebens hinter sich. Er ruht uu Frieden.
Die Kundgebungen im Reiche.
W. T.-B. Berlin. 28. Juni. Die Kundgebungen anlässlich der Ermordung Ratbenaus ünd »ach den bisherigen Meldungen in den verschiedenen Teilen des Reiches ruhig verlaufen. In München fand eine von den sozialistischen Parteiein einb'rufen: Massenkundgebung statt. Die Sek- l.onen zogen mit schwarz-rot-goldenen und roten Fabnen. ver- alnzelt auch mit Taieln mit der Aufschrift .Hock die Republik! . zum Versammlungsola«. Die Redner wandten stch hauptsächlich gegen die geistigen Urbeber des Mordes. — In Hannover wurde -iue oon den Soitzenverbänden der Gewerkschaften einverufene Tranerkunosebuna auf dem Water- loovwtz abgebaltene Etwa bu»derttauiend Personen wokmten der Kundgebung bei Die Redner traten für eine etnbcmiche Front der Arbeiter. Angestellten und Beamten ein. — Im i b e r n i s ch - westfälischen Industriegebiet leisteten zahlreiche Teilvebmer dem Aufruf der Gewerkschaften Folge. In Essen berrscht- seit gestern morgen 6 Ubr bis beute ttub 6 Ubr völlig» Arbeitserioe. Die öffentlichen Ee- däude batten halbmast geflaggt. Die Geichäften batten geschlossen. — In Breslau '-abme.n an einer Kundgebung auf dem Schlossvlntz viele Tausenor teil. Nach Beendigung der Kundgebung zog man unter Hxlir ifen auf die Revublik durch die Straßen der Stadt. Alle Beiricbe und Geschäfte waren von 12—1 Ubr nachmittags gesechlosten.
> W. T.-B. Jvtdiilftirt a ®J., 27 Juil. Aus Anlass der Beisetzung von Reichsministcr Dr Ralh-nau veranstalteten beute imchmittaa Arbeiter und Angestellten, von den drei sozialistischen Parteien auigeruien auf dem Overnvlatz eine Kundgebung. an der stch schätzungsweise 30 Ü0V Personen beteiligten. Wodl von einem Dutzend Stellen aus wurden Reden an die Menge gehalten, die stch gegen oen politischen Mord wandten und für den S-butz der Revublik eintraten. Ein Demonstra- tivnszug durch die Stadt «chloss sich an. Grössere -Zwischenfälle baden sich, soweit wir bis lest orfabren haben, nicht ereignet.
Bedanerliche Ausschreitt»»,«« ttl Darmstadt.
W. T.-B. Darmftabt. 27. Juni. Bei der beutisen Protestkundgebung anlässlich der Ermordung Ratbenaus kam es in der Stadt zu bedenerlicken Ausschreitungen. Es wurden vielfach Schilder beruntergrrisfen und demoliert und Geschäftsivbaber genötigt und misshandelt. In dem Sans« einer politisch missliS biaen Persövlichkett wurden, nachdem die Polizei enttvaftneit und die Gewehre demoliert waren sämtliche Fensterscheiben etngeschlagen.
Die Ausichrettunaen anläßlich der Protestkundgebung hob-n gegen Abend an Umfang »usenommen. Dt« Menge mang in die Wohnung der Abgeordneten der Deutschen Vplksvartei. D i n a e l d r v und Dr. O I a n n . ein und demolierte di« Mobnungseinrichtungen. Der Abg. Dingeldev wurde hierbei so schwer verletzt, dass an seinem Aufkommen aezweifelt wird. Auch der Aba. Dr. Osann wurde schwer misshandelt. Darauf dran« die Menge in di« Redaktion der ..Sessischen Lan- d e s, e i 1 u n g ein. zerschlug di« Türen und Fensterscheiben, demeliette das Mobiliar und warf die Zeitungen und Manuskripte auf die Strasse. Dasselbe geschah in der Redaktion des .Täglichen Anzeiger s". Auch hier wurden sämtliche Fensterscheiben einaeschlagen. das Mobiliar zerstött uns die Zeitungen anf die Sttasse geworfen Gegen 7 Ubr schritt die Polizei ein nnd feuerte nach einigen blinden Schüssen scharf in di« Menne. Mehrere Personen wurden verwundet, eine toll dem Bernebmeu nach getötet sein.
In den Abendstunden war di« Ruhe wiederbergestellt. Ganze Strassenviertel waren durch die Sckuvo abae- I v e r r i die von auswärts Verstärkungen erbaltrn batte. Bisher wurden 3 Tote und etwa 25 Verwundete festgestellt.
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W. T.-B. War«,. 28. Juni. lDrahtberfcht.s Gestern nachmittag setzte stch im Anschluss an die Demonsttation ein Zug nach der ..Wormttr Zeitung in Bewegung und nach der Wobi-ung des verantwortlichen Sbttttleiters um diesem die Misslilliguckg des Artikels im Morgenblatt Wer stnd die Mörder?" auszudrücken. Unter dem Druck der Menschenmenge und unter der Berstckerung einer Abordnung, dass die Widerrufung ves Artikels die einzige Möglichkeit sei. eine Beschädigung des Betriebes zu verhüten, wurde der Cchrittleittr veranlasst, eine Erklärung abzugeben, dab er den im Morgenblatt nerostentlichten Artikel widcrnife und ..uruckziebe. Inzwischen drang ein: Anzahl Demonsttanten i« den Betrieb der ..Wormser Zeitnnq' ^ nachdem ste die Türe cinaclchlagen batte" Sie beschädigten die Setzmaschinen schlugen eine Anzahl Stuhle zusammen und warfen einen im Sebersaal stehenden Satz auseinander.
^ Rn Karlsruhe. 28 Juni. (Eig. DrabtLerickt.) Anlässlich der Ratbenau-Kundgebiinq kam es auch in Karlsruhe zu schwerenAuslchreitungen in verschiedenen Stadt- virrteln. So wurden von den Läden die Schilder mit Hos- ttteln und Kronen berunteraerissen. Ganz besonder; übel wurde die Geschäftsstelle der Deuts»nationalen Volksv artet mitgenommen, wo die Rolläden gewaltsam emporgeboben.^te grosse Schaufensterscheibe »er-
ttümmett und sämtliches wurde.
liar kurz und Nein «schlagen
Die gestrige Kabinettssitzung.
Br Bettiu. 28 Jvni. (Etg. Drabtbericht.) Der gestern xachmtttng um 5 Uhr zusnmmengetreten« Kabinettsrat be ckafbat« stch mit der Weiterberatting des Geietzentwuttes * u i n iL 1 ? 11 tr Ae v u b l i k. Die Berattingen kmintsa noch nickt zu Ende geführt werden.
Tine Konferenz der MinifterPrSfttzenten.
Br. Berlin. 28. -Juni (Eig. Drabtbericht.l Wie wir erfahren wird am Donnerstas eine Konferenz der Ministerpräsidenten der einzelnen Staaten unter dem Vvrsttzc des Reichska"zlers Dr. Wirtb in Berlin zu- sammentrrten. um zu der Frage der Durchsübrung der Ausnabmcverordnuog rum Schutze der Revublik in den Ländern Stellung zu nehmen. Das Gesetz »um Schutze der Republik ist vom Reich-kabinett immer noch nicht endgültig durchberaten. Io dass auch beute eine Kabinettsbe- ivrechnng darüber stattlinden wird. Was die°vom Reichs- tvstizminister in Aussicht genommene politische Amnestie be trifft"so kann gesagt werden, dass auch hierüber bt* tttungea tm Gange stnd
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