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Donnerstag» 25. Mai 1922.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 243. ♦ 70. Jahrgang.
|BJT SBeffen des Himmelfahrt-StageS erscheint die
nächste „Tatzblatt^^Ausnabr am Kreitagnachmittaa.
Inlands- »nd Weltmarktspreise.
Die deutsche Wirtschaft hat in den letzten Zähren wesentlich davon gelebt, daß die Preise am deutschen Jnlcmdsmarkt niedriger waren als die Preise in der Welt. An sich ist ein solcher Zustand für die Prosperität einer Wirtschaft nicht notwendig. Wir hatten bis zum Beginn des Krieges ein vollgültiges Zahlungsmittel, >er deutsche Export war durch keinerlei Valutaspanne begünstigt, und dennoch konnten wir exportieren und exportierten wir in steigendem Maße. Zn Goldwerte ausgedrückt, ist der 'deutsche Export jetzt auf den vierten Teil seines Vorkriegsstandes vermindert, auf etwa 2Z4 gegen 10 Milliarden Goldmark jährlich. Es ist also nicht richtig, daß die Welt mit deutschen Waren überschwemmt wäre und daß das deutsche „Valutadumping" es sei, das die Waren der ausländischen Industrie von den Märkten vertreibe. Ader auch dieser verhältnismäßig geringe Rest unseres ehemaligen Exports ist tatsächlich in Gefahr, zugrunde zu gehen, wenn sich, wie es jetzt im Gange ist, das Niveau der Inlandspreise an die des Weltmarktes anpaßt. Denn während wir früher bei vollwertiger Währung alle Vorteile einer bis ins kleinste ausbalancierten Wirtschaftsführung, rascher Lieferfahigkeit, hochwertiger Qualitätsware, relativ geringfügiger Steuerbelastung usw, auf unserer Seite hatten, hat sich in all diesen Punkten seither ein Wandel zu unseren lln- gnnsten vollzogen, und die Nachteile, die uns in dieser Beziehung den anderen Zndustriewirtschaften gegenüber helasten, können vorerst nur eben durch niedrigere Preisgestaltung ausgeglichen werden. Und mit dieser Niedrighaltung des inneren Preisniveaus scheint es mehr und mehr vorbei zu sein.
An den Eroßhandelsindices gemessen, die eine größere Menge von Waren zusammenrechnen nnd die dann den Durchschnittspreis aus ihnen ziehen, ergibt sich freilich noch immer eine Spanne zugunsten der deutschen Inlandspreise: aber es ist die ganzen letzten Monate festzustellen, daß der Index der Inlandswaren stärker gestiegen ist als der Index der Auslandswaren, im Monat April z. B, um 19 gegen 9 Prozent. Und das Bild wird noch viel ungünstiger, wenn man nicht ganze Warenkomplexe unter die Preislupe nimmt, innerhalb deren sich immer noch besonders reglementierte und künstlich niedrig gehaltene befinden, sondern wenn man die Warengattungen eirrzeln betrachtet, und nicht nur auf Grund ihrer gegenwärtigen Preislage, sondern auch im Hinblick auf diejenige Entwicklung, deren wir fiir die nächste Zukunft bereits sicher sei« können.
Da haben wir z. B. für Getreide festzustellen. daß es sich dem Weltmarktspreis nicht nur bereits angenähert, sondern daß es ihn vielfach bereits überschritte« hat. Und wenn es der Landwirtschaft tatsächlich gelingt, auch noch den Rest jeder öffentlichen Bewirtschaftung, das Umlageverfahren, zu befeiftgen, so haben wir für den Herbst wahrscheinlich mit mehr als einer Verdoppelung der heutigen Vrotpreife zu rechnen. Es ist bezeichnend daß sich die Regierung vor kurzem datzu entschließen mußte, zu Preissenkungszweckea die Einfuhr von Auslandsgetreide ftei zu geben. Dieser Schritt hat aber zu wesentlichen Ergebnissen bis heute nicht geführt, und ob er bei den schlechten Erntoausfich- ten in der Welt demnächst noch dazu führen wird, ist zweifelhaft Eine gleiche Freigabe der Einfuhr, ebenfalls zum Zwecke der Prei^enkung, ist soeben auch für den Zucker angeordnet worden, dessen Preise das Weltmarktniveau beretts erheblich überschritten haben, und für Butter und andere Fette dürfen wir Ähnliches vielleicht demnächst erwarten. Eine scharfe Preissteigerung, die uns ganz in die Nähe der Weltmarktpreise führen wird, steht uns ferner fiir die Kohle bevor, und ebenso ist auf dem Markte der Texttle ein Niveau erreicht, das sich von demjenigen valirtakrästiger Lander kaum noch unterscheidet.
Mit allem droht unserer Industrie eine Absatzkrife, »re sich bei längerer Dauer zu einer Katastrophe auswachs en mag, und die nur — vorübergehend — aus- oieiben könnte, wenn eine rasche Verschlechterung des älarkwertes die Entwicklung für eine Weile aushielte. Eme weitere Verschlechterung der Mark aber würde - 1 * 5 1X111 vine andere Art von Katasttophe bedeu- ."V "ue sozialeKatastrophe namentlich fiir den Mittel- Nentnerstand. Zwischen dieser Scylla und 5 schwebt unsere wirtschaftliche Entwicklung, (yÜT 2 Zukunft liegt in weit weniger sonnigem Licht, mnTTffl p* h«Äen Frühsonrmertage uns aortäuschen
Die Einigung zwischen Dr. Hermes und der Reparationskonnnisfion.
,. v. Baris. 25. Mai. (Eis. Drabtbettcht.) Amtlich wird dre Meldung der „Efckaso Tribüne" bestätigt daß eine vorläufige Einigung zwiichm Dr. Hermes und der Reva- .ranonslommission rusiandegekommest sei. Die einzelnen Punkte der vorläufigen Einigung werden noch, nickt de- tojnt oeflefcen. Der vorläufige Abschluss wird jedoch m politischem Kreisen dabin ausgelegt. dah die Verband- lu.ngsmöglichkeiten erschöpft sind, und dah Minister Dr. Hermes das äu her sie Mab der Entente- sugeitändnisse kennen lernte. An die mage des Earantievakres sei man jedoch noch nicht bertuge- treten. da zunächst die An leibefrage im allgemeinen geregelt werden soll. Bon seircn der Revarations- kommMon wird nicht nur die Verpfändung der Zoll- « i n n a b m e n. sondern auch die Reichsttienbabn gefordett. Die Vollmachten Dr. Hermes bezogen sich iedoch nur auf die arase der Zvlleinnabmen. während er über die Verpfändung der Reickseiieubaba zu verhandeln nickt autorisiert war. Von ariderer Seite wird erklärt, dab das Gesamtergebnis der Verbandlunsen von dem Ergebnis der Besprechungen über ern« Reoarationsanleibe abbänge. Rn alliierten Kreisen sei man sich recht darüber klar, dag Deutschland aus eigenen Mitteln die Reparationsleistungen vorläufig nicht medr auf- bringen könne. Es muh daber unbedingt »u einer Anleibe kommen. Deutschland bat sich bereit erklärt, alles Erforderliche zu tun. um der Noteninflation ein Ende zu macken. Wie es beitzt. wird Dr. Hermes vor seiner Abreise dir oeutschen Pressevertreter in Paris emvfanseu und ebnen über den Stand und den Gang der Verhandlungen mit der Reva- rattonskommissron Bettckt erstatten. Don Berliner amtltck« Stelle wird über die Verbandlungen des Reichsfinanz- minisiers tu Patts nichts mitgeteilt. da erst der mündliche Bericht von Dr. Hermes absewartet werden soll.
Dr. Hermes' annehmbare Vorschläge.
v. Dar«. 24. Mai. (Cm. Drabtbericht.) Nach dem „Journal soll Reichsftnanzmiuister Dr. Hermes der Reparatv nskemmisfiou zunächst
.... . . .— __ die folgenden Vorschläge ge
macht baden' Das vorläufige Moratorium muh in ein endgültiges umgcwandelt werden, so dah sich Deutschlands Ver- pflrcktm'gei' auf 750 Millionen Goldmark in Barzahlungen und 1780 Millionen Goldmark in Sachleiftnimen belaufen
«ollen. Hermes glaubt dabei nicht, dah 1922 die ganzen Sachlieferungen beansprucht werden dürfen. Das deutsche Budget wird dreifach gegliedert in Verwaltung. Svezial- dienst und Beipflichtungen aus dem Fttedensoertraa. Das Berwaltnngsbudset bat «inen Überschuh von 60 Milliarden Paviermrrk. Das Budget des Spezialdienstes wird durch tu« Ettiobungen der Post- und Eisenbabntarif« defizitfrei. £. 1 « 60 Milliarden Vaviermark Überschuh ans dem ersten Budget und 40 Milliarden Pavirrmark ans der inneren Zwangsanlerbe werden dem dritten, dem Revarations- budget. zugembrt bezw. auch dem wenn
fordert Hermes für Deutschland eine Entschädäungszablnng an dre früheren Besitzer der Saarbergwerke sowie ein« Ent- ichadlkmn« für Autobesckädigte. die durch di« rasenden Ententoautos verletzt worden sind. Für den Inhalt dieser Vorschläge muh dem Journal die Verantwortung überlassen bleiben. Das Blatt isst, dah diese Vorschläge den verminfttge» Lcvtev durchaus annehmbar erscheinen.
Dir helzische Auffassung über dir Reparationsfrage.
v Pari». 24. Mai (Eia. Drabtbettcht.) Der belaNLe Delegiert« m der Revarationskommisswn Delacroir anbrxte sich ernem Mitarbeiter der „Ere nouvelle" gegenüber' über dir belgische Auffassung zu der schwebenden Reva- ratbcnsfraa«:
und Ke Neuttaleu würden Deutschland nur leiben, wenn
rbre Gelder n>cht gefährdet werden. Frankreich und Belgien wutzttn retzt, endgnltt« die Wahl treften. Sie mühten sich darüber «chlussrg werden, ob sie die Mitwirkung der Neutralen für den Wiederaufbau erlangen oder allein Erve- drtionen nach Deutschland unternebmen wollen. Die Besetzung des Rubrgebletes würde sehr grohe Hindernde be- schnooren und erneu Marksiurz zur Folge haben, der dir Verhandlungen des Wredergutmachnngsausschnises nur erschweren kcnvtr. Deutschland werde sich auf ein« Anleihe falls diese gam den Alliierten zuialleo solle. Die Alliierten wurden dre Anleihe ablebnen. falls ihr arohtrr Teil für dre rnneren Bedürfnisse Dsuticklairds be- ktimmt ier Der Gewährsmann der „Ere Nouvelle" erklärte werter, die Geldgeber würden zweifellos verlangen, dah die Alliierten e:n- für. allemal auf militärische Sanktionen verzrchteten. Frankreich und Belgien würden zu einem Berzrcht ans drei bis vier Jahre wobl be- rett sein, da dre Anlerbe die Sicherheit gewäürt. dah Deunch- lvnd nr dreien Jahren ferne Verpflichtungen ettülle. Aber die Alliierten munten die Möglichkeit behalten, nach Ablauf dieser Fttst wieder »egen DentMland oorrngeben. falls es sein, Berorlicktunsen «verfällt lallen sollte.
Rack Mitteilung breuen an
- _ der „Ere Nouvelle" den« man m
belgischen Krerien an ettre An leibe i« zwei Abschnitten von re vier Milliarden Goldmark. Der erste Absck-nrtt konnte gleich gezeichnet werden, di« zweiten vier Millrardvr hüttm Zeit bis 1924. Sfiif diese
Rückkehr Ll«y» Georges nach LsrrÄmr.
W.T.-B. London. 24. Mai. Wie die Blätter
Amerika und der Versailler Vertrag.
. Y7.1.-L. London. 24. Mai. (Drahtbericht.) In einem Leitartikel sibreibt die ..Times", der Versuch, einen Teil der Verantwortlichkeit für die Fortdauer der Unordnung in Europa der Nichtteilnahme Amerikas an dcm Völkerbund zuzuschreiben, sei wenig anderes als der Versuch, ernen Teil des Tadels für die Folgen, die aus der vrrbangnisvollen Feblerhaftigkeit der Friedensverttäse entstehen mvhten und entstanden sind, auf Amerika aüzu- walzen. Die Friedensverttäg« hätten, wie es unvermeidlich war und wie es deutlich vorausge-sehen werden konnte, dazu geführt, dah das wirtschaftliche und soziale Leben eines grehen Teiles von Eurova in Unordnung gebracht wurde. Für England, dessen Wohlfahrt mehr als die der anderen Lander von dem Handel mit aller Wett ab bange, seien die Artikel der Friedensverttäse nachteiliger gewesen als für icdes andere Land, abgesehen von den früheren feindlichen Staateni. Englands Arbeitslose seien seine zer- siorten Provinzen. Amettka habe nicht den Wunsch, den Anteil der Vrranttoortlichkeit seines eigenen Vertreters für oleies klägliche Ergebnis zu verringern.
Nach der Auffassung der „Times" hat die Ansicht, dah sich tie Vereinigten Staaten moralisch nicht von den Angelegenheiten Europas abwenden können, an Boden gewonnen und ein« deutliche Gestalt angenommen. Es könne acbcfft und erwartet werden, dah unter der Führerschaft H a r d l v e s und des Staatssekretärs Hughes diese Ansicht eine greifbare Gestalt annehme. Die amerikanischen Landwirte wenden der Verbrauchskraft und damit der Kanf- ttoft immer gröher« Aufmerksamkeit zu. Sie leben, dah unter den besiebenden Bedingungen diese Kaufkraft sehr gelahmt lei und auch gelähmt bleiben wird, bis Abhilfe geschaffen wird.
Die Ankunft Morgans in Paris.
D. Paris. 24. Mai. (Eis. Drabtbericht.) Morgan ist gestern abend aus London hier eingetroffen, um an den Sitzungen des mn der Revarationskommission ernennttai Auleihrausschusses teilzunehmen. Von Morgan persönlich ist nichts zu erfahren. Die Ansichten Morgans. die brüte der „Matin veröffentlicht, sind daher auch keineswegs von ihm selbst geäunert worden. Der Ebeiredakteur des Blattes sagt selbst, dah er nur von einem verlönlich mit den Ansichten des Amerikaners gut vertrauten Freunde die Nach- ttcktrn erbalton bot. Nach dessen Mitteilungen soll Morgan der Ansicht sein, dah die gesinnte Revarationsanleibe an Deutschland iw HöMbettag von 1 Milliarde Dollar vor sechs Wochen noch leichter hätte ausgenommen werden können als heute. Die Anleihe müsse zum gröhten Teil vom ameri- konifchen Publikum aufgebracht werden. Morgan sei daber bei seinen Bemühungen v'cht nur von genügenden Sicker- beitsle'stungen Deutschlands, sondern auch von der vertrauensvollen Stimmung des amerikanischen Publikums ab- bärgi«. Die gute Laune dieses Publikums sei aber inzwischen durch den Wirrwarr von Genua, die Verhandlungen mit den Bolschewiken und den Ravrllovertrag erbeblich gestört v>orden.
Die Reife der ftanzöfischen Finanzkommission nach Amerika vertatzt.
W, T.-B. Paris, 24. Mai. Wie der „Petit Parisien" mittcitt. ist die Abreise der Mission Parmentier. die geplant war um Verhandlungen mit der Regierung der Bereinigten Staaten über die französischen Kriegsschulden anzuknürsrn. aus unbestimmte Zeit vertagt worden. Zweifelsohne glaube die Regteruna. dah der Augenblick, wo i> -kn Frankreich ansekommen fei. schleckt gewählt sei.
Me Kosten des Gennefer Aufenthalts der deutschen Delegation.
Br. Berlin. 24 Mai. lEig. Drahtbericht.) In den letzten Tagen sind wiederholt Angriffe gegen den angeblich hoben Aufwand der deutschen Delegation in Genua erschienen. die den Tatsachen in keiner Weise entsprechen. Die Vetteilung der Mitglieder der Delegation und der Sach- ve-rftändigen in die zur Verfügung stehenden Hotels in Genua rmd Umgebung ettolgte durch das Generalsekretariat der Konferenz. Die Pensionsvreise waren von der italienischen Regierung festgesetzt. Auch die Zahl der gemieteten Kraftwagen wurde ans das Miud utmah heschränkt Um die Kosten zu verringern, wurde frühzeitig mit dem Abbau der Delegation begonnen. Der Rechnungschef des Deutschen Reiches wird die Kosten auf das genaueste prüfen. Wie wir von gut unterrtckteter Seite erfahren, sieht die Delegation dieser Prüfung mtt aller Ruhe entgegen.
Dir Übergabe Oberschlesiens.
Breslau. 24. Mai. (E!g. Drabtbericht.) Die ober- Mesifchen üderlettungsverbandluagen sind soweit fortge- ge»ckr!tten. dah der Zeitpunkt der Übergabe, die sich strichweise voklzieben wird, ungefähr festgesetzt werden kann. Man kann ^nmt rechueu. dah sie Mirre Juni beginnt und gegen Ende Juni sendet rft. An einem und zwar vorausstcht- stch dE ettten Tage der Übergabe wird das Eisenbabnwessn Dolmsch-Oberschleneas nt volnische Verwaltung übergeleitet werden, am glichen Tage beginnt der Einmarsch des vol- michen Mrlttars in den volnischen und der Reichswehr in orv deutschen Terl des Üaaoas. Polizrikräfte folgen un- mtttelbar. Es tft vorgesehen, dah das polnische Militär, das ms da bin an d^r Grenzen bereitgestellt wird, mit seiner Retteret womöglich bis zur n-rrien Landesgrenz« vorrückt Die Überleitung der Verwaltung wird dann im ganzen reichlich zwei Wochen in Anspruch nehmen, aber sie wird dann erst so- zusagen, im Robbau vollendet sein.
Me Krebithilfe für Österreich.
IV N.-B. Wien. 24. Mai. (Drahtbericht.'« Die in Londt mtt den Verttetev, der M o r g n n - D r u v v e und den en liicken Bankiers wegen Gewäbrung von Privatkrediten c Deutsih-Ssterreich sefübtt-n Verdandlungen hatten zunaä das Ergebnis, dah der Kreditvl.an Rosenberg günstig.aufgenomm-n und mn Kredit von 8 bis : Millionen Plund Sierling m Aussicht gestel wobei jedoch die Entfcheckung von den Entickliesu
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