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Verlag Langgasse 21

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Mittwoch» 24. Mai 1922.

Morgen-Ausgabe.

Nr- 241. ♦ 70. Jahrgang.

Die nächste Etappe.

Zu Genua war kaum das letzte Wort g$pn>djeti, da glaubten in Deutschland auch schon manche Kritiker, das letzte Wort über Genua sprechen zu müssen, und wenn man bedenkt, mit welchem Eifer jede Woche eine Bilanz über die Ergebnisse der Konferenz gezogen worden ist, dann schien es in der Tat kaum besonders schwer, nachdem Lloyd George dem nicht übermäßig lebensfähigen Kind den letzten Nachruf gewidmet hatte, ein Urteil fix und fertig zur Hand zu haben. Und hoch wird man Genua auf die Weife nicht gerecht, denn die Auswirkungen dieser Konferenz werden sich erst noch bemerkbar machen müsien. Denn wie das oft zu ge­schehen pflegt, ist auch in Genua das Wichtigste nicht im Hauptzimmer, sondern im Nebenzimmer verhandelt worden, nicht einmal in den Kommisiionsberatungen, in denen unter tausend Schmerzen Resolutionen ge­boren wurden, die Me Verbotstafeln berücksichtigen mußten und schließlich niemand zu etwas verpflichteten. Aber man weiß, daß auch sonst einige Unterredungen stattgefunden haben, und wenn man solange wie die Staatsmänner der europäischen Länder in Genua bei­einander ist, so kann man schließlich, auch wenn die offiziellen Pressestellen hüben und drüben das glauben machen wollen, nicht nur vom Wetter reden. In die­sem Sinne wird also noch öfter von Genua und seinen Auswirkungen zu reden fein.

Wenn man andererseits lediglich die Resultate der Konferenz betrachtet — wobei also schon der Vertrag von Rapallo ausscheiden würde — kann man aller­dings das allgemeine Urteil unterschreiben. Man hat Genua in dem großen geistigen Riugen mit einer Durchbruchsschlacht verglichen, und wenn man diesen Vergleich beibehalten will, so muß man feststellen. daß es das Schicksal der Durchbruchsschlachten im Westen teilt, die ohne Ausnahme Eiterten. Gewiß ist auch hier die Stellung an einigen Punkten verbessert, aber der Durchbruch mißlang und mußte mißlingen, weil der Versuch von vornherein auf viel zu schmaler Basis unternommen wurde. Lloyd George hat gemeint, die russische Frage Men zu müssen, da er der An­sicht war. wenn es gelänge, Rußland wieder in die Weltwirtschaft einzusügen, am schnellsten und sichersten all die Stockungen und Störungen überwunden wür­den, unter denen die Welt heute leidet. An dieser Stelle ist bereits früher darauf hingewiefen worden, daß diese Anschauung irrig ist. Auch Rathemm hat in seiner Schlußrede vorsichtig angedeutet, daß das russi­sche Problem nicht die Wurzel des Übels sei, wenn er darauf verwies, daß die gewaltigen Zerstörungen innerhalb des russischen Reiches nur mit etwa 3 Pro­zent in den Welthandel eingreifen. In ganz ähnlichem Sinne hat sich jetzt auch Asquith auf einer Konfe­renz des nationalliberalen Bundes, in der er die Koalitionsregierung und die Konferenzpolitik Lloyd Georges scharf angriff, geäußert, indem er ausführte, Rußland fei keineswegs das Haupt- und Grundproblem. Die Konferenz sei aber daran gehindert worden, die Frage des europäischen Wiederaufbaues, der Re­paration und der internationalen Schulden zu er­örtern.

Allerdings dürfte die Zeit zur Lösung dieser beiden untrennbar miteinander verknüpften Probleme noch nicht reis sein. Eine solche Lösung scheitert nicht nur am Widerspruch Frankreichs, sondern auch am Wider­stand Amerikas, das als Eläubigerland die wichtigste Rolle spielt. Bleibt also in der Reparationsfrage das Provisorium für kurze Frist! Run weiß man ja, daß Reichsfinanzminister Hermes in Paris hierüber ver­handelt und die französischen Blätter glauben auch über diese Verhandlungen mancherlei melden zu köM neu. Alle diese Meldungen beruhen aber, wie immer wrÄ>er sestgestellt werden muß, lediglich aus Kombi­nationen. Man hat sich gegenseitig zu Stillschweigen verpflichtet und die ganzen Verhandlungen mit den Mitgliedern der Reparationskommission haben lediglich den Zweck, eine Grundlage für offizielle Verhandlungen mit der Reparationskommission zu schaffen. In Deutsch- es Kräfte, die den Mangel an authentischen nacynchten über die Pariser Verhandlungen benutzen, 10 einmal Krisenluft zu schaffen, wobei . dings nicht recht zu erkennen vermag, welchen LI Krise haben soll, es sei denn, daß

TiitrL « . um der Krise willen wünscht. Eine

in ibJ 1 * zweifellos die schwersten Gefahren weitpr'--^ das fortgesetzte Betonen der Möglichkeit, Seite m^eutsches Gebiet zu besetzen, auf französischer mindesten^rnÄ D^arnungszeichen sein. Es zeigt zum runo Stimmungen die französische Regie-

N im Ä^ tragen muß. selbst wenn man die Ge- nicht für so drohend hält, und sich ^ auf Herrn Tardieu beruft, der rm „Echo

National" ausführt, daß am 31. Mai nichts geschehen werde, weil nichts geschehen könne, da dieser Tag gar nicht der Termin zur Erfüllung einer bestimmten Pflicht, sondern ein Termin zur Annahme einer Ver­pflichtung sei. Da zudem di« Verhandlungen über eine etwaige internationale Anleihe bis zu diesem Termin kaum beendet sein können, so wird man den 31. Mai selbst vielleicht weniger zu fürchten brau­chen. Es kann aber gar keinem Zweifel unterliegen, daß sich die Verhandlungen außerordentlich schwierig gestalten werden und die große Gefahr rückt nahe, daß das Ganze wieder auf eine nochmalige deutsche Unter­schrift unter dir Versailler Rechnung hinausläuft. Keineswegs liegen aber die Dinge so, wie manche deut­sche Politiker glauben machen wollen, daß Deutschland jetzt etwa vor der Wahl Atempause oder Nichterfüllung steht. Die Entscheidung, die jetzt getroffen werden muß, ist so überaus folgenschwer, daß sie nur jenseits aller Parteipolitik gesucht werden kann und gefunden werden muß. Jetzt wieder mit Krisen zu spielen, ist ein Verbrechen am deutschen Volke, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann!

Die Rückreise Dr. Hermes' «ach Berlin.

Br. Berlin, 23. War. (Eia. Drahtbericht.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, wird das Eintreffen des Reichsfinarrminssters Dr. Hermes hier für Donners­tagabend erwartet. Bei dieser Gelegenheit wird von zuständiger Stelle nochmals betont daß diele Reife längst vorgesehen war und keinesfalls auf irgend einen Erfolg oder Mißerfolg der offiziellen Bsivrechungen des Ministers mit der Resarattamskonnnission »urückzufübren ist Sie dient lediglich der Berichterstattung und es hat keinen Zweck, an st« optimistische oder vessimistMr Srolußfosgernnsen zu knüpfen. Im übrigen liegt es kör mr Bereich der Wahrscheinlichkeit, daß man schon am Ende dieser Woche über das. was in Paris erreicht wurde, im klaren fein. wird. Der Grund der Reife Hermes nach Berlin liesr darin, daß nicht nur der deutsch-franzöfilche Gixensatz bauvtiäcklich in der Garantiefrage unüber­brückbar war. sondern daß stch auch di« deutsche In­dustrie gcgeuüber verschiedenen Projekten durchaus a b - lehnend verbalten bat. Diese Schwierigkeiten haben das Kabinett daher veranlaßt, die VerichterttattmW von Dr. Hermes alAUwattrn. Wahrscheinlich wird der Reichs­kanzler feine anaekündigte Rede über Genua noch nicht am Donnerstag halten, da das Problem der Konferenz von Genua mit dem der Revarationsfrage fo ens verknüpft fei. daß es kaum möglich wäre, das eine zu besprechen. ohne das andere zu streifen.

*

Br. Berlin. 23. Mai. (Ei«. Drahtbericht.) Das R e i ch s- kabinett ist beute vormittag zur Fortsetzung feiner glstrigen Beratungen nlfammensetretsn. die stch auch ans die Pariser Dcrbandlunsen best RerchÄnnanNnraMers Dr. erstrecken dürften.

»ermes

Anfragen Wer Genua im englischen Unterhaus.

Vf. T.-B. London, 23. Mai. Im Unterhaus erklärte Ebamberlaiu in ErwideruW auf verschiedene An­fragen. die Debatte über die Genueser Konferenz werde am Donnerstag stattfinden. Sir Wortbruston E v aus werde nach Eröffnung seitens der Negierung eine allgemeine Ei klär uns abaeben. Der Premierminister werde cmf Kritik warten, bevor er weitere Darlegungen machen werde. Ein Blavbuch würde bezüglich der Genueser Ver­handlungen vorbereitet und befinde sich augenblicklich im Druck. Er hoffe daß das Blaubuch den Mitgliedern morsen nachmittag zur Verfügung stehen werde.

Ein Parlamentsmitglied fragte, ob das Blaubuch Mit- Uungen enthalte, woraus die genaue Art und di« genauen weck« der Haager Konferenz ersichtlich feien sowie Aufzeichnungen über dre Erörterungen, die in Genua ftatt- faiiden. und ob es nickt den Wünschen des Sauses mehr ent­spreche. daß der Premierminister die Debatte über Genua

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eröffne. — Chamber la in erwiderte, das Blaubuch werde alle notweick««m Men enthalten, jek ' ‘ ' ~ ’

»ttchnnngeu über die verschiedenen llnterredm

enthalten. fedoch feine Äuf-

__ — --en Unterredungen in Genua.

Sir Wortbrrgton Evans könne besser «ine Darlegung der in Genua erreichten Abmachungen »eben als der Premier­minister. Ehamberlam erklärte weiter, er wolle dem Hause nickt verheimlichen, daß der Premierminister die Art der Kritik kennen lernen wolle, die gegen ihn gerichtet wer­den würde, bevor er seru Recht, zu sprechen, in Ansoruch ne£wcn weiht.

Auf eine ZwÄÄen-fruse eines Parlamentsmitgliedes erklärte Ebamberlain. Lloyd George beabstcktige nickt.

t erklärte Eham- Premierministers

.... ...______ gehabt, über tön

kritisieren. Jetzt könnten ste ihn in seiner Gegenwart

Clvnes fragte, ob die Aufmerksamkeit der Regierung auf die am 16. Mai auf der Genueser Konferenz abgegeben« Erklärung Tschltscherins gelenkt kt. nt welcher der russische Münster ^cwan mitteilte, daß reder An

ohne weiteren Verzug räume. — Ebamberlain erwiderte, daß seine Aufmerksamkeit auf eine Mitteilung dieser Art gelenkt sei. Die Antwort auf den »weiten Teil der Frage lautete verneinend. Die britische Regierung vettrcwe dar­auf. deck die iasamsche Regierung ihr Versprechen erfüllen werde.

wleoz Mk Sem « MHMinöiiim

Br. Bruchsal. 23. Mai. (Eig. Drabtbericht.) Der Reichs- tassabg. Erkelenz, der als wirtschaftlicher Sachverstän­diger an der Konferenz von Genua teilgenommen hat. machte in der öffentlichen Versammlung des Parteitages der Deut­schen demokratischen Pattei Badens interessante Ausführungen üb«: seine Eindrücke in Genua und die Ergebnisse der Konferenz sowie über die zurzeit in Paris geführten Verhand­lungen des Reichsfinanzministers Dr. Hermes. Er beleuch­tete zunächst die weltpolitischen Schwierigkeiten für Deutsch­land infolge des Friedensoertrages von Versailles. Die Sieger glaubten bisher, mit militärischer Gewalt das Gold aus Deutschland herausholen zu können. Dl« Entwickelung der Weltwirtschaft habe jedoch das Gegenteil bewiesen. So­lange nach dem Weltkriege die Völker nicht begreifen, daß su nur durch

«emeiu'xrme Arbeit aus-dem Elend hrrauskommen

können, werde die europäische Lage nicht gesunden. Llovd George habe die Konferenz von Genua einberufen, um alle europäischen Völler wieder zusammenzubringen und Europa von den wirtschaftlichen Schwirrigknten zu befreien. Die Aufgabe der Konferenz von Genua war. die wirtschaftlichen Beziehungen wieder anzuknüvfen. Deutschland kam mit ge­nasen Ermattungen nach Genua: denn solange das arobe Schuldenstreichen nickt vorgenommen wird, wird eme solche Erholung Eurovas nicht möglich fein. Das Ergebnis von Genua war mager. Wenn man aber berücksichtigt. daß die schwere Krankheit Eurovas nicht von heute auf morgen zu heilen ist. so waren die Verhandlungen doch nirot ganz erfolglos. In Genua ist Deutschland, das seit dem Welt­kriege von den anderen Böllern abgeschlossen war. und bisher nur mit den Sieserstaaten auf dem Wege der Roten verhan­deln konnte, zum ersten Male wieder mit den anderen Regie­rungen persönlich in Fühlung gekommen. Der zweite Schritt zur Besserung ist di« bessere B eur t er l u n g unser es Finanzgebarens durch die Siegerstaaten. Man.wart uns vor. das Sinken der Mark fei Deutschlands ersene Schuld. Das wäre richtig wenn Deutfchlarch niM die 132 Milliarden Eoldmark zu bezahlen hatte. Man bat stck in Genua unter Zustimmung der französischen Regierung auf wirtschaftliche Richtlinien geeinigt, die bei.den kommenden Auseinandersetzungen von großer Wichtigkeit sein werden. Im Mittelvuutt der Konferenz stand dir russische Frage. Die Russen konnten in Genua den ihnen vorgelegten Vertrag der einladenden Mächte nickt unterschreiben. Im Haag werden daher nock grobe Schwierigkeiten zu überwinden sein Der Wiederaufbau Rußlands wird ein sehr schwieriger Prozeß werden. Jetzt weilt Dr. Hermes in Paris um dort die Ver­handlungen wesen der Erleichterung der Reparationszah­lungen weiterzuführen. Durch Erhöhung der Steuern die Re­parationszahlungen zu leisten, ist nicht möglich. Daher muß eine Einigung mit den Siegern erzielt werden. Eine end­gültige Regelung der Reparationszahlungen wäre zwar am meisten wünjchenswett. doch muß. da di« Lösung zurzeit nicht möglich ist. der Versuch zu einer vorläufigen Regelung auf vier Jahre durch eine internationale Anleihe gemacht werden. Das ist die Grundlage der Verhandlungen, die Finanzminifter Dr. Hermes in Paris fübtt. Gelingen die Verhandlungen, so wird die Mark steigen und Deutschland kann im Innern gesunden. Daher stnd die Verhand­lungen in Paris wichtiger für Deutschland als die in Genua. Scheitern die Verhandlungen in Paris, dann stnd die Siegerstaaten in der Lage. Deutschland den Hals zu- zuschnüren. Das muß die deutsche Außenpolitik verhindern. Daß die Einbttt des Reiches nickt zerschlagen werden konnte, ist der einzige Lichtblick in all dem Elend. Die Politik des Abwartens in diesen schwierigen Zeiten war die einzig ttchtige. Diese Politik war sicher nicht populär, aber der Verlauf der letzten Monate zeigt dock eine Erleichterung der Lage. Die Geschichte des deutschen Volkes ist nickt be­endet. sie besinnt von neuem. Es wird auch für Deutschland ein Sonnentag kommen wenn es in gemeinschaftlichem Ringe« treu rusammenstebt...

Die englisch-italienischen Abmachungen.

W.T.-B. Paris. 22. Mai. Der Berichterstatter des ..Matin" will von gut unterrichteter Seite erfahren haben, daß keinerlei Vertrag »wischen England und Italien untcrzerchnet worden sei. allerdings seien die ge­pflogenen Berhondlnnsen mit der Aufstellung von vier Ent- wüiien zu wirtschaftlichen und Handelskonventionen abse- fchlassen worden. Diese Entwütte bezögen sich

1. auf die kommerzielle Tätigkeit Englands und Italiens in Rußland und die im Verhältnis der beider- fettisen Kaoitalbeteiligungen vorzunehmende Verteilung des etwaigen Nutzens aus gemeinsamen Unternehmen.

2. auf pogcnfeitiges Einvernehmen bezüglich der italie­nischen Politik in Libyien und in der ägyptischen Frage.

3. auf englische Unterstützung der italienischen Sandels- unternehmungen in Kleinafien. Smarua und Adalia.

t. auf die Frage, in welchem Rahmen das gemeinsame Vergeben Italiens und Englands in der Türkei und die Detteilung des Einflusses beider Länder im östlichen Mittel- mrer ru reaeln feien.

Ll«yL George über die englisch-italienische Interessen­gemeinschaft.

v. Ra«. 23. Mai. (Eis. Drabtbericht.) Llo.y,d George bat an de 8acta ein Telegramm gesandt, rn dem es beißt'

Die Dankbarkeit Englands für d^. wunderbare >rgamfaticn der Konferenz von Genua und für die Unter- Nützung. die ste von feiten der italienischen Regierung ge­sunden hat. findet nickt die reckten Wortt. U/ssere beiden Demokratien arbeiten zusammen, und ich bone. auch die fravzöstsche Demokratie wieder an unserer. Seite zu leben, um mit uns zum Andenken der für Freiheit und Recht

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Italien wirtschaftlich und politisch stark sei urch ick glaube^ daß Italien dasselbe Interesse an der Macht. Wohlfahrt

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