Seite 4. Freitag, 19. Mai 1922.
Wiesbadener Tagblatt.
Morgen-Ausgabe. Erstes Matt. Nr. 233.
schem Volksgefühl beseelten Ansprachen den rbreisenden Kollegen Herz lichfte Grütze an die deutschen Stammesbrüder im Reich auf. Während deutsche Volkslieder -ngestimmt wurden, verlieh der Zug die Bahnhofshalle.
Wiederverhaftung eines geflüchteten Raubmörder», Am 23. Februar wurde in Hamburg der holländische Kaufmann Piper ermordet und beraubt. Als Täter wurden der Schauspieler Richard Bauer und die Wirt schasterin Gertrud Emmler verhaftet. Bauer gelang es, gleich nach seiner Festnahme zu flüchten. Et wurde jetzt von der Kriminalpolizei in eine: Spandauer Gastwirtschaft aufgefunden und verhaftet. Bauer wird noch wegen Eiftmordversuches in Mecklenburg und wegen verschiedener Ein bruchsdiebstähle verfolgt. Zn den seinerzeit in Hamburg bei ihm vorge- fundenen Gepäckstücken befanden sich Papiere, worin nicht weniger als 47 Diebstähle verzeichnet waren.
Eine überraschende Anstlärung hat jetzt ein Raubüberfall gefunden, de: im November 1920 durch maskierte Räuber auf das Postamt in Eelsenkirchen-llcScndorf verübt wurde, bei dem dis Täter unter Androhung von Gewalt eine Eeldkiste mit 108 VVV M. entwendeten. Die Täter konnten damals nicht ermittelt werden. Jetzt hat sich herausgestellt, daß der Raubüberfall von zwei Angestellten der Post ausgeführt worden war, die nunmehr verhaftet woiden sind.
Festnahme eines oberfchleflschen Bandensührers. In einem von den alliierten Truppen in Antonienhütte umstellten Easthof befand sich unter den Banditenmitgliedern auch der berüchtigte Bandenführer Eorka. Gorka gelang es, zu entkommen: er wurde aber mit vier Kumpanen bald darauf in Bielschowitz von der Eemeindewache erkannt und verhaftet. Sämtliche Verbrecher, die im Alter von IS bis 24 Jahren stehen, wurden gefesielt nach Kattowitz verbracht. Der Schaden, den die Band« angerichtet hat, wird aus fünf Millionen geschätzt. Einer Blättermeldung aus Breslau zufolge setzte die Interalliierte Kommission in Oppeln eine besondere Kommission zur Feststellung der Entschädigungsansprüche ein.
Munitionsexplosion bei Rmiens. Aus Amiens wird die Explosion eines grotzcn Lagers von deutschen Granaten gemeldet. Das Depot stand isoliert. Durch die Explosion wurde niemand verwundet und auch die Beschädigungen in den umliegenden Dörfern find nicht bedeutend.
Gasvergiftung zweier Schwestern. In Sonneberg wurden zwei Schwestern, die 44jährige Hulda Pechauf und die verheiratete 52jährige Schwester Anna Ehrlicher durch Gas vergiftet aufgrfunden. Eine der Schwestern hatte beim Backen einen Ohnmachtsansall erlitten. Das Lber- siedcnde Fett verlöschte die Gasflamme und durch das ausströmende Gas fanden die beiden Schwestern, von denen eine gelähmt im Bett lag, den Tod.
Der Allsbruch des Besuvs nimmt, wie aus Neapel gemeldet wird, ständig zu. Aus der nahen Umgebung sammeln sich große Menschenmaffen, um das großartige Schauspiel zu betrachten. Die letzten Rächte brachten einen besonders heftigen Ausbruch. Weithin hört man das unterirdisch- Rollen, wobei dauernd neben der Lava Steine aus dem Krater herausgeschleudert werden.
Handelsteil,
Umtausch des Krieg sanleihebesitzes der Sparkassen?
Der Reichsfinanzminister hat dem Deutschen Sparkassenverband mitgeteilt, daß er bereit sei, für den Fall des Umtausches der im Besitz der Sparkassen befindlichen Kriegsanleihen gegen tilgbare Namensschatzanweisungen des Reiches die Zerlegung der neuen Schatzanweisungen im Falle der Veräußerung zu erleichtern, daß aber im übrigen die mitgeteilten Umtauschbedingungen das Maß dessen darslellten. was vom Standpunkt der finanziellen Leistungsfähigkeit des Reiches vertreten werden könne. Hierzu schreibt die Zeitschrift des Deutschen Sparkassenverbandes: „Diese Entscheidung des Reichsfinanzministers ist bedauerlich. )ie Bedingungen genügen in keiner Weise den Interessen der Sparkassen. Die Sparkassenverwaltungen würden eine sehr schwer tragbare Verantwortung auf sich nehmen, wenn sie unter diesen Bedingungen in erheblichem Umfange auf den Umtausch eingingen. Wenn die jetzige Entscheidung des Reichsfinanzministers als endgültig angesehen werden müßte, so müßte es den Sparkassen überlassen bleiben, bei gegebener Gelegenheit ihren Besitz an Kriegsanleihen bestmöglichst abzustoßen. Viele Sparkassen sind nur durch die von den Sparkassenverbänden genährte Hoffnung, daß das Reich ihnen wenigstens teil
weise die erlittenen Kursverluste abnehmen oder vergüten werde, bisher davon abgehalten worden, dem Beispiel anderer Organisationen und Unternehmungen zu folgen und ihre Kriegsanleihebestände bei Gelegenheit des Abschlusses neuer Darlehnsgeschäfte abzugeben. Daß sie, werin diese Hoffnung getäuscht wird, ihre bisherige Zurückhaltung aufgeben werden, ist kaum zu bezweifeln. Ebensowenig, daß in diesem Falle recht erhebliche Bestände von Kriegsanleihe auf den Markt gedrängt werden könnten, deren Aufnahme durch die Kriegsanleihe-A.-G. nicht ganz leicht fallen würde, Auch den wiederholten Anträgen des Deutschen Sparkassenverbandes, den Sparkassen ähnlich wie den Genossenschaften gesetzlich die Möglichkeit zu verschaffen, einen Teil ihrer Kriegsanleihebestände zur Zahlung von Vermögenssteuern an ihre Kundschaft abzugeben, ist von der Reichsregierung trotz eines in gleicher Richtung abgegebenen Votums des vorläufigen Reichswirtschaftsrates nicht entsprochen worden. Unter diesen Umständen werden die Sparkassen schwerlich geneigt sein, an einer späteren inneren Anleihe des Reiches sich zu beteiligen. Der Deutsche Suarkassenverband hat deshalb das Reiclis- fmanzministerium um nochmalige Erwägung ersucht, ob nicht durch einen für die Sparkassen annehmbaren Umtausch ihrer Kriegsanleihebestände gegen tilgbare Schatzanweisungen des Reiches oder auf einem anderen geeigneten Wege ein Ausgleich für die enormen Kursverluste gewährt werden könne.
Berliner Devisenkurse.
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Mai, Drahtliche 17. Mai 1922
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2636.90
5548.05 4539.30
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551.60
86.75
212.70
136.75 4019—
Brief
11264.10
106.90
2408.05
5381.75
6182.75
7425.30 598.25
1526.95 1260.65
289.62
2643.30
5561.95 4550.70
2.97
553.20
36.85
213.30
137.75
4031—
Geld
11485.60
108.20
2431.95.
5493.10
6307.10 7565.30
613.20 1533.05 1313.85 2S3.63 267 1.65 5622.96 4604.20 3.55 667.25 37.25 223.70 138— 4044—
Briet
11514.40
108.52
2438.05
5506.90
6322.90 7584.50
614.80
1538.95
1319.15
294.37
2678.35
5637.05 4615.80
3.95
563.75
37.35
224.30
139.—
4056.-
Gründung eines Syndikats mit Rußland.
Wie aus Breslau gemeldet wird, ist seit einiger Zeit die Gründung eines Syndikats mit Rußland in Vorbereitung, das vor dem Abschluß steht. Der Zweck des Syndikats ist. zur Wiederanknüpfung der Handelsbeziehungen mit Rußland, eine größere Anzahl industrieller Unternehmungen zu einem gemeinsamen Vorgehen zusammenzufassen. Es handelt sich um solche Industrien, deren Erzeugnisse dem wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands dienen können, nicht um Luxusindustrien. Die Namen der angeschlossenen Firmen sind bis jetzt noch nicht veröffentlicht worden. Man weiß aber, daß eine ganze Anzahl bedeutender schlesischer Werke dabei ist, außerdem ist die Beteiligung leistungsfähiger Firmen aus Mittel-, West- und Süddeutschland bereits ' gesichert. Die angeschlossenen Firmen vertreten u. a. folgende Waren gruppen: Verlade- und Transportanlagen. Eisenbahnwagen und anderen Eisenbahnbedarf. Lastkraftwagen, landwirtschaftliche Maschinen und Einrichtungen, Wasserkraftanlagen, Textilmaschinen, Metallwaren für technische Zwecke, Baumaterial, Bauausführung in Holz. Beton. Eisen usw., Chemikalien und sanitäre Bedarfsartikel. Glas und Glaswaren, Schuhwaren, Webwaren. Wollwaren. ferner ist auch eine SeeschiffaKrts- geseilschaft beteiligt. Die Verhandlungen des Syndikats mit den russischen Stellen gehen teils durch die Vermittlung der russischen Handelsvertreter in Berlin, teils wird direkt mit der Moskauer Regierung verhandelt. Die Ver-
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handlungen erstrecken sich u. a. auch auf den Erwerb Liner Bergwerkskonzession. Eine Expedition nach Rußland ist für die nächste Zeit in Aussicht genommen.
Kleinhandelspreise wichtiger Lebensmittel und Hausbedarfsartikel in Wiesbaden vom 7. bis 13. Mai 1922.
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Eßkartoffeln . 100 kg-
Eßkartoffeln . . 1 kg 6.20 Zwiebeln .... 1 kg 28.—
Gemüse
Weißkraut .... 1 kg —■»—
Rotkraut.1 kg —.—
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Rosenkohl . ... 1 kg —.—
Grünkohl.1 kg —.—
Gelbe Rüben . . . 1 kg 16.— Schwarzwurzel . . 1 kg —.— Rote Rüben . . . 1 kg 12.— Weisse Rüben • . 1 kg —.— Erdkohlrabi ... 1 kg —.—
Spinat.1 kg 16.—
Blumenkohl (ausl.) 1 kg —.— Meerrettioh . . . . 1 St. 2.—
Sellerie.1 St. 3. —
Lattichsalat . . . 1 kg 50.—
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Obst
Eßäpfel. deutsche Kochäptel Eßbirnen . Kochbirnen Zitronen . Apfeisinen Kastanien Walnüsse Haselnüsse
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6.40
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12 .—
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1 kg —
. 1 kg 20.-
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.ist. a- , 18 t.
- * kg —
-1 kg — .- . 1 kg —
30—
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2.50 10 _
Fische
Hering, gesalzen . 1 St. 2— 4.50 Seeweißlinge(MerL)l kg 16— 20— Schellfisch .... 1 kg 24.— 32.— Bratsch ellfisch . . 1 kg 16— 20.— Kabeljau, ganz . . 1 kg 20.— 28.— Kabeljau, Ausschn. 1 kg 24.— 32.— Heilbutt, ganz . . 1 kg 80—100.— Heilbutt L Ausschn. 1 kg —.—120.— Steinbutt, ganz . . 1 kg 80.—130.—
Scholle.1 kg CO.— 60—
Seezunge, große . 1 kgl20.—120— Seezunge, kleine . 1 kg —.—110.— Rotzunge(Limand.) 1 kg 50.— 60.— Hecht, lebend . . 1 kg —.— 70.— Karpfen, lebend . 1 kg —.— 80.— Schleien, lebend . 1 kglOO,—120.— Seehecht, ganz . . 1 kg 24.— 40.— Seehecht!. Aussch. 1 kg —.— 50.— Zander, allgem . . 1 kg 45.— 90.—
Preis Mk.
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Rheinzander . . . 1 kg 50.—100— Bachforellen, leb. 1 kg —,—300.— Salm, frisch, ganz 1 kglSO.—200— Salm i. Ausschn. . 1 kg —300.— Bl auf eichen ... 1 kg —-—
Geflügel und Wild
Gans.l kg —.—100.—
Truthahn .... 1 kg —.— —.—
Enten.1 kg —.—116.—
Hahn. 1 kg 96 .— 120 .—
Huhn.1 kg —.—100.—
Kapaune.1 kg —.—110.—
Taube.1 St. 25.—
Flcischwarcn
Schinken (gekocht) 1 kgl44.—160.— Dörrfleisch .... 1 kg! 12.—120.— Solperfleisch . . . 1 kg 96.—104.— Nierenfett . . . 1 kg 89.— 80.—
Schwarcenmagen . 1 kg 72.—100.— Bratwurst .... 1 kg —— 96.— Fleischwurst . . . 1 kg 64.— 80.— Leberwurst.... 1 kg 48.— 60.— Leberwurst, bess. 1 kg 80.-112.— Blutwurst, frisch . 1 kg 48.— 80.— Blutwurst, Hausm. 1 kg 60.— 96.— Roßfleisch .... 1 kg —.— 36.—
Hülsenfrüchte u.Mehl
im Großbezug Erbsen, gelbe, z. Kochen, ungeschält . . 109 kg 1600—160o Speisebohnen . 100 kg 1400—1500
Linsen.100 kg 260:)—3000
Weizenmehl Nr. 0100 kg 2200—2300 Roggenmehl Nr. 0 100 kg — 1600
Brot
Schwarzbrot (gemischtes Brot aus Roggen- u. Weizenmehl) . 1 Laib —- 14.20 Weißbrot .... 1 Laib —18.20 Brötchen (frei) . . 55 g —.— 1.—
Kolonialwaren
Weizenmehl . . . 1 kg 22.— 24.— Erbsen z. Kochen . 1 kg 13.— 17.— Speisebohnen . . 1 kg 16.— 17.—
Linsen.1 kg —25.—
Fadennudeln . . . 1 kg 27.— 34.— Weizengrieß . . . 1 kg 20.— 26.— Gerstengraupen . 1 kg 18.— 23.—
Reis.1 kg 22.— 32.—
Haferflocken . . . 1 kg 15.— 19.—
Gemischt.Backob3tl kg —.-.—
Kaffee, gebrannter 1 kgl80.—200.— Zucker, harter . . 1 kg 30.— 34.— Speisesalz .... 1 kg 2.— 2.80 Schweineschmalz,
ausländisches . 1 kg —.-
Tafelöl.1 Ltr. —60.
Salatöl.1 Ltr. —.-
Rüböl.1 Ltr. —50.—
Heiz- und
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Steinkohlen ... 50 kg 104.40 —.— Braunkohlenbriketts .... 50 kg 60.45 — Petroleum .... 1 Ltr. 11.50 13.—
Die Morgen-Ausgabe umfaßt 8 Seiten.
chmiptschrtftseiter: H. Sekts»
E-«-mtw-rtN» ftlr den politischen T-il: tz. Sekts«: Nlr bm wnt» ««ttungsteiC: ff, «üntl)er; für den lokalen und provinziellen Teil, so«t» und Handel: W. Etz; für die Anzeigen und Reklamen: tz. Dornauf, sämtlich in Wiesbaden.
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