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Samstag, 1 3. Mai 1922.
MlllW m Klhüdill NllWlsOs.
Zwei Fälscher sind in diesen Tagen entlarvt worden, deren Tätigkeit Deutschland in den kritischsten Tagen seiner jüngsten Vergangenheit unendlichen Schaden zugefügt hat. Man kann sie gewiß weder intellektuell noch moralisch auf eine Stufe stellen. E i s n e r, der Ungebildete, aber weltfremde Literat, wurde durch die Revolutionswelle auf einen Posten gehoben, dem seine durchaus unpolitische Wesensart nicht im geringsten gewachsen war. Wenn er nur ein Fünkchen Selbstkritik und richtige Selbsteinschätzung besessen hätte, wurde er seine Hand nach dem Ministerprnsidenten- vosten des zweitgrößten deutschen Landes niemals ausgestreckt haben. Seine Eitelkeit verführte ihn, es dennoch zu tun, und in seiner Unkenntnis politischer Dinge gelangte er schließlich dazu, in blindem Fanatismus das Parteiinteresse dem des Vaterlandes ooran- zustellen. Er glaubte zweifellos auf Grund seiner parteipolitischen Überzeugung an eine Kriegsschuld Deutschlands. Um sie zu beweisen, griff er zu amtlichen Fälschungen und Entstellungen von Urkunden. Sein eigener Privatsekretär und vertrauter Mitarbeiter Fechenbach bezeugte ihm, er würde niemals so gehandelt haben, wie er es getan hat, wenn er den wahren Zusammenhang der Dinge so gekannt hätte, wie wir ihn heute kennen. Mag sein! Aber der Politiker ist für das, was er tut und unterläßt, verantwortlich und muß auch die Folgen und Wirkungen feines Verhaltens richtig einzuschätzen wissen, sonst soll er eben die Hände von der Politik lassen. Eisner hat leine Irrtümer und Fälschungen mit dem Tode gesühnt. Leider ist der ungeheure Schaden, den er dem Dater- loi!.oe zugefügt hat, selbst durch den Tod nicht wieder- gutzumachen. Er wird in Deutschlands Geschichte zu den schlimmsten Verderbern des Vaterlandes gerechnet werden müssen.
Ganz anders steht es um den anderen Fälscher, Erich Anspach. Er hat die raffiniertesten Fälschungen begangen, um den Ententemächten und Polen ^-aterial für die Behauptung zu liefern, daß sich -'"ntschland der durch den Friedensvertrag von Versailles vorgeschriebensn Abrüstung zu entziehen suche, ge s,nie militärische Organisationen und auch eine -torksr« Polizei unterhalte, als nach dem Friedens- vertrag erlaubt ist. Durch die Verhaftung dieses sehr geschickten Fälschers endlich weiß man, wie all die Noten entstanden, in denen Deutschland immer wieder beschuldigt wurde, insgeheim zu rüsten, und wie all die Nachrichten zustande kamen, die von deutschen Aufmarschplänen, Gcheimorganisationen usw. sprächen. Ein Tunichtgut, ein junger Bursche, Anfang der Zwanziger. ein verkrachter Gymnasiast, ein ehemaliger Schiffsjunge, der sich selbst den Doktortitel verliehen batte, ist der Lieferant des „Materials" gewesen-, das Frankreich und das auch Polen als Unterlage für die Noten über „Verfehlungen" Deutschlands diente! Mas den Verbrecher zu diesen Taten trieb, ist heute noch mcht ganz geklärt. Die Sucht nach dem Gelds allein scheint es nicht gewesen zu sein. Er behauptet sogar, nur seine, allerdings sehr hohen Auslagen zurückerhalten zu haben, denn die Herstellung all der falschen Stempel war natürlich nicht billig. Er will alles nur begangen haben. „um seinen Machtkjtzel chl befriedi- ® C, L’ SU- J5 reube stabe es ihn jedesmal erfüllt, wenn er £ or^ Ir r! 1 ”? c ’ nct Fälschung in diplomatischen Noten uud Aktenstücken gesehen habe, und Anspach hat sich
L e iL- ou 'n« als den eigentlichen Leiter der
deutschen Außenpolitik bezeichnet. Vielleicht hat er sich nach seinen ^aten selbst darüber gewundert, wie ihm seine Abnehmer auf den Leim krochen und sich Eedan- ken darüber gemacht, mit wie wenig Verstand auch wt^d m ^ c ** cn Oxenstjernas die Welt regiert
Einer der Hauptbetrogenen des Meisterfälschers war der ehemalige französische Kriegsminister, Herr Oefbvre, dem es besonders die deutsche Schutzpolizei angetan hat Immer wieder verkündete er dem französischen Volke auf Grund „authentischen Materials" die furchtbare Gefahr, die Frankreich aus der verkapp- ten militärischen Organisation der deutschen Schutzpolizei drohe. Auch dies authentische Material stammt ausder tvalschersabrik des Dr. Anspach. In mühevoller «rvert hat Anspach zwei Listen von überzähligen Be- amren der Schutzpolizei zusammengestellt. 64 000 Mann Rainen und Standort einzeln an, und K»„ n °r .40 000 Mann in Sammellisten dazu. Die Ktswl 1 ^ ben Adreßbüchern verschiedener deutscher mTrf^rZ tn0m Ü t Z Anspach auch geheime Auf-
seschffn-rn!i54r^ Mobilmachungsvorschriften lieferte, ist g&K* (EBeitfo fiefette ei nach dem »lelchea Rchchswebr angeblich überzählige Offiziere der
etflnnnrnrr»n tu^L bte geheime Weiterführung der
Stammrollen be, den Bezirkskommandos. über einen
Abend-Ausaade.
angeblichen Ring deutscher Kampfflieger und all das schone Material, das aus den Meldungen gewisser Blatter bekannt ist. Sein Abnehmer war dabei keines- wegs nur Frankreich. Auch Polen wurde gut beliefert, rvaflensendungen von Königsberg nach Kowno mit Angaben, die bis zum Brotbeutel heruntergehen, Waffensendungen nach Lettland, wurden frei erfunden und die gut gefälschten Dokumente dann der polnischen Gesandtschaft übermittelt. Ja-selbst für Amerika soll der Falscher auf wirtschaftlichem Gebiet „gearbeitet" haben. Um seine Berichte recht wichtig und glaub- wurdtg erscheinen zu lassen, trugen sie 'den Vermerk „Geheim" „Vertraulich". „Eilig" usw. Die „Originalbogen uberließ er den betreffenden Stellen immer nur auf einen Tag, sie wurden dann eiligst abgeschrieben und photographiert. Die Eile begründete er damit, daß er die Berichte nicht so lange der Dienststelle, wo er arbeite, fernhalten dürfe.
Da Anspach seine Fälschungen mit großem Geschick aussuhrte, gelang es ihm, uns außerordentlichen Schaden zuzufügen. Er will die Täuschung der Ententemächte begangen haben, weil es ihn freute, eine so ^'ä>nge Rolle spielen zu können. Danach hätte man also in ihm wohl den Typ eines herostratischen Narren vor sich. Vielleicht war aber für Anspach, der Mitglied des Spartakusbundes war. doch auch die Absicht mit maßgeoend. durch den Einfluß der Ententemächte eine derartige Schwächung der deutschen Militär- und Polizeimacht herbeizuführen, daß schließlich die Bolschewiken ihre umstürzlerischeu Ideen auch in Deutschland zur Durchführung bringen konnten. Dann hätte man ** fun m Ariern gefährlichen politischen Verbrecher
Doch mag das eine oder aridere der Fall gewesen fern, das Deutsche Reich und das deutsche Volk wurden aus alle stille durch die Taten Eisners und Anspachs auf das schwerste geschädigt!
Reichswehrminister Seßler über Anspach.
Sr. Berlin. 13. Mai. lEig. Drabtbericht.) Der Reicks- °k^ekrsm!nrster einvffng einen Mitarbeiter des ..B. X “ *u
<rr?*über Anfscreb. Seit 24 Stunden, besann der Minister, werde ick mit Anfragen bestürmt die stck um die angebliche deutsch-russische Konvention drehen.
Sailen Sie es für möglich. lautete die erste Frage dast 5aDÄ" I r <1 ' Wtt Anspach der Erfinder auch dieser
Das kann ick nickt fasen, entgegnete der Minister.
. Sind die Fälschungen Anspacks, wie er stck einbildet aui den Gang der Politik von Einflust gewesen?
,... J KI,r ’ must dl« Frage leider beiaben. In ver- r* u1 ^ tn btr Interalliierten Kontrollkom- hin” ,cb e «r ne r nange Reibe, von Behauptungen, die
m den Fälschungen Anlvacks wiederkehren. Ick habe in den letzten Jahren vor dem Rätsel gestanden, dast frc-nMlche Staatspeiionen von verantwortlicher Stelle aus Bebaup- b!e fefefn. bie objektiv unwahr waren. Ick habe Mick zu dem Gedanken nicht durckringen können dast !•?&/ w Bt r « e Unwahrheit fasen. Anlvacks Verhaftung ' dast nunmehr eine Wendung eintritt und dan noch io ickon ausgemachte Pavrere nickt mehr ohne weiteres als Dokumente angesehen werden, q. -F.'e v o l n '! ^ e 'S e s a n d t s ch a f t lästt durch den BerlriTer Korresvondenten der ..Rzesvolita" erklären, dast
?'f ' e !^ tn - er ??iuiscken Gesandtschaft vorae- rät. utib 8tocit in ?ebr ctiifbnnÄltdier
?iums"^MavtbÄv^vI^^ter des Reickswirtschaftsministe^ M "’ieSf^. n J aab et auch einen anderen Namen an.
- Umstandes und des schleckten Cbarak- ters waren seine Dienste stets ab gewiesen worden Berlm. 13. Mai. (Eig. Drahtbericht ) Der Fälscher Anspach bat auch Ausfuhrbewilligungen bera-- stellt. Er gab stck als lgresteckef des Ein- und Ausfuh-nmtes aus und er soll viele Tausende Ein- und Ausfuhrbewilliaun- hab'en^^" "iele Millionen beträgt, in Umlauf gesetzt
, Einer llorrcspcndenzmeldung zufolge stnd in die An- aclegephelt Ansvach mehrere Helfershelfer h»** Flickers verwickelt fo ein anaeblick>er Dr T r u m v. der dle.^kumente an den Mann brachte. Bei dem Absatz der gefälschten Einfuhrbewilligungen soll angeblich ein Rittmeister Müller eine Rolle gespielt haben
Amerikas Garantieforberungen.
0- Bans. 13. Mai. (Eig. Drabtberickt.) In offiziellen n>"^rikanl>chen Dressen in Baris liefen gestern aus New o r k Meldungen ein. nach denen die grosten Bankiers New Aorks und Ebwagos stch an Morgan gewandt haben, um zu. rerlangen. dast Frankreich und Belgien stck verpflichten, nickt nach Deutschland einzurücken. wenn eine Anleihe in den Berelnrgten Staaten möglich gemacht werde. Morgan sst ausgefordert worden, zu verlangen, dast ein groster Teil der Befatzungstruvven am Rhein zurückgezogen werden soll um Deutschland zu gestattest, die Wiedergut- machungskesten leichter auszubringen.
Fortführung »er Kriegsbeschulbigten-Prozessc.
... Arrlin, 12. Mai. Das Reichsgericht hat
für dre ,Fortführung der Kriessbeschuldigten- rosesse den nächsten Termin zum 28. Juni anberaumt >as erste Verfahren richtet stck gegen den Arzt Dr. M i ch e I- sobn.aus^Verbn.^der auf Grund der franröstschen Ausliefe-
runasliste er!cke
^ nenmisthandlung verdächtig --int Michelsvhn soll als leitender Arzt des Lazaretts in Eifrv und anderer Lazarette französische Gefangene mitz- handelt baren. Auster mehreren deutschen Zeugen wurden »u dem Termin I I französische Zeugen geladen Die Verbandlungen, werden einig« Tage dauern.
Nr. 224. ♦ 70. Jahrgang
Die Seraioaien öäet Die wsslsU ünttootf.
J l- Kenn«, 13. Mai. (Drahtmeldung unseres Sonder- berlchterftatters.s Gestern- vormittag um 10 llhr ver- -selten sich hier die Vorsitzenden der einladenden Acachte. Es hat sich dabei die allgemeine Übereinstimmung hergusgebildet, daß die russischen BediNMN- gen in ihrer gegenwärtigen Form nicht angenom- werden können. Da sich aber die Russen bereit erklärten, auch ohne sofortige Erledigung der russischen Frage an der Konferenz weiter zu arbeiten, so wist nian die Konferenz weiter fortführen. Es wurde vor- gcfchlagen, durch die politische Kommission die russische Delegation auffordern zu lassen, die Antwortnote nicht zurückzuziehen und in einer Form zu überreichen, die zur Weiterführung der Verhandlungen geeignet ist. Dieser Vorschlag fand aber keine Annahme. Die Übergabe der Frage an einen gemischten Unterausschuß bedeutet allgemein bereits einen Erfolg. Lloyd George hatte erklärt, daß die nächste Frage der Beratung die Frage des Earantie- Paktes sein wird. Das Programm des Earantie- paktes könne vielleicht eher erledigt werden, wenn die Franzosen auf ihren Wunsch, daß die Russen die Frie° densverträge anerkennen sollen, nicht beharren würden. Da das jedoch ausgeschlossen ist, kann man noch auf eine mehrere Tage dauernde Diskussion rechnen.
TJ. Genua, 13. Mai. (Drahtmeldung unseres Sonderberichterstatters.) Lloyd George und die Mitglieder der englischen Delegation sind zu dem Entschluß gekommen, daß die russische Antwort n i ch t d e n Interessen des russischen Volkes entspricht. Die Note sei zu allgemein gehalten, anstatt genaue und bestimmte Vorschläge zu machen. Die englische Delegation ist entschlossen, um jeden Preis Europa und Rußland den Frieden zu erhalten. England ist einverstanden, daß die finanzielle Frage des russischen Wiederaufbaus einer gemischten Staatenkommission zur Prüfung übergeben wird. Wenn man nach Übergabe des russischen Dokumentes die Verhandlungen mit Rußland abbreche, würde man die Nachbarstaaten Rußlands einer russischen Invasion aussetzen.
U Sjku«. 13. Mai. (Drahtmeldung unseres Sonderberichterstatters.) Die politische Kommission wird deute eine Sitzung, und zwar wahrscheinlich ihre letzte ah- balten um über das Sckicklal der russtschen Antwort ,u entscheiden. Die Deutschen und dir Russen nehmen an dieser Sitzung mcht teil. In dieser Sitzung wird Lloyd George die Übergabe der russischen Angelegenheit an eine g e- SVÄi e rftänbtfienfomminion und den
Abschlust eines Gottesfriedens Vorschlägen Die Italiener die Kleine Entente rmd auch di« Neutralen werden lerne Vorschläge wahrscheinlich unterstützen. Es ist noch un- gewitz. wie stch Frankreich und Belgien dazu stellen werden. Man glaubt ledock. dab Frankreich nickt einmal diesen Teilerfolg Lloyd George gönnen werde und alle Kraft daran setzen wird dast die politische Kommilston die Unmöglichkeit. Vereinbarungen mit den Rüsten zu treffen, erklären soll. Sicher ,st bereits, dast Dr. Benesch der ilcheckoilowakische Ministerpräsident. Lloyd George im Stick aelasten bat. und dock er jetzt bedingungslos die französischen Bestrebungen unterstützt. Daber äusterte stck Lloyd George gestern sebr scharf gegen Benesch. Der französische Standpunkt gebt dabin. dast die russtscke Antwort im Sinne der Eanner Bestimmungen absolut unannebmbar sei. Die französische Delegation soll nickt mebr in der Lage sein über die russische Frage in Genua Abmachungen zu treffen. Wenn die französische Delegation trotzdem noch nicht abreist, so geschieht es nickt nur deshalb, weil noch einige Wirtsckaftsfragen »u erledigen sind, sondern bauotsäcklich auch, weil ste nicht als die am frübesteu abreisende Delegation vor der Welt erscheinen möchte.
Lloy» George schlechter Laune.
. ü- ls ri Mai. (Drabtmeldung unseres Sonderbe
richterstatters.) Lloyd George ist in sebr schlechte« Laune, so austerten sich Per^nlichkeiten'in seiner Umgebung Er ist -mrklich enttäuscht Er bat geglaubt, dast die Rüsten ib" als Vertreter der russticken Interessen anerkennen würden und demgegenüber findet er letzt, dast die Rüsten ibm trotzig orgenubersteben. Auch Benesch hat ibm eine Enttäuschung
+ E e ü cIt * * Ba t ■ nam 1 V rf l Llo"d George betreffend den Garant,evakt seine Unterstützung versprochen. Da er frif? n ^wisset, Organ Hationsfebler der Konteren,
" retzr nicht mehr die Rolle des Ma- ss"?/rs.Lloyd Georges spielen Lloyd George soll auch des- balb betrübt sein, weil er kehr wahrscheinlich auch mit dem Eottesfrieden die Konferenz nicht bis zum 31. Mai zuiam- m^nbalten kann. Heute gebt sein Bestreben dabin. de» Eottesfrieden abzuschlresten statt eines Earantievaktes. lerner die vlktion der Kleinen Entente und Bolen zu kontrollieren und dann die gemischte Sachverständigenkommission zu organisieren und ihr Wirksamkeit zu verschaffen.
Sowjetruhland erkennt den Versailler Vertrag nicht an
W. T.-B. Paris. 13. Mai. Die ..©re Nouvelle" veröffentlicht ein in Moskau mitgeteiltes amtliches Kommuniauö folgenden Wortlauts: Die von der französischen Preste verbreiteten Nuchrickten. denen zufolge Tschitkcherin », einer Unterredung mit Benesch zugegeben batte, dast es den Sowjets möglich wäre, den Versailler Beitrag anzuer- krnncn. sei völlig unbegründet. Der Vertrag von Versailles, der für die Wiederversobnung der Völker ein Hindernis ist, kann von Sowjetrustland niemals sanktioniert werden. Alle Nackricbten. die das Gegenteil bebaavtea. find von Anfang bis rum Ende erfunden.
