Die Finanzlage Deutschlands.
Br. Berlin. 5. Mai. Ms. Drabtbericht.) Im Saunt, »usickiub des Reichstages erklärte Dr. bermes «ui eine demokratiicke Anfrage, daß dir K > na n»la se erst nach Abschluß der Verhandlungen mit der Revarationskom- Mission eingehend erörtert werden könne. ,
In der gestrigen Sitzung des Reichsrats breit Ministerialdirektor Sacks bei der Beratung des v au s- Lalts der allgemeinen Finan, Verwaltung für 1922 einen Vortrag, in dem er lagt«:
Die Reichsrepierung glaubt aus Grund non neuen Dor- cnicbläaen gegenüber den vorgesehenen 10 Milliarden Mark neuer Steuern ein Plus von V.8 Milliarden, insgesamt alw von etwa 50 Milliarden erwarten iu dürfen. Gegenüber Vielem Mebrertrag seien jedoch Mehrausgaben von o.2 Milliarden zu setzen, so das, 4 6 Milliarden verfügbar biteben, die insbesondere dazu dienen sollten, die Bezüge der Militär- und Sozialrentner a u f, u b e s i e r n.
Der Reicksrat erteilte lein Einverständnis mit diesen Abänderun! n. ebenso mit de» nach der Note , der Reoara- tionskomminion erforderlichen Abänderungen cm »ausbalt für die Ausführung des Friedensvertrages. Trotz Steuer- komoromist und Moratorium bleiben jedoch 139 Milliarden beim Revarationsetat u n g e d e ck t. Durch den Anleibebedari der Betriebsverwaltungen von 23 Milliarden erböbt sich der Feblbetrag des gesamten Etats auf 169.2 Milliarden. Wie es möglich fein soll — so bemerkt der Berichterstatter zu diesen Ziffern — angesichts solcher Finanzlage der Notenvresfe Einhalt zu tun. dafür feblt jeder Anhaltspunkt.
Einberufung de» Ältestenrats des Reichstags.
Br. Berlin. 5. Mai. lEia Drahtbericht.) Der .Deutschen Alls. Ztg." zufolge ist der Ältestenrat des Reichstages auf Samstaavormittag zu einer Sitzung rusammenberuien worden, um über den Termin der Plenarsitzung des Reichstages Beschluß zu lassen.
Wieder deutscher Flugzeugbau.
Sr. Berlin. 5. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Der Heu- tige 5. Mai bedeutet für die deutsche Flugzeugindustrie vasEnde des Feindbundbauverbotes. An stelle der interalliierten Luftfahrtkommission tritt mit dem heutigen Tage das Luftfahrt-Darantie-Komitee in Tätigkeit, dem insbesondere die Überwachung der Neubauten und die Innehaltung der Begriffsbestimmung obliegt. Es ist zu hoffen, daß diese an sich sehr dehnbare Bestimmung so ausgelegt wird, daß wenigstens wieder im geringen Umfange ein Wiederaufleben der deutschen Lufffahrtindustrie in Erscheinung treten kann.
Urteilsverkündung im Fechenbach-Prozeh am 11. Mai.
Br. München. 5. Mai. (Eig. Drabtbericht.) Der Prozeß Fechenbach bat m't den Plädoyer sder Anwälte der beklagten Partei gestern vorläufig lern End« gefunden. Die Urteilsverkündung ist auf Donuerstos. den 11. Mar. nachmittags. anberaumt worden.
Rücktritt des braunschweigischen Ministeriums.
Sv. Braunschweig, st. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Die große Debatte über den Bericht des Untersuchungsausschusses wurde gestern rm Landtag zu Ende geführt. In der Abstimmung über den sozialdemokratischen Bertrauensantrag wurde dieser mit 30 bürgerlichen gegen 21 Stimmen der Linken a b gelehnt. Hierdurch wurde der Regierung das Vertrauen versagt. Der Präsident liest darauf eine kurze Pause eintreten. Nach Wiederaufnahme der Beratung gab Minister A n t r i k im Namen des Gesamtministe- riums die Erklärung ab, datz diese infolge des Mißtrauensvotum zurücktrete. Die nächste Sitzung des Landtags ist noch nicht endgültig festgesetzt.
Das bisherige Ministerium wird die Geschäfte weiterführen, bis eine neue Regierung gebildet ist. Man vermutet, daß dies auf der Grundlage der großen Koalition geschehen wird.
Verminderung der englischen Besatzungstruppen.
Br. Berlin. 8. Mai. (Eig. DrahtberichtZ Wie der ..Verl. Lokalanzeiger" ertäbrt. soll vom 1. Juli ab di« stärke der englischen Beiatzunastrupven am Rbe,n nur noch zwei Jnfanteriebataillone und zwei Krait-
iabrcrbatterien betragen _
Wiesbadener Tagolatt.
Wiesbadener Nachrichten.
Die Bostbestellung ln Stadt und Land.
Postamtlich wird mitgeteilt: Etliche Tageszeitungen babe-n in letzter Zeit wiederholt Artikel gebracht, dl« sich mit der Auf beb un« d«r Postbestellung an Sonntagen nach dem Lande befassen. Es wird darüber Klage geführt, daß die Polwerwaltung in dieser Beziehung das Land vor den Städten benachteilige. Es ist von jeher Grundsatz gewesen, da« Sonntagsbestellung nach den Landorten nur da auszu- führen ift, wo di«es na<b dein 93erfe&T£iimt<in>0 enotfrtrltu) «ft. Unter dem Druck der schlechten Finanzlage des Reichs, die zur S&eWtieime aller nicht unbedingt notwendigen Ausgaben zwingt, haben arrch die Derkebrsernrrchtungen der Post allgemein erbeblich eingeschränkt werden muffen. Auch der Sonntagsbestelldienst nach dem Lande hat einer Nach- vrüfung unterzogen und überall da aufgehoben werden müssen, wo nach dem Umfang des Verkehrs ein drmgendes allgemeines Bedürfnis für die Beibehaltung nicht anerkannt werden konnte und die für die Bestellung aufzuwen- benden Kosten zu der Zahl ber ab,ulragenden Sendungen m einem starken Mißverhältnis standen. Daß hierbei d« kleineren Landort« und Eir»elniederlassun»en. deren Versorgung nrit Post wegen der kostspieligem Postverhcndungen und der mehr oder weniger großen Entkernungen zuemamder erhebliche Zuschüffe erfordert, in erster Lim« da ber aus- fallen müßten, liegt in der Natur der Sacke. Die Betriebs einschvänkungen erstrecken stch gleichmäßig auf Stadt und Land. Auch in den Städten ist d«e Zahl oer werktäglichen Briefbestellungen und her Briefkastenleerungen erheblich emgeschränkt worden. Die Einschränkungen fbnEN aber rbre natürliche Grenze an dem Umiang des Verkehrs, der ,n den Städten mrt dem emsig pulsierenden Geschäftsleben wur wenig, auf dem platten Lande dagegen viel starker wu rückgegangen ist Dieser Umstand wird leider von den, Bewohnern des Landes bei ihren Dergleichen immer übersehen. da ihnen eine nähere Kenntnis der Verkebrsverhalt- ntfl* in den Städten fehlt. So ist auch di« Zahl b« werktäglichen Briefbestellung in den Städten ganz verschieden, und es findet keineswegs, wie vielfach behauptet wwd überall noch ein« dreimalige Bestellung statt. In vielen mittleren und kleineren Städten findet werktäglich durchweg nur noch zweimalige Bestellung statt, während bei den meisten Postagenturen und bei manchen klerneren Postämtern auch im Ortsbestellbezirk nur noch einmal täglich bestellt wird. Die Poswerwaltung trifft ibre Emrrchtun- gen lediglich nach dem tatsächlichen Verkehrsbsdurfnis innerhalb der ihr durch die finanzielle Lage des Reichs gezogenen Grenzen
Besserung der Transport»erh8Itnisse.
Aus Berlin wird uns berichtet: Es gewährt immerhin Beiriedigum, wenn wir in heutigen Zeitläuften dann und wann auch ein kleines Zeichen anscheinend« Besserung feststellen dürfen Nach einer Mitteilung des Reichsverkehrsministeriums. die dieser Tage erging, hegt man an den zuständigen Stellen die Erwartung, daß die Betrtebslage der Reichsoifenbahn es nunmehr gestatten wird, vom 1. Mar feste Lieferfristen einzuführen Das bleutet, daß das aufgelieferte Transportgut in drei Kategorien, in Eilgut, beschleunigtes Eilgut und Frachtgut, eingeteilt wrrd. und das für all« drei Arten bestimmte Termine für die Abfertigung und oie Anlieferung garantiert werden. Bisher war die Lage bekanntlich die. daß man sozusagen nur eine Wahrscheinübkeitsberecknung anftellen konnte, wann ein« Sendung den Adressaten erreichen würde. ia es gab sogar Zeiten, wo ein nicht unerheblicher Prozentsatz des auf- gegeben.len Frachtguts verloren ging. So schlimm steht es beute erfreulicherweise nicht mebr. und wenn dr« Renchs- eTenbahnverwaltimg das zum 1. Mai gernacht« Dersorrchen durchzuführen vermag, so wild das nicht unwesentlich dazu beitragen, das Vertrauen der Bevölkerung zu ihr und ihr« Leistung zu beben und w-iederherzustellen. ,
— Zum bevorstehenden Gesetz über die Zwcmgsanleibe.
Das Finanzamt teilt mit: In letzter Zeit sind beim hiesigen Finanzamt in übermäßig großer Zahl Anträge emgegangen. welche im Hinblick auf die Bestimmungen des neuen Vermögenssteuergesetzes die Rückgabe von selbstgezecchneten Kriegsanleihen bezwecken, welche über das beschleunigt zu erhebende Reichsnotopfer an Zahlungsstatt hinge- geben find. Demgegenüber wird darauf hingewiesen. daß das bevorstehende Gesetz über die Zwangsonleibe voraussichtlich die Anrechnung solcher Kriegsanleihen auf di« Zwangsamleibe zulasten wird. Derartige Anträge sind da- der zurzeit noch zwecklos und insofern bedenklich, weil nicht ausgeschlossen ist. daß das Zwangsanleihegesetz im Falle einer Rückforderung selbstgezeichneter Kriegsanleihe versagen wird, so daß durch vorzeitige Stellung derartiger Anträge dir Gefahr entsteht, der Verwertbarkeit von Kriegsanleihe verlustig su geben. Auch di« Anträge aus Erstattung von Barbeträgen. die über den beschleunigt
_ Wen>»gnt»l<. Erste« Blatt. Sette I,
tu entrichtenden Teil des R.N.O. »«leistet ,stnd. erscheine» noch verfrüht, so lange die Ausführungsbestmimungem des neuen Dermogensfteuergesetze» noch nicht vor liegen.
— Der Reichsoerband für Badebrtriebe, in dem das Badegewerbe Deutschlands organisiert ist. hält vom 7. ois 10. Mai d. I. zu Weimar steinen Delegiertentag ad. D« Tagung verdient insofern die Beachtung der ONenüichke«. als das arg darnieder liegend« Badege-werbe nach Mittem und Wegen sucht, d« zur Rettung vor weiteren Nteder- bruch dienen können. Durch Krieg und Kriegsfolgen sind bereits 1009 der vor dem Krieg bestandenen Badeanstalten emgegangen. Was dieser Umstand in bezug auf DolksM- sundbertsvfl^e zu bedeuten bat. ist ohne weiteres klar. Es «ft deshalb ru wünschen, daß dem Badege werbe in semem Bestreben, stck, selbst »u helfen, mebr Verständnis als bisher enrgeg engebracht werde.
— 50 Jahre im Dienst der Nächstenliebe. Der Invalide n d a n Verein zur Förderunns der Erwerbstätcg- kert und Unterstützung deutscher Armee- und Marine-Invaliden sowie deren Hinterbliebenen, blickt beut«, am 8. Mai d. I.. auf eine 80jährige Tätigkeit im Dienst, der Nächsten» liebe zurück. Der Verein, desten Protektor bei der Begrüw düng Kaiser Wilhelm l. war. hat die Rechte einer jurcsti- schen Person und ist als milde Stiftung anerkannt. Der Vorsttzende des Berwaltungsrats ist Herzog Viktor o. Ratt- bor. Auch der bekannte Fdnanzmann Generalkonsul Eugen Landau ist u. a. seit dem Iabre 1876. also 46 Jab«. Mitglied des Dermal tungsrats. Der Invalidendank unterhalt zur Durchführung seiner Ziel« verschieden« Erwerbsbetriebe, deren vornehmlichster die Inval idendank-Amconcen-Eroe- dition. G. m. b. H.. ist. die verschiedene Filialen. u. a. auch die in Wiesbaden lNerotal 23) unterhält. Im Interest« seiner Schutzbefohlenen «ei dem Invalidendank ern ferneres Blühen und Gedeihen gewünscht.
— Zar Berufswahl. Es fei hiermit auf die Bekannt- mabung des Verbands angestellter D« n 1 i st« n. Zwecgver- etn Wiesbaden, im Anzeigenteil aufmerksam gemacht, welch« für Eltern und Vormünder von großem Interest« fern durfte.
— Neuregelung des Schulaafnahmetermins. In den meisten Orten Preußens findet bekanntlich nur einmal im Iakwe eine Cchuloufnabme statt, wäbrend in den übrigen Gemeinden im Frühjahr und Herbst eine Neuetn- ichulung erfolgt. Auf Grund einer zwischen den Untermchts- Verwaltungen der Länder des Deutschen Reichs getroffenen Dereinbarunng ist nunmehr angeordnet worden, daß von jetzt ab der Besinn des Schuljahres an sämtlichen allgemem- btldvnden Schulen Preußens embettlich in das Frühjahr «e- leat wird. Die Regierung zu Wiesbaden. Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, erwartet bis »um heutigen Frer- tag Bericht von den Kreisschulräten Hessen-Na st aus und den Schuldeoutattonen von Wiesbaden und Frankfurt a. M.. wo die in dem Mtnifterialerlaß erfragten Zustande besteh^,, zwecks Berichterstattun« an den Minister für Wtstenschaft. Kunst und Volksbildung.
— Stellenblätter. Bis zum 5. Minies jeden Monats reichen jetzt die' emselnen K«is schul röte Z^ssaus über die m ihrem Aufstchtsbezirk fretgewordenen Schullttzllen ent- stwechende Stellenblätter an di« Regierung m Wresbaf^it ein zwecks Aufstellung einer Nack Weisung über diese wichtige Angelegenheit av das Fürsorgeamt in Berlin.
— Ein oielbegehrter Straßennamen. Es dürfte den wenigsten bekannt fein, daß nch auch eint R ichard- Wagner-Straße auf der Bierstadter Hohe, allerding« schon Gemarkung Bierstadt befindet. Es gibt somit hi« d«> Straßen dreses Namens, oben erwähnte auf der Bierstadt« Höbe, ein« zweite an der Sonnenb«K« Straße. Gemarkung Wiesbaden, und ein« dritte Richard-Wagner- Straße im Biebrich«r Villenviertel.
— Di« N«t der Zeitunsen. Das „Frankfurter Mittags- blatt" fnih« „Kleine Presse" betitelt, die rm V«lag d« „Frankfurter Zeitung" erschien, die „Griesheim« Biirger- zettung" und d« Flörsbedmer Anzeiger" haben ihr Erscheinen einaesteüt.
— Was ist am teuersten geworden? üb« di« Teuerung
bei Hausrat und Kleidurvsstücken bat das „statistische R e i ch s a m t Berechnungen aufgeftellt. die für die Kriegsentschädigungen bestimmt, ab« von allsemeiN« Bedeutung find. Setzt man die Kosten für Hausrat 1918 auf 1 so waren st« in d« ersten Hälfte 1918 aus 2.3 gestiegen. Der „Frieden" batte sie schon im letzten Viertel 1921 aus 23.6 gesteigert. Seitdem find ste im Januar und Februar auf 29.8 gesttegen. Bei den Kleidungsstücken waren die P«ise 1918 auf 6.8 gestiegen. 1921 auf 27.0 und seirdem im Januar und Februar 1922 auf 36,1. Für ein« Gesamtausstattung mit Hausrat und Kleidung ergibt stch eine Steigerung auf 30.8. Im einzelnen beträgt ste für Tevviche. Bettvorlager. Decken usw. 66.8. Knabenkleider 50.4 Lampen 47.1. Trikotagcn 48.9. Mädchenkleid« 44.6. Leibwäsche für Knaben 40.9. Haus- wäsche 40.5. Ctemgut und Porzellan 40.3. Frauenkleid« 39.1. Glasgeschirr 38,8. Spiegel 37.8. Leibwäsche für Männer 36,9. Gardinen 34.9, Männ«kleid« 34,4. Uhren 31.5. Leibwäsche für Frauen 30.6. Stahl-. Eisen- und Vlecbgerät 29.5.
Scholz harrt d« Veröffentlichung. Di« bei d«,. Rostock« Uraufführung verwendete ilhersttzung der ursprünglich in lateinischen Versen gehaltenen Arien und Ensembles stammt von Hans Clemens Schott, die- d« Rezitativ« von Gisela Scholz Die Einrichtung für die Bühne ist ern gemeinsames Werk von Scholz und Obersvielleit« Tianan. welche auch die Rostock« Uraufführung leiteten.
* „Mensch und Mode im 18. Jahrhundert" Zur Erinnerung an die Tatsache, daß di« Stadt Mannheim als kurvfäIrische Residenz ein blühender Mittelounkt der Kultur des 18. Jahrhunderts gewesen ist. »«anstaltet dort die städtische Kunsthall« vom 7. Mai bis 11. Juni eine Ausstellung in d« dir besonder«, vielleicht durch k«ne Zen übertroffene Schonbeit d« farbigen Erscheinung drei« Evoche veranschaulicht werden soll. Durch, sehr zahlreich«, vom Galakleid bis »um ernfachen Bürg«kleid echte Kostüm«. Seiden- und Brokatstofre. Spitzen. Fach«. Dosen und anderen modischen Kleinkram — Dinge, welche mit Hilfe von Stichen Modekuviern und zertgenoMchen Bildnissen noch zu beleben sind — soll versucht werden, das Bild d« Menschen jener Tage mit greifbar« Deutlichkeit wiedn aufzu- richten Gelinst dies in der gedachten Weise, so wird etwas gvschaffen sein, woraus nicht nur das kunstlemsch« Eemesen. wndern mich das kulturbistorss» gerrchtet« Interesse wesentliche Bereicherung gewrnnen konnen. Dre Mronstaltung ist gedacht als Anfang einer R«be ähnlicher Verlebendigungen kulturell« Zustände. Sie ergänzt außerdem die aus Anlaß der badisch-pfälzischen Maitaa« geplanten Führungen durch das Mannheimer Schloß.
* Der Nachlaß der Marie «afhkirtsefk. Mavie Bashkirtseff die jung« Mal«in. di« mebr als durch ckre Dild«. durch die originelle Frühreife des aus ihrem Nachlaß veroffent. lichten Tagebuckies kerübmt geworden .ist., soll noch einmal die literansche Welt beschciftr>g«n. Wie m der „Deuttchen Verlean-Zeituna" mrtgeteilt wird, ist ihr« Mutt« in Nizza gestorben, und es ''and stch in kb^m Nachlaß em noch groß« Men mit unvnöifentlichten Schriften der Tockt«. die ihr bereits 1884 im Tod vorausging. Drüse Aroetten sollen nun demnäM veiösfentlicht werden.
» Ein irische, Nationaltbrater. Die^Jven haben eine besonder« schauspielerische Begabung, und \o n^nck^r berühmte englische und Eerikanlsche.Schausvrelerbat irisches Blut in seinen Adern äebabt. Dreles pbantastevoll« Volk bat auch «n« große Neigung fürs Theater. Um so merk- würdrger ift es. daß die Znen bisb« nre arne «gen« Ni^iv- n a lbii hne gehabt Hab«, fanden» daß ste stch immer mn ena»
lischen reisenden Truppen begnügen mußten. Dies mag mit
der wirtschaftlichen und kulturellen Abbängigkett »usammen- hängen. in d« dir „grüne Insel" so lange von England gehalten wurde. Nun aber, da die Iren «inen eigenen Freistaat bilden, erwacht der Wunsch, die Pfleg« d« nationalen Kulturgüt« durch die Schöpfung eines irischen National- tbeat«? zu krönen Dieses Tkieater soll demnächst, in Dublin ins Lebeii g«ufen werden. Daß es unter «nem Mangel an Besuchern leiden wird, ist nicht zu. befürchten, denn die Iren sind ein so tbeaterfreudiges Völkchen, daß jede Truppe, die in Dublin auf 14 Tage Sbakefpeare spielt, mag sie auch noch so schlecht sein, ausverkaufte Haus« bat. Dir neu« Bühne >oll nun den Iren die Dköglichkeit gewähren. dramatische Kunst in wirklicher Vollendung zu genießen. Man wird sich keineswegs auf die Aufführung ra» scher Stücke beschränken, obwohl die jungen irischen Dramatik« eine große Auswahl von Werken darbieten, und ja auch Sbaw als Ire dem Programm der neuen Bühne reiche 'Möglichkeiten bietet. Es sollen ebenfalls Dramen and«« Volk« gepflegt werden, denn man hofft, die irische dramatisch« Kunst durch di« Vorführung der besten Werk« d« Weltliteratur zu befruchten. Auch ein« hohe Schule für den irischen Schauspieler soll das Nationalbbeater sein und des- hcelb wird ihm eine Schamoielerfchule angogliedert werden.
* Einer, der den amerikanischen Sammlern di« Wahrheit sagt. Beherzigenswerte Worte, dl« an di« amerikanischen Sammler gerichtet waren, hat d« berühmte am«rkw nische Graphiker Josef Pennell in d« Akademie der Kunst und Wisienschaft zu New Bork gesprochen. Er wendete stch dagegen, daß man heutzutage nicht mebr nach dem, künstlerischen Wert sammelt, sondern >m Kunstwerk, emr gute Kaoitalsanlage lucht, eine Erscheinung, die ja nuüt nur m Am«ika das Sam.melwesen beherrscht ..Bei tm, , sagte Pennell. wie wir einem D«icht des „Kunftwand««s entnehmen. „muß die Kunst «ft irgendwo anders anttkannt und mit dem Geldwert abgestempelt worden !«n. bevor ste MS einleuchtet. Wenn ein Engländer vor hundert Jahren om Bild als Erv«im«nt gemalt bat. wenn die» BNd dann verloren ging ob« gestohlen wurde und durch ferne Abenteu« einen gewissen finanziellen Wert «dielt, wenn es spät« gänzlich übermalt, lackiert, abaekratzt. restauriert, gereinigt wird, bis auch kein Pinfelstrich twm Original mehr übrig bleibt, wenn dcrvauf ein Mäzen 800 000 Dollar für ein Werk bozablt. für das 800 Dollar zu «halten V« Künstler selig gewesen wäre — dann stürzen w« m Massen bim. um es zu sehen, reden von nichts anderem als von ihm an» öjm. als So wir nicht» anderes kenn«», bi» an Ländler
durch ähnlich« Dtethoden etwas anderes bei uns ablädt^.
Pennell zielt damit auf den „Blue Boy", dessen Wert als Kunstwerk ja vielfach umstritten, ist. „Das nennen wir. fährt « fort, „brerzulande die Liebe und Anerkennung d«r Kunst, die Unterstützung d« Kunst. Aber in den Zetten, wo man die Kunst wirklich anerkannte, war es anders. Sannnl« und Liebhaber unterstützten das W«k ihr« Zert- genosten: natürlich kauften st« auch W«ke d« vergangenen Tage, ab« bauotiäck'lich förderten ste doch die KuM ihr« Gegenwart. Der Bürgermeister Sir lebt fort und Rem- brandt lebt fort, »veil jener kluge Mann einsichtig gem» war, den großen Aial« tu fördern. Karl I. lebt, weil van Dyck ihn malte. W« würde heute etwas von Philipp IV. wissen, wenn Belasgue, nicht gewesen wäre? Die Arbeiten jen« Mann« und nicht die d« heutigen Zeit «sehnt d« Samml« von heute, und « Übersicht ganz, daß ein Bild von ihm. von einem Zeitgenossen gemalt, ehento viel Aussicht besitzt, berühmt tu werden, wie die Werke der Vergangenheit. Wie die Samml« und Mäzene d« früheren Zeit gute Kunst «warben, weiß ich nicht — öändl« gab cs schließlich damals auch. Herite ab« »«lasten stch Samml« und Liebbab« auf den Händl«. und oft kennt kein« von ihnen etwas anderes als — den finanziellen Wert ber Sache".
Kleine Chronik.
Theater «n> Literatur. Der Journalisten- und Schriftstellerverein „Eoncordia" veranstaltete, wie aus Wien gemeldet wird, im Rckvouteniaa! der Hofburg e-ine Goetbe- Feirr. deren Reinertrag dem Fonds zur Erhaltung des Goethe-Hauf«, in Frankfurt «uM. üoer- wioien werden soll. Nach einem einlerte^nden DcntMg des Direktors des Hoitboaters. Anton Wildgans, üb« dr« Bedeutung Goethes für deutschen Geist und deutsch e, Kultur wurden von hervorragenden Mitgliedern des Sofweater» und der Staatsoo« verschiedene Lieder und G edichte von Goethe zum Bor trag gebracht. ^ Der Fei« wohnten d« Prästderrt d« Republik Qst«reich. Sa irisch d« d«E« sandte Dr. Pfeif'er sowie zahlreich« Bertret« von Kunst. Wissenschaft und Literatur bei. .
Wissenschaft a»d Technik. Rach dom ^retchsanzer««" wählte die preußische Akademce^der Wessenschaf-
ßtät Leimig P si tTI ch und den Meteorologen d« deutschen
S«w^te b» vamlaM^ KLpp «n z u kormsponLiereudm MLl»liederv bm vb^IAch-malbematischan Masse
