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Nr. 179. Sonntag. 16. April 1922.

Wiesbadener Tagblatt.

Morgen-AusgaSe. Drittes Matt. Seite 19.

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Alte Gsterspiele.

Von Ernst Edgar Reimerdes.

Unter den geistlichen Dichtungen des Mittelalters neh­men die Ofterfviele. jene Gattun« des Dramas, welche auf liturgischem Untergrund entstand, einen wichtigen Platz ein. Zu der Zeit, als die ritterliche Dichtung bereits in Verfall geriet, gewannen die geistlichen Spiele zugleich mit dem Auf­blühen der Städte an Bedeutung. denn nur dort, wo «rohe Volks Massen zusammenströmten, war eine gedeihliche Entwick­lung denselben möglich. Die altchristliche Osterfeier, welche in der Nacht auf Ostersonntag in den Kirchen abgehalten wurde, und erst mit Sonnenaufgang unter dem jubelnden Halleluja der Eeimeinde. nachdem sie vom Geistlichen den Osterkutz empfangen hatte, ihren Abschluß fand, enthielt be­reits starke dramatische Elemente- Weihe des neuen Feuers. Segnung der Osterkerze und des Taüstoassers für das ganze Jahr. Modellierung der Osterlämmer aus Wachs. Von dem richtigen Gedanken ausgehend, da« die Passionsre schickte dem Volke verständlicher würde, wenn man sie ihm in dramati­schen Handlungen vorführte, bewirkte man die Umwandlung der rein gottesdienstlichen Vorgänge, verbunden mit den Resvonsorien. in mimische Darstellungen. Anfänglich waren die Texte der Osterspiel«. wie die aller kirchlichen Spiele, die ursprünglich nur von Geistlichen aufgeführt wurden, in latei­nischer Sprache abgefatzt. und erst allmählich bat man sie ver­deurscht. Das geschah zunächst nur mit einzelnen Gifanss- stellen. wie mit dem Lied ..EHE ist erstanden", das die ganze Gemeinde mitsang. bis man endlich im 14. Jahrhundert das Latein völlig ausmerzt«. Die Verfasser dieser Spiele waren Haupt sächlich Geistliche, deren Namen uns nur in wenigen Fällen überliefert worden sind. Die Texte wurden entweder redesmal neu abgefatzt. oder sie hielten sich, mit kleinen Ver­änderungen. auf Grund mjindlrcher Überlieferung. In späte­rer Zeit benutzte man ältere Spiele immer wieder, arbeitete sie um. ergänzte sie und patzte sie den örtlichen Verhältnissen am Deshalb ist eine auffallende Ähnlichkeit zwischen den verschiedenen Osterspielen vorhanden, so daß man auf ein ge­meinsames Urbild schließen möchte. Häufig stellen die Spiele das ganze Leben Jesu dar, einige fangen sogar mii der Schöpfung und dem Sündenfall an und führen, indem sie sämtliche meffianische Weissagungen znm Gegenstand einzel­ner Szenen machen, das ganze Heilswerk der Erlösung den Zuschauern vor. Zur Darstellung zog man im Lauf der Zeit auch Laien heran, dis dieselbe schließlich ganz- in die Hände der Bürger überging. Neben dem rein biblischem Element kamen allmählich auch weltliche Szenen (Prügel- und Him- richtungsszenen uiw.) häufig recht drastisch-komischen In­halts in die Spiele hinein, so z B. der Wettlauf zum Grabe zwischen den Aposteln Petrus und Johannes, und vor allem die Zwiegespräche zwischen dem Gärtner und seinem Knecht oder den Frauen und dem Salbenkrämer, der Irls Markt­schreier und cmacksalbevnder Arzt jener Zeit dargestellt wurde. Die Juden verspottete man in den Spielen oft aus grausame Weise, was Veranlassung zu den vielen Verfolgungen dersel­ben im 18. Jahrhundert gab. Weiterhin machte man aus den wachthabenden Kriegern am Grabe Christi häufig komische Figuren, ruhmredige, im Grunde genommen aber lehr furcht­same Helden. Eine «rohe Rolle spielte anch der Teufel als Svatzmacher. Im übrigen lehnten stch die Spiele an di« Vor­gänge der heiligen Schrift an. doch machte stch ein starker Naturalismus geltend. Das Leben mit all seiner -Dürftig­keit wurde dargestellt: Josts als armer Schuster uiw. Pilatus trat als mittelalterlicher Fürst auf. der weder lesen noch schreiben konnte. Sogar mit Kanonen wurde geschossen, ob- wohl solche überhaupt nicht zur Handlung patzten. Dieser Hang zur Verweltlichung macht« sich besonders seit dem 15. Jahrhundert geltend, wo die Ostevspiele mit den damals be­reits weit verbreiteten Fastnachtspielen gewissermatzen in unlauteren Wettbewerb traten. Diese Osterspiel«. bei denen häufig 300 Darsteller und mehr mitwirkten, waren so lang, dass ihre Ausführung oft 3 bis 4 Tage beanspruchte. Da der Volkshumor einen immer größeren Raum darin «innahm und die heiligen Vorgänge in den Hintergrund drängte, fo verlegte man die Spiele schlietzlich auf die öffentlichen Plätze der Städte, wo sie völlig verweltlicht wurden und entartetem. Natürlich durfte di« Geistlichkeit sich nicht mehr daran be­teiligen. Trotzdem haben sie sich außerhalb der Gotteshäuser noch lang« qebalten. Dos letzte Osterspiel ist (nach Joh. Sckerr) 1803 in Schwäbisch-Gmünd ausgefi'hrt worden. Wie schon angedeutet, sind uns die Verfasser der meisten Osterspiele nickt bekannt, kentere erhielten zum größten Teil

lhreNamen nach den Orten, wo die Manuskripte entdeckt wur­den. nicht, wie man bisweilen stlaubt. nach den Städten, wo sie aufgeführt worden sind. Die bekanntesten Osterspiel« sind: Das Alsfelder, Egerer. Laudaner (1324). Tiroler (von Visel Ruber, das 7 Tuge dauerte). Urner (nach 1250 entstanden), und vor allem das Redentiner oder Mecklenburger Osterspiel aus dem Jahre 1464, das einzige unter vielen, welches voll­ständig auf uns gekommen ist. Die Handschrift dieses Spiels befindet sich auf der Staatsbibliothek in Karlsruhe. 1318 ist in der Handsckrifteu'ammlung des Osnabrücker Staats­archivs das Bruchstück <2 Pergame-ntblätter) eines Oster­spiels aus dem 14. Jahrhundert entdeckt worden, anscheinend das früheste Beispiel eines mittelniederdeutschen Osterspiels. Jedenfalls ist es bedeutend älter als das berühmte Redenti­ner Osterspiel. Es handelt sich bei dem neuentdeckten Spiel um eins der überaus seltenen Zeugnisse des religiösen Dra­mas auf niederdeutschem Boden: wir haben hier eine über- gangsform vor uns. wie sie sich um die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts a ungebildet hatte. Das Osnabrücker Oster- spiel hat eine durchaus ernste Tendenz. Szenen komischen oder burlesken. Eharakters fehlen gänzlich. Die Mundart hat westfälischen Charakter nebst Einschlägen des niederfränki- lchen Dialekts, wie man ihn gegenwärtig noch in der Provinz Limburg (Belgien) hört. Das aufgefundene Bruchstück um­fahr 223 Verse auf 11 Szenen verteilt. 1189 soll vm Kaiser Friedrich Barbarossa ein lateinisches Osterspiel des Mönches Werinher von Tegernsee aufgeführt worden sein, das für das älteste derartige Spiel sehalten wird. Im engen Zusam­menhang mit den Osterfpielen stehen die Passionsspiele. deren Handlung die Grablegung Jesu abschlietzt. Es sei hier nur auf das Benediktbeuerner (um 1300 entstanden). Bozener (1514). Donaueschinger (aus der zweiten Hälfte des 15. Jahr­hunderts). Frankfurter, Mittenwälder. Sterzinger Passions - spiel (1496) und schlietzlich aui diePassion und Auferstehung Christi" des Augsburger Meistersangers Sebastian Wild bingew'iesen. eines Rivalen von Hans Sachs, neben dem er großen Beifall gefunden haben soll. Eine Sonderstellung unter den PassionÄpiel-en nimmt das Oberammergauer ein (1634 zuerst anfgesührt). das angeblich aus Augsburg stammt, von wo sich die geistlichen Spiele über zahlreiche Ortschaften Bayerns verbreiteten. Zwar wird in den in Oberammergau zur Zeit der Festspiele feilgebotenen Schriften behauptet, datz das dortige Spiel eine Erneuerung des mittelalterlichen sei. was ein Irrtum ist. Allerdings sind noch kleine Stücke aus dem Mittelalter herübergerettet worden, im allgemeinen aber stammt der Text aus neuerer Zeit: er wurde verschie­dentlich nmgestaltet. Auch die Bühne mit ihren modernen Einrichtungen und Effekten hat nichts mit der Einfachheit des mittelalterlichen Schauplatzes gemein.

Datz die Osterspiele nicht ausschlietzlich in den Städten anfgeführt worden sind, sondern, allerdings selten, auch in Dörfern, bezeugt der Straßburger Thomas Murner (1475 bis 1537) in seinem ..Ulenspregel":Es ist Gewohnheit hier, datz die Bauern allwegen zu dem Ostern in der Nacht ein Oster­spiel halten, wie unser Herr entsteht utz dem Grab" uhr. Durch di« Reformation wurden die geistlichen Spiele im Norden fast völlig verdrängt wnd am den katholisch gebliebe­nen Süden beschränkt.

* *

Osterwasser.

Don Prinz Emil v. SÄörmich-Carolatb.*)

Der starke Frühling bläst mit Macht

Die Sturmvoiaune vor sich her.

Die Tauflut schwillt, die Scholle kracht.

Im Strome wankt das Mühlenwebr.

Wildschwäne segeln übers Land.

Mit heimwebstarkem Schwingenstreich.

Befreit, am bunten Wiesenstrrnd

Die braunen Wellen bricht der Teich

Latz schmelzen. Herz, was schmelzen soll.

Des Zweifels letzten Sckollenrest

Und trag dein Hoffen, iubelvoll

Emoar rum ew'gen Frühlingsfest.

") Des Dichters Geburtstag jährte stch am «. Bpri! zum 7V. Male.

Seltfanre Gfterbräuche.

In den überlieferten Osterbräuchen, sind noch viele Be­standteile eines alten heidnischen Frühlingsfeites zu finden, das mit der Wanderung zur , Malstärte". zu oen alten Ver- sammlungs(Tbing)stätten und Leichenfeldern. mit der Sammlung von Gaben, mit ihrer Verwendung zum gemein­samen Mabl der lebenden und der Seelen der verstorbenen Angehörigen, mit lustigen Svielen und ranzen beginnt uno mit dem Akt der Vertreibung der Geister endet.

sie nickt zu rufen, war und ist zum Teil noch wert verhüt­teter Glaube. iv , ,

Das Osterfeuer, die Verbrennung der alten Besen, aut denen dis zu bösen Hexen umgrfälschten Seelen der Ver­storbenen sitzen, das Glockenläuten und das Osterratschen, wie es in katholischen Gegenden am Karfreitag und Kar- samstag üblich ist. das gründliche Fegen und Scheuern zur Osterzeit. das Verbrennen des Kehrichts und des alten Strohes dies afles sind Mittel zur Vertreibung der Seelen, wie sie äbnlick von den heidnischen Vorfahren geubr wurden, wenn das Fest zu Ende ging und die Seelen der Ahnen wieder in ihre Behausungen zuruckgeschickt werden sollten.

Sogar der heidnische Brauch, datz bei Begrün solcher Feiern ein Baum oder Prahl als Mal aufgestellt wurde, hat sich in 'manchen Gegenden auch zu Ostern in dem Holen des Bäumchens als dunkle Erinnerung erhalten: nur stellt es hier den Sommer oor

An die Malbäume wurden bei den heidnischen Feiern einst Vmwen befestigt. Fetisch;, in denen die Seele wohnen sollte. Wir können diese Stäbe und Pnvven in den ver­schiedensten Formen bei noch jetzt erhaltenen Ostersittrn wiedernnden. und auch die Tänze, oie dabei aufgefübrl werden, verraten die alte Herkunft. Gehen die Geister wie­der heim, ist auch das Mal und de: Fetisch überflüssig, und man wirft Stöcke und Strohpuppe ins Wasser oder in das Feuer.

In manchen Gegenden Böhmens schüttelt der fromme christliche Bauer am Karsamstag. wenn das Gloria gesungen wird, seine Bäume: genau, wie sein heidnischer Urahne es tat. denn es könnten Seelen oben sitzen geblieben sein und ein, schlechtes Jabr oder dem Baume den Tod bringen. Später wurde das nriorünglicke Verjagen der Seelen am Ende des Früblingsiestes in einen Wettkampf zwischen Winter und Sommer unigedeutet.

Spanische Ostern.

. es steht in einem schönen Buch geschrieben:

Is Christus mit seinen Jüngern beim letzten Abend­mahl satz. ging ein aus Onyx geschliffener Kelch von Hand zu Hand. In diesem selben Gefäß fing Joseph von Are- matbia das Blut des Heilands auf. das aus der Lanren- wunde niedertroff. Wie dieses Gefäß nach Spanien kam. wird nicht berichtet. Aber auf dem beiligen Berge, unnah­bar den Vrofan-n. in einer Burg, die eine Kirche war.

wurde der beilige Kelch von der Blüte der Ritterschaft be­wacht. Der. Berg des heiligen Grales, der sagenumwobene Montsalwatscki ist der Merserat. auf dessen Gipfel der Erals-

temvel stand. Den Weg. der allen, dir nicht wahren Glau­bens sind, verborgen war. tritt Varsifal emvor. In de: Kathedrale von Valencia aber wird noch beute ein Kelch gezeigt, der aus Sardonyx geschnitten, mit Perlen und Rubinen geschmückt ist. Das soll der Kelch des lenken Abend­mahls gewesen sein, zu dem. als er noch in der Hut der Temvelweisen itrnd. alljährlich die Taube nicderschwebte. um ihm neue Wu.nderkraft zu verleihen."

Wohl in keinem anderen europäischen Lande wird das Osterfest mit so inniger Andacht gefeiert wie in Spanien, das sich dem reinen Glauben hingibt. im Besitz von Christi Leidenskelch »u sein. Der Spanier ist wahrhaft fromm und auch die Svanrerrn kommt ihr ganzes Leben nicht von der Kirche los. Das gibt stch besonders bet einem hoben kirch- pchen Fett, wie Ostern, zu erkennen, zu dem oie Vorberei­tungen schon wochenlang vorher in allen Städten Spaniens getroffen werden.

Die ganze semana saata (Karwoche) hindurch durch- LicbenProres.-ionen du> Straßen. Dicht drängt sich die gläu­bige Menge um die Lanzenträger. um die heilige Jungfrau, d« unter einem, von unzähligen brennenden Kerzen um­gebenen Baldachin im schmuck ihres goldstrotzenden Man­tels und, ihrer goldenen Krone dahinsetrogen wird, um dis Gugelmanner. eins Bruderschaft, dir in sonderbar anmuten-

wallrautetz Ostern. . .1

Der Hase legt hier!" hatte die Mutter ihr erklärt. Der Vater aber, ein vrosaischer Geflügelhändker. sagte kurz vor­her:

..Die Hübner hätten die Ostereier gelegt." Der Vater war gerade mit einem Schriftsatz beschäftigt und er batte sein kindliches Gemüt versehentlich dabei ausgeschaltet. Wer Vater oder Mutter ist. weiß, datz es kein schwierigeres Problem gibt, als getäuschte Kinder wieder zum Elanben an eine Sacke zurückzufübren. Waktraut hatte den Glauben an die Ostereier verloren und sie erklärte unter Tränen, laß sie keine hier mehr suche. Der Hase habe geschwindelt und das Huhn erst reckst.

Die Tante wollte ganz klug sein und meinte:Mein

Kind, das wissen die Eltern nickt, das weiß nur ich. Der Labn legt hier und >o oft er legt, schreit er laut Kikeriki.

Waltraut wollte sich rcsck überzeugen: ein Hahn stol­zierte ta im Hof herum. Da schrie er kaut Kikeriki aber kein Ei kam zum Vorschein. Waltraut flennte. Waltraut schrie. Waltraut war entsetzt. Sie hatte den Glauben an die Menschheit, an den Hahn, an das Huhn, an den Hasen und an das Osterei verloren, Egon H. Straßburger.

9<rs Frackheind.

Von Liesbet Dill.

(Schluß.)

Minna kam herunter, im Hemd, die Kerze in der Hand, mit gesträubtem Haar.Jesses. Maria. Madame", sagte sie heulend,wie et mir ging . . .", also auf der Post batte de: fveche Mensch, der mit dem roten Haar, der Neue, ihr gesagt, die Schachtel wäre nichts vorfchriftsmätzis. die nahm' er so nicht an. wegen dem Loch. Ich sollte sie wieder mituehmen. er wollte es mir beweisen, in das Paket könnte ja jeder hrn- einsassen. und dabei faßte er mit seiner dicken Faust hinein und ritz den ganzen Deckel kaputt . .

Also die Pott, die war das rote Tuch für Frau Bamst. seit dem Krieg, als ihre Feldpostpakeichen immer drei Wochen brauchten, bis sie den Enkel im Schützengraben hinter Lstetz

erreichten, und «in Wuritvaket für Weihnachten war über- bauvt nicht angekommen. das verzieh sie der Post nie. Als sie m di« Schachtel sah. tat sie einen neuen Schrei, denn da lag das neue Frackhemd, das sie so tadellos eingevackt hatte, mit zerknüllter Hemdbrust, und das Knöpfchen war ackge- rissen. «in Perlmu-tterknopf. der allein 2 M. kostete.

Sie mutzte ein Schlawulver nehmen.

Am anderen Morgen ging sie zur Post, ihre Minna trug die Schack,tel. Der Rothaarige war da, und aus die Fräse, wer sich erlaubt habe, diese Schachtel zu 1 öffnen, sagte er soelenruhig:Ich." Er habe beweisen wollen, daß sie nicht vorschriftsmätzrg... Bei diesem Wori schoß der alten Dame das Blut zum Herzen. Nicht vorschrrftsmÄsiig. sie ergrimmte derart, datz sie die Schachtel dem Beamtem über den Tisch an den Kims warf. And aus sein rotes Haupt regnete ihre während vier langer Kriegsjab re aussespetchsrte Entrüstung über di« Post, die immer zu batte, wenn sie aus fein sollte, die nie kam. wenn man sie erwartete, deren Feldvakete von 100 Gramm 3 Wochen brauchten, bis in -den Schützengraben hinter Metz, jawohl, sie konnte den Weg zu Fmtz dorthin in 4 Tagen machen, sie hatte ihren Atlas im Kopf. Beliebens versuchte Minna rbr« aufgeregte Dam« zu beruhigen. Ver­sehens beschwichtigte der Beamte mit der Feder hinterm Ohr. Da sie alle zu gleicher Zeit sprachen, verhallten ihre Reden in dem Sturm, Und die alte ÜNmte, umstanden von v/len Reusierigen. die sich bei solchen Gelegenheiten immer Mort zusammenfinden. beleidiate die Post, und wenn die auch weder kaiserlich noch königlich war. das brauchte sich ein« Behörde nicht von einer alten Dame saaen zu lassen. Am nächsten Tase wurde Frau Rentner Bomst die BeLeibiigMiss- klase vom Amtsgericht zusesstellt.

Der Rote hatte sie wegen Deamtenbeleidismi« verklagt. Die Stadt war in Aufruhr, man disputierte in den- Bäcker­läden imd an d«n Stammtischen, wer Recht bade. Sonder­barerweise gaben, die wenigsten der Post reckst, sondern Frau Bomist. denn a«r die Post hatten sie weieits noch einen Kikerich von den Kriegsjahren her. sie hielten m Frau Rent­meister Bomst. von der wuitzte man. daß es eine fromme, wohltätige Dame war. die noch niemand etwas zu leid ge­tan hatte, aber von dem roten Beamten wußte niemand etwas, als datz er aus Pünderick war. und was hatten die Leute von- der Mosel in der Eifel zu suchen?

Das Frackhemd hatte man in-der Auireguns Misoüeo.

die Post ließ Frau Bomst auffordern. es unverzüglich abzu- holen. aber sie wollte es nickt mebr sehen ...

Als aber von ihrem Enkel die dritte Depssche einLef' .Wenn Donnerstag Frackhemd nicht da. kann Hochzeit nicht nutimrchen"da schickte sie Minna zur Post. Schließlich gab der ^unge für Telegramme noch mehr aus, als so ein mise- rables Hemd wert war. Und sie hatte es noch berumterge- bssndelt. weil es Halsweite 39 war. und es sollte doch nur 38 sem. aber die Verkäuferin meinte, das mache nichts aus. solche Halsweiten gingen in der Eifel wenig, es fei auch deshalb iMpen geblteben ... Es mußte sofort zur Büglerin an der Ecke. Mmna trug es bim. Am nächsten Mittag sollte es fertig sem. aber als Minna hinkam. wußte in dem Laden niema-nd etwas von chm. bis schließlich das Laufmädchen sagte :Ach. das Frackhemd. das bab' ich in die Wäsch getan, ich Hab' ae- inotnt. es sollt gewaschen werden."

Minna mackst-e einen werten Bogen um das alte Haus bis sie sich entschloß, ihrer Herrin das Ergebnis mifairteifen' Sie fand Frau Bomst in ihrem Ohrenstuhl am Fenster. Auf «an Whtisch vor der Dame lagen drei Eiltelegramme, die Skitle und die Klage vom Amtsgericht. Sie fand kerne Worte Als sie m diesem Augenblick im Kreisblatt die sroge Anzeige eines neuen Kinos sah. knäulte sie das Blatt zusammen und steckte es nr den Ofen. And wäre das Frack- bsmd dLgewssen, sie hätte es hinterher gesteckt . .

Am Abend töneb si« einen langen Brief an chren Enkel.

Bon der HochM.it horte sie nichts meh r.

Aber sie fand dennoch statt, in der Kirche und auf dem Standesamt, auch ohne Frackhemd. denn die heutigen Hoch- zesten. die so eklig «schlossen werden, kann man auch in e'yiem Smokrng mrtmacheu. auch weirn's die eigene ist, wie es hier der Fall war.

* ' b« war nur eine Kinodame und es war nur eins Kr« Hochzeit. Sann zog das junge Paar in feine möblierte

nun« und nachmittags spielten^beide in dmn neu>en Ateliei llpra-GÄmsesellfchaft in einem neuen Stück Hält

der neuen und Heldin.

Das Eckück machte seinem Weg durch die Provinz und an ^stürmischen Winterabend rollte es auch droben in dem .^Zegenen Ei-felstädtchen. Und im Parkett in der ersten «et«, gleich hinter der MuM. saß Familie Bomst. in der Mrrte die Großmutter, die sehr aufsereLt war. daß sie ihr«» KLvEmt L«m.ublLL.'::, mußte..