Sette L Freitaa. 7. April 1922.
Wiesbadener Tagblatt.
Deutscher Reichstag.
Br. Berlin. 7. April. ((Eta. 1 Drahtbericht.) In der Lonncrstagsitzuna des Reichstags wurde die erste Beratung des «mktnht'tims über die Regelung der Einfuhr vor- senc-mtnen. welcher di« Regelung bekanntlich der Reichs- finanzverwaltuna überträgt.
. Die Verlag« wurde debattelos in allen drei Lesungen erledigt. Ebenso der Gesetzentwurf über die S0zi alv erlich e r u n g in bezug auf das Saargebiet.
Es folgte die,zweite Lesung des Gesetzes, das die Der ordnung über Maßnahmen zur Sicherung der Fleisch- versorgung in der Übergangszeit nach Aufhebung der Zwangswirtschaft in einigen Punkten' abändert. Ü. a. fällt der Schlutzschetnruang im Viebbcndel fort, dagegen bleibt die Kar.zcmonieruns des Fleiichhandels besteben. Die Strafen mr Übertreter der Verordnung find wesentlich erbebt worden.
Rachdem der Abs. V 0 g t b e r r dl. S.) sich noch gegen den Schleichhandel ousgesvrochen batte, wurde der Gesetzentwurf in zweiter und gleich daraus in dritter Lesung gegen die Stimmen aller sozialistischen Parteien angenommen.
Ferner wurde in zweiter und dritter Lesung angenommen der Gesetzentwurf über Änderung der Wablen nackder ReichsoersiÄerunasordnung.
Es folgte die zweite Lesun« des Gesetzentwurfes über die Heranziehung der Frau zum Schöffen- und G e - schworenenamt. Der Ausschuß batte dazu beschlossen, da» nur solche Frauen die Berufung ablebnen dürfen, welche glaubhaft Nachweisen, daß ibnen die Fürsorge für ibre Famure die Übernabme des Amtes in besonderem Maße erschwert. Außerdem wurde beschlossen, daß auch Mitglieder der freireligiösen Grnollenschaften. Hebammen und Krankenträger dre Berufung Verweigern dürfen.
Die bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokraten beantragten einige Zusätze, wonach mindestens ein Schöffe ein Mann sein mutz, wonach ferner Mitglieder solcher religiöser Vereinigungen. die iatzungsaemäß zum gemeinsamen Leben verpflichtet sind, nicht zu Schössen berufen werden sollen und ullnach bei Auslosung der Schöffen je eine Frau nusgelost.werden soll.
Reichst!!stizminister R a d b r u ch hielt den Antrag, datz mindestens ein Schöffe ein Mann sein mutz, für vraktisch. Der Minister erwartet von der Annahme des Gesetzes, datz mehr und mebr an die Stelle des reinen Männerrechts ein Menschcnlicht treten werde
Der von allen Parteien mit Ausnahme der llnab- här-igen und Kommunisten einaebrackt« Antrag wurde an- gencmwen und mit diesen Anträgen auch der Kommisiions- veschluß.
, Dir Bor läse wurde dann gleich auch in dritter Lesung einstimmig angenommen. -
Es folgte dann die zweite Lesung der Anträge Müller- Franken über die Abänderung des Weinsteuer- gesetz es und des Schaumweintteucrgesetzes. Der Ausschuß bat beschlossen, di« beiden Gesetze zuiammen- zusassen. Die Weinsteuer soll auf 20 Prozent des Steuerwertes und die Schaumweinsteuer aus 30 Prozent bemessen weiden. Zur wissenschaftlichen Forschung der den Weinbau und die Weinbchandlnng betreffenden Fragen darf aus der Weintteuereinnahme ein Betrag bis zu: Höbe von 3 Millionen Mark jäbrlich verwendet werden, ebenso zur Durch- fübrung der Rcülausbekämvfung. Der Reichsfinanzminister kann im Einvernebmen mit dem Rricksrat diese Summe entsprechend erböben.
Ohne wesentliche Debatte wurde der Kommissionsbeschluß in zweiter Lesung angenommen.
In allen drei Lesungen wurde dann ein von allen Dar- te'en mit Ausnahme der Kommunisten eingebrachter Gesetzentwurf zur Sicherung. der ärztlichen Versorgung bei den Krankenkassen angenommen. Danach können die Krrnken- kc-ssen durch den Reichsarbeitsminister ermächtigt werden, statt der Krankenpflege oder sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung eine Barleistung zu gewähren.
Dann wurde der Handelsvertrag mit Süd - s l a w i e n in dritter Lesung angenommen.
Danach folgte die Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern beim Kavitel 1. Titel 1: der sich mit den Entlassungen weiblicher Beamter und Hilfskräfte auf Grund einer unehelichen Mutterschaft beschäftigt.
Ein Antra« der Demokraten will die gerechte Anwendung dieses Paragravben auf Männer und Frauen der einzelnen Fälle darauf bin sevriift baben. inwieweit eine Verletzung der öffentlichen Ordnung vorlieat.
Die Sozialdemokraten verlangen, datz die unebeliche Mutterschaft kein Grund zur Entlassung ist.
Pom Zentrum sprach Frau Aba. Dransfeld, di« betonte. datz die unebeliche Mutterschaft den Familiengedanken
BC *°lr&ß!'‘ Frau Müller-Ottfried (D. Bvt.) sprach sich gleichfalls gegen • die uneheliche Mutterschaft der Beamtinnen ans. , - ,
Abg. Frau Schröder (Soz.) erklärte, unverständlich sei der demokratisch« Antrag, der nur zur Folge dabe. datz die Schnüffelei, die jetzt den Beamtinnen gegenüber geführt wurde, auch auf die Männer ausgedehnt werde.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Nr. irr
Staatstheater.
. Ilfebil l". eine dramatische Sinionie in fünf Bilder,' von Friedrich Klose — ging gestern als Neubeit in Esene. Eine Neuheit für Wiesbaden. Denn dies Werk des jetzt 60iäbrigen Münchener Komponisten bat schon 1903 in Karlsruhe die Uraufführung erlebt und ist seitdem an verschiedenen Bühnen zu Gehör gebracht worden. Der Untertitel lautet: ..Das Märlein von dem Fischer und seiner
Frau". Richtiger: ..von dem Fischer un syner Fru : es handelt sich in der Tat um eine Bearbeitung dieses alten vlatt- deutschen Volksmärchens. Der Vater des Komvonistrn bat Anregung und Plan dazu gegeben: Hugo Hoffmann. der Schwager des Komponisten, die poetische Ausführung übernommen: ste ist. abgesehen von den etwas Wasnerisck- aewasten Stabreimen recht geschickt ausgefallen. Wer kennt das Märchen nickt: ..Männche. Männche. Timvrte: Fisch
lein. Fischlein aus dem See: mine Fru. de Jlsebill. „will nick io. wie ick woll will"! Ins Suso Hoffmannsche übertragen: ..Wels im See. gewalt'ger Waller, tauch aus der Tiefe zu Tag. zeig' Jlsebill. wie du gewährest Wunsch und
Will'!".Ru. wat will se denn" — trägt der Fisch im
Märchen. Und es folgen die verschiedenen Wunsche dieser Frau Jlsebill. di« immer böber und böber hinaus will — bis die aanre Herrlichkeit in stch »usammenbricht. Und — wie es bei Gebrüder Grimm beißt — ..Mann und Frau wobnten nu wieder zusammen in'n P. .vott." Statt dieses boblen Eefätzes bat der Tertdichter einen, bohlen Baumstamm vorgeschrieben. Nun gleichviel: der tiefere Sinn der Märckendicktuna ist klar: die übertriebene Begehrlichkeit der menschlichen Wünsche, das matzlofe Ringen nach autzeren Gütern, nach Reichtum und Macht — findet am Ende, wofern nickt bei Zeiten kluger Einhalt geboten wird, feine Strafe in sich «elbst — den Untergang Das neue Werk will denn auch keineswegs eine nur äußerliche Tbeaterein- ricktung des Märchens lein, sondern zielt auf eine psychologisch tiefer begründete. dramatische Handlung bin. wobei Frau Ilsebills Gestalt einen fast dämonischen Anstrich erhält. Ein eckt dramatisches Moment ist's iedenfalls datz die Dichtung — und vor allem die Mustk an Grotzbeit. Ernst und Bedeutsamkeit wacküen — mit Ilsebills immer böber greifende« Wünschen. Die letzteren — im Märchen ibrer sechs — stnd vom Dichter auf vier beschränkt. Jeder Wunsch — ein Bühnenbild.
1. Bild. Am Bergsee. Sei arme Fischer fängt den Wels. Es ist ein philosophisch angehauchter Wels, der sich in der Welt «uskennt und fick Leben und Freiheit erkauft durch das Berivrecken: jeden Wunsch zu erfüllen. Der Fischer weiß damit nickt viel anzufangen. Aber Frau Jlsebill bat fchon längst von Glan» und Herrschaft geträumt: und als
Aber die Entschließung des Ansschustes. wonach für weiblich« Beamte und Hilfskräfte die Tatsache der unebelicken Mutteischc.fi als solche nicht Grund zur Entlastung oder Anstrengung eines Dikzivl-narverfabrens sein kann und die Beförderung einer Hilfskraft zur Beamtin nickt lediglich aus diesem Anlab abgelebnt werden darf, fand namentliche Abstimmung statt. Die Abstimmung ergab di« Ablehnung d«eler. Entschließung mit199 argen 156 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen. Für Ablebnung stimmten auch die Demokraten. Das Ergebnis der Abstimmung wurde von d:r Linken m : t lebhaften wiederholten Pfuirufen ausgenommen.
Die Entschließung der Demokraten auf gleichmäßige An- werwuug des 8 10 des Beamtengesetzes aus Mann und Frau und Prüfung der Einzelkälle von unehelicher Mutterschaft bei Beamtinnen daraus bin. inwieweit eine Verletzung der öffentlichen Acktrin» vorliese. deren der Beamte bedarf, wurde dem Rechtsausschuß überwiesen.
Die Besoldungen im Ministerium wurden bewilligt, ebenso die Entschließung auf baldige Vorlesung eines Lebrerbildungsaesetzes. .
Eine vom Ausschuß für Bildungswesen eingebrackte Entschließung über die baldige Einführung einer e i n b e i t- lichen Kurzschrift fand Annahme.
Man ging dann zur Einzeldebatte des Jnnenetats über. Zunächst wurde der Bosten des Ausgabekapitels der Abteilung für die besetzten r b e i n : s ch % n Gebiete und des Kapitels des Reickskommistars für die besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz zur Debatte gestellt.
Abg K 0 r e l l (Dem.) ergriff das Wort und bat die Regierung. die Besatzungsfroae in Genua zur Svrache zu bringen Er betonte, daß er auf dem Standvunkt stebe. daß eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland aus volkswirtschaftlichen Rücksichten durchaus geboten sei. daß dies aber unmöglich wäre, so lange di« Besatzung bestehe. Die Eingriff« in das deutsche Schulwesen wies der Redner energisch zurück. Mit Eenustuuna begrüßte er. daß beim Reichsmipisterium des Innern nunmehr eine Zentralstelle für die Angelegenheiten des besetzten Gebietes errichtet worden fei. Tie Rheinländer hofften, daß es dem an der Svitz« dieser Stelle stehenden Staatssekretär gelingen möge, ohne Reibung mit den einzelnen Restorts alle Wünsche und Be- sckv erden aus dem besetzten Gebiet in rnfriedenstellender Weise zu erledigen Der Redner ging dann auf die herrschende Wohnungsnot, namentlich in der Sladt Mainz ein. wo eine außerordentlich große Zahl von Wohnungen und Zinlmern beschlaanabmt wprden lei. Er fordert« das Reich auf in der W 0 b n u n g s f ü r s 0 r g e für das besetzte Gebiet nicht zu erlahme».
Die beiden Kavitel wunden darauf angenommen, desgleichen das Kapitel Elsaß-Lothringen
Zu den Erziebungs- und Schulfragen sprachen die Abng. Frau Dr. Matz (D. Bot.). Dr. Lutter (D. Bvt.) und Dr. L ö w e n st e i n (U. S.). Der Antrag der Abg. Frau Dr. Matz aus Förderung der Jugendherbergen wurde angenommen, ebenso der Antrag auf Schulunterricht über di« Erenrländer Deutschlands. Die zu der Gruvve Erziebungs- und Schulfragen gehörigen Kavitel wurden oenilligt. ^ ^
Das Kavitel Medizinal-Doltzei- und Gesundheitsamt wurde, nachdem die einzelnen Parteien ihre Wünsche hierzu vorgebracht batten. bewilligt.
Ta ein nach 10 Ubr einaebrackter Vertagungsantrag des Abg H ö l I e i n (Komm.) keine Annahme fand, ging das Heus noch zur Beratung der Grnnoe volni!ch-tschechi!cke Rot- hilie und Reichskommistar für ösfentlicke Ordnung über.
Abg. Dr. Hertz selb (Komm.) kritisierte die Tätigkeit des Reichskommistariats für öffentliche Ordnung.
Daraut vertagte stch das Haus auf Freitagvormittag 11 Ubr: Fortsetzung der Etatsberatung und der Anträge über die Rot der Zeitungen^—Schluß 11 Ubr.
Die neue Geschäftsordnung.
Br. Berlin. 7. Avril. (Eis. Drsbtberickt.) Der Eeschäfts- ordnungsausschuß des Reichstags bat die zweit« Letung der Rcvistcn der Geschäftsordnung beendet. Die neue Geschäftsordnung soll sofort nach dem Wiederzulammentritt des Reichstags noch Ostern im Plenum beraten werden. Unter den neuen Bestimmungen stnd die folgenden als wesentlich Herrn rzubeben:
Die Redezeit wird auf % Stunden bemessen. Die Diszivlinarmittel werden dadurch verstärkt, daß bei Zuwiderbandlungen gegen die Eeschästsordnung im ersten Fall ein Diätenabrug von 5 Tagen, im Wiederbolunasfalle von 20 Togcn eintreten kann. Die Mehrbeit des Geschäfts- ordiwpgsouslchustes bat stch Vorbehalten, noch schärfere Maßnahmen zu beantragen, falls dies« nicht genügen. Die Frage der Herbeirufuns von Ministern und die Frage der Miß - und Vertrauensvoten wird neu geregelt, die letztere in der Weise, daß Abänderunssanträgc zu einem Mißtrauens- oder Dertrauensvotrim nickt mebr zugelasten sind, sondern solche Anträge als selbständige Anträge eingebracht werden müssen. Außerdem ist eine Reibe von Zweifelsfragen die stch aus der neuen Reicksverfastuna ergeben baben. geregelt worden.
Preuhi scher Landtag.
Br. Berlin. 7. Avril. (Eig. Drahtbericht.) preußischen Landtag begann am Donnerstag die 2 und? Beratung des Gesetzentwurfes zur Abänderung des 8 in, Absatz 2 des allgemeinen Berggesetzes iut hi, preußischen Staaten. Darnach soll die Zahl der gewerkschas? licken Anteile (Kui-id aus ein vielfaches von 1000. böLkt-n- jedock auf 16 000 erböbt werden können
Die Vorlage wurde in der 2. und 3. Beratung angenommen. BCS
Das Saus ging dann zur 2. Beratung des Ersitzem wuries über die Neuabgrrnzungen der BergwerksMd»- über. Nach längerer Debatte, in die auch der Handel s minister Siering eingriff. beantragt« Abg. Hu!« mann (Soz.) Zuriickverweisiip.g der Vorlage an den A,,-' fckuß für Handel und Gewerbe.
Dem Antrag schloß stch das Haus an und der Entwur? mir« an den Ausschuß zurück. '
Hierauf wurde der Gesetzentwurf, durch den die Mittel zur Förderung des Wohnungsbaues erhöbt werden. in 2. und 3. Beratung debattenlos angenommen
Dann wuroe die 2. Beratung des Domänenetatä fortgesetzt. Rack lebbafter Debatte wurde die Beratnn- zwecks Vornahme früher zurückgestellter Abstimmungen zum Landwirtickaftsetat unterbrochen. ättn *
Die Ausschußanträgc wurden angenommen.
Der zweite Teil des deutschnationalen Antrages b>. Brotvreiszuschüsse des Reiches für die Minderbemittelten verlangt, wurde angenommen.
Hieraus vertagte sich das Saus aus Freitag 12 Ubr.
Der Gesetzentwurf über Preistreiberei.
Br. Berlin. 7. Avril. (Eig. Drabtbericht.) Der Volks« wirt-ckaftliche Ausschuß des Reichstags letzte die Beratung des Gnetzentwuris über die öffentliche Bekanntmachung von Berurterlungen wegen Preistreiberei u!w. fort. Der Unterausschuß beantragte die Annahme der Vorlage mit einigen Änderungen und emvfabl die Annahme einer Entschließung f»lgenden Inhalts'
Die Wuckerverordming soll möglichst bald eine klar« Kennzeichnung des Tatbestandes des Preiswuchers cr- fabrcn. die eine objektive Feststellung der Zuwiderhandlung ermöglicht. Ein Preiswucher soll nickt vorliegen wenn der Preis der Marktlage entivrickt. Die Wirderaus- rnrbme des Verfahrens zugunsten des Verurteilten soll erleichtert werden. Möglichst frühzeitig sollen schon vor EiLtbii"g der Anklage Sachverständige hinzugezogen werden. Schließlich soll die Regierung erwägen welch« Maßnahmen gegen Kartelle und Syndikate zu ergreifen sind wenn sie die ihnen infolge der Geldentwertung und der unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse erwachsende Macht zur Preistreiberei, insbesondere durch Einschränkung der Produktion und des Handels mißbrauchen.
Rack längerer Debatte wurde di« Abstimmung vorge- nommen Abgelebnt wurde der sozialdemokratische Antrag, der die Regierung ersucht, gleichzeitig einen Eesetzentwurs vorzull gen. der allen Gebalts- und Rentenempfängern ein der Preissteigerung entsprechendes Mehreinkommen sichert. Der Gesetzentwurf selbst wurde im wesentlichen gemäß den Beschlüssen des Unterausschusses angenommen.
Die gleitende Eehaltsskala.
W. T.-B. Berlin. 6. Avril. Im Reichstagsausschub für Beamte na ngelegenbeiten wurde ein von den Sozialdemokraten unterstützter und von den Deutschnationalen ergänzter Antrag des Zentrums einmütig angenommen in dem oie Regierung ersu.ckt wird, bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags eine Denkschrift über die gleitende G e b a I t s s k a l a für die Beamten vorzulegen.
Erhöhung der Reichswochenbeihilfe und der Wochen- fürsorge.
W. T.-B. Berlin. 6. Avril. Im Hauvtausfchuß des Reichstags wurde bei der Behandlung des Etats der Reichsarbeitsministeriums u a. eine Entschließung der Abg Frau Schröder (Soz.) angenommen, in ver die Regierung ersucht wird, den: Rcickstag umgehend einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Leistungen der ReichswoÄen- bilfe und - Wocheniürsorge in Einklang mit der emgetretenen Teuerung bringt.
Die neuen Steuergesetze von den Reichsratsnusschüsse» angenommen.
Vf. T.-B. Berlin. 6 Avril. Die neuen Steuergesetze mit dem Mantelgeietz. das Branntweinmono- volgeietz fanden in der Fällung des Reichstages die Zustlmmung der Reichsratsausschüsse. Ange- rwmmen wurde ferner der Gesetzentwurf über die Verteilung des Eewrnns der Reicks bank, der neue Befoldungsetat für die Reicksbankbeamten und der neue Bankhaushalt.
von - fern der frohe Gesang der Bauern berübertönt. möchte
ste wobl auch aui bäuerlichem Grund und Boden schalten und walten. Der Wels wird beraufbesckworen. Spannend icknldert die Musik, die vorerst nur in zartesten Pastoralen Farben aebalten ist. das mälige Anschrvelren und Ausrauschen der Wallerflut. Und der Wels kündet: ..was Jlie- bill gewünscht — ste bat ibn schon." Nämlich
2. Bild: einen Bauernbos. Da gebt es nun lustig her. Es wird geschmaust und gereckt, gesungen und gesprungen. Bolksmäßige Liedweisen und Reigen sind hier — wie auch weiterbin — in der Partitur geschickt benutzt. Die Mustk gewinnt an Sattbeit des Kolorites. Der Ebor tritt irisch und trank hinzu. In di« allgemeine Behaglichkeit des Bet- fammensleins tönt plötzlich ein Hornruf: eine Jagdgesellschaft nabt. Das Ritterfräulein auf stolzem Roß bezeigt stch ungemein gnädig: und als sie nach kurzem Besuch weiter- »rebt. stebt Frau Ilsebills Wunsch schon fest: sie will ..aus hohem Schlösse Herrin sein . Und wie vorhin, so wird auch jetzt der Wels heraufbeschworen: und seine Antwort lautet: ..was Jlsebill begehrt — ste bat es schon". Nämlich
3. Bild: ein Ritterschlob. Im Burghof entwickelt stch großer Prunk. Immer prächtiger rauscht die Mustk auf: ein ritterlicher Marsck erklingt, jlsebill fühlt sich ..'gewaltig und stolz". In das festliche Getriebe aber mischen sich unvermutet fremde Wallfahrer: ein Mönch predigt begeistert den Kreuzzug. Seinem Ruf« beugt fick das Rittertum: auf zum beil'gen Streit! Entrüstet steht Jlsebill ihre Macht vor der Macht der Kircke drbinschwinden. Und der arme Fisckersmann. dann Bauersmann, jetzt Rittersmann — nur noch ein fügsames Werkzeug in ibren Händen — muß wiederum den Wels beschwören: Jlsebill wünscht sich .der Kirche Macht". Und der Wels antwortet: ..was sie gewollt
— ste bat es schon" Folgt
4. Bild — wie in gespenstige Nebel gehüllt, nur von grellem Wetterstrablen durchblitzt: eine Kathedrale öffnet sich: Glockenklang. Orgel. Fanfaren und Eboraesang: höchst« orchestrale Glanzentfaltnng. Bei der Waftenweibe der Kreuzfahrer wird Jlsebill als Bischof geehrt! Aber in die feierlichen Zeremonien wütet immer erschreckender das wilde Unwetter hinein, und alles flieht entsetzt von dannen. Bon wahnwitziger Begierde geoackt. schreit Jlsebill auf: Gott selbst will sie sein, der Wolken und Wettern gebietet! Und der Welz läßt die Antwort erdröhnen: ..Was ihr gebührt
— ste bat es schon." Folgt
, 5. Bild. Siebe 1. Bild: bei nächtlichem Dämmer
schein kehren ..der Fiicker un syne Fru" resigniert wieder beim und verschivinden im bohlen Baumstamm. Es war cin Traum . . .
Lies letzte Bild enthüllt sich irsilich «ft mach emcz fcfe
weltge'vonnenen. breit ausladenden Verwamdlungsmiisit die allem schon den Titel ..Dramatische Sinfonie" — eine Mahre Binfonia Tragiea — rechtfertigen würde. Denn das ifft ra das original«, vielleicht zu ideale Ziel des Kom- voniliten. daß das eigentlich Dramatisch« seines Werkes vor allem in der stnionffch angelegten Musik zum Ausdruck kommen soll wosegen das bühnenmäßig Greifbar«. Wirklich« imd Wirksame zurücktritt. Kloses Musik, vor zwanzig Jab- ven komponiert, blieb noch unbeeinflußt von Richard Strauß und der Moderne": sie wurzelt im Boden Wasner- icher Kunst. Doch wabrt sie ihren Eigenwert in der vornehm empfumbenen Melodik der Gesangssprache, der edlen Harmonik und reichen motrvichen Arbeit der Orchester- partre: namentlich m der Kraft und Ausdrucksgewalt der planvoll vorbereiteten Steigerungen und der feinsinnigen Sninmungsmalvrei. Hier überall offenbart sich ein« lebhafte Phantasie und technische Meisterschaft.
^ ^ Die Wieder«abe war vorzüglich. Franz, M a n n st ä L i beherrschte bw Partitur mit souverän waltender Sand: er wußte das Orchester— in der zweiundeinebalbe Stund« ununterbrochen währenden Aufgabe — zu immer neu aufflutendem Klang leben anzuivornen und sorgt« für ein ieibungsloles Zusammengehen des Jnstrumentalkörvrrs mit dem fest und sicher ein«reitenden Ebor und Len Solisten. Unter diesen ist Fräulein F r i d als ..Jlsebill" in erster Linie zu neunem. Ihrer gesangsdramatischen Begabung 3«- lanq es. die verschiedenen Wandlungen der Figur in der Eharakterisirk so voneinander zu sondern, daß eine jede durch Mwfen Umriß ein neues interessantes Gepräge erhielt. Als . ..Fischer" erfreute der gastierende S«« Johnsson m Spiel und Gesang durch Frische. Natürlichkeit und Unaufdringlichkeit Für den Wels (mtt Kopf) letzte Herr Andra seine gewichtige Stimme — bittend, mahnend, drohend, strafend — bedeutungsvoll ein. Schwunghaft ohne Effektbaicherei sang Herr Streik als fanatischer ..Mönch" die auf kräftigste Wirkung berechnete Büßpredigt: und Frl. Müller-Rudolph, auf hohem Schimmel mutig und huldvoll zugleich, war ein ..Riiterfränlein" von liebenswertem W-sen und Stimmklan«. Doch auch die vielen in ibrer Art sehr wichtigen kleinerem Rollen lagen tn besten Händen. Daß Fron Ilsebills vier Wünsche in den vier Bildern wie sie oben geschildert sind, ihre wirksam« foemM# Verlebendigung erfuhren, dafür sorgt« die altbewährte Regiekunst des Herrn Ed. M e b u s. Ob das Werk, mit allseitig^ Liebesmüh' so rühmlich dargestellt, sich bei« größeren Publikuni erfolgreich durchsetzen wird, stebt dahistj der Beifall der Krwner ltzeibt Friedrich Kloses ..JlleE g emaort , 0. P-
