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Dienstag, 28. Marz 1322.
Das zwiefache Unrecht.
Ein Blatt, das dem enslischenMinisterprästdenten nahesteht, hat die Veröffentlichung eines Memorandums, das Lloyd George Ende März 1919 an die Friedenskonferenz gerichtet hat, als die ideale Einleitung zu den Verhandlungen von Genua bezeichnet. Aber auch für die Vorgeschichte des Friedensvertrages, die jetzt allmählich aufgehellt wird, gilt der alte Spruch: „Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man mutz st« billig hören beede." Es genügt nicht, mitzuteilen, was Lloyd George im Frühjahr 1919 gesagt hat. Herr Tardieu, dem wir schcn mehrfach Aufklärung über die Vorgänge bei der Friedenskonferenz verdanken, hat jetzt die Antwort Clemenceaus auf Lloyd Georges Denkschrift veröffentlicht, und die beiden Schriftstücke zusammen sind von überwältigender Beweiskraft. Sie ergeben nichts weniger als die vollständige Verurteilung des Versailler Vertrages.
Denn jene beiden Memoranden ergänzen einander derart, dag Lloyd Georg« unwiderleglich beweist, welches Unrecht durch Frankreichs Friedensforderungen Deutschland angetan wird, während Elemenceau nicht weniger einleuchtend darlegt, wie unerträglich Englands Friedensforderungen für Deutschland find. Der englische Ministerpräsident hat richtig erkannt, daß sich Deutschland schwerlich innerlich mit einem Frieden abfinden kann, der Millionen von Deutschen, die in fest geschlosiener Si«delung leben, vom Reich losgerissen hat. Er.hat rechtzeitig eingesehen, dah durch die elnseitige Entwaffnung Deutschlands, wenn ringsum die deutschen Grenzen Europa von Waffen starrt, nicht d'.e Rnbe und Ordnung des Friedens hergestellt-werden kann' und er hat, lange bevor der Versuch, unmögliche Friedensbedingungen zu erfüllen, die deutsche Volkswirtschaft an den Rand des Abgrunds geführt hat, klar auseinandergesetzt, daß es sinnlos ist, Deutschland zu verstümmeln und darnach Leistungen von ihm zu fordern, die nur einem vollkräftigen Wirtschafts- kcrper zugemutet werden könnten. In alledem hat Lloyd George offenbar recht gehabt. Was bedeutet die lange Reibe der Konferenzen feit Frühjahr 1920, bei denen die Forderungen an Deutschland immer wieder eingeschränkt werden mutzten, anders, als datz er schließlich auch recht behalten wird?
Aber ist nicht ebenso klar, was Elemenceau sofort auf Lloyd Georges Ausführungen zu erwidern wutzte: Datz kern Frieden Deutschland als gerecht erscheine und es mit dem Geschicke der Niederlage versöhnen könne, wenn ihm die Weltstellung entrissen würde, die es sich m so harter Arbeit geschaffen hatte? Elemenceau hat für die Lebensbedingungen der deutschen Volkswirtschaft em ganz richtiges Verständnis bewiesen, indem er darlegte, man könne Deutschland nicht seine Kolonien
— und mit ihnen gesicherten Rohstoffbezug — wegnehmen, man könne nicht die deutsche Handelsflotte enteignen und alle Grundlagen des deutschen Autzen- bwndels zerstören. und dabei erwarten, datz die Deutlichen ihren kolonialen, maritimen und kommerziellen Zusammenbruch als ein Werk der Gerechtigkeit betrachten würden. Unbarmherzig geht Elemenceau der englischen Heuchelei zu Leibe, wenn er die Fraae auftvirft, ob die Klagen der Polen wegen schlier Behandlung durch die Deutschen weniger Berücksichtigung verdienten als diejenigen afrikanischer Einae- oorener, auf die man sich berufe, um Deutschland für ^fah,g zur Verwaltung von Kolonien zu erklären Wenn man berücksichtigt, dah sich zu jener Zeit zwar
polnische Agitation geltend machte, datz aber bezüglich der Klagen der Eingeborenen in den deutschen Kolonien keinerlei Beweise erbracht werd-n ■? feststand, datz namentlich
m Deutsch-Ostafmka dre Eingeborenen bis zum Scklutz
8e"aeschiÄ! .^halten hatten, so wird man
Me geschickte Bosheit eines Arguments verstehen das rede englische Gegenrede verstummen machte.
- Was wissen wir jedoch nach der Mitteilung zweier £ ^.O^Zer Denkschriften über das Werk von Versailles. Es konnte nur unter der Bedingung Zustandekommen, datz England und Frankreich sich dahin
f.ül! 1 vl n: v* ™5’ ne Forderungen an Deutschland zu.
und ich werde deine Forderungen erfüllen. Keiner der Werden Verhandlungspartner gab in irgend einer S.aae nach. Es war ein Streit, auf den die Um- lateinischen Spruches patzt: „duokns -/omni-, non graudet, sed dolet“, — als K af. tb f n stritten hatte sich Deutschland als Dritter sondern zu leiden. Nur insofern ist ® eot 9. e und Elemenceau ein Unterschied «KrÄ bcr französische Ministerpräsident ohne
u —«vä te&stftgs
Abend-Ausgabe.
Nr. 148. ♦ 70. Jahrgang.
Unrechts gegenüber Deutschland entschlotz. Herr Tardieu hat darüber bereits vor einem halben Jahre Mitteilungen gemacht. Als der erste Vertragsentwurf den deutschen Unterhändlern übergeben worden war und deren Einwendungen durch das einstimmige Urteil der neutralen Welt bekräftigt wurden, ist Lloyd George (im Juni 1919) auf eine Reihe seiner früheren Forderungen zurückgekommen. Er verlangte die folgenden Zugeständnisse, um den Vertrag für Deutschland annehmbar zu machen: Die Besetzung des Rheinlandes sollte mit der Ratifikation des Vertrages enden, oder autzerstenfalls auf zwei Jahre beschränkt werden. Deutschland sollte ein Heer von 200 000 Mann statt 100 000 behalten und ohne Auffchub in den Völkerbund ausgenommen werden. Die Reparationsforde- rungen sollten wesentlich herabgesetzt und schließlich die Volksabstimmung in Oberschlesien bewilligt werden Zwei Wochen lang, vom 2. bis 16. Juni, hatte Elemenceau gegen diese Forderungen zu kämpfen, die Lloyd George erst aufgab, als sich Wilson auf Frankreichs Seite stellte. Man machte schlietz- lich Deutschland ein einziges Zugeständnis: Man ließ die Volksabstimmung in Oberschlesien zu. All dies find m-N nur geschichtliche Erinnerungen, sondern es sind Tatsachen von aktuellster politischer Bedeutung. WjH man sich in Genua daran erinnern?
Die deutsche Delegation fkr Genua.
»r. Berlin. 28. März. (Ei«. DrabtberichtZ Die deutsche Ä r lst in ib rer EndrusammensTirana uvar
nc di nickt bestimmt, doch soll an dem Grundsatz festge- werden, ste nabt zu umfangreich werden ru lallen. Darum «ntt man auch an Stelle der ursprünglich oorse- jcfctne!; ,u... Vernieter de: Arbeiter und Angestellten nur - Sackverstandige mltrersen lallen. Für die freien rkickaften ist der frühere Wirtichaitsminister U 'n »uskicht «nomme«. die christlichen Gewrtt- lchoftmi fall^Steaerwald vertreten. wSbrsnd der demo- nutrsche Ab^ordnete Erkelenz für den Gewerk'chakts- rrns an der Konferenz teilnebmen soll.
Poincars geht zur Schluhsitzung muh Genua.
- Baris. 28. März. Havas meldet: Boincar«
wird nicht zu der Eröffnung der Konferenz nach Genua gehen: es ist «doch neckt unmöglich, datz er stch zum Scklub- termrn nach der Rückkehr Mllerands aus Algier dort- brn begrbt. Tatsächlich werden zu dieser Zeit die in Betracht gezogenen Lösungen von den verschiedenen Dele- Sätronen genehmigt werden müssen, und die Frage der An- erkenuun« dm Ziwiets wird erst zum Schlick der Konferenz auttaucken. Diese Geschäftsordnung wird^ derjenigen von
Washington entgegengesetzt seim"" wenn^Pockcarö'^^rst ^im
Führung der französtfchsn Dele-
letzten Augenblick die satron übernimmt.
Sie Sachverstä«Sigenk»nferenz für Genua.
W T.-B. London. 28. März. Die Sachverständigenkon- ierrnz für Ccnua.hat gestern abend ihren Bericht f e^r"t i g- £ e st e I l t. Es ist nur .noch notwendig, den englischen • und «schtte? wird" "^Eeinomder zu vergleichen, was beute
Eine englische Regierungserklärung über Genua.
W-T.-B. Scnöon. 28. Mär, Im Unterhaus teilte Ebamberlarn mit. datz bei der Debatte am nächsten MontU eine Regierungserklärung über die tut Senta in Aussicht genommene Politik der Rrmrrring abgeaeben würde. — Ein Parlamentsmtt- sllcd fragte an. ob dre S 0 w 1 e t r e g 1 e r u.n g als ste ihre Tellnabme an der Konferenz angekündiat habe, irgend etwas darüber habe verlauten lallen, datz ste bereit fei. die feftae- letzten Bedingungen anzunebmen. — Ebamberlain erwiderte. diese Frage könne am nächsten Montag erörtett werden: er Je, nicht bereit, diese Frage im Rabmen kurzer «rroge und Ar.twcrt zu erörtern. Ferner erklärte Cbamber- lain. so viel er wille. werde die gesamte Frage des Wechselkurses einaebend in Genua eröttert werden, um fest- »ustellen. welche internationale Aktion notwendig werden würde..— Unter dem Beifall und der Seiterkeit des Sauses nagte Lord Eanendish Bentick. welchen Zweck es habe, datz Llovd George nach Genua gebe. we,rn dieReva- r^attonskomMission in der Zwischenzeit an dem ecksclkurs Eurovas Sabotage verübte. — Ein anderes „sttslied stellte die Fräse, ob Llovd George die Veröffentlichung des Memorandums veranlatzt habe das er auf der Friedenskonferenz im Jahre 1819 unterbreitet habe und ob der Prcmiorminister beabsichtige, zu der in dem Memorandum angekündigten Politik zurückzukebren. — C bombe r l a i n bejaht« erst die Fra«, fügte dann aber binzu es bestehe keinerlei Zusammenhang zwischen der Beröksent- l?ckuna des Menrorandums und der Konferenz von Genua Der Geist, von dem das Dokument ansgeaangen,fei. f»j der
Ne reiyernm it« w ie»mlim«rr.
Br. Berlin. 28. März (Eig Drabtbericht.) Am Mon- tagnackmittaa um 3 Ubr »eriammelten sich in der Reichskanzlei die oräfidierenden Mitglieder der Re- grerung der einzelnen Staaten unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Dr Wirtb zu einer Besprechung oer durch die Reparationsnote geschaffenen Lage. An der Sitzung nahmen von der Reichsregierung der Minister des Auswärtigen Dr. R a t b e n a u. der Reichsminister des Innern, der Retchswirtschattsminister und der Leiter des Wiederaufbauministeriums teil Reichskanzler Dr. Wirtb und Reichsminifter Dr. Rathenau legten in eingehende« »usfübrungen di? Stellungnahme der Reichsreaierun» zu der Note der Revarationskommistion vom 21. März 1922 dar. Hieran fcklotz stck eine weitgehende Diskussion an. a» der sich die anwesend«-« Ministervrästdenten und Etaatsvrä- stdenten' beteiligten. In allen Reden der Vertreter der Landesregierungen wurden die Entscklietzungcn der Rcichr- regieruna vollkommen gewürdigt Zum Schlick der Sitzung konnte der Reichskanzler feftstellen. datz zwischen der Reichs- reaierung und den einzelnen Landesregierungen volle Einmütigkeit binstcktlick der »olitiscken Richtlinien und der Stellungnahme zu der Morntoriumsnote bestebt. Im Rabmen dieser enreultcken Traebnille der letzten Regie- runssbesvreckungen wird, wie wir hören der Reichskanzler «m Dienstag die Erklärung im Reichstage abseben.
Sofort im Anschlub an diese Sitzung emvfing der Reichskanzler die Führer der Sozialdemokratie der Demokraten, oes Zentrums, der Deutschen Bolksvartei und, der Venerischen Bolksvartei. um sie über die Anffallung der Reicksregierung ru der Entscheidung der Revarationskvm- misston und über die Richtlinien der heute im Reicks- wg abmigebenden Regierungserklärung zu unterrichten, bvätar fand auch «ne Besvrechung des Reichskanzlers mit den Führer« der Deutlcknationalen Bolksvartei und der Nnabbanmgen statt. Mit Ausnahme der Deutsche« Boll»- vartei. die bereits gestern abend zu einer Fraktionssitzung znsammeutrat. werden die Frattionen erst !m Laufe des heutigen Vormittags zur Haltung der Regierung Stellung nehmen Zu der Erklärung des Reichskanzlers im Reichstag wird wobrscheinlih auch nock.der Minister de- Äutzern Dr. R a ib i n a u. das M et ersrtifen.
. Ausden Besprechungen mir dem Kanzler verlautet, datz der Rerckskanzler die Forderung von 6g Milliarden neuer Ste»«rn und «ne Finanzkontrolle als unannehmbar ab- l c b n t. Eleickvitta aber v-tonte er die Notwendigkeit, di« Ausgaben des Reiches durch eine noch gröbere Soar- »**.*,* 'u verringern Im übrigen werden die Mög- lickkeiten ,u Verhandlungen mit der Revarck- tionskommiNwn oste« aelallen. ^
. Autzer der Konferenz der Innenminister findet wie die
bört. beute im Rchchsstnanz Ministerium eme Konferenz der F 1 n a n z m i n i st e r der Lander statt, die die allgemeine Finanz- ^?^und insbesondere die Novelle zum Landessteueraesetz m»m Gegenstand der Beratungen haben soll.
Die Frage ei«es Bertraue«sv»tums.
B"lin. 28. März., lEig. Drabtbettckt.) Die F«ge Ldie Remenlnaspartewn ein Vertrauensvotum esti- wettien. „t noch unbeantwortet Es ist hierüber noch kein B e s ch l u tz gefatzt worden
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PUitzüche «»reise des franrSstfchen Botschafter» i» Berli«.
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seiner Abwesenbeit führt ein
- M ÄnNcht von interessierten. Kreisen band«8 es sich um eme Berichterstattung W!« v°n Seite dazu ergänzend mitgeteilt wird, llt man inDurisb^
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d,e zwilchen Pvincar« und Laurent besteben, und dis üre 5 S nt “ fia t u4t ™ "der eine Erschütterung der EllLL
lluzufriebrnhett «it der Repar«tti»nsko««jfsl»« j« Frankreich.
Al. r.-L P«is^ 28. März. In seiner «estrige« Retz« m Senat erklärte Senator Verenger während der rotungen über das S 0 nderbudget für den Wiederaufbau. man.mulle feststellen, datz die Reoa-
--»ein. vvii vcm uti» ^viuuuriu »ex. ist ö 2 ‘
Geist, der di« Regierung währeno der ganzen Verbandlun gen erfüllt habe
Rückkehr des italienischen Außenministers nach Ram.
W. T.-B. London. 28. März. lDrahtbericht.) Der italienische Minister des Äutzern. Schanzer. der gestern abend wieder nach Rom zurückgekehrt ist erklärte in einer llnler- redung mit einem Vertreter des Reuterschen Bureau sich sebr befriedigt über die Zusammenkunft mit L1 0 v d E e 0 x 9 e. über die Einladung der russischen Delega tion nach Genua sagte Schanzer die russtschen Delegierten würden mit der grotzten Achtung emv fangen werden. Die Alliierten erwarten, datz die Russen nach Genua kommen werden in dem Gedanken, bei dem Wiederaufbau des Wirtschaftslebens in Europa voll Mitzuarbeiten. Seiner Ansicht nach komme die russische De- e?aatlon nickt nack Genua, um Propaganda ru machen son-
WAT, ftlich.
Das Land wolle nickt in den Cteuern unttr«h'^°snn>L^ es wolle, datz Deutschland be, ab Vorbau« von Papiermatt, mit dem Äutsch'land Hullen versuche, bemerke man doch seine 'lsabriken Tätigkeit, seinen blühenden Handel sein« m
militärische p Wtedererbebunw Mer ^utschland unte- nehme eine stevcrlick>e Anstrengung die dVeimal nerinaer^ei
als die ve-n Frankreich und England Das könne nick: an- daue.n. Wenn Deutschland nicht die noLndi« Am strenaun« aufbrina«. müste man di« P s 8 itber"fTm an die durch den Versailler Frittiensvertrag festgesetzt ^eie^' MUck^erfülle^^^b' ^ die Revarationskommiffion ihre
saote »um Sckliitz die Revarationskommtssion könne blander verlangen. Wenn Deutschland ste oerwriger«.
man dann macken? Habe die Regierung diele M,dgl>chke>t ins Auge gefatzt? Man babe es niebt ver- st^den. Deutschland dl« ettorderlicken Sanktionen au» Waffenstillstand aufzuerleaen. Jetzt lacke Deutschland Frankreich. Zwischen dem klaren Genie FrankreickL PI 0 !' Descartes und Fock, und dem camouflierten Genie Deutschlands sei e:n Duell im Gange. Es würde für Frank- reick tödlich ausgebcn. wenn es stck nicht auf der Höbe seiner Lrivaien. die den Sieg gebracht batten, zeigen würde und
